Nr.Ittc Zweites Blatt
Siebener Anzeiger <Senerai-Anzeiger flir BberhMn)
Mittwoch, 20. August
Aus der Stadt Gießen.
Kleine Augustmelodie.
Das volle kräftige Goldbraun der reifen Weizenäcker und das Helle Blond der hoch aufgeschossenen Kornfelder sind in der Landschaft fast erloschen Der Wmü fegt über die Stoppeln, und sowohl die liefen Furchen der Feldwege wie die da und dort an Baumzweigen hangengebliebenen Halme verraten die hochgeturmten Frachten der unter Dach gefahrenen Erntewagen. Bon den Beerensträuchern tragen noch die Brombeeren ihre schwarzen Früchte an stachlichen Ruten, die an Hohlwegen und Waldrändern wilde Gestrüppe und dichtes Geschling bilden. Aber ihr halbsüßes Aroma lohnt die Mühe des beschwerlichen Pflückens.
Unter den Waldwipfeln, die die einsamen Pfade überschatten, ist es schon auffallend still geworden. Vogelrufe hallen nur einzeln da und dort, die bunten, überschwenglichen Frühkonzerte sind eingestellt, die großen Stimmen fehlen. Vor Wochen schon
verdunkelungszei»
20. August von 20.39 bis 6.08 Uhr.
ist der Pirol aufgebrochen, der prächtige, goldgefiederte Pfingstvogel, dessen lockende Flötenrufe seit den sonnigen Maitagen uns entzückten. Nachtigall und Grasmücken sind gefolgt, die Sangesfürstin und die Primadonnen unter den Gefiederten. Auch der Vagabund des Forstes, der unstete Kuckuck, dessen melodischer Ruf ihn überall verriet und doch selten zu seiner Entdeckung führte, hat bereits seine Südlandreise angetreten.
Und doch duftet und blüht es noch an Rainen und Hängen, und die Gärten prangen im Ueberfluß. Zwar hat das Welken der Rosen begonnen, sie fahlen und vergilben, sie werden braun wie Erde, verdorren und zerflattern im Wind, aber noch treiben Knospen an den höher schießenden Ruten und künden neues Leben. Wenn die Sonne scheint, entfalten sie sich zu glühender Schönheit und verschwenden mit Leidenschaft ihren Herzensduft. Der Sommer ist noch nicht vorbei. Aber wir spüren trotz alledem sein Vorübergehen. Die späten Zinnien stehen in voller vielfarbiger Pracht, und die zum Herbst hinüberleitenden Dahlien haben ihren großen, in Formen und Farben unerreichten Blütenreigen begonnen. Mächtig sind ihre Büsche emporgeschossen, und die Sonnenblumen und Malven übertreffen sie noch an Wuchs und Ueppigkeit. Unter ihnen scheinen die Gladiolen und Jägerröschen, die Löwenmäuler und Levkojen klein und zwergenhaft. Aber sie geben mit vielen anderen Stauden und Kräutern der prangenden Fülle erst ihre farbige Dichte.
Der Sommer ist noch nicht vorbei. Aber wir spüren ahnungsvoll sein leises Vorübergehen. P. B.
Dornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Ein gefährliches Abenteuer". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Mädchen in Uniform".
W MW d MeilsWk
Lrfinderberatung durch die DAF.
Am 25. 8., 8. 9. und 22. 9. finden die Sprechstunden zur Erfinderberatung in Gießen, Haus der DAF., Schanzenstraße 18, I. Stock, Zimmer 15b, jeweils von 10 bis 12 Uhr vormittags, statt. |3266D
Giehen-Wiefeck.
Unser Mitbürger Jean Ruckes, Gärtner, wird morgen 70 Jahre alt. Herr Ruckes erfreut sich noch bester Gesundheit und ist noch in seinem Beruf tätig. Durch seinen guten Humor und sein stets freundliches Wesen hat er sich einen großen Freundeskreis erworben. Dem Jubilar auch unseren herzlichen Glückwunsch.
Die Dominiks.
Roman von Hellmuth M.Vöttcher.
61. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Ein paar Minuten geht's wohl noch!
Hauptsache ist, daß der Motor vorläufig noch immer arbeitet, trotzdem sein Luftvorrat Längst er
schöpft sein müßte, wenn ...
Ja, wenn nicht das Wunder, das technische Wunder gelungen wäre! Gelungen!
Lietzendorfs Gesicht versucht zu lächeln. Er tauscht einen Blick mit Professor Erik, der an die Wand der Kabine gelehnt ist und sich mühsam aufrecht ^Jetzt wird also da drinnen hinter den Wänden aus Stahlguß, aus Kupfer, Nickel und Glas, hinter Zähnen und Hebeln die Kohlensäure über die geheimnisvolle Chemikalie gesogen, deren Formel nur Lietzendorf und Professor Erik kennen nur sie beide — und das Blatt Papier, das in versiegeltem Umschlag beim Notar hinterlegt ist, um Nissen Dominik ausgehändigt zu werden, wenn ... .
Die Vorsicht wird unnütz gewesen sem. Gott |et
Mit der Uhr in der Hand verfolgt Lietzendorf den Zeitablauf. Nur mit Mühe kann er sich noch zur Aufmerksamkeit zwingen. m
Dr. Busse hat das am Boden liegende Papier mit den Notizen ausgenommen und tragt mit schwerer Hand die Daten ein, die der Ingenieur ihm zuflüstert.
Das alles ist so schwer. . .
Und die Lungen wollen nicht mehr, können mchl
mehr.' ._
Es ist, als ob da drinnen etwas Zerreiße.
Lietzendorfs Blick hebt sich von der
Er kann kaum noch die Gegenstände erkennen. Alles liegt wie hinter einem Flor.
Professor Erik steht da mit geschlossenen Augem „Es lohnt nicht mehr!" denkt Lietzendorf. „Ich bin so müde." ... .. ,
Unendlich weit scheint der Weg für die Hand ge worden zu fein, die bloß einen Leitungshahn zu drehen braucht, um den ruckgewonnenen Sauerftott nicht bloß in den Motor, sondern auch m den Kabinenraum fließen zu lassen. ,
Und bann, wohl in der letzten Sekunde, ringt er sich doch noch den. Entschluß ab.
Fünf Dokumente der Weltgeschichte.
Unsere kleinste Bibliothek, die wir in den letzten Jahren als eine auf engstem Raum zusammengedrängte Sammlung von Zeitdokumenten aus dem beispiellosen 'Freikeitskampf unseres Volkes lieben gelernt haben, wird in Kürze eine neue Bereicherung erfahren. Fünf Büchlein sind es diesmal, die unter dem Motto „Des Führers Kampf 1 9 40" millionenfach den Weg in das deutsche Volk finden werden: Der Feldzug in Norwegen, in Holland, in Belgien und in Frankreich.
Die Büchlein reden eine so eindrucksvolle Sprache, daß es die Menschen kommender Ge- schlechter erschüttern wird, wenn sie sie zur Hand nehmen. Nehmen wir beispielsweise das fünfte Bändchen der Serie zur Hand „Kampf zur S e e"! Hier haben wir den heldenhaften Einsatz unserer Flotte in ihrem Kampf, der erst mit der Niederringung des britischen Löwen zu Ende sein wird-, eindringlich vor Augen.
Trotzdem wissen wir, daß die gewaltigen Feldzüge des Vorjahres nur Etappen waren in einem Kampf, der erst jetzt seinen letzten Sinn enthüllt, indem er uns den gefährlichsten Gegner aus seinem Hinterhalt heraus vor die blanke Waffe zwingt und die Gegner des Frühsommers 1940 zu Mitstreitern werden läßt. Denn es geht nun um die Sicherung Europas vor dem Bolschewismus und damit um die Rettung aller. Vor aller Welt wird in dieser Wandlung offenbar, was wir von der ersten Stunde an empfanden: Die zukunftweisende, aufbauende Kraft, die den Führer in seinem Kampf — und sein Volk mit ihm — unbesiegbar macht.
Der deutsche Soldat ist stolz darauf, in diesem Kampf um ein neues Europa die Hauptlast zu tragen, und das deutsche Volk nimmt stolz und gefaßt die Opfer auf sich, die in einem Völkerringen von solch weltgeschichtlichem Ausmaß nicht aus- bleiben können. Der deutsche Soldat und mit ihm das Volk in der Heimat wissen aber auch, daß das Bestreben der Führung darauf gerichtet ist, un-
Denke an die Opfer unserer Frontsoldaten, und Dein Opfer wird Dir leicht bei der 2. Straßensammlung, der letzten Sammlung für das Deutsche Rote kreuz am kommenden Samstag und Sonntag. Deutschland wird siegen, weil es zu opfern versteht!
nötige Opfer zu vermeiden, nicht nur durch die überlegenen militärischen Operationen sowie Ausbildung und Ausrüstung unserer Wehrmacht, sondern auch durch die aufopferungsvolle Arbeit, die unter dem Zeichen des Roten Kreuzes an allen Fronten und in der Heimat geleistet wird.
Den Männern und Frauen des Deutschen Roten Kreuzes in ihrem unermüdlichen Einsatz mit unseren Mitteln und Möglichkeiten zur Seite zu stehen, ist uns noch einmal bei der zweiten und letzten Straßensammlung des Kriegshilfswerkes für das Deutsche Rote Kreuz am 23. und 24. August Gelegenheit gegeben.
Was soll ich werden?
Aufklärungsaktion zur Berufswahl der Jugend.
Rund 525 000 Jugendliche verlassen Ostern die Schule und treten in das Berufsleben ein. Von Jahr zu Jahr ist die Zahl der Schulabgänger ge- sunkeii, und im Jahre 1939 war sie erstmalig kleiner als das Angebot von Ausbildungsstellen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der Nachwuchslenkung, wie sie schon seit Jahren betrieben wird. Mit einem Aufruf des Reichsjugendführers wird jetzt die neue Berufsaufklärungsaktion der Hitler-Jugend gestartet, die die Schulentlassungsjahrgänge 1942 und 1943 erfaßt. Die Aktion wird im Einvernehmen mit dem Reichsarbeitsministerium und in Zusammenarbeit mit den Jugenddienststellen der DAF., dem Reichsnährstand und den Organisationen der gewerblichen Wirtschaft durchgeführt. Partei, Staat und Wirtschaft arbeiten Hand in Hand, um der vor der Berufswahl stehenden Jugend und den Eltern bei der Entscheidung über diese wichtige Zukunftsfrage helfend zur Seite zu stehen. Um der Berufsaufklärung ein einheitliches Gepräge zu geben, wird sie diesmal unter einer gemeinsamen Parole durchgeführt. Was soll ich werden? — Aufklärungsaktion zur Berufswahl der Jugend.
Ziel der Aufklärung ist, daß den Modeberufswünschen entgegengewirkt und die Aufmerksamkeit der Jugendlichen auf die nachwuchsarmen und lebenswichtigen Berufe hingelenkt wird. Als solche werden in der Werbung für die Jungen besonders herausgestellt Landwirtschaft, Bergbau, Bauwirt- fchaft, Steine und Erden, Chemie, Textil- und Be- kleiduNgsberufe, Kaufmann (nicht Bürokaufmann), Volksschullehrer, Former. Für die Mädel stehen an der Spitze Hauswirtschaft und Landwirtschaft, erzieherische Berufe, soziale und pflegerische Berufe, Textil- und Bekleidungsberufe. Bei der Aufklärung soll allgemein auch auf die neuen Anlernberufe hin- gewiesen werden. Die bisher von der Jugend gemiedenen Berufe sind gerade diejenigen, die für unser Volk, für seine Gesundheit, Arbeits- und Wehrfähigkeit jetzt und in Zukunft besonders wichtig sind. Allerdings ist nicht zu bestreiten, daß die Abneigung oft in der Schwere der Arbeit und den sozialpolitischen Bedingungen dieser Berufe begründet war. Es ist deshalb notwendig, diese Berufe anziehender zu gestalten. Soweit der Nachwuchsmangel bei lebenswichtigen Berufen auf örtlich unzu
reichende soziale Bedingungen zurückzuführen ist, soll in Zusammenarbeit mit den beteiligten Organisationen für Abhilfe gesorgt werden. Die Berufsaufklärung wendet sich damit in diesem Jahre besonders auch an die Wirtschaft. Im übrigen sind Grundsätze und Ziele der Berufsaufklärungsarbeit im wesentlichen die gleichen wie im Vorjahre. Die städtische Jugend soll zu den städtischen Mangelberufen hingeführt, ein Teil der städtischen Jugend soll auf das Land zurückgeführt werden, und die Landjugend soll dem Lande erhalten bleiben. Neu hinzu tritt, daß sich die Berufsaufklärung besonders auch für die Nachwuchswerbung für die deutschen Ostgebiete einsetzen wird. Diese Werbung wird in Verbindung mit einer Landdienstwerbung durchgeführt. Die Berufsaufklärung der Mädel stellt besonders heraus, daß alle Madel berufstätig werden und sich einer geordneten Berufsausbildung unterziehen müssen.
Die Aufklärung läuft vom August bis November. Für die Werbung werden zunächst die Heimabende eingesetzt. Für die weltanschauliche llnterbauung der Berufswahl sind Sonderausgaben des Schulungsdienstes in einer Auflage von 360 000 Stuck erschienen. Für die Heimabende sollen auch ^Berufsberater der Arbeitsämter und Angehörige von Mangelberufen .hinzugezogen werden. Betriebsbesichtigungen sollen einen Einblick in das Berufsleben geben. Ferner sind Elternabende und Versammlungen vorgesehen.
Grundsätzlich wird davon ausgegangen, daß die berufliche Führung der Jugend mit Zwang nicht erreicht werden kann. Jugendliche und Eltern müßten nach wie vor entscheiden können, welcher Beruf ergriffen werden soll. Allerdings gibt es auch keine absolute Freizügigkeit bei der Berufswahl. Die Frage lautet nicht: Wo verdiene ich am meisten? Sie muß lauten: Wo kann ich meinem Volk mit meinen Anlagen und Fähigkeiten am besten dienen? Die Berufsberatung des Arbeitsamtes als Helfer.
Rund fünfhundert verschiedene Lehr- und Anlernberufe stehen den Jungen zur Wahl. Bevor sie aber den nächstliegenden ergreifen, sollten sie sich
Wie lange das dauert, die Hand vorwärtszustrecken und auf den Hahn zu legen und den Flügel herumzudrehen.
Wie anstrengend das ist!
Aber es gelingt.
Zischend strömt das kostbare Sauerstoffgas in den Raum zurück.
Die Brust geht wieder freier.
Die Augen werden heller.
Man kann wieder die Umgebung sehen.
Kurzatmend und mit offenem Munde steht Lietzendorf da.
Sein Gesicht leuchtet.
Dann schwankt er auf Professor Erik zu und sinkt ihm gegen die Schulter.
Da bleibt er eine Weile stehen.
Und bann tastet sich Professor Eriks Hand vor und fährt sich über die Augen, in die die Erschütterung ein paar Tränen gedrückt hat.
Auch der Chemiker am Boden erholt sich.
Er weiß erst nicht, was los ist. Dann steht er auf, lächelt verlegen und greift nach Papier und Bleistift.
Die Druckkurve der Barographen wendet sich wieder.
Die Lungen atmen frei.
„Wundervoll!" sagt Dr. Busse und streckt Lietzendorf die Hand hin. „Das haben Sie prächtig gemacht. Sie sind ein Genie, Lietzendorf."
Der nickt strahlend zurück.
„Es ist nicht mein Verdienst allein."
Er weist auf Professor Erik und denkt gleichzeitig an Nissen. Wenn Nissen Dominik nicht wäre, wie wäre er auf die Idee gekommen, sich mit der Einheitsmaschine auch nur zu beschäftigen.
„Können wir den Motor jetzt belasten?" fragt plötzlich die Stimme des Maschinenmeisters. „Im praktischen Falle hat er ja auch nicht bloß leer zu arbeiten, sondern er muß Welle und Schraube bewegen und das Schiff treiben."
Lietzendorf wirft einen fragenden Blick auf Professor Erik.
„Ich habe keine Bedenken.
Sie rücken an das Schwungrad die schon vorher hierfür vorgesehenen Bremsklötze.
Der Motor arbeitet wieder. Tadellos.
Die Bremsklötze werden durch die Reibung zwar ein bißchen heiß. Elektrische Funken sprühen herum. Aber das schadet nichts.
„Es könnte hier draußen lichterloh brennen", erklärt Lietzendorf. „Uns kann trotzdem nichts passieren. Bloß der Gashebel muß geschützt bleiben."
Er zündet sich zum Zeichen der Ungefährlichkeit eine Zigarette an.
„Darf ich auch?" fragt Dr. Busse.
Leichsenring springt vor, um gefällig zu sein. Lietzendorf, der eben dasselbe will, stößt mit ihm hart zusammen —
Er tritt rückwärts, ohne hinzusehen.
Was war das? Klärrr —!
Er hat auf die zu den Derbrennungsgasen führende Leitung getreten. Der Stahlschlauch hat einen Knick.
„Na, da hatten wir ja noch einmal Schwein", lacht Lietzendorf.
Dr. Busse beugt sich nieder, um den Schaden zu besehen. Ganz am Ende, da, wo das Rohr in den Kessel eintritt, zeigt sich ein haarfeiner Riß. Daraus strömt Gas in den Raum.
Abgas ...!
Giftige Kohlensäure!
Im Augenblick ist der Raum von stinkendem Geruch erfüllt.
„Um Gottes willen — Tür auf!" brüllt Lietzendorf, „'raus!"
Alle fliegen zu gleicher Zeit zur Verschlußklappe.
Aber da halten ein Dutzend Riegel, die alle erst zurückgeschoben und abgeschraubt werden müssen.
Hastig hantieren alle um die Wette. Stoßen sich. Schieben sich. Behindern sich.
Lietzendorf hat sich zu dem Rohrriß niedergebeugt. Er reißt das Taschentuch aus der Tasche, um ihn zu verbinden. Aber das Rohr ist bereits so heiß, daß man es nicht mehr berühren kann. Und als verkohlter Fetzen zerflattert das Tuch vor dem Druck des ausströmenden Gases.
Und oben an der Verschlußklappe würgt noch immer Leichsenring. Er preßt und zwängt, roemmt und schüttelt wie ein Verzweifelter.
Die Riegel, die vorhin schon schlecht schlossen, jetzt scheinen sie überhaupt nicht weichen zu wollen.
Die- Wärme hat das Metall vielleicht ausgedehnt, die feuchte Ausdunstung der Menschen hat die Holzteile verquellen lassen.
Leichsenring rüttelt wie sinnlos. Die drei Schlosser helfen. Sie behindern sich gegenseitig.
Die Vergasung des Raumes steigt von Sekunde zu Sekunde.
Es ist schlimmer als vorhin, als bloß der Sauerstoff knapp wurde. Jetzt ist die Luft mit den giftigen Abgasen gesättigt. Das zerfrißt die Lungen. Das zerbeizt die Augen. Das zerreißt die Eingeweide, '
einen Ueberblick über die Möglichkeiten verschaffen^ die geboten sind. Die Berufsberatung bei den Arbeitsämtern ist dazu da, der Jugend, die vor der Berufswahl steht, zu helfen. Dort werden die offenen Lehrstellen gemeldet und diese auch von dort aus besetzt. Wenn ein Junge besonders begabt ist, so werden ihm Mittel und Wege gezeigt, sich emporzuarbeiten. Mit jedem einzelnen wird überlegt, was. für ihn das richtige ist. Alles wird seiner Veranlagung und seinen Fähigkeiten entsprechend geprüft, damit er den richtigen Platz im Leben findet. Dabei muß er selbst mithelfen und wissen, daß er bei seiner Berufswahl auch an das Volksganze zu denken hak, das ihn vor allem in der Landwirtschaft und irn Baugewerbe braucht. In diesen beiden Zweigen liegen die besten Zukunftsaussichten. Nach Kriegs^ ende gilt es, weite Räume zu besiedeln, das Bau^ gernerbe aber hat die Aufgabe, das riesige Woh- nungsbauprogramm zu erfüllen und die Städte um< zu gestalten.
Schlachthofdirektor Dr. Keller zum Professor ernannt.
Der Direktor des Gießener Schlachthofes, Stadk- Oberveterinärrat Dozent Dr. med. vet. habil Hugo Keller wurde mit Wirkung vom 15. Juli 1941 zum .außerplanmäßigen Professor in der Deterinärmedi- zwischen Fakultät der Universität Gießen ernannt: Professor Dr. Keller hat in der Veterinärmedizinischen Fakultät seit 1. April 1932 einen Lehrauftrag für den gesamten Unterricht in der Fleischbeschau inne, der im Jahre 1936 auf die Gebiete der Schlachthofbetriebskunde und der Schlachtvieh- und Fleischbewirtfchaftung ausgedehnt wurde. Am 29. März 1935 war Professor Dr. Keller zum Dr. med. vet. habil ernannt und ihm am 19. Juni 1936 die Dozentur für Fleischbeschau, Lebensmittelkunde und Schlachthofkunde verliehen worden.
Professor ^Dr. Keller ist geborener Oberhesse; er stammt aus Melbach (Kreis Friedberg), wo er am 18. Juli 1893 geboren wurde. Nachdem er 1913 an der Oberrealschule in Alsfeld die Reifeprüfung bestanden hatte, studierte er in Gießen. Er machte dann als Freiwilliger den Weltkrieg von 1914 bis Ende 1918 mit. Der neuen deutschen Wehrmacht gehört er als Oberveterinär der Reserve an. Nach seiner Doktorpromotion im Jahre 1920 in Gießen war er von 1921 ab als praktischer Tierarzt in Offenbach a. M. tätig. Im Jahre 1927 wurde er mit der Leitung der Fleischbeschau und Trichinenschau in Neu-Isenburg beauftragt. Seit 1. Oktober 1931 leitet er als Nachfolger des verstorbenen Schlachthofdirektors Dr. Modde unseren Gießener Schlachthof. Am 30. Januar 1940 wurde er zum Stadt-Oberveterinär- rat ernannt. Seit mehreren Jahren führt er auch den ehrenamtlichen Vorsitz des Tierschutzvereins Gießen.
Oer Gaubedarf noch nicht gedeckt!
Der Gausachbearbeiter der Reichsarbeitsgemeinschaft für Heilpflanzenkunde und Heilpflanzenbe-
In tropischen Gebieten be. drohen den Menschen vielfach schwere Seuchen. »»0ayei«-Arz« neimittel schützen ihn. Sie sind für die Sicherung der Gesund, hert in den Kolonien vielfach BAYER) unentbehrlich.
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V R V
Lietzendorf ist über der Stelle des Rohrbruchs zusammengesunken. Sein Mund steht weit offen.
Er atmet nicht mehr.
Professor Erik hat sich auf einen Hocker fallen lassen. Da sitzt er ganz still, als ginge ihn das alles nicht mehr an.
Bloß oben an der Klappe hantieren die Männer noch. Kohlensäure ist schwerer als Lust! Aber ihrs Bewegungen sind müde und schlaff und erfordern ungeheure Willensanstrengung.
Und mit einem Male sinkt einer der Schlosser hintenüber, krümmt sich am Boden — und rührt sich nicht mehr.
„Warum habe ich nicht einfach den Motor abgestellt?" denkt Leichsenring. „Das wäre doch das einfachste gewesen!"
Er dreht sich zurück.
Aber wie er den Hebel, an dem er sich gehalten, lvsläßt, verläßt auch ihn die Kraft.
Und dann —
Dann gibt es einen furchtbaren Knall.
Die Männer im Innern der Kabine hören ihn wohl kaum noch ...
Der Gaskessel fliegt auseinander wie eine krepierende Granate. Die reißende Wucht der Explo- sion wirft die Stahlgußstücke im Raum umher wie Sprengteile einer Mine ...
Als man nach einer Weile von draußen her, wohin der donnernde Laut der Explosion gedrungen ist, die Verschlußklappe mit Hilfe eines Schneidbrenners öffnet, ist längst alles vorbei.
Lietzendorf ist tot. Professor Erik ist tot, dis beiden Chemiker, Leichsenring, die Schlosser — alle sind tot.
Lietzendorf hat ein Stahlsplitter die Brust zerschlagen. Seine Finger sind verbrannt. Aber sein Ende ist durch Ersticken einqetreten.
Vierzig Minuten später ist auch der Gerichtsarzt an der Unglücksstelle.
Der Staatsanwalt kommt gleich danach.
Ein Schlosser aus Lietzendorfs Werkstatt erklärt, um was es geht. Versuche für den U-Kreuzer-Ban. Eine ganz neue, ganz große Sache. Geheimhaltung im Staatsinteresse ... Die Verkaufsverhandlungen mit Herrn Lind standen dicht vor dem Abschluß ...
Der Staatsanwalt findet sich nicht so schnell durch.
„Vielleicht sollte man Herrn Lind herbitten? Oder noch besser, Herrn Direktor Dominik? Die Herrn aus der Industrie verstehen doch wahrscheinlich mehr davon als wir Juristen ..."
(Fortsetzung folgt)


