zum internationalen Recht, wie die britische Regierung es versteht". Schamloser konnte englische Anmaßung sich nicht entblößen als Herr Chamberlain es mit dieser Umschreibung der von England über die Neutralen verhängten Rechtlosigkeit tut.
Nun, der norwegische Außenminister K o h t, der in dieser Sache den norwegischen Rechtsstandpunkt so klar festaestellt hat, wenn er auch, was freilich sehr entscheidend ist, sich außerstande erklären mußte, irgendwelche militärische Macht bekräftigend hinter sein Recht zu stellen, straft auch in diesem Punkte des „internationalen Rechtes" Herrn Chamberlain drastisch Lügen. Er erinnert ihn daran, daß noch im Sommer 1939 die englische Regierung der norme- gischen Regierung mitteilte, die „einzigrnog- licye Volkerrechtsregelung über die Durchfahrt von Kriegsschiffen Kriegführender durch neutrale Hoheitszonen könne und müsse dahin- gehen, daß diese Kriegsschiffe solange das Recht zu solcher Durchfahrt hätten, wie sie das für nötig hielten und so lange sie keinen Hafen anliefen". Die norwegische Regierung habe sich diese englische Auffassung uneingeschränkt au eigen gemacht. Dieselbe Auffassung sei ja auch in englischen Völkerrechtsbüchern vorgetragen und vertreten.
So lautete die betonte Auffassung der englischen Regierung und des Herrn Chamberlain, so lange sie glaubten, daß diese Auffassung nur zum Vorteil Englands wirken könne. Nun aber, da sie auf ein deutsches Schiff Anwendung finden, stellt der alte Sünder Chamberlain sich auf den genau entgegengesetzten Standpunkt. Er fällt mit Vorwürfen über die norwegische Regierung her, weil diese sich aufs genaueste an die ihr diktierte englische Auffassung zu halten suchte, ihr freilich aus Mangel an Machtmitteln keinen Nachdruck verleihen konnte gegen dasselbe England, das ihr diese Auffassung im Sommer 1939 diktiert hat. Jetzt rechnen dasselbe England, derselbe Herr Chamberlain diese von iynen verkündete Rechtsauffassung der norwegischen Regierung zum Verbrechen an. Der englische Cant erklärt sofort und ohne jede Regung von Scham — denn völlige Unfähigkeit zur Scham ist ein wesentliches Merkmal dieser englischen Lügentechnik — das genaue Gegenteil seiner eigenen Verkündung vom Sommer 1939 für internationales Recht, „wie die britische Regierung es versteht". Höher geht's nicht.
Das ist urenglisch, genau so wie der von den Engländern nicht gelesene, kaum aufgeführte und nicht verstandene größte Engländer, Shakespeare, den Briten sich schon im „Richard III." selbst zeichnen ließ, wo er den schamlosen Heuchler und Mörder, der durch Meuchelmord und Meineid sich den Weg zum Thron bahnt, sagen läßt:
„Ich tu' das Bös' und schreie selbst zuerste, Das Unheil, das ich heimlich angesttftet Leg ich den andern dann zur schweren Last. Dann seufz' tch, und nach einem Spruch der Bibel Sag ich, Gott heiße Gutes tun für Böses.
Und so bekleid' ich meine nackte Bosheit
Mit alten Fetzen, aus der Schrift gestohlen
Und schein' ein Heil'ger, wo ich Teufel bin."
Das ist der englische Cant. Das ist Herr Chamberlain, wie er leibt und lebt, die Bibel zitiert und lügt. Der alte Shakespeare hat ihn schon ganz genau gekannt.
Keine französischen Bräute für englische Soldaten.
Brüssel, 21. Febr. (DNB.) Lord Gort, der Chef der britischen Expeditionsarmee, hat sich veranlaßt gesehen, „die wachsende Verlobungssucht der britischen Soldaten mit Französinnen" abzustoppen. Lord Gort betonte, daß man diese Vcrlobungssucht „in geschickter Form als lächerlich und unehrenhaft für einen Engländer zu kennzeichnen" versuchen müsse. Militärisch sei „die romantische Lebensführung der britischen Soldaten in
Roman von Frank F. Braun
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21 Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Die Handschuhe sind gewaschen worden, um einen Blutfleck zu entfernen, der sich auf dem rechten in der Nähe des Ballens befunden hatte. Die Spur war noch deutlich in der Dergrößeruna zu erkennen. Daß es sich um Blut, um Menschenblut gehandelt hat, ergab die mikroskopische Untersuchung."
„Das ist allerdings ein Erfolg, Kybander." Der Kriminalrat war merklich beeindruckt. „Nun verraten Sie mir noch: wie kamen Sie zu den Handschuhen und wem gehören sie?"
„Die Handschuhe gehören Frau Henriette Car- lotti, der Mutter des Ermordeten. Ich habe sie in ihrer eigenen Wohnung an mich genommen."
„Sehr gut", stimmte der Kriminalrat zu. Er trommelte mit b-en Nägeln der rechten Hand einen Morsch. „Eine undurchsichtige Geschichte, scheint mir Erst findet sich der Revolver im Müllkasten, dann entdecken Sie blutig gewesene Handschuhe; fehlt nur noch, daß Sie auch das Gift, mit dem Ludwig Carlotti getötet wurde, bei den Carlottis finden."
„Ist der Bericht vom Chemiker gekommen?" fragte Kybander.
„Vorhin. Es bandelt sich um ein hier unbekanntes Schlangengift von geradezu unheimlicher Wirkung. Schon Spuren davon, in die Blutbahn gebracht, führen in wenigen Minuten zum Tode." Herr von Karmin sah seinen Kommissar an. „Erstaunlich ist auch, daß Dr. Zulemski keinerlei Wunden finden kann, durch die das Gift eingedrungen sein könnte. Die Halswunde kommt dafür nicht in Betracht. Es muß doch aber irgend jemand Carlotti mit dem Gift in Berührung gebracht haben. Es muß doch wenigstens eine Hautverletzung gegeben
Englands Verbrechen an der weißen Raffe.
Oie Deutschen in Ostafrika wie Sträflinge behandelt.
Berlin, 21. Februar. (DNB.) Wie Deutsche aus unwiderruflich deutschem Lande in Afrika in beispiellosem Rechtsbruch sogar des in Versailles geschaffenen Mandatssystems vertrieben wurden, zeigen Schilderungen von heimgekehrten Deutsch« Ostafrikanern:
Am 3. September 1939 wurden sämtliche deutschen Männer über 17 Jahre im Tanganjika-Territorium interniert. Bereits eine Woche vorher waren die Straßen und Wege zu den deutschen Siedlungsgebieten mit Schlagbäumen und Maschinengewehrnestern gesperrt worden. Die Brücken waren mit Wachtposten besetzt. Die deutschen Pflanzungshäuser wurden mit schwarzen Soldaten (Askaris) umstellt.
Die deutschen Geschäfte wurden geschlossen und verfielen mit allen Warenvorräten, Bankguthaben, Grundstücken usw. der britischen Mandats- Verwaltung. Alle deutschen Pflanzungen, Farmen und sonstigen Betriebe wurden ebenfalls beschlagnahmt. Die Deutschen konnten nur über das Der- sügen, was sie am Leibe trugen und was sie mit in die Internierungslager genommen hatten.
Gegen Ende September 1939 erfolgte der Abtransport in das Sammellager Daressalam. Etwa 300 Deutsche aus den Nordbezirken Moschi und Arunscha wurden in einen völlig unzureichenden Sonderzug gepfercht und unter stärkster Bewachung durch schwer bewaffnete Askaris nach Tanga geleitet. Dort lagen zwei Küstendampfer, in welchen etwa 500 Internierte verfrachtet wurden. In furchtbarer Hitze verbrachten die gefangenen Deutschen ohne Trinkwasser und
ohne frische Luft eine Nacht auf stürmischer See auf diesen winzigen Küstendampfern. In Dar- essalarn mußten die Deutschen dann unter Bewachung von Askaris durch die Stadt marschieren, vorbei an Negern und Indern, die sie begafften.
Das Sammellager in Daressalam war ganz mit Stacheldraht und mit einem drei Meter hohen Wellblechzaun umgeben. Die heiße Tropensonne brütete den ganzen Tag auf den Hallen, die als Schlafräume dienten. Früher dienten diese Eisen ko nstruk- Honen mit Zementwänden — als Lagerschuppen. Mittags herrschten Temperaturen von etwa 40 Grad Wärme. Die Unterbringung der Deutschen war also für Tropenverhältnisse unmenschlich. Die Verpflegung war häufig unzureichend. Oft wurden schlechtes Maismehl und muffiger Reis geliefert.
Bei einer Durchsuchung wurden den Internierten sämtliche Barmittel und alles Handwerkszeug weggenommen. Deutsche, die politisch tätig gewesen waren, wurden auf eine kleine Insel vor Daressalam gebracht, wo etwa 30 Deutsche hinter Stacheldraht zu leben gezwungen sind. Im Dezember begann die englische Verwaltung mit dem zwangsweisen Abtransport der Deutschen nach dem Reich. Als Reisegepäck wurden für Erwachsene etwa 100 Kilogramm, für Kinder rund 20 Kilogramm gestattet. Alle anderen Werte mußten abgegeben werden. Siegelringe wurden vom Finger gezogen, Armringe abgenommen, Broschen abgesteckt, Medikamente aus dem Gepäck entwendet. In unwürdigster Weise wurden die Frauen durchsucht.
Frankreich" unbedingt nachteilig. Auch in der Heimat hätten die zahlreichen Verlobungen ä u ß e r st b e u nruhigend auf die englischen Frauen und Mädchen gewirkt. Darüber hinaus aber sei die Vermischung von Engländern mit Französinnen unbedingt auch für den Nachwuchs der englischen Rasse äußerst nachteilig. — Also, als Kanonenfutter ist das französische Volk für die Engländer gut genug, als Frauen britischer Soldaten aber verderben die Französinnen die „gute englische Rasse!" Noch deutlicher konnte man es den Franzosen gar nicht sagen, was man in Wirklichkeit von ihnen denkt.
Schwedens Gchiffsverluste.
Stockholm, 21. Febr. (Europapreß.) Im schwedischen Reichstag stellte Außenminister Gün- t y e r fest, daß vom 3. September 1939 bis zum 14. Februar 1940 32 schwedische Fracht- dampfer mit einer Gesamttonnage von 63 908 BRT. und einem Versicherungswert von 24 430 000 Schwedenkronen gesunken seien. 228 schwedische Seeleute hätten ihr Leben einbüßen müssen. Der gegenwärtige Seekrieg werde durch die Tatsache charakterisiert, daß eine Konterbanden-Kontrolle der Westmächte eingeführt worden sei, die mit sich bringe, daß eine bedeutende Anzahl schwedischer Schiffe britische Kontrollhäfen in besonders gefährdeten Gebieten anlaufen müßten, die Konterbandenlisten von beiden kriegführenden Seiten umfasse so gut wie sämtliche wichtigen Waren, der Minen- und Handelskrieg werde vor allem in den Nordsee-Gebieten und in den englischen Küstenfahrwassern geführt. Die gefahrvollen Gewässer lägen so, daß Schweden, um sie zu vermeiden, genötigt sei, seine Seefahrt nach Großbritannien so aut wie vollkommen einzustel- l e n und in sehr großem Umfange auch die Handels- und Schiffahrtsverbindungen mit den neutralen Ländern aozubrechem Es liege offen zutage,
welche verhängnisvollen Auswirkungen dies für Schweden mit sich bringe, das in höherem Maße als die meisten Länder auf feinen Seehandel angewiesen sei. Die Verschärfung des Seekrieges gehe daraus hervor, daß im September Schiffe von einer Gesamttonnage von 8211 BRT. versenkt worden seien, während bis zum Januar eine allmähliche Steigerung erfolgt fei; im Dezember seien 22 199 BRT. versenkt worden.
Deutscher Tankdampfer-Neubau an amerikanische Auftraggeber abgeliefert
N e u y o r k, 21. Febr. (DNB.) Die Texas Petroleum Comp. hat im sechsten Kriegsmonat den bei der deutschen Werst in Auftraa gegebenen neuen 10000 Tonnen großen Tankdampfer „S c a n- dinavia" übernommen. Das Schiff hat Deutsck)- land im Januar verlassen, nahm in Oslo norwegische Besatzung an Bord und traf am 14. Februar i n Neuyork ein. Die Fahrt des Tankdampfers ist von ameribanifchen Schiffahrtskreisen mit größtem Interesse verfolgt worden, da man damit rechnete, daß die Enäländen versuchen würden, das Schiff vor Uebemahme durch den amerikanischen Auftraa- geber zu kapern. Um so größeres Aufsehen ruft die Tatsache hervor, daß es der „Soandmavia" gelungen ist, b-iie englische Blockade erfolgreich zu durchbrechen.
Kleine politische Nachrichten.
Stabsführer Hartmann-Lauterbacher meldete dem Führer die Eröffnung der fünften Winterkampfspiele der Hitler-Jugend in Garmisch - Partenkirchen. 1200 Hitlerjungen und BDM.-Mädel werden im ritterlichen Kampf ihre Kräfte messen und um den höchsten sportlichen Lorbeer auf Schnee und Eis kämpfen. Die 25 besten Jungen vertreten die Farben Großdeutschlands im
Länderkampf gegen die befreundete italienische Jugendmannschaft.
Der Reichspressechef hatte die Gau« Presseamtsleiter der NSDAP, aus dem Reich zu einer Arbeitsbesprechung in Berlin versammelt. Dr. Dietrich gab ihnen die Parolen zur Durchführung ihrer kriegswichtigen Aufgaben und forderte stärksten journalistischen kämpferischen Einsatz für den Sieg der Nation.
Im Reichsarbeitsministerium haben Verhandlungen über die Beschäftigung italienischer Landarbeiter in Deutschland begonnen. Reichs- arbeitsminister Seldte empfing die italienische Delegation und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Verhandlungen in einem sehr freundschaftlichen Geist begonnen hätten.
Die Rückführung der Volksdeutschen Familien aus Wolhynien, Galizien und dem Narew-Gebiet ist abgeschlossen. Nach und nach werden die zur Betreuung eingesetzten Kräfte zurückgezogen, und zwar zunächst von den Grenzübertrittsstellen. Reichsgesund- heitsführer Dr. Conti sprach allen Beteiligten, unter denen sich auch die Leiterin der Reichshebammenschaft und die Generaloberin des DRK. befand, für den pflichtgetreuen Einsatz auf vorgeschobenem Posten der deutschen Hilfsbereitschaft Dank und Anerkennung aus.
Der norme gif ihe Außenminister Koht erklärte, das norwegische Kabinett habe nicht über die Frage der Internierung der „Altmark" verhandel. Die Reichsregierung könne nach eigenem (Er- messen über das Schiff verfügen-. Norwegen gehe das nichts an.
Der holländische Dampfer „T a r a" ist nach einer Explosion ungefähr 160 Meilen von Cap Finisterre gesunken. Der Dampfer hatte eine Ladung (betreibe an Bord. Die gesamte Besatzung des 4700 Bruttoregiftertonnen großen Schiffes wurde gerettet
*
Das holländische Motortankschiff „Den Haag", das mit einer Oelladung von Neuyork nach Rotterdam unterwegs war und 11800 Tonnen Oel an Bord hatte, ist durch eine Explosion mittschiffs vernichtet worden. Die Besatzung begab sich in die drei Rettungsboote, von denen eines mit 13 Mann nach 75 Stunden von einem englischen Schiff aufgefunden wurde. Insgesamt hatte der Tanker 39 Mann Besatzung. Am 14. Februar befand sich das Schiff etwa 400 Meilen von Cap Lizard (an der Westküste Cornwalls) entfernt.
Aus aller Wett.
Wieder ein Erdbeben in Analolien.
Am Mittwochmorgen wurden in der Umgebung von Kaiferi mehrere heftige Erdstöße verspürt. Das Dorf Soyfalli sowie drei andere Dörfer sind völlig zerstört worden. In Soysalli wurden 40 Menschen getötet und 20 verletzt. In Ankara, Konay und Adana wurden leichte Erdstöße wahrgenommen.
Starker Temperaturanstieg in Norwegen.
Die strenge Kälte, die noch bis in die letzten Tage vorherrschte, ist plötzlich durch warme Luft aus Süden abgelöst worden. Der Wetter- Umschlag, der einen unmittelbaren Temperatur- anstieg hervorrief, hat große Schneefälle, besonders in Südnorwegen, mit sich gebracht. Die Zeitungen schreiben von meterhohen Schneewehen und melden auch Schnee Hindernisse auf der Bergen- Bahn. Ganz besonders kraß ist der Temperaturanstieg in Roeros, etwa 100 Kilometer sWlich von Trondhjem, gewesen, wo das Thermometer gestern noch 40 Grad Kälte, heute oder nur noch 4 Grad Kälte zeigte.
haben!" Er schüttelte den Kopf. „Sie haben au britt den Toten da unten genaueft untersucht. Außer der sauberen, absolut nicht infizierten Hals- wunde fand sich aber auch nicht die kleinste Verletzung."
„Sonderbar", sagte Kybander. „Vielleicht hat er's geschluckt?"
„Dann wirkt es nicht. Es ist kein Magengiit." „Eine kleine Wunde Jm Rachen ober in oer Speiseröhre, wenn nicht gar im Magen ..."
„Dr. Zulewski hat auch daran gebacht. Es wurde alles untersucht; aber es fand sich nichts."
Sie wurden unterbrochen. Der junge Kriminal- affiftent Henke meldet sich zum Rapport. Herr von Karmin ließ ihn heraufkommen.
„Na, Henke, was bringen Sie Gutes?"
„Leider nichts Wesentliches. Ich habe auftragsgemäß feit heute morgen das Haus überwacht, in dem Jwanka Gospik wohnt. Sie hat es gegen elf Uhr verlassen. Sie fuhr in die Friedrichstraße zu einem Theaterbirektor Charles Boury. Dort blieb sie längere Zeit. Nachher, es war fast eins geworben, fuhr sie wieder nach Hause und hat keinerlei Besuch empfangen. Es wollte auch niemand zu ihr."
„Das ist sehr mager, aber nicht Ihre Schuld", sagte Herr von Karmin und nickte dem jüngsten Kollegen freundlich zu. Aber Henke hatte noch etwas auf dem Herzen. Er sagte:
„Um das Haus der Gospik strolcht seit dem Vormittag ein älterer Mann herum, benimmt sich recht ungeschickt, versteckt sich hinter Baumstämmen oder Hausecken, taucht plötzlich auf und marschiert in strammem Tempo am Haus vorbei, kehrt um und kommt auf der anderen Straßenseite zurück. Ich habe noch nicht herausgekriegt, was er vorhat. Er versuchte, mich zu verfolgen, aber natürlich bin ich ihm entwischt. Das Fräulein Jwanka Gospik kennt diesen Mann nicht persönlich. Er lief ihr auf der Straße einmal fast in die Arme und grüßte sie nicht. Sie kannte ihn auch nicht, jedenfalls war beiden nichts anzumerken." Er machte eine kleine Pause.
Der Kommissar lächelte. Herr von Karmin nickte dem jungen Mann nochmals freundlich zu und Henke warf sich in die Brust. Ich kriege noch heraus, wer der Mann ist, verhieß er. „Das nächste Mal kehre ich den Spieß um. Nicht er soll mich, sondern ich werde ihn verfolgen.
„Gut", sagte Kybander ttocken. „Sie können dann am Potsdamer Platz bis hierher die U-Bahn benutzen."
Henke ftarrte ihn an; er wollte etwas fragen, aber der Kriminalrat machte gerade eine unmißverständliche Bewegung der Verabschiedung, Henke zog sich zurück.
„Wenn Jwanka Gospik mit diesem Direktor Boury verschwinden will, die Tournee soll ja dieser Tage losgehen", sagte Herr von Karmin, „wollen Sie die beiden laufen lassen, Kybander?"
„3a", sagte Kybander; er war ernst; das kleine heitere Zwischenspiel, das Henke geliefert hatte, war vergessen. „Ja", wiederholte er, „ich möchte niemand festnehmen, bevor ich nicht alle Fäden sicher in der Hand habe." Er stand wieder beim Fenster und schnippte mit zwei Fingern gegen das Blatt-, gewächs, das da jahraus, jahrein fleißig, aber sinn-' los zwei, drei Blüten hochtrieb und unbestäubt wieder verwelken lassen mußte. Er zupfte ein braunes Blatt ab und zerkrümelte es.
„Und wenn es dann zu spät ist? Budapest ist das Tor zum Osten und auf dem Balkan laufen viele Grenzen, die das Suchen erschweren."
Kybander tat eine Handbewegung, die nichts ausdrückte. Er wusch sich die Hände mit Luft. „Sie sagten, die Tournee Bourys beginne dieser Tage. Ich nehme an, daß wir bis dahin wisien, wer Carlotti getötet hat. Vielleicht erfahre ich es noch heute nacht."
„Heute nacht? Sie wissen, daß ich Ihnen immer freie Hand lasse, Kybander; ich habe es noch nie bereut. Aber ich finde, jetzt werden Sie reichlich mystisch."
Kybander schüttelte den Kopf. „Ich habe nur zufällig einen Anruf selber abgefangen. So vor einer Stunde etwa. Er wäre uns höchstwahrscheinlich als gänzlich unwichtig gar nicht gemeldet worden: es fragte ein Mann, der Tonart nach ein Ausländer, bei uns an, ob der Laden Carlottts wieder geöffnet werde und wann das der Fall fein könne."
„Ich sehe da allerdings auch keine große Wichtigkeit in solcher Anfrage , meinte Herr von Karmin. „Der Mann war gewiß ein alter Kunde der Firma Carlotti und wollte etwas kaufen."
„Das sagte er mir", nickte Kybander. „Er wollte etwas kaufen und es eile ihm. Ich fragte ihn,
warum es eile, da redete er etqjas von einer Abreise und als ich ihn fragte, was er denn kaufen wolle, die Polizei habe verschiedene Dinge beschlagnahmt, war er verdutzt."
„Das stimmt doch nicht, Kybander. Oder haben Sie etwas beschlagnahmen lassen?"
„Nein, kein Stück. Aber ich wollte den Frager, der da unbekannt am anderen Ende des Drahtes die Polizei ausholen wollte, ein bißchen ins hellere Licht locken. Das gelang. Er tat die reichlich naive Frage, welche Dinge die Polizei beschlagnahmt habe.
Ach, antwortete ich ihm, das kann ich Ihnen nicht genau sagen, eine Buddhafigur, glaube ich, und verschiedene alte Waffen. Die Sachen werden morgen früh abgeholt und einer Untersuchungsstelle zugeführt.
So, sagte er, morgen früh? Ja, antwortete ich, warum fragen Sie?
Aber da hängte der Mann an, ohne noch einen Ton zu reden. Trotzdem weiß ich, meine Auskunft wird ihn nicht ruhen lassen. Bis morgen früh hat er Zeit. Morgen früh, denkt er, holt die Polizei die beschlagnahmten Sachen ab und sie sind für ihn verloren. Deshalb wird er heute nacht kommen und dem Laden Carlotti einen Besuch abstatten."
„Das hoffen Sie. Und wenn Sie sich irren?"
„Dann habe ich mir ganz sinnlos eine Nacht um die Ohren geschlagen", sagte Kybander, „benn ich werde heute nacht im Laden Ludwig Carlottis warten und wachen, bis der unbekannte Besucher kommt."
„Kybander", sagte Herr von Karmin sehr em ft „auf dem Schreibtisch des Ermordeten stand so ein Schwitzkasten mit einer Buddhafigur. Jetzt hat ein Ausländer bei Ihnen angerufen. Sie kommen mir doch nun hoffentlich nicht mit der Rache eines Inders, der eine aus einem indischen Tempel geraubte Götterstatue wieder zurückbringen will.?" Es war einen Augenblick still. Herr von Karmin fuhr fort: „Und das, nachdem Sie die Spur der Handschuhe und des Revolvers so glänzend ausgenommen haben!" Er sah seinen Kommissar ehrlich besorgt an. Verrannte sich der gute Kybander nicht diesmal doch?
(Fortsetzung folgt.)
In 3 Minuten ohne Fett T/4 Liter vorzügliche Bratensoßei
Dabei Ist die Zubereitung kinderleicht. Sie brauchen nur 1 Knorr BratensoBwürfel fein
zerdrücken, glattrühren und mit ij* Liter Wasser 3 Minuten unter Umrühren kochen» Fertig I Diese Soße wird allein oder zum Strecken, Verbessern und Binden anderer Soßen
verwendet. — Beachten Sie bitte diese zeitgemäße Verbrauchs-
Aufklärung für eine richtige und sparsame Verwendung von
Braten soße


