22./2S. November I94l
llk. 278 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger lGenerai-Anzeiaer für Gderbeffen)
Nun
noch,
Als Uhland die Geschichte des Gedichtes erzählt
ters zu erkennen und las: Ludwig Uhland. Der
-Eine aber legte einen
Dichtersohn Tübingens.
Silcher las das Gedicht noch einmal, und es war ihm, als spendete ihm ein Engel in seiner tiefen Traurigkeit über den Tod des Freundes wundersamen Trost. Er wollte das Gedicht abermals lesen, hörte aber ganz feine Klänge in seiner empfindsamen Seele, trat an das Spinett und spielte sich
Dichter seine Weise vor. Es war ein feierlicher Augenblick, als sich Dichtung und Musik vom braven Kameraden in Gegenwart der beiden Schöpfer ver-
kam der Text:
„Ich halt' einen Kameraden, Einen bessern findst du nit.
Die Trommel schlug zum Streite, Er ging an meiner Seite In gleichem Schritt und Tritt."
mählten und Trost und Hoffnung spendend erklcm- gen. Ludwig Uhland saß wie gebannt in seinem Sessel. Als der letzte Ton verklungen war, gaben sich Dichter und Komponist die Hand, und Uhland sagte ergriffen: „Wann wir zwei längst nicht mehr sind — dies Lied wird bleiben, wird immer wieder gesungen unb gespielt werdend
Oer Tod fürs Vaterland.
Ansprüche großer Deutscher.
Nichts ist ein Staat ohne Volk, ein seelenloses Triebwerk und mit aller ausgeklügelten Einrichtung nur ein ungeheures Dampfschiff.
Nichts ist ein Volk ohne Staat, nur ein Schatten von Leben, entleibt wie die weltflüchtigen Zigeuner.
Staat und Volk in eines geben erst das Reich, und dessen Halt- und Waltkraft bleibt das Volkstum.
Immer geht vom Hauswesen jede wahre, beständige und echte Volksgröße aus. Im Familienaluck icbt die Vaterlandsliebe, und der Hochaltar unseres Volkstums steht im Tempel der Häuslichkeit.
Das größte Geschenk Gottes an ein Volk ist die Wiederauferstehung aus Schmach und Unterjochung.
Friedrich Ludwig Jahn.
*
Ich liebe mein Vaterland und seine Ehre und Freiheit über alles. * Ernst Moritz Arndt.
Wenn es sich darum handelte, mein Land auf Kosten meines Blutes glücklich zu machen, wurde «h es bis zum letzten Tropfen vergießen.
Friedrich der Große.
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mit einer traurigen und doch männlich beherrschten, von Trost und Hoffnung wissenden Melodie zu dem Gedicht den Kummer über den Verlust des Freundes vom Herzen ...
Wochen gingen dahin. Da traf Silcher eines Tages mit Uhland in der Universitätsbibllothek zusammen. Der Komponist ging auf den Dichter zu und erzählte ihm freudig, daß er seinen „braven Kameraden" vertont habe. „Schon wieder einer?" sagte Uhland barsch. „Vier Kompositeure haben sich schon dran versucht. Wo höret Sie denn das Lieble?"* Nun erzählte Silcher dem Dichter von seinem tiefen Leid, das ihn heimgesucht hatte und von dem Trost, der ihm zuteil wurde, als der Wind das Gedicht in seine Wohnung wehte. Ludwig Uhland wurde bei jedem Wort, das er von dem Erlebnis Silchers hörte, zugänglicher. Er blickte ernst vor sich hin. Ein Musiker, das war ihm klar, der das Gedicht durch den Tod eines wahren Freundes so stark erlebt hatte, war nicht mit den drei „Kompositeu- ren" zu vergleichen, die sich schon vorher daran gemacht hatten, dem Gedicht eine Melodie zu geben. Dann berichtete Silcher von der Unkenntlichkeit der Verse auf dem zugeflogenen Blatt und bat ihn um den vollständigen Wortlaut. Uhland versprach, ihn recht bald zu besuchen. Und dann war der Tag da, an dem Uhland und Silcher in der Wohnung des
„Ich halt' einen Kameraden."
Von Hermann Ulbrich-Hannibal.
Komponisten beieinander saßen.
Der Dichter erzählte ihm von dem SchicksalsweA des Gedichtes. Er hatte es ursprünglich „Kriegslied" benannt und es als junger Student gedichtet, als er sich mit Johann Peter Hebel befreundet hatte und von ihm um ein Gedicht für fein Sechskreuzerblatt gebeten worden war. Es ging aber in den un-
Ich werde mich heute bei der Schlacht mehr aus- »etzen müssen als sonst. Er verläßt mich nicht und :zibt acht, daß ich nicht der Canaille (dem Femde) in die Hände falle. Bleib' ich, so bedeckt Er den Körper gleich mit seinem Mantel und läßt einen Wagen holen. Er legt den Körper in den Wagen and sagt keinem ein Wort. Die Schlacht geht fort, >md der Feind wird geschlagen!
Friedrich der Große vor der Schlacht bei Leuthen zu seinem Adjutanten.
♦
Zum Opfertode für die Freiheit und für die Ehre seiner Nation ist keiner zu gut, wohl aber sind viele i,u schlecht dazu. Theodpr Körner.
Gott ist es lieb, wenn die Menschen ihrer Freiheit wegen sterben. Was aber ist ihm ein Greuel.-' Wenn Sklaven leben. Heinrich von K l e l st.
*
Ich erkläre und beteuere der Welt und Nachwelt, iiaß ich mich rein fühle von jeder Selbstsucht, daß ich
liegt wie keine andere im Schwabenland. Er schritt durch die Tür des schwarzweißen Fachwerkhauses nach der Kirche des Städtchens. Er sah den Trauerzug, der seinem jung verstorbenen Vater das letzte Geleit gab. Er ging durch die Rebenhügel und durch die Wälder, durch die er oft mit seinem Freund gestreift war. Er trat vor das frische Grab auf dem kleinen Gottesacker, wo der junge Mensch, der ihm am nächsten stand, in die Erde gesenkt worden war ... Es war ihm nicht möglich, die tiefe seelische Niedergeschlagenheit ob dieses Verlustes zu unterdrücken.
Er erhob sich und öffnete das Fenster, um etwas frische Luft ins Zimmer zu lassen. Die Straße lag wie ausgestorben. Dor dem Nachbarhaus tanzte ein Blatt Papier in der Luft umher, das vom Wiyde hochgetragen und von den Regentropfen wieder heruntergedrückt wurde. Es wurde von einem Windstoß erfaßt und in das Zimmer des Musikdirektors geweht. Friedrich Silcher schloß das Fenster wieder und hob das Blatt auf. Es war ein verwischtes Albumblatt mit einem Gedicht. Er versuchte es zu entziffern, es war schwer. Die Tritte der Vorüber- gebenden und das Unwetter hatten es teilweise unlesbar gemacht. Aber mit einiger Mühe gelang es. „Der brave Kamerad". Das war die Ueberschrift.
jeden Gedanken und jedes Gefühl in mir vor allen meinen Mitbürgern mit offener Stirn bekennen darf, daß ich mich nur zu glücklich fühlen würde, einst in dem herrlichen Kampf um Freiheit und Würde des Vaterlandes einen glorreichen Untergang zu finden! Karl von Clausewitz.
... Ich schwöre Ew. Königlichen Majestät, daß ich auf dem Sandhaufen ebenso ruhig wie auf dem Schlachtfelde, auf dem ich grau geworden bin, die Kugel erwarten werde. Ich bitte daher Ew. Majestät um die Gnade, bei dem, Urteil, das gefällt werden muß, auf meine Person keine Rücksicht nehmen zu lassen. Auf welche Art ich sterbe, ich sterbe immer wie Ew. Majestät alleruntertänigster und getreuester Untertan. General Yorck.
*
Soldaten, jetzt geht's in den Kampf: ihr sollt mich an eurer Spitze sehen; tut eure Pflicht! Ich schwöre euch, mich sieht ein unglückliches Vaterland sticht wieder! Yorck beim Aufbruch von 1813.
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zweite und eine dritte Strophe folgten noch, gcucicn wuiucn wui. uvu >■» w.»
ihr Sinn war nicht zu entziffern. Ergriffen ruhigen Zeiten verloren und kam nicht zum Ab- Friedrich Silcher das Blatt beiseite. ,Zch hatt' druck, sondern wurde erst von Justinus Kerner in .......Kameraden", sagte er laut vor sich hin. Dann einem literarischen Almanach zum ersten Male vernahm er das Gedicht wieder zur Hand und las: Üffentlicht. ______ . _____
„einen bessern findst du nit." Die Worte waren ?rfc nflf
Früh stieg mit den düsteren Regenschauern, die seit dem Morgen über das Schwabenland herniedergingen, die Abenddämmerung von der Neckarhalde herab und verkroch sich in die idyllischen Winkel der engen, verträumten Gassen Tübingens.
Es war einer der trüben Tage, an denen die Menschen ihres Lebens nicht recht froh werden und selbst das Gute, das ihnen der Tageslauf beschert, mürr sch hinnehmen. .
Friedrich Silcher, der junge Musikdirektor der Universität, saß niedergeschlagen an seinem Schreibtisch und blickte verloren vor sich hin. Nun, wo ihm „einen venem v« ..... , 7?"' —C't- <k X'
im Remstal der treue Freund gestorben war, mit. ihm aus der Seele gesprochen. Er versuchte, wenn hatte, setzte sich Silcher ans Spinett und spielte dem d?m er sich batb in Tübingen neieint hoffte, war ihm auch die zweite und dritte Strophe fehlen ----- --- ""
ihm das alte „Tubs" noch mehr verhaßt als vor- , bleiben sollten, wenigstens den Namen des Dich- her. Er verwünschte den Tag, an dem sein Bruder lAe- Onhmm 11 Mnnh 7W
den Reisewagen bestellt hatte, um ihn auf den Weg zu bringen, da er in seiner Schüchternheit selber wohl kaum den Mut gefunden hätte, dem Rufe nach Tübingen zu folgen. Er weilte mit seinen Gedanken in der Vaterstadt Schnait, wo man den lieben Freund zur letzten Ruhe gebettet hatte. Er ah die Stadt vor sich, die so schön in Weinbergen
Fremdsprachen durch KdF
(5m Besuch in zwei Abendkursen.
Die NSG. „Kraft durch Freude" hat im Rahmen ihrer weitreichenden und anerkennenswerten Arbeit feit einiger Zeit auch Kurse zur Erlernung von Fremdsprachen eingerichtet. Der Unterricht findet mehrmals in der Woche in den Abendstunden im Haus der Deutschen Arbeitsfront in Gießen und in verschiedenen Orten des Kreises Wetterau statt. Wir haben uns mit dem Leiter der Kurse, Studienrat Dr. Hillenbrand, über dieses Arbeitsgebiet der „KdF." unterhalten und dabei die Ueberzeugung gewonnen, daß hier ein Bildungswerk geschaffen ist, dem alle vorwärtsstrebenden Menschen, insbesondere unsere Jugend, ihre aufmerksame Beachtung schenken sollten.
Die Fremdsprachen-Abendkurse der VSG. „Kraft durch Freude" für den Winter 1941/42 bestehen in Gießen aus zwei Kursen für Französisch, vier Kursen für Englisch, und zwar von den Anfängern bis zu solchen Lernenden, die die Dolmetscherprüfung machen wollen, zwei Kursen für I t a- l i e n i s ch , zwei Kursen für Russisch und je einem Kurs für Ukrainisch und für Latein, letzterer namentlich für technische Assistentinnen', für Ausländer laufen Kurse in Deutsch; ein Kurs für Spanisch wird jedenfalls noch eröffnet werden. An den Kursen nehmen bis jetzt 115 Männer und Frauen teil, die von 10 Lehrkräften unterrichtet werden. Die Kursteilnehmer sind nicht nur aus Gießen, sondern sie kommen auch aus Lollar, Staufenberg, Alten-Buseck, Heuchelheim, Klein-Linden, Lang-Göns, Garbenteich, Lich, Trais-Horloff, Nidda, Wetzlar und sogar aus Weilburg zum Unterricht. Alle Berufe und Schularten sind im Kreise der Lernenden vertreten; darunter auch Chemiker, Aerzte und besonders zahlreiche Kaufleute und Angehörige der Luftwaffe. Neben den Kursen in Gießen sind Neugründungen für den fremdsprachlichen Unterricht durch KdF. im Laufe des verflossenen Sommers in Butzbach, Grünberq und Hungen erfolgt, so daß zahlreiche Unterrichtsbesucher dort an den Kursen teilnehmen können. Dem von Gießen aus geleiteten Unterrichtswerk sind jetzt auch Friedberg und Bad-Nauheim angeschlossen. Hervorzu- heben ist, daß die Kurse in Latein und Ukrainisch die ersten dieser Art im ganzen Gaugebiet sind und beide guten Besuch aufzuweisen haben. In Butzbach nehmen etwa 40 Belgier an dem Unterricht zur Erlernung der deutschen Sprache teil, während in Gießen eine.Anzahl Ukrainer und Ukrainerinnen die deutsche Sprache erlernen.
Der Unterrichtsbetrieb ist allenthalben flott im Gange, obwohl es sich dabei um Männer und Frauen handelt, die, ebenso wie ihre Lehrer, tagsüber im Beruf tätig sind und trotzdem die freien Abendstunden zu ihrer weiteren Ausbildung benutzen. Das ist für alle Beteiligten an den Kursen, und zwar Lehrer sowohl wie Lernende, um so anerkennenswerter, wenn man bedenkt, daß ja in der gegenwärtigen Kriegszeit an jedermann beruflich die höchsten Anforderungen gestellt werden.
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Wir haben zwei dieser Abendkurse im Haus der DAF. in Gießen besucht, um uns ein Bild von der Unterrichtsarbeit zu machen. An dem ersten Abend weilten wir bei einer Arbeitsgemeinschaft, auf deren Tagesordnung die Erlernung der ukrainischen Sprache durch junge deutsche Männer und Mädchen und der deutschen Sprache durch junge Ukrainer und Ukrainerinnen steht. Die Leitung dieser doppelsprachigen Arbeitsstunde hat der Gesamtkursleiter Dr. Hillenbrand selbst übernommen. Wir konnten beobachten, daß von den jungen Deutschen sowohl, als auch non den jungen Ukrainern mit allem Eifer an der Erlernung der Sprachen gearbeitet wird. Um dabei mitten im Strom des Lebens zu stehen, werden zur Erlernung der ukrainischen bzw. umgekehrt der deutschen Sprache Sätze geformt, geschrieben und gesprochen, die unmittelbar dem Leben entnommen sind. Auf diese Weise lernen beide Teile die Kenntnis der Worte und Sätze, denen sie im Alltagsleben immer wieder begegnen. Daneben wird aber auch der grammatische Teil in gebührender
Weise beachtet. Daß es bei dieser Arbeitsmethode natürlich auch gewisse Holprigkeiten gibt unb manche Schwierigkeit zu überwinden ist, liegt auf der Hand, jedoch zeigte uns der Verlauf des Unterrichtsabends, daß der Erfolg — und auf den kommt es ja impier an — für diese Arbeitsweise spricht. Unter den Lernenden dieses Kurses befinden sich aus unserer Volksgemeinschaft einige junge Aerztinnen, junge Beamte und Kaufleute, ebenso einige junge Lehrer bzw. Studenten, die ihren künftigen Arbeitsplatz im Osten aufbauen wollen, von den jungen ukrainischen Männern und Mädchen, die jetzt schon hier in Arbeitsstellung sind, wird unsere Sprache erlernt in der Hoffnung, künftighin auch unter deutschen Menschen ihre Arbeit verrichten zu können.
Am zweiten- Abend weilten wir in einem Kurs, in dem die englische Sprache Gegenstand des Unterrichts ist. Hier nehmen ebenfalls junge Männer und junge Mädchen teil, von denen einige Männer sich für die Dolmetscherprüfung ausbilden wollen, andere die englische Sprache für ihr Fortkommen im Kaufmannsberufe zu verwenden gedenken, einige das Englisch aus Liebhaberei und sicherlich auch mit jetzt noch unbestimmten Hoffnungen für die Zukunft । erlernen, weitere sich von der früher erlernten Anfangskenntnis noch vervollkommnen möchten. In diesem Kurs sind die Teilnehmer und Teilnehmerinnen schon weit vorangekommen, denn hier wird schriftlich und mündlich bereits auf breiterer Basis
Alle Rücksicht -en
Mit den während der Wintermonate er- schwerten Verkebrsumständen wird auch die Lage unserer Kriegsversehrten schwieriger. Das Gauamt für Kriegsopfer appelliert daher mit folgenden Ausführungen an die Öffentlichkeit:
Der Winter steht vor der Tür, die Tage werden immer kürzer. Die in dieser Jahreszeit ungünstigen Witterungsoerhältnisse bringen es mit sich, daß unzählige Volksgenossen, die bisher zu Fuß ober mit dem Fahrrad ihre Arbeitsstätten aufsuchten, nun wieder die Straßenbahn als Beförderungsmittel in Anspruch nehmen müssen. So geschieht es, daß die Bahnen wieder mehr als überlastet sind und die Menschen nahezu wie die Trauben an den Trittbrettern hängen. Kälte, Schnee und Verdunkeluna bringen für den gesunden Menschen schon reichlich Unbequemlichkeiten. Es beginnt wieder mehr denn je der Kampf um die Plätze, und manche unschöne Auseinandersetzung wird wieder zur alltäglichen Erscheinung gehören. Das Recht des Gesunden und Stärkeren macht sich wieder geltend, sodaß die mit körperlichen Gebrechen behafteten Menschen zurück- stehen müssen ober einfach beiseite geschoben werden, weil ihnen die Möglichkeit fehlt, sich durchsetzen au können. Es bleiben manches Leiden und manche körperliche Unbeholfenheit der Außenwelt verbor- gen, und die Gefahr besteht, daß auch unsere Kriegs- versehrten zu denen gehören werden, die die Härte des Daseinskampfes auf diesem Gebiet besonders hart empfinden müssen, vor allem bann, wenn sie inzwischen den feldgrauen Rock mit dem Zivil vertauscht haben.
Der Frontsoldat ist im allgemeinen so eingestellt, seine Verdienste um das Dolksganze nicht hinaus- zuposaunen, und er lehnt es auch ab, bemitleidet zu 'werden. An Rücksichtnahme wird er nur dann appellieren, wenn dies sein Zustand dringlichst ver- langt. Es ist daher Pflicht jedes aesunden Menschen, der das Glück hat, in der geschützten Heimat einer geregelten Arbeit nachgehen zu dürfen, unseren Soldaten jegliche Rücksichtnahme angedeihen zu lassen. Namentlich die Jugend und die jüngeren Volksgenossen, ob Mann oder Frau, sollen sich eine Ehre daraus machen, den Betreffenden in jeglicher Form behilflich zu sein. Auch die Leiter der Schulen und sonstigen Erziehungsanstalten würden sich sehr verdient machen, auf diese Verpflichtung hinzuweisen.
Es gibt erfreulicherweise eine Anzahl Städte, deren Straßenbahnverwaltungen die begrüßens-
NSG.
Sornotigen.
lagestalehber für Samstag.
SCHAUMPON
_____ „Kraft durch Freude" im Stadttheater, 18.30 Uhr ,Ligeunerliebe". — Gloria-Palast, Seltersweg: 2, 4.30 und 7.30 Uhr „Alkazar". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: 2.30, 4.45 und 7.30 Uhr „Das Recht auf Liebe".
gearbeitet. Auch an diesem Unterricht nehmen Männer und Frauen der verschiedensten Berufe und der verschiedensten Altersklassen teil, vom jungen Mädchen unter 20 Jahren bis zu einem älteren Herrn, der als Beamter einer hiesigen Behörde sich in seiner Freizeit an dieser Ausbildungsarbeit rege beteiligt.
Ernstes Vorwärtsstreben konnten wir in beiden Kursen bei der Arbeit aller Lernenden beobachten. Die gleiche Einstellung zu der freiwillig übernommenen Aufgabe ist auch, wie uns mitgeteilt wurde, bei den beschränkten Platzverhältnissen in der Unter diesen Umständen nimmt die Arbeit in den Fremdsprachenkursen der KdF. einen erfreulichen Fortgang, so daß die Lehrkräfte mit Genugtuung den Segen ihrer Arbeit wahrnehmen können.
Erforoerlich ist aber vor allem noch eines: eine bessere Lösung der Raum frage als es bisher möglich war. Die Unterrichtszimmer erweisen sich, bei den beschränkten Raumverhältnissen in der Schanzenstraße, je länger je mehr als viel zu klein, da der Andrang zu den Kursen nach wie vor erfreulich groß ist. Hier erscheint es dringend notwendig, für diese Kurse irgendwie größere Räume verfügbar zu machen. Dabei richten sich die hoffenden Blicke auf unsere Stadtverwaltung. Man hofft und wünscht, daß die Stadt Gießen, deren Oberbürgermeister Ritter' schon vielerlei gute Werke für unsere Stadt zustande gebracht hat, auch für die Fremdsprachenkurse der „Kraft durch Freude" irgendwo einige größere Räume verfügbar machen wird, damit diese anerkennenswerte Arbeit zum Nutzen aller vorwärtsstrebenden Teilnehmer weiter ausgebaut werden kann. B.
Kriegsversehrten!
werte Einrichtung getroffen haben, für die Kriegsversehrten Sitzplätze zu reservieren, d. h., die Fahrgäste sind angehalten, die bezeichneten Plätze dann freizugeben, wenn sich ein Kriegsversehrter mittels eines amtlichen Ausweises als solcher zu erkennen gibt. Es wäre außerordentlich zu begrüßen, wenn auch in den Städten unseres Gaues diese zweckmäßige Einrichtung bald geschaffen würde.
Es soll bei dieser Gelegenheit nicht unerwähnt bleiben, daß bereits mancher Kriegsversehrte über recht unkorrektes Verhalten von Seiten der Volksgenossen gegenüber seiner Verwundung Klage geführt hat. Darum, Volksgenossen: nehmt Rücksicht auf jene Männer, denen allein i h r in der heutigen Zeit eure sichere Existenz zu verdanken habt!
Tageskalender für Sonntag.
Reichskolonialbund in Verbindung mit „Kraft durch Freude": 10.30 Uhr im Glona-Palast, Pg. Becker (Frankfurt) spricht über „Die Bedeutung der Kolonien"; anschließend der Kolonialgroßfilm „Deutsche Pflanzer am Kamerunberg". — Kreismusikerschaft Gießen in Verbindung mit „Kraft durch Freude": 17 Uhr in der Neuen Aula der Universität „Mozart-Gedenkfeier". — Stadttheater: 11.30 bis 12.30 Uhr 3. Morgenfeier „Der Tod und das Reich"; 19 Uhr Uraufführung „Ariadne". — Gloria-Palas^
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Talgdrüsen Rbhilfe schafft regelmäßige Pflege des Kopfes mit milden Mitteln, die kein Rikali und keine Kalkseife im Haar zurüddassen, also mit
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22.11. von 17.19 bis 8.53 Uhr.
23.11. von 17.18 bis 8.55 Uhr.
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>er5, ihnen bedeutete „Fest" die feierliche Absonderung und Auszeichnung eines Tages aus dem grauen Strom des Alltags, ob dies nun aus einem ernften, schmerzlichen Anlaß geschah ober aus einem □eiteren, fröhlichen. Der Tod stand früher auch dem Jeben viel näher als heute, die Menschen empfanden hre Verstorbenen als Wirklichkeiten, die ständig in aas Leben hineinragten, und das Totenfest wurde aielfach als ein Tag der Wiedervereinigung emp- unben; barauf beuten noch einige Bräuche hin, bie ich an manchen Orten bis heute erhalten haben, so jas Anzünben bes Seelenlichtes ober bie Herstellung tines befonberen Gebäckes, des „Seelenzopfes" oder jer „Totenknochen", von Kultgebäcken, bie ursprünglich als Totenspeise angesehen würben.
Mer Totenkult beruht auf bem Bewußtsein, baß Jie Toten nicht „tot" finb, wie Anorganisches tot ist, jaß sie eigentlich auch nicht „abgeschieben", fon- jern trgenbmie noch mit uns verbunben finb, mit in em andern Wort, daß sie „verewigt" sind. Wo jiefes Gefühl das menschliche Bewußtsein durchdringt, da erwacht auch das Gefühl von der ungeheuren Uebermacht des Heeres der Toten, dem gegenüber das lebende Geschlecht nur wie ein tropfen im Meer ist. Conrad Ferdinand Meyer hat nem in seinem „Chor der Toten", einem seiner chönsten Gedichte, ergreifenden Ausdruck gegeben:
Wir Toten, wir Toten sind größere Heere
Als ihr auf der Erde, als ihr auf bem Meere!
Wir suchen noch immer bie menschlichen Ziele — Drum ehret unb opfert! Denn nnfer finb viele!
Unser ganzes Leben erscheint in diesem Licht ge- «ehen gewissermaßen oorgeformt von allen ben «ngezählten Geschlechtern, bie vor uns über bie 5rbe gegangen finb unb beren ftänbig anschwellen- jes Heer mit ben ßebenben zusammen erst bie unterbliche Gestalt bes eigenen Volkes geprägt hat.
Die Brüber, bie ihr Leben auf bem Schlachtfelb Eingaben, haben es nicht umsonst geopfert. „Der Befallene wirb sich broben nicht nach ber Erbe um- wenben unb nach ihrem Lohn", so faßt bies Jean [Oaul in einem rou’ herbaren Bilbe. „Seinen Lohn ringt er selber mit hinauf; aber ihr genießt seiner • ier unten: ihr könnt wissen, baß kein Sterben iir bas Gute in einem All Gottes fruchtlos unb t)ne Zeiten- unb Völkerbeglückung fein kann unb . aß bie ungenannt in ihren Gräbern liegenben Ge- ippe ber Kämpfer bie Anker finb, welche unten unbesehen bie Schiffe ber Staaten halten." Ohne solche -Inter, an bie wir alle unzerreißbar gekettet' finb, würben bie Völker im Sturm ber Geschichte haltlos )«ahintreiben. Nationen fangen erst ba an sich zu Hilden, wo Dölkerstämme bie Gräber ihrer Töten als »eilige Verpflichtung empfinben. So steht bas feierliche Gebächtnis ber Toten am Ursprung ber Nationen unb bamlt am Ursprung aller Kultur.
C. K.
Aus der Stadt Gießen.
3um Totensonntag.
Jeber ber Toten, bie ihr Leben für Deutschlanbs IHröße bahingegeben haben, bie unsere Grenzen chützten unb nun in frember Erbe ruhen, ist unver- c essen. Er ist unvergessen im Herzen von Eltern, jrauen, Bräuten, Kinbern, Geschwistern, Freunden. Unvergessen auch im Bewußtsein bes ganzen Volkes. Ein Tag bes Jahres ist nach alter Sitte m befonberer Weise bem Gebächtnis ber Toten ge- oeiht. Im November, wenn bas Jahr stirbt, begehen wir bas „Totenfest". Wir schrecken heute fast •urüd vor diesem Wort und reden im allgemeinen om Totensonntag, da der Begriff „Fest" für uns ?erknüpft ist mit der Vorstellung von etwas Fröhlichem, Lautem und unvereinbar mit ber ernsten Stimmung, von ber ein solcher Gebächtnistag beherrscht wirb. Frühere Zeiten empfanben barin an-
in der Freude, sikhaus
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