GchtvereTrefferineinemGroß-Gaswerk
Neue erfolgreiche Angriffe auf London und zahlreiche kriegswichtige Betriebe in Eüd- und Mittelengland.
Der Wehrmachidertcht vom Dienstag.
Berlin, 12.Rov. (DJIB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Die gestern bekanntgegebenen vergettungs- angriffe deutscher K a m p f o e r b ä u d e gegen London in der Nacht vom 10. zum 11. November haben in den Verkehrsantagen nördlich von Warmwood, Scrubs und im Stadtgebiet von willesden, hartesden und South-Acton große Brände hervorgerufen. Lin Großgaswerk erhielt mehrere schwere Treffer. 3m Stadtteil Ley- ton sowie in Bermondsey entstanden weitere ausgedehnte Brände. 3n einem Werk der Flugzeugindustrie bei Birmingham wurden starke Stichflammen im Ziel beobachtet.
Auch im Laufe des 11. November griffen Kampfflugzeuge trotz fchwierigster Wetterlage Loudon sowie zahlreiche kriegswichtige Betriebe in S ü d - und Mittelengland an. Dabei gelang es, bei Slough ein Motorenwerk, bei B'.rming- ham eine Gasfabrik und Industrieanlagen, bei Orford ein Rüstungswerk und bei Folkestone ein Brücke schwer zn treffen.
Sturzkampffliegerverbände griffen, wie bereits gemeldet, im Seegebiet südostwärts Harwich einen stark gesicherten britischen Gelellzug au. Trotz heftiger Flak- und 3agdabwehr gelang es, sieben Handelsschiffe mit etwa 44 000 BRT. zu versenken, fünf weitere schwer zu beschädigen.
Ein Fernaufklärer versenkte im Atlantik einen Frachter von 2500 BRT. Seeflugzeuge erzielten Volltreffer auf zwei britischen Handelsdampfern mit zusammen 14 000 BRT.
Ls kam am Tage zu heftigen Luflkämpfen, in deren Verlauf 14 feindliche Flugzeuge ab- geschossen wurden.
Der Gegner unternahm in der Rächt zum 12. Ro- oember keine Einflüge in das Reichsgebiet. Bei den Kampfhandlungen am 11. Rovember zeichneten fich Verbände des italienischen Fliegerkorps durch einen erfolgreichen Vorstoß gegen einen Hafen an der englischen Ostküsle aus. Dabei kam es zu stärkeren Lustkämpfen, in deren Verlauf die italienischen Jäger sieben britische Jagdflugzeuge ab- fchoffeu.
Die gestrigen Gesamtverluste des Feindes betrugen 22 Flugzeuge, davon eins durch Flak- artillerie. Sieben deutsche und sechs italienische Flugzeuge werden vermißt.
Verschärfung der Lustangriffe in Griechenland.
Rom, 13. Nov. (Guropapreß.) Der italienische Angriff in Griechenland hat feit Montagfrüh eine Verschärfung- erfahren. Die Munitionsdepots von Larissa und die Straßenbahnverbindungen dieser Stadt wurden bombardiert, ferner die Verghänge, durch die die Straße Janina- Metz o v o führt. Weiter bombardierten die Italiener die Gebirgskämme zwischen den Orten Der- nicu, Bilinka, Capestira sowie die Gebirgsrü.^en zwischen den Orten Shagu, Revani und Calevitsa. Ferner werden starke Bombardierungen der b r i- tischen Kriegsschiffe im Golf von Suda (Kreta) gemeldet. Hier haben italienische Sturzkampfflieger aus 300 Meter Höhe zwei englische Kreuzer mit Bomben belegt und Treffer gemeldet. Auch die Insel Korfu wurde am Dienstag heftig von der italienischen Luftwaffe bombardiert. Die Hauptstadt der Insel hatte vier Luftangriffe zu überstehen, wobei die italienischen Flugzeuge teilweise ihre Maschinengewehre anwenden konnten. Rach einer Mitteilung aus amtlicher ägyptischer Quelle wurden in der Nacht zum Dienstag Bomben auf den Suezkanal geworfen. In der Mitteilung heißt es, daß leichter Schaden an» gerichtet wurde.
Italienische Ll-doot-Srfolge im Mtelmeer.
Rom, 12. Rov. (DRV.) Der italienische Wehr- machlbericht vom Dienstag hat folgenden Wortlaut:
In der Rocht zum 10. Rovember hat im mittleren Mittelmeer eines unserer U-Boote einen stärkeren englischen Flottenverband angegriffen und dessen letztes großes Schiff sicher mit zwei Torpedos, wahrscheinlich m'.t einem dritten Torpedo getroffen. Der Verlust der feindlichen Einheit, die mit Sicherheit aufs schwerste beschädigt wurde, ist als wahrscheinlich anzunehmen. In der folgenden Rächt erlangten unsere auf Fahrt befindlichen U-Boote einen neuen Erfolg, indem sie zwei Dampfer, die in einem stark geschützten Geleitzug vom zentralen Mitlelmeer nach Osten fuhren, torpedierten und versenkten.
In den ersten Stunden der Rächt zum 12. Rovember griffen feindliche Flugzeuge die Flottenbasis von T a r e n t an. Die Flakabwehr des Kriegs- Hafens und der im Hafen liegenden Schiffe hat
energisch eingegriffen. Eine einzige Einheit ist schwer getroffen worden. Keine Verluste. Sechs feindliche Flugzeuge wurden abgefchof- fen und ein Teil der Besatzung gefangen genommen. Drei weitere wurden wahrscheinlich abgeschossen.
In E p l r u s wurden feindliche Versuche in Richtung auf Kalibari glatt abgeschlagen.
Unsere Luftwaffe hat wiederholt starke Bombenangriffe auf militärische Ziele von Janina, Met- 3000, Kastoria, Korfu, Larissa und auf dem Isthmus des Prepa-Sees durchgeführt. Alle nufere Flugzeuge sind zurückgekehrt.
In Rordafrlka wurden feindttche motorisierte Verbände von unseren Schnellen Truppen in der Gegend von Alam et Hadschi (südöstlich von Sidi el Batani) in die Flucht geschlagen. Unsere Fliegerformationen bombardierten mit Erfolg den Flughafen und den Bahnhof von Burg el Areb (südwestlich von Alexandrien), den Flugplatz von Maaten Bagusch, Barackenlager und feindliche Stellungen in Marsa Malruk. Feindliche Flugzeuge warfen Bomben ab bei Demo, wo Wohnhäuser getroffen und zwei Tote und zehn Verwundete, hauptsächlich mohammedanische Linder, zu beklagen sind; auf Benghasi, wo die Gefängnisanlagen getroffen und drei tote und zehn verwundete Mohammedaner gewählt wurden; in der Gegend von Bardier und Sidi el Barani, ohne Schaden anzurichten.
In O st a f r l k a wurden wiederholte feindliche Angriffe auf Gallabat abgewiesen.
Brasiliens Neutralität.
Rio de Janeiro, 12. Nov. (DNB.) Bei Abschluß der Zehnsahvesfeier seiner Regierung legte der brasiilianische Präsident Vargas vor Unternehmer- und Arbeitersyndikaten einen Rechen- schastsbericht über die wirtschaftliche und voliti-sche Aufbauarbeit während des letzten Jahrzehnts ab, wobei er entschieden den nationalen C h a r a k- t e r dieser Aufbauarbeit betonte. Brasilien habe seine Leistungen mit seinen eigenen Mitteln verwirklicht. Brasilien habe die Haltung strikter Neutralität im Europakrrsg bewahrt und damit sogar bei den Kriegführenden selbst Beifall gefunden. Er beabsichtige, die Neutra-
füllung des deutsch-russischen Wirtschaftsabkommens vom 11. Februar, frei.
Unter den „alten" Fundstätten Rußlands hat man die Manganfelder der Ukraine (Nikopol), die Man- aangru'ben des Kaukasus (Tschiatury), die Kupfer- fundstätten des mittleren und südlichen Kaukasus und vor allem die Erdötterrains von Baku, Grosny und Maikop zu verstehen. Sie sind noch in hohem Maße ergiebig und sind erst vor kurzem durch neue geologische Forschungen in ihrenk Wert und chren Zukunftsaussichten bestätigt worden. Dies ergibt sich auch aus der Tatsache, daß die Förderungs- ji-fjexn dieser Gebiete bis in die neueste Zett hinein steigende Tendenz gezeigt haben.
Von fachmännischer Seite ist^ festgestellt worden, daß der deutsch-russische Warenaus- tausch, der vor fast einem Jahr durch das deutsch- russische Wirtschaftsabkommen eingeleitet worden ist, zu voller Zufriedenheit beider Teile funktioniere. Gleichzeitig ist eine Meldung ergangen, die für die Zukunft eine noch reichlichere Belieferung Deutschlands mit Rohstoffen und Lebensmitteln aus Rußland erwarten läßt: Einer der wichtigsten in Ausbau befindlichen westrussischen Kanäle,der Dnjepr- B u g - K a n a l, wird in allernächster Zeit dem Verkehr übergeben werden. Dieser Kanal wird allo das Schwarze Meer mit der Ostsee verbinden. An der Schwarzmeerküste oder doch in ihrer Nähe liegen die erwähnten südrussischen Mineral-Fundstät- ten der Ukraine und des Kaukasus. Dom Hasen Mariupol am Asow'schen Meer (dem nördlichen Anhängsel des Schwarzen Meeres) und von Cherson und Odessa am Schwarzen Meer wurden die unweit gewonnenen ukrainischen Manganerze zur Donaunmnduna und donauaufwärts ober auf dem Seewege nach Deutschland transportiert, wenn man den teureren Eisenbahnweg vermeiden wollte. Don den Mangan- und Kupfer-Lagerstätten des Kaukasus führt eine Bahn nach den Schwarzmeerhäfen Datum und Poti, und das Bakuer Erdöl kann auf zwei Rohrleitungen nach Batum gepumpt werden. Jetzt ist für diese Rohstoffgebiete ein zuverlässiger Binnenschiffahrtschea nach Deutschland geschaffen. Unter dieser Beleuchtung stellen sich die „Rohstoff- Entfernungen", die man in England mit Vorliebe dem deutschen Gegner vorhält, in wesentlich anderem Lichte dar. Cr.
Oie Auswirkungen des Erdbebens in Rumänien.
Bukarest, 12. Nov. (Europapreß.) lieber die Opfer und Schäden des Erdbebens ist eine amtliche Aufstellung herausgegeben worden. In Bukarest sind 183 Häuser vom Einsturz bedroht, 402 Gebäude schwer beschädigt. 630 Menschen sind abdachlos. Aus dem Carlton-Hochhaus wurden bis fetzt 54 Tote und 82 Verletzte geborgen (von insgesamt 226 Betroffenen). In Galatz sind bis jetzt 34 Tote und 40 Verletzte festaestellt. Das Rathaus, die Prä- fektur, der Bischoss-Palast, mehrere Kttchen und die meisten Schulen sind unbenutzbar geworden. Die Eisenbahnverbindungen sind wegen Beschädigung der Brücken unterbrochen. Vom deutschen Umsiedlungslager wurden 2000 Betten zur Verfügung gestellt. Aus Jassy werden vier Tote und fünf Verletzte gemeldet. Weitere Opfer werden unter den Trümmern gesucht. Das Regierungsgebäude hat schwer gelitten. Ein großes Hotel ist stark beschädigt. In B r a i l a sind rund zwanzig Häuser eingestürzt, etwa fünfzia unbewohnbar geworden. Wasserleitung und elektrische Stromzufuhr sind außer Betrieb. Alle behördlichen Gebäude sind schwer beschädigt. Zwölf Personen sind ums Leben gekommen, über zwanzig wurden verletzt. Craiova meldet sechs Tote und vier Verletzte, T e c u c i zehn Tote und neunzehn Verletzte. Auch aus anderen Städten, z B. Targoviste und C a m p i n a, werden schwere Schäden und auch Opfer an Toten und Verletzten gemeldet.
Innenminister General Petroolcescu erstattete dem Ministerrat Bericht über die Auswirkungen des Erdbebens. In die betroffenen Gebiete wurden Aerzte, Nahrungsmittel und Baumaterial geschickt. Die Bildung von Arbeitsmannsckaften, die mit der Legionärbewegung Zusammenarbeiten sollen, ist im Gange. Umfangreiche KreditbewilliauNgen zur Unterstützung der von dem Erdbeben Betroffenen stehen bevor. Der Iustizminister gab bekannt, baß die Verantwortlichen für die Katastrophe des Carlton-Hauses verhaftet worden seien.
Jakob Schaffner.
zum 65. Geburtstage des Dichters
am 14. November.
Jakob Schaffner ist ein Landschaftssucher. Don der Schweiz kommt er her. Er hat als Handwerksgeselle Belgien, Holland und Frankreich durchwandert. Er hat in Süddeutschland gelebt, in Nord, deutschland, in Mitteldeutschland — er hat sich dort nicht bloß umgesehen, sondern eindringlich und tätig, Leid und Freude auf sich nehmend gelebt Immer hat er sich der Landschaft geöffnet und hat darum auch Entscheidendes aufnehmen können. So ist er sogar nach Berlin gekommen: mit ganzer Seele, mit all' seinen Kräften.
Es ist erstaunlich, wie der Schweizer, der Sohn der Berge, dennoch das gehetzte drängende Leben der Weltstadt versteht, ja wie er die Berliner Sprach-Eigenarten aenau kennen gelernt hat und wiebergeben kann. Um das zu würdigen, muß man sein Büchlein „Luftballons", das bei Schünemann in Bremen erschienen ist, zur Hand nehmen. Seit langen Jahren bemüht sich Schaffner um Berlin. Er will dafür zeugen, „baß der Berliner weder nur ein schwerer Junge noch bloß eine kesse Pflanze ist unb war, unb baß hier nicht bloß Dinger ge- dreht unb Zicken gemacht werben, sondern hier wird und wurde wie überall, wenn auch auf besondere Weise, Schicksal erlebt von Menschen unb zwar von beutschen Menschen." Aus der Reihe feiner Berliner Romane ist iym, wie er mir bekannte, ,,Weisheit ber Liebe" am meisten wert In der Tat, bas Oerlliche erweitert sich zum allgemein Umfassenden. Aus allem Wirrsal ber Schicksale hebt sich ber sittliche Grundsatz, aus allem Verkehrten das ewig Weibliche unb — bas ewig Kindliche. Die Liebe, bis hier triumphiert, spricht Jakob Schaffner in seinem Gedichtband „Bekenntnisse", ber dieser Tage erschien, mit den Versen aus:
„Wenn die alten Berge fallen, strahlt ihr Stern doch immer fort. Wo die letzten Donner ballen, spricht sie leis ihr Schöpserwort."
Der Landschaftsucker Jakob Schaffner hat auch die Umwelt Berlins, die märkische Landschaft, gern und oft gesucht. Den Niederschlag finden wir in seinem Merkchen „Die Landschaft Brandenburg".
das vor wenigen Jahren in ber Hanseatischen Ber- lagsanstalt erschien. Lanbschaftsschilberungen sinb für ben lebhaften Dichter eine heikle Aufgabe. In- dem Schaffner aber die begleitenbe Historie aufleben läßt, inbem er Personen, mit benen wir schnell Freunbschaft schließen, uns im Rahmen seiner Schill berungen (als wollte er Romane anbeuten!) zeigt, unb indem seine Schilberungen nun ganz worteigen, wirklich schön, allseitig färb- und klangreich sind, vermeiben sie jebe Langeweile.
Gewiß ist Jakob Schaffner ein wacker Sinnen- menfch, aber er hat auch ble stille Kraft, bie äußeren Sinne zu schließen unb dafür die inneren auf- zutun. Stets kommt in seinen Erzählungen bas Leid zu seinem Recht, zu seinem tragischen, ebenso zerbrechenden wie auch roieber heiienben Recht. Wenn man Jakob Schaffner im Gespräch gegen- übersteht, dann wird man gewahr, baß er ein Leib träger, ein Leiberfahrener ift Last unb — Segen des Leibes zu verkünden ist fein Beruf.
„Dich sand' ick zum Erglühen, zum Entbrennen, sollst erst erleiden und sollst dann bekennen."
Aber es ist nicht das persönliche Leid, bas er aus- spricht. Nein, er hält es herb unb zuchtooll zurück. Seine persönlichen Schicksale verbirgt er; um so berufener unb berechtigter — unb somit umso fruchtbarer in seinem Tröste — ist er aber für die verstehenbe unb sich erbarmende Liebe. Seine de- beutenbfte Schöpfuna, fein Zyklus ber Johannes-Romane, legt von ber Tatsache dieser seelischen Haltung ergreifendes Zeugnis ab. Diese Romane konnten den Eindruck erwecken, sie seien autobiographisch; aber es ist vielmehr so, baß nur bie Wurzeln ber in diesen Erzählungen ausge- breiteten Begebenheiten In bas eigene Leben Schaffners hineinreichen — sie haben bann aber unter Schaffners gestaltenden Händen chren eigenen Charakter, ihre eigenen Formen angenommen. Unvergeßlich ist es dem, der diesem leidwisienden unb boch so männlich überlegenen Menschen Jakob Schaffner in seinem Berliner Heim begegnete, bas er sich mit schlichten schonen antiken Möbeln, umgeben von Büchern unb Bilbern, wie eine Insel im wilben Strom ber Weltstabt eingerichtet hat. Dann mögen wohl dem Besucher Schaffners Worte durch den Sinn gehen:
„Der Fromme aber lebt in seinem Haus, als wäre er schon still hinweg geboren. Er geht durch seine Türe ein unb aus
v unb ist an Gott, wie Goll an ihn, verloren."
Schaffner ist ein Mystiker unserer Zett, er ist mobern unb dennoch unzettlich. Nicht so, baß er ein doppeltes Gesicht hätte. Vielmehr steht er im kosmischen Zusammenhänge. Er ist ein Großer, der sich auch im Kleinen mtttellen kann.
Dr. Johannes Günther.
Glatt rasiert — mit Feuerstein.
Damals war es nicht so einfach.
Der Bart, einst die ,Lierde des Mannes", ist heute zur Seltenheit geworben. Fast allgemein hat sich In allen zivilisierten Ländern bas Jbeal bes glattrasierten Gesichtes durchgesetzt, begünstigt durch bie heute so bequemen Methoben bes Rasierens, bie bie alten, nicht eben anaenehrnen Ueounaen bes „Bartschabens ersetzt haben. Jrn Laufe Der Jahrtausende ist der Bart den verschiedensten wechselnden Moden unterworfen gewesen. In den ältesten Kulturen der Menschhett galten Haar und Bart als ein Hauptschmuck des Mannes, ja, sie zeigten feine Macht unb Würde an, wie die künstlichen Riesenbärte assyrischer und ägyptischer Könige beweisen. Nur ber Sklave ging glatt geschoren unb glatt rasiert, unb bei ihm fragte man nicht viel banach, auf welch schmerzhafte Weise er sich bie Haare entfernte.
Aber bie Mode des glatt rasierten Gesichtes hielt boch auch in der Antike bei Griechen unb Römern ihren Einzug, unb an ben Statuen ber hellenischen unb römischen Kunst können wir vielfach bas Fehlen eines Bartes feststellen. Von Scipio dem Jüngeren wird uns berichtet, daß er sich täglich rasieren ließ, und fett dem 3. oorchristlicyen Jahrhundert wurde das glatt rasierte Gesicht unter den Männern der oberen Stände allgemein üblich; diese Mode hat sich auch mtt kurzen Unterbrechungen in der römischen Kaiserzeit erhalten. Merkwürdigerweise aber hatte man bis vor kurzem bei den un- zähligen Funden aus dem klassischen Altertum kein Rasiermesser gesunden, das sich einwandfrei als solches erweisen ließ. Erst bei neueren pornpejanischen Ausgrabungen sind die ersten altrömischen Rasiermesser ans Licht gekommen, dünne Klingen aus Eisen, die irrt Boden rasch rosteten und vergingen. Sv erklärt es sich, daß so wenige Rasierklingen des römischen Altertums auf uns gekommen sind und daß man die Griffe, bie z. T. Kunstwerke aus Elfenbein waren, vorher nicht recht erkannt hat.
Der Gras kann gehen.
Graf Potocki, im Jahre 1936 zum polnl, schen Botschafter in den Vereinigten Staaten berufen und bis heute als solcher von ber Washingtoner Regierung hartnäckig anerkannt mußte plötzlich seine Koffer packen. Er ist bereits nach Südamerika abgefahren, wo ihn Frau und Kind erwarten. Der Graf war unversehens „persona ingrata“ geworben. Endlich ein realistischer Zug in ber nordamerikanischen Politik, endlich eins Einsicht in die Notwendigkeit unb Endgültigkeit ber europäischen Neuordnung — sollte man meinen. Aber die englische Agentur Reuter belehrt uns eines Schlechteren. Sie teilt m»t daß ber abgefägte Graf bereits einen Nachfolger erhalten habe, nämlich Herrn Chiechanowski,der „gegenwärtig Außenminister ber polnischen Regierung in ßonbon ist". Reuter meldet bas mit heiligem Ernst, nicht bewußt ber alten Wahrheit, baß un< tteiwillige Witze immer ben größten Lacherfolg Haden, nicht bewußt auch des Zugeständnisses, das dies- Meldung enthält. Denn wenn Potocki nicht deshalb gehen mußte, weil polnische Diplomaten auf diesem Planeten überhaupt überflüssig geworden sind, so kann der Grund für seine Abhalfterung unb seine Ersetzung durch einen polnischen Hampelmann aus London nur darin erblickt werden, daß die bekannten Geheimberichte des Grafen an die einstige Warschauer Regierung, die jüngst in ber deutschen Presse veröffentlicht wurden, gewissen maßgebenden Leuten jenseits des Kanals und des Allanttschen Ozeans schwer auf die Nerven gefallen sind. Hinsichtlich ber Beschreibung der Kriegs- Hetzer und chrer Methoden ließen diese enthüllenden Berichte ja an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Lange Zett hat man in Washington versucht, den Inhalt der deutschen Weißbücher unb sonstigen Dokumente zur Kriegsschuldfrage totzusckweigen bzw. chre Richtigkeit unb Echtheit abzustretten. Wenn jetzt ber Verfasser jener Geheimberichte ur- vlötzllch aus dem Lande gejagt wird, so haben die Elemente, die Potockis Abgang veranlaßten, damit zugleich ein Bekenntnis chrer Kriegsschull) abgelegt Ev.
lität weiter zu bewahren, unbeschadet feiner Verpflichtuna zu vollständiger Solidarität mit dem Vraaraimm Der Verteidigung bes amerikanisch« Landes.
Kleine politische Nachrichten.
Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht ^überreichte in ber Reichskanzlei dem U-Bootkommanbanten Kapttänleutnant Kretschmer als sechstem Offizier der deutschen Wehrmacht bas ihm aus Anlaß ber Derienkung von 200 000 Brutto, regiftertonnen feindlichen Handelsschiffsraums verliehene Eichenlaub zum Ritterkreuz des EisernenKreuzes.
Der Führer hat Sr. Majestät dem König von Rumänien anläßlich ber Erbbebenkata- strophe seine Antellnahme telegraphisch übermittelt
Der Chef ber rumänischen Regierung, General Antonescu, reiste auf bie Einladung bes Duce hin nach Rom ab. Er wird von Außenminister S t u r b ä a begleitet Die Mission wirb am Donnerstag früh in Rom eintreffen.
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In Rom ist Reichsarbeitsminister S e 1 b t e ein- getroffen. Zu feinem Empfang hatten fich am Bahn. nof ber Minister für öffentliche Arbeiten Gorla sowie ein Vertreter bes Außenministeriums elnge» funben. Auch Mitglieber ber beutschen Botschaft sowie ber Leiter der Lanbesgruppe Italien ber AO. der NSDAP, waren zugegen.
Zwischen der Staatsoper Berlin und der Königlichen Oper in Rom find für diesen Winter eine Reihe von Austauschvorstellungen fest- gelegt worden. In Rom werden Werke von Mozart, Gluck, Strauß unb Wagner, in Berlin Werke von Rossini, Bellini, Casella, Verbi unb Zanbonal zur Aufführung gelangen.
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Eine Italienische Hanbelsdeleaatioa unter Führung des Präsidenten ber faschistischen Handelskonföderation, Nationalrat Dr. Molfino, traf im Haag ein. Sie wurde vom Reichs-kommissar Seyß-Inquart und vorn Generolkommissar
Rasierklingen aus viel älterer Zeit sind uns aber erhallen, da diese nicht aus Elsen, sondern aus Bronze, aus Knochen und aus Feuerstein herge» stellt wurden. Inwieweit gewisse scharfe und flache Klingen aus Feuerstein, die man in vorgeschichtlichen Funden reichlich ans Licht gebracht hat, zum Rasieren verwendet wurden. Ist zwar nicht sicher festzustellen, doch gibt es kaum eine bessere Erklärung für diese merkwürdigen Werkzeuge. Die Eskimos benutzen noch heute zum Entfernen chrer Bartstoppeln scharf gemachte Knochen, wie sie sich ebenfalls schon in vorgefchichllichen Gräbern gefunden haben. Im allen China ließ man sich Die Haare einzeln herausziehen, und diese schmerzhafte Prozedur ist sogar heute noch vereinzelt bei ben Chinesen im Brauch. Doch benutzte man in China jetzt auch feltfam geformte stählerne Werkzeuge. Das Herausziehen ber einzelnen Barthaare ist bei verschiedenen vrirnttiven Völkern üblich. Die Pvly- nefier, die seyr spärlichen Bartwuchs haben, bedienen sick dazu kleiner Muscheln, deren beide Scha- len mtt ihren scharfen Enden fest zusammengepreßt werden und so als eine Art Pinzette dienen. Die Indianer Nordamerikas rissen sich ebenfalls bie Haare einzeln aus, wozu sie kleine Hqtzstäckchen benutzten, Die fest zusammengebrückt muröcn. Aber auch bie Inblaner haben spärlichen Haarwuchs, bei stärkerem Bart ist biese Methobe kaum durchführbar. Die alten Mexikaner benutzten in vorkolumbi- fcker Zeit Stücke von vulkanischem Glas, die so scharf waren wie ber beste Stahl unb bie in großer Zahl gefunben worben sinb. Die gläserne Klinge wurde an einem Holzgnff befestigt.
Später, als den Menschen bereits die Bronze bekannt war, entstanden trefflldje Rasiermesser aus diesem Stoff, ber zu großer Härte gehämmert werben konnte. Solche halbmondförmigen Rasiermesier aus Bronze sind bei ben alten Ertruskem und bei ben Germanen gefunben worden. Auch bie Spiegel, vor denen man sich bie schöne Glätte bes Gesichtes verlieh, bestauben aus polierter Bronze. Prächtige etruskische Rasiermesier aus einer Zeit, bie mindestens bis um 500 v. Chr. zurückgeht, sind in ben letzten Jahren ausgegraben worden, wahre Kunstwerke in ber Feinheit ber -Arbeit. Die bartlose Glätte freilich, bie wir beim heutigen Manne gewohnt sind, konnten sie wohl kaum hervorbringen, bie wurde erst durch den modernen Rasierapparat möglich. C. K.


