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AG.-Krauenschaststagung in Gießen.

Eine eindrucksvolle Morgenfeier in der Aula.

GL. Am gestrigen Mittwoch fand in der Aula der Universität zu Gießen ein Amtswalterinnen­appell der NS. - Frauenschaft des Krei­ses Wetterau statt. Die Feierstunde am Mor­gen wurde von einem Teil des Spielkreises mit einem Musikstücke für Klavier und Violinen von Corelli eröffnet. Der Singchor sang Lieder der Be­wegung und sprach Worte des Führers.

Frau W r e d e, die Kreisleiterin der NS.-Frauen- lchast, begrüßte die Gäste uni) die Frauen. Hieraus sprach

Kreisleiter Backhaus.

Er führte aus, daß es notwendig war, die Frauen einmal alle zusammenzurufen. Das neue Deutsch­land habe versucht, alle Deutschen zu einer Schick­salsgemeinschaft zusammenzufassen. In der Kürze der Zeit sei es vielleicht noch nicht ganz gelungen, es müsse aber stets in diesem Sinne weitergearbei- tet werden. Ein kurzer Bericht beleuchtete die gelei­stete Arbeit der ersten Kriegsmonate. Sodann sprach er den Frauen Dank aus für die mit großem Idea­lismus auf allen Gebieten geleistet« Arbeit. Er ging dann zur Zukunft über, die sich aus der Ver­gangenheit ergibt und daraus, daß alle Bemühun- gen des Führers um ein« friedliche Lösung der für Deutschland unerläßlich wichtigen Lebensfragen ge­scheitert seien.

Neber verschiedene außenpolitische Gesichtspunkte kam der Redner aus die Fragen des Ostens zu sprechen, die Vorgeschichte, die Kämpfe, die Deutsch­land immer schon in den ostischen Ländern zu füh­ren hatte, kriegerischer und kultureller Art, und die ungeheuer weitsichtigen, der deutschen Eigenart durchaus entsprechenden Pläne des Führers in dem wiedergewonnenen Gebiet. So könnten wir getrost, wohlbewuht des Ernstes unserer Lage im fetten Vertrauen auf den Führer in das Jahr 1940 hin- einaehen. Niemals mehr solle die Heimat versagen, dafür tragen wir alle die Verantwortung. Wir könnten uns fest auf unser Heer, unsere Flotte und unsere Luftwaffe verlassen, sie aber sollten sich aus die Heimat verlassen können.

Der Kreisleiter schloß mit den Worten: So bitte ich Sie, meine Mitarbeiterinnen, wie Sie es in den letzten Jahren getan haben, tun Sie auch in Zu­kunst ihre PflicH an dem Platz, an den Sie gestellt sind.

Oie Gaufrauenschastsleiterin Frau Westernacher

sprach dann zu den Frauen. Wir haben uns zu­sammengefunden in einer großen, ernsten Zeit. Manchmal müssen meine Frauen und meine Mit­arbeiterinnen mit mir in Verbindung treten, damit sie sehen, daß wir im Gau mit ihnen in innerer Verbundenheit arbeiten. Es ist nötig, daß wir mehr voneinander wissen. Der Führer sagte:Wir kapitu­lieren nie, komme was kommen mag." Dieser Appell ist auch an die Frauen gerichtet. Auf unsere Frauen kommt es an. Wir sind die innere Front, die steht und die niemals kapituliert. Wir sind verantwort­lich für die Haltung der deutschen Frau. Wir müssen vorbildlich fein. So ist unsere Verantwortung un­geheuer. Wir müssen uns diese Verantwortung immer vor Augen halten, die wir als Führerinnen besonders stark empfinden müssen. Immer war die deutsche Frau die Kameradin des Mannes, die Frau der Germanen ging schon in frühester Zeit lieber in den Tod, als in die Knechtschaft. Aber noch niemals war die Frau zu solch' einer Einheit zusammenge­schlossen, wie wir sie jetzt vor uns sehen. Heute stehen wir einer Organisation der Fran gegenüber, die einmalig in der Welt ist.

Die Gaufrauenschaftsleiterin gab dann einen kur­zen Ueberblick über den Anfang der nationalsozia­listischen Frauenbewegung und sagte u. a., daß die Organisation der Frau kein leichter Weg war und auf viele Hindernisse, auch von selten des Mannes, stieß. Aber der Aufstieg ging dann doch Seite an Seite mit dem Manne. Aber die Frau trat ihren Weg an mit dem vollen Verantwortungsgefühl für die Sache und mit dem Bewußtsein: Hilf« tut not!

Man wurde sich bewußt, daß für die Frau nicht nur die kleine Häuslichkeit wichtig ist, sondern die Fühlungnahme mit der Volkswirtschaft des gesamten Volkes. Die Frauen wußten vorher nicht mehr, was es heißt: wirklich deutsche Frau sein. Opferbereit­schaft und Einsatzbereitschaft sei das erste Gebot für die deutsche Frau. Ein Volk, wie das deutsche, muß leben, und diesem Volk soll die Frau dienen mit ihrem ganzen Einsatz. Langsam haben diese Gedan­ken bei der deutschen Frau Wurzel gefaßt, und jetzt steht eine Unzahl von Frauen in der Arbeit. In den Septembertagen wurde die Probe auf die Arbeit dieser Frauen gestellt. Stolz und glücklich ist der Gau Hessen-Nassau, denn seine Frauen haben be­griffen, um was es geht. 85 000 Frauen stehen frei­willig in der Arbeit. Sie haben den Ruf des Füh­rers verstanden. Man braucht ihre Hände, ihr« gütigen Herzen, ihre Hilfe.

Di« GaufraueUschaftsleiterin sprach den Frauen ihren Dank aus, betonte aber sofort, daß wir ja nicht um Dank arbeiten, sondern aus dem Gefühl der Verantwortung und innerer Selbstverständlich­keit. Wir tun es, weil wir wissen, daß wir nicht anders können. Unser Dank ist das Werb.

Die Arbeit, die vor uns liegt, erfordert den gan­zen Menschen. Wir dürfen sie niemals alsnebenbei zu tun" auffassen, sondern als eine Ehre, daß wir sie tun dürfen. Wir müssen uns immer vor Augen halten, daß wir Menschen zu führen haben im Änne des Führers, und müssen uns immer der Wichtigkeit und Heiligkeit unseres Eides bewußt fein. In tiefer Eindringlichkeit sprach die Gaufrauenschafts­leiterin weiter von der Verantwortung und dem vollen Einsatz bei der Arbeit. Sie ging dann über zu der Wichtigkeit der Arbeit der Zell- und Mock- frauen, da sie ja die größte Fühlungnahme mit dem Volke haben. Sie müßten sich als Mütter und seelische Betreuerinnen ihrer Zelle und ihres Blök- kes fühlen. So besprach sie die Arbeit jeder einzel-

Jm Zusammenhang mit der Wiedereröffnung der Universität Gießen hat auch das Studentenwerk Meßen (Dienststelle des Reichsstudentenwerks) auf allen seinen Arbeitsgebieten seine Tätigkeit wieder aufgenommen. Als einzige Stelle, der als staat­licher und politischer Auftrag die Betreuung der deutschen Hoch- und Fachschuljugend obliegt, hat es nunmehr feit 10 Jahren im Studentenhaus am Leihgesterner Weg gewirkt, das allen Bedürfnissen seiner weitreichenden Aufgaben entsprechend, in ge­meinsamer Hilfeleistung von Reich, Ländern, Krei­sen, Stadt und sonstigen Förderern in den Jahren 1928 bis 1930 errichtet worden war. Dieses Haus wurde für die Dauer des Krieges zur ander­weitigen Benutzung zur Verfügung gestellt, und das Studenten werk war veranlaßt, mit seinen Be­trieben in eilten Teil des Hauses Sonnenftraße 19 (Gesellschaftsverein) umzuziehen. Dom 10. Januar ab wird dort die Arbeit weiter geführt. Gleichzeitig sind auch die Dienststellen der Studentenführung und des NSD.-Studentenbundes mit übergesiedelt.

Es war nach einigen Schwierigkeiten möglich, di« Geschäftsräume aller drei Dienststellen im Dachae- schoß des Hauses unterzubringen. Für die Jnve- triebnahme der studentischen Speisung, des Er- srischungsraumens, des Lese- und Aufenthaltsrau­mes wurden die Küche und zwei Nebensäle zur Verfügung gestellt. Wenn auch die Inanspruch­nahme dieser Einrichtungen der heutigen Studen­tenzahl entsprechen wird, so muß doch unter wesent­lich schwierigeren Verhältnissen als bisher die Auf­gabe des Wirtschaftsdienstes erfüllt werden, die heute eine besonders wichtige ist, da sie einem großen Teil der Kriegsstudenten eine billige und doch ausreichende Ernährungsgrundla-ge zu schaffen hat.

Das umfangreiche Aufgabengebiet der Studien- förderung hat durch die bevorzugte Behandlung wehr politisch wichtiger Studiengänge eine ent» sprechende Ausweitung erfahren. Nach wie vor sind

neu Amtswalterin. Dann gab sie die ernstliche und eindringliche Ermahnung zum Schweigen.Feind hört mit", sollte man sich zu jeder Stunde vor Augen halten. Wenig reden, viel handeln, sei das dringlichste Gebot der Stunde.

Mit der Ermahnung, niemals den festen Glauben an den Führer und seine große Sache zu verlieren, selbst wenn wir von unserem kleinen Standpunkt aus seine Wege nicht übersehen können, schloß sie ihren eindringlichen, aufrichtigen und erhebenden Appell. In tiefer Bewegung und mit dem festen Willen zu neuerlichem, verstärktem Einsatz verliehen die Frauen diese Morgenfeierstunde.

Aachvottrcige.

Der Nachmittag brachte dann noch die Referate der drei wichtigsten Abteilungen des Deutschen Frauenwerkes.

Die Gauabteilungsleiterin für Volkswirtschaft- Hauswirtschaft, Frau Mertens, führte kurz die Aufgaben ihrer Abteilungsleiterinnen aus und sagte, daß in der Hauptsache die Aufklärung aller Haus- frauen, überhaupt aller Frauen in hauswirtschaft­lichen Dingen, die Verbrauchslenkung, ihre wichtigste Aufgabe sei. Sie verglich auch die Maßnahmen der heutigen Zeit mit denjenigen des Weltkrieges und schilderte, welche Lehre man aus den damaligen Umständen gezogen habe.

Die Gauabteilungsleiterin Frau Stein erläuterte die vielseitigen Aufgaben der Abteilung Hilfsdienst, die im Augenblick gar nicht einzeln abzugrenzen sind, da dem Namen nach der Hilfsdienst eben überall da einzugreifen habe, wo gerade Hilfe nötig sei. Da sei es wieder die Aufgabe der Zell- und Blockfrauen, die richtigen Hinweise, wo Hilfe nottut, zu geben.

Frau Boerner, die Abteilungsleiterin für Müt» terbienft, legte dar, daß gerade in dieser Zeit Mütter und Hausfrauen niemals ohne Ausbildung in allen ihren vielseitigen Berufszweigen fein dürften.

So war dieser Amtswalterinnenappell ein großer Gewinn für alle Teilnehmerinnen. Frau W r e b e bankte in bewegten Worten für biefe neuerlichen Hinweise für bie Arbeit ber Frauenschaft bes Kreises Wetterau.

aber die wissenschaftliche Leistung unö das Maß des politischen Einsatzes seine unerläßlichen Voraus­setzungen. Der studentische Gesundheitsdienst wird mit der gleichen Sorgfalt wie bisher den Gesund­heitszustand der Studierenden Überwachen und eine umfassende Krankenversorgung durchführen.

Erhöhte Bedeutung hat in Bezug auf das Kriegs­studium auch der Beratungsdienst gewonnen. Der zu erwartende starke Bedarf an hochschulausgebil- beten Arbeitskräften, der auch zur Wiedereröffnung der Universitäten geführt hat, macht eine besondere Lenkung zu den Studiengängen und ihre weit­gehendste Auswertung notwendig.

Der Leiter des Studentenwerks Meßen, der sich bei einem Infanterie-Regiment im Westen befinbet und für kurze Zett beurlaubt worden war, konnte in diesen Tagen dem ihn vertretenden Dienststellen- leiter des Studentenwerks Frankfurt a. M. den Gesamtbetrieb in wieder eingerichteter'.» und eröff­netem Zustande zur Weiterführung Übergeben.

Rundfunkprogramm

Freitag, 12. Januar.

6 Uhr: Morgengruß. 6.10: Morgengymnastik. 6.30: Frühkonzert. Ausführung: Das Rhein-Mai- nische Landesorchester. 7 bis 7.15: Nachrichten. 8: Landvolk, merk' auf! 8.10: Gymnastik. 9.15: Mutter turnt und spielt mit dem Kind:Sauf, Jäger, lauf!" 9.30: Schulfunk. Sendereihe: Kampf um Wirt­schaftsfreiheit. ,Heilig Brot". Hörfolge. 10: Frohe Weisen. 10.50: Sportbericht. 11: Konzert. 11.50: Mikrophon unterwegs. 12: Die Werkpause. 12.30 bis 12.40: Nachrichten. 13: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.15: Der fröhliche Lautsprecher. 15.45: Heimatsprache Mutterlauf! Plaudereien aus dem Hunsrück. 16: Nachmittagskonzert. Es spielt das Rundfunkorchester. 17 bis 17.10: Nachrichten. 17.45:

Die Ausgaben des Studentenwerks im Kriege.

Klingende Liebesgaben des Reichssenders Frank» furt. Eine fröhliche Stunde bei und für unsere Ka» meraben am Westwall in Verbinbung mit der NS.» Gemeinschaft ,Lraft durch Freude". 19.10: Unter­haltungskonzert. Dazwischen: 19.10: Berichte. 19.45: Politische Zeitungsschau. 20: Nachrichten. 20.15: Uebertragung vom Deutschlandsender. Dazwischen: 22 bis 22.15: Nachrichten. 24 bis 0.15: Nachrichten.

»Vorstoß ins Unendliche/'

Die Vortragsgemeinschaft Goethe-Bund, Kaufmän­nischer Verein, Gesellschaft für Erb- und Völkerkunde unb Volksbildungsstätte Gießen bereitete gestern abenb in ber Neuen Aula ber Universität vielen Zuhörern einige Stunben eines nachhaltigen geisti­gen Erlebnisses. Nachbem Professor Dr. K l u t e Oberbürgermeister Ritter, Lanbrat Dr. Lotz, Gäste unb Mitglieber willkommen geheißen hatte, sprach ber Vortragende des Abends Robert Hense - i i n g über bas We11bilb ber heutigen Sternforschung. Der Rebner griff zunächst weit zurück in bie Geschichte ber Astronomie, ging aus von ber frühesten Vorstellung, in ber viele Punkte unserer Erbe alsMittelpunkt ber Welt" an­gesehen würben, um bann aber rasch über Aristarch, über bie Einbeulung ber Erkenntnisse von Kopernikus unb Kepler an Immanuel Kants weitschauenbe Theo­rien zu erinnern, bie schon weit über bas hinaus- gingen, was zu feiner Zeit mit Hilfe ber bamaligen Instrumente bewiesen werben konnte. So führte ber Rebner feine Zuhörer fort von ber Vorstellung ber Erde als Mittelpunkt ber Welt, fort von ber An­sicht, daß unsere Sonne etwa eine zentrale Kraft im Welträume sei, wies nachbrücklich darauf hin, baß im Weltraum noch anberfc, viele Tausenbe von Sonnen sinb, bie unsere Sonne um bas Zehntausend- fache an Große unb Leuchtkraft übertreffen, warf ben Gebauten einer Zentralsonne auf, um ihn wie­her zu verwerfen, um schließlich von ber Milchstraße unb ihrer Bebeutung, von Spiralnebeln zu sprechen, von Welteninseln im Weltraum, von Sternenhaufen unb Sonnensystemen, die in unvorstellbaren Ent­fernungen unb in ebenso unvorstellbaren eigenen Ausbehnungen, zusammengehalten in ungeheuren Kraftfeibern, sich im Unenblidjen bewegen unb von ber Astronomie unserer Tage in vielen Einzel­heiten ihrer Erscheinungsform, beobachtet, gemessen, analysiert, photographiert unb eingeorbnet werben in ein Weltbild, wie es eben von ber Astronomie ber Gegenwart entwickelt unb vor unser geistiges Eluge gestellt werben kann.

Der Vortragenbe vermittelte in allen seinen Dar­legungen unb Schilberungen nicht etwa ein un­scharfes Bilb, sprach auch nicht etwa von Ver­mutungen ober Hypothesen, fonbern bot ein ebenso reiches, wie genaues Zahlenmaterial auf unb ließ Räume erahnen, bie sich einem menschlichen Ver- ftärtbnis fast verschließen. Mit größtem Interesse hörte man in einem sinnfälligen Vergleich bavon, wie weit bie Astronomie im Verlaufe ber letzten zwei Jahrzehnte ben Forschungsraum im Weltall erwei­terte. Er sagte, baß noch vor zwei Jahrzehnten ber Fvrschungsraum vergleichsweise so groß ge­wesen sei, wie die Aula unserer Universität; heute erforsche die Astronomie Räume, bie, im Verhältnis zur Große ber Aula von Spitzbergen bis Kapstadt reichten. Mit nicht weniger Aufmerksamkeit folgte man ben Darlegungen über bie astronomische Meß­technik mit Hilfe ber Winkelmessung unb vor allem ber Spektralanalyse.

Der Vortragenbe, besten vielfältige von reichem Wissen getragenen Darlegungen im Raume weniger Zeilen nicht Umrissen werben können, ergänzte seine Worte burch ausgezeichnete Silber von großen Ster­nen, von vielen fremben Sonnensystemen, von fernen Welteninseln unb Spiralnebeln unb gab damit viel Anlaß, nicht nur die Wunder des Weltraums zu bestaunen, sondern sich auch des Wunders forschen­den menschlichen Geistes bewußt zu werden. Ein Film, der in ausgezeichneter photographischer Wie­dergabe die über bie Peripherie unserer Sonne hin- ausschießenben Protuberanzen veranschaulichte, war ber Höhepunkt ber Dortragsveranstaltung unb gleich­zeitig eine Offenbarung.

Sprechstunden der Y'evEion.

11.30 dis 12 30 Uhr. 16 bis 17 Uhr Samstagnach» mittags geschlossen.

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CARL DUNCKER VERLAG BERLIN W 36

19 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Nun ist sie fertig unb starrt in ben Spiegel. Sie sieht, daß ihr Gesicht weicher ist als früher, und daß ihre Augen heller sind als sonst. Da jagt sie laut in bie Stille ihrer Kabine:Klarissa, du barfft mir nun nicht böse sein, aber ich glaube, du verstehst mich, sieh, mehr als alle Menschen auf ber Welt liebe ich Christian. Willst du versuchen, ihn auch zu lieben?"

Wieder bleibt, wie damals vor dem Sommerfest, vom Hauch ihrer Stimme auf dem Spiegelglas ein kreisrunder Fleck zurück. Annes Lippen sind ver­schwunden, nicht mehr zu sehen sind sie, aber Annes glückstrahlende Augen fipö geblieben.

Wird es heute regnen? Aber nein, bie Sonne scheint ja. Sie strahlt über dem Sognefjord. Zwi­schen zwei Bergeinschnitten steht das mächtige Ächt, und sein Leuchten fließt wie der Kegel eines Ri«- senscheinwerfes über den Ort Balholm, über den Columbus", der im Fjord liegt, und über das tuckernde Motorboot, das sich von ihm trennt. Es flitzt in schneller Fahrt dahin, ein junger Offizier steht am Steuerrad. Er steht sehr ernsthaft da. Seine Hände stecken in braunen Glacehandschuhen, sie kauern wie geduckte achtsame Hasen über dem Steuer, und sieh, jetzt hebt der eine bie Lauscher. Anne Wegner muß lachen.

Siehst du bas Wasserflugzeug dort oben, Anne?" fragt Cyristian neben ihr.

Nein, aber zwei Hasen."

Wie gut die Hasen zu steuern verstehen, so ernst­haft und gut, sie sind durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Ich konnte niemals Hasen schießen, Christian, gut, daß ich kein Jäger bin."

Dann würde auf dem Birkenhos wohl kein Stumpf und Stiel bleiben."

Sicher nicht", sagt sie,ich bin also doch nicht zum Gutslehrling zu brauchen. Klarissa kann schie­ßen wie ein Mann."

Das Flugzeug gleitet jetzt über bas Wasser. Es bebt sich, steigt hoher, ein silberner Vogel in silber- blauer Luft. Das Sausen des Motors hört sich durch bie Enge der Berge wie Geschützdonner an. Doch nun ist ber Flieger über bie Höhe der Berge

hinaus, und man muß die Augen halb zukneifen, wenn man seinen Flug verfolgen will. Es ist schön, wenn man ihn durch die Dahn der Sonne gleiten sieht und dabei ben Kopf fest an Christians Schul­ter lehnt. Eine Schleife links, eine Schleife rechts, nun ist er plötzlich in aufkommenden Wolken ver­schwunden, und nun gleitet er wieder zum Fjord nieder.

Auch das Motorboot macht eine Schleife, das Steuerrad fliegt herum. Aus den braunen Hasen werden zwei Hände und zchn Finger und hinter dem Boot bleibt ein Streifen hüpfender Bläschen, der wie eine lange Schnur bis zum Dampfer reicht.

Christian springt fast als erster an Land. Er holt Anne zu sich heraus, er läßt es Nicht zu, daß ihr von der Mannschaft geholfen wird, er kostet wie ein Genießer bie Freude aus, sie einen Augenblick lang in den Armen zu halten.

Und dann wandern sie los. Sie fragen nicht, wohin sie hier am besten gehen sollen, sie setzen ihre Schritte fest auf bas norwegische Land, das da un- ter Sonne und blühender Helligkeit vor ihnen liegt. Es ist schön. Arm in Arm, ohne Ziel dahinzuschlen­dern. Ein Spaziergang ins Blaue, eine herrliche kleine Wanderung. Allerdings ist sie sehr klein, denn bald wird eine Fahrt daraus.

Fast zur gleichen Zeit sehen sie an ber Straße einen Wagen mit einem Falben stehen. Der Falbe stt ein kleines, nordisches Gebirgspserd, rundlich und wohlgenährt, mit einer gestutzten Mähne, bie so aussicht, als märe sie eine lange Reihe von Rasierpinseln.

Sie gehen nahe heran, sehen den Wagen an, sehen das Pferd an und nicken sich zu. Der Wagen ist ein Kasten, auf dem vorn ein Sitz für zwei Personen angebracht ist. Der Kutscher sitzt auf einem Einzel- sitz hinten. Eine bunte norwegische Decke ist über den Doppelsitz gelegt, und Anne sagt:Du Chri­stian bitte!"

Er weiß Bescheid, hoho er kennt Anne. Aber wo ist der Besitzer des Gefährtes? Da kommt er, er kommt aus einem ber Häuser und weiß sich wohl zu verständigen, keine Angst.Fünf Kronen ein- fteiaen, bitte."

Anne ist voll Jubel, bie Goldpünktchen in ihrer Iris schwirren, mit einem Satz ist sie oben. Helsen, auf ben Wagen helfen? Ausgeschlossen. Hier ist sie zu Hause. Nicht im Auto, das ist ihr fremd, aber solch ein Rößlein bedeutet überall in der Welt für sie ein Stück Heimat. Bald trappelt das kleine gelbe Pferd munter dahin, doch es stellt sich her­aus, daß es eigenwillig ist, ein Pferd mit Charak­ter, o ja. Es wrll di« zärtliche Stimm« seines Herrn

hören und ein paar gute Worte, auch Zungen­schnalzen gehört dazu, um den Falben zu bewegen, weiterzulaufen, wenn er nicht mehr mag.Tiere sind wie Menschen, man soll sie nur mit Liebe be­handeln", sagt Änne, und sie erzählt Christian von Konifere.

Bald läßt man den Ort hinter sich, bald fährt man nahe am schimmernden Fjord dahin. Die Häu­ser steigen rechts am Berg hinauf. Wie freundliche helle Tupfen sind sie in das Grün ber Gärten ge­webt. Die Gärten haben große Himbeerplantaaen, bie Früchte sind reif und ihr Duft ist so stark, daß die Luft von ihm erfüllt ist. Kinder kommen dem Wagen entgegen, sie tragen Korbe voll Himbeeren nach Balholm zum Verkauf. Sie halten Heine, ge­füllte Pappschachteln hoch.Fünfzig Dere", rufen sie.

Christian kauft für Anne Himbeeren unb sie sucht ihm die schönsten heraus, ja, gerade die muß er nehmen. Aber bevor er sie mit seinen Lippen er­faßt, wird jede Frucht gegen die Sonne gehalten. Wie sie dann erglüht! Rot, rubinfarben rot.Du ißt nicht nur Duft du ißt auch diese Farben­pracht, denke dir!"

Sie fahren dahin, nahe aneinandergeschmiegt. Ein Mann sitzt hinter ihnen^ der vielleicht in sich hin ein schmunzelt, lieber ihren Händen liegt bas Leitseil, manchmal spüren sie, wie es sich an den Fingern reibt. Das Rößlein trabt seinen Weg, sie se-hen über seinen nickenden Kops hinweg, sehen blaue Berge vor sich und neben sich und blicken über den strahlenden Fjord. Ganz da vorne ist scheinbar eine Brücke ins Wasser fyi nein geb aut, aber nein, das ist ein merkwürdiges Ding. Wie ein Laufsteg sieht es aus, der weit ins Wasser ragt. Auf dem Land fängt er niedrig an und geht immer höher hinauf, unten hat er kurze, im Wasser ganz lange Holzbeine, fast wie eine Giraffe ist dieser Steg an- zusehen, als Kopf sitzen zwei Männer da, ganz unbeweglich, so, als wären sie auch aus Holz. Sie halten Angelschnüre.

Anne kehrt sich dem Kutscher zu:Fangt man so in Norwegen Fische?"

Er versteht, er nickt.Lachse", sagt er.

Aha, bas Wasser ist so durchsichtig, baß die Lachse eine niedrige Angelbrücke sehen mürben, nur aus dieser Höhe kann man sie fangen.

Der Falbe steht einen Augenblick unb scharrt mit ben Hufen bie steinige Straße, bann wendet der Mann, und die Rückfahrt wird angetreten. Sie geht schneller, das Tier mochte bie Fremden loswerden, man soll nicht glauben, wie solch kleines Pferd rennen kann.

Dicht bei ber Anlegebrücke der Motorboote ver­lassen sie den Wagen. Das Wetter hat sich plötzlich geändert. Anne und Christian gehen jetzt nach der entgegengesetzten Seite um den Fjord, sie laufen mit langen Schritten. Wie Kinder laufen sie. Es wird dunkel, über bie Berge kommen tiefe, graue Wolken.

Wollen wir zurückgehen?" fragt Christian.

Wer Anne möchte weiter.Es ist so schön, die­ses Umherstrolchen, gib mir bie Hand, wir laufen noch ein bißchen. Außerdem haben wir beide Regen­mäntel bei uns, was kann geschehen?"

Es kann nickts weiter geschehen, als daß sie naß werden. Sie haben wolfl in ihrem Leben schon manchen Regenguß bekommen. Sollen sie sich also deswegen bie Öaune verderben lassen? Es duftet nach Früchten unb frischem Heu, überall liegt Heu auf den Hängen, und sie finden beide, baß der Tag zu genießen sei.

Es währt nicht Tang, da sprühen bie ersten Trop­fen und viele Mitfahrenden hasten an Anne und Christian vorüber, wieder ber Anlegestelle zu. ©ie aber wandern weiter. Der Regen wird heftiger. Vor sich sehen sie an die Straße geschoben einen großen Korb voll reifer Kirschen. Rings um ben Korb herum stehen kleine Säcke mit Schirmen be­deckt, aber aus den Säcken kehren sich den beiden plötzlich lachende Kindergesichter zu. Irschen", rufen sie.Kirschen!"

Kann man dieser Aufforderung widerstehen? Ausgeschlossen. Christian kauft und Die flachsgelben Kopfe stecken sich wieder unter bie Säcke und bie Schirme. Wie sie da wispern und lachen, wie kleine Berggeister.Was glaubst du, wenn es gar keine Kinder sondern Gnomen waren, bie uns Glückskir­schen verkauften?""

Richtig so", sagt Anne,bann essen wir die ganze Kraft der nordischen Berge in uns hinein unb du wirst so stark werden, wie mein Ahne war, ber auch Christian hieß und ben sie ben Bären vom Birkenhof nannten. Dann kannst du ein Pflug­schar aus dem Acker reißen und mit der rechten Hand stemmen und ein Hufeisen mit zwei Händen verbiegen."

Ein ausgezeichneter Athlet muß dein Ahn Chri­stian gewesen sein. Dein Mann Christian hat sich zwar verschiedene sportliche Auszeichnungen geholt, immerhin wird er jenem alten Herrn nie Konkur­renz machen können."

Wer sagt bas? Komm, die Kirsche der Gno­men."

(Fortsetzung folgt)