Mittwoch,28.August MO
(90. Jahrgang Nr. 205
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Deutsche Bomben auf Portsmouth
Der erste Bildbericht vom deutschen Lustangriff aus Portsmouth
Unser Bild wurde während Les Bombardements suj hie Dockanlagen tes großen südenglischen Kriegstzasens Portsmouth ausgenommen. z
lands zu einer Katastrophe auswirken werde. Infolge der lebhaften Tätigkeit, die die deutschen und neuerdings auch die italienischen U-Boote im Atlantischen Ozean entfalteten, hätten die britischen Seewege eine weitere Verlängerung erfahren, was praktisch einem neuen, fühlbaren Tonnage- v e r l u st gleichkomme. Die systematische Bombardierung der englischen Werften durch die deutschen Luftstreitkräfte hätten die Londoner Regie-
Keine deutschen Soldaten mehr in französischer Gefangenschaft.
Berlin, 27. August. (DJIB.) Die bisher wegen ihrer schweren Verwundung nicht transportfähigen letzten deutschen Kriegsgefangenen im unbesetzten Gebiet Frankreichs sind in diesen Tagen nach Deutschland zurückgebracht worden. Es befinden sich jetzt keine deutschen Soldaten mehr in französischer Gefangenschaft.
Unser Bild hielt die wohlgezielten Bombentreffer auf die Anlagen der Staatswerft von Portsmouth fest. ' (Scherl-Bilderdienst-M.)
Ribbentrop und Eiano in Wien.
Besprechungen mit Csaki und Manuleseu.
Berlin, 28. August. (DJtB. Funkspruch.) Der Reichsmlnister des Auswärtigen von Ribbentrop und der königlich italienische Autzenminister Graf L i a n o haben den königlich ungarischen Außenminister Graf L z a k i und den königlich rumänischen Außenminister Manuleseu heute nach Dien eingeladen, um dort gemeinsam interessierende Fragen zu besprechen. Die Besprechungen der Außenminister beginnen am Donnerstag.
rung gezwungen, zahlreiche Kriegsschiffe zur Reparatur nach überseeischen Werften zu schicken, wodurch ein großer Zeitverlust entstehe. Darüber hinaus habe der Mangel an Wersten meh- Krregsschiffe gezwungen, die durch Bomben-
Oie britische Insel unter den Bomben der deutschen Lustwaffe
Die Lustabwehr versagte.
Madrid, 28. Aug. (DNB. Funkspruch.) Das Versagen der englischen Lustwarnung im Falle des deutschen Angriffes auf den Flugplatz Croydon wurde von dem konservativen Abgeordneten Herbert Williams in einer Anfrage an den Innen- Minister gerügt. Die erste Bombardierung sei um 19 Uhr erfolgt, während die Warnung erst um 19.15 Uhr gegeben worden sei. — Innenminister Anderson versuchte daraufhin die verantwortlichen Stellen zu verteidigen, indem er sagte, sie hätten Anweisung, die Sirenen erst auszulösen, wenn die Entwicklung eines Angriffes übersehbar sei. Das sei im Falle Croydon nicht möglich gewesen. Es habe zunächst der Eindruck bestanden, daß die deutschen Flieger die englische
abwürfe verursachten Schäden an den Maschinen oder Deckpanzerungen mit Bordmitteln notdürftig auszubessern, so daß ihr Kampfwert bedeutend geringer geworden sei. Mittlerweile aber verbreite die englische Lügenpropaganda Nachrichten über die mehr oder weniger vollständige Zerstörung des deutschen Industriegebietes an der Ruhr und der norditalienischen Industriezentren. „Popolo di Roma" macht sich auch über die Flugblätterpropaganda Duff Coopers lustig, deren Text das Blatt als den Gipfel der Dummheit bezeichnet. Sowohl bei der deutschen als auch bei der italienischen Bevölkerung hätten sie lebhafte Heiterkeit hervorge- rufen.
handelt, die bisher über Dover ausge- kämpft worden seien. Granatsplitter und Maschinengewehrkugeln hätten wie bei einem Regen die Straßen bestreut. Auch dieser Korrespondent war während des Luftangriffs unter freiem Himmel. Er bestätigt, daß Messerschmitt-Jäger die Ballonsperren bei Dover angriffen und davon zwei Ballone in Brand schossen. Obwohl englische Jäger bereits an der südenglischen Küste aufstiegen, um die deutschen Maschinen anzu- greifen, gelang es ihnen nicht, die deutschen Flugzeuge an ihrem Weiterflug zu hindern.
In einem Bericht des Reuter-Büros wird erklärt, daß die Deutschen in der Nacht zum Dienstag von Anbruch der Dunkelheit bis zum Morgengrauen ihren bisher größten Angriff gegen Großbritannien durchgesührt hätten. Während dieser Nachtangriffe überflogen die deutschen Flugzeuge die englische Küste in einer Länge von mehr als 800Kilometer, über Gegenden von Nordosten bis zum Siidwcfften einschließlich Middlands und der Londoner Gegend. Bomben fielen an verschiedenen Stellen 'nieder. Militärisch wichtige Ziele wie Industrieanlagen in den Middlands, so gibt selbst Reuter jetzt zu, wurden in Mitleidenschaft gezogen. In mehreren Gegenden waren die Luftalarme die längsten seit Kriegsbeginn. Das ausgedehnte Feuer der Flakbatterien, das Aufblitzen der Bombenexplosionen und die Strahlen der Scheinwerfer bildeten den dramatischen Hintergrund für den siebenten Luftangriff auf die militärischen Anlagen Londons innerhalb von drei Tagen.
Englands Vinnenverkehrswege verstopft.
Madrid, 28. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die Zeitung „Madrid" stellt in einem Leitartikel unter der Überschrift „Ganze Arbeit" fest, daß die ununterbrochenen deutschen Luftangriffe auf militärische Anlagen in England das gesamte Verkehrswesen des Landes schwer erschüttert haben. Die Konsequenzen seien unabsehbar. Fest stehe, daß die Verlegung des gesamten Schiffsverkehrs in die unzureichenden Häfen der Westküste eine vollkommene Verstopfung d e s B i nnenverkehrs verursachen werden. Das britische Eisenbahnnetz von der Westküste ins Innere sei vollkommen unzulänglich, um den Anforderungen zu genügen. Sehr aufschlußreich fei in diesem Zusammenhang die Bestellung von 75 000 Tonnen Eisenbahnschienen in Nordamerika durch die englische Regierung. Die Kanäle seien nur für lokale Bedürfnisse verwendbar. Der Kanalverkehr bewältigte durchschnittlich 10-45 000 Tonnen, sei also vollkommen ungenügend für die englische Versorgung. Auch das englische Wegenetz von 45 000 Meilen sei zur Hälfte nur für einen Einbahnverkehr geeignet.
Römische Berichte.
London über die Handelsschiffsverluste beunruhigt.
Rom, 27. Aug. (Europapreß.) Die Tatsache, daß bie Engländer am Montag wiederum 72 Flugzeuge verloren haben, während nur 14 deutsche Apparate nicht zurückgekehrt sind, wird von den italienischen Blättern als ein erneuter Beweis für die gewaltige Ueberlegenheit der deutschen Luststreitkrafte gegen» über der englischen Lustwaffe gewertet. Diese Ueber- legenheit, so schreibt „Messaggero , sei ^uckeich. Die englische Abwehr erscheine in ihrer wirkungslos. Die berühmten Fes se lb ai- lonfperren dienten zu nichts. Als bezeichnend für die deutsche Ueberlegenheit führt das Blatt an, vaß die 7 0 Flugzeuge, die Bomben auf die Waffen- und Munitionsfabriken von ®ir mt n 9' Ham abgeworfen haben, sämtlich zu ihren ®tug- punkten zurückqekehrt sind.
Weiter teilen die römischen Blätter mit, o schweren Verluste der englischen Handelsflotte im Monat August gäben m London Anlaß zu schwerer Sorge Man befürchte, daß im Falle einer Verschärfung der Lage im Fernen Osten und im Mittelmeer sich die maritime Lage Ung-
Verteidigung nicht durchbrechen könnten. Das sei dann wider Erwarten doch eingetreten. Irn übrigen seien die Luftwamstellen nicht unfehlbar.
Reparaturbedürftige Kriegsschiffe.
Tokio, 28. Aug. (Europapreß.) Daß sich viele Einheiten der englischen Kriegsmarine zur Reparatur in den Docks befinden, wurde von dem Kapitän des japanischen Dampfers „Hakusan Maru" bestätigt, der am Dienstag mit einer größeren Zahl japanischer Flüchllinge aus England in Yokohama eintraf. Er erklärte: „Ich sah 16 englische Kriegsschiffe in den Trockendocks von Liverpool. Nach dem, was ich mit eigenen Augen sehen konnte, hat die Flotte Englands schwere Schäden erlitten."
Neuorientierung der Niederlande.
Die Niederlande sind durch ihre günstige geographische Lage, durch die außerordentliche Fruchtbarkeit des Bodens, die durch eine Art Treibhausklima noch weiteste Förderung erfährt, sowie durch den Reichtum an Bodenschätzen für Europa schon immer das Land gewesen, „in dem Milch und Honig fließt". Es hatte sich namentlich im vorigen Jahrhundert und bis zum Weltkriege ein Wohlstand der niederländischen Bevölkerung herausgebildet, der eine gewisse Sprichwörtlichkeit besaß. Wenn ein Holländer in irgendeinem europäischen Land als Gast erschien, so verband man mit ihm unwillkürlich den Begriff des Reichtums und der Wohlhabenheit, ein Begriff, dem sich auch das Wesen und Aussehen des holländischen Bürgers bereits angepaßt hatten. Nicht zuletzt hatte der große Kolonialbesitz der Niederlande diesem nur 8,5 Millionen Einwohner zählenden Land außerordentliche Einkünfte eingebracht. Aus diesem Wohlergehen mußte sich eine gewisse Übersättigung des holländischen Menschenschlages herausbilden, die die kämpferischen Energien lähmte und naturgemäß in schlechten Zeiten ernste Rückschläge auslösen konnte.
Es wird vielfach angenommen, daß die holländische Wirtschaft ein überwiegend landwirtschaftliches Gepräge aufweist. Das ist nicht der Fall. Bei Aufgliederung der erwerbstätigen Bevölkerung überwiegen die Industrie und der Bergbau. Nach der letzten niederländischen Bevölkerungsstatistik sind von den insgesamt 3,8 Mill. Erwerbstätigen des 8,64 Mill. Einwohner zählenden Mutterlandes 1,25 Mill, oder 39 v. H. in diesen beiden Wirtschaftsgruppen beschäftigt. Durch die Eigenart der Lage bedingt, stehen an zweiter Stelle die Gruppen Handel und Verkehr mit 21 und 16 v. H. Dann erst folgt die Forst- und Landwirtschaft mit einem Anteil von rund 24 v. H. Trotzdem ist die holländische Landwirtschaft infolge ber natürlichen Voraussetzungen eines guten Bodens, guter klimattscher Verhältnisse und ihrer gepflegten Kuttur durch die Erzeugung von Vieh, Milch, Butter, Eiern, Käse sowie durch die uralten Gartenkulturen, Gemüse und Blumen seit jeher für das Land von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung.
Im Laufe des vorigen Jahrhunderts entwickelten sich Industrie und Landwirtschaft zu einem Umfang, der über die Bedürfnisse der eigenen Wirtschaft weit hinauswuchs. Nicht zuletzt bedingt durch die verkehrsaeographifche Lage uni) den hohen Stand der Schiffahrt sowie durch den Kapitalreichtum des Landes kamen in schneller Folge zahlreiche Industriezweige auf und wprden zum wichtigsten Ausfuhrfaktor. Der Rohstoffmangel zwang jedoch zur Einfuhr von ausländischen Rohstoffen in großem Umfange. Das gilt besonders für Mineralien^ Der Anteil der Jndustrieprodukte an der Gesamt-
Folkestone und Dover im Vomvenregen.
Neutrale Wahrnehmungen.
Stockholm, 28. Aug. (Europapreß.) „Dagens Nyheter" bringt Stimmungsbilder von den Auswirkungen der deutschen Luftangriffe auf Folkestone und Dover. Der Korrespondent erklätt, daß die 30 deutschen Bombenflugzeuge, welche Montag' nachmittag Folkestone angriffen, nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die militärischen Stellen überrascht haben. Das Bombardement kam derart unerwartet, daß die Einwohner nicht mehr Zeit genug hatten, vor dem Niederschlagen der ersten Bomben in ihre Luftschutzkeller zu stürzen. Dey in Folkestone angerichtete Schaden muß beträchtlich sein. Obwohl der Korrespondent die ganze Zeit Augenzeuge des Luftkampfes gewesen ist, der sich über Folkestone absvielte, war er nicht in der Lage, auch nur den Abschuß eines einzigen deutschen Flugzeugs selber zu beobachten.
Die deutschen Flugzeuge flogen in den Nachmittagsstunden in drei verschiedenen Wellen über Dover hinweg und setzten dann ihren Weg in Richtung London fort. Sie waren begleitet von starken Iägereskorten und flogen so hoch, daß sie nur als Heine Punkte zu erkennen waren. Die Luft- kämpfe konnte man jedoch vom Boden verfolgen. Es habe sich um die heftigsten Kämpfe ge-


