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Von der Universität Gießen.

Der ordentliche Professor für Bürgerliches Recht, Awilprozeßrecht und Rechtsphilosophie an der Uni­versität Gießen Dr. Bley hat einen Ruf cm die Universität Graz erhalten.

Gietzen-Klein-Linden.

Wehrwiffenschastliche Vorträge unserer Universität.

Oer erste Abschnitt einer größeren Vortragsreihe.

Der Eisenbahnschaffner i. R. Christoph B 0 cking, wohnhaft in Gießen-Klem-Linden, kann am mor­gigen Freitag, 5. Januar, seinen 70. Geburtstag feiern. Der Jubilar erfreut sich noch aller geistigen und körperlichen Frische und nimmt an den Ereig­nissen unserer Zeit lebhaften Anteil. Im Kreise sei­ner Bekannten erfreut er sich hoher Wertschätzung. Wir wünschen dem Jubilar, dem langjährigen treuen Bezieher desGießener Anzeigers', einen frohen Lebensabend.

Bei der Umsiedlung im Handwerk beachten.

NSG. Siedelt ein Handwerker unter Ausgabe sei­nes Gewerbebetriebes von einem Ort in einen an­deren um, so kann er bei Nichtbeachtung des Rund­erlasses des Reichswirtschaftsministers vom 7. Ium 1939 in eine schwierige Lage geraten, die unter Umständen zum Verlust seiner Selbständigkeit führt. Nach diesem Erlaß ist die Verlegung eines Hand­werksbetriebes nach einem anderen Ort ebenfalls als eine Neueinrichtung im Sinne der ersten An­ordnung vom 22. Februar 1939 zur Verordnung über Die Durchführung des Dierjahresplanes aus dem Gebiet der Handwerkswirtschaft anzusehen. Die Verlegung ist demnach nur zulässig, wenn ein Be­dürfnis hierfür anzuerkennen ist, worüber die un­tere Verwaltungsbehörde im Genehmigungsverfah­ren zu entscheiden hat. Beschwerde gegen diesen Be­scheid ist zulässig.

Nie ganz frisch.

Mit der Wiederaufnahme des Lehrbetriebs und damit der vollen Tätigkeit der Ludwigs-Universität in Gießen am kommenden Montag, 8. Januar, nimmt auch, wenige Tage später beginnend, die von uns Mitte Dezember bereits angekündigte Reihe von wehrwissenschaftlichen Vorträgen der Univer- ität ihren Anfang.

Der Besuch dieser wehrwissenschasttichen Vorträge, die im Großen Hörsaal des Vorlesungsgebäudes tattfinden werden, ist vollkommen ko st en- 1 o s. Zugelassen sind die Hörer aller Fakultäten, erner die Angehörigen der Gliederungen der Par­tei und der Wehrmacht. Die zunächst für das erste Trimester festgelegten Vorträge sind nur der An­fang einer größeren Reche von Veranstaltungen dieser Art, die in den folgenden Trimestern mit der Behandlung der verschiedensten Themata der Wehrwissenschaft fortgesetzt werden. Die Vorträge werden von den für die verschiedensten Fachgebiete der Wehrwissenschaft zuständigen Professoren un­serer Universität gehalten, daneben wird man aber auch hervorragenoe Männer aus der Bewegung im Rahmen dieser Vortragsreihe sprechen hören.

Die Vorträge werden jeweils um 20 Uhr c. t. beginnen und bis 21.15 Uhr dauern. Die Vortrags­reihe wird am kommenden Donnerstag, 11. Januar, mit einem Vortrag aus dem Fachgebiet des Rek­tors der Universität eröffnet. Die ersten zehn Vor­träge sollen an folgenden Tagen gehalten werden:

Donnerstag, 11. Januar: Professor Dr. Kranz, Rektor der Universität:Bevölkerungspolitisches und Rassenbiologisches zum Kampf um den Neubau Europas".

Dienstag, 16. Januar: Professor Dr. W i l l e k e : Hauptprobleme der Kriegswirtschaft".

Donnerstag, 18. Januar: Professor Dr. Ses- s o u s :Ernährungssicherung im Kriege von der pflanzenbaulichen Seite betrachtet".

Dienstag, 23. Januar: Professor Dr. Beller: Tierseuchen im Kriege".

Donnerstag, 25. Januar: Professor Dr. Bor­ries:Bismarcks Stellung zu Staat und Volk".

Dienstag, 6. Februar: Professor Dr. Haag: Seuchenbekämpfung im Kriege".

Donnerstag, 8. Februar: Dozent Dr. Deist: Aufgaben des San.-Offiziers im Rahmen der Wehrwirtschaft".

Dienstag, 13. Februar: Professor Dr. K l u t e : Der Ostraum Europas wehrgeographisch betrach­tet".

Donnerstag, 15. Februar: Professor Dr. Rol­fes:Fragen der Ernährungssicherung unter wehr- wirtschaftlichen Gesichtspunkten^.

Dienstag, 20. Februar: Reichshauvtamtsleiter Professor Dr. Groß, Berlin, Leiter oes Rassen­politischen Amtes der NSDAP. Thema wird noch bekanntgegeben.

Der öffentliche Dienst bei der Berufswahl.

Brot soll nie ganz frisch gegessen werden. Wenn es etwas gelegen hat, ist es noch nicht altbacken, bann hat es erst die Eigenschaften, die man- von einem wohlschmeckenden, gut bekömmlicken Brot verlangt. Es sättigt mehr als ganz frisches. Ganz abgesehen davon, daß das frische Brot schwer ver­daulich ist, ist dessen Verzehr wirtschaftlich eine Ver­schwendung, denn man .ißt im Verhältnis mehr davon. Esschneidet sich im Nu weg". Auf dem LaiÄie, wo die Mahlzeiten gut und kräftig sein und vor allem eine ganze Zeit vorhalten müssen», hat man schon lange die-Gewohnheit, das Brot immer erst abliegen zu lassen, ehe es verbraucht wird.

Gefrorene fische langsam auftauen.

Bei strenger Kälte kommt es vor, daß Fische beim Verkauf hart gefroren sind. Dies tut jedoch der Güte der Fische keinerlei Abbruch, wenn sie richtig behandelt werden. Dazu gehört vor allem, daß sie langsam aufgetaut und auf keinen Fall auf den warmen Herd oder in heißes Wasser ge- gelegt werden. Durch das schnelle Auftauen zer­reißen die feinen Gewebe, unb mit dem Schmelz­wasser fließen die besten Säfte aus. So behandelte Fische verlieren viel von chrem guten Geschmack. Man läßt die Fische deshalb am besten in der warmen Küche eine Weile stehen, bis sie wieder geschmeidig geworden sind. Weiter sollte man ver­meiden, hartgefrorene Fische vor dem Austauen ab- zuschuppen, da dies nur unnötige Arbeit macht und nach dem Auftauen viel leichter geht.

Gießener Vochenmarktpreiie.

* Gießen, 4. Jan. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 RM., Matte 25 Rps., Käse, das Stück 5 bis 10, ausländische Kühlhauseier 11, Weißkraut, Yi kg 7, Rotkraut 10, gelbe Rüben 8 bis 9, rote Rüben 12, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 60, Aepfel 15 bis 25, Lauch, das Stück 5 bis 12 Rpf.

** Zahlungsanmahnung. Die Direktion der Stadtwerke mahnt die rückständigen Strom- und Gasgelder im Stadt- und Ueberlandgebiet zur Zahlung an. Die Beträge können noch innerhalb acht Tagen ohne Kosten bezahlt werden.

Sprechstunden der Kieoaktion.

11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstaynach- mittags geschlossen.

NSG. Wer hätte noch vor einigen Jahren daran Bedacht, daß es einmal nötig sein würde, unsere ugend bei ihrer Berufswahl auch auf den Be­amtenberuf aufmerksam zu machen. Wünschte sich in jener Zeit schärfster Wirtschaftsnot, die so viele Existenzen vernichtete, nicht gar mancher wegen der sicheren Lebensstellung" an die Stelle des Beam­ten? Im Gefolge des durch den Nationalsozialismus herbeigeführten Wirtschaftsaufstiegs, der das riesige Arbeitslosenheer verhältnismäßig rasch aufsog, ist das jedoch grundlegend anders geworden. Die Wirt­schaft zeigt einen ungeheuren Bedarf an Arbeits­kräften, auch die Wehrmacht zieht Tausende und aber Tausende in ihre Laufbahnen hinein. Hinzu kommt, daß es in jedem Zeitabschnitt sogenannte Konjunkturberufe gibt, die auf die Jugend eine be­sondere Anziehungskraft ausüben. Infolgedessen ent­stehen ernste Nachwuchssorgen in anderen Berufen, 311 denen nun leider auch der Beamtenberuf gehört.

Natürlich soll der junge Mensch, um rechte Lust und Arbeitsfreude mitzubringen, aus seinen An­lagen, Fähigkeiten und Neigungen heraus möglichst von sich aus den Weg zu demrichtigen" Berufe finden. Auch jetzt ist wieder die Zeit gekommen, wo im Familienkreise ernsthaft über solche Fragen der Berufswahl und derAussichten in den verschie­denen Berufen hin und her überlegt wird; denn Hunderttausende von Jugendlichen wollen in weni­gen Wochen in das Berufsleben eintreten.

Warum aber ist, so fragen wir, die Neigung unter den Jugendlichen, Beamter zu werden, gegen- wärtig so gering? Die Erklärung liegt wohl zum erheblichen Teil in der Verkennung des Beamten­berufes. Die Jugendlichen und deren Ellern denken, wenn sie von Beamten hören, zumeist an das alte häßliche Zerrbild des sogenannten Bürokraten, der in Wirklichkeit gar nicht mehr existiert. Das pulsende Leben des Jndustriezeitalters mit seinen vielfältig gesteigerten öffentlichen Aufgaben stellt Forderun­gen an Sachkenntnis, geistigen Weitblick, Arbeits­und Tatkraft an den neuzeitlichen Beamten, die wahrhaft alles andere barftellen als seelenlose Paragraphenfuchserei. Selbstverständlich sitzen Tau­sende von Beamten am Schreibtisch und bearbeiten Akten". Das stellt jedoch nicht, wie Unwissende meinen, unproduktive Arbeit dar. Verwaltungs­tätigkeit dient vielmehr der notwendigen inneren Ordnung der nationalsozialistischen Volksgemein­schaft. Sie ist deshalb durchaus schöpferisch und da­neben auch verantwortungsvoll in allen ihren

Zweigen. Ohne sie gäbe es kein sinnvolles Leben unter einer Vielzahl von Menschen, ebensowenig wie große Industrieunternehmen und Wirtschaftsorgani­sationen ohne die ordnende Funktion von Verwal­tungsapparaten denkbar sind. Warum sollte also ein junger Mensch, der das Leben mit frischen Kräften anpacken will und Bewährung in der Ver­antwortung sucht, sich davor scheuen, in Staat und Gemeinde das wirklich verantwortungsbeladene Amt eines Verwaltungsbeamten zu übernehmen? Er könnte gerade hier zeigen, ob er ein ganzer Kerl ist, der schwierigen Aufgaben nicht aus dem Wege geht.

Aber es wird in Staat und Gemeinde ja nicht nurverwaltet". Es scheint wenig bekannt zu fein, daß es im modernen Staat keinen Betätigungs­bereich des menschlichen Geistes gibt, in dem nicht auch der Beamte wichtige öffentliche Funktionen versieht. Die engen Wechselbeziehungen zwischen Wirtschaft und Staat zumal finden chren vielfältigen Ausdruck in einer fast unübersehbaren Anzahl von Beamtenberufen. Für jede Fähigkeit und Neigung wird sich bei sorgsamer Umschau eine entsprechende Beamtentätigkeit finden.

. Rundfunkprogramm

Freitag, 5. Januar.

6 Uhr: Morgengruß. 6.10: Morgengymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8: Landvolk, merk auf! 8.10: Gymnastik. 9.15: Mutter turnt und spielt mit dem Kind:Die kleinen Boxer". 9.30: Frohe Weisen. 10.50: Sportberichte. 11: Musik am Vormittag. Es spielt das Rheim Mai nische Landes- orchesttr. 11.50: Mikrophon unterwegs. 12: Die Werk pause. 12.30: Nachrichten. 13: Mittagskonzert. Ausführung: Das große Orchester des Reichssenders Hamburg. 14: Nachrichten. 14.10: Der fröhliche Lautsprecher. 15.45: Heimatsprache Mutterlaut. Ons Kowelenzer Moddersproch". 16: N achmittags - konzert. Es spielt das große Orchester des Reichs­senders Breslau. 17: Nachrichten. 17.45: Klingende Liebesgaben. Eine fröhliche Sendung des Reichs­senders Frankfurt für die Kameraden am Westwall. In Verbindung mit der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude". 19.10: Unterhaltungskonzert. 19.10: Berichte. 19.45: Politische Zeitungsschau. 20: Nach­richten. 20.15: Uebertragung vom Deutschland­sender. 22: Nachrichten. 24: Nachrichten.

Aus der engeren Heimat.

Feuer im Arrestlokal.

* Steinbach, 4. Januar. In der vergangenen Nacht brach im hiesigen Arre st lokal Feuer aus. Ein Wanderer, der kein Obdach hatte, war dort untergebracht worden. Da es sehr falt war, machte er sich im kleinen Oefchen Feuer, war aber dabei unvorsichttg, sodaß auch das Stroh Feuer sing, auf dem er die Nacht zubringen sollte. Da der Mann rechtzeittg aus dem brennenden Raum befreit werden konnte, entstand zum Glück ledig­lich einiger Sachschaden.

Landkreis Gießen.

T Großen-Linden, 4. Jan. Der Landwirt Ludw. Kehler, Bahnhofstraße 7, feiert am 5. Ja­nuar seinen 7 0. Geburtstag. Der Jubilar ge­hörte früher dem Gemeinderat an, war lange Jahre zweiter Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr und Vorsitzender der Vereinigten Landwirte. Er war immer ein eifriger Vertreter der Landwirt­schaft. Heute ist er noch Mitglied des Kirchenvor­standes. Dem Jubilar, einem langjährigen treuen Bezieher desGießener Anzeigers", gelten auch unsere herzlichen Glückwünsche zum Geburtstag.

Heber 120 Jahre Glockenguß an der Dill.

LPD. Dillenburg., 3. Jan. Die Firma Rin­ker in Sinn (Dillkreis) betreibt nunmehr schon über 120 Jahre den Glockenguß in der Jn- dusttiegemeinde Sinn. Im Jahre 1817 wurde der Glockengießereibetrieb von Leun (Lahn) nach Sinn verlegt. In der gleichen Werkstatt betreibt heute noch die gleiche Familie dieses Handwerk. In über 1200 Städten und Ortschaften des Deutschen Reiches hängen Glocken aus der Gießerei Rinker in Sinn. Auch ins Ausland sogar bis Südafrika hat das Unternehmen Glocken geliefert.

Ein Ehepaar

feiert gemeinsam Geburtstag.

LPD. Flörsheim a. M., 3.Jan. Der seltene Fall, daß Eheleute am gleichen Tag ihren Geburtstag im gleichen Alter feiern können, ist in Flörsheim zu verzeichnen. Am heutigen Mittwoch können die Eheleute Jakob Hofmann beide ihren 75. Geburtstag feiern.

Wirtschaft.

Eintragungen

in das Gießener Handelsregister.

In das Handelsregister (A) beim Amtsgericht Gießen sind fogende Eintragungen gemacht worden:

Der Ehefrau des Inhabers der Firma Parfü­merie Richard Koch, Frau Anni Koch, geb. Treuke, in Gießen ist Prokura erteilt worden. Für die Firma Parfümerie Doll in Gießen,die am 15.No­vember in Gießen ihren Geschäfts) etrieb aufaenom- men hat, sind als persönlich haftende Gesellschafter Kaufmann Jakob Doll in Gießen und Emmy Fürst in Gießen eingetragen worden. Jeder Gesellschafter ist einzeln zur Vertretung der Gesellschaft ermäch­tigt. Für die Firma Wilhelm Watz, Zimmer­geschäft und Sägewerk, Großen-Linden, ist Zimmer­meister Wilhelm Watz als Inhaber eingetragen worden. Bei der Firma Gust. O v e r h o f s & Sohn, Zweigniederlassung in Gießen, wurde dem kaufmännischen Angestellten Max Theiß zu Wuppertal-Barmen Gesamtprokura für die Haupt­niederlassung Mettmann und die Zweigniederlassun­gen in Düsseldorf, Gießen und Kassel in der Weise enteilt, daß er in Gemeinschaft mit einem anderen Prokuristen zur Vertretung der Firma befugt ist. Bei der Firma C. Röhr & Co. in Gießen ist der Gesellschafter Karl Röhr sen. durch Tod aus der Gesellschaft ausgeschieden. Die offene Handels­gesellschaft als solche gilt als erloschen. Bei den FirmenGewerkschaft Constanze",Gewerkschaft Königsberger Gemarkung" undGewerkschaft Nie­derstein" (sämtlich mit dem Sitz der Verwaltung in Gießen) wurde Josef N ö l k e als Mitglied des Grubenvorstandes abberufen und an seine Stelle

Kampf um die Sterne.

Don Bruno H. Bürgel.

Es gibt wohl kaum etwas Phantastischeres als eine völlig verdunkelte Weltstadt, Wohnstätte vieler Millionen Menschen! Die ungeheuren steinernen Schluchten, die breiten Prunkstr aßen, die großen Zentren des Verkehrs, das Gewirr der kleinen Gaf­fen, sonst in ein Meer von Licht getaucht, in eine festliche Illumination, überflammt von bunten Re­klame-Giebeln, die einen Industrie-Schlachtruf bis in den Himmel hineinschleudern, sie sind zu finsteren Labnrinthen geworden, von seltsamen Schemen durchwandelt, Die dennoch eine unerhörte Disziplin auf rechter Straße zum richttgen Ziel führt. Aber über dem geringen Geflimmer spärlicher Rotlichter wird nun etwas sichtbar, was die Großstädter fast vergesten haben: die Sterne des Himmels, die ewigen Strahler der Unendlichkeit, und nicht selten sieht man nun in der großen Stadt Menschen emporschauen zum Firmameitt, die mit einer ge­wissen Andacht besonders schöne Sterngruppen oder besonders prächtige Gesttrne betradjten, die sonst untergeben im Glanz der elektrischen Sonnen, die £ine Weltstadt erhellen.

Ein Stern zieht da vor allem die Blicke auf sich, denn er ist von allen der leuchtendste, ist der König im Heer der himmlischen Lichter. Kurz nach (Eintritt der Dunkelheit sicht man ihn in halber Höhe zum Scheitelpunkt des Himmels, langsam steigt er höher und ist die ganze Nacht hindurch sichtbar. Und wirk­lich ist er ein König in seinem Reich! Es ist der Planet Jupiter, der große Bruder unserer (Erbe, der mächttAte aller Wandelsterne, die die Sonne umkreisen; der Erdball spielt ihm gegenüber keine größere Rolle als die Erbse neben dem Apfel. Etwas über 600 Millionen Kilometer ist er zur Zeit von uns entfernt, zwölf Jahre braucht er, um ein­mal die Sonne zu umkreisen, eine von riesigen Wolkengürteln umzogene Weltkugel, die allerdings mit dem Stern, den mir bewohnen, keinerlei Achn- lichkeit hat.

Aber es interessiert uns an diesem Planeten noch etwas anderes! Wer ein Freund der Sterne ist und einen guten Feldstecher besitzt, wird bei sorgfältiger Beobachtung dicht neben Jupiter vier winzige Sternchen finden, die morgen anders stehen als heute; es sind die vier hellen Monde des Planeten,

die ihn umkreisen, auch ost in seinen Schatten ein- treten, verfinstert werden oder hinter der Kugel verschwinden. Aber nicht diese Beobachtungen, die der Freund der Sterne da machen kann, bewegen mich, von i^nen zu erzählen. Einst standen sie im Mittelpunkt eines Kampfes um Recht und Wahr­heit, um die Freiheit der Wissenschaft, um eine neue Weltanschauung, um Fortschritt und Kultur. Wer sie heute erblickt, diese flimmernden (Stern!ein, möge sich dieser Kämpfe einer finsteren Zeit er­innern, die schwer übermunben wurde!

Man schreibt den 7. Januar des Jahres 1610. lieber dem stillen Padua, der alten Universi­tätsstadt nahe Venedig, ist die Dunkelheit herein- gebrochen, und langsam steigt aus dem Dunst des Horizontes dieser selbe prächttge Planet Jupiter, der nun in diesen Kriegs tagen und in unseren vei> dunkelten Städten die Augen auf sich lenkt. Zu Padua wirkt damals einer der bekanntesten Ge­lehrten der Zeit, der Physiker und Mathematiker Galileo Galilei. Eine seltsame Nachricht ist in diesen Wochen zu ihm gedrungen. Ein weitgereister Mann, der Franzose Badarone, hat ihm erzählt, daß man da droben im Norden Europas, in den Niederlanden, ein ganz zauberhaftes Instrument erfunden habe, mit Dem man entfernte Dinge nahe sehen könne, ein Fernrohr. Man sagte,_ die Kinder eines Brillenmachers in Middelburg hätten beim Spielen mit Brillengläsern ganz zufällig die Beobachtung gemacht, daß ferne Dinge nahe heran- aerückt erschienen, wenn man durch diese Gläser schaue. Galilei überlegt sich das hin und her und kommt auf Grund seiner Kenntnisse schnell hinter das Geheimnis; aus ein paar Gläsern und einer Pappröhre schafft er sich ein solches Fernrohr. Er nennt esOcchiale" (Augenglas), zeigt es stolz herum, behauptet, es fei feine eigene Erfindung, denn Galilei ist ein wenig eitel und ruhmsüchtig, toie mancherlei Streitigkeiten mit anderen Gelehr­ten später erweisen. Nun, ein bedeutender Mann kann auch seine Rebler haben, wie wir alle.

Und nun wird zum erstenmal ein Fernrohr auf den Himmel gerichtet! Ein neues Zeitalter in der Erforschung der Sterne bricht an. Man erkennt die Gebirge des Mondes, auf der Sonne werden Flecke entdeckt, die Planeten erscheinen als Kugeln, wie die Erde eine Kugel ist, die Milchstraße ent­puppt sich als ein unerhörtes Gewimmel fernster Sterne ... Noch ist das Fernrohr ein kleines, küm­merliches Ding, eine armlange Pappröhre, noch

gibt es wenig scharfe Bilder, leistet kaum soviel wie heute ein Feldstecher, aber dennoch entschleiert es bisher nie Geschautes!

An jenem 7. Januar des Jahres 1610 richtet nun Galilei fein Occhiale zum erstenmal auf den Pla­neten Jupiter, der da im Osten emporfteigt. Dem scharfsinnigen, alles sorgfältig studierenden Natur­forscher fallen sofort ein paar winzige Sternlein auf, die ganz dicht bei der Kugel des Jupiter stehen. Am anderen Tage sind sie wieder da, aber sie haben ihre Plätze verändert, und nach wenigen Tagen ist es klar, daß eine bedeutende Entdeckung gemacht wurde: der ferne Planet Jupiter ist von vier hellen Monden begleitet, sie wandern genau so um diese Kugel wie der Erdmond um die Erde rollt.

Ist das so wichttg? Ja, es ist außerordentlich wichtig! Da droben im deutschen Norden hat der Domherr zu Frauenburg, Nikolaus Koperni - kus, eine große Tat vollbracht! (Er hat das alte Weltbild gestürzt, demzufolge die Erde der ruhende Mittelpunkt der Welt fein soll, Zentrum aller Sternbewegungen. Er hat die Erde entthront, hat die Sonne in den Mittelpunkt gesetzt; die Erde ist zu einem Sternchen geworden, das diese Sonne um­kreist. Die Kirche bekämpft diese Lehre, die dem Inhalt des Buches der Bücher, der Bibel, wider­spricht, ja, selbst ein Mann wie Luther nennt den Frauenburger Domherrn einenNarren, der den Himmel umstürzen will". Giordano Bruno, der Mönch von Nola, der Schwarmgeist und Anhänger des Kopernikus, der feine Lehre in die Welt trägt, ist schon auf dem Scheiterhaufen darüber belehrt worden, daß Rom hier nicht mit sich spaßen läßt; Kopernikus ist bereits Jahrzehnte tot, nun aber tritt Galilei offen für seine Lehre ein, denn die den Jupittr umkreisenden Monde beweisen, daß keineswegs die Erde Mittelpuntt von aller Welten Wanderwegen ist.

Die geistig Freien der finsteren Zeit sind längst überzeugt, Galileis Entdeckung überzeugt sie noch mehr; den Forscher selber schützt anfangs fein An­sehen in der Well, schützen hohe Gönner, aber bald schlägt unter Führung Des Dominikaners Lorini Die Stimmung um, es wird Galilei verboten, für das Kopernikanische Weltbild einzutreten. In einer originellen, klugen Schrift umgeht er das Verbot, Papst Urban VIII., der ihm anfangs gewogen ist, muß dem Drängen der hohen Geistlichkeit nach- geben; am 21. Juni 1633 tritt das Jnquisittonsge-

richt zusammen, im Kloster Santa Maria sopra Minerva zu Rom klagt man Galilei der Ketzerei an, man zwingt ihn, die Richtigkeit der Lehre des Kopernikus abzuschwören. Der Siebenzigjährige bringt nicht mehr die Kraft auf, zu trotzen, er un­terwirft sich, seine Schriften werden verboten, aber er selbst darf in milder Haft auf anderen Gebieten weiterschaffen. Dem fast Erblindeten ist nun sein Occhiale" wertlos; bis in unsere Zeit verfolgt ihn Der Vorwurf, die Wahrheit verleugnet zu haben, sich kleinlich gerettet zu haben, aber in einem höheren Sinne sind sie alle, Kopernikus, Galilei unb Giordano Bruno Sieger geblieben, denn für sie zeugten die ewigen Sterne!

Büchertisch.

Sybille Schall: Die sparsame Köchin von heute. 200 zeitgemäße und er­probte Rezepte. Verlag Knorr & Hirth, München. Kartoniert 1,95 RM. Hier verrät eine Frau, die selber eine schwere Notzeit durchgemacht hat, wie es ihr gelungen ist, bei einem für heutige Be­griffe unvorstellbar kleinen Wirtschaftsgeld zwei Er­wachsene und Kinder nicht nur satt zu machen, sondern sie so zu nähren, daß sie gesund und lei­stungsfähig blieben. Ihre Erfahrungen sind in heuti- ger Zeit doppelt wertvoll. Sie sagt wie und wo man sparen kann, wie man sich in vielen Dingen behelfen kann, um trotz allem täglich neue voll­wertige und schmackhafte Mahlzeiten auf den Tisch zu stellen.

Sybille Schall: Das neue Back- b u ch. 250 sparsame und erprobte Rezepte mit 27 Abbildungen. Verlag Knorr & Hirth, München. Kartoniert 2,75 RM. Dies neue Backbuch lehrt Die Hausfrau nicht nur die Kunst des Backens, son­dern auch das sparsame Haushalten mit ihren Vor­räten. Es bringt 250 erprobte, leckere und doch sparsame Rezepte für Kuchen, Torten, Stollen, für Brötchen, Zwieback und Lebkuchen, für köstliche Weihnachtsbäckereien, für alles mögliche Kleinge­bäck und auch salziges Backwerk. Dazu allgemeine Backregeln, praktische Hinweise und Grundrezepte für Hefeteig, Mürb teig, Schm alz geb ack ene s, für Gla­suren, Füllungen, Cremes usw. Vom Einfachsten bis zum Schwierigsten wird alles genau erklärt auch an Hand vieler Bilder.