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Deutschland auch im Kriege geschahterHandelspartner

Reichsminister Or. Goebbels eröffnet die Leipziger Frühjahrsmesse.

Leipzig, 3. März. (DNB.) Am Sonntagoor- mittag wurde die Frühjahrsmesse 1940 im festlich geschmückten Saal des Gewandhauses durch Reichs­minister Dr. Goebbels eröffnet. Einleitend spielte das Stadt- und Gewandhausorchester unter der Lei­tung von Professor Hermann Abendroth das Festliche Präludium von Richard Strauß. Sodann sprach der Präsident des Leipziger Messeamtes, Ludwig Fichte. Anschließend nahm Reichsminlster Dr. Goebbels das Wort. Der Mangel an vielen wichtigen natürlichen Reichtümern und Rohstoffen, so sagte der Minister, habe Deutschland seit jeher zu besonders solider, fleißiger und intensiver Arbeit sowie zu einer bis ins Letzte durchorganisierten nationalen Wirtschaft gezwungen. Der Versuch, den sozialen Standard des deutschen Volkes entsprechend seinem rassischen und kulturellen Hochstand auf diese Weise zu heben, habe durch den Nattonalsozialis- mus seine praktische Durchführung erfahren.

Die plutokratstchen Mächte des europäischen Westens aber hätten dem auf nationaler Selbsthilfe basierenden Versuch der Ausgleichung sozialer Spannungen nur neid- und haßerfüllt gegenüber' gestanden. Sie hätten nicht wahr haben wollen, daß auch dies nur ein Beweis für unseren Willen war, ein starkes, unabhängiges, in seiner eigenen Siche­rung ruhendes Deutschland auf fr ie blitze Weise aufzubauen. So hätten sie auf die immer und immer wiederholten Friedensbemühungen des Führers stets nur mit eisiger Ablehnung oder gar mit offenem Hohn und zynischer Verachtung geant­wortet. Die Mahnungen des FShrers, den durch Versailles geschaffenen gefährlichen Zustand und die damals bewußt von ein paar gewissenlosen Kriegs­hetzern in Osteuropa angelegten Brandherde auf friedliche Weise zu beseitigen, hätten im plutotra- tischen Westen kein Gehör gefunden. Denn London und Paris hätten ein starkes und unab­hängiges Reich grundsätzlich nicht dulden wollen. Zunächst mit wirtschaftlichen Druckmitteln, dann mit einer großangelegten infamen Kriegshetze sei man deshalb gegen das Reich vorgegangen, und die Welt fei sich heute bereits durchaus im klaren über die wahren Ursachen für den brutalen und prvozierten kriegerischen Ueherfaß auf das Reich.

Allerdings könne man fehl schon eindeutig fest­stellen, daß der Plan der britischen Plukokra- tle ooHf omtnen gescheitert sei. Deutsch­land noch einmal wie 1917 Und 1918 wirtschaft­lich abzuwürgen, um es dann Englands poli- tisch-imverialen Zielen gefügig zu machen. Eng­lands Blockade sei nicht zum Zuge gekommen. Infolge rechtzeitiger und vorsorglicher Maß­nahmen sei es diesmal völlig unmöglich, Deutschland ernährungspolitisch auszuhungern. Als geschlossene nationale Gemeinschaft und in einer militärischen Bereitschaft, die ihre Durch­schlagskraft im Feldzuge der 18 Tage in Polen bereits bewiesen habe, stehe das deutsche Volk den kriegerischen Ereignissen diesmal in ruhiger und souveräner Sicherheit gegenüber: Bei einer solchen Haltung habe auch die feindliche Lügen­propaganda nicht die geringste Aussicht auf Erfolg. Das deutsche Volk in seiner Gesamtheit kämpfe heute ausschließlich für den Steg, und kein Deutscher zweifle an der siegreichen Be­endigung des Krieges.

Dabei gehe das Leben ttotz der Umstellung auf den Krieg seinen normalen Gang weiter, und so könne auch die Leipziger Frühjahrsmesse mit mir geringen Einschränkungen gleich wie im Frieden eröffnet und durchgeführt werden. Das Reich er­bringe mit ihr den Beweis, daß es entschlossen und fähig sei, auch mitten im Kriege weiter­hin eine unverminderte Qualitäts­arbeit zu leisten. Geordnet und stark erfüllten Deutschlands Handelsplätze auch jetzt ihre lebens­wichtigen Funktionen. Die Ausstellerzahl und die belegte Ausstellungsfläche seien in diesem Jahr fast gleich so hoch wie früher. Ein-beredtes Zeugnis dafür, daß stärkster englischer Druck das Ausland nicht von der Erkenntnis habe abbringen können, daß es das Reich wirtschaftlich genau so nötig habe, wie Deutschland das Ausland brauche, fei die aus­ländische Beteiligung an dieser Messe. 6411 Aussteller auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1939 stünden diesmal wieder nahezu 6400 gegenüber, 271 Ausstellern ausländischer Rohstoffe und Nah­

rungsmittel aus dem Jahre 1939 in diesem Jahre rund 200. So betrage die Gesamtausstellerzahl dies­mal 6600 gegenüber 6682 im Jahre 1939. Zahl­reiche Länder seien auf der Messe vertreten, 15 von ihnen auch diesmal wieder mit Kollektivausstellun­gen. Der beste Beweis dafür, daß Deutschland ein geschätzter Handelspartner sei und daß der deutsche Außenhandel auch im Kriege außerordentlich aktiv geblieben sei. Auf wirksamste Weise werde durch diese Leipziger FrühjahrStnesse der katastrovhale Blockadeirrtum der britischen Plutokratie ad ab­surdum geführt. England habe eben nicht mehr das Deutschland von 1914/18 vor sich, das sich nur zö­gernd und deshalb mit seinen Abwehrmaßnahmen immer hinter der Entwicklung herhinkend, gegen die brutalen britischen Blockade absichten zu wehren wußte. Diesmal seien durch eine weitblickende natio­nalsozialistische deutsche Staatsführung s ch o n vor­beugend alle nötigen Maßnahmen getroffen worden, um die englischen Blockadeabsichten zu durchkreuzen, und so seien die hinterhältigen wirt- schaftlichen Zwangsmaßnahmen Englands von vorn­herein zur Aussichtslosigkeit verurteilt.

In Deutschland habe auch die Umstellung der schon seit Beginn des Vierjahresplanes in nfateften Umfange wehrhaften -Wirtschaft auf die eigentliche Kriegswirtschaft nur verhältnismäßig ge­ringe Reibungen mit sich gebracht. So habe Deutsch­land, das noch Ende Dezember 1933 4 059000 Ar­beitslose zählte, Ende Dezember 1939 nur . noch 128 000 freigesetzte Arbeitskräfte aufzuweisen ge­habt, von denen nur 18 000 voll einsatzfähig ge­wesen seien. England dagegen habe noch am 31. Ja­nuar 1940 1380000 Arbeitslose gezählt. Der Reich­tum eines Volkes sei eben nicht in seinen Devisen- und Goldoorräten, auch nicht ausschließlich in seinen weitoerstreuten Rohstoffgebieten zu suchen, er beruhe vielmehr im wesentlichen auf der angesetzten und nutzbar gemachten Arbeitskraft seiner Bürger.

Dr. Goebbels schilderte dann, weiter, wie die deutsche Werkstoff-, Zellwoll-, Buna- und Treibstoff-

Berlin, 2. März. (DNB.) Generalfeldmarschall Göring ist nach einer einwöchigen Besichti­gung der Westfront mit feinem militärischen Stabe wieder nach Berlin zurückgekehrt. Der Feld­marschall besichtigte zunächst die Luftwaffenoerbände hn Operationsgebiet der Nordseeküste und darauf die i m W e st e n eingesetzten schweren Fliegerkorps und Jagddivisionen auf ihren Front­flugplätzen, sowie eine Reihe von Flakbatterien in ihren Feuerstellungen. Er sprach Führung und Truppe für den bisher bewiesenen Schneid und den vortrefflichen Geist Dank und Anerckennung aus und verlieh einer Reihe von besonders bewähr­ten Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften im Namen des Führers Eiserne Kreuze.

Neben eingehenden Besprechungen mit seinen Ge­neralen nahm der Feldmarschall auch Vorträge der örtlichen Befehlshaber des Heeres entgegen und besuchte u. a. Kampfanlagen des Westwalls. In den einzelnen durchfahrenen Bezirken ließ sich der Fssldmarschall von den Präsi­denten der Reichsbahndirekttonen Bericht über die Verkehrs- und Transportlage erstatten. Das unerwartete Erscheinen des Generalfeldmar­schalls an der Front loste bei den Truppen der Luftwaffe und des Heeres helle Begeisterung aus. Auch bei der Bevölkerung hatte sich feine Anwesen­heit schnell herumgesprochen. Ueberall auf den An­fahrtwegen zu Flugplätze/! und Stellungen erwar­tete den Feldmarschall eine- dankbar freudig be­wegte Menge, die bis in die späten Abendstunden geduldig auf feine Rückkehr wartete.

........(PK.) Grau in grau liegt der weite Feldflugplatz an diesem nebligen Morgen. Kaum 50 Meter weit hat man überhaupt noch eine Sicht. Gut getarnt stehen die einzelnen Flugzeuge, im Nebel sehen sie aus wie vorsintflutliche Ungeheuer. In den Baracken sitzen die Männer der Luftwaffe und erörtern den zu erwartenden Besuch. Ob es ihr Oberbefehlshaber selbst ist? Ein kurzer Pfiff. Binnen weniger Minuten stehen sie im offenen Viereck vor ihren Flugzeugen schnurgerade aus- gerichtet. Kurz darauf taucht auch schon im Nebel

Erzeugung gerade in den Kriegsmonaten einen bis­her kaum für möglich gehaltenen Umfang erreicht habe und wie damit die innerdeutsche Roh - stoffbafis immer mehr verbreite r t worden sei. Für einen inneren Markt sei aber auch die zielbewuhte Aufrechterhaltung der Leistungs­fähigkeit der deutschen Exportindustrie von ausschlaggebender Bedeutung. Die Pflege unseres Außenhandels, die vermehrte Rohstofferzeugung, die Steigerung unserer Produktion von Kriegsmateria­lien und die Erweiterung unserer landwirtschaftlichen Erzeugungsschlacht werden schließlich noch burdfben intensiven wirtschaftlichen Aufbau in ben neuen Ostgebieten ergänzt. Allein durch die Teilung Oberschlesiens habe Deutschland im Jahre 1922 von 2800 Quadratkilometer der Gesamtfläche der ober- schlesischen Steinkohlenreviers '2200 Quadratkilo­meter verloren gehabt, die Polen hätten damals den größten Teil der deutschen Erzgruben und schwer industriellen Betriebe erhalten. Durch die Rückgliederung dieser deutschen Provinzen sei natur­gemäß die Kapazität der deutschen Wirtschaft außer­ordentlich gestiegen. $

Aber wichtigste Voraussetzung für die Stand­festigkeit der deutschen Wirtschaft wie für die Durch­haltekraft des deutschen Volkes überhaupt sei ihre von höchstem nationalem Arbeitsethos erfüllte n a - tionale Ordnung. Denn der Krieg zwischen Deutschland unfr der englischen Plutokratie sei ja auch eine waffenmäßige Auseinandersetzung zwischen dem deutschen Sozialstaat und dem englischen Ka­pitalismus. Deutschlands Wirtschaftsstärke fei das Ergebnis der zusammengefaßten Arbeitskraft von 80 Millionen Menschen. In ihrem Schutz und ihrer Pflege gerade auch im Kriege sähe der Nattonal- sozialismus die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg der deutschen Wirtschaft. So werde, m einer großzügigen Familienunterstützung für die Fami­lien gesorgt, deren Ernährer eingezogen fei, wäh­rend in England das Ringen der Arbeiter um selbstverständliche Lebens rechte noch bis heute ohne

eine Wagenkolonne auf: Generalfeldmarschall G o - ring schreitet in Begleitung einiger Fliegergene­rale, unter denen man u. a. Generaloberst Milch und die Generale Sperrte, Übet und Boden­schatz erblickt, die Front der Kompanien ab. Dann spricht er zu dem fliegenden Personal und läßt sich von jedem einzelnen kurz über seinen bisherigen Einsatz berichten. Zwei verdienten Flugzeugführern wird das E. K. II verliehen. Aus all feinen Fragen hört man die Fürsorge um feine Männer, ob sie nun Unterkunft, Verpflegung ober irgendwelche Sorgen der Männer betreffen.

Lauter Jubel und Heil-Rufe ertönen, als der Feldmarschall feinen Wagen besteigt, um feine In­spektionsreise fortzusetzen. In schneller Fahrt geht e$ durch Dörfer und Ortschaften. Ueberall sieht man freudige Ueberraschung und frohes Lachen auf den Gesichtem der Menschen, die schnell die Sttaßen umsäumen, auf denen die Fahrt zur Grenze geht. Marschierende Kolonnen, die Arbeiter der Bau­stellen und die Bewohner der Dörfer grüßen mit lauten Heil-Rufen den Feldmarschall. An einem Grenzübergang wird kurz haltgemacht. Eingehend läßt sich der Feldmarschall über die Aufgaben und die Tätigkeit berichten. Er spricht auch mit dem jungen Soldaten, der hier als Wachtposten auf der Brücke steht. Ueberall jubelnde Menschen, die uns auf unse­rer Fahrt begleiten. Längs der Grenze geht die Fahrt weiter' zu einem schweren Befeftigungs- werk des Westwalls.Wenn wir so etwas damals )in Flandern gehabt hätten", sagt ein Offizier wäh­rend der Besichtigung dieses gewaltigen Bunkers. Hier kann niemand durch, das ist das Gefühl, das man bei dem Besuch dieses Panzermerkes hat, das nur eines von vielen ist an der Grenze des Reiches im Westen.

Am Eingang des Bunkers steht eine kleine Spen­denbüchse für ein Rundfunkgerät. Sofort verspricht der Generalfeldmarschall, der Besatzung ein Rund­funkgerät zu stiften. Dann hat auch diese Fahrt ihr Ende gefunden. Ueberall war es der Eindruck der echten Verbundenheit zwischen Führung und Volk, die hier in der schwersten Zeit unseres Volkes ihre schönste Bewährung findet. Ludwig Noack.

nennenswerten Erfolg geblieben fei. Im Gegensatz zu England feien in Deutschland Kriegsgewinnler, tum und Profitjägerei sowie schwindelerregende Di» videndenhascherei längst überwunden. Bei uns fei es unmöglich, daß eine Fabrik wie die Werkzeuge Maschinenfabrik Craven Brothers, Manchester, 22Vt und die Flugzeugfabrik Hawker Siddeley Aircrast Company gar 42Vz Prozent Dividende ausschüttet.

In bitfcm Kriege aber werde das Volk sie- gen, das den grüßen sozialen Ausgleich und da­mit der Welt gegenüber die kraftvollste natio­nale Einheit besitze. Des Reiches Wirtschaft fei gesund, seine Währung konsolidiert, seine Volks­gemeinschaft gehärtet und sein Wille unerschüt­terlich. Der Steg sei ihm sicher. Man sollte im übrigen nicht nur Wert auf Hilfsmittel materieller Art legen. Die Geschichte beweise, daß Kriege am Ende immer von Männern entschieden und gewonnen worden seien. Das größte nationale Kapitel also, das ein Volk besitzen könne, sei ein Mann, der führt. Darum vor allem sei das deutsche Volk in seiner Gesamtheit des Sieges gewiß.

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Die erste deutsche Kriegsmesse hat einen guten Auftakt genommen. Unter den Besuchern überwog der deutsche Einzelhandel, der namentlich in den bewirtschafteten Artikeln große Kauflust zeigte, anderseits sich aber auch über die neuen Wandlungen in Form, Material und Muster orientieren wollte. Schon am ersten Tage trat auch das neutrale Ausland in verschiedenen Branchen recht befrie­digend in das Messegeschäft ein.

Oie Verpflegung

-es deutschen Soldaten.

Berlin, 1. März, (DNB,) Am Freitag weilte der Oberbefehlshaber des Heeres Generaloberst von Brauchitsch, in Begleitung des Chefs des Generalstabes des Heeres General der Artil­lerie Halder und des Chefs des Heereswaffen- amtes General der Artillerie Professor Dr. h. c. Becker, Präsident des Reichsforschungsrates, in der Derfuchsküche des Heeresverwal­tung s a m t es. Mit ihm waren die Reichsmini­ster Darre, Graf Schwerin v. Krosigk und Rust erschienen. Der Chef des Heeresver- waltungsamtes Generalmajor Osterkamp gab einen Ueberblick über die Verpflegung des deut­schen Soldaten. Nach ihm berichtete der Chef des Verpflegungs- und Beschaffungswesens, General- ftabsintendant Geheimrat P i e s z c z e k, über die Versorgung des deutschen Feldheeres. Oberregie­rungsrat Dr. Ziegelmayer führte die neue­sten Ergebnisse auf dem Gebiet der Entwicklung neuartiger Lebensrnittel und planmäßiger Nutz­barmachung der wissenschaftlichen Forschung für die Ernährung der Truppe vor. Dann wurden Kost­proben vorgeführt, die überzeugend zeigten, daß die von England versuchte Hungerblockade \für die Versorgung des deutschen Heeres, auch bei längster Kriegsdauer völlig gegenstandslos ift

Wunschkonzerte brachten vier Millionen

Berlin, 3. März. (DNB.) Es war eine ftohe Bilanz, mit der das 34. Wunschkonzert des Deutsch­land senders für die Wehrmacht eröffnet wurde. In den bisherigen 33 Sendungen sind mehr als 4 000 000 Reichsmark in Geld und Sachspenden ein­gegangen, davon allein 624 000 RM. von Freunden im Auslande. Es sind die Wünsche von 33 000 Sol­daten bzw. Soldatengemeinschaften erfüllt worden und 6657 neu geborene Soldatenkinder wurden bei diesen festlichen Sonntagsver anst altem g en gleichsam aus der Taufe gehoben. Inmitten der Besucher weilte an diesem Sonntag Kapitänleutnant Schultze am Mikrophon, um seinen Kameraden von der U-Bootwafte den alten Kampfruf: ,^>eil, Sieg und fette Beute!" zuzurufen.

200 Vertreter der ungarischen Armee wurden vom Reichsverweser empfangen, dem sie die Gefühle ihrer treuen Anhänglichkeit zum Ausdruck brachten. Der Verteidigungsminister überreichte dem Reichs- verwefer einen Ehrendegen, sowie die Goldene Dienstmedaille.

Die Abordnung von türkischen Ingenieuren, die sich zum Ankauf von Lokomotiven, Waggons und anderem Eisenbahnmaterial nach London begeben hatte, hat ihre Arbeiten abgeschlossen. Die Lieferung des bestellten Eisenbahnmaterials soll am 15. April beginnen.

Generalseldmarschall Göring an der Westfront.

Ein Talent wird entdeckt.

Don Karl Neh

Blitzartig leuchtet oft ein einziger Satz in das Dunkel, das sonst vielleicht auf immer über einem Menschenschicksal schweben würde und läßt aus Tausenden den ungewöhnlich Begabten erkennen. Freilich muß auch jemand da sein, der diese Be­gabung erkennt.

Jetzt zählt mir die Zahlen von 1 bis 100 zu­sammen!" sagte eines Tages der Lehrer zu seinen Schülern. Diese setzten sich hin, seufzten und fingen Mhnend an zu addieren. Aber schon nach wenigen Ullinuten guckte der kleine Karl Gauß in die Lust. Erstaunt fragte ihn der Lehrer, ob er denn nicht zurecht komme.Nein, ich bin schon fer- t i g", antwortete Karl. Mit diesen fünf Worten begann für. ihn der Aufstieg zu hohem Ruhm. Der Lehrer sah sich die Losung an und erkannte, daß der siebenjährige Junge durch einen geradezu genialen Trick die Ausgabe in noch nicht drei Minuten gelost hatte. Er machte die Eltern auf die einzigartige Begabung des Sohnes aufmerksam. Er erhielt eine entsprechende Ausbildung und aus dem kleinen Karl wurde später der berühmte Mathematiker und Direktor der Göttinger Stern­warte Karl Gauß.

In München stürzte ein Haus ein. Unter den Trümmern zog man auch einen Glaserlehrling her­vor, der durch einige kluge Bemerkungen auffiel. Nur wenige Minuten hatte sich der Industrielle Utzschneider mit ihm unterhalten. Aber sie genüg­ten, um sein Interesse zu erwecken, das nun nicht mehr erlosch. Aus dem verunglückten Lehrling Fraunhofer aber wurde unter Utzschneiders Forderung später einer der größten Vertreter der wissenschaftlichen und technischen Optik.

Der Beschäftigung des Schweinehütens verdankt der große italienische Maler Giovanni Segan - t i n i seine Entdeckung. Stets nahm er Bleistift und Papier mit auf das Feld. Da zeichnete er die ihm anvertrauten grunzenden Vierfüßler von vorne, im Profil und von hinten, samt dem lieblichen Ringelschwänzchen. Zufällig ging jemgnd smhei

und sah aus ben, ungeschulten Zeichnungen, daß er hier ein ungewöhnliches Talent vor sich hatte. Von nun an ging es mit dem Knaben aufwärts. Segantini hatte nach dem WortSchaffe, Künst­ler, rede nicht!" die Frage nach seinen Fähigkeiten mit dem Bleistift beantwortet.

Mit einem Schlage wurde auch Nicola Paga - ni ni, der dämonische Geiger, ein berühmter Mann. Mit sechs Jahren erhielt er den ersten Geigenunter­richt von seinem Vater und machte bald so unge­ahnte Fortschritte, daß er in der Kirche beim Got­tesdienst spielen durfte. Eines Abends rief ihm der heimkehrende Vater zu:Beeile dich, Schlingel, zieh deinen Samtrock an und nimm deine Geige, du sollst im Konzert des Sängers Marchesi ein Solo spielen." Als der damals neunjährige, kränk­lich aussehende Knabe das Podium betrat, ging eine Welle des Erstaunens durch die Zuschauer. In dem von schwarzen Locken umrahmten blassen Gesicht begannen die großen fieberhaften Augen zu funkeln. Nicola setzte den Bogen an, seine Variationen über ein Volkslied tönten durch den Raum. Je wilder und ungezügelter der Bogen sprang, desto erregter wurde die lauschende Menge. Als der Knabe geendet hatte, toste rasender Beifall durch den Saal. Der Ruhm Paganinis war be­gründet.

Unvergleichlich der Aufstieg Mozarts. In Pa­ris hatte der Siebenjährige den König durch sein Orgelspiel entzückt; hiei^ gab er auch seine ersten Kompositionen heraus. Zehnjährig komponierte er seine erste komische OperLa finta simplice und das noch heute aufgeführte SingspielBastian und Bastienne". Und mit dreizehn Jahre wurde er zum Konzertmeister am Salzburgfichen Hof ernannt, lieber Liszts frühzeitige musikalische Begabung berichtet sein Vater:In seinem sechsten Jahre horte er mich ein Konzert von Ries in cis-moll spielen. Er lehnte sich ans Klavier, war ganz Ohr. Am Abend kam er aus dem Garten zurück und sang das Thema. Wir ließen es ihn wiederholen, er wußte nicht, was er fang. Das war der Anfang seines Genies!" Am 1. Dezember 1822 war sein erstes größeres Konzert, durch das er bei Kritik Md Publikum einen beispiellosen Erfolg errang.

Oberhessischer Kunsiverein.

Luigi Kasimir: Radierungen.

Der Oberhessische Kunstverein läßt mit seiner neuen Ausstellung in Foyer des Stadttheaters aber­mals eine Künstlerpersönlichkeit von scharfer Aus­prägung und einer ungewöhnlichen Reife kennen­lernen. War schon von der vorhergegangenen Aus­stellung (Olaf JordanDas jugoslawische Antlitz") zu sagen, daß sich in ihr der Eindruck einer großen künstlerischen Geschlossenheit bot, so gilt das in einem noch erweiterten Sinn v-n der Sammelschau des Wiener Radierers Luigi Kasimir. Der Künstler, der (bas ist aus seinem Werk ersichtlich) bie alte und die neue Welt gesehen hat, ist zu einer Schau der Dinge um uns gelangt, die auch ben Beschauer seiner BiMr rasch fesselt und ihm das Erlebnis des Künstlers nahebringt, das ben Künstler selbst vor den Dingen erfüllt haben mag.

Wenn dabei zunächst von etwas äußerlich Er­scheinendem gesprochen werden soll, so von der sofort ins Auge fallenden Technik, deren sich der Künstler bedient. Es ist die Technik der Radierung, die komplizierte Technik der farbigen Redierung in einer geradezu virtuosen Handhabung! Dieser Technik liegt hier ein ausgereiftes, zeichnerisches Können zugrunde, das im Zusammenhang mit der farbigen Unter- und Hintermalung eine reiche Skala des Stimmungsausdrucks eröffnet.

Die Stimmungen sind es überhaupt, auf die es Kasimir in jedem einzelnen seiner Bilder anzukom­men scheint, Stimmungen, wie sie sich von Licht und Luft, von Sonne und Wolken, von Wasserspiege­lung, von Nähe und Ferne her ergeben können, wie sie aus der Kenntnis und vollendeten Beherrschung der Gesetze der Perspektive und auch aus der sorg­fältigen Abwägung des Nebeneinanders der Farben und Formen zu gewinnen sind. In den weitaus meisten Bildern sind dabei die Werke des Menschen, die Werke der Architektur, wie auch der Technik im landschaftlichen Rahmen, also vor Wald oder Ber­gen, in der Ebene, am Fluß ober an ber See, der Gegenstand der Darstellung. Die Landschaft an sich trifft man nur in wenigen Blättern an, den Men­

schen überhaupt nicht, sofern darunter Porttät ver­standen sein wollte.

So begegnet man in dieser Schau, trotz der hier angedeuteten Konzentration auf eine ganz bestimmte Aufgabe, einer Fülle der dankbarsten Bildvorwürfe. In vielen der Radierungen spiegelt sich alte Kultur und in anderen der große Zug in Zivilisation und in moderner Technik. Welchen Rahmen sich der Künstler geschaffen hat, erhellt schon aus einer bei­spielhaften Aufzählung einiger Bildtitel. Da steht man den Stefansdorn, Stift Melk an der Donau, Straßenbilder aus Innsbruck, den Schonen Brun­nen zu Nürnberg, das Brandenburger Tor, Bilder aus Hamburg, die Marienburg, ben Dogenpalast in Beliebig, eine alte Brücke in Toledo, Notre Dame zu Paris und Manhattans Wolkenkratzer, die durch die Eigenart der künstlerischen Schau durch­aus sympathisch erscheinen. Das alles erheblich an­ders gesehen, als man sonst die genannten (und andere) Bauwerke zu sehen pflegt. Das alles ift meist impressionistisch, vieles grandios, manches mystisch, wieder anderes idyllisch gesehen und wiedergegeben.

Die Großglockner-Sttaße, Häfen mit Schiffen, Kranen, Hellings und Docks, Lokomotiven und .Brücken usw. findet man dabei mit gleicher Liebe wiedergegeben wie etwa die Interieurs von Kirchen mit all bem Raumzauber, wie er von ben reifen Werken ber frühen oder ber späten Gotik ober oon der erregenden Fülle des Barocks auszugehen pflegt.

Es wäre einem Unrecht gleichzusetzen, wollte man aus der Fülle der von einer reifen Künstlerschaft getragenen und bestimmten Bilder auf das eine oder andere besonders Hinweisen; sie sind fast durch­weg von gleicher großer Eindrucksgewält und wohl in manchem der Besucher der Ausstellung mag ber Wunsch lebendig werden, einer gleichen festlichen und innigen Schau fähig zu fein.

Die Ausstellung, die mir für den Zeitraum von 14 Tagen zur Verfügung steht, verdient alle Beach­tung und müßte für viele einen Anlaß bilden, dem Oberhessischen Kunstverein dafür dankbar zu sein, daß er auch in der Gegenwart feine kulturelle Auf­gabe mit allem bisher gepflegten Ernst erfüllt.

H.L.Neunefe