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Glehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsen)
Nr. 15 8 Zweiter Blatt
Verwertung der Kriegsgeschichte ist wohl der, baß wir die Lehren nicht zurück» ländern vorwärts» schauend betrachten. In unserer Wehrmacht herrscht der Gedanke vor: Welche Mittel müssen angesichts der Fortschritte der Kriegstechnik angewendet werden, um den Gegner durch schärfste Kriegführung zu vernichten? Wir können es setzt ruhig eingestehen, daß vor dein Weltkriege das Streben nach den höchsten Zielen der Kriegsühvnng zwar im deutschen Heere vorhanden war, daß aber unserer Wehrmacht durch falsche Sparsamkeit des parlamentarischen Vorkriegs-Deutschland» weder die personellen noch die materiellen Mittel in ausreichendem Matze gewährt wurden. Wir haben aber diese Lehre aus dem Weltkriege gezogen, im Geiste sofort nach dem Verlust des Krieges, als uns die Verwirklichung verwehrt war, in der Tat nach der Machtergreifung durch Adolf Hitler Wir haben erkannt, datz bh* Kriegführung im Weltkriege entartet war, haben uns damit aber nicht abgefunden, sondern in unablässigem Nachdenken und in sieberhafter Arbeit die Mittel gesucht und gefunden, um die Kriegführung von den ihr durch die Technik angelegten Fesseln
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(Nachdruck verboten.)
22. Fortsetzung.
Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!
Es genügt nicht allein, gute Heilmittel zu erzeugen, sie müssen auch schnellstens zur Stelle sein, wenn man Ihrer bedarf. Für diese stete Bereitschaft sorgt die • ßayci«-Organisation mit eigenem Flugzeug, wenn andere
BAYER1 Transportmittel nicht genügen.
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dem rechten ----- . -
er sich gleichzeitig schnell noch eine zweite heran. Das erst nennt man dann „vollkommene Derbren-
Die NS.-volkswohlfahrt Ist der Garant des sozialistischen willen» der NSDAP. Sei auch du Sozialist der lall werde Mitglied der NSv.l
Die Dominiks.
Roman von Hellmuth M.Vättcher.
einer bisher nicht für denkbar gehaltenen Schnelligkeit des deutschen Angriffsfschwunges, insbesondere im Zusannnenwirken der motorisierten Heereskeile mit der Luftwaffe, die gesamte polnische Wehrn,acht in 18 Tagen vernichtet und das ganze weiträumige polnische Gebiet besetzt war, hätte die Führung der Alliierten hellhörig werden und den Friedensvor- schlag unseres Führers annehmen müssen. Ihr Zweifrontenkrieg war zerschlagen, ihre numerische lieber- legenheit dahin. Würden sie einem deutschen Angriff, dessen ungeheure Wucht ihnen klar geworden sein mutzte, sicher standhalten?
Kriegsgeschichte ist die beste Lehrmeisterin für die Männer, die zur Führung grötzcrer Verbände im Kriege, zum Dienst im Gcneralstabe oder gar zur Leitung der Gesamtoperationen berufen sind. Die Feldherren, deren Namen mit goldenen Lettern in das Buch der Geschichte eingetragen sind, haben ihr großes Wissen und Können zum nicht geringen Teil durch Studium der Kriegsgeschichte erworben, so Friedrich der Große, Napoleon und Moltke. In dein Lehrplan der höheren militärischen Bildungsanstalten aller Länder von militärischer Bedeutung wird dem Studium der Kriegsgeschichte ein breiter Raum gewährt, denn keine militärische Wissenschaft vermittelt dem werdenden Führer lebendiger als sie das Wesen des Krieges. Strategie und Taktik bauen sich auf der Kriegsge chichte auf, die Ausbildungsvorschriften fußen au ihren Lehren. Nur sie zeigt die ewigen Grundge etze der Kriegführung auf, deren Befolgung zum Siege, deren Außerachtlassung zur Niederlage fuhrt. Das stets wechselnde Antlitz des Krieges könnte zu der Frage führen, ob es sich wirklich lohne, sich mit der Kriegskunst eines Hanni- bal, eines Caesar, Friedrich des Großen, Prinz Eugen, Napoleon, Moltke, Hinbenburg und Luden- dorff zu beschäftigen, ob nicht vielmehr durch die rastlos fortschreitende Technik und deren Einwirkung auf die Kriegführung alles überholt ist, was früher geniale Feldherren geleistet haben. Das ist gewiß nn einzelnen der Fall. Zweifellos kann im Zeitalter der Eisenbahnen, der Motorisierung, der Flugzeuge der Krieg nicht so geführt werden wie in Zeiten, als jede Bewegung von Heereskörpern auf Fußmärschen angewiesen war. Gewiß ist die ^eestrate- gie und -taktik durch den Ucbergang vom Ruder- oder Segelschiff zum Dampf- oder Motorschiff umwälzend beeinflußt worden. Die Erfindung des Schießpulvers hat eine Umwälzung der Taktik von ungeheurem Ausmaß erzeugt. Und doch bleiben d i e Grundgesetze die gleichen.
Nehmen wir nur einige Beispiele: Zur Entscheidungsschlacht kann man nicht stark genug sein. Jeder Angriff muß einen Schwerpunkt haben, dessen richtige Wahl entscheidend sein kann. Reiner Frontalangriff führt fast nie zu großen Erfolgen, anzu- streben ist Umfassung, Flankierung und als höchstes Ziel Einkreisung des Gegners. Ein Sieg mutz durch rücksichtslose Verfolgung ausgebeutet werden, Hamit sich der geschlagene Feind nicht erholen kann. Reine Verteidigung kann, obwohl sie die stärkere Form der Kriegführung ist (Clausewitz), nur unter ganz besonderen Ausnahmebedingungen strategischer und politischer Natur, wie Zeitgewinn bis zum Eingreifen von Bundesgenossen, zum Erfolge führen. Große Siege sind nur durch Angriff zu erreichen. Wer in der Verteidigung alles decken will, deckt nichts. Das beste Heer geht zugrunde und verfällt der Auflösung, wenn seine Versorgung nicht gewährleistet ist (Napoleon 1812). Operationen auf der inneren Linie können, wenn sie richtig geführt wer- den, auch dem an Zahl unterlegenen Heer eine relative Ueberlegenheit gegen getrennte Gruppen des Gegners schaffen und zum Endsieg führen. Das ist nur eine geringe Auswahl aus dem schier unermeßlichen Schatz der ewigen Gesetze der Kriegskunst aller Zeiten.
Studiert man aufmerksam die Kriegsgeschichte, so kommt man immer wieder zu dem Ergebnis, wie oft gegen die wichtigsten Grundregeln der Kriegführung gesündigt wird, nicht selten gerade von hochgebildeten, klugen Generalen, die die Kriegsgeschichte eifrig studiert haben. Wie erklärt sich das? Zum großen Teil werden die Fehler durch die U n - aewißheit begangen, die allen Kriegsereignissen anhaftet. „Der Krieg ist das Gebiet der Ungewiß» heit- drei Vierteile derjenigen Dinge, aus welche das Handeln im Kriege gebaut wird, liegen im Nebel einer mehr oder weniger großen Nugenuß- heit" (Clausewitz). Diese Ungewißheit fuhrt die Befehlshaber, die nicht ganz überragende Geistes- und
Kriegsgeschichte und Kriegführung
Von Erhard Wegeli, Oberstleutnant a. D.
worden war, ist ihnen entgangen.
Auch hat England befonders nicht die Umwälzungen erkannt, Die durch die Luftwaffe in der Seestrategie und -taktik eingetreten mar. Genau wie im Weltkriege glaubte es, durch Fcrnblockade, durch die „Fleet in being" Deutschlands Rohstoff- und Nahrungsmittelversorgung abschneiden und damit, wenn der Sieg zu Lande nicht erreichbar wäre, I Deutschland auf die Knie zwingen zu können. Datz man an die Wirksamkeit dieses Systems glaubte, solange Deutschland im „nasien Dreieck" eingeschlossen mar, so lange also seine Lage der des Weltkrieges bis zu einem gewissen Grade glich, ist allenfalls verständlich. Datz man aber nach Besetzung der Küsten vom Nordkap bis zur spanischen Grenze durch die deutsche Wehrmacht und deren dadurch erreichte Operationsfreiheit zur See und in der Luft auf den Weltmeeren noch an seinem seestrategischen System des Weltkrieges im wesentlichen feschalten zu können glaubt, ist unverständlich.
Diese» starre Kleben an Erfahrungen der Der- gangenheit, deren Ungültigkeit der Ablauf der, Geschehnisse im gegenwärtigen Ringen, immer wieder zeigt, ist gewiß teilweise mit dein konservativen und in mancher Hinsicht schwerfälligen Charakter der Briten zu erklären. England blickt auf eine so große Vergangenheit zurück und glaubt seine Macht so fest gegründet, datz es mit den Mitteln der Vergangen- heit die Gegenwart zu meistern denkt. Erst wenn es durch Rückschläge belehrt wird, sucht es sich der neuen Lage anzupassen. Das läßt sich in der englischen Geschichte bis weit in die Vergangenheit zu- rück verfolgen, z. B in den nordamerikanischen Unabhängigkeitskriegen, im Burenkrieg und im Welt- kriege. Bisher mar es ihm meist geglückt, die anfänglichen Rückschläge wieder gutzumachen. Dieses Mal ist aber die durch die überlegene deutsche Kriegführung geschaffene Lage so grundverschieden von allen früheren Kriegen Englands, daß seine klar zutage tretende Unterlegenheit sich nicht mehr ausgleichen läßt, sondern sich von Tag zu Tag verschärft. Noch nie in den Kriegen der Neuzeit war die britische Insel durch Kriegshandlungen in unmittelbare Mitleidenschaft gezogen wie jetzt. Noch nie war eine britische Blockade so unwirksam wie jetzt, mährend die Gegenblockade der britischen Insel, he« Sitzes der Lebensorgane des Empires sich allmählich aber sicher zum tötenden Würgegriff ge- staltet. Und- noch nie war das nicht zum geringsten auf Bluff und veralteten Anschauungen über das Matz her Inneren Kraft beruhende Prestige des Empires so tief gesungen wie jetzt. „England wird fallen", hat der Führer gesagt und er hat noch nie alsch prophezeit.
Wie anders ist dagegen die Verwertung kriegs- geschichtlicher Erfahrungen bei der deutschen Füh- rung. Sicher wird in keiner Wehrmacht Kriegs- geschichte gründlicher studiert als in der deutschen. In keiner Militärliteratur findet sich ein Werk, das die ewigen Wahrheiten und Lehren der Kriegsgeschichte in so klarer und umfassender Weise darlegt, wie das Biich Clauscwitzs „Dom Kriege", das in - seinen grundlegenden Betrachtungen nie veralten wird, mögen auch manche taktischen Einzelheiten . nur für die Zeit gelten, in der es geschrieben war. Der Hauptunterschied zu unseren Gegnern bei der
zu befreien und ihr, ebenfalls durch die Technik, die wahre Natur miederzugeben. Diese über war in allen Zeiten und wird immer bleiben: Angriff bis zur Vernichtung der feindlichen Wehrmacht und bis zur Lähmung des Kriegswillens der feindlichen Macht. Auf dieses Ziel hin ist unsere Führung gerichtet, unsere Wehrmacht ausgebildet und für diesen Krieg auch gottlob ausgerüstet.
So erklären sich die an da» Wunderbare grenzenden Erfolge unserer zwar auf der Tradition und den Lehren der Kriegsgeschichte süßenden, aber nicht darin verknöcherten Wehrmacht des Dritten Reiches auf allen Kriegsschauplätzen diese» Kriege». Sie sind keineswegs in allen Fällen durch lieber- legenheit, mehrfach, z. B. im Balkanfeldzuge, mit erheblicher Unterlegenheit an Zahl erreicht morden, lieb erlegen ist aber unsere Wehrmacht ihren Gegnern in der Ausrüstung mit den besten Waffen und sonstigem Kriegsmaterial, in der genialen kühnen Führung, die sich von jedem Schema frei hält und die Lehren der Kriegsgeschichte der Entwicklung der neuzeitlichen Technik angepatzt Hat, in der Ausbildung, die ganz aus die höchsten Ziele der Führung ausgerichtet ist, und nicht zuletzt in dem soldatischen Geist, mH hem Im Reiche unsere» Führer» ha<^ ganze Volk erfüllt ist. Wir missen, datz auch die Erfahrungen der bisherigen Feldzüge diese» Krieges Immer wieder ausgeweltet werden und ihren Niederschlag in weiterer Vervollkommnung der Ausrüstung in)h Ausbildung finden. Das gibt uns die Gewißheit des Endsieges.
sie ist untrüglich.
Kein Wunder, daß der Mischinenmeister solche Zustände ebensowenig leiden kann wie der Heirat»- Vermittler. Und darum wendet er einen Trick anr Er bringt das Derlobungspärchen in Hitze und läßt gleichzeitig unbemerkt die noch wartenden Jungfrauen eintreten, die dach ebenfalls von Herzen gern heiraten möchten und bloß vorhin zu spät gekommen oder zurückgedrängelt worden sind.
Und siehe da — der Trick hat Erfolg.
Jeder Jüngling hält zwar die erste Braut mit dem rechten Arm fest, aber mit dem linken angelt
Charaktereigenschaften besitzen, zur Unsicherheit und verführt sie, mögen sie noch so gelehrt sein und noch so eifrig die Grundregeln der Kriegskunst studiert haben, zu Verstößen gegen sie, die sich dann bitter rächen. Eine der wichtigsten Erfahrungen aus der Kriegsgeschichte aber ist die, daß im Kriege nichts so beständig ist als der Wechsel. Gerade das erklärt es, warum so viele gelehrte Generale, oft solche, die im Frieden als die größten Leuchten ihres Standes gegolten hatten, im Ernstfall versagt haben. Und hier liegt die Gefahr, deren man sich bei der Beschäftigung mit der Kriegsgeschichte bewußt sein muß, Die nämlich, die Lehren eines Krieges zu starr aufzufassen und anzuwenden. Niemals gleichen zwei aufeinander folgende Kriege einander, höchstens ähneln sie sich in gewissen Grundzügen. Der Feldherr, der glaubt, im Ablauf des letzten Striegcs ein Rezept sehen zu können, das er nur richtig, d. h. unter Vermeidung der darin begangenen Fehler, anzuwenden braucht, legt damit den Keim zur Niederlage. Friedrich der Große warnte seine Generale vor dem Schematisieren und Nachahmen, wenn er sagte: „So viele differente Terrains es gibt, so viele differente Bataillone." Ebenso ober, wie der Einfluß des Geländes zwingt die Entwicklung der Kriegstechnik, die rastlos neues gestaltet, immer wieder zur Aenderung der Strategie und Taktik.
In keinem Kriege sehen wir deutlicher als in dem jetzigen, wie fehlerhaft es war, aus dem Ablauf des Weltkrieges in feiner der Natur des Krieges so widersprechenden Entartung Zum Material- und Stellungskriege zu folgern, daß nun auch weitere Kriege so verlaufen müßten. Gewiß ließ auch nach dem Weltkriege im Verlaufe de» Krieges im Gran Chaco, des spanischen Bürgerkrieges und zum Teil auch des japanischen Krieges in China manches darauf schließen, daß die Zeit des Stellungskrieges noch nicht überwunden sei. Wer aber aufmerksam diese Kriege verfolgt, wird sich darüber klar sein, daß diese Kriege in ihren Vorbedingungen alles andere als normal waren. Im Chaco-Kriege zwischen Paraguay und Bolivien waren auf beiden Seiten die Angriffsmittel zu beschränkt, um auf einem nach Gelände und Klima so überaus schwierigen ftrie-a»- schauplatz schnelle durchschlagende Erfolge im Bewegungskrieg zu erreichen. Im spanischen Bürgerkriege war es nur durch das ganz allmählich mit fremder Unterstützung erreichte Uebergewicht auf Francos Seite möglich, entscheidende Kampfhandlungen zu führen. So lange die beiderseitigen Kräfte im Gleichgewicht waren und es an den technischen Angriffsmitteln fehlte, um die feindlichen Stellungen zu durchbrechen und im Anschluß daran lief durchmstotzen, mutzte sich Franco mit Teilerfolgen begnügen, die allerdings die Entscheidung in glücklicher Weise vorbereiteten. Erstrebt hat er immer den Bewegungskrieg und ihn schließlich auch erreicht. Irn japanisch-chinesischen Kriege endlich ist die Weiträumigkeit des Landes eine so ungeheure und das Mißverhältnis an Zahl der beiden Völker zu- ungunsten der Japaner lo bedeutend, daß auch dieser' Krieg keine Vergleichsmöglichkelten für einen europäischen Krieg geben kann. Und dach folgen auch in diesem Kriege auf längere Zeiträume des Stellungskrieges immer wieder solche des durch die Japaner ermmngenen Bewegungskrieges, der dann allerdings durch die Ueberdehnung der Nachschublinien wieder zum Stellungskrieg erstarrt.
Unsere Feinde im jetzigen Kriege Haben den gründ- legenden Fehler begangen, daß sie die Weltkriegs- erscheinungen als Norm angesehen Haben, die Ihnen durch die neueren Kriege nur noch bestätigt schien. Diesen Eindruck gewinnt man deutlich, wenn man z.B. die französischen Vorschriften über die Führung der großen Verbände im Kriege aufmerksam durchlieft. Unsere Gegner glaubten zunächst, das Rezept zur Niederringung Deutschlands wie im Weltkriege im Zweifrontenkriege gesunden zu haben, selbst nach dem Scheitern ihrer Verhand- lungen mit Rußland, im Glauben an die Wider- standskraft Polens auf längere Dauer. Sie rechneten dabei mit der gleichen Ueberlegenheit der Mertelbi- gung befestigter Stellungen gegenüber dem Angriff wie im Weltkriege. Als sich dann aber bic Durchschlagskraft des deutschen Angriffs selbst durch ständig aus gebaute Befestigungsanlagen zeigte, als m
Was damals gelang, mußte auch jetzt wieder zum Ziele führen. Daß aber Deutschland inzwischen nicht nur durch seine FriedensivorbereUungen auf dem Versorgungsgebiet, sondern auch durch die wesentlich andere politische Lage und die damit verbun- Deuen besseren Zusuhrmöglichkeiten blockadefest ge-
Sie ist ihm so selbstverständlich, wie das wissenschaftliche Rüstzeug, das er sich unter Professor Erik ^EHemIfche^Formeln. für Nilsen-in Graus und ein ewiges Schreckgespenst — für Lietzendorf sind sie Zauberworte, noch mehr, Bausteine, Werkzeug und Schaffenselement. um
Er hat eine besondere Art, Die Vorgänge ver- stündlich zu machen. _
Verbrennung — das ist nicht das, was die Hausfrau sieht, wenn sie den Ofen heizt ober bie Suppe kocht und wobei die Flamme die Hauptsache ist. Verbrennung — das ist auch nicht das, was Der Maschinenmeister auf dem Motorenstand des U- Bootes erkennen kann, wenn er bie D" en anstellt. Was man da mit bloßem Auge schaut, d'e Flamme, die Verkohlung, die Aschenbildung, das sind Neben- oder Folgeerscheinungen.
Das wirkliche Geschehen liegt tiefer und bleibt dem menschlichen Auge verborgen.
Verbrennung — bas ist ein Wunbergeschehen in der Natur. w
Sie ist eine Umkehrung des Vorganges in dem die Pflanzen wurden. Sonnenenergie hat sich veim Bau ihrer Gewebe aufgespeichert, und Sonnenenergie wird bei der Verbrennung wieder frei unü an den Haushalt der Natur zurückgegeben.
Um das zu erreichen, wird der Brennstoff entzündet. Dabei entstehen Wärme- und Lichterschetnun- gen — auf sie kommt's der Hausfrau und dem Maschinenmeister an — aber sie sind nicht die Verbrennung, die dem Chemiker die Ausgaben stellt.
Der Chemiker muß wissen, daß bei der^ rhitzung brennbare Gase - Wasserstoff und KolH istoff — aus dem Brennstoff ausgetrieben werden, die in Der Hitze entflammen und sie dabei mit einem anderen Gase, dem Sauerstoff, zu einem neuen Gas von ganz anderer Beschaffenheit verbinden.
Verbrennung — das ist also die Lösung eines — Eheproblems.
Mann und Frau gehören dazu wie In jeder Ehe. Bei her Verbrennung des Gasöls der Dieselmotoren heißen die beiden Partner Kohlenstoff und Sauer- ftof . Beides sind Gase.
Es gibt auch Verbrennungen anderer Gase. Zum Beispiel von Wasserstoss. Fräulein Sauerstoff ist aber auch dabei unersetzlich - so unersetzlich w.e eben nun einmal nur die Frau in der Welt der
Was ist bestimmend für eine glückliche Gattenwahl? Der Charakter. Der innere Wert!
Auch bei der Eheschließung, die der Chemiker so nüchtern „Verbrennung" heißt, kommt » allein dar- auf an: auf die Wertigkeit der Partner.
Fräulein Sauerstoff ist von ihrer inneren Ueberlegenheit gegenüber dem Jüngling Wasserstoss so felsensest üoerzeugt, daß sie weiß: Ein einziger IRann iannmich nie fesseln. Ich brauche zwei. Nicht wegen der Abwechslung — ach nein — aber zur Begründung der wirklichen Harmonie.
Der Chemiker weiß das und laßt es geschehen. Die Naturkrast ist stärker. Der Chemiker kann bloß zusehen und seine Schlüsse ziehen. Er lächelt in der Erkenntnis: Fräulein Sauerstoff ist doppelt sovie wert wie so ein schlappes Wasserstofsmannchen. Soll da eine vernünftige und glückliche Ehe zustande kommen, bann nur auf dem Gebiet der Polygamie. Das Wasserstoffatom findet sich mit der Nolle eines tibetanischen Bergbauern ab, der sein Weib nut seinem Bruder teilt. _
Ein Glück ift's, dah bie brel gärtner bas ein- sehen und sich ohne Mucksen danach einnchten Vielleicht wissen sie, was für die Welt davon abhangt. Denn die Ehe, zu der das dreieckige Verhältnis Hufammenfüfjrt, h-istk bei ben Tibetanern Paly- anbrie, bei Wasserstoff unb Sauerstoff feboch —
wenn sie einmal auselnanbergingen! Denn alles Leben in ber Welt beruht auf ihr.
Die Menschen habens bei der Loung des Problems der Polygamie noch lgngst nicht soweit gebracht. Vielleicht liegt es daran, daß ihre An- sichten über bie Wertigkeit ber Charaktere mehr nU®ei'°ihnVr? ° e n b e n solche breieckigen Verhältnisse gleichfalls manchmal im — Wasser Aber davon hat dann keiner was. Nicht einmal Die nächsten Be- teiliflten! Warum also?
Bei dem, was Lietzendorf unb her junge Dominik Vorhaben, kommt es auf die Ehe „Wasser" nicht so ehr an. Denn Wasserstoff ist im Dieselgasol nicht o sehr viel enthalten.
Wichtiger ist da der Kohlenstoff.
Der Kohlenstoff ist ein „Mann" von anderen Formaten als das Kerlchen Sauerstoff. Er nimmt es mit vieren von der Sorte auf.
Auch bei ihm ertönt der Schrei nach der Mehr- ehe. Jedoch im umgekehrten Verhältnis. Niemand würde ihm bei seiner korpulenten Struktur die Rolle eines halbverhungerten Tibetaners zumuten, der seine Frau mit seinem Bruder teilt. Ach nein! Herr Kohlenstoff würde sich auch nicht bloß mit einer halben Frau begnügen. Im Gegenteil! Er beanspruchte für sich einen wohlbesetzten Harem mit zwei Gattinnen. Mannes genug ist er dafür.
Mit dieser wohlbearündeten Auffassung von Der Ehe geht er auf Die Freite.
Aber leider — Frauen sind nicht so fügsam wie Männer — wie Wasserstofsmännerchen. Die Sauer- stofsbräute sträuben sich gegen den Harem. Wenig- ^Bj/das^Üeben sie des Besseren belehrt — unb bann gibt's entweder eine glückliche Ehe ober eine Tragödie von ewigem Trennungsschmerz.
Wie das vor sich geht?
Da steht der Maschinenmeister am Dieselmotor wie der Heiratsvermittler bei Massenandrang am Eingang seines Empsangssalons unb öffnet Die Düsen lieber ber einen steht „Kohlenstoss . Da kommen bie ehesreubigen Bräutigams anspaziert. Feder schön einzeln, wie sich da» gehört und der Würde des Raumes entspricht, lieber dem andern (Eingang ist „Sauerstoffs geschrieben. Da warten die Damen.
Und schon ist der Teufel los.
Die Damen halten keine Ordnung.
Kaum kommen sie ein bißchen in Hitze, da stürmt die Hälfte von ihnen vor und wirft sich dem geliebten Manne in die Arme.
Die andere Halste dagegen die sich nicht so schnell anbieten konnte, steht daneben unb hat vorläufig das Zufchauen bei ber rührenben Verlobungsszene, die sich da vor ihren Augen absplelt.
Es ist tatsächlich bloß eine Verlobung — eine Sache, bie mit viel äußerem Aufwanb aufgezogen ist aber letzten Endes keinen anderen Zweck er
füllt als den Beteiligten Gelegenheit zu gebe.,, sich zu prüfen. Da mag sich jedes Pärchen überlegen, ob die Liebelei groß genug ist für eine richtige Liebe, in der sie sich bann noch fester zusammenschließen ober ob die Geschichte wieder auseinandergehen soll.
Wie bei den Menschen scheint es zuzugehen! Auch hier wird zunächst bei der Liebe das Wichtigste übersehen. Der Charakter! Die Wertigkeit!
Stellt nämlich Der Maschinenmeister die Verlobungspärchen auf die Probe und läßt sie bloß mal zum Spatz bei einer Wärme von 189 Grad über Nickel tanzen, bann zeigt sich sehr schnell, wie lose die Verbindung war. Sämtliche Verlobungen — vis auf einen ganz kleinen Rest — gehen wieder In die Brüche.
Eg ist also nichts mit der Einehe! Wenigstens nicht zwischen dem Sauerstofffräulein und dem Kohlenstoffkavalier. Die Erkenntnis ist bitter, aber
Sie hatten jedoch nichts aus dem polnischen Feldzug gelernt. Sie glaubten an die Unüberwindlichkeit ber Maginotlinie ap, bie Zermürbung Deutschlands Du ixt) einen langen Stellungskrieg unter ber Wir- hing ber englischen Blockade ähnlich wie im Weltkriege. Auch in dieser glaubten sie sich schematisch an das Vorbild des Weltkrieges halten zu können.
nyng".
Und eine Musterehe ist die Folge.
Keine Spur mehr von MindermerUgkettskorm pieken ober Herrenallüren. Der Kohlenstoffatom unb die beiden Sauerstoffatome umarmen sich so innig, fließen in ihrer Liebe so hemmungslos zusammen, daß jeder Teil sich ganz und restlos an den andern verliert und ein ganz neues Wesen ^ Kohledioxyd heißt es Oder auch Kohlensäure Beides bezeichnet das gleiche.
Kein Wunder, daß es den Ingenieuren so schwer» Rätsel aufgibt, eine solche Ehe wieder auseinanderzubringen!
(Fortsetzung folgt.)


