Zreitag, 28. ZuniMO
llr. \5\ Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)
Aus der Stadt Gießen.
Lob der Erdbeere.
Es ist ein schöner Junitag. Im Garten liegt die Gönne über den Beeten, es hat gestern sogar ge- irgnet, so daß wir nicht zu gießen brauchten. Alles seht so frisch und grün aus, es ist ein Staat. Die iosen duften, leuchtend rot und ganz zartrosa sehen sie in den Büschen. Eine dicke Hummel bmmt angebrummelt, ach, wie ist es herrlich warm!
Kopfsalat und Dill liegen schon in meinem Korb, nm geht es an das Pflücken der Erdbeeren, diesen, tesonders schönen Geschenk des Himmels.
„Die Schnecke kriecht mit Schleckersinn zu der geliebten Erdbeer' hin."
ko hieß ein Vers in einem alten Kinderbuch. Ver- fßt man das je? Das Bild dazu könnte ich heute roch aus dem Gedächtnis zeichnen: Die Schnecke rar wundervoll gemalt, man sah ordentlich das flgehrliche Funkeln in ihren Aeuglein, aber wie copetitreizend lugten auch die runden, roten Früchte tnter den grünen Blättern hervor. Sie sind so fibsch gezahnt und auf der Unterseite seidig be- jiart, gehört doch die Erdbeere zur Familie der josengewächse, zu der ja alle unsere Kern- und kteinobstsorten gehören. Die Heimat der Rosaceen, jn der über 1650 Arten bekannt sind, ist die ganze leit, von den heißesten Tropen bis zu den ark- 'chen Ländern. Immer haben die Blüten dieser Ge- ächse fünf Kelchblätter und fünf Kronenblätter, ich die große Anzahl der Staubgefäße ist ihnen meinsam.
Nach diesem kleinen Abstecher ins Botanische den ich zu entschuldigen bitte, aber wußten Sie <i? —, kehren wir wieder zu den Erdbeeren zu- rck. Uns kommt es hauptsächlich auf die Früchte i, und auf ihr möglichst zahlreiches Auftreten! Zirklichkeit, mein Korb ist schon bald gefüllt. Manch- al wandert auch eine besonders schöne in den tunö. Es ist so anstrengend, zwischen den dicht- chenden Reihen zu balancieren, ohne die Früchte ctzutreten, und immer wieder muß man feststellen, iB man zu große Füße hat. Wo läßt man sie nur! hb wo läßt man nun den Korb? In einer Zett- -rift sah ich einmal einen praktischen Erdbeerkorb, -r hatte ein Bein, ein Stockbein, und er stand fein, fest und aufrecht. Ha, das wäre eine feine iache! Aber nun bin ich bald fertig, es sind ja nicht -sengroße Felder, die ich abzuernten habe, wie ich > im Taunus und im Elsaß sah. Da war das flücken in heißer Sonnenglut gewiß keine ange- chme Aufgabe.
Plötzlich sehe ich den dicken Strauß Walderd- :eren vor mir — diese kleinere Schwester unse- ir Gartenerdbeere —, den uns Odenwälder Kin- r in schmutzigen Fäustchen entgegenreichten, als tir gerade so durstig waren. Wie waren sie süß! hb manche fröhliche Erdbeerbowle — freilich, nach jii Sitte meiner Heimat, nur mit „Aeppelwei" und l.lbeler Wasser — steht mir vor Augen.
Nun ist der Korb voll, wie werden die leuchten- Ijm Früchte uns heute abend mit süßer Milch shmecken und, in Gläser eingeweckt, werden sie ins noch im kalten Winter erquicken und in uns die krinnerung an frefye Junitage wachhalten^
Tageskalender für Freitag.
Volkstümlicher Dortrag der Ludwigs-Universität: 2.30 Uhr im Kunstwissenschaftlichen Institut, Lud- lligstraße 34, Professor Dr. Frölich über ,Lur Üiechtsgeschichte der untergegangenen Ortschaften, bsonbers in Hessen und den Nachbargebieten" (mit Lchtbildern). — Gloria-Palast, Seltersweg: ,Zau- |kr Liebe". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ; „Sommer, Sonne, Erika".
Von der Universität Gießen.
Dem außerordentlichen Professor und Rektor unsrer Universität Dr. med. H. W. Kranz wurde ir.ter Ernennung zum ordentlichen Professor in der Medizinischen Fakultät der Universität Gießen der Lhrstuhl für Erb- und Rassenforschung übertragen, br Zahnarzt Dr. Karl Schott in Gießen ist bell, ftragt worden, in der Medizinischen Fakultät der lliiversität Gießen das Fach der Zahnheilkunde in Erlösungen und Hebungen zu vertreten.__________
Oer Mond und die Blumen.
Don Josef Robert Harrer.
Die ernsten Gelehrten, die den Erscheinungen 6e: Erde und des Himmels nachspüren, haben für sles genaue Erklärungen gefunden, die wir auch wiffenschafliche Wahrheit in der Schule lernen, dshalb müssen wir auch unsere merkwürdige Gerichte vom Mond ganz leise erzählen, damit die zehrten Herren nicht zuhören können; sie wür- uns ja mitleidig belächeln oder gar tadeln, Dinn sie unsere Geschichte vernähmen, die in lenem Buche ausgezeichnet ist.
Zs war vor vielen tausend Jahren, als der Mond jenes einsamen Wanderns müde wurde, «ängst »Viren seine Bewohner ausgestorben, die Flusse o:ren vertrocknet und kein freundliches Grün deckte •iit weiten Gefilde. Mit Wehmut dachte der Mond j?r er Zeit, da auch in seinen Gärten die herrlichen Blumen blühten und die Bäume im lauen Winde Maischten.
Nachdenklich sah der Mond vor sich hm; ferne 3' de fielen auf unsere Erde, die als große, matt- ich mmernde Scheibe langsam Über den dunklen Himmel zog. .
Setzt ist auf der Erde Frühling, dachte der Mond. Segt blühen auf der Erde die Lilien und die. Rosen. 8c>, wenn ich nur wieder einmal Blumen sehen ■on nte 1 .,
Diese sehnsüchtigen Gedanken machten ihn sehr trcnrig, und nur ungern schlich er seinen vorge- friebenen Weg am Himmel dahin.
Um nächsten Morgen aber sprachen die Menschen w erer Erde zueinander:
Habt ihr heute nacht den Mond gesehen? er a. ein so armseliges Gesicht gemacht, als ob er ii.nte. Und nur ganz langsam schwamm er uver e:. Himmel!" , x
-hr dürft nicht vergessen, daß damals der Mond iccht für Nacht immer das gleich große Sllber- l^cht der Erde zeigte.
wieder wurde es Nacht. Und des Mondes Sehn- rc»t nach den Blumen der Erhe war noch großer Horden, weil er den ganzen Tag lang, statt zu Hofen, nur an die Blumen gedacht hatte.
ich muß der Erde rasch einen Besuch nJ“<9en' i(te er zu sich, wenn auch morgen die geftrenge 'lnne schimpfen und mich besttasen roirö!
er zog eine große Kappe über sein leuchtendes ^icht und stieg auf die Erde hinab. Weithin war
Alle Kräfte im Einsatz für den Endsieg!
Oer Gauleiter spricht vor 4000 Rüstungsarbeitern in Frankfurt.
NSG. Zu wiederholten Malen nahm Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger in den vergangenen Wochen Gelegenheit, um auf Betriebsappellen in eindrucksvollen Reden eine Deutung des großen geschichtlichen Geschehens unserer Tage zu geben. Im Rahmen dieser Veranstaltungen sprach er am gestrigen Donnerstagmittag in der Gauhauptstadt Frankfurt vor mehr als 4000 Rüstungsarbeitern und Arbeiterinnen.
Der Gauleiter behandette eingangs seiner Rede die Folgerungen, die das deutsche Volk aus dem Sieg über Frankreich zu ziehen habe. Jetzt heißt es, den Helm fester binden, um gegen den wirklichen Kriegshetzer, gegen England, anzutreten. Mit Zuversicht kann Deutschland dieser Auseinandersetzung entgegensehen. Dazu berechtige es die vom Führer geleistete gründliche Vorarbeit ebenso wie die während des bisherigen Kriegsverlaufes errungenen unvergleichlichen Siege.
Den Plutokraten Englands und Frankreichs, deren geistige Führung der ewige Jude innehat, war der sozialistische Ausbau des Reiches Grund genug, den Krieg zu entfesseln. Die Plutokraten der Westmächte, die gewohnt waren, den Schweiß ihrer Völker in Gold umzumünzen, sahen sich durch das Aufkommen dieser jungen, neuen Idee des Nationalsozialismus aezwungen, ihr Schmarotzertum zu verteidigen.
Eindringlich behandelte der Gauleiter das sozialistische Wollen des Nationalsozialismus, das in den ersten Jahren bereits praktische Erfolge erringen konnte, die in der Welt unerreicht dastehen, das
aber nach Beendigung des Krieges mit anderen Möglichkeiten zu noch ungeahnteren Erfolgen schreiten wird. Im einzelnen zeigte der Gauleiter dann die sicheren Fundamente unseres Reiches auf. Er erläuterte die Arbeit der Partei, verwies auf den Aufbau unserer Wehrmacht und behandelte nicht zuletzt Gesinnung und Leistung des deutschen Arbeiters, die in ihrer Tätigkeit in den Waffenschmieden des Reiches besonderen Ausdruck fände.
Nach besonderer Behandlung des Waffenstillstandes mit Frankreich, der den siegreichen Abschluß des tapferen und opfermutigen Einsatzes unserer Wehrmacht brachte, ging der Redner auf die Notwendigkeiten ein, die der jetzt bevorstehende Kampfabschnitt unserem Volk stellt. Die Forderung heißt hier für Heimat: Jede Hand muß Mitarbeiten, um dem Führer weiter die Voraussetzungen für das Endziel des kommenden Ringens zu schaffen, für den Sieg über England! Eine Selbstverständlichkeit ist weiter die Beachtung einer anständigen Gesinnung und die Befolgung der Gesetze, die für die Aufrechterhaltung der Volksgemeinschaft notwendig sind. Der Gauleiter behandelte diese in besonders eindringlicher Form als die moralische Rüstung der Heimat. Mit dieser Rüstung der Waffen und des Geistes gewappnet, so schloß er seine Rede, sehe das deutsche Volk der Entscheidung ruhig und zuversichtlich entgegen. Es wisse, daß der Führer mit Hilfe des Opfers, des Mutes und der Treue des deutschen Volkes die Zukunft der Nation für kommende Generationen erstreiten werde.
Die unsichtbaren Helfer.
Arbeiter und Angestellte der Wehrmacht wirken mit für Deutschlands Größe.
Mit der Aufrichtung der deutschen Wehrmacht sind diese Arbeitsgebiete erwachsen, die vielen Volksgenossen Arbeit und Brot gebracht haben, insbesondere manchen alten Soldaten und Kämpfern der Bewegung, die nicht mehr für den aktiven Wchr- dienst in Frage kommen.
Diese Volksgenossen, die heute als Arbeiter oder Angestellte zur Wehrmacht gehören, haben mit Bewunderung einen Aufbau erlebt, wie ihn kein Land der Erde in einer solch kurzen Zeit nachweisen kann. Die auch von ihnen in unermüdlicher Pflichterfüllung geleistete Arbeit hat zu dem großartigen Aufbau unserer neuen Wehrmacht beigetragen.
Der Dienst in der Wehrmacht als Angestellter oder Arbeiter erftreeft sich auf Gebiete fast aller Berufe. Verwendung formen nur tüchtige und zuverlässige Menschen finden.
Es ist da z. B. der Waffenmeistergehilfe, der — neben dem Waffenunteroffizier — für den Waffenmeister des Regiments oder Bataillons die ordnungsmäßige Behandlung der Waffen mit zu überwachen und die an den Waffen erforderlichen Jn- standfetzungsarbeiten präzise auszuführen hat. Er freut sich mit dem übrigen Waffenpersonal, wenn sein Truppenteil bei einer Waffenbesichtigung ein Lob erntet. Bei den Schneidern, Schuhmachern und Sattlern der Truppe verhält es sich ebenso. Sie leisten in stiller Pflichterfüllung vor allem jetzt im Kriege täglich eine unschätzbare Arbeit, die dazu beiträgt, daß die Truppe ständig mit gutem Schich- merf, Lederzeug und guter Bekleidung ausgestattet ist. Ihnen ist es mit in erster Linie zuzuschreiben, wenn man von einer Truppe sagen kann: „Sie ist in Ordnung."
Der Kammerarbeiter ist der Gehilfe des Beblei- dungsunteroffiziers auf der Bekleidungskammer. Ihm obliegt die ordnungsgemäße, übersichtliche und saubere Aufstapelung der Bekleidung. Er hat außerdem dafür Sorge zu tragen, daß die Bekleidung gegen Ungezieferschaden gelagert ist. Einem Laien werden Töne der Bewunderung entlockt, wenn er sieht, mit welcher Genauigkeit und Sauberkeit Stiefel, Bekleidungsstücke und'die übrigen Ausrüstungsgegenstände in Reih und Glied gelagert sind. Ein guter Kammerarbeiter ist imstande, zu jeder Zett
den zahlenmäßigen Bestand der Bekleidungsstücke anzugeben. Er ist mit der Lagerung der Stücke so vertraut, daß er sie selbst im Dunkeln finden kann.
So wie diese Arbeitskameraden haben auch die Tischler, Schreiner, Schlosser usw. bei den Heeres- standortverwaltungen und Zeugämtern ihre Aufgabe. Auch sie tragen mit dazu bei, daß die für die Ausstattung erforderlichen Geräte verwendungsfähig und * für die Belieferung der Truppenunterkünfte bereitstehen.
Zu erwähnen sind dann noch die vielen Hilfskräfte aller Art, wie Lazarett- und Veterinärgehilfen, Schießstand- und Platzaufseher, Hausmeister, Boten, Pförtner und Kasernenwärter, ferner die vielen technischen Angestellten bei den Bauämtern und Rüstungsdienststellen, sowie die zahlreichen Fern- sprech.vermittler, Leitungsprüfer usw. Sie alle haben wichtige Ausgaben, die vielleicht unscheinbar sind und dennoch in der Gesamtorganisation der Wehrmacht mit treuer Hingabe erfüllt werden müssen.
Nicht zu vergessen sind die Kopfarbeiter bei den Kommandostäben, Truppenteilen und Dienststellen, die im Geschäftszimmerdien'st und bei den Zahlmeistereien Verwendung finden. Sie tun größtenteils Dienst an Stelle von Soldaten und sind ihren Vorgesetzten wertvolle Stützen. Bei der Vielseitigkeit ihrer Tätigkeit kann man kaum aufzählen, welcher Art ihre Arbeit im einzelnen ist und welche Verantwortung sie teilweise tragen.
Alle diese Arbeitskräfte, von denen wohl nur selten gesprochen wird, haben sich beim Aufbau der neuen Wehrmacht lobenswerte Verdienste erworben. Sie sind in dieser Zeit unersetzliche Kameraden der Soldaten geworden und leben mit ihnen in bestem Einvernehmen. Dieses gute Einvernehmen zwischen den Zioilhilfskräften und den Soldaten ist heute, wo die Wehrmacht für Deutschland kämpft, fester denn je. Arbeiter und Angestellte der Wehrmacht sind Kameraden der Soldaten. An ihrer Stelle und in ihrem Wirkungsbereich, so unsichtbar er auch der Öffentlichkeit oft sein mag, schaffen sie mit für Deutschlands Größe und für die Unüberwindlichkeit feiner Waffen.
es plötzlich finster geworden; erschreckt zogen sich die Menschen in ihre Behausungen zurück und fürchteten das Ende der Welt. Denn immer hatte bisher Nacht für Nacht die volle Mondscheibe vom Himmel geleuchtet.
Der Mond aber ging durch die Gärten der Erde und atmete beglückt den süßen Duft der Blumen und lauschte dem Rauschen der Bäume. Vor einem großen Strauch roter Rosen neigte er sich nieder und küßte die Rosen auf ihre Köpfchen. Dabei verschob sich aber die Kapuze, die er sorgsam um sein Gesicht gehüllt hatte, und ein kleiner Lichtstrahl traf die roten Rosen. Sofort wurden sie silberweiß und blieben es fortan für immer. Seit dieser Nacht gibt es auf Erden weiße Rosen, die man vorher noch nie auf der ganzen Welt gesehen hatte.
Der Mond aber erschrak und besann sich. Eilends suchte er wieder den Himmel auf. Dann nahm er die dunkle Kappe vom Haupt und leuchtete wieder vom Himmel wie jede Nacht vorher.
Erleichtert atmeten die Menschen auf, wahrend der Mond lächelnd und froh seinen Weg weiterzog. Denn noch spürte er den Dust der Blumen...
Die Sonne, die auf die Ordnung der Sterne, des Mondes und der Erde aufpassen muß, erfuhr durch ein geschwätziges Sternlein von dem Ausflug des Mondes auf die Erde. Sie wurde sehr böse und ließ dem Mond sagen: , . , .
Zur Strafe darfst du nur mehr einmal im Monat der Erde dein ganzes Gesicht zeigen. In den anderen Nächten wirst du immer kleiner werden, du wirft ganz verschwinden und dann langsam wieder größer werden, bis du wieder dein volles Gesicht hast. Dieses Spiel wird sich Monat um Monat wiederholen!" m. . f
Seit dieser Zeit gibt es Neumond, erstes Viertel, Vollmond und letztes Viertel.
Der Mond war zwar über dieses Strafe nicht sehr erfreut, weil fein gleichmäßiges^Leben gestört roar aber er dachte wieder der Blumen und nahm sich 'vor, recht oft die Erde zu besuchen. Schlau, wie er war, wählte er sich immer die Nacht dazu aus weil er wußte, daß die Sonne um diese Zeit schlief Ader die Sonne kannte schon ihren Nacht- chwärmer Mond, und außerdem schwatzten gar manche Sternlein, was sich in den Nächten zutrug.
Ich werde den Mond schon erwischen, dachte die Sonne Und sie zog bisweilen ein finsteres Tuch vor das Gesicht und schlich sich auf die Erde. Aber da sie ihren nächtlichen Schlaf unter keinen Umstanden opfern wollte, tat sie das am Tage — und da war ja nie der Mond auf der Erde. So konnte
die Sonne nie den Mond üdörraschen. Dafür aber jagte sie den Menschen große Furcht ein, weil es auf der Erde stockfinster wurde, so oft die in das Tuch gehüllte Sonne vom Himmel stieg.
Der Mond, der davon erfuhr, lachte sich in sein Fäustchen und besuchte seinerseits nur bei Nacht die Erde mit ihren Blumen und Bäumen. Und so geht das Wanderspiel von Mond und Sonne bis auf unsere Zeit. Bald gewöhnten sich auch die Menschen daran und nannten dieses Spiel Mondes- und Sonnenfinsternis. Wie wir schon zu Beginn sagten, haben die gelehrten Herren dafür wissenschaftliche Erklärungen gefunden.
Wir aber wissen es besser! Wir wissen, warum Mond und Sonne bisweilen finster werden. Wir wollen nächstens, wenn wieder einmal eine Mondesfinsternis ist, den Mond suchen. Er ist am ehesten in einem großen Park zu finden, wo schöne Rosen duften. Dort wollen wir den Mond fragen, ob wir recht haben ober die Gelehrten.
0er Abschied.
Von Heinz Rusch.
,^Jn zwölf Minuten geht mein Zug." Der Junge in Feldgrau sagt es leise und etwas beklommen, sonst aber ist er ganz ruhig. Das Mädchen nickt stumm und sieht ihn groß an. Er hat ein paar Tage Urlaub gehabt, sie haben sich hin und wieder getroffen in dieser Zett, und nun sitzen sie beide in der kleinen Bahnhofswirtschaft und zählen die Minuten, die sie noch zusammen sind. Auch andere Soldaten sitzen hier und trinken sich den Abschied vom Herzen, der so gewiß und unvermeidlich ist wie das leise Knacken der Uhr in diesem Raum. „Wirst du mir auch oft schreiben", fragt das Mädchen. Hans Berger lächelt. Natürlich wird er schreiben, er ist etwas ratlos in diesem Augenblick, ach, sie weiß es ja selbst, daß er schreiben wird, so oft er kann. Und er streicht ihr über das Haar und versucht sie mtt vielen Worten zu trösten, die plötzlich aus chm hervorquellen wie ein einziges Geständnis. Er sieht ein paar Tränen in ihren Augenwinkeln und wischt sie wie im Scherz fort. „Ja, der Rauch ..." sagt er und drückt mit Daumen und Zeigefinger die Zigarette aüs. Und dann lachen sie auf einmal, trinfen sich zu und lachen wieder. Aber auch das geht vorüber, es wird wieder still zwischen ihnen, sie sehen sich ratlos an
Gauamtsleiter Ringshausen 60 Lahre alt.
Am 28. Juni 1940 vollendet der Gauamtsleiter des Amtes für Erzieher und Gauwalter des NS.- Lehrerbundes, Friedrich Ringshausen, das 60. Lebensjahr. Er ist zugleich Ministerialrat und Leiter der Abteilung VII der Hessischen Landesregierung. Friedrich Ringshausen gehört zu den ersten Nationalsozialisten des Gaues in Hessen. Sein politischer Einsatz als Gauamtsleiter und Redner der Partei haben ihn gleichermaßen bekannt werden lassen, wie seine Arbeit am Volkstums- und Heimatgedanken.
Zusammenarbeit zwischen HL und RGB.
Die Sozialabteilung der Gebietsführung der Hitler-Jugend hatte die Kreissachbearbeiter für Jugendhilfe der NSV. zu einer Arbeitstagung in der Gauschule S^ers eingeladen.
Die Tagung wurde durch Kreisleiter G ö r n e r eröffnet Der Kreisleiter wies auf die Bedeutung der fürsorglichen Erziehungsarbeit während des Krieges hin und gedachte in knappen, ehrenden Worten des gefallenen Vorkämpfers der Sozialarbeit im Gau Hessen-Nassau, Wilhelm Haug.
Nach einer Einführung in die Kriegsausgaben der sozialen Jugendarbeit durch den K-Sozialab- teilungsleiter Ryschowski sprach die Referentin der Reichsjugendsührung Traute Rothe über praktische Fragen der Sozialarbeit. Die Obergauführerin Hede B a n i ck i und der K-Gebietsführer Dr. Gauhl nahmen dann in grundsätzlichen Ausführungen zur Erziehungsarbeit der Hitler-Jugend Stellung. Der Nachmittag war den Arbeitsberichten der Kreissachbarbeiter und der allgemeinen Aussprache vorbehalten. Die Arbeitstagung hat dazu beigetragen, die Zusammenarbeit zwischen NSV.- Jugendhilfe und Hitler-Jugend noch enger zu gestalten, denn gerade heute gilt es, durch offensive Erziehungsarbeit und fürsorgliche Maßnahmen am einzelnen Jugendlichen unsere Jugend vor allen Gefahren zu schützen und auf sie im Sinne der an der Front stehenden väterlichen Erzieher einzuwirken.
, Zucker kann auf Marmeladekarte bezogen werden.
Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft hat mit der am 1. Juli beginnenden neuen Zuteilungsperiode eine weitere Verbesserung des Zuckerbezuges angeordnet, um denjenigen Verbrauchern, die Obst einkochen wollen, das Einkochen zu erleichtern. Zu diesem Zwecke wurde die bisherige Reichskarte für Zucker und Marmelade in eine Neichskarte für Zucker und in eine Reichskarte für Marmelade (wahlweise Zucker) aufgeteilt. Die Reichskarte für Zucker wird, wie bisher, für eine Zuteilungsperiode (vier Wochen), die Reichskarte für Marmelade dagegen wird erstmalig für vier Zuteilungsperioden (viermal vier Wochen), also bis einschließlich 20.10.1940, ausgegeben.
Die Marmeladerationen können nur in den auf den Bestellscheinen und den Kartenabschnitten auf- gedruckten Zeiträumen bezogen werden. Dagegen steht es dem Verbraucher frei, den Zucker, den er unter Verzicht auf Marmelade im Umtauschwege erwerben will (450 Gramm in vier Wochen) in Teilmengen, je nach Bedarf, zu beziehen. Soweit dem Verbraucher Obst aus eigener Ernte zur Verfügung steht, wird er sich bei dem Bezug von Zucker von dem Älusfall seiner eigenen Obsternte leiten lassen, d.h. nur soviel Marmeladerattonen in Zucker umtauschen, als er zum Einkochen unbedingt gebraucht. Darüber hinaus kann er auch, sofern der Stand der eigenen Obsternte dies notwendig erscheinen läßt, die ganze Menge Zucker auf einmal umtauschen.
Diejenigen Verbraucher, die kein eigenes Obst ernten und auf den Zukauf angewiesen sind, werden gut daran tun, Marmeladerationen in Zucker nur im Rahmen der jeweils bestehenden Einkaufsmöglichketten von Obst umzutauschen.
Tlolizen für den 28. Juni.
Sonnenaufgang: 5.05 Uhr, Sonnenuntergang: 21.51 Uhr; Monduntergang: 14.14 Uhr, Mond auf- gang: v. 29. 1.36 Uhr.
An einem anderen Tisch sitzt ein junger Soldat mit seiner Mutter; sie sprechen nicht viel, sie halten ihre Hände auf der kahlen Tischplatte umfaßt und in ihren Augen ist ein wundervolles Vertrauen, wie wenn ein Kind feine Mutter ansieht: lauter gute Wünsche sammeln sich in diesem Blick, das Leben wird plötzlich leichter und einfacher, wenn man die beiden beobachtet, wie es das Mädchen und Hans Berger jetzt tun. Aber plötzlich steigt in ihnen etwas Bitteres auf und sie denken an die Heimlichkeit ihrer Liebe, an die Verbote feiner Mutter, an all den beschwerlichen Verdruß, den auch diese Stunde nicht von ihnen nimmt. Wenn alles gut geht und ich komme gesund zurück, denkt Hans Berger, wer weiß bann, ob er das Mädchen wirk-. lich noch besitzt? Er kann sich nickt erklären, was seine Mutter gegen das Mädchen hat, das er liebt. Und er erschrickt vor dem Verdacht, daß seine Mutter vielleicht versuchen wird, sie auseinanderzubringen, während er an der Front steht. Weiß Gott, aus welchen Beweggründen! Er versteht sie nicht, alle die Worte, mit denen die Mutter ihm jahrelang von dieser „unvernünftigen Liebe" ab geraten hat, er weiß nur, daß es ein Gesetz im Menschen gibt, gegen das er nicht anbringen kann.
Aber nun ist es plötzlich so weit, baß sie aufbrechen müssen, stumm und hasttg, während der Zeiger der großen Uhr über ihnen knackend weiterspringt. Und dann ist auf einmal der Abschied da. Hans Berger steht am Fenster des Abteils, sein Herz krampst sich zusammen, er stammelt ein paar Worte, die klein und bedeutungslos durch die Bahnhofshalle flattern, er möchte noch etwas Gutes sagen, etwas Unvergeßliches, Tröstliches — kein Wort kommt mehr über seine Lippen, es ist zuviel Bitterkeit in ihm, fast schon Verzweiflung. Erst als der Zug fährt, ruft er noch einmal laut den Namen des Mädchens, und sie winken beide, aber es ist wie der matte Flügelschlag eines Vogels, der durch die qualmende Luft schwebt. Dann erst sieht Hans Berger auf einmal eine kleine, vertraute Gestalt neben dem Mädchen stehen, er träumt nicht, es ist seine Mutter, die sich noch einmal aufgemacht hat, und er kann noch sehen, wie sie ihren Arm um die Schulter des Mädchens legt, als wäre das ganz natürlich, wie sie beide, die Zurückbleibenden, zu einer Gestalt zu verschmelzen scheinen, die ihm zuwinkt aus der mild erleuchteten Halle ... Dann wendet sich Hans Berger lächelnd um, wie ein Erretteter, in das Dunkel des Abteils, in den grauen Kreis feiner Kameraden.


