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gramm. Ich habe es neulich zum allerletzten Male gesagt. Ich ziehe jetzt vor zu kämpfen, bis endlich eine ganz klare Entscheidung herbeigeführt ist." Da­mit ist die grundlegende Veränderung, die die politische Lage in den letzten Wochen erfahren hat, mit voller Eindeutigkeit umrissen. Nach all den fruchtlosen Bemühungen um einen deutsch-britischen Ausgleich kann es jetzt nur noch den Kampf geben, der mit äußerster Entschlossenheit bis zur letzten Entscheidung durchgeführt werden wird. Der Sieg der deutschen Waffen, an dem selbst außerhalb des deutschen Volkes niemand mehr ernstlich zweifelt selbst in den Vereinigten Staaten richtet man sich schon auf die Auswirkung einer britischen Nieder­lage ein wird, wir sagten es-schon, die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Fundamente des natio- nalsozialistischen Großdeutschen Reiches für alle Zeiten sichern. Er wird aber auch das kontinentale Europa endgültig von einer Vormundschaft befreien, die seit den Tagen der Königin Elisabeth mit einem von Jahrhundert zu Jahrhundert steigenden Druck als unerträgliche'Fessel auf den europäischen Völ­kern lastete. Der Führer hat diesen welthistorischen Vorgang in seiner ungemein plastischen Art der Formulierung treffend gekennzeichnet, als er sagte: Diese Welt wird frei werden! Es muß ein für alle­mal mit dem Unfug aufgeräumt werden, daß es einer Nation möglich sein kann, je nach Belieben einen Kontinent zu blockieren. Es muß in Zukunft unmöglich gemacht werden, daß es einem Piraten­staat von Zeit zu Zeit immer wieder je nach Wunsch und Laune einfallen kann, 450 Millionen Menschen mehr oder weniger der Armut und dem Elend auszu­liefern. Wir haben es als Deutsche für alle Zukunft satt, uns von England vorschreiben zu lassen, ob wir vielleicht dieses oder jenes tun dürfen oder nicht, ja am Ende sogar, ob der Deutsche Kaffee trinken darf oder nicht. Wenn es England nicht gefällt, dann wird die Kasfee-Einfuhr einfach gesperrt. Mich per­sönlich berührt das gar nicht. Ich trinke keinen, aber es ärgert mich, daß andere ihn nicht trinken sollen können."

Es war der holländische Philosoph Hugo Gro- tius, der schon vor mehr als vierhundert Jahren gegen das britische Freibeutertum den Rechtsgrund- fatz der Freiheit der Meere" proklamierte, an den der Führer mit dem Hinweis auf die nach Britenlaune zugelassene ober verwehrte Tasse Kaffee der europäischen Kontinentalvölker auf ebenso dra­stische wie treffsichere Weise erinnert hat. Wenn Länder wie Norwegen und Griechenland, die ihre große Handelsflotte überwiegend in den Dienst fremder Volkswirtschaften gestellt hatten, sich in Friodenszeiten ebenso wie Dänemark mit seiner ganz auf britische Konsumbedürfnisse eingestellten Pro­duktion ober Holland mit seinem auf den britischen Schutz angewiesenen großen überseeischen Kolonial­besitz und aus ähnlichen Gründen auch Portugal und Belgien in der Abhängigkeit vom britischen Wohlwollen ganz behaglich fühlen mochten, so haben sie in Kriegszeiten die Schattenseiten dieser Ab­hängigkeit sehr peinlich zu spüren bekommen, moch­ten sie auch noch so sehr auf ihre Neutralität pochen. Denn sowohl im Weltkriege wie im heutigen Kampf der Westmächte gegen Deutschland und Italien und in den Kriegen früherer Jahrhunderte ist es nicht anders gewesen hat England mit der völligen Skrupellosigkeit eingefleischten Piratentums der Frei­heit der Meere brutal den Garaus gemacht. Mit feiner Blockadeerklärung gegen Deutschland und chrer Erweiterung auf den ganzen europäischen Kontinent hat England wider Willen das meiste ge­tan zum Durchbruch der Ueberzeugung, daß ohne Vernichtung der britischen Seetyrannei die Freiheit der Meere nicht gesichert ist. So hat Englands Blockade das Beste getan zum Zusammenschluß des Kontinents. Denn allen seefahrenden Völkern des Kontinents hat Enaland im letzten Jahr einen sehr eindringlichen Anschauungsunterricht darüber erteilt, was es bedeutet, wenn der Seeräuberinstintt des Briten mit vollendeter Willkür in die natio­nalen Volkswirtschaften der kontinentalen Völker Europas eingreift, um sie sich und feiner Kriegfüh­rung dienstbar zu machen. Und vielleicht zum ersten- mal in der Geschichte ist ganz anders wie im Weltkrieg oder zur Zeit der Kontinentalsperre Napo­leons in diesen Völkern das Gefühl gemeinsamen Schicksals und vielleicht sogar schon das einer ge­meinsamen Abwehr im Werden.

Deutschland kämpft für eine wahrhafte Freiheit der Meere, für eine Befreiung Europas von bri­tischer Willkür und es wird kämpfen bis das Ziel erreicht ist.Es wird die Stunde kommen", so prophezeite der Führer,da eiper von uns beiden bricht, und das wird nicht das nationalsozialistische Deutschland sein." Mit dem deutschen Volk hat die

Heue Erfolge der italienischen Lustwaffe.

Mienischer WehrmachWericht.

Rom, 6. Sept. (DRV.) Der italienische Wehr- machtsbericht vom Freitag hat folgenden Wortlaut:

Gestern wurde ein doppelter Angriff auf IN a l t a durchgeführt. Beim ersten Aufklärungsfluge am Vor­mittag konnte der Auftrag vollkommen durch­geführt werden, weil die zum Schuh aufgestiegenen englischen Jäger beim Angriff unserer Jagd­flugzeuge sich durch die Flucht dem Kampf ent­zogen. Zwei feindliche Jagdflugzeuge sind mit INa- schinengewehrfeuer beschossen und beschädigt worden.

während des zweiten Angriffs am Rachmittag ha- den Sturzbomber st affeln (Picchiatelli), die überraschend über der Insel erschienen, das Fort Detimara getroffen und halb zerstört sowie ein Brenn st offdepot in Brand geworfen, wobei weder die englischen Jäger noch die Flak in Aktion traten.

Im östlichen Mittelmeer Hal unsere un­ermüdliche Luftwaffe den bereits gestern schwer an­gegriffenen Geleitzug erneuterreicht. Lin Handelsdampfer wurde schwer getroffen, ein anderer, der vielleicht gestern getroffen worden ist, wurde in einer Bucht mit schwerer^Schlagseite aufgefunden.

In Rordafrika haben unsere Flugzeuge die Brennstofflager von Suez bombar­

diert sowie Kraftwagen, die auf der Landstraße bis in der Nähe von S o l l u m überrascht wurden. Alle bei diesen Angriffen eingesetzten Flugzeuge sind zu ihren Stützpunkten zurückgekehrt.

Im Roten INeer haben Teile unserer Luft­streitkräfte einen feindlichen Geleitzug angegriffen und zwei Dampfer schwer getroffen, weitere feindliche Schiffe sind im Innern des Ha­fens von Aden bombardiert und getroffen wor­den. Unsere Flugzeuge sind trotz Angriffs feind­licher Jäger zurückgekehrt. Lin feindliches Flugzeug ist im Kampf abgeschossen worden.

Eine andere Formation hat feindliche Truppen­lager bei A ch i d in der Gegend von Tocar (obe­rer Sudan) mit Erfolg bombardiert.

wie immer über die Schweiz kommende feindliche Flieger haben einen nächtlichen Luft­angriff auf Turin unternommen, Schäden von geringerer Bedeutung sind an Privatwohnungen verursacht worden. Die beiden oberen Stockwerke eines Wohnhauses im Viertel Santo Paolo sind zer­stört worden, doch blieben die Einwohner, die sich beim Alarm in den Luftschutzkeller begaben, unver­letzt. Einige Eisenbahnwagen sind auf dem Bahnhof in Brand geraten, weitere Bomben wurden in der Nähe der Stadt auf offenes Feld geworfen, ohne Schaden zu verursachen.

Wunsch einer Manifestation der amerikanischen Sympathien für den britischen Krieg schmackhaft zu machen sucht. Aber auch die amerikanischen Zerstö­rer, die noch aus dem Weltkrieg stammen und we­gen ihrek verfehlten Konstruktion von Brasilien, dem man sie früher schon einmal hatte verhöckern wollen, dankend abgelehnt worden waren, werben bie britische Seeherrschaft nicht mehr retten.

Unentwegt unb in wachsender Intensität wirb das deutsche Vernichtungswerk fortgeführt werben, und wie bas britische Geleitzugsystem sich auf die Dauer als wirkungslos erweisen wird, so wirb auch die britische Luftwaffe, die Tag für Tag die schwersten Verluste hinnehmen muß unb ebenfalls schon nach Hilfe über den Atlantik ausschaut, sich bald außerstande sehen zur Verteidigung der Insel. Jetzt schon ist sie nicht mehr in der Lage, den bri­tischen Luftraum vor den vernichtenden Bomben­angriffen der deutschen Kampfgeschwader zu schützen und in den heftigen Luftkämpfen mit den deutschen Jägern ergibt sich immer wieder eine ein­deutige Unterlegenheit der Royal Mr Force. So bleibt ihr nichts anderes übrig als die nächtlichen Einflüge in deutsches Gebiet und die planlosen Bombenabwürfe auf Wohnviertel, Krankenhäuser, Kirchen und Bauernhöfe. Aber auch diesen Nacht­piraten wird bas Handwerk gelegt werden, so ver­kündete der Führer, die deutsche Luftwaffe wird Nacht für Nacht Antwort geben auf den frevelhaf­ten Unfug planlosen Bombenwurfs über deutschem Land.England wird niederbrechen! So oder so!" Und es ist allein der Führer, der den Zeitpunkt be­stimmen wird für den Entscheidungsgang mit dem letzten Feind einer glückhaften deutschen Zukunft und einer auf wahrer Freiheit und einem gerech­ten Ausgleich nationaler Interessen beruhenden Zu­sammenarbeit der europäischen Völker.

Dr. Fr. W. Lange.

Was ein britischer Seemann erlebte.

2 Bombenangriffe auf neunwöchigerFahrt.

Neuyork, 7. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der hier auf einem englischen 7000-Tonnen-Frachter an- gefommene englische Seemann Michael Barker beschreibt imNew Port Journal" seine Erlebnisse auf einer neunwöchigen, von 32 Angriffen unter­brochenen Reise:Das Schiff verlieh London am 2. Juli, aber den Kanal erst nach sechs Wochen. Die Zwischenzeit hat uns gelehrt, welches Gefühl es ist, Schwärmen von Sturzbombern hilflos ausgesetzt zu sein. Die ständigen deutschen Bombenangriffe trieben das Schiss immer wieder zur Reparatur nach Portland oder Sout­hampton. Der stärkste Bombenangriff beschädigte die Maschinen und Schiffsklappen und durchschlug

ganze Welt erfahren, was von Prophezeiungen Adol Hitlers zu halten ist. Seit er die Geschicke Deutschlands in feine Hand genommen hat, ist es ihm stets gelungen, für seine Voraussagen den vollen Wahrheitsbeweis anzutreten, und er wird nicht 30gern, auch diesmal fein Wort in die Tat um­zusetzen. Mit grimmigem Sarkasmus hat er auf die Frage der Engländer, die die Wochen ständiger Erwartung eines deutschen Angriffs schon unerträg­lich zu empfinden beginnen: ,Za, warum kommt er denn nicht?", die Antwort erteilt:Beruhigt euch, er komm t!" Es wird alles klug, vorsichtig und gewissenhaft vorbereitet und wir wissen alle, daß sich diese Sorgfalt der Vorbereitung immer ge­lohnt hat. Nicht nur die großen Aktionen, die Deutschland außenpolitisch frei und stark machten und dann das Großdeutsche Reich schufen, sondern auch die unvergleichlichen Erfolge der Blitzfeldzüge des ersten Kriegsjahres zeugen für diese Praxis sorgfältigen Planens. Der Führer hat noch niemals einen Tag nutzlos verstreichen lassen, er hat nie sein Ziel aus dem Auge verloren. Wie die Vernichtung Polens, die Besetzung Norwegens, Hollands und Belgiens und die Zerschlagung der französischen Heere alles nur dem einen Ziel der Isolierung Eng­lands galt, so sind seit dem Abschluß des Feld­zuges auf dem Kontinent Deutschlands Kriegs­marine und Luftwaffe aus den neugewonnenen weit gespannten Stellungen heraus Tag für Tag daran, die britische Verteidigungskraft zu zermürben. Kein Geleitzug, der mit Waren des dringenden Lebens- bedavfs ober von der Rüstungsindustrie sehnlich er­warteten Rohstoffen sich noch ungeschoren in einen britischen Hafen schlängeln könnte, kein Flugplatz, kein Hafen, kein Rüstungswerk, kein Munitions­lager auf der britischen Insel, die nicht schon die vernichtende Wirkung deutscher Bomben zu spüren bekommen hätten.

Die britische Flotte, die wegen der Notwendigkeit des Schutzes der vielen und langen überseeischen Verbindungswege von jeher den größten Wert auf besonders zahlreiche leichte Seestreitkräfte gelegt hat, hat mit ansehen müssen, wie bei den schneidi­gen deutschen Angriffen auf die so viel gepriesenen Geleitzüge nicht nur täglich Zehntausende von Ton­nen kostbaren Frachtraumes versenkt wurden, son­dern auch ein britischer Zerstörer nach dem ande­ren in Grund gebohrt wurde. Wenn sich die bri­tischen Kriegsmacher schon hilfeflehend an die Ver­einigten Staaten wenden und, um die eigene Flotte mit ein paar veralteten amerikanischen Zer­störern auffüllen zu können, den Vereinigten Staaten die britischen Besitzungen in den amerikanischen Ge­wässern als Marine- und Flugzeugstützpunkte einräu­men mußten, so kann es nur bittere Not gewesen sein, die London zu diesem, das Ansehen des Empire so kompromittierenden Schritt gezwungen hat und es ist sehr durchsichttg, wenn Churchill diesen beschä­menden Vorgang seinen Landsleuten mit dem

die 5/s Zoll starken Stahlklappen. Während des 12tägigen Aufenthaltes in P 0 rtla nd wurde der Dampfer Taa für Tag bombardiert. Es wurden Luftkämpfe über unseren Köpfen ausgesoch- ten. Zwei Besatzungsmitglieder mußten wegen Ner­venzusammenbruch nach Hause geschickt werden. Ein längsseits liegender Panama-Frachter wurde versenkt, und ein am Ufer stehender Oeltank ging in schwarzen Rauchwolken auf. Bei einem nochmaligen Besuch Portlands beobachteten wir ein von eigener Flak abgeschossenes englisches Flugzeug. Drei Tage nach dem Verlassen Portlands sah ich in einem Walliser Hafen einen anderen Oettank in Flammen aufgehen. Während der Atlantikreise sind fünf Schiffe des eigenen Geleitzuges Und zwei Schifte eines anderen Zuges torpediert wor­den." Barker schließt mit den Worten:In wenigen Tagen werden wir in die gleichen Gewässer zuruck- kehren und wochenlang dem Tode ausge­setzt sein."

Liverpool hat stark gelitten.

Mailand, 7. Sept. (Europapreß.) Aus L i - 0 e r p 0 0 l kommende Reisende berichten, wie sich Ambrosiano" aus Dublin melden läßt, daß dieser wichtigste Hafen der britischen Westküste, eine Stadt von 900 000 Einwohnern, in den letzten zwei Wochen durch die deutschen Fliegerbombardierungen ge­waltig gelitten hat. Die Stadt erlebte in den letzten sechs Tagen 22 Fliegeralarme, die in einigen Fällen mehrere Stunden dauerten und Handel wie Verkehr lahmlegten. Die Benzin­lager des Hafens wurden in Brand geworfen. Mehrere Stunden lang waren alle Löschversuche vergeblich, so daß. die ganze Zone von der Polizei abgesperrt werden mußte, um die Neugierigen fern- zuhalten. Die deutschen Bomben haben ferner gro­ßen Schaden imHafenbecken und besonders im

Birkenhead-Dock angerichtet, wo mehrere Schifte beschädigt wurden. Der Hafenverkehr ist auf ein Minimum beschränkt. Das Löschen der Schifte erfolgt jetzt außerhalb des Hafens, weil die Hafen­dämme stets Luftangriffen ausgesetzt sind. Seit meh­reren Wochen treffen feine ausländischen Schiffe mehr ein, mit Ausnahme einiger klei­ner Fischdampfer aus Island. Die Bevölkerung hat die Stadt in Massen verlassen.

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Wie das DNB. erfährt, haben deutsche Auf­klärungsflugzeuge am 5. 9. über Liverpool festgestellt, daß durch die vorausgegangenen An­griffe deutscher Kampfflieger Bombentreffer bei dem Gaswerk von Liverpool, in Lagerhallen, einem Kühlhaus und in den Trockendocks erzielt worden sind. Auch ein großes Handels­schiff hat einen Bombentreffer erhalten. Bei dem Nachtangriff vom 5. 9. zum 6. 9. wurden Brände und Explosionen in den Industrieanlagen von Li­verpool und Birkenhead beobachtet. Eine Ex­plosion war noch in 5000 Meter Höhe zu spüren. Die Brände in den Großtanklagern von Thames- Haven wurden in derselben Nacht um sechs weitere vermehrt.

Neue Ueberflieguug der Schweiz.

Gens, 6. Sept. (Europapreß.) In der Nacht zum Freitag stand wieder ein großer Teil der Schweiz unter Fliegeralarm. In den großen Städten am Genfer See ertönten die Alarmsirenen vier­mal, zweimal vor und zweimal nach Mitternacht. Das Brummen der Motoren war trotz des Sirenen­geheuls deutlich zu hören. Die andauernden Neu­tralitätsverletzungen durch die Royal Air Force werden in der schweizerischen Presse täglich ausführ­lich kommentiert, wobei sich die Blätter wenig über­zeugend bemühen, den Nachweis zu erbringen, daß alles geschehe, um diese Neutralitätsverletzungen zu verhindern.Journal de Genöve" meint, auch dis Bürger der Achsenländer in der Schweiz würden genau so durch die Sirenen und die Schüsse der schweizerischen Abwehrbatterien gestört wie die Schweizer, wozu allerdings zu bemerken ist, daß diese Batterien er ft ganz neuerdings in Funktion getreten sind. Aehnlich äußert sichCour- rier de Genöve". Das Blatt hält es sogar für an­gebracht, sich über die italienische Presse zu beschwe­ren, die die Haltung der Schweiz mit Recht kriti­siert hat.

Auf her Fahrt.

Von Waldemar Bonsels.

Wie der Krieg die Menschen verändert hat! Schon jetzt, nach wenigen Monaten, haben die Männer, die von den Ruhrnesseldern der Schlachten zu uns zu­rückkehren, eine neue Seele bekommen. Die glühen­den Sturzbäche dieser Lebensleidenschaften ver­wandeln ihre Gemüter, reinigen sie von allem Kleinen und Kleinlichen und machen aus stumpfen Bürgern heldenhafte Täter.

Mir ist das niemals so deutlich geworden, als in der Nacht, die ich kürzlich im engen, halbdunklen Wagen eines Personenzuges zubrachte, der von der belgischen Grenze aus durchs Rheinland ins Hessische fuhr. Wir hockten einander in einem alten Wagen auf zwei Bänken gegenüber, rechts und links von meinem Platz erhoben sich zwei riesige rohlederne Stiefel, in denen die Füße meines Gegenübers steckten, eines bärtigen Kanoniers, der mit tief ge­neigtem Kopf schlief.Du erlaubst schon ..." hatte er gesagt, als er sich diesen Platz für seine Füße wählte. Es schien ihm gar nicht in den Sinn zu kommen, daß jetzt noch ein Landsmann anders als mitdu" angesprochen werden könnte, sein brüder­liches Lächeln war ohne einen Schatten von An­maßung, und ich fühlte mich zwischen den beiden ledernen Säulen geborgen, uno wie in eine Ge­meinschaft eingeschlossen, die ich früher nicht ge­kannt habe.

Neben dem Schlafenden saßen zur Rechten und Linken zwei verwundete Pioniere, die nach Bayern, in die Heimat, zurückwollten, einer von ihnen streckte sich in die Wagenecke, der verwundete Arm ruhte über der Brust, die gesunde Hand hielt ein kleines Buch schräg gegen das trübe Licht. Er las angestrengt und mit dem etwas traurigen Gesichts­ausdruck, den einfachen Leuten oft eine geistige Be­schäftigung verleiht. Im Brusteinschnitt seines Rockes das Eiserne Kreuz, dieses rührend einfache Denk­mal des Heldentums, das in diesen herrlichen, schrecklichen Tagen wie ein heller Stern über den Männern unseres Volkes glänzt. Es war neu ge­prägt, und die Ränder funkelten, der kleine Stern war der schimmernde Mittelpunkt dieser dämmrigen Kammer, die mit uns ermüdeten Menschen über das nächtliche Land rollte

Es fuhren noch zwei Bauern mit uns im Wagen und ein junges Mädchen, das ländlicher Herkunft sein mochte, aber Wert darauf zu legen schien, für eine Dame aus der Großstadt gehalten zu werden. Ihr Nachbar, ein bayerischer Reiter, hatte im Schlafe feinen schweren, blonden Kopf mit der zer­knitterten Mütze auf ihre Schultern gelegt, sie saß steif und gerade, zugleich verlegen und mitleidig, und lächelte zuweilen wie enftchuldigend zu mir herüber, als ob sie sagen wollte:Ich lasse sonst keine Soldaten dort liegen, aber jetzt ... nun, Sie werden verstehen ..."

Ich darf nicht vergessen, daß noch ein weiterer Kriegsmann im Wagen lag, lang ausgestreckt am Fußboden, auer durch den ganzen Raum. Er schlief fest, schnarchte laut und trug feldgraue Uniform, deren Farbe, bis zur Unkenntlichkeit verstaubt, den Zwecken alle Ehre machte, bie. man mit ihr verbun­den hat. Sein Kopf hing ihm nieder, ich habe nie­mals für möglich gehalten, daß ein Mensch in solcher Lage zu schlafen imstande sei.

Seit einer Weile war das Gespräch ins Stocken gekommen, die Zigarren gingen den Schläfern aus, das Rasseln des alten Wagens und das Schnarchen füllten den kleinen heißen Raum. Ich betrachte den lesenden Krieger vor mir und sein Ehrenkreuz; er schien mit dem Inhalt des Buches nicht einverstan­den zu fein, denn der Ausdruck seines Gesichtes war sorgenvoll und ablehnend. Zu Beginn unserer Fahrt hatte ich ihn nach den Taten auszuforschen gesucht, denen er seine Auszeichnung verdankte, aber er hatte mir nichts erzählt. Er sah mich lange ruhig an, als erinnere er sich einer ganz anderen Welt, einer weiteren, größeren, voll glühender Wildheit, bann sagte er langsam:

Unter ben anberen, den Toten, hat es mancher eher verdient als ich, sie liegen jetzt begraben im Feld. Ich unb ein paar Kameraben, wir stürmten den Bunker, jeber hätte bas gleiche getan."

Er legte in Gedanken die Hand auf sein Kreuz, lächelte stolz unb traurig unb sah wieder in das Buch. Nach einer Weile hielt er es mir hin und meinte schwerfällig:Dies hat man mir geschickt, wer mag es geschrieben haben ... oh je? Es geht ganz anders zu in der Welt, sage ich. Man sollte nur so schreiben, daß bie Brust weit wirb unb bas Herz sich bessert. Verstehen Sie mich? Aber dies da??

Er bat mich bann, ihm die Zigarre anzuzünden, und wieder zog eine träge Nachtstunde ?m Fahren und Halten dahin. Das kleine Fräulein hob nach einer Weile die schlafende Last an ihrer Schulter beiseite, zog ihre Jacke aus, machte ein Päckchen daraus und schob es unter den Kopf des Schlafen­den zu unseren Füßen. Er wachte darüber nicht auf, obgleich sie es in ihrer Befangenheit ungeschickt ge^ nug anstellte.

Du scheinst dich deiner Tat zu schämen, dachte ich, aber hätten nicht eher wir Grund, weil keiner von uns daran gedacht hat?

Und wieder schlich im Schweigen eine ungewisse Spanne Zeit herum. Der bärtige Artillerist, der mich in seiner rauhen Umklammerung hielt, seufzte im Schlaf, unb sein Bärenkörper schien beunruhigt burch einen Traum.Deutschland ..." murmelte er in tiefem Schlummer. Der Lesende sah über sein Buch auf ihn hin, lächelte und stieß ihn an. Da der Schlafende sich nicht rührte, sah er zu mir herüber, zuckte die Achseln und meinte nachsichtig:Vielleicht träumt er, spricht im Schlaf, der ... das kommt vor."

Die nächste Station war der Ort meiner Bestim­mung. Da ich früher einem Turnverein angehört fjabe, gelang es mir, den Wagen zu verlassen, man schien erleichtert und grüßte schläfrig.

Nun, meine ich, ich hätte auf dieser Fahrt Großes erlebt, unb kann es boch nicht sagen, benn wie ver­möchten Worte ben Glanz wieberzugeben, ber oft in Stunden ber Ergriffenheit in uns aufleuchtet? Ich sah einen Kämpfer mit bem Eisernen Kreuz an ber Brust, der von seinen Taten schwieg unb seine toten Brüder rühmte, eine kleine Vornehme, die rhr schönes Gewand im Staub preisgab, um den Schla­fenden zu schützen, und einen bärtigen Arbeitsmann, dessen Traum sich in einem Seufzer der Sorge und des Glücks offenbarte: Oh Deutschland ...

Aber eines wußte ich zuversichtlich, als ich in der nebeligen Nacht durch ben Walb schritt: Nie, nie ist bies Lanb, dies Volk zu überwinden! 5)r kennt es nicht, ihr, die ihr es bekämpft unb haßt, kennt nicht den Kern in seiner rauhen Schale. Unb ber Boben, ben meine Füße traten, bie kalte, feuchte Luft, bie ernsten Bäume, alles was mit ihnen lebte, war mir aufs neue gegeben, bas heilige, ewige Eigen- tum unserer tiefften Berechtigung.

Vögel als Vielfraße.

Wir sagen zwar von einem Menschen, ber wenig ist, er äße wie ein Vogel, aber selten ist ein Ver­gleich unpassenber als dieser, denn bie meisten ge­fieberten Bewohner ber Luft sind geradezu unge­heuerliche Vielfraße, und wenn wir im Verhältnis zu unserer Körpergröße bas gleiche Nahrungsbe­dürfnis hätten, fo müßten wir täglich hundert Pfund Nahrung unb mehr verschlingen. Viele Vögel ver­zehren täglich mehr Nahrung als ihr Körpergewicht beträgt. Das Rotkehlchen verspeist mit Leichtigkeit innerhalb von vierundzwanzig Stunden zweimal so viel Nahrung, wie es selbst wiegt. Ein ausgesproche­ner Vielfraß ist der Eisvogel. Ein Naturforscher hat bieses Tier, bas täglich das Dreifache seines Ge­wichtes an Nahrung bewältigt, bei seiner Mahlzeit beobachtet unb geriet in bas höchste Erstaunen übet bie Geschicklichkeit, mit ber er Fisch für Fisch Der« schlang, von denen mancher halb fo groß war wie' er selbst. Die jungen Vögel im Nest nehmen fast alles, was ihnen bie Eltern bringen.Ich Habs aber junge Drosseln beobachtet", schreibt ber Be­obachter,bie trotz aller Bemühungen bie Würmer! nicht herunterbekommen konnten, die die vorsorg­lichen Ellern herbeigebracht hatten. Einmal sah ich einen jungen Vogel, wie er sich bemühte, einen Wurm zu verschlingen, der bettächtlich länger war als er selbst. Nach längeren Anstrengungen schluckte er ben Wurm herunter, aber während er daran schluckte, ringelte sich das unglückliche Tier schon wieder zu seinem Schnabel heraus, ein zweites Mal Sir bQ5 Bögelchen den Wurm herunterzu­schlucken, aber wieder kam er heraus, bis beim brit-

Mal bie Drossel schließlich ben Schnabel festge- siylossen hielt unb so ben Wurm in seinem Magen

JmSm5)e süßeren Vögel, wie zum Beispiel ber Bussard, stopfen sich so voll, daß sie bann nicht mehr fliegen können, besonbers, wenn sie einige Zeit Mangel an Nahrung hatten. Auch ber Rabe macht seinem Ruf der Geftäßigkeit alle Ehre. Ein Freund beobachtete einmal im Balkan Geier, die sich übet ein totes Pferd hergemacht hatten. Nach einer halben Stunde war an dem Tier nicht mehr die geringste Spur von Fleisch, die Geier aber waren so, vollgefressen, daß sie nicht ein paar Meter weit fliegen konnten." c. K