ist. Argentinien z. B.,das „der Schlachthof Englands" war, sitzt mit seinen riesigen Beständen an Fleischwaren fest, seitdem die Ueberfahrtsmög- lichkeiten nach England zu gefährlich geworden sind und England keinerlei Garantien mehr bieten kann.
Die gefährliche wirtschaftliche Situation, in die Siümmerika nach dem Weltkriege gekommen ist und die jetzt einen Höhepunkt erlebt, wird allerdings von den südamerikanischen Staaten in anerkennenswerter Weise zu meistern versucht. Man hat eine geordnete Planwirtschaft eingeführt, die Erzeugung begrenzt und devisenwirtschaftlich alle Maßnahmen nach dem Muster Deutschlands getroffen, um durch Verrechnungs- und Kompensationsverträge allzu große Rückschläge, die vom Devisenmarkt ausgehen können, zu mildern. Ferner ist man zu dem naheliegenden Entschluß gekommen, daß die südamerikanischen Staaten unter sich einen Güteraustausch je nach den einzelnen Bedürfnissen aktivieren, so daß wesentliche Produktionsmengen, die bisher nach den bevorzugten Ueberseeländern gingen, nunmeyr im Raum von Südamerika ausgetauscht werden. Allerdings ist diese Aufgabe praktisch wesentlich schwerer durchzuführen als man gemeinhin annimmt. Südamerika ist verkehrsmäßig erst wenig erschlossen, die Eisenbahnlinien sind kurz und größtenteils nur einspurig, so daß für die Beförderung von Gütern nicht nur das zur Verfügung stehende Transportmaterial viel zu gering ist, sondern auch die Möglichkeit fehlt, die betreffenden Warensorten schnell an ihre Bestimmungsorte zu befördern. Die südamerikanischen Staaten
sind daher übereingekommen, nicht nur einen Ausbau des landgebundenen Verkehrs durch neue Eisenbahnlinien in die Wege zu leiten, sondern auch die K ü st e n s ch i f f a h r t rings um den südamerikanischen Kontinent zu intensivieren, zumal Tonnage infolge des Ausfalls der Routen nach Europa genügend zur Verfügung steht.
Es ist begreiflich, daß die nichtkriegführenden Staaten außerhalb Europas sich bemühen, den südamerikanischen Markt für sich zu gewinnen bzw. Kompensationen in Gang zu bringen. Sehr stark hat sich in dieser Beziehung das Geschäft zwischen Japan und Südamerika entwickelt. Dagegen sind die Bemühungen der Vereinigten Staaten, deren Ausfuhr nach Europa ja auch stark zurückgegangen ist, auf den südamerikanischen Märkten wenig erfolgreich, da Südamerika mit U8A.-Kre- diten urü> Meistbegünstigungsklauseln nichts anfangen kann, sondern reine Austauschmärkte benötigt. Da außerdem die südamerikanische Industrie sich stark belebt und damit die industrielle Einfuhr Der USA. auf weite Sicht überflüssig wird, ist es den Vereinigten Staaten nicht gelungen, den erwünschten wirtschaftlichen Einfluß auf Südamerika zu erhalten. Unbeschadet aller Schwierigkeiten, in denen sich die südamerikanische Wirtschaft befindet, kann man doch damit rechnen, daß sie sich mehr und mehr erholt und im Sinne des europäischen Vorbildes schließlich den raumbegrenzten Güteraustausch einführt, worüber in einer demnächstigen großen Wirtschaftskonferenz der iberoamerikanischen Staaten verhandelt werden soll.
WelwirtschastspoM in Theorie und Praxis.
Neuyork, 19. Mai. (DNB.) Nach Roosevelt nimmt auch Staatssekretär Cordell Hüll die Gelegenheit der Außenhandelswoche wahr, um die Panikmache, durch die das amerikanische Volk für die Ziele der Hetzer geneigt gemacht werden soll, fortzusetzen. „Das Hauptziel der Achsenmächte", so erklärt Hüll, „sei die Weltbeherrschung. Diesen Plänen müsse durch hinreichende Unterstützung Englands Einhalt geboten werden oder Amerika befände sich bald umringt von Anarei- ifem und werde alleinstehend zum Kampf um seine nationale Existenz gezwungen sein." Ebenso sinnlos ist die Behauptung Hulls, „die räuberische Politik und Methode der totalitären Staaten habe statt eines Systems wirtschaftlicher Zusammenarbeit ein System wirtschaftlicher Ausbeutung geschaffen".
Mit dieser verlogenen Gehässigkeit übertrifft Hüll noch die Verdrehungen und Anmaßungen der Roo- seveltschen „Botschaft". Bei ollen Handelsverträgen, die das nationalsozialistische Deutschland geschlossen hat, ist von seinen Partnern stets unumwunden anerkannt worden, daß sie auf dem Grundsatz der Gegenseitigkeit aufgebaut sind. Die Verträge haben darum auch meist zu tieferen politischen^Beziehungen geführt. Hüll übersieht geflissentlich, daß Deutschland immer bereit war, sich in den Welthandel einzuflechten und sich nur darum in stärkerem Maße aus seine eigenen wirtschaftlichen Kräfte besinnen mußte, weil man ihm durch Boykott verw eigern wollte, an dem allgemeinen Güteraustaufsch teilzunehmen. Abgesehen von der kolonialen Ausbeutung gewisser demokratischer Nationen gibt es kaum ein Volk, das so.oon ihnen nusgeraubt und ausgesogen wurde, wie das deutsche. Der Dawes-Plan, der Poung-Plan und das Hoover-
Memorandum waren die berüchtigten Methoden dieser Demokratien. Angesichts dieser Tatsache wirkt es geradezu verbohrt, wenn Hüll für die Regierung der USA., die nicht nur zu dem allgemeinen wirtschaftlichen Chaos in der Welt nach 1918 maßgebend beigetragen haben, sondern nicht einmal in der Lage sind, im eigenen Lande Ordnung zu schaffen, „Grundlagen der Weltwirtschaft nach dem Kriege" zu bestimmen. Hüll zählt dafür 5 Punkte auf: 1. übermäßiger Nationalismus dürfe nicht wieder in übermäßigen Handelsbeschränkungen Ausdruck finden; 2. keine Diskriminierung bei internationalen Handelsbeziehungen; 3. Rohstoffe müssen allen Ländern gleich verfügbar sein; 4. internationale Vereinbarungen zur Regelung der Rohstoffversorgung müssen derart sein, daß die Belange der Verbraucherländer voll geschützt seien; 5. die internationale Finanz müsse so organisiert werden und sich so betätigen, daß sie zur Entwicklung aller Länder und deren lebenswichtigen Unternehmungen beitrage.
Was die ersten 4 Punkte angeht, so kann nur gesagt werden, daß sie von Deutschland schon vor 1933, als es noch unter den Fesseln des Versailler Diktates laa, immer wieder als Forderung aufgestellt wurden, damals aber gehörten die USA. zu den Staaten, die sich mit allen Kräften gegen ihre Verwirklichung wehrten.
Hinter dem Verlangen einer uneingeschränkten Betätigung der internationalen Finanz aber spürt man allzudeutlich den Wunsch der jüdisch-verseuch- ten Wallstreet. Das nationalsozialistische Deutschland ist froh, die Parasiten der Börsen-Jobber abgeschüttelt zu haben und legt keinen Wert darauf, mit ihnen wieder Bekanntschaft zu machen.
Der Kampf um deu Amba Aladschi eingestellt.
Rom, 19. Mai. (DNB.) Der italienische Wehrmachtbericht vorn Montag hat folgenden Wortlaut:
In Nordafrika wurden einige Angriffsven suche des Feindes an der Front vor Tobruk im Keim erstickt.
Im Aegäischen Meer haben feindliche Flugzeuge in den frühen Morgenstunden des Sonntags die Insel Rhodos überflogen und einige Bomben abgeroorfen, ohne Schaden anzurichten.
In Ostafrika hat die Besatzung von Amba Aladschi, die bis zum äußersten Widerstand geleistet hatte und ohne Lebensmittel und Wasser aevlieben war, in der materiellen Unmöglichkeit, den Verwundeten die nötige Pflege angedeihen zu lassen. Befehl erhalten, den Kampf einzustellen. In der Schlacht von Amba Aladschi haben sich die Gruppe der Kgl. Carabinieri „Amba Aladschi", die
Kompanie der Sturmtruppen „Toselli", die 8,1-cm- Mörserkompanie der Division „Granatieri di Savoia" (Grenadiere von Savoyen), das Maschinengewehr-Bataillon des 10. Regiments Granatieri di Savoia, die zweite und dritte Gruppe des 60. Artillerie-Regiments Granatieri di Savoia, die 43. Gruppe der Kgl. Artillerie und die 24. Gruppe der 7,5-cm-Artillerie besonders ausgezeichnet. Der Feind hat in Anerkennung der Tapferkeit unserer Soldaten ihnen die Ehre der Belassung der Waffen zu- gestanden, den Offizieren die Pistole gelassen und angeordnet, daß unsere Besatzung beim Verlassen der Stellungen von Amba Aladschi vor den englischen Abteilungen in Waffen vorbeimarschiert, die ihnen Ehrenbezeigungen erweisen werden. Der Herzog von Aosta teilt das Schicksal seiner Truppen. Der Widerstand wird in den Abschnitten von G i m m a und von Gondar fortgesetzt.
Vornan von Elisabeth Holt.
L2. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Zwei Minuten später kam Pola herein.
„Ich weiß schon, Gredler", sagte sie und lachte, Mingrell ist abgereist. Mit diesem Unkenruf hat mich mein Kindermädel heut aufgeweckt — soll er zum Kuckuck gehen!" Sie nahm dem Korrepetitor Den Probezettel fort und gab ihm die Schuld, als sie noch eine Stellungsprobe für den heutigen Abend angesetzt fand. Gredler hätte das verhindern müssen, wie kam sie dazu, wegen dieses schwedischen Kutschers, dieses Halström, um einhalb zwölf ins Theater zu rennen?
Gredler wartete schweigsam, bis sie fertig war, bann meinte er, die Nilszene müsse noch geprobt werden, Pola wurde plötzlich ftiedlich, und die beiden zogen miteinander nach einem Saal im Erdgeschoß, den man der Frau Kammersängerin zur alleinigen Benutzung zur Verfügung gestellt hatte.
Als Gerda kurz darauf durch die Halle ging, stieß sie an der Drehtür mit Professor Brix zu- lammen, dem die „Aida"-Aufführung schwere Sorge machte. Mingrells Abreise war das eine — Leiermann gebärdete sich, als seien ihm die teuersten Felle davongeschwommen. Und jetzt hörte mast, Halström sei heiser. Er behauptete es wenigstens. Vielleicht tat er es nur der ßurfner zum Possen. Aber die Heiserkeit, echt oder unecht, würde genügen, den Abend zu verpatzen. Und zu allem übrigen, damit man ja nicht übermütig werde, gab das Dolderhotel zu Ehren der Tennisleute ein großes Bankett mit nachfolgender Tanzerei.
„Pola nichts davon erzählen", verlangte der Professor beschwörend.
„Natürlich nicht", sagte die Sekretärin bestürzt, >,wenn sie nur nicht von selber darauf kommt."
Pola erfuhr zwar nichts von der Ursache, aber sie sah die Wirkung. Fünf Minuten vor Beginn kam sie aus ihrer Garderobe auf die Bühne hinunter — draußen ging gerade der eiserne Vorhang hoch. Hasström kam ihr entgegen — hn Trikot und
Lederpanzer, ein grünes Wolltuch um den kostbaren Hals und das grosie Schauspielergesicht in leidende Falten gelegt. Er aß Apfelspalten und weiche Honigbonbons.
„Schau dir das an!" sagte er zu Pola, „ein leeres Haus — nicht einmal die Leute mit den Freikarten sind erschienen. Wir hier sind in der lieber- Zahl."
Pola gab keine Antwort, sie stand zwischen den rauhen roten Vorhangfalten und schaute durch das Guckloch auf das Haus. Die teuren Sitze im Parkett zeigten sich so gut wie überhaupt nicht besetzt, die Logen waren eine einzige Lücke. Nur die Galerie war voll — die Galerie und die hinteren Reihen des Parterres. Warum hatte man nicht ein bißchen wattiert? Herrgott, warum hatte man da nicht Vorsorge getroffen, daß einem das Haus nicht so entgegengähnte wie eine hungrige Bestie? — — Auf einem Mitteleckplatz der zweiten Reihe saß Alwine Pachoven und flüsterte mit ßeiermann, der, die Hände in die Hosentaschen gebohrt, mißmutig dasaß und die leeren Stuhlreihen musterte. Alwine war sehr lebendig, sie drehte den langen Hals hin und her und suchte in den leeren Logen nach Bekannten.
„Bühne frei!" schrie der Inspizient hinter Polas Rücken---die Aufführung begann.---
Kurz nach zehn stürzte Gredler, nach einem gebieterischen Schlag an die Tür, in Gerdas Hotelzimmer. „Sie sind da?" rief er bei ihrem Anblick erleichtert. „Gott sei gelobt! Alle Mann an Bord! In ein paar Minuten kommt Pola, wir müssen sie in Watte wickeln und zärtlich anflüstern und ihr blauen Dunst vormachen, sonst explodiert sie und sagt uns in ihrer Ueberreizthett Dinge, die man anständigerweise nicht einsteckt. Ich will keinen Krach mit Pola, verstehen Sie?"
Gerda erschrak. „Was ist denn geschehen? Und wieso kommt Pola schon ins Hotel zurück — Leier- mann wollte doch ein kleines Abendessen arrangieren zu Ehren der Sängerin.---
„Abendessen? — Kranke kriegen kein Abendessen. Kranke legen sich ins Bett und lasten den Arzt holen."
„Ja, ist sie denn krank geworden?"
„Offiziell ist sie heiser, offiziell ist sie todkrank — es bleibt die einzige Möglichkeit, den Umschmiß zu
Fliegerschicksal an Karawanenspuren.
Von Kriegsberichter Rudolf Wagner.
(DNB.) .....19. Mai. (PK.) Fast behutsam
streicht die Hand des Oberleutnants W. eine Karte glatt, auf der sich das gelb getönte Wüstengebiet Hlordafrikas von dem Blau des Mittelmeeres ab- hebt. Ich bemerkte, daß eine Kartenecke eigenartig zerfetzt aussieht: die MG.-Garben feindlicher Jäger haben sie auf dem Kartenbrett eines deutschen Aufklärers regelrecht aufgespießt. Doch bevor Oberleutnant W. von den furchtbaren Sekunden des Abschusses durch die Uebermacht von drei Hurri- canes und den qualvollen Stunden des Alleinseins in der Wüste mit seinem toten Flugzeugführer erzählt, spricht er von dem Siegesmarsch des Afrikakorps, von den Härten des Wüstenkrieges, von der glänzenden Zusammenarbeit der Aufklärer und Panzer des Generals Rommel.
Mit den Panzergruppen zusammen stieß die Aufklärerstaffel des Oberleutnants an dem breiten Küstenstreifen entlang gegen Tobruk vor. Unentwegt folgten sie gleich wachsamen Augen den Panzern, die, in lange Staubfahnen gehüllt, feind- wärts rollten. Jede Fluchtbewegung des Gegners wurde in unablässigen Einsätzen überwacht und beobachtet. Die Bodenorganisation der Staffel leistete dabei fast Uebermenschliches. In rastlosen Märschen eilte sie zu jedem Landeplatz der Aufklärer und unterstützte den pausenlosen Angriff der Kameraden. Kraftwagen, von den flüchtenden Engländern im Stich gelassen, halfen ihnen, die gewaltigen Anforderungen zu überwinden.
So erreichten sie gemeinsam ein Wüstenfort, dessen helle Mauern sich weithin über den trostlosen Sand erhoben. Auf einer großen Fläche in der Nähe landeten und starteten nun die Flugzeuge. Verstaubt, verschwitzt und unrasiert standen die Besatzungen ununterbrochen startbereit an ihren Maschinen, die gleichfalls das letzte hergaben. Von diesem Startplatz begann auch der letzte Aufklä- rungsflug des Oberleutnants W. und seines Flugzeugführers, Unteroffizier S. In den Worten des Oberleutnants erlebe, ich nun das Schicksal der beiden deutschen Flieger in der Sandwüste Afrikas. „Versprengte feindliche Panzer haben südlich des Wüstenforts einen Ausbruchversuch unternommen und habet eine kleinere deutsche Vorausabteilung gefangen genommen " Diese Meldung ist gleichzeitig der Startbefehl für unseren Aufklärer. Wieder schwebt das deutsche Flugzeug über der Wüste, die sich unendlich unter den einsamen Fliegern ausdehnt. Ostwärts geht der Kurs. Scharf spähen die Augen des Beobachters an den Pisten entlang, wie die aus der Höhe so dünn und schmal erscheinenden Karawanen spuren heißen. Halt! Dort, wo sich zwischen felsigen Rücken ein kleines Tal bettet, ist deutlich eine Wagenkolonne zu erkennen. Freund oder Feind? Sind
es vielleicht die versprengten englischen Panzer? Oder sollen sich schon deutsche Streitkräfte bis zu diesem Punkt vorgearbeitet haben? Dies alles überlegt Oberleutnant W., ehe er dem Flugzeugführer den Befehl gibt, sich langsam zu dieser rnerkwür- digen Gruppe herabzuschrauben. Doch da geben die Männer dort unten sich zu erkennen.
Weiter geht die Suche. Menschenleer laufen die Spuren der Pisten durch den ewigen Sand. Endlich taucht ein einzelnes Fahrzeug am Rande der Karawanenstraße auf. Der Aufklärer schiebt sich gerade in eine gewaltige Dunstglocke, die über der heißen Wüste steht, und will das seltsame Gefährt näher in Augenschein nehmen. Da erscheinen plötzlich über ihnen drei wie Raubvögel kreisende Jäger-: Feinde, Hurricanes! Im Sturz, flua versucht der Unteroffizier fein Flugzeug dem Gefahrenbereich zu entizehen, aber schon rast der dunkle Punkt immer größer auf den Aufklärer zu. Dicht hinter ihm drückt der feindliche Jäger tiefer, ehe ihn das MG. des Oberleutnants fassen kann. Dann greift er von unten an. Es prasselt und klatscht in den Tragflächen und im Rumpf. Der Oberleutnant verspürt einen heftigen Schlag in beiden Beinen und bricht in die Knie. Gewaltsam rafft er sich auf.
Schon ist der nächste Angreifer heran. Seine MG.-Garben zersplittern von vorne das Kabinenfenster. Der Unteroffizier schreit kurz auf, und bann sieht Oberleutnant W., wie fein Flugzeugführer den blutenden rechten Arm hochhält. Durch die Eigenv^rständigung gellt es: „Soll ich landen?" „Ja, ja!" S. kann nur mehr mit der linken Hand den Knüppel halten. Torkelnd, mit unsicheren Bewegungen fällt das Flugzeug der Erde zu. Hat S. die Gewalt über unsere Kiste verloren? Blitzartig durchzuckt den Beobachtenden' dieser Gedanke. Wenige Augenblicke später setzt die Maschine hart mit durschossenen Reifen auf und rollt. Gott sei Dank! „Bremsen, bremsen!", brüllt der Beobachter, als er den dritten Angreifer im Stellflug aus allen Rohren feuernd auf die Wehrlosen herabstürzend bemerkt.
Unheimlich still ist es nach dem Knattern, Prasseln und Peitschen der MG.-Garben. Nur der heiße Motor knistert. Mit banger Sorge ruft der Oberleutnant den Namen feines Flugzeugführers. Keine Antwort. Zusammengesunken, mit zerschossener Brust lehnt der Unteroffizier im Sitz. Bis zum letzten Augenblick tat er feine Pflicht. Der Brand- Hahn ist zu, der Magnet steht auf Null. Braver Kerl! Könnte man ihm doch nur helfen. Leise verebbt der Pulsschlag des Kameraden. Tod in bet Wüste ...
Mit dem Funkgerät will nun Oberleutnant W. Verbindung mit der Bodenstelle aufnehmen. Im
Gegenwehr bis zur letzten Patrone.
Rom, 19. Mai. (DNB.) Wie man in politischen Kreisen Roms hervorhebt, kämpfte die Besatzung des Amba Aladschi einen hoffnungslosen Kampf. Ohne Flugzeuge, mit ganz geringen Abwehrwaffen gegen die Angriffe der feindlichen Luftwaffe versehen, war sie insbesondere den unaufhörlichen Angriffen von der Luft ausgesetzt, während die Erdstellungen vom 8. April bis 17. Mai unter heftigstem Artilleriefeuer lagen, das den Verteidigern Tag und Nacht keine Ruhe gab. Lebensmittel begannen zu fehlen, Wasser war nicht mehr vorhanden, die Munition wurde knapp, den Verwundeten konnte keine Hilfe mehr gebracht werden. Trotzdem wiesen die tapferen Verteidiger alle Angriffe des immer stärker werdenden Gegners ab, konnten es aber nicht verhindern, daß sich der Ring um die Bergfeste immer enger zog, auf die sich das Feuer des Gegners mit vielfacher Stärke richtete. B t s zur letzten Patrone wehrte sich die Verteidigung des in der Geschichte der italienischen Kolonialkriege nun schon zum zweiten Mal mit stolzer Trauer zu Berühmtheit gelangten Amba Aladschi. Das unvergleichliche Vorbild des Führers der immer mehr zusammenschmelzenden Schar, des Herzogs von Aosta, war den Helden des Amba Aladschi ein immer wieder anspornendes Beispiel. Italien weiß, so hebt man in politischen
decken. An diese ,Aida<-Vorstellung werde ich denken!" schrie er. „So etwas von Danebengehen ist mir überhaupt noch nicht oorgefommen. Das Haus halb leer, Halström angeblich nicht bei Stimme — gesungen hat er jedenfalls fürchterlich. Während der Nilszene sind die Leute direkt unruhig geworden. Anfangs hat Pola tapfer versucht, durchzuhalten — niedersingen — niederreiten, verstehen Sie, aber dann im zweiten Akt, weiß der Kuckuck, isfs Zufall oder Absicht gewesen — gibt ihr der Kapellmeister, der Münchener, wissen Sie, ein falsches Einsatzzeichen. Damit war's aus, der Abend endgültig geschmissen, nie im Leben hab ich die Luckner io miserabel fingen hören wie im dritten Akt. Die Grabszene war einfach eine Katastrophe."---
Pola kam den Korridor entlang, aber vorläufig bestand keinerlei Gefahr, daß sie, wie Gredler fürchtete, explodierte. Denn mit Pola erschienen Alwine, Dr. Clemens Kempf, ßeiermann unh der junge Baritonist Kleisel. Auf den ersten Blick schien die ganze Gesellschaft durchaus guter Dinge, erst bei genauerer Beobachtung kam man drauf, daß sowohl Polas als auch Alwinens Heiterkeit nicht von der echten Sorte war. Alwine trug lose umgehängt ihr Zobelcape, denn der Abend'war kühl; neben dem faltenreichen Samtmantel der ßurfner sah sie aus wie echt neben unecht. Alwipe jammerte, sie hatte ihr ßorgnon ruiniert; als sie es vorhin gegen ßeiermanns eiserne Männerbrust stieß, zerbrach das dünne Goldstielchen, und jetzt mußte sie Polas komisches Appartement in der vierten Etage ohne Gläser mit halbblinden Augen begutachten.
Sie verschwanden alle im Wohnzimmer der ßuck- ner, eine Weile saß Gerda unschlüssig herum, und dann wurde sie von Rosa aufgestört. Rosa fuhr ins Zimmer wie eine vergiftete Ratte, sie brauchte Gerdas elektrische Heizplatte, um das Selterswasser für Madame anzuwärmen, Madame sollte jetzt in ein heißes Bad steigen, das beruhigt die Nerven, und nachher ein Schlafpuloer nehmen. Aber jetzt lag ihr Alwine auf den Nerven, redete lauter Bosheiten und: wer muß es denn ausbaden? Wir, wir alle! Madame ßurfner wäre schrecklich gereizt.
Gerda fragte sich später, ob sie nicht, verleitet durch Gredlers Alarmmeldung und durch Rosas Panik, hinter Polas scheinbarer Ruhe etwas anderes spürte — etwas Verhattenes, Gefäl)rliches, I etwas, vor dem Pola selber bangte. Einem unvov^i
Kreisen Roms hervor, daß die Beendigung des Kampfes auf dem Amba Aladschi allein zurückzuführen ist auf den Mangel an Munition, an ßebensmitteln und der mangelnden Zufuhr von neuem Kriegsmaterial, das das weitab gelegene Vaterland nicht mehr schicken konnte. Italien ist stolz auf den Führer feiner Wehrmacht in Aethi- opten, auf seine Soldaten und auf die treuen As- karis. Ganz Italien hat die Ueberzeugung, daß ihre Gefangenschaft nichts anderes ist als eine Pause auf dem Wege zum Endsieg.
Der 2400 Meter hohe Amba Aladschi liegt in Nordabessinien zwischen Sokota und Makalle. Die Italiener hatten den hier über das Gebirge führenden Paß den von Norden mit wachsender lieber» macht vordrängenden Engländern seit dem 8. April versperrt. Anfang Mai hatte der Feind die italienischen Stellungen so eng umzingelt, daß die Jta- liener nur noch im Besitz der .Paßhöhe blieben, wo sie auf engstem Raume heftigen ßuftangriffen und stärkstem Artilleriefeuer pausenlos ausgesetzt waren, so daß schließlich eine wirksame Verteidigung nicht mehr möglich war. Unter den um die Verteidigung des Amba Aladschi besonders verdienten Truppen führt der italienische Wehrmachtbericht auch die Sturmtruppen „Toselli" auf. Ihr Name erinnert an die erste Schlacht am Amba Aladschi, in der der italienische Major Toselli 1895 nach erbittertem Widerstand gegen die vielfach überlegenen Truppen des Negus Menelik mit feinen Askäris bis zur letzten Patrone sich verteidigte.
eingenommenen Zuschauer wäre sie jedenfalls ziemlich ruhig oorgefommen, als sie nach einer knappen halben Stunde mit den andern wieder auf den Korridor hinaustrat. Gerda, die eben das angewärmte Selters hinübertragen wollte, horte, daß Alwine die vierte Etage des Hotels in Grund und Boden lobte. Sie sagte gönnerhaft, es fei erstaunlich sauber und gemütlich hier oben — obwohl diese weißlackierte Kahlheit ringsherum ein bißchen an Spital gemahne. „Es erinnert mich an Masern und Keuchhusten", und dazu fuchtelte sie mit d-m zerbrochenen ßorgnettftiel herum und lachte wie ein Papagei.
Dr. Kempf trat zu Gerda, die noch in Polas Wohnzimmer stand. „Kommen Sie mit uns? Wtr wollen unten noch etwas trinken. Es gibt einen kleinen Hopphei zu Ehren der Frau Kammersängerin."
D. Kempf sagte das so hin, er war nicht im Theater gewesen, er verstand die Sturmsignale in Polas nervös flirrenden Augen nicht, er übersah ßeier- manns höhnisches Gesicht. —
Hätte Gerda nur ein bißchen mehr Geistesgegenwart aufgebracht, sie hätte die Antwort gegeben, aber Alwine war viel schneller. Sie nahm ihr das Stichwort weg wie einen Fangball.
„Natürlich", sagte sie entzückt, „wir machen einen - Hopphei zu Ehren Polas. Zu Ehren oon Polas großartiger Aida. Kommt, kommt, kommt, — — unten im Speisesaal gibt’s sicher noch Bekannte."
Man hörte den ßift h"raufkommen, die Gittertür öffnete sich, und gleich darauf erschien in der Stellung des Korridors ein eiliger Kellner mit einer Weinflasche. Die Pachoven rannte ihm entgegen.
„ßaffen Sie den Fahrstuhl oben", rief sie ihm' zu, „wir fahren sofort hinunter."
Der Kellner verschwand in einem der Zimmer und ließ den Fahrstuhl offen. t
Die ßurfner stand gerade im Knie des Korridors und warf einen gehetzten Blick nach der offenen Gittertür, dahinter in feiner spiegelnden Glasröhre, spiegelnd und gläsern, der ßift wartete. „Ich bin übermüdet, ich wollte zu Bett", sagte die ßurfner. Gredler erschrak vor diesem Wort und vor Polas Gesichtsausdruck. „Sie wird doch noch explodieren", dachte er nervös.
Kortsetzung folgtj


