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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Aus -er Stadt Gießen.

Das Leben ruft.

Es ist eine sehr wichtige Sache, die jetzt an man- chem Abend tm Familienkreis besprochen wird. Nicht lange mehr dauert es nämlich, und der kleine Her­bert soll sein Berufsleben beginnen. Sie nennen ihn immer noch denKleinen" in der Familie, obwohl Herbert groß ist und in seiner Klasse zu den Längsten zahlt. Zu Hause aber bleibt er eben derKleine" well er als Spätling kam.

Herbert kommt in ein Baugeschäft, das steht be­reits fest. Sein ältester Bruder, der schon seit vielen Jahren als Maurer tätig ist, hat ihm sehr dazu geraten, und Herbert hat auch große Lust zu dem Beruf. Zunächst wird er Maurerlehrling, und später, nach einer entsprechenden Gesellenzeit, geht es auf die Bauschule. Dabei wird ihm sein zeichnerisches Talent zustatten kommen. Dann kann er als Bautechniker tätig sein und vielleicht einmal die Laufbahn eines Baumeisters oder Architekten einschlagen. Es ist ein aussichtsreicher Berus, den sich Herbert erwählt hat, zu dem er auch die volle Zustimmung des Arbeits­amtes fand.

Der Vater hat schon öfter darauf aufmerksam ge­macht, daß mit der Beendigung der Schulzeit der einschneidendste Abschnitt im Leben seines Sohnes beginnt. Doch Herbert lächelt nur fröhlich dazu. Die Schule ist bald eine überwundene Sache, was dann kommt, ist weniger langweilig, denkt er im stillen und zählt fiebernd die Tage, die noch verbleiben. Er ist zwar kein schlechter Schüler gewesen, aber er hält mehr von den praktischen Dingen. Daß es auch bei den praktischen Dingen zunäckst sehr viel zu lernen gibt, wird er bald merken. Aber wer versteht nicht den Drang eines Vierzehnjährigen, den es aus der Schulstube hinauszieht, wo das Leben ruft.

Das Leben ruft jetzt wiederum die Jungen und Mädchen in großen Scharen, die demnächst die Schule verlassen werden. Alle haben sich nun zu ent­scheiden, welchem Beruf sie sich zuwenden wollen. Dabei leistet ihnen die Berufsberatung des Arbeits­amtes wertvolle Hilfe, und vielen ist bereits, wie auch in Herberts Fall, eine Lehrstelle nachgewiesen worden. Denn an Lehrstellen mangelt es heute we­niger als an geeigneten Lehrlingen. Der Fach­arbeitermangel in den meisten lohnenden Berufen ist so groß, daß durch eine geeignete Lenkung des Lehr­lingseinsatzes in planmäßiger Weise für den Nach­wuchs gesorgt werden muß. Hier gilt es für Eltern wie für die künftigen Lehrlinge in sorgfältigster Weise alle Fragen zu klären, die das Beste des jun­gen Menschen im Auge haben, die aber zugleich auch vom Standpunkt der Allgemeinheit wichtig sind. Denn nur dann, wenn dem Gemeinwohl gedient ist, wird auch der Lehrling am richtigen Platz sein Schick­sal freudig schmieden können. H. W. Sch.

Wechsel in der Kreisgeschäftsführung der Partei.

Mit Wirkung vom 16. Februar 1940 ab ist der jetzige Kreisgeschäftsführer der Kreisleitung Wet­terau der NSDAP., Pg. Hermann Wagner, zum Geschäftsführer bei der Gauwaltung der Deut­schen Arbeitsfront in Frankfurt a. M. berufen wor­den. Pg. Hermann Wagner, der seit März 1938 Kreisgeschäftsführer der hiesigen Kreisleitung ist, war, nachdem er in Gießen seit Juli 1931 die NSBO. aufgebaut hatte, seit der Gründung der Deutschen Arbeitsfront Kreisobmann der DAF. des Kreises Wette rau mit d em Sitz in Gießen. In allen Bevölkerungskreisen im Kreise Wetterau wird Pg. Wagner große Wertschätzung entgegen­gebracht. Seine gediegene Sachkenntnis und seine verbindliche Art im Umgang mit allen Volksge­nossen haben ihm in Stadt und Land viele Freunde erworben.

Sein Nachfolger als Kreisgeschäftsführer des Kreises Wetterau wird der Ortsgruppenleiter von Gießen-Mitte Pg. Hans Weber. Pg. Weber stammt aus Butzbach; seit seiner Jugend lebt er in Gießen. Er hat den Weltkrieg in einem Infanterie-Regiment mitgemacht, gehörte der Partei schon vor der Macht­übernahme an und ist heute noch als Angehöriger des SA.-Sturmes 43/116 eng mit der SA. verbun­den. Die Leitung der Ortsgruppe Gießen-Mitte hat er seit 1937 inne. Pg. Weber behält die Leitung der Ortsgruppe Gießen-Mitte bis auf weiteres bei.

Richtiges Vollkornbrot in jedes Haus.

Zn absehbarer Zett in jeder Bäckerei zu haben.

Bon Or. med Bruno Gondolatsch, Geschäftsführer des Reichsvollkornbroiausschuffes.

Führende Männer des Reiches haben in Wort und Schrift immer wieder betont, daß die Ernäh­rungslage des deutschen Volkes in der gegenwärti­gen Zeit durchaus sichergestellt ist. Es handelt sich nur darum, in den zur Verfügung stehenden Le­bensmitteln den höchsten Nährwert zu erhalten.

In diesem Zusammenhang spielt der Brotverzehr eine entscheidende Rolle. Zu etwa ein Drittel deckt der Mensch heute seinen täglichen Nahrungsbedarf durch Brot. Ob alt oder jung, reich oder arm, jeder ißt täglich mehrmals Brot. Es ist daher nicht ohne Bedeutung, ob dieses Nahrungsmittel vollwertig oder entwertet ist. In Verbindung mit allen in Frage kommenden Dienststellen der Partei, des Staates und der Wirtschaft sorgt die Gesundheits- führung^ daß dieses Brot in Form eines einwand­freien Vollkornbrotes zur Verfügung gestellt wird.

Vom Standpunkt einer vollwertigen Ernährung gesehen, wäre das Streben nach Hellem Brot, das im letzten Jahrzehnt sich mehr und mehr steigerte, nicht anders zu werten als ein Farbenkult, wenn das Brat aus Hellen Mehlen dieselben Bestandteile enthielte wie das Brot aus dem vollen Korn, also das Voll kornbrot. Das ist aber nicht der Fall. Um die Unterschiede in der Zusammensetzung und damit den (gesundheitlichen) Wert der Ausmah­lung zu verstehen, muß man sich den Aufbau des Korns vorstellen: Der wertvollste Teil des Getreide­korns ist der Keim. Er ist reich an hochwertigem Eiweiß, reich an Mineralstoffen und enthält eine Menge von Schutzstoffen (Vitamine), besonders die Vitamine der B-Gruppe. Gesundheitlich äußerst wichtig sind auch die Randslhichten des Korns. Sie enthalten ebenfalls hochwertiges Eiweiß, Mineral­stoffe und von Vitaminen wiederum reichlich die B-Gruppe. Das Innere des Korns stellt lediglich noch einen Stärkekern dar, der nur sehr geringe Mengen von Mineralstoffen und Vitamin B ent­hält sowie ein geringwertiges Eiweiß. Gerade der Keim und die Randschichten des Getreid e körn s mit den unersetzlichen Vi t a m i n e n sind in den Hellen Mehlen nicht mehr enthalten! Bedeutende Ernährungs­forscher, wie z. B. Professor Scheunert, haben schon seit einem Jahrzehnt darauf hingewiesen, daß bei der modernen Ernährungsweise die Ditamin-B-Zu- fuhr häufig unzureichend ist, insbesondere, wenn einseitig Helle Mehle, Helles Brot und sonstwie tech­nisch bearbeitete Produkte, wie Fleisch bevorzugt werden, dagegen Kartofteln, Gemüse, Milch und Obst in den Hintergrund treten. Dabei braucht man gar nicht soweit zurückzugehen, um auf das Voll­kornbrot als wesentlichen Nahrungsbestandteil zu stoßen. Wer hat nicht früher einmal mit Vergnügen von einem dunklen Bauernbrot gegessen und be- d-a^iert, daß man solches Brot in der Stadt nicht mehr erhält? Heute kann man freilich auch auf dem Land,? weit gehen, um richtiges Bauernbrot

zu erhalten. Mit der Verstädterung verschwand all­mählich die altüberlieferte Ernährungsweise. Es be­dachte wohl niemand in den Zeiten der Verstädte­rung und Industrialisierung, daß die dadurch be­dingte Umstellung unserer Ernährung schwer­wiegende Folgen haben würde. Aber heute weisen die Ernährungsphysiologen eindringlich auf die Zahnfäule hin, wissenschaftlich Karies genannt, auf die Zunahme der Stoffwechselkrankheiten usw. als Folgen einer fehlerhaften Brotnahrung hin.

Der Reichsvollkornbrotausschuß, der sich aus Ver­tretern aller, an der Dollkornbrotfrage interessier­ten Stellen von Partei, Staat, Wirtschaft usw. zu­sammensetzt, hat die Aufgabe: 1. das, Verständnis für die gesundheitliche Bedeutung des Vollkornbrotes zu erwecken, 2. den Verbrauch von gutem Vollkorn­brot zu steigern, 3. dafür zu sorgen, daß Vollkorn­brot nur in bester Qualität auf den Markt gelangt.

Die vom Reichsvollkornbrotausschuß bisher ein­geleiteten Maßnahmen sichern vor allem die ein­heitliche und gleichbleibende Quali­tät. Es ist selbstverständlich, daß der Mensch ein Nahrungsmittel ablehnt, das ihm in geschmacklicher und sonstiger Beziehung nicht zusagt. Das gilt ent­sprechend auch vom Brot, ganz gleichgültig, ob es sich um Vollkorn- oder anderes Brot handelt. So­weit hierbei ein vollwertiger Ersatz des einen Nah­rungsmittels durch ein anderes in Frage kommt, wäre diese Tatsache nicht weiter bedenklich. Wenn wir es aber wie beim Brvt mit dem weitestverbrei­teten Nahrungsmittel zu tun haben, das fast zu keiner Tageszeit auf dem Tisch zu fehlen pflegt, wenn außerdem dieses Brot als Vollkornbrot für die Gesundheit unentbehrliche Bestandteile enthält, so ist es ganz besonders die Pflicht der verantwort­lichen Stellen, dafür zu sorgen, daß das Brot gern gegessen wird und durch Erhaltung der Wertstoffe seinen Zweck in der Ernährung erfüllt.

In absehbarer Zeit wird es in jeder Bäckerei und in allen Brotverkaufs­läden Vollkornbrot geben. Die zuständi­gen Stellen geben sich in Anerkennung der gesund­heitlichen Notwendigkeiten alle erdenkliche Mühe, in kurzer Zeit die Bäcker durch Sonderlehrgänge mit den backtechnischen Fragen vertraut zu machen. Vollkornbrote werden durch eigens dazu ausersehene Institute untersucht und, wenn sie als einwandfrei befunden werden, anerkannt. Die gutes Vollkornbrot verkaufenden Geschäfte werden durch ein Plakat kenntlich gemacht, das anerkannte Vollkornbrot wird mit einer Gütemarke versehen. Fortlaufende Untersuchung der Vollkornbrote garantiert nicht nur für gleichbleibende gute Qualität, sondern darüber hinaus noch für stetige Verbesserung.

Alles in allem: Vollkornbrot luftig aufbewahrt, nicht zu frisch gegessen und vor allem gründlich ge­kaut ist das vollwertigste Nahrungsmittel, das uns die deutsche Erde gibt.

Vornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Wehrwissenschaftlicher Vortrag: 20 Uhr im Großen Hörsaal des Ehemischen Instituts, Professor Dr. Haag überSeuchenbekämpfung im Kriege". Stadttheater: 20 bis 22.30 UhrBengalische Zu­kunft". Gloria-Palast, Seltersweg:Nanette". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Drei Väter um Anna".

Stadttheater Gießen.

Am heutigen Dienstag wird die KomödieBen­galische Zukunft" von Gesell und Martin zum ersten Male wiederholt. Spielleitung Dr. Hannes Razum. Bühnenbild Karl Löffler. 18. Vorstellung der Diens­tag-Miete.

BDM-Untergau 116 Gießen.

Die Februarschulung für die Führerinnen der Gießener BDM.-Werk-Gruppen findet Mittwoch, 7. 2., um 20 Uhr, im Möserheim statt. Die Schu­

lung für die Führerinnen der Gießener Mädelgrup­pen findet am Donnerstag, 8. 2., um 19.30 Uhr, statt.

Das Rote Kreuz vermittelt Sendungen an Kriegsgefangene und Internierte.

Das Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes teilt folgendes mit: Neben dem Versand von Briefen und Paketen bis zu 5 kg, die nach den bei jedem Postamt zu erfragenden Besinnungen an Kriegs- Postamt zu erfragenden Bestimmungen an Kriegs­land abgeschickt werden können, vermittelt das Deut­sche Rote Kreuz, außerdem den Versand von Typen- Paketen, die solche Gegenstände enthalten, deren Ab­sendung den Angehörigen im allgemeinen nicht mög­lich ist. Dabei handelt es sich um Tabak, Seife, Süß­waren, verlagsneue Bücher und Noten.

Merkblätter und Bestellkarten sind bei den DRK.° Stellen sowie bei dem Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes, Berlin SW 61, Blücherplatz 2, er= ^ältlich^

Schnee-Eis weg vom Bürgersteig!

In den letzten Tagen konnte man in zahlreichen! Straßen Männer und Frauen, Buben und Mädels eifrig beim Schneeschippen, vor allem auch bei der Säuberung der Bürgersteige von den festgetretenen Schneemassen sehen. Erfreulicherweise wurden da­durch die Wegeverhältnisse erheblich verbessert. Allerdings traten nun diejenigen Stellen der Straße, die bisher noch nicht gesäubert wurden, um so auffälliger und unangenehmer in Erscheinung. Bis heute früh gab es in den Straßen immer noch zahlreiche Stellen, an denen die Säuberung des Bürgersteigs von Schnee und Eis überhaupt noch nicht, oder nur mangelhaft vorgenommen worden war; namentlich fallen hierbei manche Straßen­übergänge, z. B. der Bahnübergang an der Ecke Frankfurter Straße-Liebigftraße, sowie der Platz vor der Universitäts-Bibliothek und manche Bür- gersteigflächen vor öffentlichen Gebäuden unliebsam: auf.

Bei der jetzigen Witterung sind die Schnee-Eis-, flächen und -huckel auf den nicht gesäuberten Bür­gersteigen und Plätzen eine erhebliche Gefahr für die Straßenpassanten, die insbesondere in den Abend- und in den frühen Morgenstunden während der Dunkelheit groß ist. Die mit der Säuberung d-er Bürgersteige noch rückständigen Hauseigentümer oder Reinigungsverpflichteten, aber auch die für die einwandfteie Beschaffenheit des Geländes vor öffentlichen Gebäuden verantwortlichen Stellen, mögen sich die Säuberung der Bürgersteige nun­mehr dringend angelegen sein lassen. Bekanntlich haftet jeder, der die Reinigung des Bürgersteiges von Schnee und Eis schuldhaft versäumt, für alle f daraus erwachsenen Schäden, besonders auch dann, wenn ein Passant stürzt und gesundheitlichen Scha­den erleidet; auch die Haftpflichtversicherungen haben das Recht, Ersatzansprüche gegen die säumigen Schuldigen geltend zu machen. Aber abgesehen von Schadensersatz wird es doch sicherlich nicht im Sinne verantwortlich denkender Volksgenossen liegen, daß durch ihre Fahrlässigkeit andere Menschen Schaden erleiden sollen.

Daher noch einmal: Sofort mit allem Schnee­eis weg vom Bürgersteig! Und außerdem: Heb er all die Bürgersteige mit Asche oder anderen abstump- fenden Mitteln bestreuen!

Das Schneekleid zerstießt.

Nach wochenlanger Herrschaft ist es nunmehr um den Schnee schlecht bestellt. Sein weißes Kleid hab sich arg ins schmutzig-graue verfärbt, vielfach ist es sogar vollständig verschwunden, so daß Wege und Straßen, Aecker und Gärten in ihrem natürlichen Gewand jetzt wieder sichtbar geworden sind. 2)je Herrlichkeit des Schnees ist verhältnismäßig rasch ins Wässerige verflossen zu unser aller Freude, denn jedermann war der ganze Winterzauber allmählich doch reichlich überdrüssig geworden.

Sauerkraut erhält frisch und gesund!

LPD. Gerade in den Winter- und Frühlings­monaten, die wenig frische Gemüse und Salate bie<* ten, ist es für die Hausfrau nicht immer leicht, den! Küchenzettel so zusammenzustellen, daß ihre Famte lie genügend Vitamine und Mineralftosfe bekommt. Deshalb ist jetzt das Sauerkraut besonders will­kommen. Es enthält fast die gleichen Nährstoffe wis Frischgemüse und ist reich an Zellstoff, Vitaminen und Mineralstaffen. Dazu kommen noch Milch- und Essigsäure, die durch den Gärungsprozeß erzeugt werden. Gerade die Säure ist es, die so appetitan­regend wirkt. Das Zusammenwirken von Säure und Zellstoff ist besonders günstig für die Verdauung. Wichtig ist, daß der Säst des Sauerkrautes vvr der Zubereitung niemals weggegossen werden darf, denn er stellt ein vorzügliches Mittel zur Reinigung des Magens und Darmes dar. Man kann diesen Saft auch so trinken, entweder rein oder mit Zu­gabe von etwas Apfelsaft und Zucker. Im rohen Sauerkraut sind die Nährwerte am reinsten erhall ten. Wer es nicht so gern ißt, kann es auch schmacki haft als Salat zubereiten.

** M i t dem Treu dien st- Ehrenzeichen! ausgezeichnet. Dem Schneider Josef Co en, wohnhaft Friedensstraße 9, der bei der Heeresstand- ortoerwaltung tätig ist, wurde für 25jährige treue Dienstleistung das silberne Treudienstehrenzeichen verliehen.

Vom Gchisahren.

Bon Georg Rendl.

Erst seit wir den Schisport kennen, hat uns der Winter all seine Wunder, Schönheiten und Geheim­nisse aufgetan. Es gibt wohl keinen gesunden,^kräf­tigen jungen Menschen, dessen Wunsch und Sehn­sucht es nicht wäre, einmal, ein einziges Mal aus Schiern zu stehen und sich in der Kunst des Schi­fahrens zu versuchen. Und wer jemals das eigen­artige, seltsame Erlebnis erfahren hat, scheinbar seine Schwere verloren zu haben, den lockt es immer und immer wieder sein zuerst geringes Können zu vermehren. Denn sobald wir im rich­tigen Schnee auf Schiern stehen, scheint es, als wären wir andere Wesen geworden, beschwingtere, freiere, von der Last unseres Körpers entbundene. Und doch wieder ist es, daß das Gleiten im Schnee uns mit einem unermeßlichen Körpergefühl be­schenkt. Jede Sehne unseres Leibes nimmt Teil am Gelingen eines Bogens, an der Schußfahrt, am Sprung über die Sck)anze, am Ersteigen eines Hanges. Die ständige Bereitschaft des Geistes glei- chermaßen des Körpers formen Gesicht und Ge­stalt dessen, der diesen Sport in Liebe und mit Be­geisterung übt.

Alles in diesem Sport will erlernt sein, selbst der Sauf auf ebenem Plan oder ebener Straße, und jede Variante dieses Sportes schenkt dem Lehrling wie dem Meister Freude und Genuß.

Es gibt vielerlei Arten von Schifahrern; die einen betreiben den Sport um feiner selbst willen, muhen sich um beste Leistungen im Sprung Abfahrt und Slalom und Langlauf, anderen ist er das Mittel für das keusche Erlebnis des Winters allen aber wird er zu einem der schönsten Freuden des hebens. , .. .. .

Eine Hügel- eine Bergkette liegt.verschneit im bläulichen Dunst des Winters, im reinen Glast der Sonne vor uns. Wir rüsten zur Schiwanderung auf den höchsten Gipfel, der stolz aus der Region des Waldes in den stahlblauen Winterhimmel empor ragt. Wir queren die ebenen Wiesen, ro*£J/^en .n Schnee. Seltsam, wie jedem unserer Schritte ein Gleiten folgt! Die Schier, die beiden «tocke chrei- 6en in den Schnee, ob wir den Langlaufschritt auch wirtlich beherrschen. Seltsam auch, wie jede kleinste

Unebenheit den Rhythmus des Schreitens bestimmt, wie wir die geringste Neigung, den unscheinbarsten Hang verspüren, seltsam wie wir eins werden mit Boden, Schnee und Schi.

Der Hangwald, dessen Bäume riesige Lasten des Schnees tragen/ tut uns, die wir ihn lautlos be­treten und durchwandern, seine Geheimnisse dar. Weglos steigen mir empor, queren Hänge und Hal­den. Manchmal.befreit ein Ast sich vom Schnee und eine weiße Säule stäubt und rieselt hernieder. Wir steigen und steigen, die Vorfreude einer herrlichen Abfahrt läßt uns nicht ans Müdewerden denken. Der Wald wird lichter, wir sind bei den Almen, deren Halden und Hänge wir überwinden, immer das Ziel, den Berggipfel vor Augen. Jede Steigung meistern wir auf die gemäße Art, und unser Körper ist ganz untertan unserem Willen.

Vielleicht wolkt der Bergwind Schnee über den Gipfelgrat, vielleicht rührt kein Windhauch die hart­gefrorenen Schneekristalle an. Wir haben uns em­porgearbeitet, und der Lohn unserer Mühe, der erste Lohn ist die Schau in die vom Winter ver­zauberte Welt, die Sicht über das endlose Winter­land, die Sicht in Täler, auf Dörfer, Städte und Hügel, Wälder und weiße Felder. Vielleicht rasten wir und lassen uns von der Sonne bräunen, viel­leicht aber rüsten wir nach genießender Umschau alsbald zur Abfahrt.

Ja, wir sausen in steiler Schußfahrt den Hang hinab. v . ri . ,

Mit unerhörter Aufmerksamkeit und mit fast sehe­rischer Sicherheit prüfen wir in dieser raschen Fahrt alle für die nächsten Sekunden gegebenen Möglichkeiten, und jede geringste Veränderung des Geländes, jede Mulde, jeden kleinsten Graben, jeden Felsblvck, der uns in der nächsten Sekunde in Ge­fahr bringen könnte, müßen wir durch rasche oder weite Bögen, durch Quersprünge oder Stemmbögen meistern. Ja, unser ganzer Körper arbeitet mit, und manchmal, scheint es, als ob selbst die Haltung un­serer Hand mithülfe, einen Sturz zu vermeiden ober einen Bogen zu fahren. Alles, was wir bei früheren Fahrten ober auf einer Uebungsroiefe leicht ober mühevoll erlernt haben, kommt uns nun waute, unb wir spüren bei solcher Gelegenheit, mas uns noch mangelt, was wir noch erlernen oder erüben müssen.

Die Hangsahrt läßt uns ahnen, was es hieße, aus seiner eigenen Kraft fliegen zu können aber im

vollen Ausmaß wird uns die Ahnung dieser Glück­seligkeit erst im Sprunge zuteil.

Ohne Zweifel ist das Springen die Gipfelleistung des Schisports, der Traum und die Sehnsucht aller Anfänger und Meister. Jahrelanges lieben, jede Mühe und Gefahr nehmen wir mutig auf uns, blaß um das Wunder des Schwerelosseins kosten zu dürfen. Welcher Mensch, der da einen zwischen Himmel und Erde schweben sieht, könnte sich einer leisen, neidvollen Bewunderung, eines gruseligen Staunens erwehren? Der Traum der Menschheit ist, wenn auch bloß für die Dauer weniger Sekun­den in Erfüllung gegangen. Ikarus des Winters ist der Schispringer.

Aber wir wollen zur Wirklichkeit einer Abfahrt vom Bergkamm zurückkehren. Bogen und Quer- Sprung haben uns den Hang meistern geholfen. Ueber sanftere Hänge gleiten wir hin, vielleicht in weniger rascher Fahrt, die uns die Freude ver­längert.

Ein Hang, der uns allerlei Uebungsmöglichkeiten bietet, lockt uns zu längerem Verweilen, und nicht oft genug können wir Aufstieg und bogenreiche Abfahrt wiederholen, denn selbst für den Meister ist stets noch etwas zu üben und für jeden noch etwas zu lernen.

Da es zu dämmern beginnt, ist es an der Zeit, die Abfahrt fortzusetzen. Nun geht es in kunstreichen Windungen durch den Wald. Das Abenteuerliche einer solchen Waldfahrt ist schwer in seiner vollen Schönheit und in seiner eigenartigen Stimmung zu schildern. Es ist wohl meniaer das Technische der Leistung, das eine solche Fahrt unvergeßlich macht, als vielmehr die Fülle und rasche Folge all der Bilder, die der Winterwald uns ohne Unterlaß zu weisen vermag. Manchmal ist es, als führen wir durch ein weiß behangenes gewaltiges Tor in eine dämmernde Halle; ein aufflatternder Vogel löst einen weiß riefelnden Vorhang, ein Hase schreckt uns im jähen Aufsprung, ein Rudel Rehe jagt fliehend dahin. Vielleicht treffen wir eine Dermin- terte Quelle, die irgendwo aus einem Steilhang, aus einer Felskluft murmelt. Heber und über ist sie mit rilligem Eis gepanzert, mächtiae Eisfäulen ragen und hängen, und irgendwo tief hinter dem Eisvorhang gluckst das Wasser.

Einer tief verschneiten Waldkapelle mögen mir begegnen, vielleicht führt uns der frei gemählte Weg über eine Rodung; die Wurzelstöcke vom tiefen

Schnee überroölbt gewähren ein rasches Aus und Nieder; und schließlich sind mir, nachdem mir in rascher Fahrt dem hindernisreichen Wald entrinnen, wieder am ebenen Plan der Aecker und Wiesen.

Wir sind um vieles reicher als jene, denen der Schisport unbekannt und fremd mar; mir haben als uns der Norden den Schisport schenkte, den Winter erst richtig kennen und lieben gelernt, und nun ist er uns nicht mehr der grimmige, unerbitt­liche Feind.

Zeitschriften.

Bei Fliegeralarm muß jeder sofort die Straße verlassen. Nur Querköpfe sehen das nicht ein, spielen am Stammtisch denHelden" und wollen sich lieber so einen Luftkampf mal vom Balkon aus ansehen. Das neueste Heft derSirene" räumt mit diesen Dummheiten eindrucksvoll auf« Bilder von zerschossenen und eingerissenen Häuser­wänden, Treppenfluren, Balkonen und Dachstühlen zeigen, was man zu erwarten hat, wenn man nicht schnell den Luftschutzraum oder zumindest den Hauskeller aufsucht.Luftschutz auf der Leinwand" heißt ein weiterer Bilderartikel, der über zwei neue Ährfilme des Reichsluftschutzbundes berichtet. Da­neben bringtDie Sirene" noch Aufsätze über die Ausbildung im Meldewesen und über ein Uebungs- spiel für Selbstschutzkräfte.

Die Februarfolge vonWestermanns Monatsheften" zeigt einen eindrucksvollen Ausschnitt aus der Bildniskunst Albrecht Dürers und eine Reche von masurischen Landschaften, deren weicher Pastelltechnik der mehrfarbige Offsetdruck aufs beste gerecht wird. Schöne Aufnahmen be­gleiten einen Aufsatz über das italienische Sied­lungswerk in Nordafrika. Was wir von Ernäh­rungsmoden zu halten haben, die von reformfteu- bigen Essern ebenso eifrig verfochten wie von Kon­servativen abgelehnt werden, klärt ein vor allem für die Kriegsernährung aufschlußreicher Beitrag. Den inneren Beziehungen zwischen Heimat und Front find andere Ausführungen gewidmet. Eine wertvolle Untersuchung beweist den hohen Kultur­anspruch des deutschen Arbeiters an das zeitgenös­sische Schrifttum. Grelle Schlaglichter auf die eng- Brutalität zu vermengen, wirst der Rückblick auf lische Taktik, Geschäft und Politik mit heuchlerischer den Opiumkrieg in China.