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Montag, 23. September 1940

Giehener Anzeiger

(90. Jahrgang Nr. 225

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3n zwei Ta gen 176000BAT versenkt.

Eine Höchstleistung der deutschen Unterseeboote. London wieder Hauptangriffsziel der Vergeltungsangriffe.

Berlin, 22. Sept (DBB.) Das OKW. gibt bekannt:

Ein Unterseeboot unter Führung von Ka­pitänleutnant Schepke hat acht feindliche Handelsschiffe mit zusammen 61 300 BRD. versenkt. Gleichzeitig melden andere Unterseeboote die Versenkung von weiteren acht feind­lichen Handelsschiffen mit zusammen 35 700 BRI. Einschließlich der gestern gemeldeten versenkten feindlichen Handelsschiffe wurden damit in zwei Tagen 176000 BR T. feind­lichen Handelsschiffsraums durch Unter­seeboote versenkt, eine Höchstleistung, die zum ersten Riale in diesem Kriege erreicht wurde, noch Mtu in Gebieten, in denen der Gegner über reichhaltige Mittel zur Unterseebootsbekämpfung verfugt.

Die Vergeltungsangriffe a u f Eng­land nahmen auch gestern ihren Fortgang. Lon­don war wieder haupkangrlffsziel. Bei Tag und Rächt wurde im Zentrum und längs der Themse zahlreiche militärische und kriegswichtige Ziele er­folgreich mit Bomben belegt. In der Röhe des Royat-Albert- und des West - 3 ndia - Docks entstanden neue schwere Brände. 3m gro­ßen Themsebogen konnte festgestellt werden, daß noch zahlreiche alte Brände wüten. Weitere An­griffe richteten sich gegen verschiedene Flugplätze und Truppenlager, sowie gegen einige hafenplähe an der Süd- und Ostküsle Englands. Auf einem be- ders stark belegten Flugplatz in der Rähe Londons wurden Treffer in hallen und Unterkünften erzielt.

Erneute Versuche feindlicher Luftstreilkräfte, in das Reichsgebiet einzudringen, scheiterten bis auf einige Einflüge an der französisch-belgischen Küste. Die hier abgeworfenen Bomben richteten keinen militärischen Schaden an. Der Feind verlor zwei Flugzeuge. Zwei deutsche Flugzeuge werden ver­mißt.

Wieder Bomben aus Zivilbevölkerung.

Berlin, 23. Sept. (DRB. Funkspruch.) Auch in der letzten Rächt unternahm die Royal Air Force wieder Bombenangriffe auf deutsches Reichsgebiet und insbesondere auf die Reichshaupt st adt mit dem Ziele, wiederum zivile Wohn­viertel mit Bomben zu belegen. 3n Berlin wurde Fliegeralarm gegeben, infolge des Sperrfeuers der Flak und des Einsatzes von Rachtjägern gelang es

dem Feind in Berlin nicht, größeren Schaden anzu­richten.

Die Zahl der Todesopfer, die das ruchlose Ver­brechen der Royal Air Force in den Bodelschwingh- schen Heilanstalten in Bethel bei Bielefeld ge­fordert hat, hat sich auf zwölf erhöht, da mehrere Schwerverletzte ihren furchtbaren Wunden erlegen sind. Elf hilflose kranke Kinder und eine Krankenschwester, die ihr Leben der pflege dieser unglücklichen Geschöpfe gewidmet hatte, sind dem von Churchill befohlenen niederträch­tigen Anschlag zum Opfer gefallen.

*

Das Blut dieser unschuldigen Opfer wird tausend­fältig gerächt werden. Jede Sprengdon^de, die deut­sches Blut und Leden zerstört, jede Brandbombe, mit der diese britischen Marodeure deutsche Heime und deutsche Kulturstätten vernichten, wird ihnen tausend­fach heimgezahlt. Tag für Tag und Nacht für Nacht erlebt London schon jetzt die Vergeltung für dieses Mordbanditentum. Churchill und die britische Pluto- kratenkaste werden es noch einmal bitter bereuen, daß sie deutsche Frauen und Kinder so heimtückisch hinmorden, deutsche Kulturstätten schänden, Kranken. Häuser und Friedhöfe barbarisch zerstören ließen.

Bombardement

des Flughafens Micabba auf Matta.

Rom, 23. Sept (DRB. Funkspruch.) 3kalienische Slurzkarnpfsliegerslaffeln belegten am Sonntag die Flughafenanlage von IHicabba auf der 3nfel Walia außerordentlich heftig mit Bomben. Die Wotoren- Reparafurroerf(tätten, unterirdische Lagerräume und eine Flugzeughalle wurden von Bomben schweren Kalibers getroffen. Es entstand eine Feuersbrunst, die noch auf 50 Kilometer Entfernung zu beobachten war. Trotz heftiger Bodenabwehr kehrten alle italie­nischen Flugzeuge wohlbehalten in ihre Einsahhäfen zurück.

Mit dem KnegSverdienstkreuz (.Klaffe ausgezeichnet.

Berlin, 22. Sept. (DRB.) Der Führer Hal dem Reichsprotektor Freiherrn v. Reurath, dem Reichsverkehrsminister Dr. Dorpmüller, dem Reichswirtschaftsminister Funk, dem Staatssekre­tär Körner, dem Staatssekretär K l e i n m a n n, ferner dem Reichskommisfar Reichsminister Dr. Sayß- 3 nguark, dem Reichskommissar Gau­leiter Terboven und dem Oberpräsidenten Gau­leiter K o ch in Anerkennung ihrer besonderen Ver­dienste um die Durchführung von Kriegsaufgaben das Kriegsverdienstkreuz 1. Klaffe verliehen«

Ribbentrops Abschied von Rom.

Rom, 22. Sept. (DRB.) Die Anwesenheit des Reichsauhenministers von Ribbentrop in der italie­nischen Hauptstadt brachte am Samstag keine offiziellen Besprechungen. Der Reichs- auhenminister war jedoch mit Graf Liano auf einer Fahrt in d i e Umgebung Roms zusammen, und beide Außenminister frühstückten gemeinsam in kleinstem Kreise in Tivoli. Der Duce empfing heute vormittag im palazzo Venezia Reichsaußen­minister von Ribbentrop zu einem Abschieds­besuch. Bei der herzlichen einstündigen Unterredung, die in Gegenwart Graf Llanos stattfand, waren Botschafter vonWackensen und Botschafter A l - f i e r i anwesend.

*

Der diplomatische Mitarbeiter der A g e n z i a Stefani schreibt: Dem Minister des Auswärtigen des Reiches habe die Bevölkerung von Rom in diesen Tagen einen besonders herzlichen und warmen Empfang bereitet, der bezeuge, wie sehr in Italien die Verbundenheit empfunden werde, die Deutschland und Italien gegenüber dem immer mehr abfinkenden und vollkommen isolierten Eng­land vereine. Die beiden Achsenmächte marschie­ren Schulter an Schulter bis zum Siege und weiter über den Sieg hinaus in vollkommener Uebereinftimmung in den Direktiven und mit voll­stem Verständnis für die gegenseitigen Ziele. Gegen­über dieser absoluten Solidarität erinnere man sich der ewigen Zänkereien unter den westlichen Demo­kratien, die besonders aus den offiziellen französi­schen Dokumenten hervorgingen, und deren Gipfel­punkt der tragische Zusammenstoß von Dran bildete. Die Italiener haben um so mehr die unverbrüch­liche Kameradschaft des von Hitler ge­schaffenen Deutschlands schätzen können, als sie sich ganz genau der Rechtsbeugungen durch die demo­

kratischen Mächte erinnern. Der Besuch Ribbentrops in Rom vollzog sich in einer geschichtlichen Stunde, die durch drei Hauptereignisse gekenn­zeichnet wurde: die deutsche Offensive gegen England, die italienische Offensive gegen die britischen Streitkräfte in Aegypten und die Solidaritätserklärung des neuen Spaniens mit der Achse durch den Sendboten Francos in Deutschland.

Ribbentrops Abfahrt ans Rom.

Herzliche Kundgebungen der römischen Bevölkerung.

Rom, 23. Sept. (Europapreß.) Kurz vor 18 Uhr traf Reichsaußenminister von Ribbentrop auf dem Bahnhofsplatz der Hauptstadt ein. Von der Villa Madama bis zum Bahnhof hatte sich die Bevölkerung Roms gestaut, um den deutschen Reichsaußenminister zu begrüßen. Auf dem Bahnhofsplatz erwies eineKom- panie mit Fahne und Musik die Ehrenbezeigung. Zur Verabschiedung des Reichsaußenmnisters hatten sich auf dem Hauptbahnhof Außenminister Graf Ciano, eine große Zahl von Beamten des Außenministeriums, des Ministeriums für Volksbildung, der Präfekt, der Gouverneur von Rom, viele Generale, Funktionäre der Faschistischen Partei, Botschafter von Mackensen, Botschafter Alfieri, der spanische Botschafter, die Ge­sandten Ungarns und der Slowakei eingefunden. Nach herzlicher Verabschiedung von Außenminister Graf Ciano und den italienischen Persönlichkeiten, dem deutschen Botschafter und den diplomatischen Vertretern der befreundeten Länder, bestieg der Reichsaußenminister seinen Wagen im deutschen Panzerzug. Pünktlich um 18 Uhr setzte sich der von ausgewähltem italienischem Personal geführte Zug .in Bewegung.

Aegypten in der Stunde der Entscheidung

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Diese Ausnahme von den italienischen Aktionen in Aegypten veranschaulicht die Schwierigkeiten des Geländes. Nur dürre Büsche bedecken die wasserlose Ebene, über die sich die Truppen gegen oft stark befestigte feindliche Stellungen oorkämpfen müssen. (Scherl-B ilderdienskM.)

Rom, 22. Sept. (Europapr.) DerMessaggero" veröffentlicht ein offenes Schreiben an König Faruk von Aegypten, in dem auf Grund historischer Beweisstücke nachgewiesen wird, wo Aegypten in dieser für das ägyptische, Volk historischen Stunde Anlehnung suchen müsse. Nur wer siegen werde, werde auch befehlen können. Italien stehe an den Toren Aegyptens, um dem ägyptischen Volk zu Helsen, sich von seinen Be­drückern zu befreien. Die Stunde der Ent­scheidung habe geschlagen. König Faruk müsse sich erklären und entscheiden. Der Zeiger der Weltuhr könne nicht zurückgedreht werden. Ist das Beispiel der zahlreichen Staaten, die nun schon Opfer der englischen Politik geworden sind, nicht eine furchtbare Mahnung? Warum läßt sich Aegypten vergewaltigen und einkerkern? Warum unterstützt es ein Land, das nur seine eigenen, aber keineswegs die ägyptischen Interessen verficht? Wvr- um soll die ganze islamische Welt in eine Krisis gezogen werden, Die nur zu ihrer Schwächung füh­ren könnte? handeln Sie und denken Sie an das Vermächtnis Ihres Vaters!" so wird dem König zugerufen.Italien kann euch nicht retten, wenn chr Aegypter euch nicht selbst rettet. Ein König, ein Parlament, eine Wafdpartei und ein Heer können nicht behaupten, sie seien wahrhaft be­gierig, die fremde Tyrannei abzustreifen, wenn sie keine konkret en Beweise ihres Willens zur Befreiung geben. Junger König, fassen Sie Mut! Das junge Italien wird Ihnen Helsen, aber geben Sie wenigstens ein Zeichen!"

DieRelazioni Jnternazionali", das Organ des Instituts für das Studium der internationalen Po­litik, schreibt: Italien habe Aegypten gegenüber offene Beweise der Sympathie und des Verständ­nisses geliefert. Die Entwicklung, die Tausende von Italienern von den Handarbeitern bis zu den For­schern Aegypten gegeben haben, sei ein positiver Beitrag zur ägyptischen Sache. Das politische Te­stament des Königs Fuad, des Vaters des gegen­wärtigen Königs Faruk (der in seiner Jugend, von den Engländern vertrieben, lange Jahre im Exil in Neapel den Schutz Italiens genossen hat), sei ein Testament der Freundschaft und Zu­sammenarbeit mit Italien. Durch das Bündnis mit England habe sich Aegypten indessen verpflichtet, jener Macht die eigenen militärischen Stützpunkte für Zwecke zu überlassen, die sich heute

mehr denn je als gegen Italien gerichtet er­weisen. Das italienische Volk betrachte den anglo- ägypttschen Vertrag als ein Joch für ein zivilisier­tes Volk. Das ägyptische Ziel sei mit dem Ziel Ita­liens gleichlaufend. Wenn sich die Männer der ägyp­tischen Regierung unter dem englischen Druck ober durch eigennützige Sympathien entschließen sollten, die Waffen gegen Italien zu erheben, bann würde dies auf keinen Fall den unwidersteh­lichen und ungestümen italienischen Vormarsch auch nur um einen Meter aufhalten. Die Antwort Ita­liens würde aber nicht lange auf sich warten lassen: Italien hätte dann volle Handlungsfrei­heit, um feine sakrosankten Interessen zu schützen. Italien werde bas Herz bes britischen Imperiums treffen und seine durch den Suezkanal dargestellte Schlagader lahmlegen. Erst dann werde die Auflö­sung bes britischen Imperiums beginnen. Der Krieg in Aegypten sei entscheidend.

Äftertnfe in Kairo.

Zunehmende antibritische Kundgebungen der Bevölkerung.

San Sebastian, 22. Sept. (DNB.) Wie Reu­ter aus Kairo meldet, ist es in Aegypten am Sams­tag zu einer überraschenden Ministerkrise gekom­men, die auf Meinungsverschiedenheiten wegen der Haltung gegenüber Italien zurückgehen soll. Vier Minister, die der Saadisten-Partei angehören, traten zurück und wurden auf Grund eines königlichen Erlasses durch neue Mini­ster ersetzt. Wie Reuter zugeben muß, wünscht das umgebilbete Kabinett unter den augenbkicklichen Umständen nicht, daß man es zu überstürzten Ent­scheidungen drängt.

Der schnelle Vormarsch der italienischen Truppen in Aegypten hat in Kairo größte Nervosi­tät verursacht. Die anglo-ägyptischen Zeitungen bringen mit großem Widerstreben Notizen über die Kämpfe, die sich an der Westgrenze mit einer sol­chen Schnelligkeit abwickeln, die niemand ip Aegyp­ten für möglich gehalten hätte. Freitagnachmittag fanden verschiedene antibritische Kund­gebungen in den Kinos von Kairo statt, als die britische Wochenschau gezeigt wurde. In vielen Licht­spielhäusern zerstörten die Kundgeber die Einrich­tung. Mit Rücksicht auf diese Vorfälle ist die Vor­

führung der englischen Wochenschau verboten wor­den, weil man neue Kundgebungen befürchtet. Die Zensur ist in Aegypten neuerdings noch viel st r e n g e r geworden. Man erwartet in Kürze eine Verordnung, die die Ausländskorrespondenten ver­pflichten wird, ihre Berichte der Zensur vorzulegen.

Emir Abdallah im Solde der britischen Propaganda.

Rom, 22. .Sept. (Europapreß.)Popolo di Roma" berichtet aus Istanbul, daß die Engländer den Emir Abdallah von Transjordanien zu ihrem arabischen Hauptwortführer im Propaganda­feldzug gegen Italien gemacht hätten. Die übrigen arabischen Herrscher hätten sich geweigert, an die­sem englisch-jüdischen Feldzug mitzuarbeiten. Die erste theatralische Geste 'des Emirs Abdallah sei die Verlesung einer vom englischen Residenten vorbe­reiteten Rede vor den Truppen in Maan gewesen. Diese Geste, durch die die arabische Welt gegen Italien hätte beeinflußt werden sollen, habe in den arabischen Staaten keinen Widerhall gefun­den. Alle Bemühungen des im Solde der Engländer stehenden Emirs würden erfolglos bleiben. Außer bei einigen bestochenen arabischen Stämmen genieße der Emir Abdallah, der Sohn des einst von Ibn Saud aus Mekka vertriebenen Scherifen Hussein, der im Weltkrieg schon Parteigänger her Briten war, in der ganzen arabischen Welt kein Ansehen. Er werde verachtet und führe den entehrenden Bei­namenSohn eines Hundes". Ein unversöhnlicher Feind des Emirs sei und bleibe Ibn Saud, der König der Wahabiten.

Suezkanal-Gesettschost stellt Dividendenzahlung ein.

Rom, 22. Sept. (Europapreß.) Obwohl der Verkehr durch den Suezkanal vollkommen zum Stillstand gekommen ist, hatte die Suezkanalgesellschaft die Zahlung der fetten Divi­denden noch fortgesetzt. Gleichzeitig aber wurden die Arbeiter dieser Gesellschaft ent­lassen. Nun scheinen aber doch die Reserven der Gesellschaft erschöpft zu sein; denn deren Leiter haben sich jetzt zu dem Entschluß aufgerafft,, die Dividendenzahlung e i n z u st e 11 e n.Popolo di Roma" sieht darin den Beweis dafür, daß der von Italien im Mittelmeer, im Roten Meer und in Ost­afrika geführte Krieg das englische maritime System des Seeweges nach Indien bereits vollkommen zerrüttet und zerstört hat. Die englische Flotte sei, wie sich erwiesen habe, nicht mehr in der Lage, die freie Verfügbarkeit über diesen Seeweg zu sichern. Man könne voraussagen, daß bald der Tag kommen werde, da der Kanal für immer aus den Krallen der Autokraten befreit und endlich eine Durchfahrtsstraße für den freien Warenaus­tausch der Völker werde.

Europas Arbeiisraum.

Europa den Europäern, Amerika den Amerika­nern, Asien den Asiaten! In dieser Aufzählung, die eine gerechte Auslegung der berühmten Monroe­doktrin bedeuten könnte, wenn man sie so wörtlich nehmen wollte, wie sie vor kurzem aus Washing­ton gemeldet wurde, ist von zwei Kontinenten nicht die Rede. Es ist nicht die Rede von dem kleinsten der Erdteile, von Austtalien, das weit abseits am Rand des Pazifischen Beckens liegt, aber auch nicht von dem mächtigen Afrika, von dieser gewaltigen, durch ihre geringe Gliederung um so klobiger wir­kenden Lanomasse vor den Toren der europäischen Welt. Natürlich nicht. Denn unmöglich wäre es, Australien mit seinem bescheidenen Siedlungs­raum und der noch bescheideneren Zahl von Men­schen, die als. Söhne, Enkel und Urenkel Europas dort heimisch geworden sind, als eine Welt für sich zu klassifizieren. Noch unmöglicher aber müßte es scheinen, Afrika als Einheit anzusehen oder hier Eigentumsoorrechte einer afrikanischen Mensch­heit proklamieren zu wollen, die es in diesem Sinn überhaupt nicht gibt. Jeder Blick auf eine Weltkarte charakterisiert vielmehr diesen Erdteil als zu Europa gehörig und eine Art von Einheit mit Europa bildend. Europa, Vorderasien und Afrika ergeben eineW e 11", die erst durch ihre Umgrenzung auch dem Mittelmeer seinen wahren Charakter als Meer der Mitte verleiht. Die Ko­lonialgeschichte aber hat diese Beobachtung bestätigt. Anders als Asien mit seinen alten Kulturen, die in großen Volksräumen und Völkern bis heute ihre Fortsetzung fanden, anders als Amerika, das sich als Tochter Europas von Europa emanzipiert hat, ist Afrika die eigentlicheKolonie" geworden und geblieben.

Auch die Ausnahme bestätigt die Richtigkeit. Aegypten, das in gleicher Weife historisch eine Besonderheit ist, hat sich allein unter allen afrikani­schen Gebieten eine relative Unabhängigkeit ge­sichert. Es gehört aber in dieser wie in mancher anderen Beziehung mehr zur vorderasiatischen Staatenregion, mit der es die islamitische Glaubens­zugehörigkeit seiner Bewohner verbindet. Was wir S ü d o st e n nennen, setzt sich als Gesamtwohn­bereich von Kleinvölkern über das (Aegciische) Meer im Orient gleichartig bis nach Aegypten fort. Im Schatten Großdeutschlands und Italiens lebt hier eine Menschheit von etwa 48 Millionen europäi­schen und 45 Millionen asiatischen und aftikanischen Blutes. Sie alle sind zur Lebensgemeinschaft mit dem nördlich und westlich anschließenden Mittel­europa prädestiniert. Mitteleuropa ist für sie der nächste und beste Lieferant von Fertigwaren, wäh­rend sie ihn mit Rohstoffen beliefern, die nirgends anders hin so direkt und so günstig abgesetzt wer­den können. Auch hier hat das politische Dazwischen­treten Englands eine naturgeschaffene Wirtschafts­gemeinschaft vergeblich zu verwischen ober zu unter-