urtb dem Gegner Beton o-der Wasser befinden. Un. erschütterlich in der Gewißheit seiner Unbesiegbar- red ist unsere Wehrmacht beseelt vom Glauben an den Führer, durchglüht vom Gefühl der Gerechtigkeit des Kampfes, einig im Nationalsozialismus. Diele Wehrmacht ift ihres Endsieges gewiß!
Und im Rücken dieser Wehrmacht steht die Heimat: in ihrer Arbeit und in ihrer Liebe das Fundament dieser Kampfformationen zu Wasser, m Lande und in der Luft. Was immer auch der Rritg noch von ihr fordert, sie wird es erfüllen. Ja, wir können glücklich sagen, die Heimat in diesem Kriege ist der Kraftquell des deutschen Soldaten. In dankbarer Bewunderung sieht sie feine gewaltigen Taten. In Stolz und Zuversicht setzt sie ihr blindes Vertrauen in seine Kraft. Jeder Gedanke an ihn ist ihr Gewißheit des Sieges. Es weiß aber auch jeder Soldat draußen, daß er sich bedingungslos auf die Heimat verlassen kann. Jeder Gedanke nach Hause gibt ihm Kraft und Vertrauen. Er weiß, sie gibt ihm, was sie ihm zu geben vermag. 3n der Arbeitsleistung, in der Opferbereitschaft, in der Hingabe will sie seinen Leistungen nicht nach- stehen.
Die Heimat heute ist zusammengeschweißt in der nationalsozialistischen Gemeinschaft der Tat. Sie trägt, was ihr der Krieg auferlegt, als etwas Selbstverständliches, als ihren Anteil am Kampf. Sie wird nur von einem Gedanken beherrscht: Gleichwertig zu sein denen draußen. Die deutsche Heimat will die gleich Achtung vor der Nachwelt erringen, die sich der deutsche Soldat errungen hat. Auch die Heimat von heute ist wie die Front innerlich und äußerlich stärker als jemals zuvor. Und jeder in der Heimat und draußen weiß, daß des Führers unbeugsame Härte und Energie sich nicht geändert haben. Geändert baden sich aber auch-nicht die Umsicht und Gründlichkeit, mit der er all seine Handlungen vorzubereiten pflegt, auf daß der Angriff von der größtmöglichen Sicherheit des Erfolges begleitet ist. Und nie vordem hat ein Deutscher militärisch, wirtschaft- lich und politisch so große Macht in seiner Hand vereint wie der Führer. Diese Macht, die der Führer dem deutschen Volk gegeben, ist unüberwindlich. Auch England ist dies längst zur Gewißheit geworden. England hat nur noch eine Sorge, wie es die eigene Ueberwindung so lange als möglich noch hinauszuschieben vermag. Mehr als ein Hin- ausschieben ist es nicht.
Maa England solange es will und kann den Luftkrieg führen. Es wird nur fein Land, seine Gtähte, seine Industrie, seine Docks und Lagerhäuser, seine Handelsflotte der Vergeltung und damit der &r- störung durch unsere Bomben und Torpedos prris- geben. ^Es kommt auf, alle Fälle der Tag, wo es am Ende sein wird. Es fällt vielleicht gerade den Waffen zum Opfer, die es gegen uns angewandt und die es damit gegen sich selbst heraus- gefordert hat: Den B o m b e n k r i e g, den es selbst begonnen hat. Der Führer hat diese Kampfesart vermeiden wollen. England hat sie bewußt g e - sucht. Es muß die Folgen tragen. Die gött- liche Gerechtigkeit hat sich gegen England gewandt. Im Glauben an die göttliche Gerechtigkeit und an das eigene Recht führen wir unseren Kampf bis zum Sieg von Recht und Gerechtigkeit. Wir führen diesen Kampf im Glauben an den überragenden Wert unseres Volkes, dessen Zukunft bis in ferne Zeiten zu sichern nach Gottes Dillen ist. Denn auch unser deutsches Volk hat die Allmacht geschaffen und der Dienst an diesem Volk ist damit auch ein
Dienst im Glauben an die Allmacht, die es schuf.
Heber unserer Weihnacht steht unser Gebet: Herr Gott, du hast uns den Führer gegeben. Du hast seinen Kampf gesegnet in einem gewaltigen Sieg. Du gabst ihm die Kraft, ein neues, großes, freies Deutsches Reich zu schaffen und es zu sichern vor
feinen Widersachern. Gib uns die Kraft, nach all unferm Können ihm zu helfen in seinem Ringen, zu kämpfen und zu arbeiten für unser ewiges, Herr- liches Deutschland — auf daß wir auch ferner wür- dig sind deines Sieges.
Reichsminister Dr. Goebbels zmVollsweihnachl.
Weihnachtsbescherung für ASV -betreute Kinder im Propaganda-Ministerium.
Unser Bild zeigt Reichsminister Dr. Goebbels in lebhafter Unterhaltung mit den reichlich beschenkten Kindern. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
M
Berlin, 24. Dez. (DNB.) In den weihnachtlich geschmückten Räumen des Reichsministeriums für Bolksaufklärung und Propaganda nahmen am Heiligen Abend nachmittags Reichsminister Dr. Goebbels und feine Gattin für 170 von der NSV. betreute Berliner Kinder und eine Anzahl Mutter eine festliche Bescherung vor. Darbietungen der Kapelle Dobrindt und des Kinderchors Emmi Goedel-Dreising sowie des Kinderballetts des Deutschen Opernhauses verschönten die Feierstunde. Im Kurfürstensaal erwarteten am strahlenden Lichterbaum reichgedeckte,, lange Gabentische die ungeduldige Dinderschar. Der Minister selbst und Frau Magda Goebbels hatten eine gute Stunde lang alle Hände voll zu tun, um die Kisten und Kasten, Körbe, Tüten und Pakete mit all den herrlichen Sachen den glückstrahlenden Mädels und Jungens zu geben. Eitel Glück lag auf den Gesichtern der Kinder, in deren Mitte auch hin Töchter des Ministers Helga und Hilde mithelfend erfchie- nen waren.
In feiner Rede zur Dolksweihnacht 1940 sprach
Reichsminister Dr. Goebbels £ u den deutschen Kindern in ollen Gauen des Reiches. Nicht nur Millionen Väter, sondern auch ungezählte Kinder aus deutschen Familien könnten in diesem Jahr das Weihnachtsfest nicht unter dem Lichterbaum, den die Mutter geputzt und angezündet habe, feiern. Mehr als hunderttausend Deutsche aus Bessarabien und dem Buchenland feierten das Weihnachtsfest mit ihren Kindern zwar auf deutschem Boden, aber zum größten Teil noch in 120 Lagern des Gaues Niederdonau. Um die Lautsprecher seien auch die Taufende deutscher Kinder versammelt, die a uj den luftgesähr deten Gebieten zur Schonung ihrer Gesundheit in andere Gaue verschickt worden seien. Ihre Mütter müßten in diesem Jahr das Weihnachtsfest ohne ihre Kinder und oft auch ohne ihren Mann verleben; denn es sei in diesem Jahr nicht möglich gewesen, in jedem gewünschten Umfang zu Weihnachten Sonderbeurlaubungen für unsere Frontsoldaten durchzuführen. Die Trennung werde manchem Vater, mancher Mutter und vor allem vielen Kindern
einiges Herzeleid bereiten. Aber es fei Krieg. Alle müßten Opfer bringen. Daran ließe sich nichts ändern. Unser Volk könne lediglich die Opfer auf ein erträgliches Maß beschränken und das Unvermeidliche in Gemeinschaft tragen.
„Deshalb ist", so fuhr Dr. Goebbels fort, „auch in diesem Falle die na tion al sozialistische Bewegung und die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt in größtem Umfange helfend eingesprungen. Ein Weihnachtsfest soll auch im Kriege jedes deutsche Kind haben, und jeder Vater im Felde, jede Mutter, die diesmal allein zu Hause sitzt, soll wissen, daß ihr Kind vor allem zum Weihnachtsabend umgeben ist von lieben deutschen Menschen, die ihm, auch wenn es vom Elternhause getrennt ist, dieses schönste deutsche Familienfest wirklich zu einer Feier von unauslöschlicher Erinnerung machen. Sie sitzen zwar nicht alle zu Hause in der Familie, aber sie sind alle versammelt in unserer großen deutschen Volksfamilie, die in diesen Stunden durch den Rundfunk miteinander verbunden ist."
Das, was heute alle als Liebe und Sehnsucht empfänden, sei auch ein Opfer für Volk und Vaterland. Es mache Deutschland nur noch stärker, allen Aufgaben, die die Zukunft mit sich bringe, mutigen und aufrechten Herzen entgegen^utreten. „Einmal wird die Stunde kommen", erklärte Dr. Göbbels, „da euer Vater von her Front heimkehrt und eure Mutter euch weinend vor Freude wieder in ihre Arme schließt. Dann wird der Krieg am Ende sein und Gluck und Frieden wieder unter den Menschen Einkehr halten. Für diese schönste Stunde unseres Lebens wollen wir heute gerne jede Mühsal tragen und jedes Opfer bringen und wollen darüber hinaus versuchen, uns Mühsal und Opfer in gegenseitiger Hilfsbereitschaft möglichst leicht zu machen. Dann wird uns später vielleicht einmal dieses Weihnachtsfest als das schönste und gehaltvollste unseres ganzen Lebens in der Erinnerung Zurückbleiben, weil es nämlich so tief von Liebe und Sehnsucht erfüllt ist, weil es Opfer von uns allen verlangte, aber weil es uns im Verzicht auch wieder hie Kraft gab, stark zu bleiben unb damit dem Siege näher zu kommen. Vom Weihnachtsfest im Kriegsjahr 1940 solle ein Strom von Mut unb Willensstärke in das deutsche Volk hineinfließen. Dieses Weihnachten solle unser Volk befestigen in der Zähigkeit und Ausdauer und ihm vor allem die Kraft geben, zu kämpfen für den Sieg unb für den Frieden. den Deutschland allen bringt, hie guten Willens sind.
Japans Wirtschaftskrieg.
Hsi n kin g, 23. Dez. (Europapreß.) Gelegentlich seiner Besichtigungsfahrt durch Mandschukuo erklärte der japanische Minister und Präsident des Planungsamtes, Naoki Hoshino, daß zwar die Ausfuhrverbote der USA. gegenüber Japan die japanische Wirtschaft schädigen mögen, daß aber dennoch Japan in jedem Falle durchhalten werde; trotz der amerikanischen Ausfuhrsperre werde Japan den Chinakrieg durchführen. Dies zu ermöglichen, bezeichnete Hoshino als seine augenblickliche Hauptaufgabe. Um die Schaffung des ostasiatischen Blocks sicherzustellen, sei die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Japan, China und Mandschukuo die erste Bedingung. Daher beabsichtige Jqpan, die chinesischen Bodenschätze in vollem Umfange zu erschließen. Die Finanzierung sei trotz gewisser Schwierigkeiten bereits sicherge- stellt.
Am 13. September 1938 im Zimmer des französischen Ministerpräsidenten.
Wütend haut Dalaöiec den Hörer hin ,DieS Raöebrechen am relephon ist ja zum 0erruckttveröenN
Mr. Chamberlain stottert in London ein paar französische Brocken ins Telephon, Daladier kann auch nur sein bißchen Schul-Englisch, und das entscheidende politische Gespräch Paris-London kommt nicht zustande, — da tritt der rettende Mann ins Zimmer.
Iunb nur General
auch die geistige Schulung durch Admiralitätsarbeit und weltmännischen Umgang nicht fehlt, und endlich General Vuillemin, der von sehr einfachem Her- kommen ist, mit zwanzig Jahren zur Artillerie eingezogen wurde und der dann nach einer dreijährigen Dienstzeit als Gemeiner langsam aufstieg, bis er sich im Weltkrieg als Flieger hervorragend auszeichnete und nun das höchste Amt der Luftwaffe erreicht hat, denn bricht der Krieg aus, so wird er der Ober- kommandierende der französischen Luftflotte sein.
„Meine Herren", sagt Daladier, „ich habe Sie in einem sehr ernsten Augenblick hergebeten. Von dem, was Sie mir sagen werden, hängen die Entschlüsse der Regierung ab und das Schicksal Frankreichs." Unwillkürlich beugt sich Daladier jetzt etwas vor, unb bann fragt er mit seiner rauhen Stimme: „Wenn Frankreich gezwungen wird, Deutschland den Krieg zu erklären — kann es sich da auf seine Armee verlassen?"
Alles sieht auf Gamelin, an dem es ist, als erster zu antworten. Der überlegt sorgfältig, ehe er spricht. Er bedenkt, daß die Armee seit langem in einer allmählichen Mobilmachung begriffen ist, die sich unauffällig, aber stetig vollzog, und es ist außer Frage, daß nur noch wenig fehlt, bis dieser erste wichtige Prozeß der Kriegsführung abgeschlossen ist. Er weiß, was er verantworten kann, und so sagt er in seiner angenehmen, etwas weichen Stimme: „Die Armee ist bereit“
Daladier atmet auf. Diesmal spricht Gamelin anders als 1936! Und gleich darauf sagt Admiral Darlan ohne Umschweife: „Die Flotte ist bereit, und wenn wir die englische Flotte auf unserer Seite haben, so hat Frankreich zur See nichts zu be- sü* Nun ist die Reihe an General Vuillemin. Vielleicht gibt es manchen französischen Militär, der an einer Stelle aus tiefer Verlegenheit, die Wahrheit zu gestehen, sich selbst und die andern über die Lage hinweggetäuscht hätte — aber General Vuillemin macht keine Phrasen.
„Wenn morgen der Krieg beginnt", so sagt er erbarmungslos, „dann haben wir nach vierzehn Tagen 'keim einziges Flugzeug mehr. Was wir an Flugzeugen besitzen, müssen wir von Flugoffizieren der Reserve fliegen lassen, denn von diesen Maschinen sehen wir keine wieder. Unsere eigentlichen Piloten müssen wir aufheben, bis wir richtige Flugzeuge haben. Im Mai haben wir Flugzeuge in Amerika bestellt. Im Oktober werden die ersten geliefert, unb im Frühjahr 39 bie letzten. So lange können unfete Piloten also spazieren gehen."
Keiner der Herren rührt sich. Sie blicken in eine Katastrophe, unb in das löbliche Schweigen klingt die harte Stimme Vulllemins weiter: „Ja, meine
Es sind schon vier ungewöhnliche Gesichter, die sich hier gegenübersitzen — sie gehören vier Männern an, Denen das Schicksal außerordentliche Lebenslaufe zu- getcilt hat. Da sitzt Daladier, der Sohn des Dors- vackers, in seiner gedrungenen Gestalt, auf kurzem Hals den Kopf eines intelligenten Kleinbürgers, dem Die wie ein Pfeil vorschießende starke Nase unb ba '■ Sinn kräftige Akzente geben —
Gamelin, ein Mann von durchschnittlicher Große, -in Mann aus gebilbetem Haus nut einem kultivierten Gesicht, mit wenigen unb sehr fernen galten, mit hellen, gütigen Augen, bie nur em wenig zu sehr auf ber Hut zu sein scheinen, so daß bie ^roße Ruhe, Die feine Züge atmen, etwas gespannt anmutet wie bei einem Gelehrten, der immer furchtet, durch Fragen des praktischen Lebens aus feiner Versunkenheit aufgeschreckt zu werden. Dazu das kühn
• Gesicht Darlans, eines entschlossenen seemanns, dem
Paris, 12. September 1938. Jetzt, um sieben Uhr abends, spricht der deutsche Führer aus Nürnberg. Herr Daladier hat sich einen Lautsprecher auf seinen Schreibtisch im Kriegsministerium stellen lassen und versucht, der Rede zu folgen. Noch nie war der Andrang der Bevölkerung an das Rundfunkgerät so stark — obwohl bie wenigsten Hörer deutsch verstehen, wollen sie doch bie Stimme hören, bie, wie sie wissen, die Stimme bes Schicksals ist. Aus unzähligen Fenstern der Pariser Häuser bringt diese Stimme, in den schwülen Septemberabend, und vor den Lautsprechern der Zeitungshäuser stehen die Menschen in dichten Massen. In der Nacht kommen dann die ersten Sonderausgaben der Blätter heraus, die nicht nur bie ersten Bilder aus der Nürnberger Kongreßhalle, sondern auch den vollständigen Wortlaut der Rede enthalten. Die Menschen warten nicht ab, bis diese Blätter abgelaben werden — sie bemächtigen sich gleich ber ganzen Bünbel, reißen sie auf, unb bann stürzt sich alles auf bie Berichte — unb alle atmen auf: Hitler will keinen Krieg! Er will — Jie lesen eS wörtlich — „den ewigen Streit mit Frankreich
, einmal für immer“ beenben.
Eduard Daladier, der bie Rebe des deutschen Führers in der Uebersetzung gründlich studiert und bie Entschlossenheit der deutschen Haltung begriffen hat, will nicht den Fehler machen, den Albert Sarraut bei ber Rheinlandbesetzung 1936 beging, ber großartig öerlünbete, Frankreich könne mit Deutschland nicht verhandeln, solange Straßburg in der Reichweite deutscher Geschütze liege — und der dann doch verhandeln mußte, weil General Gamelin erklärte, Die französische Armee könne nicht marschieren. .<cm, ehe Daladier sich äußert, will er bie Militärs Horen unb nun sitzen bie drei Generalstabschefs bei ihm. Gamelin für bas Lanbheer, Admiral Darlan für die Marine unb General Vuillemm für bie
Herren, so sieht bas eben aus nach vierzehn Monaten einer Volksfrontregierung! Im vorigen Jahre sank bie monatliche Lieferung von Flugzeugen auf bie Zahl von 35 ab; bie Zahl ber Flugzeuge, bie in Deutschland in einem Monat fertig werben können, wirb auf tausend geschätzt. Noch im April dieses Jahres konnten keine Flugzeuge an bie Militärverwaltung geliefert werben, weil bie streikenben Arbeiter eine Fabrik von Zubehörteilen besetzt hatten.
Was bie Zahl unserer vorhanbenen Flugzeuge angeht, so verhält sie sich zu der Deutschlands wie 2 zu 5. Was die Typen betrifft, so sind die deutschen Maschinen denen, über bie wir gegenwärtig verfügen, glatt überlegen. Die Messerschmittflugzeuge würben uns jeben Einflug bei Tage verwehren; es blieben nur Nachtflüge unb bie Aufklärungsarbeit für bas Landheer. Was wir dabei im einzelnen zu erwarten haben, sagen wohl die vielen Abstürze ber letzten acht Wochen/ Sie verstehen, meine Herren, baß unsere Flieger unsere Maschinen bie „fliegenben Särge" nennen, unb begreifen ben Ausspruch bes Obersten, ber ein Bombengeschwader in Lyon kommandiert: „Wenn der Krieg ausbricht, so können wir tapfer sterben, aber mehr als das können wir nicht." Sie wissen, meine Herren, ich bin vor drei Wochen bei General Göring gewesen, und man hat mir dort einiges gezeigt." Vuillemin lacht etwas, aber grimmig: „Man hat mir sogar sehr viel gezeigt, aber bestimmt nicht alles!" — und dann, wieder ganz in seinem unerbittlichen Ernst: „Was ich gesehen habe, das erlaubt mir zu sagen: auch die deutschen Flieger werden tapfer sterben können, aber außerdem können sie noch mehr!"
Daladier sieht stumpf vor sich hin wie ein Bauer, dem bie Ernte verhagelt ist. Ohne Luftwaffe kann er keinen Krieg führen, aber Prag brängt boch zum Kriege, mit- jebem Tag mehr, mit jeber Stunde, Unb wenn Prag losschlägt, bann istuß Frankreich mit — unb aus bieser verzweifelten Situation kommt es zu bem unerwarteten Telephongespräch vom 13. September.
13. September 1938.
Die Erregung bet brei Herren, die in Daladiers Ministerzimmer versammelt sind, ist groß. Das Ultimatum Henleins an die Prager Regierung, das die Aushebung des Standrechts, die Zurückziehung ber tschechischen Staatspolizei unb bie Kasernierung ber Truppen fordert, hat noch keine weiteren Folgen gehabt — aber können sie nicht jeden Augenblick eintreten? Und wenn dort etwas geschieht, wenn die Tschechen plötzlich marschieren, dann muß ja Frankreich in den Krieg, und muß in einen Krieg, für den es nicht gerüstet ist, für den es keine Luftflotte hat... Eduard Daladier sitzt an seinem Schreibtisch, das Gesicht gerötet, bie Ellenbogen auf das Löschblatt seiner Schreibunterlage gestützt, und stiert vor sich hin. Der Außenminister Bonnet redet heftig auf ihn ein. „Es muß etwas geschehen! Es muß etwas getan werden! Es muß irgend etwas unternommen werden! Wir können uns doch von ben Tschechen nicht in ben Krieg treiben lassen wie Vieh ins Schlachthaus!"
In einer Ecke des Zimmers steht Herr Leger, ber Generalsekretär bes Außenministeriums. Sein bleiches Gesicht ist völlig verschlossen: vielen gilt er als ber böse Geist bes Quai d'Orsay. Plötzlich nimmt Daladier ben Hörer seines Telephonapparats, ber zum Direktor seines Kabinetts führt. „Lassen Sie mich sofort mit ber Dienstwohnung Herrn Chamberlains, Downing Street, verdinben."
Ter ^Direktor Genebner glaubt, nicht recht gehört zu haben, unb wiederholt fast flüsternd Taladiörs Wörter
„3a", schreit Daladier beinahe vor Ungeduld. „Mit Herrn Chamberlain! Und daß keiner im Büro mithört! Es muß jede Möglichkeit ausgeschaltet sein, daß überhaupt irgendwer das Gespräch mithören kann! Verstanden?!"
Daladier hängt ein. Minuten des Wartens. Ge-. ährliche Minuten . .. Was kann nicht alles in diesen Minuten dort an der tschecho-slowakischen Grenze geschehen — vielleicht fjibt in diesen Minuten ein tschechischer Offizier ein Kommando, das jedes weitere Gespräch mit London zwecklos macht . . . Und was wird Daladier in diesem Gespräch denn agen?! Wozu hat er sich entschlossen, in diesen ent* cheidenden, letzten Minuten?
Da — ein Schnarren im Apparat. „London, Herr Präsident!" Daladier nimmt den Hörer. Er verstimmt die Stimme seines Direktors: „Hallo! Hallo! Hier der Ministerpräsident! Er möchte den Herrn Premierminister persönlich sprechen!" Dann: „Bitte sprechen Sie, Herr Präsident!"
Daladier tut es. Er versucht sein Englisch: „Hallo, Minister Daladier speaking!... How are you, Mister Chamberlain? I have thought... I have wanted ... In those grave circonstances (Minister Daladier spricht. Wie geht es Ihnen, Herr Chamberlain? Ich dachte ... Ich möchte gern ... Unter diesen schwierigen Umständen...)
Eduard Daladier kommt nicht weiter. Seine geringen englischen Kenntnisse verlassen ihn in der Erregung des Augenblicks, und drüben, jenseits des Kanals, sucht Herr Chamberlain die Reste seines Schulfranzösisch zusammen, und so radebrechen die beiden Minister, ohne genau zu begreifen, was ber eine vom anbern will.
Dalabier haut ben Hörer hin. „Dies Rabebrechen ist ja zum Verrücktwerben! Ist Phipps benn noch nicht ba?!" Er meint bamit Sir Eric Phipps, ben britischen Gesanbten in Paris, ben man zu bieser Besprechung hergebeten hatte, unb Gott sei Dank — in biesem Augenblick tritt Sir Eric Phipps ein, gemessen, zugeknöpft, korrekt wie immer, unb nun übersetzt er, was Dalabier sagt, ins Englische: „Die Lage ist äußerst kritisch . . . Herr Dalabier meint, baß man unbebingt etwas Neues versuchen müsse . . . Kann man benn nicht einen bireften Kontakt mit Herrn Hitler bekommen? Herr Dalabier kann ba leibet selbst gar nichts tun . . . Aber ob Sie nichts unternehmen könnten?"
Die brei Franzosen hören, wie (n bem Telephon die Stimme Chamberlains etwas sagt — sie hören natürlich nur bas unbestimmte Geräusch, inbessen Sir Eric Phipps den Hörer am Ohr hat--aber
sie halten ben Atem an. Was wirb Chamberlain antworten?
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Eine französische
Zeit- und Sittengeschichte 1934-1940
Minke* den KußiÄten
der Kabinette und Generalstäbe


