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Aus der Stadt Gießen.

Kleiner Bpriljpairerganq

Der lange Winter hat bas Wachsen und Blühen stark verzögert. Doch werden ein paar warme Tage rasch aushoien und die Zauberkraft der Sonne um so sieghafter' erweisen

Vorerst haben nur die kleinen Vodenblüher in Busch und Wald ihre Augen geöffnet, die blauen Veilchen, die weißen Anemonen, die gelben Schlüs­selblumen, das blaue Lungenkraut, die violette Taub­nessel und noch einige andere Krauter, deren Lebens­frühling kurz ist und deren hochzeitliches Prangen vorüber sein muß, bevor Sträucher und Bäume über ihnen sich betäuben und ihren Tag verschatten. Ohne das belebende und kraftspendende Licht würden sie nicht zum Blühen kommen und elend verkümmern Viele von ihnen erfreuen sich bereits regen Jnsekten- besuchs.

Ueberhaupt herrscht in der Tierwelt, schon ein fröhliches Getümmel. Wo ein paar Sonnenstrahlen den Boden treffen und wärmen, stellt sich bald die Eidechse ein, deren zierlicher Körper die Sonne mit allen Poren einsaugt. Sie braucht diese Wärmezu­fuhr in hohem Maße, um ihre winterliche Schläfrig­keit und Gliederstarre völlig überwinden zu können. Unter der täglich größer werdenden Schar der Vögel ist ein wahrer Sängerkrieg ausgebrochen: Außer den bekannten Meisen-, Amsel- und Finkenstimmen überraschen das lustige Pfeifen des Kleibers, das verliebte Trommeln des Spechts, der unermüdlich wiederholteZilp-Zalp"-Ruf des Weidenlaub­vogels und das fröhliche Schmettern des Baum­piepers, das dem Gesang unseres Kanarienvogels ähnelt und dessen jauchzende Schlußschnalzer in schwebendem Flug erklingen. Ihnen allen rumort der Frühling im Blute und treibt sie zu verliebten Spielen, zu unermüdlichem Locken und Werben, zu hochzeitlichen Freuden. Vele sind mit Eifer und Emsigkeit schon auf der Wohnungssuche, andere haben sogar diese Sorge bereits hinter sich und arbeiten zu zweit am Aufbau des Nestes.

Die gleichen Vorbereitungen für das künftige Ge­schlecht verraten die fleißigen Flüge der Bienen und Hummeln. Besonders die schwarze, hinten rostrot gefärbte Steinhummel summt im Bereich der wei­

ßen und violetten Taubnessel als unersättlicher Gast. Sie hat ihrer Körpergröße wegen nicht soviel Aus­wahl wie die kleineren Bienen, und darum sind ihr die langen Blütenröhren dieser Lippenblütler vor allem willkommen.

Ein Pfauenauge dagegen segelt mit müdem Fluge vorbei: Es hat wohl schon seine Eier an die Blätter der Brennessel abgelegt und damit seinen Daseins­zweck erfüllt. Sein stolzes Flugleben geht zu Ende. Anders verhält es sich mit dem weißen, grünlich marmorierten Aurorafalter, der jetzt erst feiner Puppe entschlüpft, übermütig über dem Wiesen­schaumkraut schaukelt. Vor ihm liegt noch das Land der Äugend mit lockenden Sonnenfahrten und Lie­besfeiern. Er ist der erste und eigentliche Frühlings­falter. P. B.

Tageskalender für Samstag.

Stadttheater: 20 bis 23.30 UhrEmilia Galotti". (26. Freitag-Miete.) Gloria-Palast, Seltersweg: Ein Mann auf Abwegen". Lichtspielhaus, Bahn­hofstraße: 14 UhrDer Choral von ßeutben";Aus erster Ehe" Gießener Kunstwoche: Ausstellung im Foyer des Stadttheäters von 17 bis 18 Uhr. Artilleristen-Kameradschaft 1895: 20.30 Uhr Mo­natsappell mit Vortrag im hessischen Hof". Kavallerie-Kameradschaft, Gießen: 20 Uhr Kame­radschaftsappell imBayerischen Hof". Post- Sportverein, Gießen: 20.30 Uhr Jahreshauptver­sammlung imFrankfurter Hof".

Tageskalender für Sonntag.

Stadttheater: 11.30 bis 12.30 Uhr Morgenfeier der HI. des Standortes Gießen. 19 bis 22 Uhr Der Graf von Luxemburg". Gloria-Palast, Seltersweg:Ein Mann auf Abwegen". Licht­spielhaus, Bahnhofstraße: 14 Uhr:Der Choral von teuren;Aus erster Ehe".

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Gießener Frauen vorbildlich am Werk.

Der heutige Krieg unterscheidet sich in vielen Din­gen vorn Weltkrieg, besonders auch in der Frauen­arbeit. Man sieht so wenig von dem, was die Frauen des Deutschen Frauenwerkes Besonderes leisten, daß es sich schon einmal lohnt, wenn wir gemeinsam einen Gang durch Gießen machen.

Wir beginnen beim Bahnhof. NSV.- Bahn­hofsdienst steht groß über einer Tür. Frauen des Frauenwerkes arbeiten hier feit Kriegsbeginn. Anfangs waren mehr als 100 Frauen hier in ver­schiedenen Schichten eingesetzt, seit nun die Rück­wanderer alle ihren festen Wohnsitz zugewiesen be­kommen haben, sind die Anforderungen an den Bahnhofsdienst geringer geworden, aber noch immer haben die Frauen Tag und Nacht ihre Aufgabe und erfüllen sie mit viel Fleiß und großer Aufopferung.

Beim Weitergehen durch die Straße begegnen wir Müttern mit Kindern. Sie gehen zur Schuh- t a u f ch st e l l e! Begleiten wir sie einmal. Wieder finden wir Frauen des Deutschen Frauenwerkes, die mit viel Frohsinn versuchen, den Nöten abzuhelfen, und manches Kind, das der Schuh drückt, zieht fröh­lich mit einem Paar gut paffender Schuhe ab. Frei­lich wäre es leichter, wenn lauter neue Schuhe zur Verfügung ständen, aber die gut erhaltenen Schuhe der Sammelstelle tun noch lange gute Dienste, und wertvolles Volksgut wird so richtig verwertet.

Gleich daneben herrscht richtiger Betrieb. Wir sind in der N ä h st u b e ! Unter sachgemäßer Leitung von Schneiderinnen werden hier aus den gesammelten Kleidungsstücken brauchbare Kleider und Wäschestücke für die NSV. hergerichtet. Hier hört die Arbeit über­haupt nie auf, denn auch die Landfrau darf ihre Wäsche hierher zum Flicken und Stopfen schicken und bekommt alles wohlversorgt wieder.

Ganz besonders beliebt sind die Hausschuh- k u r f e. Jedermann kann hier lernen, wie man Hausschuhe anfertigt, und braucht dafür sich nie mehr einen Bezugschein zu holen.

Auf dem Markt beenden wir unseren Gang und kehren zum Schluß in der Marktberatungs- [teile ein. In allen Nöten des Haushaltes hilft hier die Leiterin gern den Hausfrauen. Da gibt es bestimmte Nährmittel, die gerade zur Zeit besonders empfehlenswert find, oder solche, die gerade jetzt von der Verbrauchslenkung aus gewünscht werden, daß man sie verwendet. All dies und die nötigen Re­zepte hierzu hören wir hier. Auch Anregungen für Krankenkost oder Diätkost gibt uns die Leiterin gern. Sie freut sich, wenn ihre kostenlose Beratungsstelle noch viel mehr benützt wird.

Eine ganz besonders aufopfernde Arbeit unserer Frauen ist die Tätigkeit in der Nachbarschafts­hilfe, und davon sieht man nirgends etwas. Da ist eine Hausfrau erkrankt, der Mann ist im Felde, wer kümmert sich um das Nötige? Frauen der Nach­barschaftshilfe sehen nach dem Rechten. Die Woh­nung wird saubergehalten, die Kranke versorgt, die Kinder in Obhut genommen und das Essen gerichtet. Es gibt so manche ältere Frauen, die mit den Karten nicht gut zurechtkommen. Eine jüngere Frau besorgt seit Monaten die Laufereien und Einkäufe. Unzählig find die vielen Fälle, in denen still geholfen wird.

Neben all diesem tätigen Handeln versucht das Frauenwerk in den monatlichen Gemeinschaft s- abenben seinen Mitgliedern durch gute Vorträge das innere Rüstzeug für das Durchhalten in der Kriegszeit zu geben, denn die seelische Anspannung der Frau, deren Mann nun schon feit Kriegsbeginn im Dienste des-Vaterlandes steht, ist sehr groß.

Die Feierstunde zur Gießener Woche für Kunst und Literatur.

Im Rahmen der Gießener Woche für Kunsk und Literatur fand gestern abend in der Neuen Aula der Universität eine Feierstunde statt, die den zahl­reichen Teilnehmern zu einem feinen und reichen geistigen Erlebnis wurde. Nach einer ausgezeichne­ten Wiedergabe der Ouvertüre zuOberon" durch Das Städtische Orchester unter der Leitung von Ka­pellmeister Paul Walter, hielt der Leiter des Goethebundes (gleichzeitig im Auftrag des Kauf­männischen Vereins und der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde) Dr. Henning' eine kurze Be­grüßungsansprache, in der er besonders den Kreis­leiter, die Vertreter der Wehrmacht, des Staates, der Stadt und die zahlreichen Mitglieder und Gäste willkommen hieß. Er dankte in kurzen Worten für das rege Interesse, das der Gießener Woche für Kunst und Literatur entgegengebracht werde.

Nach der Aufführung einer Händelschen Kompo­sition (Concerto grosso Nr. 10 in g-moll) hielt der Vertreter des Reichsministeriums für Volksauf­klärung und Propaganda,

Dberreqierung^rof (schlecht

(Berlin), einen Vortrag, in dem er die gegenwär­tige geistige Situation in unserem Vaterlande um­riß. Er sprach zunächst vom Krieg und der gegem wärtigen politischen Situation. Der Redner kam dann auf die Frage zu sprechen, was eigentlich die Kultur mit dem Kriege zu tun habe. Er antwortete auf diese Fragestellung mit einem Worte des Füh­rers, in dem gesagt wurde, daß es zu kämpfen gelte für die Sicherung des Bestehens und der -Vermeh­rung unserer Rasse, unseres Volkes, für die Er­nährung und Reinhaltung unseres Blutes, für die Freiheit und Unabhängigket des Vaterlandes und dafür, daß unser Volk zur Erfüllung der auch ihm vom Schöpfer des Universums zugewiesenen Mis­sion heranzureifen vermöge. In diesem Kampfe bilde das deutsche Schrifttum der Gegenwart und der Vergangenheit die ewige Quelle zur inneren Bereitschaft und geistigen Wehrhaftigkeit der Nation

Im Mittelpunkt der Feierstunde stand der Vor­trag des Literaturhistorikers

Prof. Dr HeinbolO AuchwalS

über das ThemaSchiller und die Gegenwart". Der Redner ging aus von einem Brief eines Soldaten, aus dem zu erkennen war, daß sich der deutsche Sol­dat gerade in ber®egenmart zum deutschen Idealis­

mus und zu den Klassikern bekenne. Goethe und Hölderlins Werke seien es insbesondere, nach denen der Soldat greife und nicht Schillersche Werke. Um Schiller mache sich immer noch eine Entfremdung und Mißdeutung bemerkbar, die für die Epoche vor und nach der Jahrhundertwende charakteristisch ge­wesen fei. Jetzt aber fei die Zeit gekommen für eine neue Eroberung des Schillerschen Vermächt­nisses.

In seinen weiteren Darlegungen brachte der Vor­tragende eine klare Charakterisierung der Dichter Schiller und Goethe. Er sprach davon, wie Goethes Dichtungen Dokumente seines Lebens seien,ge­wachsene" Dichtungen, reife und schöne Früchte vom Baume seines Lebens, in einem geheimnisvollen Vorgang aus dem Unbewußten entsprungen. Schil­ler dagegen habe bewußt seine Werke geschaffen, Werke, die eine ganz bestimmte Wirkung auf seine Zeit und sein Volk haben sollten. Er habe feige Werke auf der Grundlage eines klaren Programms geschaffen, das selbst wiederum das Ergebnis jahre­langer eindringlicher Gedankenarbeit gewesen 'sei. Alle seine Werke seien erfüllt von der Sorge und der Verantwortung für das gemeinsame Schicksal seines Volkes. Seine Dichtung sei bewußt geform­tes Werkzeug im Dienst der nationalen Wieder­geburt.

Dann hörte man von der Bedeutung und den Gehalten feiner SchauspieleDie Räuber" und ..Wilhelm Teil": der Redner sprach ferner von auf­schlußreichen Szenen in Schillers Jugenddichtungen. Man hörte davon, wie den jungen Schiller zwei Anlagen in ihm bedrängten: auf der einen Seite das Künstlertum, auf der anderen sein politischer Tatwille. Schiller habe nicht Ruhe gefunden, bis er beide Aufgaben miteinander verbunden habe und das Ergebnis eine Kunst geworden fei, die als po­litische Tat wirke, aber doch ganze und echte Kunst und nicht nur Tendenzkunst sei.

Nachdem Professor Buchwald diese Bemühung Schillers in vielen seiner Werke nachgewiesen hatte, sprach er abschließend von der menschlichen Größe und dem Heldentum feines Lebens, und beendete mit dem Goetheschen Epilog zurGlocke" den un­gemein eindringlichen und gehaltteichen Vortrag.

Mit der Ouvertüre zuJdomeneo" (Mozart), und mit dem Gedenken des Führers, von Kreisleiter Backhaus in Worte gefaßt, fand die Feierstunde ihren Abschluß.

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