HrJ viettes Blatt Eietzener Anzeiger (Teneral-Anzeister für Oberheffen) Zamrtag. 2. Januar 1937
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und schöne Kleider, soviel du willst. Wenn wir Glück haben ..
Ganz deutlich hatte sie diese Worte noch im Ohr. Sie waren das letzte, was er zu ihr gesprochen hatte. Denn nach jenem Samstaa hatte sie ihn nicht mehr wiedergesehen. Zwei, drei Tage lang hatte sie verzweifelt auf ihn gewartet. Bis sie eines Abends beim Nachhausekommen in ihrem Briefkasten einen zusammengeklebten Zettel sand, der in kaum leserlicher Bleistiftschrift die vernichtenden Worte enthielt:
„Liebste Ina, ich muß Dich verlassen — ich muß. Du wirst mich nie mehr wiedersehen. Frage nicht, warum. Werde so glücklich, wie Du es verdienst, und denk nicht schlecht von Deinem Rix."
Kein Datum, kein Poststempel. Nichts als diese paar armseligen Zeilen, die keine Erklärung geben, leinen Trost und ihr gemartertes Herz in nur noch tiefere Verwirrung stürzten ...
O Gott!... Ina Lenk vergräbt mit trockenem Aufschluchzen ihr Gesicht in den Fäusten. Sechs Jahre ist das jetzt her — über sechs Jahre! Und heute noch spürt sie diesen brennenden Schmerz wie eine ganz frische Wunde. Lange noch hatte sie gehofft — auf seine Wiederkehr oder wenigstens auf ein Lebenszeichen. Sie hatte sich nicht entschließen können, Berlin zu verlassen, aus Angst, daß er vielleicht doch eines Tages wieder dort auftauchen und sie dann vergeblich suchen würde. Bis dann die Mutter starb und der Vater sie Heimkommen hieß, nach Zürich, weil er sie brauchte...
Ina löst die Hände vom Gesicht, und ihr Blick fällt in den kleinen Wandspiegel ihr gegenüber. Diese Jahre, was haben sie aus ihr gemacht! Die verzweifelten Versuche, das Rätsel zu lösen!
Daß jener Unbekannte auf irgendeine geheimnisvolle Weise mit dem verschollenen Geliebten identisch war, stand unerschütterlich in ihr fest. Sie fand nur keine Erklärung für die Zusammenhänge. Vergebens mühte sie sich, ihrem trägen Gedächtnis alles zu entreißen, was sie über „Doppelgänger" und „zweites Ich" gelesen hatte. Dunkel entsann sie sich auch eines unheimlichen indischen MärcyenA worin einem Hingerichteten, den ein Fakir wieder zum Leben erweckte, der Kopf eines andern Verbrechers aufgesetzt worden war...
(Fortsetzung folgtI)
Geschichten aus aller Welt.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
Waldbrand behindert die Schiffahrt.
(nn) Sidney.
Daß ein riesiger Waldbrand die Schiffahrt behindert, klingt an und für sich recht eigenartig, ist jedoch die natürlichste Sache von der Welt. Seit einiger Zeit wird Neusüdwales in Australien von solchen ungeheuren Buschbränden besonders in der Umgebung der kleinen Städtchen Glenbrock, Valley Heigths, Blaxland und Warrimoo heimgesucht, durch die auch viele menschliche Wohnungen, glücklicherweise aber kein Menschenleben vernichtet worden sind. Der Wind treibt die riesigen Rauchwolken dieser Brände über die Küste hinweg auf die offene See, uf der meilenweit eine dichte schwarze Wolke liegt, die gefährlicher für die Küstenschifffahrt ist als die üblichen Seenebel. So mußte vor einiger Zeit der englische Dampfer „Nestor", der unterwegs von Brisbane nach Glasgow war, 808- Nufe aussenden, weil er in der Nacht mitten in diese beizende Rauchwolke geraten war und buchstäblich nicht weiter wußte.
Das Zimmermädchen als Golf-Champion.
(ur) Manila.
Auf den Philippinen hat ein Zimmermädchen den Titel des Golf-Ehampion erobert. Dieses Zimmermädchen ist 25 Jahre alt und führt den schönen Namen Domingo Eapati. Sie war als Zimmermädchen und Seroiertochter in einem Golfclub angestellt. Die frühen Morgenstunden benutzte sie aber dazu, um auf dem Golffeld fleißig zu üben. Eines Tages wurde sie von einigen Golfspielern, die sich verfrüht hatten, überrascht. Man war verblüfft über das ausgezeichnete Spiel des Mädchens und ermöglichte ihr ein systematisches Training. Heute ist Domingo Titelträgerin für die Philippinen und wird in den USA. in absehbarer Zeit um den gleichen Titel kämpfen.
„Bringer des Regens."
(im) Kapstadt.
Eines neuen und in der Welt wohl einzig dastehenden Ehrentitels darf sich Lord Clarendon, der britische Gouverneur Südafrikas, erfreuen und rühmen. Bei einem Besuche in Senekel im Oranjefreistaat nämlich setzte genau im Augenblick seiner Ankunft Regen ein, nachdem das Land zweiund- zwcmzig Wochen lang davor keinen Tropfen zu sehen bekommen hatte und völlig ausgedörrt war. Die darüber hocherfreuten Eingeborenen entsandten darum am nächsten Tage eine Abordnung an den Lord, die ihm eine Adresse überreichte, in der er feierlich zum „Oberhäuptling und Bringer des Regens, wo immer auch er geht" ernannt wurde. Als besondere Gabe erhielt er einen Ehrenlendenschurz.
stückssteuern, die dieses wiederum dazu benötigt, feine allmählich aufgehäuften Prozeßschulden zu bezahlen.
Der Stierkampf.
P. Z. Warschau.
Auf dem Hofe des altehrwürdigen Klosters von Markowitz in Polen, spielte sich ein keineswegs freiwillig veranstalteter Stierkampf ab. Da das Kloster seinen Unterhalt zum Teil auch aus landwirtschaftlicher Beschäftigung bestreitet, so war es nichts Außergewöhnliches, daß ein junger Bulle seinen Tagesspaziergang auf dem Klosterhof zu machen pflegte. Er hatte sich auch immer manierlich benommen, so daß gegen dieses Vergnügen des vierbeinigen Mitbewohners des Klosters nichts einzuwenden war. Nun scheint er jedoch eines Vormittags an dem Aeußeren eines jungen Klosterbruders Anstoß genommen zu haben, der sich ebenfalls im Hofe erging. Plötzlich stürzte der Bulle sich auf den Ahnungslosen, um ihn auf die Hörner zu nehmen. Unter gellenden Hilferufen suchte sich der junge Mönch den Angriffen durch die Flucht zu entziehen, was ihm aber nicht ganz gelang, da der wütende Stier ihn einholte und gegen die Klostermauer drückte. Die auf die Hilferufe herbeigeeilten Mönche sahen dem ungleichen Kampf ratlos zu, bis schließlich auch der Prior auf den Hof kam, glücklicherweise mit einem Jagdgewehr bewaffnet. Gerade wollte sich der Stier auf den hohen geistlichen Herrn stürzen, als dieser ihn auch schon mit einem erstaunlich sicher gezielten Schuß niederstreckte. Der verfolgte Mönch hat zwar erhebliche Verletzungen davongetragen, tarn aber durch das weidgerechte Dazwischentreten des Priors mit dem Leben davon. Der Stier endete in der Klosterküche.
Hier ist der Bart ab!
(ky) Budapest.
Dieser Tage stürzte sich in einer ruhigen Straße der Budapester Innenstadt ein einfach gekleideter Mann plötzlich auf einen sehr eleganten Herrn und forderte ihn auf, sofort seine Schulden zu bezahlen. Schnell bildete sich ein Kreis Neugieriger um den zudringlichen Gläubiger und den vornehmen Herrn. Bald stellte sich zur Belustigung der Umstehenden folgendes heraus: Der einfach Gekleidete war ein Barbier, der andere ein ehemaliger Fabrikant, der jedoch Bankrott gemacht hatte. Vor Jahren hatten die beiden einen Vertrag abgeschlossen, demzufolge
der Barbier den Fabrikanten täglich rasierte, wofür der Fabrikant versprach, niemals seinen Haarkünstler zu wechseln. Den Preis für die fortgesetzte Haarverschönerung sollte aber der Fabrikant nicht bar bezahlen, sondern auf Bitten des Barbiers sollte das Geld auf ein Sparkonto einbezahlt werden. Jahre vergingen, das gute Verhältnis zwischen dem Fabrikanten und dem Barbier änderte sich nicht. Bis vor drei Monaten der Fabrikant bankrott machte. Als der Barbier dies hörte, eilte er sofort in die Wohnung seines langjährigen Kunden, wo er aber nur den Gerichtsvollzieher und seine Gehilfen an der Arbeit fand. Endlich erwischte er den Fabrikanten. Der mußte ihm nun gestehen, daß er schon seit langer Zeit nichts mehr auf das Sparbuch eingezahlt habe, worauf der Barbier aus seinen Notizen feststellte, daß ihm sein Kunde 862 Pengö schulde. Der Fabrikant erklärte sich bereit, die Schuld noch am folgenden Tage zu bezahlen, ließ aber nichts mehr von sich hören. Der Barbier erhielt nur einen kurzen Brief, in dem ihm sein Schuldner mitteilte, daß er nichts mehr besitze, als einen Rosenstock, den er ihm mit gleicher Post als Andenken Äsende. Er gehe aber jetzt nach London zu einem Verwandten, wo er ein neues Leben beginnen werde. Sobald es ihm möglich sei, werde er die 862 Pengö mit Zins und Zinseszins zuruck- zahlen. Wie groß aber war das Erstaunen und die Empörung des Barbiers, als er feinen ehemaligen Kunden, den er in London schon im Schweiße seines Angesichts arbeiten sah, in Budapest auf der Straße traf. Da war der Bart nun wirklich ab.
Billige Rebhühner.
(az) Belgrad.
Zahlreiche Familien von Kruschewatz hatten dieser Tage einen schmackhaften Rebhuhnbraten im Topf und lebten einen vergnüglichen Tag. Die Feinschmecker von Kruschewatz hatten sich diese Rebhühner nicht etwa im Wildbretladen gekauft oder selbst geschossen: nein, sie waren im buchstäblichen Sinne des Wortes ein Geschenk, das ihnen vom Himmel herabgefallen war. An jenem Tage hing über Kruschewatz eine sehr niedrige Wolkendecke, was ein Rebhühnervolk von über zweihundert Köpfen, das sich auf dem Wanderflug befand, veranlaßte, die Stadt in sehr niedriger Höhe zu passieren. Dabei kamen die zweihundert Vögel mit einer Hochspannungsleitung in Berührung und fielen tot ober doch schwer verletzt in die Straßen der Stadt nieder. Hier stockte natürlich sofort der Verkehr, denn jeder beteiligte sich am Auflesen des billigen und ncchr- | haften Geflügels.
10-Meilen-Weltrekord von 333,84 km/st und drei internationale Klassenrekorde.
yport
60000 bewundern Bernd Rosemeyer.
Der Deutsche fährt höchsten Durchschnitt.
Um den „v v n - H a l t - P v k a l" standen sich im Endspiel im Olympia-Eisstadion in Garmisch- Partenkirchen der SC. Riessersee und der Wiener Eislaufverein gegenüber. Vor 2500 Zuschauern siegten die Bayern nach Verlängerung dit 1:0, Schenk schoß den siegbringenden Treffer.
Deutscher Rugby-Sieg in Mailand.
Der zweite Rugby-Länderkampf zwischen Deutschland Und Italien, der am Neujahrstag im Mailänder Stadion vor 3000 Zuschauern ausgetragen wurde, fand keine günstigen äußeren Bedingungen, lieber dem nassen und schweren Boden lagerte schon bei Beginn des Kampfes zäher Nebel und mit der Entwicklung des Kampfes verstärkte sich der Nebel derart, daß die Zuschauer und Spieler nach der Pause Mühe hatten, den Kampfverlauf genau zu verfolgen. Die deutsche Mannschaft wartete mit einer feinen Mannschaftsleistung auf und siegte — wenn auch erst nach hartem Kampf — durchaus verdient mit 6:3 (3:0). In der ersten Halbzeit gestaltete unsere Fünfzehn das Treffen leicht überlegen, aber Italien wurde dank seines kräftigen und stets nachsetzenden Sturmes wiederholt gefährlich. Ihre beste Zeit hatten die Italiener eine Viertelstunde nach Seitenwechsel. Angefeuert von ihren Landsleuten kämpften die „Azzurri" mit einem Rieseneifer und errangen schließlich auch den Ausgleich. Dann übernahmen jedoch die Deutschen wieder das Kommando
Ein langwieriger Prozetz.
(z) Paris.
Im Jahre 1603, zu einer Zeit also noch, in der der „gute König Heinrich IV.“ in Frankreich regierte, begann ein Prozeß, der soeben erst zu Ende gegangen ist. Er hat demnach genau 333 Jahre lang gedauert, und die in ihn verwickelten Gegner haben, das muß man ihnen lassen, eine gehörige Portion Geduld aufgebracht. Diese beiden Gegner sind die benachbarten Dörfer Beaufort und Chapelles im Departement Hoch-Savoyen, und ihr Streitobjekt feit drei Jahrhunderten war der zwischen den beiden Gemeindegebieten liegende Treicel-Berg. Beaufort verschwendete schon im 17. Jahrhundert Unsummen, um im Gerichtsverfahren diesen Berg zugesprochen zu bekommen, wurde aber immer wieder zurückgewiesen. Schließlich aber erschien anfangs des 18. Jahrhunderts ein euer Katansterplan, auf dem der Berg der Zwietracht endlich doch im Besitze Beauforts figurierte. Sofort begann nun natürlich Chapelles den Prozeß zu machen, und dieser zog sich von damals bis heute in unzählige Verhandlungen, Berufungen, Einwänden, Gutachten usw. usw. hin, bis jetzt schließlich ein moderner Salomo folgendes Urteil fällte: Der Berg bleibt als Grundbesitz im Katasterplan Beauforts, aber die Einwohner von Chapelles haben das Nutzungsrecht auf ihn, das heißt, sein Holzvorkommen und seine Weideplätze. Dafür zahlt Chapelles an Beaufort Grund- ,M».mwMWMJiTiw mw'Taiar-4 73U.-.
Bei der Bäderstadt East London wurde am Neujahrstag der auch von den deutschen Automobilsportfreunden mit Spannung erwartete dritte „Große Autopreis von Südafrika" ausgetragen, an dem zum erstenmal deutsche Rennwagen — die beiden Auto Union von Bernd Rosemeyer und Ernst von Delius — teilnahmen. Das Rennen, das auf einer 18mal zu durchfahrenden und insgesamt 340 Kilometer langen Nundstrecke ablief und in seiner Austragungsweise mit der eigentümlichen Vorgabeformel den englischen Rennen ähnelt, nahm einen überraschenden Ausgang. Der Engländer Pak Fair- field siegte auf ERA in 2:13:37,35 Stunden mit einem Durchschnitt von 152,80 km/st: Bernd Rosemeyer fuhr mit dem bei ihm gewohnten Draufgängertum, errang sich im Sturm die Sympathien der 60 000 Menschen und ... verlor schließlich doch den mörderischen Kampf gegen die seinen Gegnern allzu reichlich und großzügig gewährten Vorgaben. Obwohl er mit einem Durchschnitt von 161 km/st schneller als der Engländer war, belegte er nur den zweiten Platz vor Chiappini (Kapstadt) auf Riley. Ernst von Delius schied wegen eines Reifenschadens vorzeitig aus.
*
Caracciolas Rekorde, die dieser am 11. November auf der Reichsautobahn Frankfurt am Main—Darmstadt ausstellte, sind jetzt von der AJACE. anerkannt worden. Es handelt sich um den
Unentsch. Verl.
1. Kreisklasse Gießen. Gruppe A.
Hier ist die
Ueberraschung
die.
Steinberg
Hier hat sich Heuchelheim
Großen-Buseck an
vor
erlitt im letzten Spiel gegen Heuchel- Niederlage. Hier waren allerdings
1
1
3
3
4
4
4
3
6
8
0 2
2 0
1
2
2
3 0
0
Pkte. 14:2 14:4 10:8 10:6 9:9 8:10 8:10 7:9 4:12 2:16
Pkte. 10:2 10:2 6:6 6:6 6:6 4:8 0:12
Gew.
7
6
4
5
4
3
3
2
2
1
zahlreiche Spieler der Ersten zur Verftärkung herangezogen. Grüningen ist dadurch auf gleiche Höhe gekommen und Heuchelheim selbst nimmt mit
Gew.
5
5
3
3
3
2
0
Steinberg II Grüningen Heuchelheim II Großen-Linden Muschenheim To. 1846 II Bieber
Steinberg II heim die erste
Verl.
1
1
3
3
3
4
6
Spv. Wetzlar Spv. Lollar Tuspo Naunheim Bissenberg Dillenburg Frohnhausen 1900 Gießen VfB.-R.
Burg Sinn
Spiele 6 6 6 6 6 6 6
Spiele 8 9 9 8 9 9 9 8 8 9
Unentsch. 0 0 0 0 0 0 0
^Steinhäger-
-tlrquell- S
Wetzlar hat seine Tabellenführung behalten. Die Placierung von Lollar überrascht etwas. Naunheim und Bissenberg haben ihre Position behauptet. Dillenburg hat sich in der zweiten Hälfte merklich verbessert. Frohnhausen und 1900 sind etwas zurück- gefallen. VfB.-R. tauschte mit Burg den Platz, während Sinn nach wie vor das Tabellenende einnimmt.
die Spitze gesetzt. Daubringen und Rodheim sind durch die Niederlagen in Großen-Buseck zurückgefallen. Rodheim muß sogar mit Alten-Buseck den Platz teilen, da Alten-Bufeck in Rodheim überraschend erfolgreich blieb. Dem Tv. 1846 war bis jetzt ein Sieg nicht vergönnt.
2. Kreisklasse Gießen. Gruppe A.
mit Klein-Linden die Tabellenführuna teilen muß. Durch das Torverhältnis stehen sie allerdings relativ günstiger, und nach dem sensationellen Sieg über den Spitzenreiter der Bezirksliga — Spv. Wetzlar — scheint die Elf ihr früheres Können wieder erreicht zu haben, so daß doch noch mit dem glatten Sieg in dieser Gruppe zu rechnen ist. Der Stand von Lich und Hungen hinter den Tabellenführern ist ebenso überraschend, wie die Placierung von Ruppertsburg, Steinbach, Garben- teich und Leihgestern am unteren Tabellenende.
1. Kreisklasse Gießen. Gruppe B.
und nach einem zweiten Versuch kam eigentlich der Gedanke an eine deutsche Niederlage nie mehr auf.
Stand der Kreisrlasien nach Abschluß der Vorrunde.
Seit der Veröffentlichung der Tabelle nach der ersten Hälfte der Vorrunde sind in den einzelnen Gruppen merkliche Veränderungen eingetreten, weshalb eine Darstellung der Tabelle nach Abschluß der Vorrunde von allgemeinem Interesse sein wird.
Reserven der Bezirksliga.
Spiele
Gew.
Unentsch. Verl.
Pkte.
Steinberg
7
5
2
0
12:2
Klein-Linden
7
5
2
0
12:2
Lich
7
3
3
1
9:5
Hungen
7
4
0
3
8:6
Ruppertsburg
7
3
0
4
6:8
Steinbach
7
1
2
4
4:10
Garbenteich
7
1
1
5
3:11
Leihgestern
7
1
0
6
2:12
Spiele
Gew.
Unentsch.
Verl.
Pkte.
Heuchelheim
5
4
0
1
8:2
Großen-Buseck
5
3
0
2
6:4
Daubringen
5
3
0
2
6:4
Rodheim
5
2
0
3
4:6
Alten-Buseck
5
2
0
3
4:6
Tv. 1846
5
0
0
5
0:10
Augenblick, dämmerte ihm eine entfernte Ahnung, daß diese verunglückte Liebe ihr junges Leben zerstört hatte, und etwas wie ein hilfloses Mitleid schlich sich an sein Herz. Mit einer unbeholfenen Gebärde streichelte er über ihren Arm. „Laß gut sein, Jnachen, quäl dich nicht damit. Sei froh, daß du ihn damals losgeworden bist. Wär' ja doch nichts Gescheites daraus geworden."
Er fühlte, wie unter der ungewohnten Berührung ein Zucken durch ihren Arm ging, und zog verlegen feine Hand zurück, aus Angst vor einer ihrer Nervenkrisen. Als sie still blieb, wandte er sich erleichtert wieder seiner Lieblingsbeschäftigung zu. Dabei tauchte er von Zeit zu Zeit ein Schwämmchen in einen neben ihm stehenden kleinen Pvr- zellannaps mit Borsäurelösung und betupfte damit seine entzündeten Augen.
Ina stand auf und ging mit schleppenden Schritten zur Tür.
„Ich muß mich hinlegen, Vater — hab solche Kopfschmerzen. Das Abendbrot steht draußen auf der Anrichte. Wenn du sonst was brauchst, ruf mich nur".
Sie verschwand in ihrem Zimmer und schloß sich ein. Lenk hörte sie noch eine Weile mit kurzen, rastlosen Schritten auf und ab gehen. Dann wurde es still, und er tröstete sich damit, daß sie nun wohl im Bett liege, und über ihrem Kummer eingeschlafen sei ..
Aber Ina dachte nicht an Schlaf. Sie holte aus einer versperrten Schublade ihrer Wäschekommode ein kleines Photographiealbum hervor und setzte sich damit unter die Lampe. Langsam blätterte sie Seite für Seite um, und ihr verschwimmender Blick verweilte schmerzlich auf jedem einzelnen dieser kleinen, schon etwas verblaßten Amateurbildchen, den unwiderlegbaren Zeugen einer glücklichen Zeit. Es waren Momentaufnahmen aus Berlin und Umgebung, die Ina als frisches blondes Mädel zeigten, zwanzigjährig, in der seligen Verzauberung chres ersten Liebesglücks.
Er konnte ja so vergnügt fein, ihr Rix, so ausgelassen lustig, daß man selber davon angesteckt wurde. Und ein Plänemacher — immer die dicksten Rosinen im Kops! Eine Erfindung machen, ja fo etwas, wodurch man über Nacht ein steinreicher Mann wurde. Oder in der Lotterie spielen und das große Los gewinnen! „Du wirst sehen, Schatz, ich bring's mal mit einem Schlag zu was', war fein
ständiges Wort, „ich bin ein Sonntagskind, die sind nicht zu mühseliger Arbeit geboren." Und es sah fast so aus, als ob ihm das Schicksal recht geben wollte, denn er hatte auch die meiste Zeit keine Arbeit, trotz seinen Fachkenntnissen und feinem Jn- genieurbiplom. Ein Glück, daß wenigstens sie verdiente, wenn es auch nicht viel war, was ihre Arbeit in dem kunstgewerblichen Atelier ihr eintrug. Aber es reichte doch, um ihm ab und zu auszuhelfen, wenn er ganz blank war, oder ihm einen seiner vielen „Träume" zu erfüllen — den Photoapparat beispielsweise oder das Fahrrad, mit dem er dort auf dem kleinen Gruppenbild ausgenommen war. Monatelang hatte sie noch daran abzuzahlen gehabt — als es schon längst zwischen ihnen vorbei war. Ja — aus und vorbei, so unerwartet plötzlich, daß sie es heute noch nicht zu fassen vermochte ...
Es war alles zwischen ihnen gewesen wie früher. Nur in der allerletzten Zeit hatte Ina in seinem Wesen eine sonderbare Unruhe bemerkt, eine auffallende Zerstreutheit und Nervosität, deren Ursache sie vergebe.zu ergründen suchte. Sonst hatte er sie Abend für Abend vom Atelier abgeholt, und man war dann zusammen langsam durch den Tiergarten heimwärts gepilgert oder hatte unterwegs auf einer Bank das mitaebrachte Abendbrot verzehrt. Jetzt auf einmal hatte er jeden Tag eine andere Ausrede, um den Abend ohne sie zu verbringen, sie wußte nicht einmal wo und mit wem. Er wich ihr aus, so oft sie ihn danach fragte, und munkelte nur etwas von „Geschäften" und „wichtigen Besprechungen", von denen er einstweilen noch nichts verraten dürfe.
Ina glaubte ihm nicht, sie fing an, an seiner Treue zu zweifeln, und hielt mit ihrer Eifersucht nicht Hinterm Berg. Aber da wurde er böse, und seine Entrüstung über ihr Mißtrauen war so echt, daß sie sich ihrer Kleingläubigkeit schämte und ihn obendrein noch um Verzeihung bat. In jenen Tagen sprach er öfter denn je von einer baldigen Heirat. Und einmal, an dem letzten glücklichen Abend, den sie miteinander verbrachten, nahm er sie in die Arme und sagte sehr lieb und zärtlich zu ihr: „Wenn mir das gelingt, was ich vorhabe, dann sind wir aus dem Wasser, Ina. Dann pack' ich dich auf und fahr' mit dir irgendwohin, wo es viel schöner ist als in dem lauten, staubigen Berlin. Und dann kannst du alles von mir haben — ein Auto
Das fremde GeW.
Vornan von Caren.
6. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Ina Lenk schnitt dem Alten mit einer heftigen Bewegung das Wort ab:
„Ich laß mir das nicht ausreden. Der Mensch aber — und wenn es zehnmal nicht Rix gewesen ist _ hat mich erkannt. Das war ihm vom Gesicht abzulesen. Und er hatte ein böses Gewissen, er ist vor mir geflohen, so sicher, wie ich hier stehe. Ach, wär' ich ihm nur gleich nachgefahren, oder halt ich mir wenigstens die Adresse gemerkt, die er dem Chauffeur zugerufen hat! Aber ich war ja wie gelähmt. Ein Wunder, wie ich überhaupt nach Haus gekommen bin ...!"
Sie ließ sich an der Schmalseite des Tisches nieder und preßte beide Handflächen gegen die schmerzenden Schläfen. Das Licht der Hängelampe fiel auf ihren blonden Scheitel, der hell und seidig frfümmerte wie der eines ganz jungen Mädchens. Aber das Gesicht, das ehemals weich und lieblich gewesen sein mochte, war das Gesicht eines verblühenden Weibes — mit schmalem Mund und einer fremden Härte um die Nasenflügel. Lenk betrachtete die Tochter scheu von der Seite. Zum erstenmal fiel es ihm auf, wie müd und verbraucht sie aussah für ihre achtundzwanzig Jahre. Er hatte sich nie viele Gedanken über sie gemacht. Daß bißchen freie Zeit, das fein Buchhalterposten bei einer Schweizer Versicherungsgesellschaft ihm übrig3 lieo, widmete er seinen Briefmarken, und es cjing ihm flüchtig durch den Sinn, daß er diese kleinen bunten Dinger eigentlich viel besser kannte als sein Kind.
Seit mehr als fünf Jahren, seit dem Tod der Mutter, lebten sie so miteinander oder, besser gesagt, nebeneinander. Inas reizbares und übertriebenes Wesen ging ihm zuweilen auf die Nerven, ohne daß er sich je die Mühe genommen hätte, den tieferen Gründen ihrer „Verrücktheit", wie er es im stillen nannte, nachzugehen. Kaum, daß er sich jener unglücklichen Geschichte mit Richard Stubensand noch recht erinnerte. Er dachte, sie habe es längst verschmerzt. Erst jetzt, erst in diesem


