Kr.255 Erstes Blatt
187. Jahrgang
Wontag, 1. November 1937
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
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Männer von gestern.
Von unserem Or. K.-Äenchterstatter.
Nachdruck verboten!
Warschau, Mitte Oktober 1937.
Männer, von der politischen Welt längst totgesagt, steigen in Polen aus den Grüften. Gespenstergleich treten sie ans Licht der Oeffentlichkeit, denn sie umwittert der Hauch einer langen vergangenen Zeit. Wer hat sie zum Leben erweckt die Haller und Korfanty, die Paderewski und Sikorski die Wojczechowski und Grabski und die vielen Kleinen, die der Sturm des Pilsudskistreichs vom Mai 1926 hinweggefegt zu haben schien? Die Zwietracht der anderen gab ihnen neue Hoffnung und damit neue Kraft. Die alten Individualisten erwärmten ihr erkaltendes politisches Dasein an dem neuentflammten Individualismus und Egoismus der Pil- sudskisten, die im Begriff stehen, das starke und unzerstörbare Rutenbündel des toten Marschalls m feine Bestandteile aufzulösen. Jeder Kopf seine eigene Gruppe, das ist das gegenwärtige Bild im Regierungslager. Da versucht es einmal die Opposition mit Einigung, und Männer setzen sich an einen Tisch, von denen eine alte Chronik zu berichten weiß, daß sie nicht immer am gleichen Strange zogen. Noch tröstet sich eine erschreckte Gegenwart mit der Feststellung, daß sie im einzelnen nicht mehr viel hinter sich hatten, so könne die Summe von mehreren kleinen Zahlen nicht gleich ein beachtlicher Faktor werden. Aber es ist eben alles im Umbruch, da gibt zunächst nicht die Zahl den Ausschlag, sondern die zugkräftige Losung.
Grauköpfe sind es, die sich in der sogenannten „A r b e i t s p a r t e i" zu neuer politischer Arbeit zusammengefunden haben, nichts spricht dafür, daß die Jugend sie verstehen wird, die jetzt mächtig zur politischen Macht herandrängt, aber in der Gründungsversammlung war die katholische Geistlichkeit stark vertreten, das heißt einerseits, daß der politische Katholizismus nach neuem Absprung ins politische Leben sucht, andererseits, daß er, dem doch sonst noch das Instrument der nationalen Opposition, die Nationaldemokratie, zur Verfügung steht, nicht abgeneigt scheint, auch nach l i n k s die Fühlung zu behalten und auf der Volksfrontflöte zu blasen, wofür die letzten Beschlüsse der Moskauer Komintern bereits die Noten geschrieben haben. Selbst eifrigen Katholiken, wie es General Haller, der Präsident des neuen „Zentrums" ist, wird nachgesagt, daß sie enge Beziehungen zur internationalen Freimaurerei hätten.
Wofür wollen die Grauköpfe kämpfen? Um ein christliches und rechtlich geordnetes Polen aus freien Bürgern und Menschen der Arbeit. Der „arbeitenden Masse" soll der Vorzug gegeben werden, wobei die Formulierung den Verdacht entstehen läßt, daß das Programm von einem fremden Konzept abgelesen wurde. Sie wollen sich ein Muster an den „großen Demokratien des Westens" nehmen, so wurde auf der Einigungsversammlung der Christlichen Demokraten und der Nationalen Arbeiterpartei verkündet, und man darf wähl annehmen, daß in erster Linie an die „Demokratien" der französischen Volksfront und der Valencia-Bolschewisten dabei gedacht wurde. So fiel auch bezeichnenderweise trotz der häufigen Betonung des christlichen Standpunktes kein allzu stark ablehnendes Wort gegen den Bolschewismus, dagegen zog man heftig gegen Bestrebungen einer „Herrschaft der Elite" zu Felde, womit eindeutig jedes autoritäre Re- g j m e, in erster Linie also das Lager der nationalen Einigung des Obersten Koc ab gelehnt wurde. Wenn zunächst scheinbar kein Wert auf die Zusammenarbeit mit denMarxisten gelegt wird, unter der Begründung, sie seien zu stark kommunistische durchsetzt, dann darf man darin nicht mel mehr erblicken als das Bestreben, zunächst aus taktischen Gründen das Gesicht einer Mittel- Partei zu wahren.
Was die Männer von gestern jetzt zustandege- dracht haben, könnte man ebenso gut einen „Klub der Zurückgezogenen" nennen, denn keiner ist darunter, der nicht schon einmal den Rock des politischen Soldaten, teils freiwillig, teils unfreiwillig an den Nagel gehängt hätte. Da' ist zunächst Paderewski, nicht nur großer Pianist und Komponist, sondern auch jahrzehntelang Vorkämpfer für Polens Unabhängigkeit in den Vereinigten Staaten, wo man den Künstler verehrte und deshalb geneigt war, dem Politiker Gehör zu schenken. Er hat seinen Wohnsitz heute m der Schweiz in Morges, von woher er mit feinen Freunden m Polen brieflich verkehr^ Deshalb hat man das neue Gebilde auch die „Front von Morges genannt. Seine aktive Laufbahn als Staatsmann war allerdings nur kurz. Am 16. Januar 1919 wurde er nach einer nicht ganz leichten Verständigung mit dem damaligen Staatschef Pilsudsti Minlsterprast- den und mußte am 1. Dezember desselben Jahres bereits einem Nachfolger Platz machen, weil ev di schwierige innerpolitische Lage nicht zu meis e vermochte. Er blieb zwar bis. 1921 noch Vertreter Polens im Völkerbund, schied jedoch dann endgültig aus der Politik aus. r
General Haller, der Organisator emer polnischen Armee auf französischem Loden, die er n der Hauptsache aus deutsche» Kriegsgefangenen z sammenstellte und über Archangelsk nach Polen führte, hat sich fraglos große Verdienste um die Stützung des noch auf schwachen Fußen stehenden Staates erworben, er hat zwar nie einer polten Partei angehört, aber er wurde dennoch von dem Vormaisystem in Anspruch genommen und verlor Ansehen und Einfluß, als Pilsudski die Macht end- aültia übernahm. Das ging so wett, daß m diesem J°hr° Gedenkfeiern für die - Armee ohne Haller ^gehalten wurden. Gekrankter Stolz latzl
Das deutsche Buch in die Hand des ganzen Volkes!
Feierliche Eröffnung der Woche des Deutschen Buches in Weimar.
Ein schöner Auftakt.
Dr. Goebbels stellt der Schillerstiftung 200 000 Mark zur Verfügung.
Weimar, 31. DEL (DNB.) Am Vorabend zur Eröffnung der Woche des deutschen Buches in Weimar hat der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. G o e b b e l s für die Schiller st iftung, die der Unterstützung und Förderung deutscher Dichter und Schriftsteller dient, 2 0 0 0 0 0 Mark zur Verfügung gestellt. Mit einem eindrucksvollen Akt wurde in Weimar die Woche des deutschen Buches eingeleitet. Im Dortragssaal des Goethe-Nationalmuseums stand die 350 Bände umfassende Jahresschau des deutschen Schrifttums, die von der Reichsschrifttumsstelle beim Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda zusammengestellt worden ist. Reichsminister Dr. Goebbels ließ sich von Hauptamtsleiter Hederich eingehend durch die Abteilungen der Jahresschau führen. Dann überreichte Reichsstatthalter S a u ck e l dem Minister eine künstlerisch wertvolle Ehrengabe, eine Sammlung mit ungewöhnlicher Naturtreue nachgebildeter Originale von Handschriften und Handzeichnungen, die in einer Mappe von Prof. D o r f n e r (Weimar) liegen und von Oskar Brand st etter (Leipzig) reproduziert wurden. Die Zusammenstellung der Handschriften Goethes, Schillers, Herders, Wielands, Hebbels und Nietzsches überraschten Dr. Goebbels aufs freudigste. Dann wohnte der Reichsminister einer Erstaufführung im Deutschen Nationaltheater bei. Geboten wurde Otto Er<ers Weihespiel „Thors Gast".
Von der Fmstengrust zur Weimarhalle.
Der Haupttag der deutschen Buchwoche begann mit einem Akt der Verehrung vor dem Genius der Stadt. Reichsminister Dr. Goebbels begab sich zur Fürstengruft, wo er in stillem Gedenken an den Särgen Goethes und Schillers Lorbeerkränze niederlegte. Von der Fürstengruft fuhr Dr. Goebbels zur Weimarhalle. Nach einem Chor der HI. nahm Reichsleiter Bau hier das Wort zu einer Ansprache, in der er als Vorsitzender der parteiamtlichen Prüfungskommission zum Schutze des nationalsozialistischen Schrifttums die Ziele und Aufgaben seiner Dienststelle darlegte. Er begründete die Schaffung und das Wesen der „parteiamtlichen Prüfungskommission zum Schutze des nationalsozialistischen Schrifttums". Er bezog sich auf ein Wort des Stellvertreters des' Führers: „Die NSDAP, hat das souveräne Recht und die Pflicht, darüber zu wachen, daß das nationalsozialistische Ideengut nicht von Unberufenen verfälscht und in einer die breite Oeffentlichkeit irreführenden Weise ausgewertet wird". Dabei liegt der Partei nichts ferner, als Einengung der geistigen Freiheit! Autor und Verleger sollen damit nicht in ein Schema gepreßt oder eigener Verantwortung entkleidet werden. Im Gegenteil: ihr Verantwortungsbewußtsein gegenüber der Gesamtheit soll gestärkt werden. Vorhandenes Schriftgut soll nicht in die Zwangsjacke nationalsozialistischer Betrachtung eingespannt werden, hierin unterscheidet sich die nationalsozialistische Buchprüfung von ähnlichen Einrichtungen, wie sie die katholische Kirche und der sowjetrussische Staat besitzen.
das Buch
als Künder deutscher Politik.
Staatsrat Johst über Dasein und Zukunft des deutschen Buches.
Hierauf sprach Staatsrat Johst und führte u. a. aus: Am Anfang war das Wort! Die deutsche Nation hat diese Sendung des Wortes immer am revolutionärsten erlebt. Nicht umsonst wurde sie die Geburtstätte, das Vaterland des Buches!
Das Dritte Reich hat diese geistige Erlebniskraft des deutschen Volkes zur allgemeinen Buchpflicht vertieft.
Von dem Präsidenten der Reichskulturkammer, Dr. Goebbels, wurde die Schrifttumskammer an die Spitze seiner sieben Einzelkammern gestellt. Die Verpflichtung, die uns, die wir für den Geist im Raum dieser Kammer geradestehen, aus dieser Ehre erwächst, ist ernst, 'fordert gründlichste Gewissenhaftigkeit und Rechtfertigung!
Der Werdegang eines Adolf H i t l e r ist nur nach dem Schwergewicht und der Sprachkraft feines Wortes abzumessen.
Adolf Hiller ist das Beispiel der geschichtlichen Persönlichkeit, dessen Lebenswerk und Lebenswirkung aus Wort und Antwort, aus Rede und Gegenrede allein zu verstehen, ist. Sein Wort war die erste nationalsozialistische Tat! Seine Rede schuf Tatsachen! Aus feiner Sprachgewalt wuchs das Reich!
Dem Schrifttum unserer Zeit erwuchs aus dieser Einsicht außerordentliche Aufgabe. Für den Schriftsteller ist es vorbei mit einem bil- dungsüberdünkelten, guten Stuben-Jndioidualismus. Er gehört feinem Volke oder feine Dachftubenherr- lichkeit 'gehört entrümpelt. Jeder Verleger und jeder am Buch Tätige noch muß diefes Wissen um den Urfern der Kulturpolitik haben und mit dem Willen, dem eisernen Willen, dieser geschlossenen Kulturpolitik dem Nationalsozialismus dienen. Daher fei das Wort unseres Reichsministers Dr.
Goebbels in das Gedächtnis zurückgerufen: Das Buch muß von Jahr zu Jahr billiger werden!
Ich habe nun die Freude, Ihnen, Herr Reichsminister, melden zu können, daß bereits zweitausend Jungbuchhändler die Reichsschule des deutschen Buchhandels besuchten und daß diese Schulung voll bewundernswerter Energie ihrer Teilnehmer im Sinne unserer nationalsozialistischen Modernität beseelt und begeistert. Ferner ist als erfreuliches Zeichen zu vermelden, daß ein Fünftel aller Sortimentsbuchhandlungen im vergangenen Jahr eine Umsatz ft eigerung von 30 bis über 40 v. H., daß drei Fünftel eine solche von 10 bis 15 v. H. erfahren haben
Als der Führer dem souveränen Beherrscher der deutschen Sprache, dem Schriftsteller Dr. Joseph Goebbels, die gesamte deutsche Kultur überantwortete, da übergab er die Impulse der deutschen Schau- und Gestaltungskraft bewußt seinem bewährten und erfolgreichen politischen Kampfgenossen, da übergab er dem Reichsleiter für Propaganda die Kultur; das heißt, er traf diese Entscheidung aus dem tiefen Wissen heraus, daß alle wirklichen, kulturellen Großtaten gleichzeitig propagandistischen Charakter im politischen Raum des Dritten Reiches zu tragen haben.
Wer deutsch spricht und die deutsche Sprache meistern will, muß deutsch denken, und der deutsche Gedanke in der Welt heißt: Deutsche Politik!
„3m Buch offenbar! das Volk sich selbst."
Dann betrat, stürmisch umjubelt, Reichsminister Dr. Goebbels das Rednerpult und umriß d i e Wandlung des Bildungsideals, das der nationalsozialistische Umbruch gebracht hat und noch bringen wird.
„Revolutionen werden nicht so sehr mit Waffen als mit Ideen gemacht." Diesen Gedanken stellte Dr. Goebbels an den Anfang und legte klar, daß die Ideen am Anfang jeder wahren Revolution stehen. Deshalb ist der Kampf um die Macht mehr ein Kampf des Geistes als der Gewalt. Die schärfste und schneidendste Waffe des Geistes aber ist das Wort. Die großen Redner waren es auch, die die Revolutionen vorwärtstrie- ben. Aber hinter den Rednern stand in Revolutionen stets das Heer der Schreiber. Dr. Goebbels bezeichnete sie als die Infanterie der geschichtlichen Aufstandsbewegungen, die hinter dem ewig voranstürmenden Stoßtrupp der großen Redner das eroberte Terrain besetzten und ausbauten.
„Die nationale Politik eines Volkes findet ihren beredtesten Ausdruck, ihr Symbol, in Buch und Schwert. Das Buch ist die Waffe des friedlichen Aufbaugeistes, das Schwert die Waffe der Sicherung der nationalen Lebensgüter. Sie sind keine Gegensätze, sie bedingen einander. Und wir werden immer im Verlaufe der Geschichte feststellen können, daß ganz große historische Persönlichkeiten sich der Feder und des Schwertes bedienten, um das Leben ihrer Völker zu gestalten. Ich brauche in diesem Zusammenhang nur an geschichtliche Figuren wie Caesar, Friedrich den Einzigen, Napoleon, Clausewitz, Moltke oder Schliessen zu erinnern.
Nicht die rohe und ungestalte, sondern die gebändigte und vergeistigte Kraft baut Völker und Staaten. Darum ist die Wacht auch immer mit der Idee gegangen. Nnd die Bücher als die Wegbegleiter der Völker haben zu allen Zeiten nicht nur vergangene große Epochen verherrlicht, sondern auch kommende große Epochen geahnt, angekündigt und vorbereitet."
Dr. Goebbels stellte fest, daß es dem Nationalsozialismus vorbehalten war, diese Synthese zwischen Geist und Kraft zu verwirklichen. Auf diesen Grundlagen steht heute das gesamte Gefüge
unseres Volkes ünd Staates. Es verkörpert in sich bestes Deutschtum. Daraus erklärt sich auch die sonst fast unverständlich scheinende außerordentliche Mannigfaltigkeit im Führerkorps der Bewegung und des Staates, die tatsächlich der Vielgestaltigkeit unseres Volkes entspricht.
„Der geistige und charakterliche Umgestaltungsprozeß unseres Volkes kann nicht im Tempo der Revolutionen selbst vollzogen werden. Er hat seine Zeit nötig. Es unterliegt aber auch keinem Zweifel, daß, auf lange Sicht gesehen, auf diese Weise unser Volk selbst durch seine Spitzenschicht allmählich eine vollkommene Umwandlung erfährt und durch die Erziehungsarbeit der Bewegung nach und nach ein ganz neues Bildungsideal entsteht. Die vergangene Epoche prägte das Wort, daß Wissen Macht sei. Wir sagen dagegen: Können ist Macht! Haltung und Gesinnung sind ausschlaggebende Faktoren der Leistung. Nicht so sehr die Summe des Wissens entscheidet über den Rang einer Persönlichkeit als vielmehr die Befähigung, Wissen in der richtigen Weise einzusetzen.
Die vergangene Zeit stand im Zeichen einer plumpen und rohen Ueberschätzung des rein Angelernten. Unsere Zeit dagegen sieht ihre Haupt- erziehungsaufgabe darin, die Persönlichkeit zu bilden. Wir lehren und belehren nicht nur, wir tun mehr: Wir erziehen. Wir führen die Nation zu einer vernünftigen und kraftvollen völkischen Lebensgestaltung. Wir sehen diese vor allem gewährleistet im sinnvollen Zusammenhang zwischen Körper, Seele und Geist. Damit stehen wir dem klassischen Bildungsideal näher als manche Epoche, die sich fast ausschließlich mit Klassik beschäftigte. Denn wir suchen den Geist der Klassik und nicht ihre tote und starre Form."
Der Lharakter allein ist nicht ausreichend für den Aufbau von Völkern und Staaten. Er muh feine Ergänzung finden in Begabung und Fertigkeit. Begabung ist da, Fertigkeit aber muß irgendwo gelehrt und gelernt werden. Ein sicherer Schah von Wissen und (Erfahrung im besten Sinne des Wortes ist immer ein guter Ausgangspunkt für die Leistung. Ein Staat wird regiert mit Charakter, Willen,
ihn jetzt seine Genugtuung in der neugegründeten Partei suchen.
Wojczechowski war der zweite gewählte Staatspräsident der polnischen Republik. Er war dem 11 Tage vorher am 9. Dezember 1922 gewählten Freunde Pilsudskis, Narutowicz, gefolgt, der von einem Nationaldemokraten ermordet worden war. Diese Nachfolge wurde sein Verhängnis. Beim Maiputsch wurde er zum Amtsverzicht genötigt und zog sich aus der Politik zurück, weil ihm nichts anderes übrig blieb. Erst Pilsudskis Tod machte ihm den Weg in die Politik wieder frei, heute tritt er hervor „von der Sorge um Polen" gerufen.
Korfanty, der Organisator der oberschlesischen Aufstände, hatte kein besseres Los gezogen als feine neuesten Mitstreiter. Zwar konnte er noch im Schutz der Abgeordnetenimmunität ein paar Jahre länger einen parlamentarischen Guerillakrieg gegen das System der Obersten führen, aber feine Gefolgschaft schmolz zusehends zusammen. Der Verlust des Mandats trieb ihn in die Emigration in die Tschechoslowakei, wohin ihm der Staatsanwalt nicht folgen konnte, der ihm schon lange auf der Spur war. Soll ihm die Arbeitspartei die Brücke für die Rück
kehr ins Vaterland werden?' Er ist zu einem der Präsidenten der Partei gewählt worden.
Mehr im Hintergründe und bisher nur durch einen Freund im Vorstande vertreten, steht General Sikorski, ein alter Widersacher Pilsudskis, der zu dessen Lebzeiten allerdings mehrfach und immer vergebens den Anschluß an das neue Regime gesucht hatte. Der tote Marschall, der ein großer Hasser sein konnte, hat ihm nie verziehen, daß er als Kriegsminister des Varmaisystems Pilsudskis Kameraden aus der Legionärzeit, die als Offiziere offen zu ihm standen, in Strafkommandos versetzte. Während des Maiputsches nahm er eine unklare Haltung an, dann wurde er eifriger Artikelschreiber und wartete reichlich mit nicht erbetenen politischen Ratschlägen auf.
Das sind die Schicksale der Männer, die sich jetzt zu einer politischen Kampfgemeinschaft vereinigten, sicher gute Polen und treue Söhne ihres Volkes, aber vom Schicksal doch wohl etwas zu stark zerzaust und als aktive Politiker nicht gerade durch Klarheit ihrer Ziele gekennzeichnet, so daß sie jetzt Aussicht haben sollten, eine klarere Linie zu finden und damit das Herz des Volkes zu gewinnen. Immerhin ein Hindernis mehr auf dem
steinigen Wege der E inigungsbemühungen des Obersten Koc.
Aburteilungen von Unruhestiftern in Danzig.
Danzig, 30. Oft. (DNB.) Am Samstag verurteilte der Danziger Schnellrichter wiederum eine Reihe von Personen wegen der Ausschreitungen gegen jüdische Läden in Danzig. Wegen Diebstahls und Einbruchsdiebstahls wurden Gefängnisstrafen von zwei Wochen bis zu sieben Monaten verhängt. Bei allen Verhandlungen stellte es sich heraus, daß es sich bei den Angeklagten fast nur um Straßenmob handelt, der lediglich aus gewinnsüchtiger Absicht heraus die Uebergriffe gegen die jüdischen Ladenbesitzer begangen hatte. Einen besonders markanten Fall stellte eine wegen Übertretung von sittenpolizeilichen Vorschriften vorbestrafte Person dar, die ein jüdisches Geschäft allein in der Absicht demolierte, um sich die Auslagen anzueignen. Wie die Verhandlungen ergeben haben, befinden sich unter den Unruhestiftern” auch Verhaftete, die der polni - nischen Minderheit angehören.


