M. Jahrgang Nr. 10Z
Donnerstag, y. Mai 1940
Gietzener Anzeiger
Italien und die Manöver der WestmWe auf dem Balkan
hier gestartete Lüge des britischen Infor-
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allen Szene
Umständen dieses Ablenkungsmanöver in gesetzt werden mutzte.
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Ein neues Opfer des britischen Geheimdienstes.
Oer Chefkorrespondent der »United prefc" nach seiner Berichterstattung über Chamberlains Unterhausrede umgebracht.
plumpe Lügen sollen von neuen britischen Aggressionsabfichten ablenlen. •
Unter anderem sind in dem Buche Angaben enthalten über die Ausschiffungsverhältnisse in jedem Erzhafen, bis auf die Einzelheiten der Länge der Kais, der Hafentiefe und der Landungskapazität-, weiter auch Angaben über die Eisenbahnverbindungen. Von amtlicher Seite liegt zu der Angelegenheit noch immer keine nähere Mitteilung vor. Aus den bisher veröffentlichten Mitteilungen kann man im Zufammenhana mit der heute von „Aftonbladet" getroffenen Feststellungen jedoch schließen, daß die.Sabotageakte, die der englische Agent plante, den schwedischen Erzgruben gelten sollten.
Berlin, 8. Mai. (DMB.) Die Aufdeckung der britischen Pläne in Südosten Europas hat auf die betroffenen Völker einen solchen Eindruck gemacht, daß die englischen Kriegshetzer heute zu ebenso dummen wie plumpen Ablenkungsmanövern greifen. Sie bedienen sich dabei amerikanischer Presseagenturen, durch die Nachrichten verbreitet werden, nach denen Holland auf das Höch st e bedroht sein soll. Es ist die alte Methode des „haltet den Dieb!", nach der hier verfahren wird. So berichtet die „Associated Preß“, daß ihr von höchst zuverlässiger Seite mitgeteilt wurde, 2 deutsche Armeen bewegten sich von Bremen und Düsseldorf a u f Holland, und zwar so schnell, daß sie gleich die Grenze erreichen würden.
Die „zuverlässige Quelle“ dieses militärischen Un-
Der Kall Nickman.
Die britische Sabotage-Arbeit galt den schwedischen Erzgruben.
Stockholm, 9. Mai. (DNB.) Zu der Sabotage- Affäre, die kürzlich in Stockholm aufgedeckt wurde, meldet „Aftonbladet", daß der Hauptangeklagte, der englische Agent Nickman, im Herbst v. I. in London ein Buch über das schwedische Eisenerz herausgegeben Hot. Aus der Arbeit geht hervor, daß sich der englische Agent im be- derem Maße für alle Einzelheiten des schwedischen Eisenerzes interessierte.
sinns ist, wie wir festzustellen in der Lage sind, das britische Information smini st e- r i u m. Dieses britische Znformatlonsministerium ist von den deutschen Enthüllungen über die unmittelbar bevorstehenden Absichten Englands und Frankreichs derartig getroffen worden, dah unter
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Schwerer Schlag für das Kabinett Chamberlain
Im Unterhaus nur eine Mehrheit von 81 Stimmen für die Negierung.
Amsterdam, 9. Mai. (Europapretz.) Die Abstimmung im Unterhaus Über den Vertagungsantrag der Regierungsparteien endete mit 281 für und 200 Stimmen gegen die Regierung. Nach den bisher vorliegenden Mitteilungen haben 44 Mitglieder der Regierungsparteien gegen die Regierung gestimmt. Außerdem hat sich eine große Anzahl der anwesenden llnterhausmitglieder der Stimme enthalten. Das Abstimmungsergebnis ist ein schwerer Schlag, wenn nicht eine moralische Niederlage für die Regierung, selbst wenn die Oppositionsparteien einen hohen Prozentsatz ihrer Abgeordneten zur Abstimmung gebracht haben dürften. Das Abstimmungsergebnis wurde unter großer Erregung des Unterhauses mitgeteilt. Als die Minister sich anschickten, den Sitzungssaal zu verlassen, tönte ihnen von den Bänken der Opposl- tionspartekn der Huf ..Seh«!" („go!“) nach, dem von den Bänken der Regierungsparteien Beifallsrufe für die Minister antworteten.
Bittere Worte der Kritik
Amsterdam, 9. Mai. (Europapreß.) Im ena- lischen Unterhaus ging ber arbeiterparteiliche Ab- aeordnete und frühere Verkehrsmimster Morr«- f o n mit der Negierung scharf ins Gericht. Morrison stellte die Frage, warum die Negierung über die Entwicklung der Lage in Norwegen so schlecht unterrichtet gewesen sei. Entweder müsse -m Der- sagen des Secret Service s-stgestellt werden ober aber, wenn bfe Regierung unterrichtet gewesen sei, bann seien biejenigen Minister verant-
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gierung vor, daß die Truppen für Norwegen in unfertigem Zu st and (half baked) ohne genügende Flotten- und Luftwaffenunterstützung aus- gesandt worden seien. Was das Land von seiner Führung erwarte, seien nicht Scheinaktüo- nen, sondern wirkliches Handeln. Wenn man ehrlich sein wolle, müsse man zugeben, daß als Ergebnis der Ereignisse in Norwegen die strategische Lage Englands viel schlechter geworden sei als zuvor. Man müsse Manns genug sein, dies zuzugeben.
Im englischen Oberhaus eröffnete der arbei- terparteiliche Lord S t r a b o l g i den Angriff auf die Regierung mit der Erklärung: Als alter Seeoffizier (Strabolgi nahm im vorigen Kriege als Kapitänleutnant teil) müsse er die Frage stellen, warum nicht die Grand Fleet nach der ersten deutschen Landung innerhalb der ersten zwei Tage, bevor deutsche Verstärkungen eingetroffen seien, in den Oslo-Fjord eingefahren sei. — Wie Sir Roger Keyes im Unterhaus stellte er ferner die Frage, warum die Flotte nicht gegen Drontheim eingesetzt worden sei, was durchaus durchführbar gewesen wäre. Die Ereignisse zeigten, daß etwas grundsätzlich falsch sei bei der britischen Strategie.
Für die Regierung antwortete Lord H a n k e y. Die Regierung müsse sich bei ihren strategischen Entscheidungen auf die Meinung von verantwortlichen Ratgebern aus den drei Wehrmachtsstellen verlassen. Sie könne ihre Entscheidungen nicht abhängig machen von den Ansichten verabschiedeter Offiziere, so groß deren Verdienste in der Vergangenheit auch gewesen sein mögen. Den Chefs der Stäbe stünden Informationen zur Verfügung, die nichtamtlichen Persönlichkeiten nicht zugänglich seien.
A m st e r d a m, 8. Mai. (DNB.) Der europäische C h e f k o r r e s p o n d e n t der United Preß, Miller, wurde Mittwoch früh neben den Gleisen einer Londoner Vorortbahn mit einer Kopfverletzung tot aufgefunden. Am Dienstag hatte er an der englischen Unterhaussitzung teilgenommen und hatte sowohl am Rundfunk wie für seine Nachrichtenagentur hierüber Berichte gegeben. Anschließend wollte er sich mit einem Nacht- zuge zur Erholung aufs Land begeben. Wie aus London durchgegeben wurde, soll er „aus dem Zug gefallen" fein.
Miller galt in feiner Einstellung für keineswegs deutschfreundlich. Um so größeres Aufsehen machten in der neutralen Welt seine Berichte, die in den letzten Monaten immer schärfer werdende Kritik an der Regierung übten und die bei der großen Verbreitung der United Preß zu einer ernsthaften Gefahr für b i e Krieasaus- weitungspläne der Westmäche wurden. Am Dienstag schilderte Miller in seinem Bericht mit plastischen Worten das Auftreten Chamberlains vor dem Unterhaus. Mit müder Stimme, oft den Klemmer ab- und wieder aufsetzend, habe er seine Rechtfertigung hinsichtlich Norwegens vorgebracht, während Churchill gleichzeitig ungeduldig in den Zähnen herumgestochert habe. Oftmals seien Chamberlains Worte durch ironische Gelächter über-
mationsministeriums ist so plump, daß sie nur als propagandische Entlastungsofsensive gewertet werden kann, die man notwendig braucht, nachdem durch die Veröffentlichung des vielsagenden Ferngesprächs Chamberlain-Reyaaud die neuen Krieg- ausweitunaspläne der westlichen Plutokratien enthüllt und die wahren Aggressoren in aller Oeffent- keit heillos kompromittiert worden sind.
Rom, 9. Mai. (Europapreß.) Die Beunruhigung, die im Anschluß an die Entsendung englisch-französischer Seestreitkräfte in das östliche Mittelmeer auf dem Balkan entstanden ist, wird in römischen Kreisen als ein gegen Italien gerichteter englisch-französischer Propagandafeldzug empfunden. Diese Propaganda habe zunächst in Jugoslawien und dann in Rumänien Befürchtun- aen hinsichtlich angeblicher Angriffsabsichten Italiens hervorzurufen versucht. Diese Bestrebungen seien, wie Presseauslassungen in den beiden Ländern zeigten, nicht ganz erfolglos geblieben. Demgegenüber weift man in Rom darauf hin, daß gerade Italien vor Ausbruch des europäischen Krieges an sich bemüht war, dessen Ausdehnung nach Möglichkeit zu verhindern und mit den Donau- und Balkanländern Beziehungen zu unterhalten, die an sich schon ein klares Dementi der von den West- mächten verbreiteten Alarmgerüchte seien. In diesem Zusammenhang erinnert man besonders an die jüngsten Kundgebungen der italienisch-rumänischen Freundschaft, die sich in den Rahmen der allgemein auf die Erhaltung des Friedens in Südosteuropa hinzielenden Außenpolitik Italiens einfügten. Eine Ausdehnung des Krieges auf dieses Gebiet könnte also nur erfolgen, wenn d i e West möchte f e I b ft Pläne verfolgten, die sie Italien unter« zuschieben trachteten. Die von deutscher Seite erfolgte Veröffentlichung des Ferngesprächs zwischen Chamberlain und Reynaud, die diese Pläne nur allzu deutlich enthüllt, hat daher in Rom größtes Aufsehen erregt. Man mißt den aus London und Paris kommenden Ableugnungs- verfuchen keinen Glauben bei und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß jetzt auch denjenigen Staaten des Südostens, die trotz allem noch an die Aufrichtigkeit der englisch-französischen „Hilfsversprechungen" geglaubt haben, die Augen über die wahren Absichten der Westmächte geöffnet worden sind.
„Tribuna" bemerkt, man gewinne den Eindruck, daß die dem Balkan drohenden Gefahren in den Balkanstaaten mit einer relativen Ruhe ausgenommen würden. Ohne sich einer Panikstimmung hinzugeben, würde aber in diesen Ländern die Entwicklung der Lage mit der notwendigen Aufmerksamkeit verfolgt. Auch Rußland sei auf dem Posten. Die russische Presse gebe zu verstehen, daß die Interessen Rußlands im Südvstraum Europas nicht außer Acht gelassen werden dürften, da der Kreml gegenüber einer Aenderung des Status quo in diesem Sektor zu Gunsten der Westmächte nicht tatenlos zusehen werde. Admircck llktjabriski habe in einer Rede in Sebastopol nicht ohne Grund erklärt, daß Rußland die imperialistischen Umtriebe der Westmächte auf dem Balkan mit der größten Aufmerksamkeit verfolge und bereit sei, jeden Angriff auf seine Interessen zu beantworten. Es dürfe auch nicht übersehen werden, sagt „Tribuna", daß der Ankara-Vertrag nicht durchführbar sei, wenn dessen Anwendung zu einem Kriege mit Rußland führen würde. Deshalb lasse sich ein Urteil über die möglichen Entwicklungen im Südoftraum Europas nicht vorweg bilden.
Da alle Balkanstaaten den Faktor Rußland in ihre Betrachtungen einstellen müßten, könne die englisch-französische Propaganda im Balkanraum nicht mit großen Erfolgen rechnen. Die englischen Lockungen seien auch aus diesem Grunde in Sofia erfolglos geblieben. Auch in Belgrad sei es her Propaganda der Westmächte nicht gelungen, das Vertrauen zu Deutschland und Italien zu mindern.
Gayda kommt zu dem Ergebnis, daß die imperialen Demokratien sich einer Illusion hingäben, wenn sie glaubten, durch Schließung der Straße von Gibraltar Italiens Wirtschaft zu isolieren, von seinen Hauptbezugsquellen abzuschneiden und dadurch leicht und gefahrlos auf die Knie zwingen zu können. Die imperialen Demokratien machten großen Lärm über die 15,3 Millionen Tonnen von Erzeugnissen, die alljährlich durch die Straße von Gibraltar nach Italien eingeführt würden. Diese 15,3 Millionen Tonnen setzten sich folgendermaßen zusammen: 60,3 v. H. Steinkohle und Koks, 20 v. H. Mineralöl und Paraphin, 4,8 v. H. rohe und halb bearbeitete Metalle, 3,3 v. H. Getreide, 3,2 v. H. Phosphaterze, 1,3 v. H. Zellulose, 1,1 v. H. Metgll- erze, 0,8 v. H. Baumwolle, Wolle, 0,6 v. H. Del und Oelsamen und 4,6 v. H. andere Waren. Kohle und Koks konnten, wie dies bereits heute der Fall sei, von dem befreundeten Deutschland geliefert werden, so daß sie vollkommen der Kontrolle von Gibraltar entzogen würden. Mineralöle könnten, wenigstens zum Teil, von den Mittelmeergebieten bezogen werden, vor allem von Albanien vnd den anderen südosteuropäischen Ländern. Getreide, Zellulose, Baumwolle und Oelsamen würden in ständig steigenden Mengen in Italien, in Albanien und in ben Gebieten von Jtalienisch-Ostafrika erzeugt. Die Autarkie enthülle damit ihre volle defensive Bedeutung. Viele dieser Erzeugnisse konnten auch zu beträchtlichen Mengen von den Balkanländern geliefert werden, mit denen Italien in Frieden und freundschaftlicher Zusammenarbeit lebe und weiterhin zu leben beabsichtige. Was die übrigen Erzeugnisse angehe, so konnte ihr Ausfall mehr den Interessen der liefernden Ländern schädlich sein als denen eines Landes, das in einen Krieg verwickelt sei und daher die überflüssige Einfuhr an sich einschränken müsse. Gibraltar könne also die nationa= len Positionen und die Entschlußfreiheit Italiens, die von der Verteidigung der italienischen Interessen und Rechte bestimmt werde, nicht ändern. Trotzdem seien Gibraltar und Suez die offenkundigste Aeuße- rung einer nicht mehr zu duldenden Hegemonie, die, wenn man ihr auch im Falle eines Krieges siegreich entgegentreten konnte, von einem Regime spreche, das in keiner Weise mehr mit einer auf Gerechtigkeit und Freiheit für alle Nationen gegründeten europäischen Ordnung vereinbar jer.
Oie Flucht der „Lteberlegeueu".
Jrn englischen Unterhaus hat die Opposition unter dem Druck der norwegischen Niederlage wenigstens teilweise die Wahrheit gesagt, die Chamberlain nicht zu enthüllen wagte. Der rote Renom- miermajor Attlee hat den Premier öffentlich gerüffelt, ihm den ruchlosen Optimismus seiner Rede vom letzten Donnerstag vorgehalten und dann wörtlich festgestellt: „Die Expedition war niemals als eine kurze Unternehmung gedacht. In der Meinung des Landes besaß sie eine große Wichtigkeit, unb in der Presse wurde sie auch so dargestellt, auch in den Reden der Minister kam dies zum Ausdruck. Die allgemeine Absicht war, daß der Feind, der bis dahin sich hinter Mauern verborgen hielt, nunmehr vorgekommen fei." Attlee fragte dann, ob der Intelligence Service wirklich in Norwegen gut gearbeitet habe, und wenn man, wie tatsächlich geschehen, Nachrichten von einem Gegenschlag der Deutschen veröffentlichte, weshalb habe man dann die Pläne mit so wenig intelligenter Vorstellung zu verwirklichen bestrebt. Parlamentarisch-diplomatisch drückte sich Attlee ähnlich wie der Oppositionsliberale Sinclair dahin aus: „In der Bevölkerung wird gesagt, daß diejenigen, die für die Führung des Krieges verantwortlich sind, Männer feien, die eine fast ununterbrochene Karriere von Fehls chläL en hinter sich haben." Hier wird man sich erinnern, daß die zwecklose Gallipoli-Schlacht des Weltkrieges auf Veranlassung des blutigen Laien Churchill erfolgte, daß der jetzige Premierminister Neville Chamberlain während des Weltkrieges von Lloyd George wegen notorischer Unfähigkeit aus dem Munitionsministerium ausgeschifft werden mußte. Und die Leute mit dieser Karriere von Fehlschlägen bestimmen heute das Geschick Englands! Jedes Volk und Parlament haben die Regierung, die sie verdienen. Im übrigen aber nehmen wir zur Kenntnis, daß es gerade die kritisierenden Dppofitionsrebner waren, die eine noch stärkere Intensivierung des Krieges, eine noch mitleidlosere Vernichtung der deutschen Nation forderten.
Nun ist es Gepflogenheit j e b es Parlamentes, mit seinen weisen Sprüchen hinter ben Ereignissen herzuhinken, unb Chamberlain hat biefes fchmä- henbe Nachlaufen hinter ber norwegischen Wirklichkeit sehr gründlich zu spüren bekommen. Seine lahme, widerspruchsvolle und nervöse Verteibiguyg überbot an Kläglichkeit alles, was man von ihm gewöhnt ist. Aber abgesehen von dem Nachweis unveränderter politischer und militärischer Unfähigkeit erbrachte der Derteidigungsversuch Chamberlains im Unterhaufe eine überaus aufschlußreiche Enthüllung, die die Gesamtsumme dieser Unfähigkeit grell beleuchtet. Und zwar handelt es sich um den tiefen Zwiespalt in der britischen Kriegführung, der vor einem baß erstaunten Unterhaufe mit echt Chamberlainscher Ahnungslosigkeit ausgebreitet wurde.
Danach hat die britische Heeresleitung den Vorstoß nach Skandinavien im großen Stil, d. h. mit starken Kräften aller Art durchführen wollen. Dies die Meinung der britischen Militärfachleute. Die englische Regierung aber, also die militärischen Laien, wollten einen so hohen Einsatz auf keinen Fall riskieren. Es ist in diesem Zusammenhang eine Angelegenheit zweiten Ranges, daß man mit einer Division, wie sie Chamberlain nannte, natürlich nicht Norwegen „befreien" konnte. Entscheidend für die Beurteilung des britischen Skandinavienunternehmens ist vielmehr die Tatsache, daß ja Skandinavien seit M o n a t e n , d. h. genau genommen schon seit dem Beginn des Krieges in Finnland, von England als Angriffsbasis gegen Deutschland aus dem Norden vorgesehen war, nach
tönt worben. Seit Kriegsausbruch habe er Chamberlain nicht so unruhig gesehen. Seine Hände seien ständig in nervöser Bewegung gewesen, es sei ihm nicht gelungen, die Abgeordneten von seinen Ausführungen zu überzeugen.
Das waren die letzten Worte von Webb Miller. Bereits in ben Nachtstunden wurde er vermißt, und am Mittwoch früh sand ihn ei$ Eisenbahnbeamter tot neben dem Gleis. Der britische Geheimdienst hatte mündliche Arbeit geleistet. Miller stand ben Interessen ber britischen Plutokraten im Wege, besiegen wurde er rücksichtslos beseitigt.
Seit langem stößt bas neutrale Ausland immer wieder auf die dunklen Taten bes britischen Intelligence Service, ber bald hier bald dort feinem ebenso brutalen wie lichtscheuen Gewerbe nachgeht. Das Münchener Bombenattentat auf den Führer, die Sabotageaktion auf der Donau unb bie Spreng- ftoffunbe bei dem britischen Geheimagenten in Schweben finb nur ein paar Fälle in der langen Kette ber Verbrechertätigkeit, in ber bie unheimliche Hand bes Secret Service sichtbar würbe unb ber auch nun Miller, dieser unbequeme neutrale Beobachter, zum Opfer fiel. Zu ben Kriegszielen bes deutschen Volkes gehört aber auch, baß bie Welt von biefer Verbrecherorganisation befreit wirb!
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wörtlich, bie nicht bie nötigen Schlüsse baraus gezogen hätten. Es gebe s ch l e ch te Minister, unb es gebe müb e Minister. Eine Reihe von Ministern hätte bereits vor bem Kriege unb wäh- renb bes Krieges versagt, besvnbers Minister- präfibent Chamberlain, Schatzkanzler Sir John Simon unb Luftfahrtminister Sir Samuel Hoare. Das Lanb laufe unter biefer Führung bas ernste Risiko, ben Krieg zu verlieren, Morrison fünbigte baraus bie Absicht seiner Partei an, eine Abstimmung über ben Vertagungsantrag zu erzwingen.
Chamberlain bezeichnete biefe Herausforbe- rung als noch ernster als bie Kritik, bie bisher gegen bie Regierung gerichtet worben sei, weil, wie er bereits am Vortage gesagt habe, eine Zeit nationaler Gefahr bestehe. Er nehme bie Herausforbe- rung an, ja, er heiße sie sogar willkommen. „Wenigstens werben wir bann wissen, wer mit uns unb wer gegen uns ist", sagte Chamberlain zum Schluß. In parlamentarischen Kreisen wirb biefe Erklärung in bem Sinne aufgefaßt, baß er bamit von sich aus bie Vertrauensfrage gestellt unb ben Mitgliebern ber Regierungsparteien zur Pflicht gemacht hat, sich bei ber Abstimmung hinter bie Regierung zu stellen.
Luftfahrtminister Sir Samuel Hoare gab bann einen Ueberdlick über bie Tätigkeit ber Luftwaffe in Norwegen. Sie habe unter bem Handicap gelitten, daß bie Deutschen alle brauchbaren Flugplätze zur Verfügung gehabt hätten. Es habe aber keine Verzögerung in den englischen Luftoperationen gegeben. Der Luftfahrtmlnister stellte bann bie kühne Behauptung auf, bie Luftwaffe habe bewiesen, baß sie qualitatio jebem Gegner gewachsen sei. Lloyb George warf ber Re-


