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Nr. A2 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dderhessen)

6./7. September

Oer Lehrer.

Alfred Rosenberg hat das Wort geprägt: Der Lehrer hat heute genau so eine revolutio­näre Mission wie der Staatsmann und der Sol­dat!" Die Oeffentlichkeit hat in den letzten Mo­naten seit der Einführung der Hauptschule und der neuen Lehrerbildung immer wie­der auf Fragen der Schule und des Lehrertums hingewiesen und ist dabei nicht an der Tatsache vorübergegangen, daß der Lehrerberuf zu den Mangelberuf e n gehört, denen es an Nach­wuchs fehlt. Die Lösung dieser Nachwuchsfrage ist eine volkspolitische Notwendigkeit ersten Ranges, die Partei und Staat zu den verschiedensten Maß­nahmen veranlaßt.

Nach dem Kriege wird Deutschland außerordent­liche Aufgaben der Neuordnung lösen müssen. Dazu werden fähige Menschen nötig sein. Unsere Sol­daten stellen in Feindesland, wo es auch sei, immer wieder fest, daß der deutsche Mensch den andern überlegen ist. Er empfindet, daß diese Ueberlegen- heit die Folge einer überlegenen Volkserziehung ist, die den andern fehlt. Weil er politisch denken gelernt hat, sieht er auch ein, daß wir nach dem Kriege noch mehr lei- st e n müssen. Das Kriegserlebnis wird den Lei­stungswillen und die Leistungsfreude des deutschen Volkes steigern. Darin liegt eine ernste Mahnung für die, deren Aufgabe es ist, auch die Leistungs­fähigkeit zu steigern. Zu dieser Aufgabe ist auch der deutsche Lehrer aufgerufen; er hat hier eine Grundaufgabe von entscheidender Bedeutung zu erfüllen.

Wir können heute oft unsere Jugend begeistert von der Schule erzählen hören. Sie klärt und ver­tieft ihre unmittelbare Anteilnahme an dem großen Geschehen unserer Tage. DasLernen" packt die Lebensfragen sozusagen frontal an und besitzt im Ergebnis eine drängende Kraft, die sich nicht damit begnügt, Einsichten und Erkenntnisse wie Brief­marken zu sammeln, sondern in politischen Dolks- dienst umzusetzen. Das Weltbild, das deutsche Leh­rer ihren Schülern in Herz und Seele brennen, hat einen unwiderstehlichen Aufforderungs­charakter.

Es ist in der Oeffentlichkeit nicht immer hin­reichend beachtet worden, welche innere Wand­lung eine Schule durchmachen mußte, um zu sol­chen Ergebnissen zu kommen. Eltern, dieoffene Schultage" besuchen, das heißt am Unterricht einer Schulklasse als Gast teilnehmen konnten, erklären übereinstimmend, daß sie heute noch einmal in die Schule gehen möchten. Sie kennen in den meisten Fällen den Lehrer von der politischen Schulung her oder vom Amt des Politischen Leiters. Sie erleben dann in der Schule, daß etwas Bezwingendes von einem Lehrer ausgeht, der das Vertrauen seiner Kinder genießt, ihre Herzen höher schlagen läßt und in ihnen ein voll bejahtes, freudig aufgenom­menes Gefühl der Pflicht auch in den grauen An­gelegenheiten des Schultages erreicht hat. Das deutsche Schulkind von heute weiß, wofür es lernt, daß Nicht-Lernen bedeutet, seinen Platz in der Volksgemeinschaft nicht ausfüllen zu können.

Die neue deutsche Schule ist keine vom Leben des Volkes und den Aufgaben unserer großen Zeit abgeschiedenen Insel. Man hat sie einmal mit einem Transformator verglichen, der die Energien des nationalen Geschehens so umformen muß, daß sie dem sich entwickelnden Kind als Lebenshilfe die­nen können. Der Lehrer selbst muß ganz und mit glühendem Herzen in der Dynamik unserer Zeit stehen. Kein Beruf muß den Reichtum der Gegen­wart so tief erleben wie er.Ein guter Lehrer", sagt Nietzsche,sieht alles nur in bezug auf seine Schüler, sogar sich selbst. Es ist wichtig, daß Nietzsche sagtin bezug auf seine Schüler , nicht in bezug auf ein wissenschaftliches System. Der Lehrer formt bewußt an der Zukunft des Reiches, ist Bildhauer am Antlitz der Nation, wie Hans Schemm sich ausgedrückt hat. Er kann sich auf Er-, Ziehung und Unterricht nicht aus Büchern vorbe­reiten, sondern nur durch tätige Anteilnahme an der Vielfalt der völkischen und nationalen Auf­gaben, durch immerwährendes Aufgeschlossensein für die feinsten Regungen der Volks- und der Kinderseele.

Darum ist der Lehrberuf im nationalsozialisti­schen Staat zu einem Ausleseberuf beworben. In­tellektuelle Fähigkeiten genügen nicht, um ein Lehrer zu sein: nur ein unbeugsamer Wille, ein

Wilhelm Raabe als Mensch.

Zu seinemllv.Geburtstage am 8.September

Im engsten Ringe, Im stillsten Herzen Weltweite Dinge.

Diese Verse aus dem Lebenslied desHunger­pastors" stehen auf der Marmorbüste Wilhelm Baabes im Braunschweiger Museum. Man kann sich schwer ein Wort denken, das das Wesen dieses Meisters besser umrisse. Denn er, einer unserer größten Epiker, der uns in über einem halben hun­dert Büchern einen Abriß des ganzen menschlichen Lebens mit allen seinen erschütternden Höhen und Diesen gegeben hat, war immer ein stiller Mann, der sich, äußerlich betrachtet, stetsim engsten Ringe" bewegt hat.

Seine Familie hatte, soweit sich das zurückoer- folgen läßt, im braunschweigischen Weserlande ge­sessen. Der Großvater war bereits ein echter Ge­lehrter gewesen, studierter Theologe und als Post­meister im Praktischen erfahren, der zahlreiche Dächer und Aufsätze in die Welt geschickt hatte. Die großväterliche Liebe zu Büchern und Schreiben brach schon in dem Knaben mit aller Macht durch, und er hatte nur den einen Wünsch, als Buchhändler an Öen Quellen des Wissens und der Bildung zu sitzen, vergebens betnühte sich der Vater, der Justtzamt- mann von Stadtoldendorf, den Sohn der Juristerei zu gewinnen. Dieser setzte es vielmehr mit 18 Jahren durch, als Lehrling in eine Buchhandlung in Magde­burg eintreten zu dürfen.

In den Makulaturhaufen des alten Geschäfts fand er Werke aus dem 18. Jahrhundert in Menge, aus bcm der Bildungshungrige einen großen Teil jener eingehenden und auch kuriosen Kenntnisse schöpfte, die er dann in seinen Büchern zu so wundervollem Leben verarbeiten sollte. Auch in Magdeburgs alt­ehrwürdige Vergangenheit versenkte er sich, und die kriegerischen Gestalten seines ersten geschichtlichen RomansUnseres Herrgotts Kanzlei" sind ihm da­mals im Geiste erschienen. Bald drängte es ihn aus bem engen Laden nach weiteren Ausblicken, nach

heller Geist, ein edles Gemüt, ein Mensch mit Leben aus der ganzen Fülle der Volkheit und führt, selbstverständlicher Einsatzbereitschaft kann vor der die ihm angehören, in eine geschichtliche Verant-

Jugend bestehen. Das Reich wird nach dem Siege tätige, schöpferische und kluge Menschen in großer Zahl brauchen. Es gibt Tausende von Zeugnissen, aus denen hervorgeht, wie ein Lehrerleben bestim­

mend wurde für die Lebensführung junger Men­schen, Lehrer auf dem Dorfe haben ganzen Gene­rationen ihr Gepräge gegeben, und weithin be­kannt ist das herrliche Urteil, das der Führer selbst in seinemKampf" über seinen Geschichtslehrer gesprochen hat.

wortung, wie sie selten Berufe für sich in Anspruch nehmen können. Das Richtbild des Führers als des größten Volkserziehers aller Zeiten wird un­geahnte Energien aus denen herausholen, die sich mit heißem Glauben der Aufgabe verschreiben, die Schuljugend in die bedingungslose Gefolgschaft Adolf Hitlers zu stellen. Kämpfer und Künder, Kämpfer auf Schlachtfeldern und im Ringen um die innere Größe des Reiches, Künder heldischer Art, selbstlosen Opfers, reichster Innerlichkeit: das

Der charakteristische innere Reichtum des Leh­rerlebens bringt es mit sich, daß immer wieder aus dem Lehrerstande große Forscher und Kün­der, Dichter und Musiker, Organisatoren und poli­tische Führer hervorgehen. Der Lehrberuf erwächst

ist der Lehrer und Erzieher von heute. Er steht auf einem entscheidenden Platz im Leben der Na­tion. Die Besten der Jugend sollten zu diesem Be­ruf finden. W. Kircher.

Er ist verwundet...

Was die Angehörigen wissen müssen. Dom ersten Verband bis zur Genesung Von Kriegsberichter Kammerer.

(PK.) Gleich in den ersten Tagen hatte ein Gra­natsplitter den Feldwebel leicht an der Hand ge­ritzt. Er hat sich selber verbunden, wenngleich der Truppenverbandplatz nur ein paar hun­dert Meter entfernt lag. Wir haben ihn bann hin und wieder mit der verbundenen Hand gesehen, wen er irgendwo mit seinem Zugzu tun" hatte und er sagte:Die Hand sieht nach mehr aus als mit ihr wirklich los ist. In ein paar Tagen wird es wieder in Ordnung fein."

Inzwischen sind Wochen vergangen und jetzt haben wir ihn zufällia i m Feldlazarett der Division wieder getroffen. Die Hand war ausge­heilt. Aber einen Steckschuß hatte er in den Schen­kel abgekriegt. Und da lag er jetzt und wartete auf den Transport.

Denn nach einem sinnreich arbeitenden System gelangen unsere Verwundeten an die Orte, die für ihre Heilung am zweckdienlichsten sind. Mit dem Bataillonsgefechtsstand geht der Truppenverband­platz in das Gefecht vor. Hier werden die ersten Verbände angelegt. Beim Regimentsgefechtsftand können Krankenkraftwagen angefordert werden, wenn die Verwundung so schwer ist, daß der Sol­dat rasch zur Behandlung muß. Die Krankenkraft­wagen des Regimentsgefechtsstandes fahren zu den Truppenverbandsplätzen, aber auch auf die Ge­fechtfelder selber vor.

Eine hohe Verantwortung hat der Arzt, der beim Wagenhalteplatz des Regimentsgefechtsstandes die erste Aussonderung trifft. Er muß entscheiden, wer so schnell wie möglich ins Lazarett gebracht werden muß, er muß aber auch unterscheiden, wenn eine Verwundung nicht so gefährlich ist, so daß der Sol­dat wieder zur Truppe zurück kann, wenn er erst den Schrecken überwunden hat, den eine Verwun­dung mit sich bringt. Meist werden auf diese Ausbildung in Kriegschirurgie, Transportwesen Plätze aktive Aerzte abgeordnet, die eine spezielle und Derwundetenbetreuung mitgemacht haben.

Bis unser Feldwebel in das ehemalige Sanato­rium kam, mußte er alle diese Stationen durch­laufe. Mitten in einem Wald, landschaftlich schön am Wasser gelegen, aber, wie vieles in der Sow­jetunion, halbfertig und nie bis zur Vollendung gediehen, so lag das große Haus mit den merk­würdig winzigen Türen da. Und in den Zimmern, in denen schnell deutsche Sauberkeit eingekehrt war, fühlen sich die Verwundeten wohl und behaglich.

Wenn ich nur das heimschreiben könnte, daß alles so alatt verläuft wie bei einem Uebergangs- schnupfen , sagte der Feldwebel. Warum er denn das nicht heimschreiben könnte, fragten wir.Ach, sie glauben es doch nicht. Wenn man hört, daß einer verwundet ist, das ist eine Nachricht, bei der man sich in der Heimat sorgt. Und sie sollen sich doch keine Sorgen machen."

Nun, so leicht ist das nicht mit der Abschaffung der Sorgen. Die Sorge um den Angehörigen, den man an der Front weiß, ist ein gutes und richtiges Gefühl derjenigen, die daheim sind. Und es gibt auch Verwundungen, bei denen die Aerzte sehr schwer um die Rettung des Soldaten zu ringen haben. Das wissen die Angehörigen, und das ist nicht zu bestreiten. Trotzdem hat der Feldwebel recht, wenn, er meint, man müßte mehr zu ihrer Be­

ruhigung tun. Man müßte ihnen nur immer wieder sagen, daß nicht jede Verwundung eine schwere ist, und daß die Zahl der leichten Verwundungen um das Vielfache größer ist als die der schweren. Man braucht also nicht immer gleich in die äußerste Sorge zu verfallen, wenn einmal der Sohn meldet, daß er auf ein paar Wochen in das Lazarett ge­gangen ist.

Aber wer kann gegen die Aengste der nächsten Verwandten an? Man muß sie immer wieder von neuem verscheuchen, so wie sie von dem strahlenden Lachen des Feldwebels verscheucht würden, dem der Arzt gesagt hat, daß er bald transportfähig ist. Dann geht es mit dem Lastkraftwagen, in dem die eigens ausgefederten Verwundetenbetten stehen, zum nächsten Bahnhof und darauf nach Haufe in e in Wehrmachterholungsheim.

Als wir durch Die Gänge des Feldlazaretts gingen, kam gerade ein Arzt auf dem Weg zum Operations­saal vorbei. Dieser Oberstabsarzt ist der bekannte Berliner Professor N., wurde uns erzählt. Er ist hier als erster Spezialist für Kopfschüsse. Die Laza­rettapotheke ergänzt gerade ihre Bestände aus dem Sanitätspark der Armee. Neben dem Material, das aus der Versorgungsbasis der Armee immer wieder nachgeführt wird, entstehen in der Feldapotheke auch Spezialarzneien, die für besondere Fälle ge­braucht werden; denn sie ist auch für Eigenherstel­lung eingerichtet.

Krankenzelte mit warmhaltenden Doppelwänden stehen bereit für schnell einzurichtende Lazarette. Eine Kammer, auf der die Verwundeten ihre Sachen abgeben, ist eingerichtet. Sie empfangen bei der Entlassung alles säuberlich wieder. Wehrsold, Post, Eintragungen ins Soldbuch und was sonst an Ver­waltungsdingen fällig wird, sind bei der Schreib­stube des Lazaretts flüssig organisiert.

Ständig reifen an der Front und ihren Lazaretten die beratenden Aerzte, hervorragende Spezialisten, die für schwierige Fälle herangezogen werden und ihr Können ganz in den Dienst der teuersten Kran­ken stellen, welche die Nation hat, der verwundeten Soldaten.

Im Verpflegungslager sahen wir das gesunde Hafermehl, das trotz feiner förderlichen Eigenschaften nicht so beliebt ist wie Bohnenkaffee, Rotwein, Kognak, Schokolade, die je nach Lage und Fall zu­sätzlich als Stärkungsmittel zur Kost verabreicht werden.

In wenigen Tagen wird das Feldlazarett der Division wieder weiter nach vorn wandern. Das Lazarett der Armee mit seinen Aerzten, Helfern und Schwestern wird in das Sanatorium im Wald nachrücken und dort die Betreuung über­nehmen. Alle diese Dinge klappen wie am Schnür­chen, und so hat unser Feldwebel schon recht, es wäre gar nicht nötig, daß man daheim den Kops hängen läßt bei der Nachricht von einer Verwundung. Selbstverständlich denkt man mit aller Liebe hinüber an den Verwundeten, der in diesem weiten Land irgendwo mit feinen Kameraden der Genesung ent­gegenharrt. Aber daß alles getan wird, um diese Genesung sicher, gründlich, dauerhaft herbeizuführen, dessen kann man sicher sein.

tieferen Studien. Er kehrte dem Beruf den Rücken und ging als Student der Philosophie nach Berlin. Hier fand er zwar in den Hörsälen nicht die ersehnte philosophische Klarheit, aber in seiner stillen ver­winkelten Spreestraße mitten im alten Berlin die Anregung zu feinem ersten RomanDie Chronik der Sperlingsgasse". Dieser Roman, der 1856 unter dem Decknamen Jakob Corvinus erschien, hatte einen großen Erfolg, der aber auf lange Zeit hinaus Raabes einziger bleiben sollte, und der selbst heute noch von keinem der späteren Werke des Dichters übertroffen ist.

Der Erfolg erlaubte Raabe sich ganz der Schrift­stellerei zu widmen. Er zog nach Wolfenbüttel zu seiner Mutter, wo in den nächsten Jahren in rascher Folge eine Reihe Romane und Erzählungen, zum Teil historischen Inhalts, entstanden. In diese Zeit fällt auch seine einzigeBildungsreise", die ihn im Jahre 1859 zunächst über Leipzig und Dresden nach Prag und Wien und von da über Linz nach Mün­chen und Stuttgart führte. Hier gewann er einen herzlichen Freundeskreis, daß es für ihn Veran­lassung wurde, sich später eine Reihe von Jahren in der Stadt niederzulassen. Von Stuttgart ging es nach Heidelberg, Frankfurt a. M., Mainz und den Rhein hinab bis Köln, wo die Reife ihren Abschluß land. Raabes Tagebücher und Briefe von dieser Reise geben nur wenig mehr als knappe Stichworte. Und tatsächlich brauchte er sich bei feinem glänzenden Gedächtnis nichts anderes aufzuzeichnen. Erstaunlich aber ist die Lebendigkeit, mit der uns die künstle- rische Verarbeitung des Gesehenen in seinen späteren Werken entgegentritt. Das Wort des alten Ibsen Dichten ist Sehen" trifft ja auf niemand besser zu als auf Raabe, der in der Fähigkeit des lebendigen pbantasievollen Beschauens nur mit Goethe ver­glichen werden kann, mit dem er auch die Liebe zur bildenden Kunst teilt, dem er auch an eigener zeichne­rischer Begabung, wie die vielen Federzeichnungen beweisen, mit denen er die weißen Ränder seiner Manuskripte füllte.

Die Jahre in Stuttgart von 1862 bis 1870, wo feine junge Frau ihm ein harmonisches Heim schuf, brachten den Höhepunkt und zugleich Abschluß feiner

mittleren Schaffensperiode mit den drei großartigen WerkenDer Hungerpastor",Abu Telfan" und Schüdderump", die oft alsTrilogie" bezeichnet worden sind, aber tatsächlich jedes ein abgeschlossenes Ganzes bilden, jedoch durch die Gemeinsamkeit ihrer pessimistischen Weltanschauung zu einer höheren Ein­heit zusammengeschlossen sind. Dieser Pessimismus Raabes, der sich damals unter dem Einfluß Schopen­hauers entwickelt hatte, ist in feinen späteren Werken durch den metaphysischen Ausblick und Ausblick und durch seinen Humor überwunden, bildet aber zu diesem immer den dunklen Grundakkord. Er selbst hat das einmal in die Worte gefaßt, daß es Glück auf dieser Welt nur für die groben Naturen gebe. Feine Nerven können nicht glücklich fein."

1870 siedelte Raabe von Stuttgart, das ihm, dem glühenden Deutschen und Bewunderer Bismarcks, durch kleinliche antipreußische Stimmungen nach 1866 verleidet war, nach Braunschweig über, und die letzten 40 Jahre seines Lebens hat er diese Hei­mat nicht mehr verlassen. Still und zurückgezogen lebte er hier injeiner Familie und in dem Freundes­kreis derKleiderseller", dem berühmten Raabeschen Männerbund, der sich allabendlich bei einem guten Tropfen in der Herbstschen Weinstube versammelte. Raabe selbst hat feine Kleiderseller gekennzeichnet als Leute, diemit dem Trödel der Welt Bescheid wissen". Wir sind alle des nämlichen Ranges und wisftn uns alle mit dem buntscheckigen Fell überzogen. Wir sind die Leute, die frei durchgehen durch die Phi­listerwelt." In dieser Umwelt schuf er Werk um Werk, von denen viele Deutsche nicht einmal den Namen kennen,Horacker",Das Horn von Wanza", Pfisters Mühle",Stopfkuchen",Die Akten des Vogelfangs", und wie sie alle heißen. Erst von seinem 70. Geburtstage an, den der kleine Kreis seiner Freunde und Verehrer zu einer großen Kundgebung machte, wuchsen Ruhm und Erfolg ins Breite und enthoben ihn endlich auch der materiellen Sorgen. Doch immer noch gehört er zu ben Dichtern, die mehr berühmt als gelesen sind. Um sich in die Herr­lichkeit seiner Welt zu versenken, braucht man Zeit, und das ist das, was in unserer Gegenwart am rarsten ist. A. v. Pe

Aus der Stadt Gießen.

Astern und Dahlien.

Die Aecker sind leer. Der Erntesegen wurde ge­borgen. Wo vor kurzem noch wogende Kornflächen sich leise im Wind bewegten, da wuchert nur noch kurzes Unkraut. Der Pflug geht wieder durch das Feld.

In den Gärten aber leuchten Altern und Dahlien, die schönen Herbstblumen. Ja, der Sommer will scheiden. Still und unbemerkt ist der Herbst ge­kommen. Astern und Dahlien sagen es uns. Wenn die Sonne ihre Blüten vergoldet, wähnen mir uns im Sommer.

Die Sommerblumen sind schon verblüht, sie haben Samen gebildet, welk hängen ihre Blätter. An den Hecken glänzen schon die ersten Hagebutten, und dunkelblaue Brombeeren leuchten aus dem Grün der langen Ranken. Die letzten Rosen wollen nicht mehr aus der Knospe, aber Dahlien und Astern

Verdunkelungszeit

6. September von 19.58 bis 6.38 Uhr.

7. September von 19.56 bis 6.40 Uhr.

stehen im herrlichsten Schmuck. Ihr Sttahlen und Leuchten füllt den herbstlichen Garten. Sie strömen keinen Duft aus, sie find nur Farbe und Schönheit. Alle nur denkbaren Formen, Arten und Farben finden wir bei ihnen.

In kleinen Kästen, in Blumentöpfen, im Mistbeet wurden die Astern einst ausgesät, dann auf ihre Plätze verpflanzt, von den Schnecken halb abgenagt, aber sie trotzten allen Gewalten, und nun stehen die kleinen Blütenbäumchen erwartungsvoll in der Herbstsonne. Da sind die niedlichen Zwergastem, wie aus einem Puppenladen, daneben stehen andere mit schmalen violetten Blütenblättern um einen goldgelben Kern, wieder andere haben weiße, zer- flatternde Blüten, und wieder andere blühen in der Form kleiner Kugeln. Strahlenastern, Straußenfeder­astern, lockige Blumen auf langen Stielen, wer kennt nicht diese schönsten Blumen des Herbstes?

Auch die Dahlien sind rechte Sonnenblumen. An der Südseite gedeihen sie am besten. Aber noch auf ganz bescheidenen Plätzchen bringen sie ihre Blüten hervor. Jede Farbe, vom schneeigsten Weiß bis zum dunkelsten Rot, vom reinsten Goldgelb bis zur tiefsten Kupferfarbe, finden wir bei den Dahlien, und alle Mischungen von Farben sind vertreten. Auch in der'Form haben wir die größte Mannig­faltigkeit. Manche lieben die runde Form, andere bevorzugen die Strahlenblüten. All das mag mit dazu beigetragen haben, daß die Dahlie zu einer Lieblingsblume aller Gartenbesitzer geworden ist.

Wenn wir Sommerbeete bepflanzten, wählten wir einfarbige Zusammenstellungen. Bei Astern und Dahlien aber lieben wir gerade das bunte Durch­einander in Größe und Farbe. Nun ist auch draußen in Feld und Wald das Grün zusammengetreten. In die stille, langsam beginnende Farbenmelodie strahlen Astern und Dahlien ihre Farbenpracht. Ihre Schön­heit verleiht selbst dem späten Herbst noch einen Ab­glanz von Freude und Zuversicht. Aufrecht stehen sie da, kein Zeichen von Vergehen ist bei ihnen sichtbar. Im Felde liegt die besonnte Wiese still und

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L e y

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Oie tapfere Telephonistin.

In Oslo entstand plötzlich in einem Gebäude in der Mitte der Stadt, in dem die Büros verschie­dener Jndustriegesellschaften ihren Sitz haben, ein großes Feuer. In höchstem Schrecken stürzten die männlichen und weiblichen Angestellten zu den Türen, aber die Flammen hatten bereits mit außer­ordentlicher Geschwindigkeit die Treppen erreicht und machten die Flucht auf diesem Wege unmöglich. Während nun alle in völliger Kopflosigkeit vergeo- liche Versuche machten, der drohenden Gefahr zu entkommen, blieb nur ein achtzehnjähriges junges Mädchen, das an der Vermittlungsstelle des Fern­sprechers tätig war, ruhig auf ihrem Posten, und obwohl ihr kleines Büro auch vom Feuer und Rauch bedroht war und man in dem immer dichter werdenden Qualm kaum noch atmen konnte, rief es nacheinander die verschiedenen Feuerwachen an, von denen sofort Hilfe an den Ort des Unglücks ent­sandt wurde. Es gelang der Feuerwehr, nach mühe­voller Arbeit Herr des Brandes zu werden. Die mutige Telephonistin aber wurde ohnmächtig neben ihren Apparaten aufgefunden und in Sicherheit gebracht. C. K.

Zeitschriften.

Zum 3. Male im Kriege schreibt die Monats« Zeitschriftd ie neue lini e" (Verlag Otto Beyer, Leipzig-Berlin) ihren Erzähler-Wetttrewerb aus. lieber 30 000 RM. wurden feit 1931 als Preise für die besten deutschen Erzählungen gestiftet und ver­teilt. Mehr als 60 Erzählungen deutscher Autoren sind dabei ausgezeichnet worden. Für 1942 ist die Gesamthöhe der Preise auf 3500 RM. festgesetzt worden, davon 500 RM. als Zusatzpreise für preis­gekrönte Erzählungen von Wehrmachtangehörigen. Dem Preisgericht gehören an: Dr. Paul Fechter, Dr. Carl Haensel, Helene v. Nostttz, Dr. Wilhelm von Scholz, Dr. Bruno E. Werner. Die Ausschreis bungsbebingungen sind im September-Heft der neuen linie" veröffentlicht.