Aus der Stadt Gießen.
Herbst.
Von Anton Holzner.
Bodenkundliche Ertragsforschungen in Gießen.
Interessante Ergebnisse auch bei Blut-Ltntersuchungen.
Alle Jahre vollzieht sich dasselbe Naturgeschehen. Im Herbst gibt die Natur ihre letzten Früchte ab. Das Laub wird gelb und fällt. Die letzten Herbst.blumen blühen. Milde Tage werden von den letzten wärmenden Strahlen der ihre Kraft verlierenden Sonne verklärt. Dazwischen fegen Herbststürme durch das Land und breiten frostige Schauer aus. Herbstnebel hüllen die Landschaft in einen eigenartigen geheimnisvollen Schleier. Die ganze Natur legt sich allmählich zur Ruhe.
Der Mensch bewundert alle Jahre aufs neue dieses Naturgeschehen. Er nimmt zwar voll Bedauern vom Sommer und seinen Gaben Abschied. Er weiß aber, daß er sich dem Kreislauf des Jahres nicht entgegenstemmen kann und nimmt deshalb auch voll Bereitschaft und Dankbarkeit die Früchte des Herbstes entgegen. Glücklich erntet er alles, was Gärten, Felder und Weinberge zur Reife gebracht haben. Bewundernd genießt er die bunte Pracht der herbstlichen Landschaft. Dankbar sonnt er sich in den letzten Strahlen der Herbstsonne. Freudig atmet er.die klare Herbstluft ein, die ihm an manchem schönen Herbsttag noch den Blick in weite Fernen öffnet. Besinnlich sucht er die Sprache der Herbststürme, den Nebel und das Rauschen des fallenden Laubes zu verstehen.
Dor allem aber sucht der Mensch im Herbst ein Symbol seines eigenen Lebens zu sehen. Menschliches Denken und Menschenkunst haben zu allen Zeiten Herbst und Alter verglichen. Allzu leicht geht der Mensch am Alter achtungslos und gleichgültig vorbei. Der Herbst der Natur vermag oft den Reichtum des Alters für den Menschen zu enthüllen.
Wenn wir im Herbst die welken Blumen und das fahle Laub sehen, denken wir unwillkürlich an die frische Pracht des Frühlings. Wenn wir aber in das runzliche Antlitz eines alten Mütterleins schauen, vergessen mir allzu oft, daß dieses Gesicht auch vor nicht allzu langer Zeit in blühender Jugend erstrahlt ist. Wenn wir einen gebeugten Greis erblicken, denken wir vielfach nicht.daran, daß dieser Körper vor wenigen Jahrzehnten noch von strotzender Jugendkraft erfüllt war. Und doch trägt so manches greise Frauenantlitz noch deutlich sichtbar den Glanz vergangener Jugendschönheit an sich und sieht man die Kräfte der entschwundenen Jugend noch kar aus manchem Greise leuchten.
Die Gaben des Herbstes wurden von den ganzen Kräften eines Jahres, vor allem vom Frühling und Sommer zur Reife gebracht. Das Alter wurde von den Kräften und Einflüssen eines ganzen Lebens geformt. Wie ein vollgeschriebenes Buch kündet das Aussehen des Alters von diesem ganzen verflossenen Leben. Das edle Anllitz mancher Greisin erzählt, wieviel Schönes und Gutes sie in ihrem ganzen Leben empfangen und gespendet hat. Das zerfurchte und zerknitterte Aussehen manches alten Menschen läßt es ahnen, wieviel Stürme, Nöte und Enttäu- schrmgsn, wieviel Leid und Bitterkeit das Schicksal diesem Menschen aufgebürdet hat. Wir müssen nur immer In stiller Ehrs'ttrcht das zu erspüren versuchen, was die Runzeln des Alters uns zu sagen haben und dürfen uns nicht oberflächlich damit begnügen, daß das äußere Bild des Alters eben nicht jugendfrisch sein kann. Wir müssen uns angewöhnen, das Alter als ein Naturgeschehen wie den Herbst zu betrachten.
Das Welken und Vergehen der Nutur im Herbst kann den Menschen nicht zu sinnlosem Jammer und loser Traurigkeit verführen. Das Naturgeschehen sagt ja dem Menschen, daß immer aufs neue ein Frühling mit seiner Blütenpracht wiederkehrt. Der Mensch zwar blüht nur ein einziges Mal. Sein Leben geht aber trotzdem mit dem Herbst des Lebens nicht zu Ende. Sein Leben, das so unendlich kostbarer ist als das Leben der Pflanze, führt auch in eine Ewigkeit. Der Tod ist ein Naturgeschehen, das nicht Ende des Lebens, sondern Uebergang zu neuem, ewigen Leben bedeutet. Freilich wie das welke Laub und die vergilbte Blume nicht wieder in derselben Form lebendig werden und nicht wieder als dasselbe Blatt und dieselbe Blume einen neuen Frühling erleben kann, so erwacht der Mensch auch nicht in derselben Form vom Tode, um dasselbe Leben nochmal zu beginnen. Der Herrgott hat vielmehr über das Fortleben nach dem Tode einen
^«»Kilometer St'eBe
Roman von Olly Boehetm
11. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Anni", rief er, „unser Hotelzimmer wartet auf uns. Ich bin dafür, ehe wir uns hinausschmeißen lassen, legen wir uns einfach zu Bett."
„Du bist verrückt!"
„Im Gegenteil, mein Sherlock-Holmes-Instinkt sagt mir folgendes: Erstens: Das Zimmer hier wird nicht benutzt. Das Bett sieht unbeschlafen aus. Der liebe Gott hat es eigens für uns arme Autobrüchige reserviert. Zweitens: irgend etwas stimmt hier nicht. Ein Bauer läuft nicht mitten in der Nacht aus dem Haus."
„Du meinst also?"
„Daß der Bursch Holz flaut oder Fallen stellt, kurz, irgend etwas treibt, wobei er das Tageslicht scheuen muß. In solchen Fällen sind Fremde selten willkommen. Ehe wir uns also einem Hinausschmiß aussetzen, schlage ich vor, wir nehmen das Gastzimmer vom lieben Gott an. Kommt der Bursche zurück, kriecht er in seine Federn und entdeckt uns überhaupt nicht."
„Ich bin wie gerädert vor Müdigkeit und klappere vor Kälte", sagte Anni; mir ist schon alles gleichgültig. Aber du trägst die Verantwortung."
„Ich werde nicht unter der Last zusammenbrechen! Komm!"
Plötzlich zögerte Anni, sie wurde blutrot: „Peter, wir können doch nicht zusammen in einem Bett —"
„Liebes Kind, du wirst doch nicht verlangen, daß ich wie ein Bernhardiner zu deinen Füßen liege und mir eine Lungenentzündung hole."
„Nein —"
„Na also, außerdem müßte es dir doch gleichgültig sein."
„Warum?" fragte Anni verlegen.
„Weil du dich doch nicht in mich verlieben kannst. Hops, rein in die Federn. — Der brave Peter stellt das Keilkissen als Trennungswand zwischen Tisch und Bett. Zufrieden? Na also!"
Anni fiel sofort in tiefen Schlaf. Peter jedoch war nicht so sicher und ruhig, wie er sich Anni gegenüber benommen hatte. Am liebsten wäre er aufgestanden und hätte das Haus weiter durch-
Mit den neuen großen Aufgaben der deutschen Agrarwirtschaft sind auch der Wissenschaft von der Bodenkunde neue und wesentlich erweiterte Pflichten entstanden. Von dieser Wissenschaft wird erwartet, daß sie durch ihre Forschungen und Erkenntnisse einen erheblichen Beitrag zur weiteren Steigerung der Erträge unserer landwirtschaftlichen Böden leistet. Vor allem handelt es sich hierbei um die Entwicklung moderner Bodenuntersuchungsmethoden, deren Ergebnisse den Bauer und Landwirt für die Düngung seiner Böden gut beraten.
An der Universität Gießen ist die Wissenschaft von der Bodenkunde in langjährigem Wirken von Professor Dr. Köttgen entwickelt worden, dem vor kurzem auch der neuerrichtete Gießener Lehrstuhl für Bodenkunde übertragen wurde. Wir haben uns mit Professor Dr. Köttgen über die Arbeiten und weitreichenden Aufgaben der bodenkund- lichen Ertragsforschungen und der zu diesem Zwecke entwickelten Untersuchungsmethoden unterhalten. Das Ergebnis der Unterredung ist in den nachstehenden Sätzen zusammengefaßt.
Eine her wichtigsten Fragen der deutschen Ernährungswirtschaft wird stets d i e Frage fein: Wie können wir uns vom Ausland unabhängig machen? Dies Ziel können wir im wesentlichen auf zwei Wegen erreichen, und zwar erstens durch die Steigerung der Erzeugung von Rohstoffen, zweitens durch die bessere Ausnutzung und Verwertung. vorhandener Rohstoffe. Als die wichtigste Rohstoffquelle unseres Vaterlandes muß der Boden angesehen werden. Das geht schon daraus hervor, daß der Wert der landwirtschafllichen Erzeugnisse jährlich auf 8,8 Milliarden RM. zu veranschlagen ist und der Wert des jährlichen Kohlenbergbaues sich auf rund 2 Milliarden RM. beläuft.
Die Höhe der landwirtschaftlichen Erträge ist zwar in weitem Ausmaß von den dauernd schwankenden Witterungseinflüssen abhängig, doch läßt sich diese Abhängigkeit durch eine „harmonische" Düngung weitgehend mildern. „Harmonisch" ist ein Boden dann gedüngt, wenn er genügend leichtlösliche Nährstoffe in den Mengenverhältnissen enthält, daß
Schleier gesetzt, den noch kein Mensch gelüftet hat. Von persönlichem oder unpersönlichem Fortleben nach dem Tode haben die größten Denker geträumt, gedichtet und gesprochen. Gelöst hat das Rätsel nach niemand. Soll dieses von Gott bestimmte Geheimnis die Freude und Gewißheit unseres Glaubens an eine Ewigkeit trüben? Der Allmächtige weiß, in welchem Stadium des ewigen Lebens er dieses Geheimnis enthüllt und ob er es überhaupt enthüllt.
Der Glaube an die Ewigkeit hat manche Menschen dazu verleitet, im Menschenleben und vor allem im Alter nur einen Uebergang zum sogenannten Jenseits zu sehen. Alte Leute haben deshalb den Sinn ihres Alters in der Vorbereitung auf dieses ewige Leben durch Bußübungen, Weltabgewandtheit und Weltverachtung gesehen. Doch so, wie der Herbst in sich einen Wert und eine Bedeutung hat, so kommt auch dem Alter selbst ein ganz bestimmter Lebenswert zu. Der Herbst ist trotz alles Welkens reich an Früchten, trotz aller Fahlheit reich an Farbenpracht, trotz aller Stürme voll milder Sonne und trotz aller Nebel voll klarster Tage. So ist auch das Greisenalter trotz aller äußeren Müdigkeit oft unendlich reich an innerer Kraft der Erfahrungen und des Wissens. Wertvoller als Gold ist oft der weise Rat einer alten Frau und das aus tiefster Lebenserfahrung geborene weise Wort eines Greifes. Das Alter besitzt trotz aller Härte und Starrheit meist die milde Wärme eines ausgeglichenen Wesens voll Abklärung, Gerechtigkeit und Güte.
Es wird keinem Menschen einfallen, vom Herbst das zu verlangen, was der Frühling bietet. Wenn wir vom Alter nicht die Gaben der Jugend verlangen, dann werden wir voll Dankbarkeit all den
stöbert, um den Besitzer zu finden und gegen ein kleines Entgelt in Ruhe zu schlafen. Aber er fürchtete, Anni zu wecken. Er hockte sich im Bett auf und starrte in die Dunkelheit. Irgendwo raschelte es, dann knabberte es unter dem Bettpfosten. Gott- lob dachte Peter, eine Maus. Er war ordentlich froh, ein lebendiges Geschöpf in diesem ausgestorbenen Haus zu finden. Plötzlich zuckte er zusammen. Auf der Treppe wurden schlurfende Schritte hörbar, und ehe Peter die Tür erreichte, wurde von außen der Schlüssel herumgedreht.
„Hallo", rief Peter leise und klopfte vorsichttg, um Anni nicht zu wecken. Aber die Schritte schlurften die Treppe hinab, eine Tür fiel ins Schloß und dann folgte unheimliche Sttlle. Peter kratzte sich den blonden Kopf. Sie waren gefangen. Ausgeliefert auf jeden Fall. Nun gab es nur zwei Möglichkeiten: entweder gewaltigen Krach schlagen und Anni bis zum Nervenschock zu erschrecken oder das arme Kino schlafen lassen und den Dingen mit möglichster Fassung entgegenzusehen. Peter Renz entschloß sich für das letztere. Einerseits kitzelte das Abenteuer seine Iungenseele, anderseits konnte er sich nicht verhehlen, daß die Situation etwas mulmig war; denn schließlich trug er ja auch die Verantwortung für Annis Leben. Lautlos kroch er zum Fenster; die Nacht lag wie ein schwarzer Vorhang um das Haus. Nicht einmal die Entfernung vom Fenster bis zum Erdboden war abzuschätzen. Er mußte den Morgen abwarten.
Anni schlief zusammengemümmelt wie ein'Häschen. Eine große Zärtlichkeit stieg in Peter auf, als er sich über ihr Gesicht neigte/das im Schlafe dem Antlitz des kleinen Mädchens glich, mit dem er im Garten feines Vaters Ball gespielt hatte. Die Müdigkeit und Unbeschwertheit der Jugend siegten über seinen Entschluß, zu wachen. Ohne daß er es merkte, war er tief und fest eingeschlafen.
Ein sellsames kratzendes Geräusch weckte chn auf. Anni rührte sich nicht. Die Sonne sandte ihre ersten Strahlen quer über den Wald. Peter trat an das Fenster. Das Haus lag einsam von Wiesen umsäumt, und weit und breit kein Nachbargebäude zu entdecken. Inzwischen war es unten lebendig geworden. Peter öffnete das Fenster und lauschte hinaus. Jetzt sah er einen Mann eilig aus dem Haus kommen und im Laufschritt um die Ecke biegen. Peter war nun davon überzeugt, daß hier etwas nicht stimmte. Sein Zimmer lag im ersten Stock, darunter ein stattlicher Misthaufen. Nachdem
Höchsternten erziell werden können. Die^ mittlere Er- tragsleiftung wird dadurch also gehoben. Eine harmonische Düngung wirkt sich aber nicht nur in bezug auf die Menge, sondern auch auf die Qualität und damit auf die Bekömmlichkeit der Ernte, vor allem auch der gärtnerischen Erzeugnisse aus.
Durch eine 20-v. H.-Steigerung unserer Ernte könnten wir unsere Getreideversorgung um zirka 12,6 Millionen Tonnen unb unser Volkseinkommen um etwa 2,016 Milliarden RM. vermehren. Dieser Mehrertrag kann aber nur erzeugt werden, wenn wir über die individuell, durchaus verschiedene Nährstoffbedürftigkeit unserer Böden genau unterrichtet sind. Der Reichsnährstand ist deshalb schon feit Jahren bemüht, Methoden ausfindig zu machen, die am sichersten und schnellsten über die Dünge- bebürftigfeit bes Bobens Auskunft geben.
Bei bem zu beroältigenben ungeheuer großen Analysenmaterial scheiben pflanzenphysiologische Mechoben aus, ba sie zu viel Zeit in Anspruch nehmen unb beshalb zu teuer werden. Physikalisch- chemische Methoden Haden dagegen den Nachteil, daß man nicht genau weiß, ob die aufgezeigten Nähr- ftoffmengen dem entsprechen, was die Pflanzen in einer Vegetationszeit optimal benötigen. Man war deshalb bemüht, die Ergebnisse dieser Methoden an den Ergebnissen von Felddüngungsversuchen zu eichen. Hierbei sind in den letzten Jahren sehr große Fortschritte erziell worden.
Eine hier im Gießener Bobenkund- lichen I n st i t u t in Weiterentwicklung der von Becholb in bie Literatur eingeführten Methode der Elektro-Ultra-Filtration in langjähriger Arbeit entstandene physikalisch-chemische Methode, die auf der Benutzung des elektrischen Gleichstroms beruht, schnitt bei den bisherigen Prüfungen gut ab, sie stand in bezug auf bie wichtigen Nährstoffe Kali unb Phosphorsäure im Vergleich mit bem Felb- düngungsversuch sogar an erster Stelle. Da es sich bei bieser Prüfung aber nur um eine Teilbeteiligung bandelte — es wurden aus Mangel an Raum unb Mitteln in Gießen nur 80 Böben gegenüber 200 Böben anberer Institute untersucht —, so läuft diese Prüfung noch weiter, unb es werben vorläufig noch ältere, bereits fertig geprüfte Mechoben zur Äckerkontrolle angewandt.
Vor diesen älteren Methoden hat das Gießener Verfahren den Dortell, daß es nicht nur die Ge-
Reichtum, den der Schöpfer dem Alter verliehen hat, entgegennehmen. Atter unb yugend werden bann aber in heiliger Gemeinschaft und m gegen- seittger Achtung unb Ehrfurcht bie großen Aufgaben läsen, bie ihnen im Rahmen des Schopfungsplanes in der Volksgemeinschaft zukommen. Das Alter verdient im Leben unter der Sonne in derselben Weise seinen Platz wie bie Jugend. Das Alter selbst muß daran stets ebensosehr denken wie die Jugend.
Dornotizen.
Tageskalender für Samstag.
NDG. „Kraft durch Freude": 18.30 bis 21 Uhr im Stabtheater „Das Käthchen von Heilbronn". — Gloria-Palast (Sellersweg): „Ein Leben lang." — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): Kleiber machen Leute."
Tageskalender für Sonntag.
NSDAP., Ortsgruppe Gießen-Norb: 15 Uhr im „Burghof" Gemeinschaftsfeier mit ben italienischen Kameraben. — Reichst,und Deutsche Familie: 15.30 Uhr in der Aula der Universität: feierliche Ueber- rEichung bes Ehrenbuches. — Stadttheater: 11.30 bis 12.30 Uhr ,Lanzelot unb Sanderein"; 18 bis 20.45 Uhr „Aennchen von Tharau". — Gloria- Palast (Seltersweg): „Ein Leben lang".— Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Kleiber machen Leute".— Schüler-Konzert: 16 Uhr bei Frau Schlefier-Alt- mann, Goethestraße „Schubert-Feier".
Stabttheaker Gießen.
In der zweiten Morgenveranstaltung des Stadt- theaters kommt am morgigen Sonntag das altflämische Schauspiel „Lanzelot unb Sanderein" unter ber Spielleitung von Hansjoachim Büttner
er sich vergewissert hatte, baß bie Tür noch immer von außen verriegelt war, schwang er sich aus bem Fenster, kletterte bas Holzgesirns entlang unb sprang schließlich ab. Er fiel auf den Misthaufen, ber zumindest ben Fall bämpfte, raffte sich auf unb lief bem Mann nach.
„Hallo", schrie er, aber ber Fremde blieb nicht stehen, er tot, als hörte er Peter überhaupt nicht. Schließlich erreichte er chn, packte chn an ber Schulter — unb sah in ein vollkommen verblüfftes, gutmütiges Bauern gesicht. Peter raffte all fein Schwedisch zusammen, vermengte es mit Plattdeutsch, unb schließlich gelang es ihm, bem Bauern verständlich zu machen, daß er oben genächtigt hätte, und daß noch ein junges Fröken oben schliefe, was dem guten Manne unbändige Heiterkeit und ein schelmisches Augenblinzeln entlockte.
Aber der Bauer hatte wenig Zeit, sich dieser für feine Verhältnisse geradezu sensationellen Begebenheit hinzugeben. Er nahm Peter beim Arm und bedeutete ihm, daß er seine Hllfe brauche. Cessa, die Kuh, war am Kalben, und es ging nicht so glatt, wie er gehofft hatte. Ja, es war eine böse Nacht gewesen. Immer wieder sei er in den Kuhstall gelaufen, aber jetzt wäre es wohl endlich so weit Peter ging mit, er verstand nur die Hälfte von dem erregten Bericht des Alten; aber soviel stand fest: er war keinem Wilderer unb keinem Holzdieb ins Haus geraten. Cessa, bie Buntscheckige, stöhnte und sah mit trüben Augen die Menschen an, als bäte fie um Hilfe. „Halten Sie fest", kommandierte ber Bauer. Peter hielt bie Kuh mit allen Kräften, wäh- renb ber Bauer mit sachkundigen Händen bas kleine Kalb ans Licht beförderte. Als es geschafft war, schwitzten sie beide und waren Freunde geworden. Peter entsann sich mit plötzlichem Schreck, daß Anni oben eingeschlossen war und raffe mit Riesenschritten bie Treppe hinaus. Anni saß im Bett unb starrte ihn an wie ein Gespenst.
„Um Gottes willen, Peter, wie siehst du aus? Hast du jemanden umgebracht?"
„Ganz im Gegenteil, Anni, ich habe soeben jemanden zur Wett gebracht. Das Geheimnis dieses Hauses bestand darin, daß Cessa, die Kuh, kalbte. Weißt du übrigens, daß mir die ganze Nacht hier eingeschlossen waren?"
„Eingeschlossen? Wie entsetzlich, ich wäre vor Angst gestorben!"
„Deshalb ließ ich dich schlafen und schwang mich beim Morgengrauen durchs Fenster wie Romeo,
samtmenge der pflanzenverfügbaren Nährstoffe, sondern auch deren Löslichkeit feststellt. Dies ist wichtig, denn es ist wahrscheinlich, daß von zwei Böden mit denselben Mengen an Nährstoffen derjenige der bessere ist, ber ben Nährstoff am leichtesten ber Pflanze zur Verfügung stellt, um einen Fachaus- bruck zu gebrauchen „am besten anliefert". Die moberne Forschung hat ergeben, daß bas Bestreben eines Bodens, in ben so erwünschten Garezustanb überzugehen, von ber Menge an leichtlöslichem Kalk unb Phosphorsäure abhängt. Die Struktur eines Kulturbobens wirb durch einen hohen Gehalt an fchwerläslichem kohlensauren Kalk an sich noch nicht
sichere Weg:
NESTLE
KINDER NAHRUNG
Für Kinder im Alter bis zu 1'/» Jahren auf die 4 Abschnitte 5-8 der Kinderbrotkarte je eine große Dose in ollen Fachgeschäften
verbessert; bie Besserung tritt erst ein, wenn eine genügenb große Menge Kalk in löslicher Form in bie Bobenlosung eingegangen ift
Bisher würben nach bem Gießener Verfahren oorroiegenb hessische Böben auf ihren Gehalt an Phosphorsäure, Kali unb Kalk untersucht, doch lassen sich biefe Untersuchungen auch auf Stickstoff unb bie neuerdings als so wichtig erkannten Spurenelemente ausdehnen.
Dor kurzem eingelellete Untersuchungen von menschlichem unb tierischem Blut haben sehr vielversprechenbe Ergebnisse geliefert unb haben gezeigt, baß bas Gießener Verfahren emp- finblich genug ist, die kleinsten Verschiebungen an lebenswichtigen Stoffen im Gehalt des Blutes aufzuzeigen sowie dessen Pufferungsvermögen zu erfassen.
So wird es vielleicht in nicht allzu ferner Zeit möglich fein, durch Hand-in-Hand-arbeiten mit der medizinischen Wissenschaft viele Zusammenhänge zwischen der Art der Ernährung und Gesundheitsstörungen aufzudecken.
zur Aufführung. Es wirken mit: Hilde Kneip, Luise Prasser, Hans Caninenberg, Siegfried Lowitz, Hans Bernd Müller, Karl Volck. Außer Miete! — Abends „Ae nnchen von Tharau", Operette in 3 Akten von Heinrich Strecker.
Montag, 28. Oktober: Geschlossene Vorstellung für KdF.: „Das Käthchen von Heilbronn", 8er Ring, 2. Vorstellung.
Dienstag, 29. Oktober: Erstaufführung „Der Barbier von Sevilla", Komische Oper von Rossini. Musikalische Leitung: Otto Söllner. Spielleitung: Dr. Paul Beckers a. G. 7. Dienstag-Miete.
Mittwoch, 30. Oktober:, „Paganini", Operette von Lehar. 7. Mittwoch-Miete.
Freitag, 1. November: „Das Käthchen von Heilbronn", Schauspiel von Kleist. 7. Freitag-Miete.
Samstag, 2. November: Geschlossene Vorstellung für KdF. „Der Barbier von Sevilla". 16er Ring, 4. Vorstellung.
Sonntag, 3. November, nachmittags: Zum letzten Male „Hochzeitsreise ohne Mann", Lustspiel von Lenz. Außer Miete. — Abends: „Paganini", Operette von Lehar. Außer Miete.
Der Vorstellungsbeginn im Stadttheater mußte erneut vorverlegt werben. Es beginnen jetzt die Abendvorstellungen an Werktagen bereits um 18.30 Uhr. Die Abendvorstellungen an Sonntagen fangen um 18 Uhr an.
Krümen+M9“!
111* B '■■■— TWWW —
nur mit dem kleinen Unterschied, baß ich auf den Misthaufen fiel."
„Du Aermster, unb daß ich nicht deine Julia bin." „Was ^ch dir bei meinem Parfüm nicht zumuten konnte. Ich gehe jetzt unter bie Pumpe."
„Aber Peter, warum hat ber irre Bauer uns eingeschlossen?"
„Er ist nicht irre, Anni, nur schwerhörig. Er hatte etwas aus dem Zimmer geholt, ehe wir eintrafen. Lemenzeug aber was weiß ich, unb in ber Auf- regung um Cesias Wehen vergessen, bie gute Gaststube wieder abzuschließem Das holte er nun nach, wäfjrenb roir ahnungslos schliefen, ^wenigstens was dich betrifft; ich wachte ja, um bich zu beschützen."
„Ach Peter, wenn du nicht so nach Kuhstall rie- chen würdest, würde ich dir einen Kuß geben."
nachgeholt, Anni. Mach dich fertig! Der iliie schleppt schon Käse unb gewaltige Bauernbrote herbei zum Frühstück."
Die Morgensonne lachte golden auf bas rote Holzhaus. Dor ber Tür stand auf einem runden eteintifd) bas, Frühstück bereit Der alte Mann war erregt unb rebfetig. Ja — seine Frau wäre nach ©Dieburg gefahren, um die Tochter zu besuchen, unb gerade in dieser Nacht ging die Sache mit Cessa los. Hätte leicht schief gehen können, und Cessa mar bie einzige Kuh. Ein wahres Glück, daß ber junge Herr hereingeschneit war. Ja, ja, der liebe Gott läßt einen nicht im Stich! Nachdem er Anni unb Peter mit Butter, Eiern unb Milch gerabezu vollgestopft hatte, wollte Anni bas Kälbchen sehen. Es stand noch zitternd vor Schwäche auf seinen dünnen Sein« cyen, schweißig unb naß, unb betrachtete mit dummen erstaunten Augen das Weltall, in das es plötz. lich aus ber dunklen Wärme des Mutterleibes hin- eingeboren war. Gelöst, zufrieden unb glücklich beleckte bie Mutter mit rauher zärtlicher Zunge ihr Kind. Anni strich leise über ben weißen Siern zwischen den seidigen Ohren des Tieres, als wollte sie etwas von ber zarten, mütterlichen Wärme mitnehmen in ben kühlen, nordischen Frühlingsmorgen, über bem die Himmelswölbung wie eine' kristollne Schale hing.
Dann gingen sie, ben Rucksack voll Proviant — benn ber_ Bauer hatte es sich nicht nehmen lassen, seinen nächtlichen Besuchern Wegzehrung mitzugeben — über bie taufrischen Wiesen vergnügt unb strahlend wie der junge Frühlingsmorgen, ber ihnen das Tor zu neuen Abenteuern aufschloß.
(Fortsetzung folgt.)


