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Kr.280 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (Gen'eral-Anzetyer für O)berl)effen)

Mittwoch, i. Dezember |O37

Gießen in völliger Finsternis.

Die gestrige Verdunkelungsübung verlief zufriedenstellend und ergab zahlreiche neue Anregungen.

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Nach etwa Jahresfrist hat unsere Stadt Gießen am gestrigen Dienstagabend wieder eine große Verdunkelungsübung erlebt. Man sagt wohl nicht zu viel, wenn man bemerkt, daß voraussichtlich noch einige im Verlaufe dieses Winters folgen werden. Wie der Verlauf der gestrigen Uebung offenbarte, daß die früheren Maßnahmen dieser Art die Be­völkerung weitgehend in den verschiedensten Maß­nahmen des zivilen Luftschutzes geschult haben, so werden auch aus den Ergebnissen der gestrigen Hebungsstunden nutzbringende Schlußfolgerungen für die künftigen Hebungen zutage treten.

Entgegen der vorjährigen November-Hebung, deren Zeitpunkt schon eine Reihe von Tagen vor­her bekannt war, stand die gestrige Übung unter dem Gesichtspunkt der Heberrasch ung. Zwar hatte die Luftschutzleitung angekündigt, daß die Uebung Ende November stattfinden werde, aber der Tag und die Stunden waren nicht mitgeteilt worden, und in der Tat auch bis zum späten Mon­tagabend einem weiteren Bevölkerungskreise un­bekannt geblieben; wer dann auf den 30. Novem­ber tippte, tat das meist in der selbstverständlichen Erkenntnis, daß ja kein anderer Tag alsEnde November" mehr übriggeblieben war; aber die Uebungszeiten waren doch bis zum Zeitpunkt der Tat nur ganz wenigen Eingeweihten bekannt­geworden. Dadurch ergab sich, daß das Ueber- rafchungsmoment mit allen Vorteilen und Nach­teilen, die bei derartigen Veranstaltungen als selbst­verständlich in Rechnung zu setzen sind, in erheb- .lichem Ausmaße den Erwartungen entsprach.

Der Luftschutzleiter für Gießen, stellv. Polizei- iürektor Major und Kommandeur der Schutzpolizei Koch hatte es an Belehrung und Aufklärung der Bevölkerung durch die Presse in keiner Weise feh­len lassen. Wiederholt waren so eingehende, genaue Lind leicht faßliche Hinweise gegeben worden, daß von vornherein jedermann wissen konnte, was für ihn zu tun bzw. zu unterlassen war. Leider hat sich indessen beim ersten Abschnitt der Uebung gezeigt. Laß hinsichtlich des Zustandes dereingeschränkten Beleuchtung" doch noch allerlei Mißverständnisse vorhanden sind, deren vollständige Beseitigung die nächste Aufgabe der Schulung durch die Organe des

Luftschutzes sein muß. Dagegen offenbarte der zweite Abschnitt der Uebung, der Zustand dervoll­ständigen Verdunkelung", einen vortrefflichen Aus­bildungsstand aller Bevölkerungskreise. Einige Klei­nigkeiten, die in dieser Richtung noch einer Ver­besserung bedürfen, traten gegenüber dem durchweg hervorragenden Ergebnis der völligen Verdunkelung stark in den Hintergrund. Dennoch darf niemand glauben, es fei nun eigentlich wohl kaum vonnöten, allzu viel in dieser Schulungsarbeit zu leisten, weil ja gestern in Gießen tatsächlich alles in vollendeter Finsternis lag. Man muß sich vielmehr den Ge­sichtspunkt vor Augen halten, daß gerade auf die­sem Gebiete immer wieder geschult und erprobt werden muß, weil sonst eine gewisse Fahrlässigkeit ober Leichtfertigkeit leicht die Oberhand gewinnen könnte und Unterlassungssünden dann im Ernst­fälle geradezu katastrophale Folgen für unsere Stadtgemeinschaft haben würden

Die Uebung setzte mit Beginn der Dämmerung ein. Zunächst herrschte der Zustand dereinge­schränkten Beleuchtung" Mit dem ört­lichen Luftschutzleiter, Major und Kommandeur der Schutzpolizei, Koch, und seinen Mitarbeitern fuh­ren zahlreiche Gäste aus den Kreisen der Partei, der Behörden, der Wehrmacht, des Reichsluftschutz­bundes, auswärtiger Polizeiverwaltungen usw viele Straßen der Stadt ab, um sich unmittelbare Eindrücke über den Verlauf der Uebung zu verschaf­fen. Hierbei erkannte man sofort das oben ange­deutete Mißverständnis zahlreicher Einwohner, ins­besondere in den Kreisen der Geschäftswelt, hinsicht­lich dereingeschränkten Beleuchtung" Manche haben offenbar geglaubt, diese Maßnahme komme für sie überhaupt nicht in Betracht, und sie hatten daher gar nichts zur Verdunkelung ihrer völlig hell- erleuchteten Schaufenster getan. Ändere hatten zum Teil ihre Geschäfte anscheinend kurzerhand zuge­macht in dem Glauben, damit der Sache zweck­mäßig zu dienen. Nur verhältnismäßig wenige Ge­schäftsleute hatten ihre Schaufenster in einer Weise hergerichtet, die dem tatsächlichen Zweck entsprach: nämlich die Lichtwirkung nach außen weit­gehend zu beschränken und sie doch so ein­zurichten, daß die Schaufensterauslagen noch deutlich sichtbar sind. Ferner konnte man aus einer Reihe von Wohnungsfenstern hellstrahlen­des Licht bemerken, das natürlich weithin sichtbar

war. Zur Aufklärung und zur Beachtung bei künf­tigen Hebungen fei folgendes betont:

Der Zustand dereingeschränkten Beleuch­tung" gilt eigentlich nur für den Fährverkehr, die Straßenbeleuchtung und die Beleuchtung von Schaufenstern, nicht aber für Privatwoh­nungen. 3m Straßenverkehr haben bei diesem Zustand die Fahrzeuge mit eingeschränkter Be­leuchtung zu fahren, Kraftwagen nur mit Standlicht, Radfahrer mit schwachem Licht. Die Straßenbeleuchtung wird bis auf Richtungs­lampen abgeschaltet. Schaufenster sind soweit zu verdunkeln, daß sie der vorerwähnten Sachlage entsprechen. Für Privatwohnungen dagegen gilt auch bei diesem Uebungsabschnitt schon die völlige Verdunkelung, weil im Ernstfälle ein anderer Zustand als der der völligen Dunkel­heit wohl überhaupt kaum eintreten wird Man darf wohl hoffen, daß alle Beoölkerungs- kreife sich diese Hinweise genau einprägen und künf­tig danach handeln.

Bei der Besichtigungs-Rundfahrt hatte man Ge­legenheit, an manchen Stellen interessante Stich­proben zu machen. Absichtlich hatte der Luftschutz­leiter den ins Auge gefaßten Behörden oder Be­trieben keine vorherige Mitteilung über die kommende Besichtigung zu­kommen lassen, so daß also auch hier das Üeber- raschuNgsmoment gegeben war, um brauchbare Er­fahrungen sammeln zu können. Die Besucher machten denn auch unterschiedliche Beobachtun­gen. An mehreren Stellen wurde wahrgenommen, daß die Verdunkelungseinrichtungen an den Türen und Fenstern ausreichend, ja zum Teil sogar sehr gut waren, dagegen die Einrichtung von Licht­schleusen an den Haustüren entweder überhaupt nicht bestand, oder so unzureichend beschaffen war, daß beim Oeffnen der Tür zwangsläufig Lichtstrah­len nach außen fallen mußten. An mehreren Stellen konnte die erfreuliche Feststellung gemacht werden, daß die Lichtschleusen geradezu vorbildlich herge­richtet waren; allgemeine Anerkennung fanden hier, soweit wir persönlich bemerken konnten, z. B. die Maßnahmen der Firmen Winterhoff, Mettenheimer und Geisse am Kreuzplatz. Von den Betrieben, die wir selbst in Augenschein nehmen konnten, seien

Oben: Auch die Firma Winterhoff hat mit Hilfe von Sperrholztüren zu­verlässige Lichtschleusen geschaffen.

Neben st ehend: In vielen Geschäften hat man sich mit Erfolg darum bemüht, Licht­schleusen zu schaffen, die den Ein- und Ausgang der Kunden in das La­dengeschäft gestatten, ohne daß dabei ein Lichtstrahl auf die Straße fällt. Hier sieht man eine solche vorbildliche Ein­richtung bei der Firma Gustav Geisse.

(Aufnahmen [2]: Neuner, Gießener Anzeiger.)

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neben den erwähnten Ladengeschäften das Amts­gericht, die Zigarrenfabrik Schirmer, das Kaufhaus Kerber und vor allem, als besonders mustergültig, das Stadttheater mit lobender Anerkennung heroor- gehoben. Daneben wird es zweifellos noch eine große Anzahl weiterer Betriebe sich zur Aufgabe gemacht haben, alle Verdunkelungsmaßnahmen gut zu treffen, jedoch können auf einer solchen Fahrt die Besucher naturgemäß nicht überall hinkommen

Pünktlich um 18.30 Uhr ertönte dann das Sirenen» signal, das den Beginn dervölligen Ver­dunkelung" ankündigte Der Luftschutzleiter und seine Begleiter und Gäste beobachteten diesen Vor­gang von einem der höchsten Punkte der Stadt aus. Es war wiederum, wie schon bei den früheren Hebungen, ein geradezu überwältigender Moment, als man das Sirenengeheul vernahm und im Zeit­raum von etwa einer Minute an Stelle her bis dahin noch immer ziemlich erheblichen Lichtmenge ber. Stadt nun vollständige Finsternis hereinbrach. Die Besichttgungsfahrt wurde nun durch eine ganze Reihe von Straßen fortgesetzt, um weitere Beobach­tungen von Einzelheiten an Ort und Stelle machen zu können.

Allenthalben ergab sich, daß die Verdunkelung sehr wirksam war und jedermann sich mit gro­ßem Verständnis und mit anerkennenswerter Tatbereitschaft in den Dienst der Sache gestellt hatte. Man wandelte, wie wir beim Verlassen der Kraftwagen bemerken konnten, tatsächlich wie in einem Sack, die berühmte Hand vor den Augen konnte man wirklich nicht sehen. Also ein Dunkelheitserfolg von imponierendem Aus­maß. Allerdings ist zu sagen, daß dieser Zu­stand bei einem Teil unserer Jugend nicht mit dem rechten Ernst erfaßt wurde, denn diese jungen Leute konnten es sich nicht verkneifen, die Finsternis zu einer Art Faschingstrubet machen zu wollen, insbesondere auf dem Sel­tersweg. Für künftige Fälle mögen sich alle diejenigen, die es angeht, gesagt sein lassen, d"ß eine derartige Uebung eine sehr ernste und für jedermann verantwortungsvolle Angelegenheit ist, die den nötigen Respekt und die erforderliche Haltung verdient und vor allem niemand aus Gründen des Gaudi auf die Straße führen darf.

Erfreulicherweise ging der Fußgängerverkehr trotz des erschwerten Zustandes sicher und ohne Reibung vor sich, ebenso der Fährverkehr.

In den Straßen waren natürlich weitgehende Sicherungsmaßnahmen getroffen, insbesondere hin­sichtlich der Regelung und Heberwachung des Ver­kehrs. Untere Polizeibeamten, ferner die Kameraden der SA., *1*1 und des NSKK. leisteten bei diesem Hebungsabschnitt, wie auch schon vorher und an­schließend bis zum Ende der Hebung, sorasamen und vorbildlichen Dienst im Interesse der Volksae- meinschaft, für den ihnen allen mit vollem Recht der besondere Dank des Luftschutzleiters, ganz im Sinne der Bevölkerung, ausgesprochen wurde. Die Straßenbahnen und die Fahrzeuge kamen wie Un­geheuer aus der Finsternis herangeschlichen und verschwanden ebenso unheimlich in dem Stockdunkel der Nacht. Die Fußgänger mußten schon sehr krättiq die Augen aufmachen, wenn sie sich mit Sicherheit durch die Straßen bewegen wollten Dieser Zustand der völligen Finsternis wurde um 20.30 Uhr aufge­hoben. Von da gb bis um 23 Uhr herrschte wieder dieeingeschränkte Beleuchtung".

Im Anschluß un den Uebungsgbschnitt dervölli­gen Verdunkelung" versammelte der Luftschutzleiter, Major Koch, feine Mitarbeiter und Gäste um sich

Hollywood, seltsamste Stadt Amerikas.

Von Hans Wolfram, Los Angeles.

T Hollywood, im Herbst 1937.

Der erste Wunsch jedes Reisenden, der California besucht, ist: Hollywood zu sehen, das Zentrum der Weltfilmproduktion, die Stadt der Modekoniginnen, Der Filmstars, der Ateliers, des Hollywood Boule­vard mit seinen Restaurants und Theaterpalästen.

Niemand kann sagen, wo diese Stadt anfängt mnö wo sie aufhört. Der Einheimische weiß, daß Der nordwestliche Stadtteil der Millionenstadt Los Angeles, die sich vom Stillen Ozean bis zu den santa Monica Mountains hin erstreckt, die Be­zeichnung Hollywood trägt. Eine Postkarte aus einem Teil der Welt mit der AdresseHollywood, California" kommt immer an, aber wenn der Neisende in einem Cafe am Hollywood Boulevard ine Postkarte nach Omaha, Neuyork oder Berlin ichreibt, dann muß er später feststellen, daß der Poststempel nichtHollywood", sondernLos Angeles" ist. Hollywood hat ein herrliches Post­amt, aber es ist nur ein Nebenamt der Postdirektion ; 3os Angeles. Diese Stadt hat ein Rathaus, aber einen Bürgermeister, eine Polizei, aber keinen Polizeipräsidenten, eine Feuerwehr, aber derChief" Ttzt in Los Angeles. Man kann keine Eisenbahn- «hrkarte nach Hollywood losen, weil es dorthin »eine Eisenbahn und in Hollywood keinen Bahnhof -;ibt ebensowenig hat Hollywood einen Flugplatz, noch einen Hasen. Die großen Warenhäuser, die Schulen, die Banken, alles wird von Los Angeles $ nu5 geleitet.

Wenn man am Hollywood Boulevard angelangt st, fragt der Besucher: Wo sind die Ateliers? Die * -erblüffenbe Antwort: Hollywoob hat keine Ateliers! Metro-Goldwyn-Mayer befindet sich in Culver City, »ox-Twentieth Century in Beverly Hills, Hmversal i Hnioersal City und Warner Brothers First National in Burbank, in Nachbarstädten von Los Angeles. Die Stars? Sie wohnen überall, nur nicht \ h Hollywood! Freilich, am Hollywood Boulevard i Ft noch das Haus zu sehen, wo Emil Hannings iDr Jahren hauste und trotz seiner Riesengage mit tiefer Sehnsucht nach seinem Grünewald erfüllt war.

Heute wohnen hier keine Filmstars mehr Wäh- . i=nt) die Großen der Leinwand Hollywood oer- lassen und in die Villengegenden des Westens von Livs Angeles ziehen, wird Hollywood das Mekka i?r Tausenden von Statisten, die aus aller Welt Fierber kommen, um Glück und Ruhm im Film zu jachen. In den kleinen Bungalows und Dach­

wohnungen ehemaliger Villen findet man sie; was sie brauchen, ist ein Bett und ein Telephon, damit sie vom Filmnachweis erreicht werden können, falls dasCentral Casting Büro" am Hollywoob Boule- varb eine Rolle für sie hat.

In ben Restaurants von Hollywoob sieht man bie schönsten Möbels ber Welt, von benen viele bereit sind, für ihre Anstellung als Kellnerin etwas zu zahlen, in der Hoffnung, von einem Regisseur gesehen zu werden und so in den Film zu kommen. Hollywood hat manchem unbekannten Mädel Welt­ruf gebracht, es ist aber auch die Stadt unzähliger zerbrochener. Existenzen, die sich von dem Zauber dieser sonderbaren Stadt nicht mehr losreißen können und ein elendes Dasein fristen. Das Grau­same an Hollywood: sobald einmal der Stern im Sinken ist, geht es furchtbar schnell bergab, und im Nu ist man vergessen.

Wie kam diese sonderbare Stadt zustande? Dor etwa hundertfünfzig Jahren war hier noch Wüste. An den Abhängen der heutigen Hollywoob Moun­tains wohnten bie Cahuenga-Jnbianer. 1887 kann als das Gründungsjahr Hollywoods bezeichnet wer­den, als der Farmer Wilcox seine Aprikosen- Plantage an der heutigen Ecke Hollywood Boule­vard und Cahuenga Avenue aufteilte und ins Grundstücksgeschäft ging. 1903 taten sich Farmer und Viehzüchter zusammen und gründeten die Stadt Hollywood. Der Name kommt von dem rotblühen­den Hollystrauch, der an den Bergen wächst. Eine der ersten Verordnungen war, daß keine Alkohol- Lizenz verabreicht wurde, um der herrschenden Trunkenheit Einhalt zu gebieten, und daß nie mehr als 2000 Schafe auf einmal durch die Straßen der Stadt getrieben werden sollten.

Aber das größte Problem war die Wasserbeschaf- fung. Versuche, Wasser auf eigene Faust zu be­schaffen, schlugen fehl, und so sah man sich gezwun­gen, sich mit dem benachbarten Los Angeles zu ver­einigen, um an die dortige Wasserleitung ange­schlossen zu werden.

1911 kam das erste Filmatelier hierher. Die Amerikaner William und Dave Horsley hatten von der ewigen Sonne Kaliforniens gehört. 1914 kam die Hniversal-Gefellschaft, Famous Players Lasky, Paramount und Fox folgten. Damit begann die phänomenale Entwicklung des Dörfchens. Eine noch nie dagewesene Grundstücksspekulation setzte ein, und als die Ateliers merkten, daß der Bodenwert ins Riesenhafte stieg, nützten sie die Konjunktur aus, verkauften ihre Grundstücke zu phantastischen Preisen und zogen in unentwickelte Stadtteile. Wo vor fünfzig Jahren noch Feigenplantagen standen, kostet heute ein Quadratfuß Land 5000 Dollar.

Am Hollywood Boulevard erheben sich heute oielstöckige Hotels, prunkvolle Theaterpaläste, be­

rühmte Restaurants. Auf den nahen Bergen er­heben sich weiße Villen, umgeben von tropischen Gärten, in denen schlanke Palmen, üppige Oleander, Bambusstauden und vielfarbige Rosen wuchern. In den Plantagen reifen Zitronen, Apfelsinen, Feigen und Weintrauben. Die Architektur istmediterra- nean", d. h. spanisch, italienisch, maurisch; man sieht neben der mexikanischen Hazienda die Nachahmung eines englischen Landhauses oder eines Kolonial­gebäudes. Am Hollywoob Boulevard erhebt sich ein chinesisches und ein ägyptisches Theater; be­rühmt sind die hawaiischen Restaurants, und am Sunset Boulevard gibt es ein Hofbräuhaus, wo deutsche Musik gespielt wird und Frankfurter Würst­chen und Löwenbräu serviert werden.

Das Klima kann als ideal bezeichnet werden. Die Handelskammer meldet 334 sonnige Tage im Jahr, und es versteht sich, daß es in diesem subtropischen Klima niemals Schnee gibt. In wenigen Minuten ist man amStillen Ozean, wo der Strand zu einem Bad einlabet, unb im Winter sinb es nur zwei Stunben ins Hochgebirge, wo Skiläufen, Rodeln und Eissport betrieben werden.

Mehrmals versuchten die Filmmagnaten, ihre Ateliers zu verlegen, wenn die kalifornischen Steuern zu hoch zu werden drohten; Florida, Neu­york, London machten Versuche, Hollywood zu unterminieren vergebens. Wo gibt es sonst in der Welt ein so ideales Klima, so mannigfaltige Szenerien, den Ozean, die Wüste, das Hochgebirge in einem Hmkreis von wenigen Stunden... und technisch hochentwickelte Riesenateliers, die regel­rechte Städte bilden und einen Wert von hundert Millionen Dollar darstellen!

Hollywood hat, so scheint es in letzter Zeit, seine glänzendsten Tage gesehen. Viele alte Villen sind verkäuflich", die Grundstückspreise sind gefallen. Das Zentrum der Millionenstadt Los Angeles ver­schiebt sich nicht nach Hollywood zu, sondern nach Beverly Hills, der Villenstadt der Filmstars, und nach Westwood, nach den Pacific Palisades und verursacht dort neue Grundstücks-Haussen. Vor einigen Wochen brach unter den Geschäftsleuten des Hollywood Boulevard eine Panik aus, als die Nachbarstadt Culver City den Versuch machte, den NamenHollywood" für sich zu adoptieren, mit der Begründung, daß fünfzig Prozent der kalifor­nischen Filme in ihren Mauern gedreht würden. Man stelle sich vor, welche Situation entstanden wäre, wenn Culver City den Namen Hollywood und den Poststempel gleichen Namens erhalten hätte, wäh­rend das richtige Hollywood seit langer Zeit versucht, ihn wieder zu erlangen.

Hollywood, ein mit Los Angeles eng verbundener Stadtteil, wird nie ber Bedeutungslosigkeit verfallen,.

aber die Tage der Hochkonjunktur sind vorüber. Um so stärker erfreut sich jedoch Groß-Los-Angeles, kurz genannt Hollywood, feiner Vormachtstellung als Filmproduktions-Zentrum der Neuen Welt!

Oie Herkunft der Mehlspeise.

Große Herren, inländische und fremde, gab es immer in genügender Anzahl in Wien, und sie ent­falteten einen Huxus, den wir uns kaum noch vor­stellen können; war doch die Stadt bis zur Mitts des 19. Jahrhunderts nach Paris die größte des europäischen Festlandes und jahrhundertelang der Sitz der deutschen Kaiser. Der Habsburgische Hof, seit seiner Verbindung mit Burgund außerordent­lich auf Form bedacht, durch seine europäischen Be­sitzungen reich geworden und der provinziellen Enge enthoben, wurde richtunggebend für die Eßsitten auch der bürgerlichen Kreise. Die weltmännische Art, die der Wiener durch diese Umstände entwickelte, beeinflußte auch seine Kochkunst, und die Speisen galant anzubringen" war ebenso wichtig wie deren Bereitung. Dazu kam noch, daß Wien, eine deutsche Stadt auf vorgeschobenem Posten von Anfang an, ihr deutsches Erbe gut bewahrte und verbreitete daneben aber auch allerlei starken fremden Ein­flüssen ausgesetzt war, von denen sie sich nahm, was ihr paßte. So hatten mehrere Babenberger Herzöge byzantinische Prinzessinen zur Ehe gehabt, die die orientalische Liebe für Süßigkeiten mitbrach­ten. Aus dem nahen Italien, das lange vor Frank­reich das Land der Feinschmecker war, kamen die wie Halbedelsteine funkelnden Fruchtsäfte und das Marzipan, die Mandeln, Pinien und Pistazien, die schon die Römer für Kuchen verwendet hatten, die vielfach gebrauchteLimone" und die Feigen. Wahr­scheinlich aus Spanien kam über die Niederlande die genaue Kenntnis derComposterey" oder Zucker- bäckerkunst nach Wien. Noch unter Kaiser Franz Joseph wurde in der habsburgischen Hofküche das Pain Espagnol" nach altem Rezept gemacht: Wei­ßer Wecken geschnitten und mit Marmelade gefüllt, außen mit Eierteig verstrichen, in Rotwein mit Ge­würznelken, Zimt und Zucker getränkt, in Mehl ge­tunkt, in heißem Fett ausgeb'acken, dann mit Ka­ramel bezuckert." Auf diese Weise entstand, wie wir in einem sehr luftig und farbig illustrierten Aufsatz von Ann-Tizia Leitich im Dezemberheft von Vel- hagen & Klasings Monatsheften lesen, aus romanischen, aber auch aus slawischen (Dalken, Kolatschen) und alpinen Motiven (dem Schmarrn, dem ländlichen aus Schmalz herausgebackenen Erntekrapfen, den Nocken und Stritzen) und durch die Lust an der eigenen Erfindergabe die Wiener süße Mehlspeise.