Montag,ir.August MO
t90. Jahrgang HM89
Gietzener Anzeiger
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Oer deutsche Sieg in der Lustschlacht über Portland.
Oer Kriegshafen in Trümmern. — Anlagen und Oeltanks in Brand. - Zn Luftkämpfen über dem Kanal 89 britische Flugzeuge abgeschossen.
Berlin, 11.Aug. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
heute wurde der englische Kriegshafen p o r f- land von deutschen Kampfverbänden aus der Luft angegriffen. Durch wohlgezielte Bombenabwürfe wurden wichtige Hafenanlagen vernichtet und Oeltanks in Brand gefetzt. Die Instandsetzungswerkstätten der britischen S t a a t s w e r f t und die Tanklager waren ein besonders lohnendes Ziel für die deutschen Bomben. In den Kessel, und Maschinenhäusern wurden starke Explosionen erkannt. In den Tanklagern und qn dem Damm, der die einzige Verbindung vom Festland zu einer Halbinsel darstellt, auf der sich die Tanklager befinden, wurden grohe Feuers- b r ü n st e einwandfrei festgestellt. Unter der Wirkung der deutschen Stuka-Bomben sind die Kaimauern eingestürzt. Der Verlade-pier bei Lastle-Town zeigt gewaltige Sprengtrichter. Lin Teil der Ladeschuppen ist eingestürzl. Andere Schuppen brennen. Von den wenigen im Hafen liegenden Schiffen sind die meisten völlig vernichtet worden. Einige liegen mit Schlagseite im Wasser, andere brennen. Die Wirkung der Bombenangriffe wurde durch deutsche Aufklärer festgestellt, die die Funkmeldungen der Kampf- und Sturzkampf-Flugzeuge im vollen Umfange bestätigten. Von den Flak- Batterien, die die angreifenden deutschen Geschwader abzuwehren versuchten, wurden mehrere zum Schweigen gebracht.
3m Laufe des Angriffes kam es an verschiedenen Stellen im Kanal zu heftigen Luftkämpfen zwischen begleitenden deutschen 3agd- und Zerstörer- Flugzeugen und zahlenmähig überlegenen britischen 3agdformationen. Ls entwickelte sich über Portland und dem angrenzenden Seegebiet bis nach Dover eine Luftschlacht, in welcher 57 britische Flugzeuge abgeschofsen wurden. Lin 3agd- geschwader erzielte mit seinen !Nesserschmitt-3agd- flugzeugen allein 22 Abschüsse bei nur zwei eigenen Verlusten.
Weitere Erfolge erzielten unsere Fliegerverbände bei einem Angriff auf einen Geleitzug ostwärts Harwich. Drei Handelsschiffe mit etwa 17 000 Tonnen wurden versenkt, ein Zerstörer und drei Handelsschiffe durch Volltreffer schwer beschädigt. Bei dieser Gelegenheit schossen unsere 3agd- und Zerstörerverbände 17 feindliche Flugzeuge ab. An anderer Stelle wurden weitere acht feindliche Flugzeuge zum Absturz gebracht. Bei Dover unternahmen unsere Jäger auherdem einen Angriff auf Sperrballone. Von 18 Sperrballonen wurden a ch l vernichtet, sieben britische Jagdflugzeuge dabei abgeschofsen. Die Gesamtverluste des Gegners am heutigen Tage betragen somit 8 9 Flugzeuge, denen 17 eigene Verluste gegenüberstehen.
Während der Luftkämpfe wurde beobachtet, datz zahlreiche kleinere Schiffe sich von der englischen Küste aus bemühten, die Besatzungen der abgeschof- senen britischen Flugzeuge zu retten. Von deutscher Seite waren deutsche Seenotflugzeuge eingesetzt, die deutlich durch ihre Farbe und durch das Rote Kreuz gekennzeichnet sind, wie das Deutsche Nachrichtenbüro erfährt, wurden mehrere deutsche Seenotflugzeuge von zwei Bristol-Blen- Heim-Flugzeugen angegriffen. Lines der unbewaffneten deutschen Seenotflugzeuge wurde abgeschos- fen. Diese völkerrechtswidrige Handlungsweise der britischen Kampfflieger ist um so verabscheuungswürdiger, als die deutschen Seenotflugzeuge nicht nur deutsche, sondern auch englische Flieger zu retten suchten. ♦
Der grandiose deutsche Sieg in der großen Luftschlacht über dem Kanal im Raume zwischen Portland und Dover ist aus zweierlei Gründen von besonderer Bedeutung. Einmal erweist sich die Planmäßigkeit des deutschen Angriffs auf die in weitem Bogen von Nordost und Süd zernierte Jnselfestung England. Zum anderen hat die deutsche Luftwaffe der Welt erneut gezeigt, daß sie in der Pause nach Abschluß der großen Schlachten in Frankreich nicht geruht hat. Mit dem gleichen kühnen Schneid, mit dem auf den Schlachtfeldern Belgiens und Frankreichs deutsche Stuka- und Zerstörer-Verbände nicht nur die horste der feindlichen Luftwaffe zerschmettert und die feindliche Rüstungsindustrie vernichtet, sondern auch im Erdkampf den Truppen des Heeres den Weg durch schwerste Befestigungsanlagen freigemacht haben, mit dem gleichen ungebrochenen Angriffsgeist stürzen sich nun unsere Stuka-Geschwader in ununterbrochen folgenden Wellen auf einen der wichtigsten und exponiertesten britischen Kriegshäfen der Kanalküste, während Jäger- und Zerstörer- Staffeln hoch über den Stukas den Luftraum sicherten.
Portland, ein Name, der durch den hier gebrochenen Kalkstein in der ganzen Welt berühmt ist, liegt dem bretonischen Kriegshafen Cherbourg schräg gegenüber auf einer Nehrung, die sich 15 Kilometer lang in den Kanal hineinzieht, sie endet südlich in dem Vorgebirge Bill of Portland, welches zwei Leuchttürme trägt. Die Reede zwischen der Halbinsel und der Hafenstadt Weymouth ist einer der größten künstlichen Häsen der Welt. Portland ist ein
stark befestigter Kriegshafen, der seiner schon geschilderten Lage nach für die Verteidigung der britischen Insel von allergrößter Bedeutung war. Unter den ernichtenden Schlägen der deutschen Stuka-Geschwader sind nun nach den einwandfreien Feststellungen unserer Aufklärer die großen Hafenanlagen mit Piers, Kais, Speichern und Oeltanks in Trümmer gelegt worden. Nicht besser erging es den wenigen Schiffen, die es noch gewagt hatten, hier zu ankern, denn die fortgesetzten Angriffe deutscher Flugzeuge und Schnellboote haben es der Mehrzahl der britischen Schiffe schon lange geraten erscheinen lassen, sicherere Zufluchtsstätten an der Westküste der Insel aufzusuchen. Von besonderer Bedeutung ist die Zerstörung der wichtigen Reparaturwerkstätten Portlands, denn bei den außerordentlichen Schäden, die die deutsche Luftwaffe den in Geleitzügen über den Atlantik herankommenden britischen Handelsschiffen Tag für Tag zufügt, ist es für die Versorgung Englands mit den notigsten Nahrungsmitteln und Rohstoffen nicht unwesentlich, daß die Möglichkeiten zu
schneller Ueberholung beschädigter Schiffe wiederum beträchtlich verringert sind.
Die Luftschlacht, die sich im Anschluß an den Stukaangriff auf Portland über dem Kanal abgespielt hat, hat die großsprecherischen Phrasen Churchills und seiner Kollegen eindeutig Lügen gestraft. Die deutsche Luftwaffe hat erneut bewiesen, wer in Wahrheit die Überlegenheit in der Luft besitzt. Nicht nur haben sich die deutschen Maschinen hinsichtlich des Materials und der Konstruktion wiederum als die befferen erwiesen, sondern auch Führung und Truppe aller Verbände der deutschen Luftwaffe haben in glänzendem Zusammenwirken erneut gezeigt, welch unwiderstehliche Kraft in ihnen wohnt und zu welchen Taten sie fähig sind, sobald der Führer den Augenblick für ihren Einsatz für gekommen erachtet hält. So ist der deutsche Sieg in der Luftschlacht über dem Kanal, der bisher größten dieses Krieges, iir der Deutsche und Briten die Waffen treusten, erneut Unterpfand für den Glauben an den deutschen"' Endsieg. Dr. Fr. W. L.
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Westliche Humanität am Pranger.
Als Zivilinternierter nach Frankreich verschleppt.
Von unserem E. F.-Korrespondenien.
II.
In der südbelgischen Station A th hatte unser Transportzug in der Nacht zum Pfingstmontag die Aufmerksamkeit deutscher Flieger erregt, da das Bahnpersonal es für notwendig gehalten hatte, den Bahnhof zur Ausbesserung von früheren Schäden zu beleuchten, während unser Zug in der Station hielt. Die belgische militärische Begleitmannschaft hatte sich bei dem Ertönen des Luftalarms in feiger Weise in den Luftschutzkeller zurückgezogen und uns in den verschlossenen Wagen unserem Schicksal überlassen. Der Zug wurde getroffen und ein Wagen zerstört. Wie wir erst viel später erfuhren, waren 28 Internierte die Todesopfer dieses Luftangriffs. Die Opfer wären zu vermeiden gewesen, wenn man den Zug rechtzeitig aus der Station herausgefahren hätte. So hielten wir noch stundenlang auf dem Bahnhof, ohne daß die Soldaten sich im geringsten um das Schicksal der Schwerverletzten kümmerten, deren Wimmern grauenerregend durch die Nacht tönte.
Die körperlichen Mißhandlungen durch das französische Militär, die wir in den beiden zuerst von uns bezogenen Durchgangs» lagern erleiden mußten, begannen schon beim Ausladen in der Station Le Fauga in dem Departement Haute Garonne, etwa fünfzig Kilometer nördlich der Pyrenäen, in der Gegend von Toulouse. Gendarmen kletterten in die Waggons und beförderten einzeln die Internierten durch die halbgeöffneten Türen mit Fußtritten ins Freie, fo daß sie annähernd zwei Meter tief auf die spitzen Schottersteine der bahnsteiglosen Gleisanlagen stürzten und sich vielfach Verletzungen zuzogen. Bei dem etwa viertelstündigen Marsch der Kolonne über holpriges, d-urchnäßtes Wiesengelände nach einer dort befindlichen großen Baracke regnete es Kolbenstöße und Lattenhiebe auf die Internierten. In einzelnen Fällen warfen sich die Gendarmen mit ihrem vollen Körpergewicht gegen die durch den unwürdigen Transport aufs äußerste erschöpften Menschen, um sie in Reih und Glied zu bringen. In der Baracke, wo insgesamt 450 Mann untergebracht wurden, war die Behandlung nicht viel besser. Die hygienischen Verhältnisse waren unter jeder Kritik. In den ersten drei Tagen durfte kein Mensch die fensterlose Halle verlassen. Drei bekannte Mitglieder der Brüsseler deutschen Kolonie, Direktor Albrecht, Severin und Friedrich, erhielten schallende Ohrfeig en von einem Gendarmen, weil sie angeblich „Nazipropaganda" betrieben hätten. Sie waren von einem Juden, der sich neben den
Gendarmen postiert hatte, diesem als deutsche Nationalsozialisten angegeben worden. Die Verpflegung, Brot und dünne Suppen, war in diesem wie in den folgenden Lagern durchaus unzureichend.
Nach zwölftägigem Aufenthatt in Le Fauga wurden wir nach dem Ort Mazöres im Departement Ariege, ebenfalls in der Gegend von Toulouse befördert. Gendarmen und Militär benahmen sich bei diesem Transport noch brutaler, als es bisher schon der Fall gewesen war. Für den kurzen Bahntransport nach der Station Saverdun, der nur wenige Stunden dauerte, waren die gleichen Vorbereitungen wie bei dem Abtransport getroffen, alle Türen und sonstigen Deffnungen in den Waggons hermetisch verschlossen. Bei dem über vierzehn Kilometer Landstraße führenden Marsch von Saverdun nach Mazeres brachen viele Leute zusammen, da alle Internierten durch das Hungerregime stark geschwächt waren und Krankheiten, vor allem die Ruhr, große Verheerungen anrichteten. Die Art, wie das Militär, zumeist ältere Landsturmleute mit Stahlhelm und aufgepflanztem Seitengewehr, uns vor sich hertrieb, übersteigt jede Vorstellung. Wir mußten wie Sträflinge unsere Kopfbedeckung in der Hand tragen, manche, die sich in Belgien selbst den Behörden gestellt hatten, führten schweres Gepäck bei sich, bei einem großen Prozentsatz von uns handelte es sich um ältere Leute bis zu sieben- zig Jahren. Wer am Straßenrand liegenblieb, wurde von unseren Wächtern unter wüstem Ge- schimpf mit Kolben st äßen und Bajonett- stichen vorwärtsgetrieben, mitleidige Kameraden suchten sich seiner anzunehmen.
Die Bevölkerung in den beiden genannten Städtchen verhielt sich sehr feindselig gegen ans; geradezu ekelerregend ging es in den Straßen von Mazeres zu, wo die Soldaten auf Geheiß ihrer Offiziere uns unter lautem Gröhlen wie eine Hammelherde vor sich hertrieben, obwohl sehr viele von uns im Zustand völliger Entkräftung kaum mehr vorwärts konnten. In genau derselben Weise ging es bei dem Rückmarsch zur Station Saverdun sechs Tage später, am 3. Juni, zu.
In der Ziegelei von M a z S r e s , wo sich unser Lager sechs Tage lang befunden hatte, war die Behandlung durch eine Unzahl kleinlichster Schikanen sowie wiederum durch zahllose körperliche Mißhandlungen gekennzeichnet. Das bewachende Militär benutzte vor allem den Gang zum Wasserholen und zum Waschen, welchen wir täglich zu zwei im Hof befindlichen Brunnen machen mußten, zu diesen Schikanen. Längs des etwa 150 Meter betreu
Heimat und Vaterland.
Alfred Rosenberg sprach kürzlich von den Grundlagen des neuen Europa und der Notwendigkeit engerer Verbindung der germanischen Völker. Nach den schicksalsschweren Erfolgen unserer Waffen wird alles, was dem Frieden und der Wohlfahrt Europas bient, leichter zu ordnen fein, als jemals vorher. Das trifft namentlich auch auf die Zukunft des einstigen Reichslandes Elsaß- Lothringen zu, dessen zivile Verwaltung nunmehr von den Reichsstatthaltern Josef B ü r ck e l und Robert Wagner geführt wird. Wir erkennen, daß die Muse der Geschichte nicht nur einen Griffel hat, mit dem sie für ewig alles wichtige in ihr Buch einträgt, sondern auch einen Schwamm, der — manchmal tief in Blut getaucht — vieles hinwegwischt, was schädlich war.
Was war es vor dem Weltkrieg, das trotz ihres grunddeutschen Volkstums die alemannischen Elsässer dauernd von allen anderen deutschen Stämmen fernhielt? Das sie zu Menschen machte, die grundsätzlich Protestler wurden? Was bewog sie, 200 Jahre hindurch, nachdem Straßburg mitten im Frieden von den Franzosen geraubt worden war, ihre deutsche Sprache, deutsche Sitten, die deutsche Predigt und deutsche Kirchenlieder ganz selbstverständlich zu bewahren und dann sofort nach ihrem politischen Anschluß an das neue deutsche Reich französisch zu parlieren? Vielleicht trifft der Führer auch hier das Richtige, wenn er einmal erklärte, daß gerade Halbheiten bei politischen Maßnahmen Regierungen und Parlamente zu fehlerhaften Entschlüssen geführt hätten: „Halb war die Lösung der elsaß-lothringischen Frage. Statt mit brutaler Faust einmal für immer der französischen Hydra den Kopf zu zermalmen, dem Elsässer aber dann gleiche Rechte zuzubilligen, tat man keines von beiden." Die Entwicklung hat bewiesen, daß selbst die Verleihung völliger Autonomie die Elsaß-Lothringer nicht zufnedenstellen konnte und die Unzufriedenheit bis zum Weltkriege stetig gewachsen war.
Aber wie die ganze Protestlerei war vieles tm Reichstage künstlich „aufgemacht". Alle Reichs- tagsabgeorbneten bes Landes waren und blieben bis auf wenige Ausnahmen Protestler und Reichs- feinbe aus Grundsatz. Ihr Einfluß wuchs mit der Größe ihrer Parteien, da die meisten sich dem Zentrum angeschlossen hatten oder der Sozialdemo-
genben Weges einschließlich der Treppen und dunklen Gänge in dem Gebäude waren in Abständen von je 5 Meter Soldaten ausgestellt, die uns unter ständigem Gröhlen zwangen, den ganzen Weg im Laufschritt zurückzulegen. Wer nach der Ansicht der Soldaten nicht schnell genug lief, wurde mit Fußtritten, Kolbenstößen und Lattenhieben bearbeitet. Bei der ebenfalls im Laufschritt erfolgenden Rückkehr in das Gebäude verlor man meist den größten Teil bes Wassers aus den Blechgefäßen, die gleichzeitig auch zum Essen dienten und meist nichts anderes waren als notdürftig zurechtgemachte alte Konservenbüchsen. Unsere Peiniger brachen hierüber in schallendes Gelächter aus. Das übelste Subjekt unter diesen Wächtern war ein degenerierter Mischling, meist kurzerhand als „Marokkaner" bezeichnet, ein Unteroffizier, der ständig wie ein aufgeregter Jagdhund um uns herum war und mit einer langen Holzlatte um sich herurnfuch- telte. Bei einer Besichtigung der Ziegelei durch mehrere Offiziere hatte er ohne die geringste Veranlassung einem der Angetretenen einen wuchtigen Stoß mit dem Gewehrkolben in die Bauchgegend versetzt, so daß der Unglückliche laut wimmernd ohnmächtig zusammenbrach. Keiner der Offiziere nahm von diesem Vorfall auch nur die geringste Notiz.
Leidenszug deutscher Siedler.
Mit der Peitsche durch die Wüste getrieben.
Mailand, 10. Aug. (Europapreß.) Nach einer tragischen Odyssee sind jetzt in Ventimiglia an der italienischen Riviera-Grenze einige deutsche Siedler aus Kamerun und Deutsche Ostafrika (Tanganjika) eingetroffen. Einer von ihnen, Dr. Erich Knöchel, der aus Kamerun kam, hat der „Gazzetta del Popolo" die Leiden geschildert, die die Zurückgekehrten in der französischen Gefangenschaft durchmachen mußten. Bereits in den ersten Kriegstagen seien alle deutschen Siedler in Kamerun und Tanganjika verhaftet und ohne Unterschied des Geschlechts oder des Alters in Konzentrationslager gebracht worden. Besonders solche, die sich unter den Eingeborenen großer Beliebtheit erfreut hätten, seien als gefährlich nach Frankreich über» g e fü-h rt worden. Eine Gruppe von elf Personen sei unter starker Bewachung durch die Wüste nach Algier geschafft worden. Unterwegs hätte sie unter der Gluthitze furchtbar zu leiben gehabt. Der Karawanenleiter, ein französischer Hauptmann, habe sich besonders grausam gezeigt. Oft habe er diejenigen, die auf dem Marsche zurückblieben, mit Peitschenhieben vorwärtsgetrieben. In jämmerlichem Zustand seien die Gefangenen in Algier angekommen.
Die Ueberfahrt von dort nach Marseille sei im Laderaum eines Frachtdampfers erfolgt. In Frankreich fei die Behandlung keineswegs besser geworden. Die Gefangenen seien in kleine unterirdische Gefängniszellen gepfercht worben, in denen sie nur abwechslungsweise hätten schlafen können. Monatelang habe die Nahrung in 100 Gramm Brot und einem halben Krug lauwarmen Wassers täglich bestanden. Bei Fliegeralarm seien sie -in' den Luftschutzräumen den Anpöbelungen der Bevölkerung ausgesetzt gewesen, ohne daß die Polizei hiergegen eingeschritten sei. Irgendeine Verbindung mit der Außenwelt sei den Gefangenen nicht gestattet gewesen. Von dem Gang der Kriegsereignisse hätten sie nichts erfahren. Eines Abends feien sie dann zum Bahnhof geführt und in einen Eisenbahnwagen gesteckt worden, in dem sie nachMen « tone gebracht worden seien.


