Seefestung Singapur und dem Indischen Ozean eine ähnliche, zumindest für die nächste Zeit wirk» fame Flankensicherung verschafft, wie jenseits der Philippinen gegenüber amerikanischen Operationen im Stillen Ozean.
„Wir fühlen uns jetzt stark genug, mächtige See- streitträste, die sich aus schwersten Einheiten und den dazu gehörigen Hilfsschiffen zusammensetzen, für den Dienst im Indischen und Pazifischen Ozean bereitzuhalten." So renommierte Churchill am 10. November 1941 anläßlich der Amtseinführung des neuen Oberbürgermeisters der City von London. Es war dieselbe Rede, in der er von der britischen Luftwaffe sagte, daß sie „an Nachteinsatz und Zahl der deutschen Luftwaffe mindestens ebenbürtig ist, nicht zu sprechen von ihrer qualitativen lieber- legenheit". Das war am 10. November 1941, am 10. Dezember 1941 schlugen über jenen schweren englischen Seestreitkrästen im Fernen Osten, von denen Churchill gesprochen hatte, die Fluten zweier Ozeane zusammen. Der „Prince o f Wale s" und die „Repuls e" sind dort gesunken, wo sich der Indische und der Pazifische Ozean berühren. Der Schlußstrich unter die Churchillsche Abwandlung des alten Themas „Britannia rules the waves" ist in diesem Fall mit einer drastischen Schnelligkeit gezogen worden. Der „Prince of Wales" und die „Repulse" sind vor etwa zehn Tagen in Singapur eingetrofien. Die Londoner Admiralität war des frohesten Glaubens voll. Im Stolz, beide Schiffe nach dem Fernen Osten zu entsenden, haben sie aus dieser wichtigen Flottenbewegung kein Geheimnis gemacht. Beide Schiffe nahmen Aufenthalt in Kapstadt und wurden dort zahlreichen Besuchern mit Stolz gezeigt.
Warum war denn Churchill so stolz auf die Entsendung der beiden großen Kästen nach Singapur? Der psychologische Urgrund seiner Renomisterei ist klar: Ihn hat es tief gewurmt, daß England im Fernen Osten bloß durch ein Kreuzergeschwader vertreten war, das nur den Vorteil' hatte, daß es vor den schweren Seestreitkräften der Japaner sich vielleicht im Schutz der schweren Geschütze Singapurs verbergen konnte. Diese Schwäche Großbritanniens im Fernen Osten datiert seit Jahren. Alles, was die Engländer dort haben — mag es sich um den Ausbau von Singapur, mag es sich um die bis 1934 zurückreichenden Besprechungen mit den Vertretern von Holländisch-Indien handeln —, war und blieb Stückwerk oder mir nur vage Hoffnung, solange England nicht mit lehr viel stärkeren Kräften zur See und in der Luft vertreten war. Bis dahin zehrte England im Fernen Osten von seinem Prestige. Die tatsächliche Vorhand aber war an die Vereinigten Staaten als Gegenspieler Japans übergegangen. Nun sind auch die Amerikaner niemals riesenstark gewesen. Ihre Großkampfichrffe sind zwar zahlreich, aber veraltet und haben eine zu geringe Geschwindigkeit: ihre Dockanlagen, ohne die eine Kriegsflotte mcht dauernd schlagfertig bleiben kann, sind teils zahlenmäßig, teils technisch ungenügend.
Die Landoperationen im Raum des Indischen und Pazifischen Ozeans hängen davon ab, daß sie von feindlichen Flotteneinwirkungen ungestört verlaufen. Diese Garantie haben jetzt die Japaner mindestens für eine geraume Zeit von Wochen, in denen sie das Glück beim Schopfe fassen können. Japan operiert auf der inneren Linie, England ^nd die USA. treten auf der äußeren Linie an. Sie haben die größten Entfernungen zu überwinden, die auf unserem Planeten überhaupt denkbar sind. Japan hat nur einen Bruchteil dieser Entfernungen zu überwinden. Jeder englische und amerikanische Verlust rechnet daher drei- oder vierfach.
Das sind die greifbaren Folgen der Versenkung des „Prince of Wales" und der „Repulse". Ebenso wichtig sind die psychologischen Wirkungen. Die Japaner haben diese von vornherein in Rechnung gestellt. Ihre Angriffe auf die Hawai-Jnseln, auf die Midway- und Wake-Inseln, auf Guam und die Philippinen, ihre Landungen auf der Malaiischen Halbinsel und im Gebiet von Singapur, ihr Einmarsch in Bangkong, der Hauptstadt Thailands, stärken das Vertrauen im eigenen Land: sie haben das Ansehen bei den vielen Völkern Ostasiens und der Südsee: sie wirken wie ein ungeheurer Dämpfer auf die Vereinigten Staaten und auf England. Die Stimmung in Washington und London ist äußerst gedrückt. Die Großsprecherei und der Bluff sind mit der „West-Virginia" und der „Oklahoma", mit dem „Prince of Wales" und der „Repulse" verschwunden.
z Dr. Ho.
Portugal bringt seine Gold- und Silber-Bestände heim.
Lissabon, 11. Dezember. (Europapreß.) Im Hinblick auf den Ernst der Lage im Fernen Osten hat sich die portugiesische Regierung veranlaßt gesehen, die in der portugiesischen Kolonie Timor lagernden Gold- und Silberbestände nach Portu-
Schiffe der Erinnerung.
Unten das Schlachtschiff „Prince of Wales", oben das Schluchtschiff „Repulse". (Aufnahmen: AP. u. Scherl-M.)
Der „Prince o f Wale s" gehörte mit dem „King George V." zu den ersten modernen Großkampfschiffen der „King-George-V."-Klasse. Beide Schiffe wurden in diesem Frühjahr kurz hintereinander eingestellt. Der „King George V." brachte den englischen Botschafter Halifax im Januar 1941 nach den Vereinigten Staaten. Auch der „Prince of Wales" hat eine „politische" Rolle gespielt. Auf ihm fand das Atlantik-Treffen zwischen Churchill und Roosevelt am 14. August statt. Die übrigen drei Großkampfschiffe der „King-George-V."-Klasse waren für die Einstellung in den Flottendienst zu Ende dieses Jahres vorgesehen. Auch der Panzerkreuzer „R e p u l s e" ist ein „politisches" Schiff oder mindestens ein Kampfschiff mit kriegsgeschichtlicher Vergangenheit. Er und sein Schwesterschiff „Renown" sind Schlachtkreuzer, die als leicht gepanzerte, flach
gehsnde und sehr schnelle Schiffe während des Weltkrieges. für die damals geplanten Operationen in der Ostsee vorgesehen waren. Jetzt hat die „Repulse" (Abwehr) ihr Schicksal nicht in der Ostsee, wohl aber im Fernen Osten erreicht! Man muß sich entsinnen, mit welchem Reklamegeschrei die Engländer die Entsendung der Schlachtschiffe „Prince of Wales" und „Repulse" nach dem Fernen Osten begleitet hatten. Das sollte die Japaner einschüchtern. Diese gewaltigen Schlachtschiffe (der „Prince os Wales" ist ein ganz neues Schlachtschiff von 35 000 Tonnen, Die „Repulse" ein älteres, aber umgebautes von 32 000 Tonnen) sollten die englische Flottenmacht in Singapur gewissermaßen dokumentieren. Jetzt liegen die beiden Schiffe auf dem Meeresgrund. Mit unerhörtem Schneid haben japanische Flugzeuge sie angegriffen und versenkt.
gal au befördern. Ein portugiesisches Kriegsschiff soll Diese Gold- und Silberbestände heimbringen.
Der Wehrmachiberichi.
» DRV. Aus dem Führerhauptquartler, 10. Dezember. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
An der O st f r o n t wurden örtliche Angriffe des Feindes erfolgreich abgewehrt, hierbei erlitt der Gegner erneut schwere blutige Verluste.
Die Luftwaffe zersprengte mit starken Kräften im Sudabschnitt der Oft front Truppenansammlungen sowie Panzerbereitstellungen und bombardierte wirksam Flugplätze der Sowjets. Auch im Raum um Moskau sowie nordostwärts des Ilmensees erlitt der Feind durch Angriffe von Kampfflugzeugen erhebliche Verluste.
3n Nordafrika dauern die schweren Kämpfe an. Deutsche und italienische Sturzkampfflugzeuge bekämpften wirksam britifche Fahrzeugkolonnen und Flakstellungen. Deutsche Jäger schossen bei Tobruk fünf feindliche Flugzeuge ab.
Bolschewistische Vorstöße zurückgewiesen.
Berlik, 10. Dez. (DNB.) Im Südteil der Ostfront wiesen die deutschen Truppen am 9. Dezember wiederum stärkere bolschewistische Angriffe unter schwersten Verlusten für den Feind ab. Mit starker Unterstützung durch Artillerie, Panzerkampfwagen und Kampfflugzeuge griff bolschewistische Jnfan-, terie die deutschen Stellungen im Abschnitt eines Armeekorvs an. Obwohl die deutschen Soldaten heftigem feindlichen Artilleriefeuer und den Angriffen der tieffliegenden Feindflugzeuge ausgesetzt waren, verloren sie keinen Augenblick ihre kaltblütige Ueberlegenheit bei der Abwehr der bolschewistischen Infanterie, die in hichten Massen über die breite, leicht ansteigende Ebene gegen die deutschen Stellungen anrannte. In dem heftigen Abwehrfeuer der deutschen Maschinengewehre und der Artillerie verlangsamte sich mehr und mehr das Tempo des feindlichen Angriffes, der 200 Meter vor den vordersten Stellungen der deutschen Truppen
a u m Stehen kam. Nur einem kleinen Teil feindlicher Panzerkampswagen gelang es, in die vordersten deutschen Linien einzubrechen, deutsche Stoßtrupps vernichteten den größten Teil von ihnen durch geballte Ladungen und Panzerbüchsen. Die restlichen entzogen sich durch schnelle Flucht der Vernichtung.
Der italienische Bericht.
Rom, 10. Dez. (DNB.) Der italienische Wehrmachtbericht vom Mittwoch hat folgenden Wortlaut:
Im Abschnitt von S o H u m verstärkte sich der gegnerische Druck auf die von unseren Truppen gehaltenen Stellungen.
Südlich von Tobruk dauerten die Kämpfe an, wobei feindliche Panzereinheiten vernichtet wurden.
Luftoerbände der Achse wiederholten mit Erfolg die Angriffe gegen beträchtliche Kraftwagenansammlungen des Feindes östlich von B i r e I Gobi und auf dem Marsch befindliche Autokolonnen. Auch Tobruk und starke Ansammlungen von Panzereinheiten im Gebiet östlich von Tobruk wurden wirksam bombardiert.
In zahlreichen Luftkämpfen wurden 19 feindliche Flugzeuge abgeschossen; 13 davon von den neuen italienischen Jagdflugzeugen, sechs von deutschen Jagdflugzeugen. Zwei feindliche Flugzeuge wurden von der Bodenabwehr von Agedabia und Sollum abgeschossen.. Acht unserer Flugzeuge sind nicht zurückgekehrt.
Feindliche Flugzeuge warfen Bomben auf Demo und Bardia ab. In der letzten Ortschaft wurden zwei Feldlazarette, die sichtbar das Rote- Kreuz-Zeichen trugen, getroffen, wobei einige Insassen verletzt rourüen. In der Nacht zum 10. griff die feindliche Luftwaffe Trapani an, unbedeutende Schäden.
Unsere Flugzeuge bombardierten mit sichtbarer Wirkung Ziele auf der Insel Malta. Einer unserer Dampfer, der sich mit 2000 britischen Gefangenen auf der Rückfahrt von Libyen be- and, wurde an der griechischen Küste von einem eindlichen U-Boot torpediert. Die Rettungsaktionen ind im Gange.
Aeneralfeldmarschall von Böhm-Ermolli gestorben.
Berlin, 10. Dez. (DNB.) Generalfeldmarschai Eduard Freiherr von Böhm-Ermolli st im Alter von 85 Jahren gestorben. Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat ein Staatsbegräbnis für den Verewigten befohlen. Der Staatsakt findet am 14. Dezember vor der Hofburg in Wien statt. Die Beisetzung erfolj in Troppau. Aus einer alten österreichischen Ossi. Aiersfamilie stammend, wurde Böhm-Ermolli als Der älteste von fünf Geschwistern 1856 in Ancon, geboren. Drei Jahre später Aogen seine Eltern natz Troppau, wo der Generalseldmarschall später feinen Lebensabend verbringen sollte. Mit zehn Jahren trat er in das Kadetteninstitut in St. Pölten, 1875 wurde er aus der Wiener-Neustädter Militärakademie zuni Dragoner-Regiment 4 ausgemustert. In der Folge war er Kommandeur des Ulanen-Regiments 3, der 16. Kavallerie-Brigade, der Kavallerie-Truppen Division Krakau und seit 1911 des I. Armee-Korp, in Krakau. Als Oberbefehlshaber der 2. Armee rückte er 1914 zunächst gegen Serbien ins Feld, feine Armee wurde noch im August an die galizische Front geworfen. Im weiteren Verlauf des Krieges war es nach schweren Kämpfen in den Karpale, , dem General beschieden, nach dem Durchbruch von Gorlice-Tarnow den Russen eine Niederlage bei- zubringen und als Befreier in Lemberg einzumarschieren. September' 1916 rou*e er an die Spitze einer Heeresgruppe gestellt, die die Front von Lemberg bis zum Fuß der Karpaten schützte. Zum Generalfeldmarschall befördert, drang er nach Dem Zusammenbruch Rußlands in die südliche Ukraine vor und nahm Mitte März Odessa. Der Generalstld» marschall war Kommandeur des Militär-Maria- Theresia-Ordens, Ritter des Ordens Pour le m^rite mit Eichenlaub und Inhaber des Sterns des Groh» kreuzes des St. Stephans- und Leopold-Ordens. Nach der Rückkehr des Sudetenlandes in das Groh, deutsche Reich verlieh der Führer dem Feldmarschall die Uniform eines deutschen Generalseldmarschall^ Noch am Heldengedenktag dieses Jahres weilte Te» ncralfeldmarschall von Böhm-Ermolli in Berlin.
Meine politische Nachricht«».
Am Mtttwoch fand in Turin eine Besprechuns zwischen dem italienischen Außenminister Graff Ciano und dem stellvertretenden Ministerpräfi. benten und Außenminister der französischen Regtz- rung, Admiral Darlan^ statt.
Eine am Dienstagabend veröffentlichte türkische Neutralitätserklärung, die zweite während dieses Krieges, wird in der türkischen Hauptstadt als neuer Beweis für die kontinuierliche Fortführung der türkischen Außenpolitik bewertet.
Das japanische Außenamt teilt mit, daß dis Schweizer Gesandtschaft die Wahrung der nord- amerikanischen Interessen in Japan übernommen habe.
3000 Ungarn, 1500 Rumänen und 450 Finne» wurden in England in Konzentrationslager über- geführt. Auf Grund der Kriegserklärung Englands an diese Länder fallen sie jetzt unter die Bezeichnung „feindliche Ausländer".
Die schweizerische Bundesversammlung hat de» Bundesrat Dr. Etter, Chef des Eidgenössische» Departements des Innern, zum Dundespräsiben» tcn für das kommende Jahr gewählt.
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Italien hat an Brasilien acht italienische Schiffe von insgesamt 60 000 Tonnen mit RückkaufsreÄl nach dem Kriege verkauft. Die Schiffe waren durch den Kriegsausbruch in brasilianischen Häfen feft= gehalten und werden nun dem Verkehr zwischen amerikanischen Ländern dienen, mit Ausnahme derjenigen Länder, mit denen sich Italien im Kriegs befindet und befinden wird. *
In zahlreichen Lustkämpfen in Nordafrika wurden 19 feindliche Flugzeuge abgeschossen: 13 baoom von den neuen italienischen Jagdflugzeugen, sich« von deutschen Jagdflugzeugen. Zwei wurden do» der Bodenabwehr von Agebadia und Sollum ad- geschossen. Acht italienische Flugzeuge sind nidjd zurückgekehrt.
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Im Kampfe gegen den Bolschewismus fand it» Raum von Kursk Ritterkreuzträger Unteroffizier Herbert Stöckert den Heldentod beim Sturm aufs eine vorn Feinde stark besetzte Höhe.
Nach einer Meldung des Moskauer Rundfunk« ist bas Motorschiff „Jakutin" als letztes Schiff des Ncwigationsperiobe 1941 im Hafen von Archangelsk eingelaufen. Es fei jetzt nicht mehr möglich,, den Schiffsverkehr weiter aufrechtzuerhalten.
Explosion in Raum5
Roman von H.C. Hansen
Copyright by Prometheus-Verlag Dr.Eldiadcer, Gröbenzell b.München
10. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Wollen Sie damit sagen, daß Herr Kaspar unschuldig ist?" mischte sich Karla Kobelt ins Gespräch.
Diese klar und deutlich ausgesprochene Frage war für Theo Kammin eine kalte Dusche. Was sollte er Darauf antworten? Er blickte zu dem jungen Mädchen hinüber und bemerkte nun, daß sie höchst eigenartige Augen hatte Waren sie grün, blau ober grau?
„Hm", meinte er unb legte sorgfältig seine Hänbe ineinanber, „zu einem solchen Urteil bin ich nicht befugt, wenigstens nicht in privatem Gespräch."
Karla lachte tlingenb. „Es ist boch sicher vorauszusetzen, daß bie Polizei keinen angesehenen Mann verhaftet, wenn sie ihn nicht für schuldig hält. Allerdings soll es auch schon vorgekommen fein, daß die Polizei sich irrte", fügte sie ein wenig boshaft hinzu.
„Aber Karlal" mahnte die Mutter.
„Warum soll ich nicht fragen? Dabei sind wir beide voller^ Teilnahme, was man Herrn Kaspar vorwirft." Sie bemerkte mit dem sicheren Instinkt der Frau, baß sie im Herzen bes Kriminalkorn- missars Verwirrung hervorries, unb konnte es nicht unterlassen, noch ein wenig nachzuhelfen. „Sie verstehen boch sicher, baß Frauen neugierig sind, Herr Kommissar? Zudem habe ich noch' nie einen leibhaftigen Kriminalisten gesprochen."
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„Dinge dieser Art sind stets zu ernst, als daß man mtt ihnen scherzt, Fräulein Kobelt."
Karla hatte unter den Herren ihrer Bekanntschaft bisher keinen getroffen, der ihr so unverblümt eine Rüge zu erteilen wagte, und biß sich ärgerlich auf
die Lippen. Dieser Hüne wirkte schwerfällig und schoß anscheinend sehr schnell mit schwerem Geschütz wie eine Panzerfestung, die von einem übermütigen Feind leicht gereizt wird. „Sie roahbte ihr Köpfchen zur Seite unb verschaffte bamit ungewollt bem Kommissar bas befriebiaenbe Gefühl ber Ueberlegenheit, bank beren er kecke Ausfälle eines weiblichen Wesens gedämpft hatte.
Frau Kobelt überlegte hastig, wie sie bas Gespräch in unverfängliche Bahnen leiten könne. Da tat sich bie Tür auf, unb Arthur Kobelt, Fabrikant unb Teilhaber bes verhafteten Martin Kaspar, trat ins Zimmer.
Er eilte sofort auf ben Kommissar zu, ber sich erhob. „Ich hörte schon, baß Sie hier sinb, Herr Kommissar. Mein Name ist Kabelt. Bitte, wollen Sie wieber Platz nehmen? Ich bin außer mir." Er schöpfte tief Atem unb fuhr sich mit einem Taschentuch über die nasse Stirn. Seine Zigarrentasche kam zum Vorschein. Kammin nahm eine der bargebote« nen tiefschwarzen Brasil unb zog befriebigt an bem kräftigen Kraut. Bei ber gewohnten männlichen Beschäftigung bes Anzünbens unb Anrauchens gewann Arthur Kabelt feine Fassung wieber unb sah ben Besucher erwartungsvoll an.
„Ich kam zu Ihnen, um einige wichtige Auskünfte einzuholen, Herr Kobelt. Darf ich bitten, baß wir ..."
„Bitte, ganz selbstverstänblich. Ich stehe zur Verfügung." Der Hausherr ließ Kammin gar nicht aus- reben unb machte auch einem zweiten Versuch bes Kommissars, ein Gespräch unter vier Augen herbei- zuführen, ein vorzeitiges Enbe.
„Ich muß mit Ihnen allein sprechen", sagte deshalb Theo Kammin kurz.
„Ah, verstehe. Bitte, kommen Sie mit in mein Zimmer!" Kobelt ftanb auf, nickte Frau unb Tochter zu unb ging voran, um bann den Kommissar durch eine geöffnete Türe eintreten zu lassen.
Die Unterhaltung wurde kürzer, als Kammin angenommen hatte. Zuerst erhielt er eine Bestätigung
der Tatsache, daß der so tragisch ums Leben gekommene Ingenieur Wand eine wichtige Erfindung gemacht hatte, und daß ben beiben anberen Inhabern, also auch Kaspar, biese Tatsache bekannt gewesen war. Auch bas von Bärbel Eberharb zum Teil angehört- Gespräch zwischen Wanb unb Kaspar würbe bestätigt unb in feinem ganzen Umfange ergänzt. Kohelt machte kein Hehl baraus, baß es zwi- scheu seinen beiben Partnern zu einer heftigen Auseinanbersetzung gekommen sei.
Aber Kobelt stellte sich energisch auf ben Stanb- punft, es sei einfach unsinnig anzunehmen, baß Kaspar, ben er seit Jahren gut kenne, an einem Verbrechen beteiligt wäre. Er bestätigte bie Aussage bes Verhafteten über bie Grünbe für besten Verhalten nach ber Explosion. Gewiß, er habe Kaspar auch vorgehalten, man müsse bie Polizei auf alle Details aufmerksam machen, ba vielleicht fein Unglücksfall, fonbern ein Verbrechen vorliege. Aber Kaspar habe sich mit feiner überlegenen Energie energisch bagegen gesträubt unb schließlich die Auffassung Kobelts niedergerungen.
„Haben Sie irgendwelche Gründe für den Verdacht, daß vielleicht von dritter Seite ein Anschlag verübt worden ist?" fragte Kammin eindringlich.
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„Eigentlich nicht", bekannte Kobelt und fügte zögernd hinzu: „wir erlebten nur vor zwei Jahren eine ziemlich merkwürdige Sache. Aus bem Zimmer bes Chefingenieurs verschwanb ein Sprengapparat, ber trotz allen Suchens nicht miebergefunben würbe. Das Zimmer war verschlossen. Unsere Untersuchung ergab, baß an bem Sicherheitsschloß roeber mit Nachschlüsseln, noch unter Gewaltanwendung herumge- arbeitet worben mar."
„Welcher Art war biefer verschwunbene Apparat?"
„Es hanbelle sich um eine Extraanfertigung für eine von uns in einer westdeutschen Stadt burch- zuführende unterirdische Sprengung. Wir haben ben Feljen, der durchstoßen werben mußte, vorher genau
untersucht, unb Herr Wand hat barauf zusammen mit bem Chefingenieur die Konstruktion vorgenommen."
„Kann der Chefingenieur nicht selbst ber Tatra gewesen sein?"
„Ausgeschlossen. Einmal hätte er, wenn er einer solchen Apparat brauchte, sich selbst einen solchen Herstellen können, ohne baß jemanb etwas merkte unb zum zweiten ist es unbenfbar, daß er zu privaten Zwecken einen Spezialapparat für eine Sprengung benötigte. Der Herr war bamals schon meha als fünfunbzwanzig Jahre bei uns tätig."
„Wer hatte Schlüssel zu bem Zimmer bes Chefingenieurs?"
„Nur er selbst unb bie brei Inhaber."
„Unb warum würbe ber Polizei keine Anzeige erstattet?"
„Weil wir nicht mit absoluter Sicherhett behaupten konnten, baß ein Diebstahl vorlag. Das Zimmer bes Chefingenieurs bient, genau wie Raum 5, bas Laboratorium bes Herrn Wand, Neukonstruktionen unb besonbers sorgfältig auszustlhren» ben Füllungen für spezielle Zwecke. Am Tage, beooa wir das Fehlen bes Apparates bemerkten, wurden von einigen Leuten ber Magazinverwaltung überflüssig geworbene Werkzeuge, Abfallmetalle unb dergleichen herausgeschafft. Es bestand demnach dis Möglichkeit, baß babei auch ber Apparat mitgenommen worben war. Eine Nachprüfung bes Magasins erfolgte ohne Ergebnis. Den Schrottbaufen babfff wir allerbings erst später burchsuchen lassen, weil wie zunächst nicht baran dachten. Inzwischen hatte eim Attmetallhänbler aber das Material abgefahren. Eine Gefahr bedeutete der Apparat auch mcht, weff er noch keine Ladung enthielt."
»Hätte er nicht einer Konkurrenzfirma oorgeteS* werden können?"
„Das schon", gab Kobelt nachdenklich zu. „Aber aff eine solche Möglichkeit glaubt keiner von uns."
„Zu den Schlüstelbesitzern gehörte auch Kaspar. Er könnte damals wie heute beieffiflt stM
(Fortsetzung folgte


