Wandern und Reisen • Bäder und Sommerfrischen.
Reise weg: Frankfurt, Hamburg, Cowes (Insel Wight, London), Plymouth (Devonshire), Glen- garriff (Irische Seen), Hamburg, Frankfurt Gesamtfahrpreis von und bis Frankfurt ab RM 159.-
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Seltersweg Nr.89 44S5v
Zweitägige Wanbersahrt im Vogelsberg
I Wohnsitz. Wir durchschreiten den prächtigen Park, kommen beim Ausgang auf eine Allee, die wir ent-
1.
Die schöne Weserlandschast
Von Friedrich Schnack.
Blick auf eine Flußschleife bei Höxter in Westfalen. (Scherl-Bilderdienst-M.)
IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIU Eine Einladung an ö’eiei Stelle umt Besuch Ihres Hauses führt zu Gästen aus Gießen und Oberbessen I IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIU
Hanges? Seltsame Berge dort, sehen aus wie erloschene Vulkane. Sie sind es auch. Da gibt es eine ganze Menge zu denken. Man müßte einmal nachlesen über die geologische Gestaltung seines Landes, auf dem man da so geschäftig und eigentlich ganz ahnungslos herumturnt. Dann die Ruinen, die da auf einen herabschauen. Ja, Donnerwetter, was war da mal los? Man hat's doch wohl gelernt? Laß ihn ruhig heraufsteigen, den ganzen grandiosen Zug der Geschichte deines Volkes! Daneben liehst du wie mit überirdischem Blick, wie die Sonne drüben hinter die brandigen Wolkenbänke hinabloht, und mit aufgewecktem Gefühl tastet deine Seele nach
lang gehen, überschreiten zwei Brücken und erreichen bald darauf den Wald. Blaue Kreuze fuhren uns weiter am reizend gelegenen Forsthaus Willina vorbei in stetem Anstieg hinauf zum Sengetsberg, von dessen Kamm sich eine prachoolle Fernsicht nach der kuppenreichen Rhön erschließt. Rach gut zweistündigem Marsche, von Schlitz gerechnet, erreichen wir das lieblich in einem Talkessel gelegene Bad Salzschlirf, wo wir die schönen Kuranlagen besichtigen und uns erholen können. Hinter dem Kurhaus steigen wir hinauf zum schönsten Punkte in der Nähe des Bades, zur Marienlust, wohin uns weiße Striche den Weg zeigen. Diese führen uns weiter über den Söderberg, sodann durch Angersbach hinauf zum 434 Meter hohen Hainig. Don dessen steinernem Turm bietet sich ein herrlicher Rundblick nach der Rhön, dem Thüringer Wald, dem Hessischen Hügelland, dem Knüll und Vogelsberg. Bald darauf erreichen wir unser Endziel, das industriereiche Städtchen Lauterbach. Da die Markierungen der beiden obigen Strecken nicht immer einwandfrei sind, ist die Mitnahme einer guten Karte erfor-
gebaut wurde. Sein Korn ist fein, dicht und hart. Da er widerstandsfähig ist, blieben die Kammlinien der Berge vom Biß der Zerstörung verschont und strecken sich lang.
Wie schön ist der Tag, wie beglückend der Augenblick! Der Boden ist stark und fruchtbar. Die Dörfer stehen nahe bei ihren Aeckerbreiten und freuen sich des Lichtes. Es sind aneinandergereihte und zusammengewürfelte Siedlungen, ihren Grundriß hat der Zufall gezogen. Wie eine Wolke wächst der Buchenwald der Deisterhöhe in den Himmel. In der Ferne flimmert der Bückeberg, der launisch einer anderen Richtung zustrebt als die südöstlich wandernden Bergnachbarn. Er ist der Berg des Erntedankfestes.
*
Der Wagen erreicht die Sadt Hameln. Der Name erweckt auf dem Landfremden die Sage von Rattenfänger, der sich grausam an der Bürgerschaft rächte, die ihr Wort nicht hielt. Altes und Neues einen sich hier. Wer das Neue besitzt, freut sich am Alten. Die Stadt ist schön, schmuck, ein wenig aufgeputzt, indem man das Alte betont, pflegt, anmalt und hervorkehrt; aber das wirkt wie feiertäglich und mit
Wir fahren mit dem Frühzuge nach Alsfeld, der Perle unter den oberhessischen Städten. Hier besichtigen wir die mancherlei Sehenswürdigkeiten, wie Rathaus, Hochzeitshaus, Weinhaus, Walpurgiskirche usw. und benutzen sodann die Kraftpost, die vom Bahnhof abfährt, nach Lingelbach. Von hier wandern wir zunächst die Landstraße bis zum Wald, wo wir weiße Striche antreffen, die uns in langsamem Anstieg hinauf zum 505 Meter hohen Schloß Herzberg mit einfacher Wirtschaft führen. Oben betrachten wir uns die Schloßkapelle, den Rittersaal, das Burgverließ usw. Die Aussicht von der wohlerhaltenen Burg auf die Rhönberge, den Knüll, den Vogelsberg und die weite Schwalmebene ist entzückend. Weiße liegende Kreuze leiten uns hinab nach Grebenau und von da durch einen ausgedehnten Waldbezirk nach Schlitz, wo wir übernachten.
2. Tag: Schlitz — Sengersberg — Bad Salzschlirf — hainig — Lauterbach.
Nach Besichtigung der interessanten Stadt mit ihren verschiedenen Burgen gehen wir über die Bahn und gelangen zur Hallenburg, dem gräflichen
Tag: Alsfeld bzw. Lingelbach — Schloß Herzberg — Grebenau — Schlitz.
Reisekoffer LM.33.
Von Rikolas Knobel
Auch der Umgang mit Koffern will gelernt sein. De^ es ist ja nicht so, daß sie sich einfach voll packen lassen und dann freundlich mit auf die Reise gehen. Ein Koffer hat — wie jetzt Tausende feststellen werden — seine Eigenarten.
Der, von dem hier eine Großaufnahme wieder- gegeben wird, hieß L. M. 33. Gewiß wird auch er vor seinem Auftreten in der Öffentlichkeit erst all die üblichen Mätzchen gemacht haben: zunächst war der Schlüssel nicht zu finden; dann versagte das Schloß; zuletzt wollte er nicht fassen, was er aufnehmen sollte, und der angewandten Gewalt wich er nur unter Preisgabe eines Scharniers.
So trat er ins öffentliche Leben dieser Reisesaison ein. Um es nachdrücklicher zu machen, tat er als fein Herr ihn absetzen wollte, noch einen kleinen Schlenker, der aber genügte, um einen lauten Schrei zu entfesseln. Eine bisher völlig unbeteiligte Frau stieß ihn aus, weil der Koffer L. M. 33 vermittels des Schwunges genau auf ihren Zehen gelandet war.
Dadurch zunächst befriedigt, ließ er sich in das Gepäcknetz heben und begnügte sich auch damit, in einer dort von ihm überraschten Handtasche ein Spiegelchen zu zerdrücken. Es wurde erst später bemerkt. Und nachdem auch die übrigen Reisenden in ähnlich glücklicher Fügung ihre Gepäckstücke verstaut hatten, konnte das Abteil Frieden finden.
Manche Koffer machen den dummen Scherz, bei Kurven oder Bremsrucken auf die unten Sitzenden
Was ist denn da alles drin? Der Fluß, das Tal, die Bäume — was für Bäume? Wie sehen sie aus? In welchem Zustand sind sie? Die Felder — wie sind sie- durch den Winter gekommen? Oder im Sommer? „Wie steht die Frucht?" Was ist das überhaupt für Vieh, das dort weidet? Richtig, wie heißt der Fluß? In welchen anderen mundet er ? Wo kommt er her? Vom Thüringer Wald Da steht bas Bild des Waldes vor dem inneren Auge aut. Oder es steht nichts auf. Das muß dich aber beunruhigen. Du bist doch ein lebendiger Volks- und Zeitgenosse! Weimar! Hast du einmal Weimar besucht? Das muh man wenigstens einmal im Leben getan haben. Hast du einmal den „Faust gesehen. Die Gedanken beginnen zu kommen und zu geyen, und neben dem Zug der Landschaft geht hinter den Augen ein Geisterzug von Selbstprüfung oder von Erinnerung vorbei. , , .. . .na
Woraus bestehen eigentlich die Felswände jenes
derlich.
Wanderzeit an beiden Tagen je 4Vs Stunden.
den Meeren und Kontinenten hinüber, in denen sie jetzt aufgeht. Die ersten Sterne brechen durch, bevor du an dein Ziel kommst, und der entfaltete Nachthimmel gibt dir noch einen großartigen Unterricht in Astronomie. Nimm ihn mit! Stürze deinen Geist und die angerührte Ahnung hinein in die unermeßlichen Abgründe! Schließlich siehst du mit stillem Bedauern die Signallichter deiner Station aufglühen. v .
Noch nie ist dir eine Fahrt so kurz geworden! Noch nie bist du so aufgeschlossen und hellsichtig gereift, so sehr als Mensch und so wenig als dumpfer Maschinenteil. Gute Fahrt!
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Gngland-Irland- Fahrt 1937
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genbe Weite. *
Dann fahre ich dem Wasser entgegen. Die Flanke des Nesselberges biegt heran, der steinerne Flügel des Süntels dreht sich der Straße zu tm Hmter- arunö streicht der lange Kamm des Deisters. Ein Blick auf die Karte lehrt, daß sich diese schmalen Rücken und Ketten in ein großes Bergsystem em- aliebern da. einer Herde gleich südöstlich zieht, dem Herzynischen Bergland, dessen Mittelgrat non Teutoburger Wald, den Weserbergen, dem Thüringer, Oberpfälzer und Böhmer Wald gebildet wird.
UnSer ’ben oberirdischen Landschaften liegen die unterirdischen. Man begreift die oberirdischen nicht halb, wenn man nicht auch die unterirdischen zu erschauen sucht, den Ausbau der Sockel und Grundfesten Vorn Deistersandstein hatte ich schon gehört. Er ist berühmt in der Welt, da aus ihm viele schone Künigsschlösser im Norden und mancher hohe Dom
Nervös - Erschöpfte
Spezialkuranstalt Hofheim 3 (Taunus) bei Frankfurt am Main. Telefon 214 Mäßige Preise. S.-R. Dr. M. Schulre-Kahleyss, Nervenarzt
Buhbach
baut Schwimmbad und Sportplätze.
— Butzbach, 2. Juli. Bisher hat es in unserer in jeder Beziehung aufftrebenben Stadt an einem Schwimmbad und Sportplatz gefehlt. Aus diesem Grunde hat sich nunmehr die Stadtverwaltung zum Bau der genannten notwendigen Einrichtungen entschlossen und Pläne von Spezialbaumeistern Herstellen lassen. So ist gegenwärtig der Plan und die plastische Darstellung des künftigen Sportfeldes in dem Erker eines hiesigen Geschäftes aus- gestellt. Danach wird das neue Stadion eine Musteranlage werden. Es wird das gesamte Gelände zwischen der Main—Weser-Eisenbahn und dem kleinen Bach, die Schrebergärtenparzellen, umfassen. Für sämtliche neuzeitlichen Sportbetätigungen sind geeignete Plätze vorgesehen. Neben dem Fußballplatz werden Schwimmbecken, eine 400-Meter-Lauf- bahn, Tennisplätze, Turnanlagen für Weit-Hoch» fprung, Kugelstoßen, Rollschuhbahn, Schießstande. Liegewiesen, ein Restaurationsgebäude u. v. a. m. auf dem Sportfeld entstehen. Nach Vollendung der vorgesehenen Einrichtungen dürste zweifellos eine Musteranlage, die unserer Stadt und ihrer Verwaltung alle Ehre macht, geschaffen sein.
herabzuspringen. L. M. 33 war offenbar zu geschmackvoll für so alte Witze. Die Großaufnahme feines scheinbar unschuldig stillen Verhaltens hätte vielmehr gezeigt, wie er mit jedem kleinen Fahrt- Schwung sein aufgebogenes Scharnier inniger in einen Strang des Gepäcknetzes verhalte und mit teusticher Kunst an der Unterseite einer gebrochenen Halterippe die gleiche Verklammerung übte. Menschenhände hätten diese doppelte Befestigung kaum bewerkstelligen können. Der Koffer hatte an die 200 Kilometer Zeit und Ruhe und Verborgenheit dazu.
Der kurze Aufenthalt in der Station seiner Wahl genügte nicht, um den Eigentümer auch wieder in den Besitz seines Koffers gelangen zu lassen. Der Herr hatte, mit der selbstgefälligen Sicherheit geübter Reisender, erst bei der Einfahrt sein Gepäck ergreifen wollen. Und als er dann den Widerstand merkte, hielt der Zug schon, und die 60 Sekunden Frist begannen zu laufen. Bei 40 verlor er die Nerven; bei 30 halfen schon drei Leute mit, so daß das Scharnier sich neu verhakte; bei 10 schrien zwei Frauen, und als der Zug weiterfuhr, schrie ein Mann, weil seine Frau die Notbremse ziehen wollte.
Die nächste Station war weit und alle überdies ermattet. Deshalb redete man erst 'mal, was nun zu tun sei und was hätte getan werden müssen. Hätte der — jetzt ganz verzweifelte Herr — allein ausfteigen fallen? Hätte man nicht einfach die zwei Ma chen des Netzes zerschneiden müssen? lieber diese Probleme entzweite sich das Abteil binnen kurzem gründlich und laut. Schließlich kam der Schaffner, als er die dramatische Geschichte verstanden hatte, griff er kräftig hinauf. Aber L. M. 33 kam ihm mit unschuldigster Willigkeit entgegen.
Der Herr Besitzer verbrachte den Rest der aufgenötigten Reisezeit außerhalb des Abteils. Nicht nur deshalb, weil — zur Vorsicht — auf seinem Platze jetzt der Koffer faß; sondern auch wegen der Scherze der zu seinen Ungunsten wieder geeinigten Mitreisenden.
Aus dem Fenster.
Von Jakob Schaffner.
Reisen und reisen ist zweierlei, wie übrigens alles zweierlei ist, je nachdem man es tut. Man kann richttg ober falsch reisen, nicht nur nach dem Kursbuch. Man kann zur rechten Zeit auf der richtigen Station ankommen und ist dabei unausgesetzt falsch gefahren Dagegen könnte es vorkommen, daß einer, dem Gott wirklich will rechte Gunst erweisen, an einen ganz falschen Ort kommt und dennoch gerade richtig gereist ist. Aber das sind die stillen Begnadeten Wir gewöhnlichen Sterblichen müssen uns schon vor allen Dingen an den Fahrplan halten; dann allerdings können wir sehen, was wir außer der Beförderung für unser Geld noch hereinbekommen.
Auf größeren Strecken sitzt ja kaum einer da ’.nö läßt nur feinen Körper von der Stelle bringen. Gut, einige schlafen, dann essen sie, darauf schlafen. sie wieder. Das kann angeborene Natur fein, es | kann auch das Verhalten eines überanstrengten Mannes fein, der einmal eine Gelegenheit zum Schlafen wahrnimmt. Welche sagen sich: „Ein Gluck, daß ich endlich einmal zum Lesen komme! und sehen auf der ganzen Reise kaum von ihrem Buch auf. Die wage ich schon gar nicht zu tadeln, zumal ich immer hoffen darf, daß in einem Fall von hundert ein Buch von mir gelesen wird, das sonst ungelesen bliebe; ich aber muß es notgedrungen für wichtig halten, daß ab und zu ein Buch von nur gelesen wird. Also lassen wir diesen netten Fall ebenfalls ungestört, zumal dieser jemand, wenn er wirklich einmal aufblickt, ob er will oder nicht — Landschaft sieht und sie in diesem Fall, oder ich wüßte mich bitter irren, ganz besonders hellsichtig und aufgeschlossen sehen wird, weil ein dichterisches Buch im Gegensatz zum anderen die Landschaft als mithandelnde seelische Macht hat.
Und jetzt sind wir mitten in der Frage drin. „Hellsichtig", „ausgeschlossen" und „Landschaft als seelische^ Macht" — damit ist schon alles gesagt. Der erste Grundsatz soll sein: Ueberhaupt nicht in Landschaft sehen, ohne zum Landschaftsschauen oereit zu
einem Hauch von Märchenhaftigkeit auf den Be» schauer, dem die Fachwerke, angestrichenen Balken und gekerbten Ecken gefallen. Farbe ermuntert die Sinne. In Hameln findet der Blick viele Bauwunder. Eines davon ist das Rattenfängerhaus, einstiges Heim eines Patriziers, jetzt das Museum des Rattenfängers, des geheimnisvollen Seelenfängers von „Anno 1284 am Sage Johanni et Pauli" — der Pfeifer, ist er etwas anderes als der Tod selber? Noch scheint in Hameln, unter schattigen Giebeln und in engen Gassen, für den tiefsichtigen Blick em Schein aus dem Geisterreich aufzuglimmen.
Bei Hameln gewinnt die Weser einen Schwung nach Westen. Die Vorposten des Süntels verstellen ihr den Weg und zwingen sie in gleicher Richtung mit den Bergen zu wandern. Der Berg gibt dem Wasser das Wasser dem Berg das Geleit. Dieser Zwiege'sang der Landschaft spielt reizend, anmutig, lyrisch rein, ohne Herbe oder Leidenschaft. Große Spannungen hat die Natur hier nicht geschaffen. Aber dieses Erdenlied, in dem der Fluß rauscht und der Wald blitzt, wirkt eindringlich und beglückend, fröhlich und heiter lösend auf das Gemüt — es ist eine gesunde, seelenstärkende Weise: im Tal der hm- schweifende Fluß, Wiesen und Dörfer —, unter dem Himmel, der weich und weitgedehnt schimmert, die holde Fülle der Waldungen.
Sommer auf Hiddensee,
von Werner Schumann.
Hiddensee hat nicht die Fülle Rügens, nicht seine Berge und ausgedehnten Waldungen. Es gab eine Zeit, da man vor dem größeren Rügen die kleinere, bescheidene Insel übersah. Erst als Gerhart Haupt» mann sich hier ansiedelte und die nordische Hoheit und herbe Wildheit dieses sturmumbrausten Eilandes pries, wurde es in Künstlerkreisen Mode, einmal auf Hiddensee gewesen zu sein. Hier fand man weder Massenbetrieb noch lärmende Zerstreuungen, weder elektrisches Licht noch Benzingestank. Der schönste Sommertag wurde allein von des überall herbeidrängenden Meeres ewig wechselndem Spiel, vom hellen Schrei der Möwen, dem Silberton der Grillenchöre und den Schafherden bestimmt, die auf den Ebenen der südlichen Jnselhälfte weideten.
Heute kommen nicht mehr allein die Maler nnb Schriftsteller hierher. Die zweitausend Einwohner Hiddensees erwarten jährlich einen großen Fremden- ström, der sich auf das anmutig in Wiesen gebettete Fischerdörfchen Neudendorf, auf das betriebsame Ditte nahe der Heidenlandschaft, auf Kloster und Grieben an den Hängen des nördlichen, dornbittch- bewachsenen Hochlandes verteilt. Die Unberührtheit der Natur ist hier groß. Wahres Urwalddickicht findet der einsame Wanderer auf dem Hochland, dessen bis zu 72 Meter ansteigende, schwindelerregende Steilufer jäh ins Meer abstürzen. Wenn der Sturm über den Dornbusch tobt, und die See mächtig gegen die Felsen brandet, ahnt der Einsame in grauer Meeresferne des steingreisen Holger Danske verwittertes Gesicht.
Aber die romantische Insel hat auch mildere Setten: saftiges Weideland hinter den Dünen mit behaglich grasenden Kühen, stillen Heidezauber, schafgarbenüberwucherte Wiesen, für gehetzte Menschen der Großstadt recht dazu geschaffen, das Sorgengift eines ganzen Jahres langsam auszuatmen. Staub ist ja hier ganz unbekannt, des überall nahen, hörbaren Meeres Salzdust hat die Kraft, zu reinigen und zu erfrischen. .. r,
Wie die Insel heute ist: ein grüner, schmaler Landstreif inmitten des kräftigen Wellenschlags der Ostsee, das starke Gesicht der dänischen Insel Moen zugekehrt, ist sie das ideale Ziel aller Friedenliebenden und Freiheitsuchenden. Sie kennt keine Einengung, keinen gesellschaftlichen Zwang. In ihrer landschaftlichen Mischung und Spannung ist sie em Miniaturbild des vielfältigen Deutschland.
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Schotten in Hessen (früheres Lehrerheini). In wundervoll.Lage, direkt am Wald, neuzeitlich mn- gebaut und vergrößert. Heimlicher Aufenthalt für Erholungsuchende. Telephon Nr. 190 4311°.
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von Margarete Bote
Mit 20 Abbildungen nach Zeichnungen von Helene Sarges
62 Seiten. Kartoniert RM. -.90
Ein frohes Ferienbüchlein für alle, die auf der wunderreichen Insel Sylt Erholung und Freude suchen. (Es erzählt von den Schön« heilen dieser Insel mit ihren Dunen, ihrem Wattenmeer und ihrer reichen Tier« und Pflanzenwelt. — Für die Fugend, die ihre Ferien am Nordseestrande verlebt, ist dieses Büchlein ein reizendes Geschenk, ein Führer ür alle, die die Naturschutzbestrebungen auf den Nordseeinseln kennenlernen wollen.
Durch jede Buchhandlung zu beziehen.
Hugo Vermühler Verlag
Berlin-Lichterfelde __
An einem sonnigen Tage fahre ich zum Osterwald, eine dicht bewaldeten Höhe unweit Hannover m dem Landstrich zwischen Seine und Weser. Berge geben einem Land Gewicht. Aber der Osterwald, der einen frühlinghaften Namen hat, und seine dunkelgrünen Nachbarn sind nicht sehr gewichtig. Die Landschaft liegt mild und geweitet. Die Höhen lehnen ihre sanften Rücken an den holden Himmel Auf der Straße kommt mir ein alter Mann entgegen, Der ein Eselsgefpann talabwärts lenkt- Mann und Tier passen in die ruhig atmende Mittagsstunde Aber die Anwesenheit eines Esels verwundert mich. Em Weg heißt „Zur Sennhütte". Das klmgt suddeutsch und paßt wiederum zu dem südlichen Tier.
Aus der Höhe hinter mir rauscht blitzender Wald. Wie eine Kappe sitzt er auf dem Scheitel des Berges. Von drüben schaut em anderer Berg. Auch er trägt eine Laubkappe. Das ist der Ith. Zwischen diesen beiden Bergflanken strömt unten das Bauernland ein und aus. Mir scheint es ein wenig einförmig, wie es da ruht in der Sonne nut fernem Schachbrett der Felder, die baumlos sind bis auf die mit Linden bepflanzten Straßen. Notge^gelte Dörfer schimmern im Grund, was in die nüchterne Melodie des kahlen Tals einen fröhlichen Ton fetzt Wo Musik waltet, muß Bewegung, em3eitmaf3 herrfchen Dieses Land unter meinem Blick fo fon-- nig und 'winddurchspielt, von Wolkenschatten lässig durchwandert, offenbart mir plötzlich seinen gehei- , men Takt und Gang. Von Berg zu Berg, vom Ith zum Osterwald geht die Bewegung, ein tiefer voller Atemzua bebt und senkt sich zwischen Erde und : A mm^el und die bewaldeten Berge sind die grünen ■ Lungen' Was bewegt mich so sehr? Nicht das> Em- , Une, nicht das Idyll. Der Raum ist es, der sich vor [ S" auftut, der Sichtkreis, von blauen Hohenzugen umrandet, der große freie Himmel, die ausfchwm-
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