Nr. 155 Zweiter Blatt
Ketzener Anzeiger (General-Anzeiger ffir Gbecheffen)
Dienstag, 10.3uni 194t
sönlichem Stil erwies er sich in „Rosenkavalier" und „Entführung aus dem Serail". Geißler, der über» dies in dieser Spielzeit sein 25jähriges Bühnenjubiläum beging, geht an die Städtischen Bühnern Magdeburg.
Joachim Ernst (1. Held und Bonvivant), der sich in dieser Spielzeit als Schauspieler von besonderer Kultur und Vielseitigkeit vorgestellt hat — er spielte die Titelrolle in „Dr. med. Hiob Prätorius", „Münir ich" in Petersburger Krönung, „Wehrhahn" in „Biberpelz" — ist an das Deutsche Theater Wiesbaden, verpflichtet.
Lornotizen.
Tageskalender für Dienstag.
Stadttheater: 19.30 bis 21.30 Uhr „Großer Herv auf kleiner Insel". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Maskerade". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraßet „Die gläserne Brücke".
Jahreshauptversammlung der Kreisfachgruppe Ausstellungsgeflügelzüchter
Am Sonntagnachmittag hielt die Kreissachgruppe Gießen der Ausstellungsgeflügelzüchter im Hotel Hopfetd ihre Jahreshauptversammlung ab.
Kreisfachgruppenvorsitzender Ludw. Heß (Watzenborn-Steinberg) gab den Bericht über die Arbeit des verflossenen Geschäftsjahres. Er sprach über die allgemeine Geflügelausstellung des Vereins von Großen-Linden, die von den Kreisvereinen gut beschickt war. Trotz des Krieges war die Ausstellung ein voller Erfolg für den Verein Großen-Linden. Die Kreisfachgruppe Gießen hatte dem Verein volle Unterstützung durch Gewährung einer stattlichen Anzahl von Preisen zukommen lassen. Da Mei Kreis- vereine keinerlei Tätigkeit mehr ausüben, ist mit ihrer Auslosung zu rechnen.
Vereinsführer Otto May (Lang-Göns) erstattete Bericht über die in Frankfurt abgehaltene Hauptversammlung der Landesfachgruppe Hessen-Nassau, während Kassenwart Röhrsheim über die Kassengeschäfte und die Rechnungsablage der Kreisfachgruppe berichtete. Die Züchterkameraden Schmidt (Lich) und Sommer (Gießen) Hattert die Rechnung geprüft und für richtig befunden. Die Rechnung wurde genehmigt und durch den Kreis- fachgruppenvorfitzeUdelr dem Kassenwart Entlastung erteilt und Dank abgestattet.
Für den Verein von Großen-Linden berichtete der dortige Vereinsführer Alfred Jung über die wohlgelungene allgemeine Ausstellung dieses Vereins. Wie die letzten Jahre, so soll auch im Winter 1941/42 wieder eine allgemeine Geflügelausstellung im Kreis Gießen durchgeführt werden. Ort und Zeit der Ausstellung werden noch festgelegt. Einige Kreisvereine werden auch mit örtlichen Geflügelausstellungen für die Geflügelzucht werben. Es meldeten solche Schauen an: Holzheim auf den 13./14. Dezember 1941, Großen-Linden auf den 7. Dezember 1941 und Gießen-Klein-Linden auf Januar 1942.
Vereinsführer Otto May (Lang-Göns) wird an einigen Orten des Kreises Gießen über die Geflügelzucht im zweiten Vierjahresplan Aufklärungsvorträge halten. Nachdem der Vorsitzende noch über die Pflichten der Hühnerzüchter hinsichtlich Eierabliese- rung gesprochen hatte, wurde die Versammlung in üblicher Weise geschlossen.
Bezirksviehverwertung Gießen.
Am Samstag hielt die Bezirksviehverwertung Gießen im Hotel Hopfeld ihre diesjährige Generalversammlung ab. Vertreter aus den Kreisen Gießen und Alsfeld, aus dem Salzböde- und Biebertal im Kreis Wetzlar waren erschienen. Als Der-
Heue Kräfte für das Gießener Stadttheater
■
Für unsere Verwundeten.
arzt Dr. D e c i u s aus.
breit an.
weist den Weg zur richtigen Zahnpflege
sen 400. Todestag in diesem Jahre begangen wird) eine Reihe von Szenen aus der frühesten Kindheit des nachmals hochberühmt gewordenen Theophrastus — aus der Zeit, als er noch Frästeli genannt wurde,
deutschen Lebens im Mittelalter.
Nach der Pause und wieder nach einer kurzen Einführung las Kolbenheyer aus dem großen, gelegten Lebensroman des Paracelsus (def- Todestag in diesem Jahre begangen wird)
sich dadurch, daß die erhöhte Wärme des Körpers mit dem Blut an die Oberfläche gelangt und dort ausstrahlt. Der zweite Vorgang Für Regulierung ]ber Körperwärme ist das Schwitzen, das in vergebenen Graden auftritt, von der kaum merklichen Wasserabgabe der Haut bis zum Ueberströ- men der Haut in dicken Tropfen. Durch die erhöhte Flüssigkeitsabgabe wird der Organismus „trocken", das Durstgefühl stellt sich ein, der Mensch will trinken. Wird es unterdrückt, so kann die Folge
und ein nach den gegebenen Umständen nicht mehr aufrecht zu erhaltendes Arbeitsverhältnis auch noch in dieser Zeit zur Auflösung zu bringen. Etwaigen Mißbräuchen in der Ausübung des Kündigungsrechts in jener Zwischenzeit entgegenzutreten, ist im gegebenen Falle Sache der Rechtsprechung, soweit die Kündigung nicht schon an der notwendigen Zustimmung des Arbeitsamts scheitert.
Das Amt für Rechtsberatungsstellen im Zentralbüro der DAF. erklärt zu dieser Entscheidung, daß sie in allen Punkten zutrifft. Von ganz besonderer Bedeutung sei allerdings der in den Urteilsgründen klar herausgestellte Hinweis, daß die Kündigung eines Gefolgschaftsmitglieds, das feinen Einberufungsbefehl erhalten hat, in der Zwischenzeit bis zum Tage des tatsächlichen Eintritts in den Wehrdienst nur bann von Rechtsbestand sein kann, wenn sie aus triftigen betrieblichen Gründen zwingend geboten war. Wer hier fehlt, könne nicht nur fein Verständnis von der übrigen Volksgemeinschaft erwarten, sondern müsse auch gewärtigen, daß die von ihm ausgesprochene Kündigung als mißbräuchliche Rechtsausübung unwirksam gemacht wird. Auch das Arbeitsamt könne durch Versagung seiner Zustimmung zur Kündigung einem solchen Betriebsführer seine Haltung vor Augen führen. Anderseits könnten natürlich triftige Gründe für eine Kündigung in der Zwischenzeit" vorliegen, besonders, wenn Verfehlungen des Gefolgsmannes zur fristlosen Entlassung berechtigen.
In einem anderen Gießener Lazarett war der Gesangverein „Frohsinn" aus Hochelheim zu Gast. Jolks- und Soldatenlieder wurden unter Leitung Don Chormeister Lehrer Knoche zum Vortrag gebracht. Den Dank des Lazarettes sprach Unter»
Eine freudige Überraschung brachte ein Standkonzert in einem Lazarett, welches der SA.-Musik- zug unter Leitung von Musikzugführer Herrmann ausführte. Die schönen Weisen brachten manchem Kameraden eine Entspannung. Unterarzt Dr. Decius dankte für die Anwesenden und das Lazarett. Reicher Beifall belohnte bei allen Veranstaltungen den Vortragenden.
Abschied vom Gießener Stadttheater.
Ein kranker Zahn kann den ganzen Körper vergiften. Grund genug, um es nicht dazu kommen zu lassen.
Max Schwarze, Oberspielleiter der Oper (Deutsches Theater Wiesbaden); Jossa Abbt, Zwischenfachsängerin (Landestheater Altenburg); Gertrud Meinet, Altistin (Grenzlandtheater Konstanz); Ines Rassel, Jugendliche Sängerin (Volksoper Wien); Annemarie Schwind, Operettensoubrette (Stadttheater Krefeld); Ludwig Drusches, Lyrischer Bariton (Stadttheater Nordhausen); Walter Ecsy, Lyrischer Tenor der Oper und Operette (Städtische Bühnen Essen); Hugo Hellmers-Hallwegh, Operetten- und Spieltenor (Mitteldeutsches Landestheater Bernburg); Eberhard Kratz, Baßbuffo und Komiker (Städtische Bühnen Düsseldorf); Hans Lott, Charakter- und Heldenbariton (Opernhaus Zürich); Heinz Roux, Bariton (StaLttheater Gelsenkirchen); Josef Sattler, Jugendlicher Heldentenor (Grenzlandtheater Ratibor); Karl Willi Hahn, Solorepetitor (Düsseldorf); Andreas Volpert, Ballettmeister und Solotänzer (Landestheater Meiningen).
Für den Chor und das Ballett wurden ebenfalls bis jetzt wesentliche neue Kräfte verpflichtet.
Aus dem Jntendanzbüro des, Stadttheaters erfahren wir, daß vis jetzt für die Oper und das Schauspiel folgende solistische Neuverpslich-- tungen getätigt wurden:
Wilhelm Michael Mund, Oberspielleiter des Schauspiels und Chefdramaturg ('Stadttheater Greifswald); Renate Freihen, Salondame (Stadttheater Aachen); Käte Jaenicke, Naive- Sentimentale und muntere Liebhaberin (Staatstheater Danzig); Anja Rau, Jugendliche Salondame (Grenzlandtheyter Trier); Horst Bergner, junger Komiker und Grand Utilite (Oberschlesifches Landestheater Beuthen); Leopold Fischer, Heldenvater und Rollen nach Individualität (Stadttheater Kott- bus); August Wilhelm Funke, Charakterspieler (Rheinisches Landestheater Neuß); Herbert Köch- ling, Jugendlicher Held und Liebhaber (Theater der Stadt Graz); Gerd Fritz Ludwig, Bonvivant und Held (Kurhessische Landesbühne Kasses); Siegfried Siegert, Jugendlicher Komiker und Bonvivant (Grenzlandtheater Trier); Karl Maria Zeppenfeld, Schwerer Charakterheld (Stadttheater Troppau).
Heute beginnt unser neuer Vornan
Die Dominiks
von Hellmuth M. Böttcher.
Zeitschriften.
— Vier sensationelle Farbaufnahmen enchält das Juni-Heft der „neuen 1 in i e'* (Verlag Otto Beyer, Leipzig): es handelt sich um vier griechische Skulpturen, an deren Beispiel auf eine überraschende Weise gezeigt wird, daß wir die Antike bisher eigentlich niemals richtig gesehen haben. Hier tritt an die Stelle der Schwarzweiß» Wirkung die ganze reiche Farbigkeit des Marmors, und Professor Rodenwaldt, der bekannte Berliner Archäologe, hat ganz recht, wenn er in der Farbphotographie einen neuen Weg zur antiken Plastik sieht. — In einem tiefen Sinne aktuell sind die zwei Themen, die dieses interessante Heft eröffnen: Der Beitrag „Das alte und das neue Libyen" zeigt in herrlichen Auf nahm en jene Kulturlandschaft, in deren Küstengebiet das deutsche Afrikakorps an der Seite der itaienischen Truppen kämpft. Und die „Typenkunde unserer Kriegsmarine" gibt eine willkommene Ueberficht der wichtigsten Kriegsschiffe, die heute im Kampf gegen England eingesetzt werden, und deren Erfolge der OKW.-Bericht täglich meldet. — Von Interesse ist auch das Ergebnis des großen Titelblatt-Wettbewerbs der neuen linie. — Schließlich feien aus dem reichen Inhalt noch genannt: neue Bauten, eine schöne Erzählung von Georg von der Bring und der „Berliner Theaterbericht".
— Die von Professor Heinrich Hoffmann herausgegebene, ausgezeichnet bebilderte Zeitschrift,K u n ft dem Volk" (Verlag Heinrich Hoffmann, Wien) bringt in ihrem jüngsten Heft zu Beginn einen Aufsatz über Michelangelo von Dr. Fran; Ottmann, dazu eine Reihe vorbildlich wiedergegebener, teilweise farbiger Abbildungen von Werken des großen Florentiners. Dr. Gert Adriani beschäftigt sich an Hand von Gesamt- und Teilaufnahmen mit einem neuentdeckten Vermeer in Wien; es handelt sich um die Halbfigur eines lesenden Mannes, ein bedeutendes Bild, das nach Entfernung schlechter Heber« malangen als ein kHtes Werk des berühmten Niederländers angesprochen werden konnte und eine wesentliche Bereicherung des ohnehin nicht umfänglichen, gesicherten Oeuvre von Vermeer darstellt. Endlich sei auf einen interessanten Aufsatz über Handzeichnungen verwiesen, den vorzügliche Re- produktionn nach Delasquez, Hals, Murillo, Boucher, Watteau und anderen Meistern begleiten.
Wann ist man zum Wehrdienst „einberufen".
Reichsarbeitsgericht klärt den entscheidenden Termin für den Arbeitsvertrag.
Aus der Stadt Gießen.
Hygiene des Trinkens.
Mit der steigenden Sommerhitze steigt auch das Durstgefühl und verführt manchen zu übermäßiger Flüssigkeitsaufnahme, die sich in gastrischen Störungen und in vermehrtem Hitzegefühl unangenehm auswirkt.
Wie entsteht nun die Wechselwirkung: Hitzegefühl und erhöhter Durst beim Menschen? Bei sehr hoher Lufttemperatur steigt bei den meisten Menschen die Blutwärme über die normalen 37 Grad. Dieses überwarme Blut gelangt — wie bei fiebrischen Erkrankungen — natürlich auch zum Wärmezentrum im Gehirn, dessen Aufgabe es ist, die Körpertemperatur immer auf her gleichen Normalhöhe zu erhalten. Das erhitzte Blut wirkt als Reiz auf das Wärmezentrum und veranlaßt fo eine erhöhte Wärmeabgabe an den Körper. Dadurch erweitern sich die Hautgefäße, die Haut rötet
Mit der Einberufung zum Wehrdienst tritt nach den für die Kriegszeit getroffenen Bestimmungen das Ruhen der beiderseitigen Rechte und Pflichten aus dem Arbeitsverhältnis ein. Mit der Einberufung ist daher auch im allgemeinen — von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen — eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr möglich. Der Soldat steht unter Kündigungsschutz.
Nun hat das Reichsarbeitsgericht einmal klargestellt, welches eigentlich der maßgebende Termin der „Einberufung" ist. Nach der Entscheidung (RAG. 157/40) ist unter Einberufung zum Wehrdienst im Sinne der arbeitsrechtlichen Vorschriften nicht die Zustellung des Einberufungsbefehls, sondern Vie tatsächliche Einstellung in ddn Wehrdienst zu verstehen. Daher tritt das Ruhen der beiderseitigen Rechte und Pflichten aus dem Arbeitsverhältnis erst im Zeitpunkt der tatsächlichen Einstellung des Gefolgsmannes in den Wehrdienst ein. Anderseits kann der Unternehmer bis zur Einziehung unter den sonst gegebenen gesetzlichen Voraussetzungen das Kündigungsrecht gegenüber dem Gefolgsmann ausüben. Dabei wird es ihm aber, wie das Reichsarbeitsgericht betont, die Fürsorgepflicht und der Gemein- ichaftsgedanke, wie auch das nationale Pflichtbewußtsein gebieten, in der Zeit von der Zustellung des Einberufungsbefehls bis zum Tage der Gestellung nicht eine nicht notwendige Kündigung des Gefolgschaftsmitglieds auszusprechen. Anderseits muß ihm die Möglichkeit gegeben fein, bis dahin zum Beispiel aus wichtigem Grunde zu kündigen
Gießen seine zweite Heimat gefunden. Aus der Fülle ernster und heiterer Rollen, in denen er die Gießener Theaterfreunde durch immer neue Gestaltungen fesselte und begeisterte, sind an besonders eindrucksvollen Leistungen der letzten Spielzeiten zu nennen: „Stauffacher" in „Wilhelm Tell", „Pfarrer Hoppe" in „Jugend", „Damian" in „Cscmgor und Tünde", „Theobald" in ,Fäthchen von Heilbronn". Auch in der Oper und Operette trat Geiger erfolgreich herpor, so zuletzt z. B. als ,>Fürst Basil" in „Graf von Luxemburg" und als „Schneider Niklas" in „Hans Helling". Geiger ist für die kommende Spielzeit als 1. Chargenspieler an das Schauspielhaus Bremen verpflichtet.
Hans Geißler, neben Herrn Volck und Geiger das langjährige Mitglied des Stadttheaters, wurde in der Spielzeit 1936/37 engagiert als 1. Chargenspieler und Spielleiter der Oper und des Schauspiels. Zu seinen erfolgreichsten großen Inszenierungen gehören: „Ein Glas Wasser", „Die Mutter", „Kabale und Liebe". Vor allem aber zeichnete er für die meisten Lustspiele, Schwänke und Volksstücke verantwortlich. Als Opernregisseur von per-
Am heutigen Dienstag wird zum erstenmal das Lustspiel „Großer Herr auf kleiner Insel" von Scheu und Stiller gegeben. Spielleitung: Hans Geißler. Bühnenbild: Karl Löffler. Mitwirkende: Hilde Kneip, Edith Thomae, Joachim Ernst, Gert Geiger, Hans Geißler. Außer Miete.
In dieser Vorstellung verabschieden sich die Herren Geiger, Geißler und Ernst vom Gießener Publikum. Gert Geiger, der in der Spielzeit 1931/32 unter Intendant Prasch an das Stadttheater Gießen verpflichtet wurde, ~ ' Jahre lang als
hat dessen Ensemble zehn _ z
1. bürgerlicher Chargenspieler angehört und in
Gießener Doriragsring.
E. G. Kolbenheyer liest.
Für den letzten Vortragsabend des Jahres hatte man den mehrfach preisgekrönten Dichter Erwin Guido Kolben Heyer zu Gast gebeten; im Gegensatz zu seinem ersten Besuche in Gießen vor längerer Zeit las Kolbenheyer diesmal ausschließlich aus dem weitschichtiaen dichterischen Werk. Er begann mit einigen Gedichten, charakteristisch für feine Lyrik, in der sich eine scharf geistige, denkerische Klarheit der Aussage mit einer in beherrschter Formstrenge gebändigten Empfindung verbindet. Am unmittelbarsten erschlossen sich, im Dortrage, für unser Gefühl die beiden Gedichte „Gartenfrühe" und „Abendsängerin", die wir dieser Tage in der Unterhaltungsbeilage abdruckten; „Offene Erde" und „Mutter" umkreisen ewige Themen des reinen Gedichtes; „Geschenk", ein hymnisch gesteigerter Dank an das Schicksal, wird sich, wie wir glauben, nur der hingegebenen eigenen Lektüre vollkommen erschließen. .
Dann hörten wir Prosa, zuerst einen Abschnitt aus dem Roman „Das gottgelobte Herz": nach einer kurzen geschichtlichen Einführung die Szenen, welche das blutige Ende König Albrechts, des Lieblingssohnes Rudolfs von Habsburg, schildern. Da die dem heutigen Menschen an sich fernen historischen
sein, daß der Vorgang des Schwitzens nachläht, obwohl im allgemeinen der Organismus seine letzten Reserven an Feuchtigkeit für die Schweißproduktion hergibt, wenn ihm der Ausgleich durch Flüssigkeitszufuhr durch Trinken vorenthalten wird.
Es ist also durchaus gerechtfertigt, bei Hitze mehr zu trinken als gewöhnlich. Nur — auf die Methode kommt es an, ob das Trinken feinen Zweck erfüllt. Trinkt man nämlich in kurzer Zeit ein bis zwei Liter Wasser in großen Zügen, so wird das Gegenteil von dem erreicht, was man bezweckt. Diese dem Körper so jäh und in zu großen Men- gen zugeführte Flüssigkeit wird nicht von ihm aufgenommen, sondern als überschüssig scknell wieder ausgeschieden, ja er gibt durch diese Abwehreaktion sogar noch mehr Flüssigkeit ab, als ihm zugeführt morben, ist: die Schweißproduktion wird vermehrt, und der Durst nicht gestillt, sondern gesteigert. Eine vermehrte Flüssigkeitsaufnahme an heißen Tagen st also durchaus berechtigt, aber in größeren Zwi- chenräumen, in nicht zu großen Mengen und nicht ;u hastig. Werden ein paar Gläser Wasser rasch hintereinander heruntergestürzt, hat der Gaumen wohl einen Augenblick das Gefühl der Erleichterung, aber binnen kurzem stellt sich erhöhtes Durstgefühl ein. Als durstlöschend hat sich immer noch das Wasser als bestes Mittel erwiesen, sei es ohne, lei es mit Zusätzen; zu vermeiden sind solche, die lehr süßen. Alkohol ist ungeeignet, er lähmt die Wärmeregulierung des Körpers, erweitert die ffautgefäße und vermehrt so das Hitze- und das Ourstgefühl.
feinfühlig herausgearbeitet und nirgends von den äußeren Sensationen der Fabel überspielen lassen. Die Wirkung der Darsteller kommt hier, wie fast immer in derartigen Fällen, infolge der Synchronisation mehr ober weniger aus zweiter Hand. Isa P o l a spielt die Frau im Mittelpunkt, Luciana: anfänglich ein wenig starr und mit überbetonter Verhaltenheit; gegen Ende wird der heftige seelische Konflikt auch in der Darstellung spürbarer. Die beiden Männer werden von Filippo S c e l z o (Professor Dorelli) und Rossano Brazzi (Pilot Marchi) geschickt und kontrastreich gegeneinander gestellt. Die deutsche Fassung lieferten Lüdtke und Dr. R o h n- ftein; Dialog und Spielleitung: Dr. Konrad P. R o h n st e i n. — Im Beiprogramm läuft die bereits gesondert besprochene neue Wochenschau mit außerordentlich interessanten und dramatischen Bildberichten von den Kriegsschauplätzen vor Tobruk, auf Kreta und im Atlantik. Hans Thynot.
eben entwöhnt mar und aehen und sprechen lernte: so war es natürlich, daß Liefe Szenen noch weniger als jene aus dem „Gottgelobten Herzen" historisch wirkten; sie wirkten viel eher vollkommen zeitlos und rein menschlich. Kolbenheyer schildert hier mit tiefer Einfühlung und mildem Humor aus der Sphäre, der Begriffs- und Anschauungswelt des ganz kleinen, noch am Boden kriechenden Kindes heraus: das große Erlebnis der Erhöhung durchs Laufenlernen; die Beseelung der toten Dinge wie Besen, Eimer und Ofen; hier ist Erfahrung noch ein Erfassen und Begreifen der Umwelt im wörtlichsten Sinne. Der Blick durch Astloch und Ritzen einer Bretterwand öffnen dem Kinde langsam, mit manchem Umweg und Mißverständnis, die Welt der Großen. Die Schilderung der frühen Leiden und Freuden, Sehnsüchte und Erfahrungen des kleinen Paracelsus wurde auf das Heiterste und zugleich Menschlichste durch die Szene mit dem Wassereimer und der Versöhnung zwischen Mutter und Sohn gekrönt und beschlossen. —
Eine große Zuhörerschaft dankte dem Dichter mit herzlichem Beifall für den erlebnisreichen Abend.
Hans Thyriot.
Vorgänge und politischen Zusammenhänge psychologisch unterbaut, das heißt also aus dem unmittelbar Menschlichen heraus entwickelt sind, rückt uns das Jahrhundertferne merklich nahe; 'das gilt für die Szene zwischen dem Mainzer Erzbischof unb Albrechts Neffen Johannes, zwischen diesem und seiner Mutter, und, gesteigert durch die Unmittelbarkeit der mittelalterlich-farbigen direkten Rede, vor allem für jene zwischen Johannes und dem König. Die Schilderung vom jähen, blutigen Ende Albrechts bildete den Ausklang dieser Probe. Es ist zu hoffen, daß die gestrige Lesung dem Roman neue Freunde gewinnt: wir haben ihn seiner Zeit hier besprochen und sehr empfohlen, obwohl er nicht leicht zugänglich ist; wer sich aber erst eingelesen hat, wird sich vielfad) belohnt finden, denn es entrollt sich hier ein reiches und sehr lebendig empfundenes Bild
„Oie gläserne Brücke."
tzm italienischer Film im Lichtspielhaus.
Die Deutsch-Italienische Film-Union G. m. b. H. leigt einen Film der Scalera-Produktion m vom. Trotz der betonten Sachlichkeit des Dialoges wie der äußeren Einkleidung aller Szenen tändelt es sich um ein leises, innerliches, für em U Hammers piel geschaffenes Problem; es fft die nicht neue, aber immer wieder einmal auftauchende, feiten vollkommen und ohne Bruch zu lösende Kon- fellation: die Frau zwischen zwei Männern; beide l eben die Frau, die ihrerseits, zwischen schwankender Steigung hin- und hergerissen, nicht die Kraft zu • trner klaren Entscheidung findet. Sie ist die verwöhnte Gatttn eines berühmten Chirurgen, dem sein Seruf nicht die Zeit läßt, sich ihr so zu widmen, wie sie es erwartet. (Auch dieser Konflikt, häufiger cis der oben beschriebene, hat im Film schon des ifteren zur Darstellung gereut.) Die unter abem t-uerlichen Umständen zustande kommende Begeg- k'tiung der Frau mit einem jungen Piloten, der sich I ffgleich, obwohl er verlobt ist, heftig verliebt, treibt de Situation gefährlich auf die Spitze. Der Chirurg effährt durch einen Zufall, wie die Dinge stehen, tsrzichtet aber auf jeden gewaltsamen Eingriff und tertraut auf die Tragfestigkeit jener „gläsernen Krücke", die, aus Vertrauen und Liebe gebaut, die Zarteste innere Verbundenheit zweier Menschen sym- folifiert. Und siehe, sie besteht auch die äußerste und sywerste Belastungsprobe, als der junge Pilot, auf e nem Versuchsfluge abgestürzt und gefährlich verletzt, b:m Chirurgen unter das Messer geliefert wird. Die ['rau findet die lange vergeblich gesuchte Losung, äs sie ihren Mann vor seinen Studenten über me Anatomie des Herzens vortragen hört .. .in einer 1 i*orm, die sowohl den Mediziner wie den Menschen ! Lir ihm auf eine gewinnende Weise bestätigt. Die Situation hier ist bestimmt ungewöhnlich und, wie vanche finden werden, für den Film zurechtgemacht; dnnoch hat die Wiedervereinigung der Ehegatten ajf dem Forum des klinischen Hörsaales in diesem Augenblick so viel Ueberzeugungskraft und Wahr- i sPeinlichkeit wie das zuvor begonnene Spiel mit d*m Feuer. Der Regisseur Goffredo Alessan- b r in i hat die im Drehbuche von d e A n g e 11 s und A a l l e r i n i enthaltenen seelischen Spannungen
Das Oberkommando der Wehrmacht veranstaltete 1 furch die NSG. „Kraft durch Freude" wieder mehrere Konzerte für unsere Verwundeten. Sv trug die Ge- angs-Abteilung des Turnverveins Gießen-Wieseck n einem Gießener Lazarett Volkslieder und Soldatenlieder vor. Unter Stabführung von Chor- meifter Meyer kamen die Lieder schön zu Gehör. Feldwebel Stumpf dankte im Namen des La- ,aretts und der Anwesenden. — Eine Spende llpfelsaft sorgte auch für das leibliche Wohl.


