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(9b Jahrgang Nr. 248 Lrlcveml täglich außer Sonntage und feiertags

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vrühlschellniVerMStrdnlckereiS. La»ge General-Anzeiger füt Oberhessen ^litni'seellraM

Bomben aus fliehende Sowjetschiffe im Seegebiet von Odessa.

Sechs Handelsschiffe mit etwa 30000 BRT. versenkt. - Verfolgung zwischen Asowschem Meer und Oonez. Bomben auf Moskau und Leningrad.

Oer Wehrmachiberichi.

DTCB. Aus dem Führerhauplquarller, 17. Oft Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Unter dem Oberbefehl des Staatsführers von Rumänien, Marschall Antonescu, hat eine rumänische Armee, geführt von Korpsgene­ral Iacobici und unterstützt von wenigen Son« »erverban-den des deutschen Heeres omb der d e utfchen Luftwaffe, am 16. Ok- lober Stadt und Hafen Odessa genommen. Damit wurden die leit zwei Monaten andauernden Kämpfe gegen den in tiefgegliederten Feldstellungen sor Odessa haltenden Gegner siegreich zum Ab- chluh gebracht. Die Beute ist noch nicht zu über- i<hen.

Mit Odessa wurde dem Feind ein bedeutendes Industriezentrum, eine seiner wichtigsten Städte und der größte Hafen am Schwarzen Meer ent­rissen.

3m Seegebiet vor Odessa griff die deutsche Luftwaffe Transporter des aus der Stadt fliehen- ben Feindes mit großem Erfolg an. Sie oer- senkte durch Vombenvolltreffer sechs h a n - >elsfchiffe mit zusammen etwa 30000 BRT.

A ch t weitere große Schiffe wurden schwer ge­troffen, ein sowjetisches Schnellboot vernichtet.

Zwischen Asowschem Meer und D o n e z wird die Verfolgung des geschlagenen Feindes durch deutsche, italienische, ungarische und slowa­kische Truppen fortgesetzt.

3m Vordabschnitt der O st front nahmen Verbände der spanischen Legion erfolgreich an den Kämpfen teil. 3m übrigen verlaufen die Operationen im Osten planmäßig.

Wirkungsvolle Luftangriffe richteten sich am gestrigen Tage und in der letzten Nacht gegen kriegswichtige Anlagen in Moskau. Auch L e - ulngrad wurde in der Nacht zum 17. Oktober erneut bombardiert.

Vor der Humber-Mündung und westlich der Scilly-3useln wurden ein großes Han­delsschiff und ein weiteres Schiff von 1500 BRT. durch Bombenwurf versenkt. An der englischen Südost- und Westküste belegten Kampfflugzeuge Hafenanlagen des Feindes mit Bomben.

Einige britische Bomber warfen in der letzten Nacht in Westdeutschland Spreng- und Brandbom­ben. 3n einigen Orten entstanden unerhebliche Schäden. Ein feindliches Flugzeug wurde abge- schosseu.

Die berühmte Melieu-Terraffe in Odessa.

LL

Einer der charakteristischen Punkte der großen Hafenstadt Odessa. (Scherl-Archiv-M.)

Odessa.

Nach zweimonatigen schweren Kamp en um die wichtigste sowjetische Schwarzmeerhafenstadt Odessa 1t es der tapferen rumänischen Armee Antones- :u5 gelungen, den verzweifelten Widerstand der Bolschewisten, den sie in tiefgegliederten Feldstel- ismgen vor Odessa leisteten, zu brechen und gemein­em mit Sonderoerbänden des deutschen Heeres und ter deutschen Luftwaffe am. Spätnachmittag des Donnerstag in die schwer durch die Kämpfe mitge= lommene Stadt einzurücken. Wieder einmal haben 'ich Sowjets und Briten als schlechte Propheten 'Nviesen, sie hatten behauptet, daß kein feindlicher Soldat als Eroberer in die Stadt eindringen wurde. Oeute weht als verdienter Lohn für heldenmütige Tapferkeit die rumänische Kriegsflagge über Odessa. 5s ist verständlich, daß die Sowjets, nachdem Ihnen durch blitzschnelles Zupacken deutscher Kamps- Verbände der wichtige Hafen Nikolajew an der Zug-Mündung vor rund zwei Monckten entrissen worden war, alles daransetzten, um Odessa zu hai- <n, da dieser wichtige Hafen für sie ebenso große militärische Bedeutung wie Presttgewert hatte. Mit texs Verlust Odessas sind die sowjettschen Seestrett- 'räfte nur noch auf wenige Zweit- und drttt- -vngige Schwarzmeerhäfen angewiesen. Das deulscye 3olt beglückwünscht das rumänische für diesen ge- »altigen Sieg.»Die rumänische Wehrmacht hat mit :en Kämpfen um und mit der Eroberung Odessas )en Nachweis erbracht, daß sie unter der wett- chauenden Initiative ihres Regierungschefs und Narschalls mit einem Geist erfüllt wurde, der dem 3eift der Wehrmacht Adolf Hitlers nach^ifer^ Die Lehrzeit, die die rumänische Armee aus Wunsch de Marschalls Antonescu in der Schule deutscher Lebr- neister durchgemacht Hat, hat mit der Einnahme Odessas die schönsten Früchte getragen.

Seit dem Zusammenbruch des Zarenreiches Y Odessa eine wechselvolle und leidvolle P^'ungszett verstehen müssen. Im Oktober 1917 ruckten unter Teüjura die Ukrainer in Odessa ein, aber schon em Vierteljahr später kam es zwischen den Bolschew - r en und den Pelljura-Anhängern um Ode sa zu chweren Kämpfen, wobei die Petsiura-Regierung -ertrieben wurde. Die bolschewistische SchreckenszeU 2urde damals nur auf kurze Zett von Mitte Marz '$18 ab durch die Besetzung deutscher und oster rsichisch-ungarischer Truppenteile unterbrochem Nach Drem Abzug kam es innerhalb der Mauern Odessas mischen der Hetman-Regierung und den Bolscye ^ten zu blutigen Kämpfen, in welche auch die ranzösische Flotte gegen die Bolschewisten emgriss. schließlich landeten Ausgang November 1918 fran Dsische, griechische, serbische und ^lnische Truppen n Odessa. Nachdem diese im April E die «tato nieder räumten, übernahmen sofort wieder die ^ow«

jets die Herrschaft in Odessa, bis sie im August 1919 durch die Weiße Armee Denikins erneut, allerdings nur auf sechs Monate, vertrieben wurden. Vom Februar 1920 ab bis zum 16. Oktober 1941 blieben die Sowjets unumschränkte Herrscher Odessas. End­lich hat nun für diese schwergeprüfte Stadt die Be­freiungsstunde geschlagen.

Wie Odessa fiel.

Mailand, 17. Oktober. (Europapreß.) Wie der Kriegsberichterstatter des(Sortiere della Sera" mel­det, ist der D u r ch d r u ch durch den bolschewisti­schen Derteidigungsgürtel auf einer Breite von mehreren Kilometern erfolgt. Drei Kolonnen hätten fast gleichzeitig in nordwestlicher, westlicher und südwestlicher Richtung die Befesti­gungsanlagen der Stadt erstürmt. Mit den Ru­mänen hätten deutsche Verbände schwerer Ar­tillerie und Sturmtruppen zusammen- gearbeitet. Der Einsatz der tief gestaffelten schweren Geschütze habe die Befestigungsanlagen der Stadt van Westen her zwischen der Eisenbahnlinie und dem Meere bezwungen.

Begeisterung in Bukarest.

Bukarest, 17. Oki. (Europapreß.) Am Freitag sammelte sich eine ungeheure TFenge Schulkinder unb Mitglieder der patriotischen Verbände vor dem königlichen Palais, um ihre Freude über die Ein­nahme Odessas kundzugeben. Don hier aus strömte die Menge dem Palais des Ministerpräsidenten zu, und von dort begab sie sich zu der deutschen Ge­sandtschaft. Auch noch in den ersten Nachmittags­stunden zogen unendliche Mengen aus allen Schich­ten der Bevölkerung, geleitet von Musikkapellen, und mit Fahnen durch die Straßen und gaben ihrer Begeisterung für General Antonescu, für den Führer und für die deutsche und rumänische Armee Ausdruck. Alle Schulen und Beamten waren auf- aezogen Ferner nahmen auch Einheiten der Buka­rester Garnison, die vormilitärische Ausbildungs­organisation sowie zahlreiche patriotische Verbände in geschlossenen Reihen an der Kundgebung teil.

Britische Offiziere als Befehlshaber der irakischen Armee.

Ankara, 17. Oft (Europapreß.) Einige hun­dert brttische Offiziere trafen von Indien und Aegypten kommend in Bagdad eirt, um hier als Instrukteure für die irakische Armee tätig zu sein unb bie Befehlsgewalt nach dem vom neuen Mi- nisterpräsibenten mit britischen Militärbehörden unterzeichneten Abkommen zu übernehmen. Das

Eintreffen dieser britischen Offiziere hat die Oppo- sttion des irakischen Offizierskorps gegen den Kurs Nuri Saids weiter verstärkt.

England als Zuschauern

Stockholm, 17. Oft. (Europapreß.) Die Kom­mentare, mit denen London den Ablauf der mili­tärischen Ereignisse im Osten begleitet, sind in mehr­facher Hinsicht zwiespältig. DerDaily Telegraph" legt besonderen Wert darauf zu betonen, baßbie russische Regierung von heute niemals mit den Ein­bringungen verhanbeln wirb". Wenn bie sowje­tische Regierung aus Moskau vertrieben werbe, so heißt es imDaily Telegraph", bann werbe ihre Abreise ben unerschütterlichen Beschluß bezeugen, zu kämpfen auf Leben unb Tob, bis dieser Kampf mit einem Siege enden werde. Es gebe feine An­zeichen von Desorganisation in der sowjetischen Ar­mee. Die Aufgabe Großbritanniens unb ber Ver­einigten Staaten fei es, bie Jnbustrieverluste ber Sowjets zu fompenfieren unb bietapferen sow­jetischen Truppen für ben Frühjahrsfelbzug neu auszurüsten".

In ber Tatsache, baß biefe Kommentare sich auf noch ungewisse Zukunftsmöglichkeiten beziehen, kommt Englands Rolle als rein passiver Zuschauer zum Ausdruck, vor ber bie englische Presse Chur­chill in ben letzten Tagen gewarnt hat, bie ber britische Ministerpräsibent jeboch nicht verhindern konnte. In der englischen Oeffentlichkeit herrscht ein sehr starkes Gefühl dafür, daß England in der Sowjetunion noch weniger als in irgendeinem an­deren europäischen Land, das mit England ver­bündet war, mit Ausnahme Polens Gelegen­heit erhalten hat, auf die militärischen Operationen entscheidenden Einfluß zu nehmen. Das englische Volk hatte von Churchill mehr erwartet. Die Re­gierung sucht den unvermeidlichen Enttäuschungen durch bie erwähnten Zukunftsperspektiven vorzu­beugen. Daraus wirb bie Scheu erklärlich, bie Dinge in ber Sowjetunion beim rechten Namen zu nennen. Auch bie Forderung nach einer erhöhten Rüstungsproduktion dient dazu, ein neues Thema in bie Debatte zu werfen unb in ben Gedanken des englischen Volkes die großen militärischen Er­eignisse an ber Ostfront nicht bie Oberhand ge­winnen zu lassen. In diesem Sinne werden auch die soeben veröffentlichten Berichte Lord ©orts über ben Felbzug in Frankreich 1940 mit bem Kommentar versehen, bie Lehre bes Krieges im Westen sei, baß alle Tapferkeit nichts nütze, wenn man schlecht ausgerüstet sei. Auf ben Zustand ber sowjetischen Armee in bem Augenblick, in bem sie ben Krieg begann, kann biefer Satz aUerbings nicht angewendet werden. Die englische Regierung beabsichtigt offenbar mit ber starken Herausstellung ber Berichte Lord Gorts eine öffentliche Erklärung bafür zu liefern, baß Englanb bie von ber Sow­jetunion geforberte (Sntlaftungsoffenfioe nicht un­ternehmen konnte.

9er letzte Festlandsdegen.

Auch bie vergangene Woche stand im Zeichen bes stürmischen Fortschreitens ber deutschen Angriffs- unb SBerfolgungsoperationen im Osten. In bem un­geheuren Raum zwischen ber Waldai-Höhe, bem Quellgebiet ber Wolga, unb dem Asowschen Meer, also auf einer Breite von 1200 Kilometer, meldete ber Wehrmachtbericht vom letzten Sonntag bie Front ber beutschen unb verbündeten Truppen in unaufhaltsamer Bewegung ostwärts. Die Schlachtfel- ber ber großen Umfassungen unb Einkesselungen von Wjasma unb Brjansk im mittleren Frontabschnitt lagen bamals bereits weit hinter der Front. Schon die folgenden Tage brachten bie fortschreitende Aus­lösung und Vernichtung der in biesen Kesseln ein­geschlossenen Truppen. Die Zahlen ber hier gemach­ten Gefangenen g ui gen von Tag zu Tag sprung­haft in bie Höhe. Der Wehrmachtbericht vom Mitt­woch meldete mehr als 500 000 Gefangene, womit bie Gesamtzahl der seit Beginn des Ostfelbzuges schon jetzt die Höhe von drei Millionen weit über­schritten hatte. Diese Kessel weit hinter sich lassend, aus denen alle sowjetischen Durchbruchsversuche am eisernen Ring ber deutschen Umklammerung unter schwersten blutigen Verlusten für den Feind zusam­menbrachen, drangen Truppen der mittleren deut­schen Heeresgruppe in stürmischem Vorgehen gegen Moskau an. Am Donnerstag meldete bereits ber Wehrmachtbericht, baß an mehreren Stellen um die 100 Kilometer vor Moskau verlaufende äußere Verteidigungslinie ber sowjetischen Hauptstadt ge­kämpft wirb. Der linke deutsche Flügel hat weit nach Norden ausholend bie von Moskau in schnur­gerader Richtung nach Leningrad führende Bahn­linie, bie bereits vor ber Einschließung ßeningrabs weiter nörblich in kühnem Handstreich von deutschen Truppen unterbrochen wurde, womit Leningrad seine wichtigste Landverbindung einbüßte, nun auch bei dem wichtigen Verkehrsknotenpunkt Kalinin er­reicht, der alten Stadt Twer am Oberlauf der Wolga, etwa 100 Kilometer nordwestlich von Mos­kau. Auf dem rechten Flügel des mittleren Front­abschnitts ist Kaluga in deutscher Hand, bie letzte größere Stabt vor Moskau auf ber Strecke Kiew Moskau.

Im süblichen Frontabschnitt hatte bie Schlacht am Asowschen Meer, deren Abschluß der Wehrmacht­bericht vom vergangenen Sonntag meldete, den letzten Riegel fortgeräumt, der ben Zugang zum Donez-Becken, dem wichtigsten Inbustriegebiet ber Ukraine, sperrte. Wir haben über diese Operationen bereits ausführlich berichtet. Mit. Berdjansk und Mariupol waren schon am 7. und 8. Oktober wich­tige Hafenstädte bes Asowschen Meeres in deutsche Hand gekommen. Sein bedeutendster 3ufIuB, ber Don, mit 1900 Kilometer Länge, nächst Wolga unb Dnjepr ber größte Strom bes europäischen Ruß­lands, ist damit bereits in den Kreis der deutschen Operationen gerückt. 50 Kilometer vor seiner Mün-

Tieues römisches Wachstum.

Von unserem M. P.-Korrespondenten.

R o rn, Anfang Oktober.

Manchmal schüttet es in diesen ersten Oktober­tagen wie mit Kannen vom Himmel. Der oon ber Sonne des Hochsommers ausgedörrte, in Sprünge zerrissene Boden des Landes trinkt sich übersatt, unb, als hätte es nur auf diese Güsse ge rn artet, schießt junges Grün aus dem Boden. Jetzt ist auch die Zeit, in der bald in diesem, bald in jenem Weinort der Umgebung Roms das Fest der Weintraube gefeiert wird. Neulich hat es auch Rom begangen. Die Stände ber Händler, bie mit den ersten Trauben an allen Plätzen unb Straßen­ecken emporgeschossen waren, hatten sich mit Föhn chen unb golbenen Papierketten geschmückt, unb bie Traubenkenner sahen es mit Wohlgefallen.

Reich unb prangend in den lodernden Farben der gelben und roten Pfefferfchoten, ber blauen Trauben, ber Aepfel unb Granatäpfel, ber bunten Kürbisse, Auberginen und Melonen ist ber Herbst in Rom. Hat auch bie Ernte nicht alle Hoffnungen erfüllt, so werben boch alle bie vielen Münder satt werden. Denn bie Zahl ber Münber wirb immer größer. Die uralte Stabt hat keinerlei greisenhafte Neigungen, unb wenn ber Raum nicht reicht, so greift sie weiter hinaus in bie latinische Ebene, hebt sich wie eine Welle ben Bergen entgegen, strömt wie ein Fluß dem Meere zu.

In ben Sommermonaten biefes Jahres hat sich bie römische Oeffentlichkeit unb Presse biefer Fragen sehr angenommen. Nach beiben Richtungen, nach den Bergen ber Castelli Romani wie nach bem Meer, hctt Rom bereits Aorpostenstellungen er­obert. In ben Castelli, zu benen eine häufig ver- kehrenbe, schnell unb billig fahrende Ueberland- straßenbahn führt, stehen bie Dillen ber Römer schon seit klassischen Zeiten. Aus Horaz kennt man die Beschreibung des Reisezuges, wie er reiche Frei­gelassene mit Sklaven und Dienern, mit Reit- und Tragtieren bie Dia Appia hinauszog, unb auch ben Schrank mit ben Weinkrügen nicht vergaß. Auch heute zieht sich ber Kranz ber Villen dort hinaus. Von ben Terrassen geht ber Blick über bie Ebene Latiums bis dahin, wo im Dunst ber Sommerhitze die Kuppeln Roms schimmern und, wenn es klar ist, bis ans Meer.

Der Fühler zum Meer folgt der Linie der Schnell­bahn nach bem römischen Libo. Die Reste des alten Ostia, an deren Freilegung man noch immer ar­beitet, läßt er rechts liegen und wo der erste Duft des Meeres weht, beginnen auch schon bie Villen wieder. An diesem Ausfallweg, der in großen Zü­gen dem Weg bes Tiber zum Meer folgt, entwickelt sich bas Gelände ber Weltausstellung mit seinen ersten kühnen Bauten, vor allem einem vielfen- ftrigen Turmbau, ben man bis zu den Terrassen bes Pincio sieht unb ber erkennen läßt, wie weit sich Rom schon bem Meere entgegenstreckt.

Ein neues Moment, das dem Wachsen Roms eine neue Richtung geben wird, ist in diesen Tagen in die Diskussion geworfen worden: die Neuord­

nung der italienischen Industrie. Es soll endlich mit der gefährlichen Entwicklung gebro­chen werben, daß Rom gewissermaßen nur ver­zehrt, was das übrige Italien schafft. Gewiß war es einer ber großen Reize landschaftlicher Art, bie Rom den meisten anderen Hauptstädten Europas voraus hatte, daß man sich bei Ankunft unb Ab­fahrt nicht durch die Industrieviertel zu winden brauchte, und das Bild der Stadt, von wo immer man es betrachtete, nicht durch rauchende Schorn­steine entstellt war.

Rom ist aber schon zur Zeit seiner Anfänge kei­neswegs lediglich bas Marktzentrum einer Land­schaft gewesen, die ihre Erzeugnisse aus Ackerbau unb Viehzucht borthin brachte. Schon im Rom der Könige waren bie oerarbeitenben Industrien zu Hause, unb der alte Glaube an dieSiebenhügel- ftabt" bezieht sich nicht auf Hügel im landschaft­lichen Sinne, sondern auf die sieben Zünfte, die bie Grunblagen bes Wohlstanbes ber Stabt bildeten, Schmiede unb Kupferschmiede, Seiler unb Segel­macher, Schiffszimmerleute, Metallgießer und Weber.

Auf diese alte Ueberlieferung will das Rom von heute zurückgreifen. 135 Jndustrieunternehmungen haben bereits einen Flächenraum von über 3,5 Mil­lionen Quadratmeter in der neuen mittelitalie­nischen Industriezone angefordert, deren Herz Rom sein wird. 50 Firmen gehören zur mechanischen, 29 zur holzverarbeitenden Industrie; dazu kommen 16 chemische Fabriken, zehn Unternehmen der Ernäh­rungsindustrie sowie kleinere Gruppen aus ber Marmoroerarbeitung, ber Textilindustrie, bem Pa­pier- unb Druckfach unb ber ©lasoerarbeitung. Dreißigtausenb Menschen sollen allein in biesen ersten Vorläufern ber neuen Industriezone Brot unb Arbeit finden.

Ueberall ist die Jugend Roms. Abends sitzen die winzigen Kinder auf den Armen der Mütter müde in bdn Straßenbahnen, wenn sie von Aus­flügen in die Umgebung zurückkommen. Kinder­wagen haben sich, wie in den meisten südlichen Län­dern, nicht recht durchgesetzt; ihre Zahl im Verhält­nis zu der ungeheuren Kinderschar ist unwesentlich. Die Größeren toben auf ber von ber Sonne aus« gebörrten Grasnarbe des Pincio, dieses Kinderpa­radieses, wo man Esel reiten kann und es alle mög­lichen anderen Kinbervergnügungsmöglichkeiten gibt. An ben Rändern der Grünflächen sitzen auf ben Bänken bie buntgekleideten Ammen, Tanten und Großmütter. Aber, wenn der Pulcinella das Kasperltheater eine besonders aufregende Szene zum besten gibt, sammeln sich auch die Erwachsenen um seine Bude. Man könnte das alles kaum malen, denn die ewige Bewegung würde bei der bunten Schar fehlen. Rot ist vor dem Grün der Bäume und Büsche die bestimmende Farbe, Rot in allen seinen Schattierungen. Durch die riesigen Pinien scheint die Sonne und läßt hie und da einen solchen Farbfleck aufglühen; und der blaue Himmel Roms schimmert darüber.