Einzelbild herunterladen

Montag,ir.August MO

t90. Jahrgang HM89

Gietzener Anzeiger

vrühlsche Unioerfttatsbruderei R. Lange General-Anzeiger für Oberhessen * 6ie6en^S*uIftra6eZ-9

Annahme von Ameisen für die Mittagsnummer bis 8'/,Ubr desBormittags

Anseigen-Preise:

Anzeigenteil 7 Rvf. je mm bei 22 mm Zeilenbreite, Wertteil 50 Rvf. je mm bei 70 mm Zeilenbreite

Nachlässe:

Wiederholung Malstaffell Abschlüsse Mengenstaffel B Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25n/o mehr

Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat imBild-DieScholle Monats-Bezugsvreis:

Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte 1.80 Zustellgebühr... -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsvrechanschlutz 2251 Drahtanschrift-Anzeiger" Postscheck 11686 Franks M.

Oer deutsche Sieg in der Lustschlacht über Portland.

Oer Kriegshafen in Trümmern. Anlagen und Oeltanks in Brand. - Zn Luftkämpfen über dem Kanal 89 britische Flugzeuge abgeschossen.

Berlin, 11.Aug. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

heute wurde der englische Kriegshafen p o r f- land von deutschen Kampfverbänden aus der Luft angegriffen. Durch wohlgezielte Bombenabwürfe wurden wichtige Hafenanlagen vernichtet und Oeltanks in Brand gefetzt. Die Instand­setzungswerkstätten der britischen S t a a t s w e r f t und die Tanklager waren ein besonders loh­nendes Ziel für die deutschen Bomben. In den Kessel, und Maschinenhäusern wurden starke Explosionen erkannt. In den Tanklagern und qn dem Damm, der die einzige Verbindung vom Festland zu einer Halbinsel darstellt, auf der sich die Tanklager befinden, wurden grohe Feuers- b r ü n st e einwandfrei festgestellt. Unter der Wir­kung der deutschen Stuka-Bomben sind die Kai­mauern eingestürzt. Der Verlade-pier bei Lastle-Town zeigt gewaltige Sprengtrichter. Lin Teil der Ladeschuppen ist eingestürzl. Andere Schup­pen brennen. Von den wenigen im Hafen liegenden Schiffen sind die meisten völlig vernichtet worden. Einige liegen mit Schlagseite im Wasser, andere brennen. Die Wirkung der Bombenangriffe wurde durch deutsche Aufklärer festgestellt, die die Funkmeldungen der Kampf- und Sturzkampf-Flug­zeuge im vollen Umfange bestätigten. Von den Flak- Batterien, die die angreifenden deutschen Geschwader abzuwehren versuchten, wurden mehrere zum Schweigen gebracht.

3m Laufe des Angriffes kam es an verschiedenen Stellen im Kanal zu heftigen Luftkämpfen zwischen begleitenden deutschen 3agd- und Zerstörer- Flugzeugen und zahlenmähig überlegenen britischen 3agdformationen. Ls entwickelte sich über Portland und dem angrenzenden Seegebiet bis nach Dover eine Luftschlacht, in welcher 57 britische Flug­zeuge abgeschofsen wurden. Lin 3agd- geschwader erzielte mit seinen !Nesserschmitt-3agd- flugzeugen allein 22 Abschüsse bei nur zwei eigenen Verlusten.

Weitere Erfolge erzielten unsere Fliegerverbände bei einem Angriff auf einen Geleitzug ostwärts Harwich. Drei Handelsschiffe mit etwa 17 000 Tonnen wurden versenkt, ein Zer­störer und drei Handelsschiffe durch Volltreffer schwer beschädigt. Bei dieser Gelegenheit schossen unsere 3agd- und Zerstörerverbände 17 feindliche Flugzeuge ab. An anderer Stelle wurden weitere acht feindliche Flugzeuge zum Absturz gebracht. Bei Dover unternahmen unsere Jäger auherdem einen Angriff auf Sperr­ballone. Von 18 Sperrballonen wurden a ch l vernichtet, sieben britische Jagdflugzeuge dabei abgeschofsen. Die Gesamtverluste des Gegners am heutigen Tage betragen somit 8 9 Flugzeuge, denen 17 eigene Verluste gegen­überstehen.

Während der Luftkämpfe wurde beobachtet, datz zahlreiche kleinere Schiffe sich von der englischen Küste aus bemühten, die Besatzungen der abgeschof- senen britischen Flugzeuge zu retten. Von deutscher Seite waren deutsche Seenotflugzeuge eingesetzt, die deutlich durch ihre Farbe und durch das Rote Kreuz gekennzeichnet sind, wie das Deut­sche Nachrichtenbüro erfährt, wurden mehrere deutsche Seenotflugzeuge von zwei Bristol-Blen- Heim-Flugzeugen angegriffen. Lines der unbewaff­neten deutschen Seenotflugzeuge wurde abgeschos- fen. Diese völkerrechtswidrige Handlungsweise der britischen Kampfflieger ist um so verabscheuungs­würdiger, als die deutschen Seenotflugzeuge nicht nur deutsche, sondern auch englische Flieger zu ret­ten suchten.

Der grandiose deutsche Sieg in der großen Luft­schlacht über dem Kanal im Raume zwischen Port­land und Dover ist aus zweierlei Gründen von be­sonderer Bedeutung. Einmal erweist sich die Plan­mäßigkeit des deutschen Angriffs auf die in weitem Bogen von Nordost und Süd zernierte Jnselfestung England. Zum anderen hat die deutsche Luftwaffe der Welt erneut gezeigt, daß sie in der Pause nach Abschluß der großen Schlachten in Frankreich nicht geruht hat. Mit dem gleichen kühnen Schneid, mit dem auf den Schlachtfeldern Belgiens und Frank­reichs deutsche Stuka- und Zerstörer-Verbände nicht nur die horste der feindlichen Luftwaffe zerschmet­tert und die feindliche Rüstungsindustrie vernichtet, sondern auch im Erdkampf den Truppen des Heeres den Weg durch schwerste Befestigungsanlagen frei­gemacht haben, mit dem gleichen ungebrochenen An­griffsgeist stürzen sich nun unsere Stuka-Geschwader in ununterbrochen folgenden Wellen auf einen der wichtigsten und exponiertesten britischen Kriegshäfen der Kanalküste, während Jäger- und Zerstörer- Staffeln hoch über den Stukas den Luftraum sicherten.

Portland, ein Name, der durch den hier gebroche­nen Kalkstein in der ganzen Welt berühmt ist, liegt dem bretonischen Kriegshafen Cherbourg schräg gegenüber auf einer Nehrung, die sich 15 Kilometer lang in den Kanal hineinzieht, sie endet südlich in dem Vorgebirge Bill of Portland, welches zwei Leuchttürme trägt. Die Reede zwischen der Halbinsel und der Hafenstadt Weymouth ist einer der größ­ten künstlichen Häsen der Welt. Portland ist ein

stark befestigter Kriegshafen, der seiner schon geschil­derten Lage nach für die Verteidigung der britischen Insel von allergrößter Bedeutung war. Unter den ernichtenden Schlägen der deutschen Stuka-Geschwa­der sind nun nach den einwandfreien Feststellungen unserer Aufklärer die großen Hafenanlagen mit Piers, Kais, Speichern und Oeltanks in Trümmer gelegt worden. Nicht besser erging es den wenigen Schiffen, die es noch gewagt hatten, hier zu ankern, denn die fortgesetzten Angriffe deutscher Flugzeuge und Schnellboote haben es der Mehrzahl der briti­schen Schiffe schon lange geraten erscheinen lassen, sicherere Zufluchtsstätten an der Westküste der Insel aufzusuchen. Von besonderer Bedeutung ist die Zer­störung der wichtigen Reparaturwerkstätten Port­lands, denn bei den außerordentlichen Schäden, die die deutsche Luftwaffe den in Geleitzügen über den Atlantik herankommenden britischen Handelsschiffen Tag für Tag zufügt, ist es für die Versorgung Eng­lands mit den notigsten Nahrungsmitteln und Roh­stoffen nicht unwesentlich, daß die Möglichkeiten zu

schneller Ueberholung beschädigter Schiffe wiederum beträchtlich verringert sind.

Die Luftschlacht, die sich im Anschluß an den Stukaangriff auf Portland über dem Kanal abge­spielt hat, hat die großsprecherischen Phrasen Chur­chills und seiner Kollegen eindeutig Lügen gestraft. Die deutsche Luftwaffe hat erneut bewiesen, wer in Wahrheit die Überlegenheit in der Luft besitzt. Nicht nur haben sich die deutschen Maschinen hin­sichtlich des Materials und der Konstruktion wieder­um als die befferen erwiesen, sondern auch Führung und Truppe aller Verbände der deutschen Luftwaffe haben in glänzendem Zusammenwirken erneut ge­zeigt, welch unwiderstehliche Kraft in ihnen wohnt und zu welchen Taten sie fähig sind, sobald der Führer den Augenblick für ihren Einsatz für gekom­men erachtet hält. So ist der deutsche Sieg in der Luftschlacht über dem Kanal, der bisher größten dieses Krieges, iir der Deutsche und Briten die Waffen treusten, erneut Unterpfand für den Glau­ben an den deutschen"' Endsieg. Dr. Fr. W. L.

rlmsby"

* or.Tdrmcuui. \ Lowestoft [KirKley----

hington

:elixto>ve--------

[Oxford

ftmbroke

ieern&.

. Ejsom

Aldershot lonbridqe [)0^r_______kircheö»

^akley.

<--Bruton ? widerst

^Omtable yeovil. Southampton

Exeter.

lourg

JERSEY

'ßouloqne pferch

»Dorchester

Wytm«

Bfidlinqtßn . Bearley _

Plymouth

N A0MD\ BBISJOI totS/ ÜindsorX

Carnet

Grananl

i>Bua=sn

IRLAND --

\ \ WitNow.

ö-

HEHNESEY-aZZZ

Carmarthen

------StJust

1 ~~~ r /

ZgSciHy 10.

^rtsrnoüf/r^' 'Newport

, ,r-

^TCaernarvon ,.)Lfave* .Audley Nottmghm

Oerby*^1'

^^^Barmorth 2^ Stamford ^^'Lvnn ^orw'C^y^^

JShre*. BIRMINGHAM l Ohs

I /w Cambridge

Judfinghatn

Hitchin'- "(HaÄ

, ' TT _ ----- Laritätter

IRISCHE

-------------------BlackburnHuddenh

r Leyla nd LIVEßPOOlMANCHESTER S

Swansea

Cardiff

/ Abbeville

Dieppe a\\

Le Havre

^A=^NJexfordr Waterfonht. *

Westliche Humanität am Pranger.

Als Zivilinternierter nach Frankreich verschleppt.

Von unserem E. F.-Korrespondenien.

II.

In der südbelgischen Station A th hatte unser Transportzug in der Nacht zum Pfingstmontag die Aufmerksamkeit deutscher Flieger erregt, da das Bahnpersonal es für notwendig gehalten hatte, den Bahnhof zur Ausbesserung von früheren Schäden zu beleuchten, während unser Zug in der Station hielt. Die belgische militärische Begleitmannschaft hatte sich bei dem Ertönen des Luftalarms in feiger Weise in den Luftschutzkeller zurückgezogen und uns in den verschlossenen Wagen unserem Schicksal überlassen. Der Zug wurde getroffen und ein Wagen zerstört. Wie wir erst viel später erfuhren, waren 28 Internierte die Todesopfer dieses Luft­angriffs. Die Opfer wären zu vermeiden gewesen, wenn man den Zug rechtzeitig aus der Station herausgefahren hätte. So hielten wir noch stunden­lang auf dem Bahnhof, ohne daß die Soldaten sich im geringsten um das Schicksal der Schwerverletzten kümmerten, deren Wimmern grauenerregend durch die Nacht tönte.

Die körperlichen Mißhandlungen durch das französische Militär, die wir in den bei­den zuerst von uns bezogenen Durchgangs» lagern erleiden mußten, begannen schon beim Ausladen in der Station Le Fauga in dem De­partement Haute Garonne, etwa fünfzig Kilometer nördlich der Pyrenäen, in der Gegend von Tou­louse. Gendarmen kletterten in die Waggons und beförderten einzeln die Internierten durch die halb­geöffneten Türen mit Fußtritten ins Freie, fo daß sie annähernd zwei Meter tief auf die spitzen Schot­tersteine der bahnsteiglosen Gleisanlagen stürzten und sich vielfach Verletzungen zuzogen. Bei dem etwa viertelstündigen Marsch der Kolonne über hol­priges, d-urchnäßtes Wiesengelände nach einer dort befindlichen großen Baracke regnete es Kolbenstöße und Lattenhiebe auf die Internierten. In einzelnen Fällen warfen sich die Gendarmen mit ihrem vollen Körpergewicht gegen die durch den unwürdigen Transport aufs äußerste erschöpften Menschen, um sie in Reih und Glied zu bringen. In der Baracke, wo insgesamt 450 Mann untergebracht wurden, war die Behandlung nicht viel besser. Die hygie­nischen Verhältnisse waren unter jeder Kritik. In den ersten drei Tagen durfte kein Mensch die fen­sterlose Halle verlassen. Drei bekannte Mitglieder der Brüsseler deutschen Kolonie, Direktor Albrecht, Severin und Friedrich, erhielten schal­lende Ohrfeig en von einem Gendarmen, weil sie angeblichNazipropaganda" betrieben hätten. Sie waren von einem Juden, der sich neben den

Gendarmen postiert hatte, diesem als deutsche Na­tionalsozialisten angegeben worden. Die Verpfle­gung, Brot und dünne Suppen, war in diesem wie in den folgenden Lagern durchaus unzureichend.

Nach zwölftägigem Aufenthatt in Le Fauga wur­den wir nach dem Ort Mazöres im Departe­ment Ariege, ebenfalls in der Gegend von Tou­louse befördert. Gendarmen und Militär benahmen sich bei diesem Transport noch brutaler, als es bis­her schon der Fall gewesen war. Für den kurzen Bahntransport nach der Station Saverdun, der nur wenige Stunden dauerte, waren die gleichen Vor­bereitungen wie bei dem Abtransport getroffen, alle Türen und sonstigen Deffnungen in den Wag­gons hermetisch verschlossen. Bei dem über vierzehn Kilometer Landstraße führenden Marsch von Saver­dun nach Mazeres brachen viele Leute zusammen, da alle Internierten durch das Hungerregime stark geschwächt waren und Krankheiten, vor allem die Ruhr, große Verheerungen anrichteten. Die Art, wie das Militär, zumeist ältere Landsturmleute mit Stahlhelm und aufgepflanztem Seitengewehr, uns vor sich hertrieb, übersteigt jede Vorstellung. Wir mußten wie Sträflinge unsere Kopfbedeckung in der Hand tragen, manche, die sich in Belgien selbst den Behörden gestellt hatten, führten schweres Gepäck bei sich, bei einem großen Prozentsatz von uns handelte es sich um ältere Leute bis zu sieben- zig Jahren. Wer am Straßenrand liegenblieb, wurde von unseren Wächtern unter wüstem Ge- schimpf mit Kolben st äßen und Bajonett- stichen vorwärtsgetrieben, mitleidige Kameraden suchten sich seiner anzunehmen.

Die Bevölkerung in den beiden genannten Städtchen verhielt sich sehr feindselig gegen ans; geradezu ekelerregend ging es in den Stra­ßen von Mazeres zu, wo die Soldaten auf Geheiß ihrer Offiziere uns unter lautem Gröhlen wie eine Hammelherde vor sich hertrieben, obwohl sehr viele von uns im Zustand völliger Entkräftung kaum mehr vorwärts konnten. In genau derselben Weise ging es bei dem Rückmarsch zur Station Saver­dun sechs Tage später, am 3. Juni, zu.

In der Ziegelei von M a z S r e s , wo sich unser Lager sechs Tage lang befunden hatte, war die Be­handlung durch eine Unzahl kleinlichster Schikanen sowie wiederum durch zahllose körperliche Miß­handlungen gekennzeichnet. Das bewachende Mili­tär benutzte vor allem den Gang zum Wasserholen und zum Waschen, welchen wir täglich zu zwei im Hof befindlichen Brunnen machen mußten, zu die­sen Schikanen. Längs des etwa 150 Meter betreu

Heimat und Vaterland.

Alfred Rosenberg sprach kürzlich von den Grundlagen des neuen Europa und der Notwen­digkeit engerer Verbindung der germanischen Völ­ker. Nach den schicksalsschweren Erfolgen unserer Waffen wird alles, was dem Frieden und der Wohlfahrt Europas bient, leichter zu ordnen fein, als jemals vorher. Das trifft namentlich auch auf die Zukunft des einstigen Reichslandes Elsaß- Lothringen zu, dessen zivile Verwaltung nun­mehr von den Reichsstatthaltern Josef B ü r ck e l und Robert Wagner geführt wird. Wir erken­nen, daß die Muse der Geschichte nicht nur einen Griffel hat, mit dem sie für ewig alles wichtige in ihr Buch einträgt, sondern auch einen Schwamm, der manchmal tief in Blut getaucht vieles hinwegwischt, was schädlich war.

Was war es vor dem Weltkrieg, das trotz ihres grunddeutschen Volkstums die alemannischen El­sässer dauernd von allen anderen deutschen Stäm­men fernhielt? Das sie zu Menschen machte, die grundsätzlich Protestler wurden? Was bewog sie, 200 Jahre hindurch, nachdem Straßburg mitten im Frieden von den Franzosen geraubt worden war, ihre deutsche Sprache, deutsche Sitten, die deutsche Predigt und deutsche Kirchenlieder ganz selbstverständlich zu bewahren und dann sofort nach ihrem politischen Anschluß an das neue deutsche Reich französisch zu parlieren? Vielleicht trifft der Führer auch hier das Richtige, wenn er einmal er­klärte, daß gerade Halbheiten bei politischen Maßnahmen Regierungen und Parlamente zu feh­lerhaften Entschlüssen geführt hätten:Halb war die Lösung der elsaß-lothringischen Frage. Statt mit brutaler Faust einmal für immer der franzö­sischen Hydra den Kopf zu zermalmen, dem Elsäs­ser aber dann gleiche Rechte zuzubilligen, tat man keines von beiden." Die Entwicklung hat bewiesen, daß selbst die Verleihung völliger Autonomie die Elsaß-Lothringer nicht zufnedenstellen konnte und die Unzufriedenheit bis zum Weltkriege stetig ge­wachsen war.

Aber wie die ganze Protestlerei war vieles tm Reichstage künstlichaufgemacht". Alle Reichs- tagsabgeorbneten bes Landes waren und blieben bis auf wenige Ausnahmen Protestler und Reichs- feinbe aus Grundsatz. Ihr Einfluß wuchs mit der Größe ihrer Parteien, da die meisten sich dem Zen­trum angeschlossen hatten oder der Sozialdemo-

genben Weges einschließlich der Treppen und dunk­len Gänge in dem Gebäude waren in Abständen von je 5 Meter Soldaten ausgestellt, die uns unter ständigem Gröhlen zwangen, den ganzen Weg im Laufschritt zurückzulegen. Wer nach der An­sicht der Soldaten nicht schnell genug lief, wurde mit Fußtritten, Kolbenstößen und Lattenhieben be­arbeitet. Bei der ebenfalls im Laufschritt erfolgen­den Rückkehr in das Gebäude verlor man meist den größten Teil bes Wassers aus den Blechgefäßen, die gleichzeitig auch zum Essen dienten und meist nichts anderes waren als notdürftig zurechtge­machte alte Konservenbüchsen. Unsere Peiniger bra­chen hierüber in schallendes Gelächter aus. Das übelste Subjekt unter diesen Wächtern war ein de­generierter Mischling, meist kurzerhand alsMa­rokkaner" bezeichnet, ein Unteroffizier, der ständig wie ein aufgeregter Jagdhund um uns herum war und mit einer langen Holzlatte um sich herurnfuch- telte. Bei einer Besichtigung der Ziegelei durch mehrere Offiziere hatte er ohne die geringste Ver­anlassung einem der Angetretenen einen wuchtigen Stoß mit dem Gewehrkolben in die Bauchgegend versetzt, so daß der Unglückliche laut wimmernd ohnmächtig zusammenbrach. Keiner der Offiziere nahm von diesem Vorfall auch nur die geringste Notiz.

Leidenszug deutscher Siedler.

Mit der Peitsche durch die Wüste getrieben.

Mailand, 10. Aug. (Europapreß.) Nach einer tragischen Odyssee sind jetzt in Ventimiglia an der italienischen Riviera-Grenze einige deutsche Siedler aus Kamerun und Deutsche Ostafrika (Tanganjika) eingetroffen. Einer von ihnen, Dr. Erich Knöchel, der aus Kamerun kam, hat derGazzetta del Popolo" die Leiden ge­schildert, die die Zurückgekehrten in der franzö­sischen Gefangenschaft durchmachen muß­ten. Bereits in den ersten Kriegstagen seien alle deutschen Siedler in Kamerun und Tanganjika ver­haftet und ohne Unterschied des Geschlechts oder des Alters in Konzentrationslager ge­bracht worden. Besonders solche, die sich unter den Eingeborenen großer Beliebtheit erfreut hätten, seien als gefährlich nach Frankreich über» g e-h rt worden. Eine Gruppe von elf Personen sei unter starker Bewachung durch die Wüste nach Algier geschafft worden. Unterwegs hätte sie unter der Gluthitze furchtbar zu leiben gehabt. Der Karawanenleiter, ein französischer Hauptmann, habe sich besonders grausam gezeigt. Oft habe er diejenigen, die auf dem Marsche zurückblieben, mit Peitschenhieben vorwärtsgetrie­ben. In jämmerlichem Zustand seien die Gefange­nen in Algier angekommen.

Die Ueberfahrt von dort nach Marseille sei im Laderaum eines Frachtdampfers erfolgt. In Frank­reich fei die Behandlung keineswegs besser gewor­den. Die Gefangenen seien in kleine unter­irdische Gefängniszellen gepfercht wor­ben, in denen sie nur abwechslungsweise hätten schlafen können. Monatelang habe die Nahrung in 100 Gramm Brot und einem halben Krug lau­warmen Wassers täglich bestanden. Bei Fliegeralarm seien sie -in' den Luftschutzräumen den Anpöbelungen der Bevölkerung ausgesetzt gewesen, ohne daß die Polizei hiergegen eingeschritten sei. Irgendeine Ver­bindung mit der Außenwelt sei den Gefangenen nicht gestattet gewesen. Von dem Gang der Kriegsereig­nisse hätten sie nichts erfahren. Eines Abends feien sie dann zum Bahnhof geführt und in einen Eisen­bahnwagen gesteckt worden, in dem sie nachMen « tone gebracht worden seien.