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Hr.Z6 Zweiter Blatt

Siebener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für Vderhessen)

Montag. Zi. Marz 1941

Aus -er Sta-1 Gießen.

Heilge Ordnung . ..

Schiller nennt die Ordnung einesegensreiche Himmelstochter". Leider versäumte es diese himm- jjsche Schöne, zu manchen Menschen herabzusteigen inb chren Segen walten zu lassen! Und so gibt es Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts, die zehn- nol am Tage ihren Schlüsselbund oder ihren Geld­beutel suchen, jedesmal ebenso ärgerlich und ver- weifelt. und doch gewöhnen sie sich nicht an, jedes Ding an seinen Platz zu legen. Mit dem guten Gedächtnis allein, das man bekanntlich haben muß, venn man unordentlich ist, ist es eben doch nicht xetan.

Leider wird auch in der Erziehung oft versäumt, 5 le Kinder an Ordnung zu gewöhnen und sie dazu :nzuleiten. Mit Schrecken sah ich vor kurzem in flner Schule, was alles verloren und liegengelassen oirb. Da waren außer Heften, Büchern, Aeichen- :erät, Taschentüchern und Geldtäschchen auch Mäntel iinb Mützen! Und nicht nur. daß es vergessen und : erkoren wurde, es wird noch nicht einmal abgeholt!

verdunkelungszeii

31. März von 19.54 bis 7.01 Uhr.

Die mancher ärgerliche Verlust, wieviel Zeit für ^nötiges Suchen könnte unseren Kindern erspart leiben, wenn wir sie zur Ordnung erzögen! Der Lehrer, der ein unordentliches Kind zehnmal schrei­en läßt:

Lerne Ordnung, liebe sie, sie erspart dir Zeit und Müh'!" t gewiß zu loben.

Wie wichtig die Ordnung im menschlichen Leben 1 zeigt uns die große Zahl von Sprüchen, die sarauf Bezug haben:

Die Unordnung ist ein kostbarer Hausgenosse", trgt ein Sprichwort,

Ordnung ist das halbe Leben", irgt ein anderes.

Und nun wollen wir noch hören, was unsre großen Geister zu der so wichtigen Ordnung sagen:

Ordnung lehrt euch Zeit gewinnen!" (Goethe); Der Weg der Ordnung, ging er auch durch Strünv nen, es ist kein Umweg" (Schiller);Ordnung führet ii allen Tugenden!" (Gg. Ehr. Lichtenberg);Wären rir von Kindheit an gewohnt, unsere Umgebung zu tner freuickllichen Ordnung zu gestalten, so würde uch unser Inneres diese Ordnung durch eine har- ronische Stimmung der Seele abspiegeln" (E. V. feuchtersleben).

Dabei fällt mir ein Bild eines bekannten Zeichners in: Fußboden und Möbelstücke sind bedeckt mit dien nur erdenklichen Gegenständen, die dort nicht hngehören, am Schreibtisch aber, der ebenso voll- g türmt ist, sitzt ein Mann, der ein Buch schreibt ß»erDie Ordnung als Grundprinzip des Kosmos"!

St.

Sornofhen.

Stadttheaker Gießen.

Am heutigen Montag veranstaltet der Gießener Konzertring 1941 sein 11. Konzert. Solist ist Karl« nlert Streiten (Klavier), Dirigent Otto Söllner. tar Aufführung kommen: Franz Liszt:Totentanz" Adlist: Starfrob. Streiten); Hans Pfitzner: Ouvertüre z: .^täthchen von Heilbronn" Werk 17 (Erstauffüh­rung); Richard Strauß: Burleske in D-molll (Solist kirlrob. Kreiten jErstaufführungj) und die Siebente kmphonie in C-dur von Franz Schubert. Es spielt ks Städtische Orchester Gießen. Mietkonzert truppe B Nr. 5.

Tagevkalender für Montag.

Gießener Konzertring: 19.30 Uhr Orchester-Kon- |rt im Stadttheater. Gloria-Pala.st, Seltersweg: Oer laufende Berg". Lichtspielhaus, Bahnhof« haße:Der Kreuzweg einer Mutter". Oberhcssi- h»er Kunstverein urib Winterhilfswerk: 17 bis 19 hr Ausstellung im Turmhaus am Brand.

Ortszeit für den 1. April.

«Sonnenaufgang 7.02 Uhr Sonnenuntergang 20.58 Eir. Mondaufgang 9.07 Uhr, Monduntergang 015 Uhr. _____________________

tleberweisung der Vierzehnjährigen in die HZ.

Die Ueberweisung der 14jährigen Pimpfe und Jungmädel in die HI. und in den BDM., die in diesem Jahre am gestrigen Sonntag in der Aula der Universität oorgenommen wurde, erfolgte in einem sehr feierlichen und eindrucksvollen Rahmen. Neben den Eltern der Jungen und Mädel wohnten der Feierstunde die Ortsgruppenleiter der Partei, die Führer der Kampfverbände sowie Ehrengäste der Wehrmacht und des Staates bei.

Ein Fanfarenruf kündete das Kommen des Kreis­leiters Backhaus an, in dessen Begleitung sich der SA.-Brigadeführer Schwarz und Bannführer T a e s l e r befanden. Der Beauftragte des Stand­ortes, Hauptgefolgschaftsführer Ruppel, meldete dem Kreisleiter die zur Ueberweisungsfeier ange­tretene Jugend. Hierauf folgte unter den Klängen eines Fanfarenmarsches mit Kesselpauken der Ein­marsch der Jugend. Eine Festmusik von Händel, das LiedNun laßt die Fahnen wehen" und die von der Sing- und Spielschar der HI. vorgetragene LiedkantateIhr rufenden Fanfaren" von Hans Baumann gaben der Feierstunde die festliche Ein­leitung.

Bannführer Taesler verabschiedete dann die Vierzehnjährigen mit einer Ansprache, in der er u. a. sagte: Mit dem heutigen Tage findet für euch der erste Lebensabschnitt in der Bewegung Adolf Hitlers seinen Abschluß. Mit 10 Jahren seid ihr aus dem Kreis der Familie in die große Gemeinschaft der Jugend eingetreten. Gesetze dieser Gemeinschaft bestimmen nunmehr euer Leben. Ihr habt alle die Gemeinschaft und Kamerad­schaft gefühlt, die Gemeinschaft der Jugend, die ohne Unterschied von Klassen und .Ständen oder Kon­fessionen die ganze deutsche Jugend vereint und sie alles Trennende vergessen läßt. Als symbolisches Zei­chen dieser Einheit der Jugend seid ihr, die gesamte Jugend des Verpflichtungsjahrganges Gießen, hier vereint, um die Vollendung eines bedeutsamen Le­bensabschnittes feierlich zu begehen, der eure erste Jugendzeit beendet, dessen größte und entscheidendste Bedeutung darin liegt, daß ihr nach vierjährigem Dienst nunmehr für würdig befunden seid, in der HI. verpflichtet zu werden. Eure Zugehörigkeit zur Jugend des Führers, die ihr euch durch vier Jahre langes Dienen durch die Tat erworben habt, findet durch die feierliche Verpflichtung ihre sichtbare An­erkennung und Würdigung. In dem Liede der Ju­gend drückt sich schon die Verpflichtung für euer kommendes Leben aus.

Ihre Zustimmung zu diesen Worten gab die Jugend mit dem gemeinsamen Gesang des Liedes

der Jugend. Jungstammführer Kuhl meldete bann dem Beauftragten des Standortes Gießen, Haupt- gefolgschaftsführer Ruppel, die Jungen und Mädel, der ihre Verpflichtung vornahm.

Die Ouvertüre zur Festmusik in B-dur von Hän­del leitete über zur Ansprache des

Kreisleiters Backhaus,

der daran erinnerte, daß in dieser Feierstunde sich Jungens und Mädels in der gleichen Weise ver­pflichten, wie es in jedem Jahre vorher die Jugend vor ihnen getan habe. Diese Ueberweisungsfeier bedeute, daß ein neuer Jahrgang in die Schaffens- gemeinschaft des deutschen Volkes eintrete. Das Leben bedeute Kampf, und wenn eine Aufgabe er» füllt sei, so gelte die ganze Kraft der neuen Auf­gabe; denn wie der einzelne Mensch, so habe auch das Volk einen immerwährenden Kampf durchzu- führen, und die Aufgaben würden nie aufhören. In diesem Einsatz für das Volk müsse sich die Jugend die alten Kämpfer der Bewegung zum Vor­bild nehmen. Wie diese in einer hoffnungslosen Zeit nur im Glauben an den Führer ihren Kampf durchgeführt hätten, so müsse der deutsche Mensch zu allen Zeiten bedingungslos und gläubig , hinter dem Führer stehen und zu ihm aufschauen.

Der Kreisleiter schilderte dann die Verhältnisse, wie sie früher waren, und sagte der Jugend, daß der Führer ihr wieder neue Hoffnung und das Recht auf Arbeit wiedergegeben habe. Die Jugend dürfe daher nie vergessen, daß der Führer ihr den größten Dienst erwiesen habe. Sie dürfe stolz fein, die Jugend des Führers genannt zu werden, und habe sich dessen mit vollem Einsatz ihrer Kräfte würdig zu erweisen. Das Volk brauche auch die kleinen Kräfte eines jungen Menschen. Es komme nur darauf an, daß der einzelne sich in der Karne- rad schatt bewähre und sich in den Dienst der Ge- meinschaft stelle. Gerade in der gegenwärtigen Zeit schaue das Volk auf seine Jugend, die in der welt- bewegenden Auseinandersetzung der jungen Völker gegen eine altgewordene Welt, wie sie der Kreis- (eiter eingehend schilderte, sich einzureihen habe in die große Front des Volkes, die sich innerlich bar» auf vorzubereiten unb zu bewähren habe, damit sie einmal die Fahne der Bewegung aufnehmen unb in eine neue, glücklichere Zukunft unseres Vol­kes tragen könne. Die Jugend von heute trage die Verantwortung für das Reich der Deutschen von morgen unb dafür müsse sie sich ernstlich vorbe­reiten.

Mit dem Treugelöbnis zum Führer unb den Lie­dern der Nation schloß bann die Feierstunde.

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Achtung! Briefmarkensammler!

Am Dienstag, dem 1. April. 20 Uhr, findet in Gießen,Württemberger Hof", Bahnhofstraße 15, eine öffentliche Tagung der NSG.Kraft durch Freude Briefmarkensammelgruppe statt. Alle Sammler, die sich bereits angemefbet oder Verbin­dung mit dem Kreis-, Gau- oder Reichsfammlerwart ausgenommen haben, sowie Freunde und Gäste wer­den zu dieser Besprechung eingeladen. 1561D

Gtfriger Einsatz für das Kriegs-WHW.

Die letzte Straßensammlung für dar Kriegs-Win- terhilsswerk 1940/41 wurde am Samstag unb am gestrigen Sonntag von den Sammlern unb Samm­lerinnen der Deutschen Arbeitsfront durchgeführt. Ueberall waren sie mit größter Einsatzfreudigkeit bei der Erfüllung ihrer Aufaabe. Die schönen Ab­zeichen fanden allenthalben flotten Absatz, so daß schon am Samstagabend der größte Teil verkauft war unb der Rest am Sonntag auch noch bereit­willige Käufer fand. Eine Reihe von Sonderveran- ftaltungen half in wirksamer Weise mit zu dem star­ken Erfolg der Sammlung. Dabei hatte sich auch ber Musikzug der SA.-Standartt 116 unter Leitung von

Obersturmführer Herrmann mit einem Konzert wieder in den Dienst der guten Sache gestellt.

50 Lahre im Dienst der Stadt Gießen.

Am 1. Avril d. I. kann der Hauptkassierer der Stadtkasie, Derwaltungs-Obersekretär August Eger, auf eine 50jährige Tätigkeit im Dienste der Stadt Gießen zurückblicken. Der Arbeitsjubilar trat am 1. April 1891 nach feiner Schulentlassung bei der Stadt als Bürolehrling ein und wurde nach zwei Jahren zum Gas- und Wasserwerk versetzt. Bei dieser Dienststelle wurde er am 1. April 1901 als Beamter eingestellt. Im Oktober 1910 übernahm er den Dienst bei der Stadtkasse und war hier bis zum Sabre 1922 Gelderheber der Steuerkasse. Seit dieser Zeit versieht Obersekretär Eger^mtt größter Treue unb Sicherheit das verantwortungsvolle und arbeits­reiche Amt des Hauptkaffierers der Stadtkasie. Dem Arbeitsjubilar wurde ein persönliches Glückwunsch­schreiben des Oberbürgermeisters überreicht und verschiedene Ehrungen von seinen Arbeitskameraden zuteil.

Giehen-Mein-kinden.

Im neuen Schulhcn.^ fand am Samstagabend m Gegenwart der Vertretung der Partei unb bet Eltern die SchuleMafftin-gsfeier der an Ostern zur Entlassung kommenden 31 Kinder, 12 Knaben und 19 Mädchen, statt. Schulleiter Möller als Klas­senlehrer sprach zu den Kindern von der rechten

H NEDA-SCHLANKÄ -

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Freiheit, die zur freiwilligen Pflichterfüllung im Leben und Beruf führen müsse. An Hand der vier RichtungszeigerSeid fleißig",liebt Treue", Bleibt redlich unb ehrlich' unbSeid banfbar" gab der Klassenlehrer gute Ratschläae mit ins Leben. Dichtersprüche, von den Entlassenen selbst ausge- wählt, Daterlandslicber und Gedichte gaben der Feier eine stilvolle Umrahmung. Jedem Schüler wurde unter Handschlag ein Ennnerungsblatt mit den Unterschriften des Oberbürgermeisters und des Ortsgruppenleiters der NSDAP, ausgehändigt. Zum Schluß der ernsten Feierstunde beglückwünschte Pg. Valentin Kehl als Vertreter der Ortsgruppe Mein-Linden die zur Enllasiuna kommenden Kin- der und ermahnte sie, in dem Kampf des Lebens, der nun an sie herantrete, sich den Leistungen ihrer Väter, die draußen als Soldaten ihre Pflichten er* füllten, würdig zu zeigen. Er schloß mit dem Treu­gelöbnis zu Führer und Volk die Feier.

Die Landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgenos­senschaft hatte ihre Mitglieder am Samstagabend in die MrtschaftZum deutschen Hof" zur Jahres­hauptversammlung eingeladen. Der stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats Wilhelm D o l k m a n n begrüßte die gut besuchte Versammlung, besonders den Vertreter der Ortsgruppe der NSDAP., Orts- bauernführer Pg. Heinrich Bechtold. Den Ge­schäftsbericht erstattete der Direktor der Genossen­schaft Heinrich Weigel. Der Gesamtumsatz be­läuft sich auf über 33 000 RM. Die Mitglieder zahl beträgt 62, wie im Jahre vorher. Genojsenschasts- rechner und Lagerhalter Ludwig Jung XVL gab den Kassenbericht. Die Rechnung schloß mit einem Reingewinn von 129 RM. Nachdem die Kasienfüh- rung geprüft und für richtig befunden war, fand sie die Genehmigung der Versammlung, so baß dem Vorstand Entlastung erteilt werden formte. Der satzungsgemäß ausscheidende Direktor Heinrich Weigel wurde wieder in fein Amt berufen. Für den ausscheidenden ersten Vorsitzenden des Aufsichts­rats Karl Hinterlang I. wurde Mitglied Hein­rich Bechtold neu gewählt. Pa. Heinrich Bech­told dankte dem wegen feines Alters zurück getre­tenen seitherigen Äu fsi chi §r cttsv o rfi tzenden Karl Hinte rlan g I. für seine in Treue geleisteten Dienste an der «Genossenschaft und schloß bann die Versammlung in üblicher Weife.

Spar- und Narlehnakaffe eSmbS. Sießen-Wieseck.

Am Samstagabend fand bei Gastwirtin Phllipp Walter Wwe. die diesjährige Generalversammlung der Spar- und Darlehnskasse Gießen-Wieseck statt. Nach- dem der Vorsitzende der Verstorbenen des letzten Jahres, besonders des Rechners Werner, gedacht hatte, erstattete er den Geschäftsbericht, dem wir folgendes entnehmen: Auch bas Jahr 1940 brachte der Kasie eine weitere erfreuliche Aufwärtsentwick­lung. Der Gesamtumsatz stieg um 143 000 RM. unb betrug 2 942 274 RM. auf einer Seite des Haupt­buches. Der Bargeldumsatz betrug 1584 000 RM. Besonders steigerten sich die Spareinlagen. Sie be­trugen in 1939 270 22 RM., und erreichten in 1940 421 713 RM., also eine Steigerung um 151 691 RM. = 60 v. H. Diese sehr erfreuliche Erscheinung setzte sich auch im jetzt abgelaufenen Vierteljahr fort. Di« Guthaben in laufender Rechnung stiegen um 19 768 NM. unb betrugen insgesamt 83 889 RM., so daß bie Gesamteinlagen über 500 000 RM. betragen. Die Jahresrechnung und Bilanz, die auf beiden Seiten 548 908 RM. aufweist, wurde von der Ge­neralversammlung genehmigt. Don dem Reingewinn, der 1879,49 NM. beträgt, werden 4 v. H. Dividende verteilt, der verbleibende Rest wird den Reserven zugeführt. Dem Vorstand und Auftichtsrat wurde Entlastung erteilt. Die Ersatzwahlen für Vorstand unb Aufsichtsrat ergaben bie Wiederwahl von Karl D ö l z e l V., Gustav Seibert I. und Karl Krei» l i n g !., während Heinrich D e ch I. neu in den Aust sichksrat gewählt wurde. Nachdem vom Vorsitzenden noch weitere Zinssenkungen bekanntgegeben waren.

Schwester Monika.

Von Willi Fehse.

So", sagte der Flieger,nun ist es so weit, ,6f)toefter Monika, llebermorgen bin ich wieder an te Front bei meinen Kameraden ..."

Die junge Schwester, unter deren weißgesteifter fr ube das weizenblonde Haar hervorquoll, setzte te Reagenzglas, bas sie eben noch prüfend gegen di-' Sonne gehalten hatte, auf den Tisch und strich nit der Hand an ihrer Schürze herunter.

«Sie haben's geschafft", erwiderte sie.Der Ober- dcbsarzt hat Ihrem Drängen nachgegeben. In der letten Zeit gefiel's Ihnen ja auch nicht mehr bei

. Sie lächelte, eigentümlich fern und dunkel.

Der Soldat wich dem Blick aus, in den sie ihn N zwingen versuchte. Während er mit ihr sprach, rt* geh seine Gedanken ihren Weg für sich ...

Ha, er sehnte sich schon lange nach seinen metal- fer*n Vögeln, aber die letzten vierzehn Tage im ^Barett waren ihm zur Qual geworden. Fast ein ^rteljahr hatte er hier gelegen. Das liebe, Helle Mcht vor ihm war das erste gewesen, das sich il -r ihn neigte, als er nach der schweren Operation Machte.Sie kommen durch", hatte es geflüstert, £ie kommen durch ..." So ging es in ferne uiume ein und stärkte fein Herz mit heimlichem rs»en ...

Alle Gesichter erhellten sich unter Schwester Anitas Worten. Gewiß, sie hatte für jeden auf ter Station ein Lachen. Aber niemals klang es -etlicher, als wenn sie sich auf die Kante seines letztes fetzte, um eins von den neckenden Wortge- tcten zu beginnen, die sie oft miteinander fuhr- ü ... Niemals klang es herzlicher? Einbildungen. Hilbungen, wie er jetzt wußte. Doch damals be» Ürften ihn diese Einbildungen, damals, als er ihr & Laune und Uebermut den Granatsplitter -mkte, den man ihm aus der Brust entfernte. Er tiirte feine Sehnsucht mit diesen Einbildungen Mi hielt fest daran, bis er Schwester Monika jungst y einem der Spaziergänge, die er, fast genesen, Moernahm, in der Stadt am Arm eines jungen ^nnes erblickte ... , . ...

fuhr zusammen.Aber Sie torenja aar mcht ityr zu", sagte Schwester Monika plötzlich und fcelie ihn an ber Schulter.Sie träumen lunger >r*9etl Jetzt geben mir sogar schon Ähre Sedanlen

aus dem Weg, wie? ... Nein", fuhr sie fort, streiten Sie das nicht ab! Sie sind mir neulich auch ausgewichen. Ich sah Sie in der Stadt und wollte Sie gern mit meinem Bruder bekanntmachen. Weiß Gott, was in Sie gefahren war! Sie sahen stur zur Sette. Sie wollten nichts hören. Die waren ..."

Mit Ihrem Bruder, Schwester Monika?" un­terbrach sie der Flieger.Der junge Mann war Ihr Bruder?" Er schlug sich mit der Hand vor die Stirn.

Freilich", entgegnete sie stolz.Sieht er nicht gut aus? Er besuchte mich für ein paar Stunden. Er ist Soldat geworden, der Heir^z ... Aber was machen Sie denn für ein verdutztes Gesicht, Mann", verwunderte sie sich und brach in Lachen aus, in ein perlendes, silbriges Geläut von Lachen.

Monika", rief der Flieger,lachen Sie ruhig über mich! Ich habe es verdient. Aber fragen muß ich Sie jetzt etwas, bevor ich fahre. Etwas sehr, sehr Wichtiges, das ich schon lange gefragt hätte, Monika, wenn ich nicht ..."

Schwester Monika legte ihm die Hand auf den Mund. Eine dunkle Röte ergoß sich über ihr Ge­sicht, in dem nun ein freundlicher Ernst stand. Sie deutete auf die medizinischen Geräte, die das Labor erfüllten unb mit denen sie vorhin beschäftigt ge­wesen war, und der Soldat verstand, was sie meinte.

Unb später, Monika?" beharrte er mit klopfen­dem Herzen.

Sie hielt ihm ein gezacktes Stück Metall hin. Kennen Sie bas noch?" fragte sie.

Der Granatsplitter", sagte der Flieger.Sie haben sich aufgehoben, was ich Ihnen im lieber» mut ..."

Ich werde ihn immer aufheben", sagte sie schnell. Leise fügte sie hinzu:Man hat ftüher bie Herzen mit anberm Metall zusammengefchmiebet. Sie ver­stehen mich boch, mein Freund? Es soll mir nicht weniger bedeuten, wenn Sie wollen ..." Unb in einer raschen Regung umarmte sie den Flieger, gab ihm einen Kuß und geleitete ihn an die Tür.

Während er bann leuchtenden Gesichts das Laza­rett verließ, um sich zum Bahnhof zu begeben, ging Schwester Monika langsam an ihren Arbeits­tisch zurück und blickte in bie kristallisierende Lösung des Reagenzglases, das sie vorhin beiseite gestellt hatte, bis sich ihre Augen verdunkelten.

Gießener Stadttheater.

9. Morgenveranstaltung: Die stumme Schönheit".

Johann Elias, als ältester von drei Brüdern Schlegel 1718 zu Meißen geboren, in Schul- pforta erzogen, im Geburtsjahre Goethes, erst ein­unddreißig Jahre alt, 1749 als Professor der Poli­tik unb des Staatsrechtes in Dänemark gestorben, war der Onkel der berühmteren Romantiker August Wilhelm und Friedrich und gehörte als Dramatiker dem Kreise der sogenannten Bremer Beiträger an, zu dessen Mitgliedern u. a. der Fabeldichter Gellert zählte. Dieser altere Schlegel, der heute fast nur noch in der Literaturgeschichte seinen Platz und sei­nen Namen hat, wurde von den großen Deutschen des 18, Jahrhunderts sehr hoch geschätzt. Herder rühmte seine reiche Einbildungskraft und seinen schöpferischen Geist; Schiller nannte ihneinen der geistreichsten Dichter unseres Vaterlandes"; Lessing, von dem allerdings auch kritische Aeußerungen über Johann Elias Schlegel überliefert sind, sagte von ihm:Sr starb eben, da seine Landsleute auf ihn stolz zu werden anfingen." Der junge Goethe und seine Schwester Cornelia spielten die Haupttollen des SchauspielsKanut" in einer Frankfurter Lieb­haberaufführung.

Trotz der kurzen Lebensspanne, die Schlegel zu- gemeßen war, hat er eine ganze Reihe von Trauer­spielen und Lustspielen geschrieben, in denen man den französischen Einfluß (Moliere und Destouches) schon früh erkannte; zwei feiner vergleichsweise be­kanntesten heiteren Stücke erschienen in denBei­trägen zum dänischen Theater":Der Triumph der guten Frauen", von Lessing biebeste deutsche Komödie" genannt, unbDie stumme Schönheit", ein Einakter in gereimten Alexandrinern, ursprüng­lich unter dem TitelDie Bildsäule", Komödie dcr Mutterliebe ober vielmehr der maßlosen mütter­lichen Ettelkett, Geschichte eines versuchten Erb- schafts- unb mißglückten Heiratsschwinbels: eine Witwe vertauscht ihre Pflegetochter mit der leib­lichen Tochter, um dieser eine Erbschaft zuzuschan- zen, welche jener zukommt; der Schwindel wird aber entdeckt, und das Stück endet friedlich unb lust- spielgerecht mit zwei verlobten Paaren.

Die Ausführung, die eigentlich bie Gießener Woche für Kunst und Literatur hatte beschließen sollen unb

wegen Erkrankung im Personal abgesetzt werden mußte, wurde von Herrn Gerhard Reuter in einer geräumigen unb geschmackvollen Dekoration von Herrn Löffler in o?,ene gesetzt: sie traf den Theaterstil des 18. Jahrhunderts unb war nicht un­geschickt bemüht, den steifen Alexandriner in eine» möglichst zwanglosen bürgerlichen Dialog aufzulösen. Waltraut Goettke warRichards vorgegebene Tochter" Charlotte, eine hübsche, aber einfältige Ro­kokopuppe, blond unb blau, lächelnd, knicksend und stumm. Luise Prasser,der Frau Praatger» üorgegebene Tochter" Leonore, war in jeder Weise bas Gegendild: schlicht, anmutig unb oerstänbig. Hella Henzky spielte mit bürgerlich-behäbiger Geschäftigkeit die kupplerische Witwe. Herr Brunn war der junge, halb verlegene, halb eigensinnige Freier Jungwitz, Herr ßap orte der biedere, alte Landrnann Richard, Herr Reuter der Philosoph Lakonius, der seinem Namen Ehre macht. Anneliese Garbe als munteres Hausmädchen und Herr Seitz (Bedienter) rundeten bas Ensemble.

Die Zuschauer fanden sich schnell erhettert tm fremden Vers unb Kostüm zurecht, als sie merkten, wie es gemeint war unb was hier gespielt wurde. Freundlicher Beifall. Hans Thyriot.

Oer Heiratskasten.

Eine nicht alltägliche HeiratsvarmitÜuna ist m der japanischen Stadt Koriyama, m der Präfektur Nara, ausgemacht worden. In dem Wunsche einet frühen Eheschließung zu dienen, hat der Leiter einer Hochschule für Mädchen sich kurz entschloßen, selbst an die Spitze eines Heiratsbüros dieser Hochschule ge­stellt. Er will dazu beitragen, seine Studentinnen so früh wie möglich unter die Haube zu bringen. Wesentliche Mithilfe bei diesem Bemühen soll ein Heiratskasten" leisten, der am Eingangstor auf Hochschule angebracht ist. Die Bewerber, die sich eine Ehefrau aus den Reihen der Hochschülerinnen wünschen, legen das für die Beurteilung ihrer Per^ son nötige Material, eine Photographie, ein poli­zeiliches Führungszeugnis, eine ärztliche Gesund­heitsbescheinigung und Angaben zur Person, in diesem Kasten nieder. Andererseits melden sich die zur frühen Ehe geneigten Studentinnen auf dem Heiratsbüro der Hochschule. Nach forgfältiger Prü­fung werden dann die für geeignet gehaltenen bei­den Parteien miteinander bekannt gemacht.