Nr. 189 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhejjen)
Montag, (2. August 1940
enschaftlichen
rage", die in einer
Tonfilmabend im Marine-Bootehaus
zweite Tonfilm „U-Boote am Feind". Das harte,
altbewährt
Um die Erdal-Blechdosen mehrmals verwenden zu können, gibt es nun auch Erdal-Nachfüllpackungen. Diese setzt man einfach « in die leere Erdaldose, die sich auf diese Weise lange Zeit verwenden läßt. Deshalb leere Erdaldosen , aufbewahren I Qualität undMenge selbstverständlich wie in der Blechdose.
ungsplanes für das Kliniksviertel find ferner für mehrere Kliniken Erweiterungsbauten vorgesehen, von denen einige bereits im Bau begriffen sind (Medizinische Klinik, Medizinische Poliklinik, Chirurgische Leterinärklinik). Geplant ist ein Neubau des Anatomischen Institutes, der Geburtshilflichen Veterinärklinik und ein umfassender Neubau für die gesamten landwirtschaftlichen Institute. Weiterhin find Erweiterungsbauten am Physikalischen.Institut vorgesehen und beträchtliche Vergrößerungen der Universitäts-Bibliothek, sowie ein modernes Verwaltungsgebäude und Rektorat. Durch fortlaufenden Ausbau der Inneneinrichtungen der übrigen Kliniken, Institute und Seminare ist eine steigende Förderung der Forschungsmöglichkeiten gegeben.
Wenn Justus von Liebig in den Erinnerungen an seine Gießener Zeit (1824—1852) schreibt, es sei eine Art höhere Fügung gewesen, die ihn an eine kleinere Universität geführt hätte, wo sich alles auf die Arbeit konzentrierte, so gilb dies Wort auch heute noch und erst recht. Engste Gemeinschaft, wie sie sich nur an einer kleinen Universität ermöglichen läßt, verbindet in Gießen Professoren und Dozenten mit ihren Studierenden. Sie äußert sich vor allem in der wissenschaftlichen Ausbildung bei Forschung und Lehre, in Klinik, Laboratorium und Hörsaal, aber auch ebenso durch Teilnahme am studentischen Leben außerhalb der Institute. Weitgehendst entwickelt ist die persönliche Betreuung des einzelnen Sttidierenden durch Dozenten- und Studentenschaft. Nicht Besitz und Vermögen der Eltern, sondern Begabung und Fleiß sollen entscheiden, wer an der Hochschule seine Ausbildung für den Dienst am Volke finden kann. So bestehen mannigfache Einrichtungen, wie Reichs- und Kameradfchaftsförde- rung, Stipendien und Kolleggeld-Ermäßigungen, die demjenigen ein freies oder verbilligtes Studium ermöglichen, der unter dem Prinzip der Auslese nach Begabung, Fleiß und gesamter Haltung bestanden hat. Die Studiengebühren und Kolleggeld-Sätze sind
als alte Landesuniversität sind fast alle Institute neben der Hauptaufgabe der Grundlagen-Forschung mitber Erforschung des hessen-nassauischen Raumes beschäftigt. Die Erfolge dieser raumgebundenen Wissenschaft haben sich zu den Bestrebungen verdichtet, in Gießen eine „Wissenschaftliche Akademie" des NS D. -Dozentenbunde s zu errichten. Im Sinne deutscher Kulturarbeit werden ferner im Spätsommer 1941 die „Gießener Ferienkurse" Kvieder ins Leben gerufen, die während der Jahre 1928 bis 1930 durchgeführt, und Dom Ausland als Vermittler deutschen Kulturgutes besonders begrüßt und besucht wurden. Die günstige Lage, deren Gießen sich rühmen darf, und die Fülle der Eindrücke, die in seiner landschaftlich bevorzugten, historisch und künstlerisch bedeutungsvollen Nachbarschaft den Besucher dieser Kurse erwarten, lassen Gießen auch in dieser Hinsicht als geeignetste Stätte erscheinen.
Eindeutig tritt der Aufbauwille der Universität Gießen in dem zusammen mit der Stadt vorbereiteten großzügigen und vorbildlichen Generalbebauungsplan in Erscheinung. Daß die Universität bauen kann, dankt sie der tatkräftigen und verständnisvollen Unterstützung und Förderung durch den Herrn Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger. So konnten im Zuge des weiteren Auf- und Ausbaues der „Ludoviciana“ im letzten Trimester eine zahnärztliche Poli-Klinik und ein Institut für Kautschukforschung errichtet werden. Im Zuge der räumlichen Erneuerung und Erweiterung konnte dank der weitgehenden Förderung durch den Oberbürgermeister der Stadt Gießen das Universitäts- Hauptgebäude wesentlich erneuert und umgebaut werden. (Vgl. den Bericht im „Gießener Anzeiger" Nr. 186 vom 8. August.) In einem Festakt wird An? fang Oktober in Anwesenheit des Gauleiters die Einweihung dieses Umbaues vollzogen werden. Gleich
zeitig wird die neue Skulpturenhalle ihrer Bestimmung übergeben. Im Bereiche des Generalbebau-
Schriftenreihe zusammengefaßt einem noch größeren Kreis zugänglich gemacht werden. In ihnen kommt zum Ausdruck, daß unsere Professoren in der Lage sind, ihre geistigen Waffen scharf zu halten und zum Einsatz für das Vaterland zu gebrauchen.
Es sprachen vor den Angehörigen von Partei und Wehrmacht die Professoren Kranz über „Soldatentum auf rassischer Grundlage" und „Bevölkerungspolitisches und Rassenbiologisches zum Kamps um den Neubau Europas", Willeke über: „Hauptprobleme der Kriegswirtschaft", S e s s o u s über: „Ernährungssicherung im Kriege von der
In der Stadt ist von der eigentlichen Erntearbeit weniger zu spüren, aber zuweilen kommt es vor, daß ein hochbeladener Erntewagen die Außenbezirke passiert. Der Duft des Sommers zieht dann durch die Straßen, und die Fußgänger schauen für eine Weile dem Gefährt nach, von dem einzelnen Halme oder Feldblumen zur Erde fallen, und dort als Gruß von der Ernte liegen bleiben. Tag für Tag aber tönt das Lied der Arbeit über den Fluren, unb bis in den sinkenden Abend sind unsere Volksgenossen dort beschäftigt, das-Getreide zu bergen, das Brot für alle verheißt. In Kürze wird bereits der Wind über die Stoppelfelder wehen, doch dann ist das kostbare Gut in den Scheunen geborgen, unb der Herbst mag uns die Früchte bescheren, die jetzt noch der Reife harren. Sch.
Tageskalender für Montag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Safari". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Mädchenjahrs einer Königin".
Verwertung von Nuß- und Obstbaumholz nur mit Genehmigung.
Infolge des starken Frostes im Winter 1939/40 ist ein großer Teil der Walnuß- und Obstbaumbestandes in Gärten, an Wegen und sonstigen der forstlichen Bewirtschaftung nicht unterliegenden Baumanlagen eingegangen. Es besteht die Gefahr, baß diese Bäume zu Brennholz aufgearbeitet ober höchstens als Möbelholz verwendet werden. Die Kriegswirtschaft benötigt dagegen das Nuß- und Obstbaumholz dringend zur Fertigung von Gewehrschäften, zum Modellbau für Flugzeug- motore, zur Herstellung von Furnieren, zur Ausfuhr und für wichtige Jnlandzwecke. Auf Grund des § 5 der Verordnung über die Errichtung einer Reichsstelle für Holz ist daher bestimmt worden, daß bas beim Abtrieb solcher Bäume anfaHenbe Nutzholz von Klasse drei aufwärts, bei größeren Mengen auch von Klasse zwei an von den Besitzern den zuständigen Forst- und Holzwirtschaftsämtern bzw. Forstämtern des Reichsnährstandes zu melden ist unb nur an Käufer, bie im Besitze einer Bescheinigung 1)e5 zuständigen Forst- und Hvlzwirtschafts- amtes find, abgegeben werden darf.
Aus der Stadt Gießen.
Vor der Stadt...
Ueber den Feldern liegt der Duft der Reife. Müde steht bas letzte Getreide und wartet auf den Schnitter. Wenn die Sonnenstrahlen herniederfen- aen, dann flimmert es auf den Fluren wie lauteres Gold. Es ist die hohe Zeit des Jahres, in der die ^Mutter Erde ihren reichen Segen spendet, der in vielfältiger Gestalt sichtbar zur Schau steht.
Draußen vor der Stadt, wo die Felder das Land- schaftsbild prägen, klingt nun schon seit einiger Zeit das Rattern der Maschinen unb das Stampfen der Hufe. Für die bäuerliche Bevölkerung heißt es zeitig das Tagewerk beginnen, damit die kurze Frist genützt werben kann, bie noch für bie Ernte zur Verfügung steht. Bauer und Bäuerin, Knecht und Magd stehen in Reih unb Glieb bei ihrer angespannten Tätigkeit, und mit ihnen sind die Erntehelfer, die Burschen und Mäbel, unverbrossen an ihrer Aufgabe, bie sie im Dienste ber Nation auf sich nahmen. Es ist eine Gemeinschaft emsig schaf- fenber Menschen da draußen, eine Gemeinschaft, die die Wichtigkeit ber Erntearbeit für bas Gemeinwohl symbolisch zum Ausdruck bringt.
Zischend fährt der blanke Stahl zwischen die Halme, beren unburchdringlich scheinenbe Reihen immer lichter werben, bis schließlich nur noch bie Stoppeln übrig bleiben. Vielfach folgen bie Garbenbinder ber Mähmaschine, an anderen Stellen bündelt bie Maschine die Garben gleich. Hier unb da sieht man auch einen Mähdrescher in Tätigkeit, der in einem Arbeitsgange mähen, binden unb breschen kann. Es ist ein vielgestaltiges Bilb fleißiger Arbeit, bas sich jetzt überall auf ben Felbern bietet, und wohin bas Auge auch schweifen mag, sieht es zwischen dem (Betreibe auf dem Halm unb ben bereits errichteten Garben nickende Pferbekvpfe und die hallen Kapfbebeckungen eifrig tätiger Menschen. Wer mit ber Eisenbahn bie Lanbschaft burchfährt, hat streckenweise Gelegenheit, bie ganze einbrucks- volle Schönheit bieses sommerlichen Bildes in sich aufzunehmen, das stolz von beutfcher Art und deutschem Schaffen kündet.
Der von ben westlichen Plutokratisn dem beut- schen Volke aufgezwungene Krieg hat bas Kultur- unb Geistesleben ber beutschen Universitäten eben* |owenig erschüttern ober schwächen können, wie er has an irgendeiner anderen Front des deutschen Lebens vermocht hat. So ist ber Krieg ein Prüf- jtein geworden für die geistige Haltung unb die im Volke verwurzelte Lebenskraft unserer Hohen Schulen.
Durch eine gesteigerte Aktivität, getragen von dem geschlossenen Abwehrwillen einer jungen, nationalsozialistisch ausgerichteten Mannschaft von Professoren, Dozenten, Assistenten und Studenten hat auch die Universität zu Gießen in den vergangenen beiden Trimestern in der geistigen Auseinandersetzung der Mächte ihre Bewährung gefunden. In einem stolzen Rechenschaftsbericht konnte der Rektor der Universität, Gauamtsleiter Professor Dr. Kranz, am 1. Juli 1940 anläßlich des 333. Geburtstages der Ludoviciana Zeugnis ablegen über die ben Kriegsverhältnissen angepaßte gesteigerte Leistungsfähigkeit und die auf - trebenbe Lebenskraft dieser burch ihre ahrhunbertealte Trabition ausgezeichneten Uni- )erfität. Die genannten Momente äußerten sich am innfälligsten in der Uebernahme ber Arbeit durch -ine Anzahl von der Front zurückgekehrter Pro- efforen, Dozenten und Assistenten, wodurch der Unterrichtsbetrieb in vollem Umfang aufrechterhalten werden konnte, ferner in der Durchführung von wissenschaftlichen unb volkstümlichen Vortragsreihen und vor allem in der Inangriffnahme eines großzügigen Ausbauprogramms ber Kliniken, Jn- titute unb Seminare.
Besondere Beachtung fanden die „W e h r w i s -
dringlich vor Augen geführt, der Kamps mit der stürmischen See, Angriffe gegen Handelsschiffe und Geleitzüge, Angriffe durch Zerstörer mit Wasserbomben. Die vorbildliche Zusammenarbeit aller U-Boot-Angehorigen und Kameradschaft, die zum Erfolg geführt, gaben dem Film feine Krönung. Als letzter Film wurde gezeigt „Danzig ist wieder deutsch". Die letzten Ausdrücke polnischer Anmaßung zogen vorüber, die Abwehr durch Danziger Heimwehr, die Beschießung und Erstürmung der Wester- platte, die Beschießung der Halbinsel Hela sowie deren Uebergabe und Besetzung. Die Reste polnischer Großmannssucht sah man zusarnmengejchossen ober zertrümmert durch unsere Stukas in ben Häfen liegen. In mannigfachen Kampfbilbern sah man die Kriegsmarine im Einsatz.
Mit reichem Beifall wurde für den Abend gedankt. Der Kameradschaftsführer dankte herzlich dem Kameraden Stabsfeldwebel Heinemann, der die Filme vorführte.
Im Rahmen ihrer August-Monatsmusterung hielt die Marine-Kameradschaft Gießen am Samstagabend eine Tonfilmveranstaltung mit Filmen des Oberkommandos der Kriegsmarine ab. Der Bootshausraum war bis zum letzten Platz besetzt. Außer den Kameraden des NS.-Marinebundes waren Urlauber sowie Obergefolgschaftsführer R u p p e l mit einem Lehrgang des M.-HJ.-Heimes erschienen.
Kameradschaftsführer Lich aab bei der Begrüßung seiner Freude darüber Ausdruck, daß auch diesmal wieder sich das alte Bild zeigte: die jungen Kameraden von der Marine-HI., die einstmals zur See fahren wollen, neben den aktiven Angehörigen und ben alten Kameraben bes NS.-Marinebundes, die, da sie nicht mehr aktiv vor dem Feind stehen, ihre vornehmste Aufgabe darin sehen, zu werben für den Marinegedanken. Ein starke, lebensfrohe Nation braucht eine starke Flotte, und Deutfchland wird diese Flotte haben. Im Binnenland den Willen zum Dienst bei der Kriegsmarine zu wecken, diene auch dieser Abend, der ein Auftakt sei zu weiteren Veranstaltungen in dazu berufenen Kreisen. Dann dankte der Kameraschaftsführer dem Kameraden Oberpostschaffner i. R. Fr. Gräf für feine 40jährige Zugehörigkeit zur Kameradschaft und überreichte ihm die goldene Ehrennadel des NS.-Marinebundes. Friedrich Gräf war vor 50 Jahren Marineangehöriger und Teilnehmer bei der Uebergabe der Insel Helgoland an Deutschland. Seine Dienstzeit sah ihn ferner auf verschiedenen Auslandreisen auf deutschen Kriegsschiffen.
Die dann gezeigten neuen Tonfilme riefen außerordentlichen Beifall, insbesondere bei den Jungen, hervor. Der Film „Mit dem Kreuzer »Königsbergs in See" zeigte die Ausbildung unserer blauen Jungen auf allen Gebieten. Besonders interessant war der
Die Ludwigs-LlmversM zu Gießen.
Eine Stätte aufstrebender nationalsozialistischer Korschungs- und Lehrtätigkeit
pflanzenbaulichen Seite betrachtet", Beller über: „Tierseuchen im Kriege", Borries über: „Bismarcks Stellung zu Staat unb Volk", Haag über: „Seuchenbekämpfung im Kriege", Deist über: „Aufgaben bes Sanitätsoffiziers im Rahmen der Wehrwissenschaft", Klute über: „Der Ostraum Europas wehrgeographisch betrachtet unb „Die Entstehung bes Britischen Kolonialreiches geopolitisch betrachtet", Rolfes über: „Fragen ber Ernährungssicherung unter wehrwissenschaftlichen Gesichtspunkten", Vollrath über: „Mythen um England", v. Gall: „Die Behandlung der Feinde in Amerika bes 19. Jahrhunderts", Koch über: „Der Mensch im Flugzeug", Scharrer über: ,Aufgaben ber Agrikulturchemie für die Ernährungsicherung". Den Höhepunkt dieser Vortragsreihen bildete eine gemeinsam mit der Kreisleitung Wet- terau der NSDAP, in ber Aula ber Universität veranstaltete Kundgebung, in welcher ber Leiter bes Rassenpvlikischen Amtes ber NSDAP., Reichshauptamtsleiter Professor Dr. Groß, Berlin, über „Die geistigen Fronten im Machtkampf der Gegenwart" sprach.
Neben diesen in den beiden ersten Trimestern durchgeführten Vortragsreihen führte eine zweite Vortragsreihe: „Volkstümliche Vorträge unb Vorlesungen" einen großen Hörerkreis in allgemeinverständlicher Form in die Forschungsgebiete zahlreicher Professoren und Dozenten ein.
In den Kliniken, Instituten und Seminaren
konnte neben der Unterrichts- unb Vortragstätigkeit die Forschungsarbeit ungestört weiterlaufen. ____—....... VU11C/
Bedingt durch die Eigenschaft unserer Universitas I schwere Bordleben auf dem U-Boot wurde ein-
Schwester Monikas schwerste Nacht.
Don Kurt Günther von Uscher.
Noch einem heißen Tag, ber unsere Truppen in siegreichem $orftürmen gesehen • hatte, sank eine tintige, wolkenverhangene Nacht auf bie Kampffelder nieder. In dem schmalgestreckten Glashaus, das wie ein glitzernder Wurm am Flußufer nicht weite hinter der Front entlangkroch unb von ben deutschen Sanitätsbehörden zum provisorischen Frontlazarett auserwählt war, durfte kein Licht an- gezündet werden. Eine ordnungsgemäße Verdunkelung ber blanken Glasflächen war noch nicht" möglich gewesen, unb der kleinste Helligkeitsschimmer wäre ben feindlichen Nachtbombern ein Leuchtfinger gewesen.
So zitterten die Seufzer der Verletzten durch bie tiefe Finsternis unb mengten sich mit ben schemenhaft hellen Schatten ber vorüberhuschenden Schwe- ftem gu einem Bilb von seltsamer Phantastik.
Inmitten dieser bunklen Welt aus Schmerz unb Leiden stand ein blondes, junges Mädchen, das nod) vor nicht allzu langer Zeit mit seinem silbrigen Lachen die Hallen bes Konservatoriums ertönen machte, unb gn besten Arm jetzt bas Rotkreuz leuchtete. Schwester Monika hob mit einem Seufzer die müben unb karbolverätzten Hänbe vor bie Stirn. Wo waren bie Stunden überschäumender Fröhlichkeit und sonnigen Musizierens? Jahre schien bas zurückzuttegen, Jahrzehnte. Die labernde Kriegsfackel war dazwischengefahren. Drei Brüder zogen hinaus, darunter auch Fritz, ber jüngste unb ihr Lieblingsbruber zugleich, der ihre Sonaten so seelenvoll auf der Geige begleitete.
Da hielt es das Mädchen Monika nicht länger in ben weltfernen Hallen ber Kunst. Helsen! zitterte es durch ihre Seele, Schmerz lindern, den Männern nach besten Kräften beistehen in diesem geschichtlichen Ringen. Und sett sechs Monaten bereits tat die junge Rote-Kreuz-Schwester Monika Dienst in ben Lazaretten, oerbanb bie Blutenden, tröstete die Traurigen und tat mehr als ihre Pflicht.
Aber heute konnte sie beim besten Willen nicht mehr. Sie. war zum Umfallen müde. Schlaf! zit
terten ihre schweren Lider, Schlaf! bettelten ihre wunden Füße, sieben Nachtwachen hintereinander hatten die Widerstandskraft des 18jähritzen Körpers gebrochen. Schwester Monika tappte sich langsam zum Ausgang, sie mußte Ersatz auftreiben, denn sie war am Ende chrer Kraft.
In diesem Moment ging die Tür auf, und zwei Sanitäter stellten die Bahre mit einem Schwerverletzten zu Boden. „(Eitriger Beinschuß!" sagte der eine kurz zur Schwester, „Blutvergiftung, hohes Fieber, heute nacht vermutlich Krise!" Und dann hatte die Nacht sie wieder verschluckt.
Sie hinterließen eine kleine Schwester in dem größten Gewissenskonflikt ihres Lebens. Dieser neue Kamerad darf nicht allein gelassen werden! befahl ber Verstand, Schlaf!, Schlaf! bäumte sich ber Körper auf. Aber vielleicht konnte boch Ersatz herbeigeholt werden? „Schwester Jrmingarb! Schwester Jrmingard!" flüsterte bas Mädchen in bie Finsternis. Aber nichts antwortete als das leise Stöhnen ber vom Fieber Gequätten. Die Kollegin schlief längst irgenbwo ben Schlaf bes Gerechten.
Das kleine blonde Mädchen ertastete ein leeres Feldbett und ließ sich darauf nieder. Kühles Linnen lockte. Der Leichtsinn begann zu flüstern. „Der Verwundete braucht dich nicht! Blutvergiftung! Was kannst du da schon helfen? Er wird es allein überstehen. Und du legst dich nieder und schließt ein ganz klein wenig die Augen. Nach sieben Tagen nur ein ganz klein wenig. Nur eine halbe Stunde, nur fünf Minuten!" Es war die schwerste Versuchung ihres Lebens.
Aber bie kleine, tapfere Schwester Monika bestand sie. Sie riß sich noch einmal hoch unb legte bem Schwerverwunbeten bie Hanb auf bie Stirn. Wie er fieberte! Sehen konnte sie nichts. Heißes Mitleib quoll in ihr hoch. Gewiß bangte zu Hause eine Mutter, eine Braut um ben Jungen. Das Leben eines deutschen Kämpfers, eines Kameraden stand auf bem Spiel, was galt da ein bißchen Schlaf; pah!
Unb bas kleine blonbe Mäbchen mit bem Rotkreuz auf bem Arm setzte sich neben ben Stöhnen- ben und begann bie Stirn mit Umschlägen zu kühlen. Dolle sieben Stunben lang, unter übermenschlicher Ueberroinbung ihres eigenen Schwächezustan- bes, bis vier Uhr morgens.
Don diesem Zeitpunkt an wurde der Schwer-
verwundete ruhiger, sein Fieber sank rasch, und er verfiel in einen tiefen und regelmäßigen Schlaf.
Die kleine Schwester Monika aber wurde von ber Erschöpfung übermannt unb schlief reglos auf ihrem kleinen Sesselchen ein unb schlummerte auch noch fest als längst bie golbene Morgensonne durch bie Gkasfencher leuchtete, bie Vögel fangen und bie Leichtverwunbeten flüsternd Witze machten.
Und so traf sie auch ber Stabsarzt bei ber Morgenvisite. „Tapferes kleines Mäbel!" murmelte er und strich ihr ohne sie aufzuwecken eine blonbe Locke aus ber Stirn zurück. Und mit einem Seitenblick auf die Fieberkurve: „Sie hat ihm bas Leben gerettet!" Dann sah er auf bie Namenstafel und erstarrte.
„Sagen Sie", wanbte er sich an den Assistenzarzt, „wie heißt Schwester Monika mit dem Familiennamen?"
,^Hübner."
„Aus Eisenach, wenn ich mich recht entsinne?" „Jawohl!"
Der Stabsarzt blickte nochmals auf die Namenstafel. „Fritz Hübner, Eisenach" stand dort. ,^Jhr Bruder! sagte ber Stabsgrzt erschüttert, unb es war ihm, als ob bas Schicksal ihn mit eiskaltem Hauch anblies. „Na, bie wirb Augen machen, wenn sie aufwacht!" sagte er bann fröhlich unb ging an der kleinen, blonden Schwester Monika vorüber, die lächelnd im Morgenrot schließ
Reisebegleiterin gesucht...
Gastspiel Charlotte Susa.
Das Lustspiel, bas am vergangenen Samstag in unserem Stabttheater aufgeführt würbe, war — Spiel bes Zufalls — vor genau einem Jahr schon einmal gezeigt worben. Dem Lustspiel war also für unsere Stadt ber Reiz ber Neuheit nicht zu eigen, immerhin bewies es Anziehungskraft genug, um bem Stabttheater zu einem vollen Hause zu verhelfen. Die Besucher folgten ber sehr gewandten Aufführung mit aller Aufmerksamkeit. Vor einem Jahre trug Maria Paubler bie weibliche Hauptrolle — biesmal lernte man Charlotte Susa in dieser Rolle kennen, die viel innere unb äußere Haltung, Schlagfertigkeit unb in Teilen auch eine sicher gemimte Trivialität verlangt.
Die Hanblung bes Lustspiels (von Heinz K l i m • m e r) kann in wenigen Worten erzählt werden. Ein Großindustrieller sucht alljährlich für seine Ferienreise und gegen ein Entgelt von 5000 Mark eine Reisebegleiterin auf dem nicht ungewöhnlichen Wege über ein Inserat in der Zeitung. Er findet diese Reisebegleiterin auch. Stoßweise flattern ihm die Angebote auf ben Schreibtisch, viele Offerten lebenslustiger, unbebenklicher ober raffinierter junger Damen. Aber eines Tages bekommt er doch das Gefühl dafür, daß dies nicht die richtige Art ist, bie Ferien zu verbringen. Da bringt ihn sein Freunb auf den Gedanken, doch einmal seine gut aussehende und kluge Sekretärin zu einer solchen Ferienreise einzuladen. Aber diese Sekretärin ist anderer Art. Ihr gelingt es, ihrem Chef eine andere Meinung über Frauen beizubringen, ihn ernsthaft verliebt zu machen, ja, sie vermag es sogar nach scheinbaren Mißerfolgen, den Mann in den Hafen ber Ehe zu lotsen. Das wäre bann das Ende des Lustspiels, und man ist als Zuschauer einigermaßen roh, daß die Geschichte so gut ausgeht.
Die Handlung läßt erkennen, daß es reichlich Stoff zu spitzen Bemerkungen gibt. Es gibt auch manchen Anlaß herzlich zu lachen. Es gibt aber auch manchen Punkt, an dem sich das Lustspiel an der Grenze des guten Geschmacks bewegt. Jedoch die ausgezeichnete Darstellung hilft darüber hinweg.
Charlotte Susa als Sekretärin stand dem sno- bifttschen Generaldirektor mit ben lockeren Auffassungen als das moralische Element gegenüber, dabei sehr repräfentabel, sehr weiblich unb liebenswürdig, sicher in der schwierigen Haltung, in die sie das Stück drängt und virtuos in der Beherrschung ihrer mimischen Mittel. Will Kaufmann zeigte sich als Generaldirektor auftrumpfenb geräuschvoll, betont selbstsicher, um bann doch auch wieder merken zu lassen, daß er weiß, auf welch schwankem Grund sich seine Exttavaganzen bewegen. Carl Heinz Klubertanz, der Freund, hatte es nicht leicht, als beratender, helfender und selbst in bie Sekretärin verliebter Dritter, den Zuschauer in der Komödie abzugeben und gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Er tat es auf feine sympathische Art, bie ihm manchen Augenblickserfolg einbrachte. Unter feiner Regie zeigte sich das kleine Ensemble gut aufemanber ab gestimmt. Es gab herzlichen Beifall. H. L. Neunen


