TAGyHUDELH
Michskriegssiagge auf 20 Maginoi-Panzerwerken.
Montmedy in deutscher Hand. - Lieber Minen und Straßensperren unaufhaltsam vorwärts.
schweren Einheiten der britischen Kriegsmarine, schwamm bereits auf dem Meere der norwegischen Küste zu. Es ist hier an der Zeit unserer Auf- klär un g, der politischen wie der militärischen, ein besonderes Wort der Anerkennung zu sagen. Denn ohne die rechtzeitige und umfassende Unterrichtung unserer leitenden politischen Stellen durch den hervorragenden deutschen Nachrichtendienst und die zuverlässigen Aufklärungsergebnisse der deutschen Luftwaffe hätte der schwerwiegende Entschluß zur Sicherung Norwegens nicht grade zu dieser Stunde gefaßt werden können, die uns den hinreichenden Vorsprung vor der britischen Aktion sicherte, und hätten die militärischen Maßnahmen bis weit hinauf nach Narvik, also quer durch das feindliche Operationsgebiet und fast unter den Augen der überlegenen feindlichen Flotte, ohne wesentliche Gegenwirkung nicht durchgeführt werden können.
Die Norweger freilich leisteten in völliger Verkennung des Zweckes der deutschen Maßnahmen und im törichten Vertrauen auf die britische Hilfe an verschiedenen Stellen der deutschen Landung heftigen Widerstand, der mit dem Niederkämpfen der Küstenbatterien gebrochen wurde. War diese Landung selbst und der Massentransport der für die Besetzung bestimmten Truppen des Heeres durch die schmalen und schwierigen Gewässer des Kattegats und des Skagerraks wie in den engen Fjorden der norwegischen Küste ein besonderes Ruhmesblatt unserer Kriegsmarine, die damit alle ähnliche Landungsunternehmen der Seekriegsgeschichte weit hinter sich gelassen hat, so stellte die Bewältigung des ungeheuren Raumes Süd- und Mittelnorwegens Heer und Luftwaffe vor die denkbar schwierigsten Aufgaben, der sie sich indessen auch in dem noch winterlichen Klima des Nordens mit größter Bravour entledigten. Nun konnte auch die deutsche Infanterie zeigen, daß sie es ist, die den letzten Erfolg herausholen muß, und daß fie jeder Schwierigkeit Herr zu werden vermag. Wie einst deutsche Soldaten im Weltkrieg im heißen Wüstensand Mesopotamiens und der Halbinsel Sinai den Engländern entgegentraten und einen fremdartigen Raum unter die Gesetze deutscher Kriegskunst zwangen, so überwanden nun ihre Söhne die vereisten Felsschluchten, die verschneiten Gebirgszüge, die langgestreckten schmalen Täler mit ihren Wild- wassern und abstürzenden Geröllhalden Norwegens in stetem, zähem Kampf mit einem sich tapfer jur Wehr setzenden Gegner, der, mit der Natur des Landes innig vertraut, alle Schwierigkeiten des Geländes seiner Verteidigung dienstbar machte. Die Landung britischer Truppen in Andalsnes und Harstad und der Versuch, das vom Meer? aus von deutschen Streitkräften besetzte Drontheim von Norden und Süden her abzuriegeln, blieb eine überaus klägliche Episode in diesem Feldzug. Das Fiasko von Andalsnes, der Rückzug der Engländer durch das Gudbrandsdal und ihre Flucht auf die Schiffe wird immer in der Geschichte dafür stehen, wie ein groß- mäuliaes Hilfsversprechen Englands in der Praxis aussieht. Den deutschen Marsch nach Norden haben weder Engländer noch Norweger verhindern können. Durch unwegsames, hochalpines Gelände kämpften sich deutsche Truppen vorwärts, um den in zähem Avwehrkampf gegen vielfache Uebermacht ganz auf sich allein angewiesenen Kameraden in Narvik Entsatz zu bringen. Der erbitterte Kampf um Nar- vik, den Ausgangspunkt der Küstenbahn von den schwedischen Erzgruben, ist noch in aller Erinnerung. Unsere ostmärkischen Gebirgsjäger und Zer- störerbesatzungen, Fallschirmtruppen, Kampfflieger und Transporter-Piloten, die hier in zähem Ringen mit einem von allen Seiten immer wieder <nu drängenden Feind bei spärlichster Versorgung mit Munition und Verpflegung ohne hinreichenden Schutz gegen die Witterung derxPolarregion sich an Schründen und Schroffen des Gebirges festklammerten und unbeugsam standhielten, diese Tapferen hqt das deutsche Volk in einem ganz besonderen Sinne in sein Herz geschlossen. Die Belohnung ihres sieghaften Ausbarrens, der durch die vernichtenden Angriffe deutscher Kampfgeschwader erzwungene Abzug des Feindes, dem auf seiner Flucht deutsche Seeftreitkräfte schwere Verluste zugefügt haben, beendet eines der ruhmvollsten Kapitel deutscher Kriegsgeschichte. Wie hier das Beispiel persönlichsten Einsatzes des Befehlshabers die Truppe zu höchsten Leistungen anfeuerte und befähigte, ist bestes deutsches Soldatentum. Der Tagesbefehl des Führers, Stolz und Liebe des deutschen Volkes sind diesen Tapferen höchster Lohn, den Angehörigen ihrer im hohen Norden für Deutschlands Zukunft gefallenen Kameraden innigster Trost.
Der Abschlußbericht des Oberkommandos der Wehrmacht fällt zusammen mit der Feststellung, daß auch der zweite Abschnitt der gewaltigen Feldzuges im Westen siegreich beendet ist. Nach dem Verlust der Weygand-Linie ist es dem Feinde ttotz örtlich zusammengefaßten yeftigen Widerstandes doch nicht mehr gelungen, sich mit Hilfe seiner Nachhuten so weit von den nachdrängenden deutschen Armeen abzusetzen, daß er feine Kräfte hätte neu gruppieren und zu einer Gegenoperatton ansetzen können. Vielfach haben unsere Panzerdivisionen und motorisierten Verbände den zurückweichenden Feind durchstoßen und überholt, und in wiederum ungeheuren Marschleistungen, von denen unser gestri- ger PK.-Bericht ein höchst eindrucksvolles Bild gab, ist die deutsche Infanterie dem geschlagenen Feind auf den Fersen geblieben, ttotz größter Stta- pazen auf staubigen Sttahen in heißer Junisonne, hart gegen sich selbst und den Blick unbeirrt nach vorwärts gerichtet, wie es bester Traditton preußisch-deutscher Infanterie entspricht, seitdem Gnei- senau nach der Schlacht von Waterloo vor genau 125 Jahren in der Kunst der Verfolgung, die den geschlagenen Feind nicht mehr zum Aufatmen kommen läßt, erst die Vollendung des Sieges sehen gelehrt hat. So hat der starke rechte deutsche Stoßflügel die Seine zwischen Paris und der Küste in breiter Front überschritten. Die Sperren von Senlis, etwa 30 Kilometer nordöstlich von Paris, von denen der Wehrmachtsbericht vom Mittwoch sprach, haben dem Ansturm deutscher Infanterie nicht stand zu halten vermocht. Die für die Deckung der Hauptstadt bestimmten Reserven haben nicht hingereicht und find anscheinend in die rückläufige Bewegung der geschlagenen Feldarmeen mitgerissen worden, statt ihnen Halt zu geben. So konnten die siegreichen deutschen Truppen gestern früh in Paris ein» marschieren. Ein sehr viel anderes sttategisches Bild und ein sehr viel anderes Bild als in den Septem- bertagcn 1914. Damals hatte der rechte deutsche Flügel die Stoßrichtung östlich an Paris vorbei gehabt und hatte dann die Front nach Westen genommen, um den Flankenstoß Manourys abzuwehren, dem Galieni, der Militärgouverrieur von Paris, die noch intakten Reserven der Hauptstadt aus allen nur denkbaren Fahrzeugen zugeführt hatte. Heute hat der rechte deutsche Flügel immer in Anlehnung an die Küste den Stoß w e st li ch an Paris vorbei geführt, während gleichzeitig die Marne in breiter Front überschritten wurde, so daß der Hauptstadt eine beiderseitige Ueberflügelung drohte.
....., 15. Juni. (PK.) „Ma chdrie!“, so beginnt ein Bries, den ein französischer Colonel der Elitetruppen der Maginot-Besatzungen, der „Feftungs- brigade Montmedy", am Mittwochabend begonnen, dann aber halbfertig unter sein Kopfkissen gesteckt hatte. Und heute, kaum 24 Stunden später, streckt ein Meldefahrer eines deutschen Regimentsstabes seine müden Glieder im gleichen Bett aus. Auf dem Tisch des ftanzösischen Bürgerhauses in M o n t m 6 d y stehen noch Marmelade und frisches Weißbrot vom morgendlichen französischen Frühstück; deutsche Landser schmieren sich bereits ihr Vesperbrot davon.
Langsam kehren die vielgestaltigen Bilder der letzten 24 Stunden wieder. Langsam kommt zum Bewußtsein, daß man hier bereits mehrere Kilometer hinter den gefürchteten, aber keineswegs uneinnehmbaren Panzerwerken der Maginot-Linie liegt, gegen die gestern noch Stoßtrupps unter Einsatz schwerster Artillerie anstürmten.
Schwere Artillerie schießt Panzerwerke sturmreif.
Mittwochabend. Schweres Mörserfeuer schlägt auf Maginot-Panzerwerk 395, einen vorspringenden Eckn'eiler zwischen dem bereits eroberten Panzerwers 5 und dem Bollwerk Montmedy. Auch einzelne R.'^barwerke liegen unter deutschem Artilleriefeuer. 18 Uhr: Die deutschen Infanterie- stoßtrupps springen vor. Es gelingt, einzelne Panzerwerke durch schnelles Zufassen zu nehmen. Der Widerstand war nicht allzu heftig, während andere Panzerwerke mit ihren Schnellfeuerkanonen und ihren MGs. unentwegt aus ihren Stahlkuppeln jeden Ansturm zu brechen suchen. Ein schwerer Wolkenbruch hemmt die weiteren Operationen. Die Nacht bricht herein. Immerhin hat der Ansturm auf breiter Front gezeigt, daß der Franzose auch in seinen Panzerwerken sichtlich „weich" geworden ist.
Die Franzosen weichen.
Donnerstagmorgen. Einzelne Werke sind ohne feindliche Gegenangriffe in deutscher Hand. Zwischen anderen Werken liegt unsere Vorhut auf gefähr- lichem Posten. Die Vermutung wird zur Gewißheit, daß der Franzose sich aus seinen Positionen zurückgezogen hat. Ein Regiment erhält den Befehl, durch einen starken Stoßtrupp feststellen zu lassen, wie wett der Feind geräumt hat. Der Stoßtrupp soll versuchen, bis Montmedy vorzugehen. Dem Stoßtrupp folgen vorsichtig einige Kompanien, ein Bataillon, und am Abend sitzt der Regimentsstab bereits in MoytmÄy, liegt die Vorhut schon viele Kilometer vor der Stadt, sind die Kolonnen a n PanzerwerkaufPanzerwerkvorüber- gerollt, stehen auf über 20 Pattzerwer- 'en neben der Reichskriegsflagge die deutschen Posten.
Eine überragend sttategische Leistung eines Regiments, das gestern noch in vorderster Front vor der Kette der Panzerwerke lag. Plötzlich und unerwartet hieß es, aus dem Stellungskampf übergehen in einen sehr schwierigen Marsch, muhte doch zunächst auf der bisherigen Front heraus eine Schwenkung van 90 Grad um die äußerste Panzerwerksgruppe durchgeführt werden, dem ein sieben Kilometer langer Durchstoß durch die Ma- ginot-Linie in schwer vermintem Gelände und über zahlreiche Sttahensperren- und Brückensperrungen folgte. Und schließlich eine zweite Schwenkung, der sich ein 25 Kilometer langer Marsch hinter der Maginot-Linie anschloß. Unter großen Schwierigkeiten mußten nicht nur gewaltige Marschleistungen vollbracht werden, auch ine Befehlsübermittluna war nicht immer leicht. Daß nicht einen Augenblick lang der Ueberblick verloren ging, ist in erster Linie der hervorragenden Nachrichtentechnik unserer Wehrmacht zu danken.
Vorsichtig geht oer Vormarsch im Morgengrauen los. Kaum ein Schuß fällt. Die Vorhut kennt die ranzösischen Rückzugs st raßen. Sie wer- den vor allem ausgesucht, weiß man doch, daß jeder andere Wege vermint ist. Aber auch hier lauert der Tod. Immer wieder verraten gewisse Anzeichen unseren erfahrenen Infanterie-Pionieren, daß ein Minenfeld sich quer über die Straße zieht, daß eine Straßensperre mit Sprengladungen versehen ist. Vorsichtig wird Mine für Mine ausgebuddelt und entschärft. Immer wieder stößt die Vorhut auf gesprengte Brücken, so vor allem über die Chiers. Schnell wird notdürfttg mit Hilfe von Ackerwagen, Lettern und Brettern ein Steg gebaut, und
Paris in deutscher Hand, das ist ein leuchtendes Fanal auf dem Siegesmarsch der deutschen Truppen nach dem Durchbruch der Weygand- Linie. Wenn auch Paris, obwohl Lagerfestung größten Umfangs mit weit hinausgeschobenen Forts- anlagen, der Waffenwirkung des modernen Krieges vermutlich nicht lange Widerstand hätte leisten können, so ist doch mit dem Einmarsch deutscher Verbände ein wichtiger Pfeiler aus dem System der französischen Landesverteidigung herausgebrochen. Zudem war Paris' Basis der französischen Luftwaffe und Versorgungszentrum der Rüstungsindustrie, so daß sein Fall auch in dieser Richtung eine schmerzliche Einbuße für die den Verteidigern Frankreichs noch gebliebenen Möglichkeiten darstellt. Seit 1870 hat Paris keinen Feind mehr in seinen Mauern gesehen. In den Freiheitskriegen war es nach der Schlacht am Montmartre am 31. März 1814 und nach der Niederlage Napoleons bei Waterloo im Juli 1815 erneut von den Verbündeten eingenommen worden. 1870 hatten deutsche Truppen die seit 1840 stark befestigte Hauptstadt nach der Niederlage und Gefangennahme der kaiserlichen Armee bei Sedan eingeschlossen, konnten aber erst nach mehrmonatiger Belagerung am 28. Januar 1871 die Uebergäbe erzwingen. Wir kennen aus den Erinnerungen, Tagebüchern und Briefen Bismarcks und feiner Zeitgenossen die vielfachen Reibungen, die sich während dieser langen Zeit der Belagerung, aus den verschiedensten Quellen des In- und Auslandes herrührend, für die deutsche Kriegführung ergaben. Mr wissen aber auch, wie sehr gerade die Geschichte der Stadt' Paris — man braucht nur an den furchtbaren Aufstand der Kommune im März 1871 zu erinnern — das Unsinnige demonstriert, ein Gemeinwesen von Hunderttausenden oder gar Millionen zur Verteidigung auszurüsten ünd damit selbstverständlich dem Verderben preiszugeben. Die Lehren von Warschau und Rotterdam haben aber anscheinend gefruchtet, nachdem der Elan der deutschen DerfoHer den auf Paris zurückgewichenen
Von Kriegsberichter Heinz Dieter Pilgram.
nach wenigen Minuten schon kann unsere Infanterie-Spitze weiter vorrücken.
Kopflose Flucht.
Hier und da liegen die Minen noch im Straßengraben, hat der fliehende Franzose erst Löcher vorbereitet, ist aber zum Legen infolge des schnellen deutschen Nachrückens nicht mehr gekommen. Der Rückzug trägt überall den Stempel hastigster, unvorbereiteter Flucht. Unbehelligt kommen unsere Truppen "an Panzer- auf Panzerwerk vorbei. Mehr als 20 an der Zahl sind geräumt. Schwere Granateinschläge unmittelbar vor den Stahlkuppeln und riesige EinschlagslückStt in den Panzern und Drahthindernissen zeugen von der Wirksamkeit unserer schweren Artillerie. Zum Teil sind die Panzerwerke und Bunker sogar unverschlossen. Mit der gebührenden Vorsicht vor Sprengladungen werden sie einer flüchtigen Kontrolle unterzogen. Zwischen den Panzerwerken frisch ausgebaute, stärkste Feldstellungen und hinter diesen eine noch im Bau befindliche z w e i t e Kette von Bunkern. Fahrbahngleise führen durchs Gelände. Große Lager von Zementarmie- rungen, Eisenbeton, Mischmaschinen. Unter dem Kessel einer Feldbahnlokomotive ist noch Feuer. Ein Beweis, daß noch gestern auf den Baustellen der neuen Bunkerlinie gebaut wurde.
In vielen Panzerwerken und Feldstellungen riesige Mengen an Munition und Lebensrnitteln. Der Franzose hat sein gesamtes Kriegsund Sperrmaterial zurückgelassen. Unzählige Granatenstapel an den verlassenen Batteriestellungen. Fortgeworfene Tornister, Waffen, Stahlhelme und Gasmasken kennzeichnen die Hast des Aufbruches. Hier und da werden einzelne Gruppen und Panzerbesatzungen gefangengenommen, die sich nicht schnell genug zurückziehen konnten, oder vielleicht nicht ganz ohne Absicht zurückgeblieben find, um in deutscher Gefangenschaft das Ende des Krieges abzuwarten. Einer von ihnen, ein Sergeant-Chef, also ein „Spieß", im Zivilberuf Notar, gibt die typische französische Antwort: „ Wir wissen,
AWlicher Sturm auf
...... 15. Juni. (PK.) Mit einem geradezu atem- beraubendem Tempo ist es in den letzten beiden Tagen vorwärts gegangen. Wo der weichende Feind noch Widerstand leistete, wurde er geworfen. Die dem Gros der Marschkolonnen weit vorauseilenden Jagdkommandos und Aufklärungsabteilungen las- sen den Gegner nicht mehr zur Ruhe kommen. Es ist, als beflügele jeder Name, der hier auf blutgetränktem Boden an die harten Kämpfe langer und bitterer Weltkriegsjahre erinnert, den Angriffsgeist unserer Soldaten. Sie wissen jetzt alle, um was es geht. Sie wollen jetzt nicht mehr locker lassen, jetzt, wo die Stunde der Enffcheidung und Abrechnung gekommen ist.
In kurzem, erbittertem Kampf Haden die Männer der Aufklärungsabteilung einer Division noch in der Nacht zum Freitag die Höhe „Toter Mann" und 30 4 genommen. Ströme von Blut sind in den Weltkriegsjahren hier in furchtbarem Ringen geflossen. Auf Schritt und Tritt erinnern die endlosen Gräberreihen der Kriegerfriedhöse, die zahlreichen Monumente daran. Das Sterben all so vieler deutscher Männer, die hier am Fuße der Argonnen einst in dem größten Zermürbungskampf der Geschichte ihr Leben opferten, war uns oft in den bitteren Jahren der Nachkriegszeit sinnlos erschienen. Nun hat es durch den einzigartigen Sieg der neuen Wehrmacht Großdeutschlands feine höchste Erfüllung erhalten.
Auf den Höhen, wo vor wenigen Stunden noch der Kampf tobte, weht die Hakenkreuzfahne. Ab und zu hetzt noch em Einschlag in die Bäume. Aber schon sind unsere Batterien, die der Infanterie unmittelbar folgen, in offener Feuerstellung aufgefahren und decken die Geschütze des Gegners zu, dessen Feuer immer mehr nachläßt.
Auf der Höhe über Mont Faucon spähen die Beobachter der Artillerie weit ins Land. Handgreiflich nahe, so scheint es beim Blick durch das Scherenfernrohr, liegen drüben die Festungswerke
feindlichen Truppen keine ■ Minute des Atemholens gegönnt hatte.
Don den durch die Champagne vorstürmenden deutschen Divisionen war bereits am Donnerstag Chalons, die Haupfftadt des Marne-Departements, erreicht. Chalons war schon immer ein bedeutendes Militärlager, von dem aus 1870 die Armee Mac Mahons aufbrach, um den bei Metz eingeschlossenen Bazaine zu entsetzen, um nun freilich selbst bei Sedan in die vernichtende Niederlage zu rennen. Heber Chalons hinaus haben die deuffchen Truppen nun auch schon Vitry-le-Franxois östlich der Marne genommen und den Südrand des Argonnerwaldes erreicht. Aber die ungeheure Bewegung hat nun auch den Frontabschnitt zwischen Maginot-Linie und Maas ergriffen. Deutsche Truppen haben die Schlachtfelder von Verdun wieder betreten, die wie keine anderen im Weltkriege zum Sinnbild schwersten und opferreichsten und trotzdem im Endziel ergebnislos gebliebenen Ringens geworden sind. Damals wurden bei dem von der zweiten deutschen O. H. L. General von Falkenhayns im Februar 1916 beschlossenen Angriffe auf Verdun wegen der starken Flankierung, der die angreifenden deutschen Truppen vom Westufer der Maas aus ausgesetzt waren, am 7. März der Raben- und der Cunniereswald, am 14. März die weiter westlich gelegene Höhe „der Tote Mann" und am 8. Mai die Höhe 304 von den Deutschen nach äußerst schweren und großen Opfern fordernden Kämpfen erobert. Nach Einstellung des deutschen Angriffs am 2. September 1916 und nach vielfachen heftigen französischen Gegen- angriffen gingen schließlich auch hn August 1917 die Höhe 304 und „der Tote Mann" wieder verloren. Nun haben fie in den Abendstunden des Donnerstag deuffche Truppen wieder gestürmt und damit für die Beherrschung des Maastales und des Vorfeldes der Festung Verdun strategisch äußerst wichtige Höhenzüge in ihren Besitz gebracht. Die Erinnerung an die Kämpfe um Verdun an Hand Iber eben gegebenen, wett auseinander liegenden
daß die Lage verzweifelt ist, aber der Franzose wird immer an Frankreich glauben. Aber am liebsten möchte ich nicht mehr denken müssen".
In Montmedy.
Auf einem Beiwagenkrad geht es um die Mittagsstunde mit Maschinenpistole und Handgranate nach Montmedy hinein. Furchtbar die Wir- Fung des deutschen Artilleriebeschusses. Von ganzen Stadtvierteln stehen nur noch einzelne branbge- schwärzte Mauern. Auch hier in ber von ber Be- völkerung schon lange geräumten Stabt alle An- Zeichen überhasteter Flucht. Dennoch blieb den französischen Soldaten noch Zeit genug, die wenigen von den deutschen Granaten verschonten Häuser und Läden in der wüstesten Weise
zu plündern. Ein klappriger alter Feuerwehrwagen aus dem vorigen Jahrhundert steht wie ein Hohn vor den ausgebrannten Häusern. An den feinbmärts gelegenen Stadtausgängen ist die Pak in Stellung gegangen. Der Abend bricht herein. Die Meldungen von den bereits viele Kilometer vorgegangenen Kompanien laufen beim Regiments- gefechtsstand ein, der die ganze Nacht in einem Bürgerhaus um die Petroleumlampe fitzt, die Karten studierend, den weiteren Einsatz der Kraftfah- rer und Reiterschwadronen, ber Panzerjäger, ber Pioniere und der Artillerie besprechend. Die Stadt ist zur Verteidigung eingerichtet. Man ist auf Artilleriefeuer gefaßt. Aber der Franzose bleibt ruhig.
den „Toten Mann".
um die Höhen.
Dr. Werner Lahnes.
von Verdun. Auf den stauberfüllten Straßen zieht der Heerbann unserer Truppe in vier endlosen Kolonnen; oft gleich zwei nebeneinander marschieren, reiten und fahren die Männer. Die wenigsten von ihnen sind in den letzten Tagen viel zum schlafen gekommen. Aber was macht das schon? Es geht ja wieder vorwärts! Die kampferprobten Regimenter, die drei Wochen lang auf den Maashöhen einem sich zäh wehrenden Gegner in harten Gefechten gegenüberstanden, haben nun die heißersehnte Gelegenheit bekommen, es den Kameraden im Norden gleichzutun. Zwischen Ardennen und Araonnerwald setzen deuffche Truppen in breitester Front und tief gestaffelt dem unter dem Druck des rechten deutschen Flügels weichenden Gegner nach und stehen nun mit einem Schlage auf dem blutgetränkten Boden der erbittertsten Weltkriegskämpfe.
Englands Verlust im Südostraum.
Berlin, 14. Juni. (DNB.) Der englische Board of Trabe hat burd) eine Verordnung die Ausfuhr sämtlicher Waren nach Bulgarien, Griechenland, Ungarn, Rumänien, der Schweiz und Jugoslawien sowie den sowjetrussischen Schwarzmeer-Häfen unter- sagt. Wenngleich betont wird, daß damit nicht bas Ende jeglichen Handelsverkehrs mit diesen Ländern dekretiert werden solle und daß neue Lizenzen unter geeigneten Umständen vergeben würden, so bleibt es doch unverkennbar, daß die Verordnung die Fol- gerungen aus der durch Italiens Kriegsemtritt erfolgten Abschneidung Englands vom MitteImeer- und Südostraum zieht.
Man dürfte beim Board of Trabe zweifellos ebenso genau wie in den betroffenen Ländern wissen, daß die „geeigneten Umstände" im Verlauf dieses Krieges sicherlich nicht mehr kommen werden. England hat jetzt auch seine Bezüge aus dem Mittelmeer- und Südostraum und überdies, was mindestens ebenso wichtig ist, auch diese Absatzmärkte für seine Ausfuhr verloren.
Daten illustriert besondert kraß den grundsätzlichen Unterschied zwischen damals und heute, wo Panzerwaffen und Kampfgeschwader bas Tempo bes keinen Stillstanb kennenden Bewegungskrieges bestimmen und mit diesem Tempo ungeheuer viel kostbares Blut sparen, das damals im Hin und Her des Stellungskrieges um oft nur geringer Vorteile willen geopfert werden mußte, ohne daß ein strategischer Erfolg erzwungen werden konnte.
Die Eroberung Montmedys am Chiers, einem rechten Nebenfluß ber Maas, ber schon bei der Erzwingung des Durchbruchs durch die Maas- linie in den ersten Tagen der großen deutschen Offensive der Schauplatz erbitterter Kämpfe war, leitet bereits über zu dem dritten Abschnitt des Gesamtseldzuges im Westen, dessen Beginn der Wehrmachtsbericht vom Freitag mit dem Frontalangriff der deuffchen Truppen an der Saarfront gegen b i e Maginot-Linie angetünbigt hat. Montmedy ist der starke linke Eckpfeiler dieser längs bes Oberrheins unb bann der Grenze entlang vor dem Pfälzer Bergland und den Höhen beiderseits der Saar und ber Mosel bis an bie Maas herangeführten Befestigungen. Der allzu laut verkündete Ruhm französischer Befestigungsbaukunst ist inzwischen vor ber Unwiderstehlichkeit moderner deutscher Waffenwirkung, der in den letzten Wochen weder schwere Festungswerke noch mit allem Raffinement angelegte Feldbefestigungen haben widerstehen können, erheblich verblaßt. Wir wissen, daß die deuffche Wehrmacht, die in Führung und Truppe in diesem Feldzug, vor schwierigste Aufgaben gestellt, immer wieder ihre Ueberlegenheit bewiesen hat, auch die Maginot-Linie bezwingen wird und mit diesem frontalen Durchbruch den französischen Truppen der Grenzbefestigungen bas gleiche Schicksal völliger Vernichtung bereiten wirb, bem die zwischen bem Aermelkanal und der Maas vor der mit ungeheurer Stoßkraft geführten Verfolgung ohne Halt zurückweichenden französischen Armeen entgegengehe^ - Dr. Langfr
Kurzer erbitterter Kampf Von Kriegsberichter


