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Gießener Anzeiger

Dienstag, Ib. April 1940

Deutschlands neue strategische Stellung

Militärische Ungereimtheiten der Westmächte

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Unsere Karte veranschaulicht die erheblich verkürzten Anmarschwege, die jetzt unserer Luftwaffe zustatten kommen. (Scherl-Bilderdienst-M.)

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Deutsche Truppen haben Die Grenzwache an Der schweDisch-norwegischen Grenze übernommen

baten aus diesem Gebiet überdie schwedische Grenze gegangen und interniert worden.

Wie von unterrichteter Stelle erklärt wird, würde die bisher unbestätigte Meldung einer Landung an irgendeiner Stelle in Nordnorwegen vielleicht vorn Standpunkt der englischen Prestigepropaganda aus einen gewissen Erfolg für jene Herren in London bedeuten, die zur Beruhigung ihres eigenen Vol­kes etwas derartiges dringend notwendig haben. Eine Landung in den unwegsamen Fjor­den Nordnorwegens ist natürlich an irgend­einer Stelle möglich, aber militärisch sinn- l o 5. Eine solche Landung könnte keinerlei militärisches Gewicht haben Zwischen Trondheim und Narvik zieht sich ein über 600 Kilo­meter langer schroffer norwegischer Hochge- birg s strich hin. Zwischen Narvik und Trond­heim besteht keine Bahnverbindung. Eine Einwirkungsmöglichkeit in dieser Gegend etwa ge­landeter englischer Truppenteile gegen die Basis der deutschen Kriegführung im nordischen Raum, also gegen Mittel- und Südnorwegen, das fest in deutscher Hand ist, wäre damit keines- 'wegs gegeben.

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Stockholm, 16. April. (DNB.-Funkfpruch.) Deutsche Truppen haben Sonntagnachmitlag, von Halden kommend, die Grenzstation Kornsjö an der schwedisch-norwegischen Grenze erreicht. Deutsche Truppen haben die Grenzwachean der nor­wegischen Grenze übernommen. Es hatten heftige Kämpfe bei Scarpuesä, nahe der schwedischen Grenze, slattgefunden. Norwegische Truppen in Stärke von 3000 Mann wurden a u f schwedisches Gebiet abgedrängt, wo sie entwaffnet und interniert worden sind.

Ein in dem Raum von kristiansand einge­setztes deutsches Bataillon ist beim Vormarsch im Laufe des 15.April auf starke norwegische Kräfte gestoßen. Es handelte sich hierbei um drei Bataillone, die durch Artillerie ver­stärkt waren. Trotz der Ueberlegenheit an Zahl grif­fen die deutschen Truppen in starkem Zupacken an. Rach kurzem Kampf legten die Norweger die Waffen nieder. Es ergaben sich 150 Of­fiziere und 2000 Wann.

Beim Vorgehen deutscher Truppen in Richtung nordwärts Oslo wurden bei der Beseitigung norwegischen Widerstandes 3 0 0 Gefangene gemacht. 7 Geschütze und eine große Anzahl von Gewehren sowie Munition wurden erbeutet.

Unter den im Oslo-Fjord von der deutschen Wehrmacht besetzten und abwehrbereit gemachten Küstenbatterien befinden sich auch Geschütze von 28 Zentimeter Kaliber. Die Abwehr der Küslen- verteidigung hat damit eine wesentliche Stärkung erfahren. Bei der Besetzung von h ö n e f o h durch die im Raume von Oslo eingesetzten deutschen Trup­pen wurde die dortige Pulverfabrik besetzt. Auf dem norwegischen Uebungsplah hvalsmoen und in der Waffenfabrik Kongsberg wurde eine große Menge von leichten und schweren Waffen sichergestellt. Es handelt sich in der Hauptsache um Gewehre, Maschinengewehre, eine große Anzahl 2-Zentimeler-kanonen und zahlreiche 40-Millimeler- Flak. In Anbetracht des geringen Umfanges der Daffenfabrikation Norwegens hat dieser Erfolg be­sondere Bedeutung.

Der Webrmachtsbericht.

Berlin, 15. April. (DNB.) Das Oberkommando gibt bekannt:

In dem südnorwegischen Raum wurden am 14. April weitere Truppen, Material und Er­gänzungen aller Art zugeführt, die Lage Hamit zu­nehmend gesichert und gefestigt. Irgendwelche nennenswerten feindlichen Aktionen von See aus gegen diesen Raum fanden nicht statt.

In Narvik verlief der Tag ruhig. Starke eng­lische Seestreitkräfte blockieren die Hafeneinfahrt. 3n Bergen griffen zwei britische Kampfflugzeuge einen deutschen Handelsdampfer mit Bomben an und brachten ihn zum Sinken. Beide Flugzeuge würden kurz darauf von deutschen Jägern a b ge­schossen. Im Raum von Stavanger und Sristiansand verlief der Tag ruhig. Bei dem erfolglosen Angriff der britischen Flugzeuge vom 13. April wurden zwei Vickers Wellington durch Nesserschmitt-Jäger abgeschossen. 3m Raum von Oslo nahmen deutsche Truppen h ö n e f o h. Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß im Raum von Oslo der Versuch einernorwegi- schen Mobilmachung z e r s ch l a g en ist. Bei

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M Jahrgang Nr. 89

Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener s>amilienblätter HeimatimBild DieScholle MonatS-Bezugsvreis: Mit4Beilagen.RM.1.95

NSSx: <£ auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt

wurden die Flanken der norwegischen Vexteidiguntzs- linien angegriffen und die norwegischen Truppen zur Flucht in den Wald gezwungen. Um 12 Uhr brachten es die deutschen Pioniere fertig, E r - s a tz für die gesprengte Brücke bei Skar- nes zu schaffen, so daß um 1 Uhr die ersten moto­risierten Verbände das Wasser überqueren konn­ten. Weiter wird der Vormarsch gegen Sander vorgetragen, das zehn Kilometer von Kongsvinger entfernt liegt."

Englische Falschmeldungen.

Berlin, 15. April. (DNB.) Zu den englischen Meldungen, wonach Engländer an einzel­nen Punkten der norwegischen Küste gelandet seien, wird hier bekanntgegeben, daß an den von deutschen Truppen besetz­ten Orten und Räumen kein Englän­der norwegischen Boden betrat. Als Er­gebnis des planmäßigen Vorgehens der deutschen Wehrmacht im Raum von Oslo kann ferner fest- gestellt werden, daß dieser Raum weitgehend von norwegischen Truppen gesäubert ist. Wie man hört, sind die meisten norwegischen Sol-

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hin empfing Reynaud am Montagvormittag den aus Kopenhagen zurückgekehrten französischen Gesandten, der ihm über den Einmarsch der Deut­schen in Dänemark Bericht erstattete.

Die französische Presse sieht sich genötigt, was die Ereignisse in Skandinavien anbelangt, ihre Leser wiederholt zu Geduld und zum Abwarten aufzufordern. So erklärt zum Beispiel derMa- ti n", es müsse in Skandinavienmit kluger Vor­sicht zu Werke gegangen werden, es bestehe kein Grund, sich zu üoerstürzen". Der ehemalige Krieas- minifter Fabry fordert in dem gleichen Blatt, oie öffentliche Meinung müsse sich geduldig zeigen. Sie habe sich in den letzten Tagen etwas unbequem ge­zeigt. Aehnlich äußert sich General Duval im Journal". Er sagt, es würde bedauerlich - fein, wenn das Hinterland die nötige Ruhe und Geduld oernfiffen ließen.

Lteberflügeltes England

Von unterer berliner Schristleitung.

Die Aeußerung Churchills, der Führer habe durch die Besetzung Norwegens einen verhängnis­vollen strategischen Fehler gemacht, wird selbst in Kreisen der englischen und französischen Militär­schriftsteller mit einem Achselzucken ausgenommen^ Richtiger war schon die Aeußerung des jüdischen Exkriegsministers Hore-Belisha, der den Bri­ten sagte, Norwegen sei eine gegen England gerichtete Pi st ole. Diese Pistole hätte Chur­chill gegen Deutschland verwendet, wenn wir der britischen Langsamkeit nicht um zehn Stunden zu» oorgekommen wären. Die lüft- und seestrategische Lage in der Nordsee hat sich seit dem 9. April von Grund auf geändert. Als die Engländer Minen in norwegischen Gewässern legten, sprengten sie sich diplomatisch, militärisch und wirtschaftlich gewisser­maßen selbst in die Luft. Bisher konnten die Luft­angriffe und die Fahrten unserer Kriegsschiffe gegen England nur von der engen Basis der Deut­schen Bucht, die knapp hundert Kilometer breit ist, ihren Ausgang nehmen. Diese Angriffe hatten mit großen Entfernungen zu rechnen, da der Firth of Forth, in dem zuekst die englische Kriegsflotte lag, 775 Flugkilometer und Scapa Flow sogar 926 Kilo­meter von Wllhelmshaven entfernt ist. Die stolze englische Flotte hatte aber in Scapa Flow keinen sicheren Stützpunkt, obgleich die Orkney-Inseln an der nördlichsten Spitze Schottlands liegen. Selbst die Shetland-Inseln, die noch 222 Kilometer nörd­lich Scapa Flow liegen, waren für unsere Luft­waffe erreichbar.

Als unsere Truppen Norwegen besetzten, rückten wir, unter Verbreiterung unserer Basis an der Nordsee, den britischen Häfen und Stützpunkten sehr viel näher. England ist nun überflügelt. Wir gewannen eine zerrissene, felsige Küste, oie eigens lich unbezwingbar ist. In einer glänzenden Ope­ration nahmen unsere Streitkräfte alle wichtigen Punkte Norwegens. Man muß bedenken: Sta­vanger liegt auf der Höhe von Scapa Flow und ist von oiefem Schlupfwinkel der Home Fleet nur 500 Kilometer entfernt. Bergen aber über­flügelt bereits Scapa Flow und liegt auf der Höhe der Shetlandsinseln, die von diesem nor­wegischen Stützpunkt nur 325 Kilometer entfernt sind. Trondheim schließlich liegt noch rund 570 Kilometer weiter nördlich von Bergen, während die Luftlinie von Bergen nach Narvik gar 1330 Kilometer zählt. Der berühmte Erzhafen liegt rund 250 Kilometer nördlich des Polarkreises, der die nördliche Spitze Islands, desäußersten Thule", schneidet. Die tödliche Gefahr für England besteht darin, daß Deutschland die südlichen und mittleren Teile Norwegens beherrscht. Narvik hatte strategisch nur eine untergeordnete Be­deutung. Die zahlenmäßig geringen deutschen Trup­pen und Marinekräfte, die diesen Hafen besetzt hal­ten, haben den Engländern dennoch in heldenhafter Verteidigung eine blutige Abfuhr nach der andere« bereitet. Man versteht nicht, weshalb die Engländer sich aus Prestigegründen gerade darauf versteifen, mit riesiger Uebermacht und unter enormen eigenen

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geringen eigenen Verlusten fielen größere Mengen an Kriegsmaterial in deutsche Hand.

3m Skagerrak vernichteten unsere dort ope­rierenden Streitkräfte zwei weitere feind­liche U-Boote, fo daß sich die Zahl der in den letzten Tagen von See- und Luftsireitkräften versenkten feindlichen ll-Voole auf sieben erhöht. Das norwegische Torpedobooth val" wurde ge­nommen. Es wird mit deutscher Besatzung in Dienst gestellt.

Einheiten der Luftwaffe klärten im Laufe des 14. Aprit über der Nordsee und der ganzen norwegischen Küste auf.

3m Westen keine besonderen Ereignisse. Die Luftwaffe führte Grenzüberwachungs- slüge durch. Ein deutscher 3äger schoß in Vegend Emmerich ein britisches Flugzeug Dom Muster Bristol Blenheim ab. Ein weiteres bri- lisches Flugzeug erhielt nördlich Offenburg Jlaffeuer und stürzte ab.

Der deutsche Vormarsch auf Kongsvinger.

Stockholm, 16.April. (Europapreß.) Der deut-

Vormarsch auf Kongsvinger wird in einer vsnderausgabe vonAllehanda" am Montagabend ton einem Korrespondenten behandelt, der sich a n der Kongsvinger Front befindet. In seinem bricht heißt es:Die deutschen Besatzungstruppen trugen die Offensive gegen Kongsvinger sehr schnell vor. Der Fall der Stadt ist eine Frage von Stun- kn. Am Sonntagabend begannen die Deutschen ihre df-ensive gegen Skarnes, die wie ein Uhr- vtrk ablief. Um zehn Uhr erreichten die ersten keltischen Truppen den Glomma-See, dessen kizfläche schon bald überschritten wurde. Hieraus

Feststellungen der italienischen presse.

Rom, 16. April. (Europapreß.) Der Direktor derTribun a", Nationalrat Guglielmotti, sagt, die Westmächte hätten keines ihrer strategischen Ziele erreicht. Statt dessen schreite die Befestigung des bereits eroberten Besitzes Deutschlands in Nor­wegen sowie der weitere Vorstoß nach Norden un­aufhaltsam fort. Alle wichtigen Punkte der norwegi­schen Küste seien fest in deutschen Händen. Jetzt entfalteten England und Frankreich eine von scham­losester Phantasie getränkte Propaganda, die die Wirklichkeit mit den Wünschen der Kriegshetzer ver­wechsele. Die Lehre, die aber die Westmächte aus dem Ergebnis der ersten Phase ziehen sollten, müßte ihnen nahelegen, daß es ihnen weder mög ° l i ch sein werde, weitere Truppenlandungen zu ver­hindern, noch die Kriegsmaterial- und Lebensmittel­zufuhren nach Norwegen abzuschneiden. Der Ge­danke einer Truppenlandung d e r W e st - m ächte müsse unter Berücksichtigung der nun ge­schaffenen Abwehr und der Eigenart der norwegi­schen Küste als Ungereimtheit bezeichnet wer­den Es föjine vielleicht möglich fein, das eine ober andere Bataillon zu landen. Ob sich bei Berücksich­tigung der Küstenverhältnisse und der Struktur des Festlandes eine solche Truppe werde halten können, fei eine andere Frage. Jedem der­artigen Versuch, dessen Vorbereitung und Stützung ansehnlich viel Zeit beanspruche, könnten die deut­schen Streitkräfte an sich schon äußerst wirksam be­gegnen. Andere Pläne strategischer und entscheiden- der Art gebe es im Norden nicht. So werde sich der weitere Kampf auf S t ö r u n g s v e r s u ch e episodischen Charakters beschränken. Wenn sie auch nicht bedeutungslos seien, so dürften sie doch mehr und mehr erlöschen, je weiter die Kräftigung der deutschen Abwehrstreitkräfte, das Auslegen von Minensperren und die Küstenverteidi- gung fortschreiten werde.

Lavoro Fascista" weist auf den Zuwachs, den die deutschen Seestreitkräste durch die norwegi­schen Kriegsschiffe erhallen haben, hin. Diese Schiffe seien zur Verteidigung der norwegi­schen Küste hervorragend geeignet. Infolge der er­folgreichen Zusammenarbeit der deutschen See- und Luststreitkräfte sei die Nordsee ein Gebiet deut­scher und nicht mehr englischer Vorherrschaft. Das begründe die Gereiztheit des englischen Marine­kommandos, das die offene Stadt Bergen habe bombardieren lassen. Dabei habe das englische Kommando außer acht gelassen, welche Folgerungen sich für Deutschland daraus ergeben könnten, be­sonders nach der voraufgegangenen Bombardierung einer Eisenbahnstation in Schleswig-Holstein.

Teuere" veröffentlicht eine Kartenskizze, die Um­fang und Verteilung der Streitkräfte einschließlich dergeheimnisvollen" Weygand-Armee, der Divi­sionen Rußlands, Norwegens und Finnlands zu­sammenstellt. Ohne eine etwaige bewaffnete Hilfe Rußlands einzubeziehen, so schreibt das Blatt, sei das Ergebnis einer Wertung des Kräfteverhältnisses ausgesprochen für Deutschland günstig. Es ergebe sich, daß die ßanbftreitfräfte Deutschlands fähig seien, der Besetzung Norwegens und Däne­marks einen bei weitem festeren Bestand zu geben, als dies die englische Propaganda wahr haben wolle. Ferner zeige es sich, daß Deutschland auch bei einer Beanspruchung im Norden nach allen Richtungen hin entscheidende Schläge austeilen könne.

Paris sott sich gedulden.

Brüssel, 15. April. (Europapreß.) Minister­präsident R e y n a u d hat, wie der PariserMatin" meldet, am Sonntagnachmittag den finnischen Ge­sandten in Paris, Ho lma« empfangen. Weiter-

Mit den deutschen Truppen in Osts.

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Unser Bild zeigt General v. Falkenhorst, den Oberbefehlshaber der deutschen Unternehmung zum Schutze der Neutralität Norwegens und Däne­marks, kurz nach der Landung auf einem Flug­hafen südwestlich der norwegischen Hauptstadt im Gespräch mit Offizieren.

(PK-Lanzinger-Presfe-Bild-Zentrale-M»)