Dienstag, 2. April 1940
Eichener Anzeiger
Englisch-französischer Bluff im Orient
Don unfeiem RG..-Berichierstaiier.
es
bas deutsche Weißbuch befragt wurde, war
offen
nämlich
seinen Nachbarn und den übrigen Staaten wolle gute Beziehungen aufrechterhalten.
Indiskretion lieferte. Für alle amerikanischen Diplomaten im Auslande gelte die Instruktion, sich bei Kriegen zwischen Dritten striktester Unparteilichkeit zu befleißigen, und auch Cromwells Verhalten stelle eine flagrante Verletzung dieser Weisung dar. Es sei absolut zwingend, daß die amerikanischen Diplomaten auch in Privatunterhaltungen ihre Zunge hüteten. Gerade der Fall Cromwell beweise, welch große Verlegenheiten der amerikanischen Regierung durch sorglos geäußerte Worte bereitet werden könnten. Der „Jnquirer" erinnert dabei an den Weltkriegsbot- ^chafter Page, der Englands Interessen vor die Amerikas stellte und hierdurch die satirische Umfrage auslöste, welches Land er eigentlich am Hofe von St. James vertrete. Amerikas Diplomaten müßten in Wort und Tat genau so neutral sein wie ihre Regierung und dürften keiner fremden Nation auch nur den leisesten Grund für die Annahme geben, daß Amerika in ihre Streitigkeiten, die Amerika nicht angingen, verwickelt werden könnte. Amerikas Friede hänge von Amerikas absoluter Neutralität ab, und Friede sei Amerikas ko st bar st er Be- s i tz.
Die beiden führenden Chikagoer Tageszeitungen „Daily News" und „Tribüne" widmen den Enthüllungen gleichfalls spaltenlange Berichte.
Eine Stellungnahme
Washington, 1. April. (DNB.) Präsident Rooeseoelt, der auf der Pressekonferenz über
USA. aus der Neutralität abzielenden auslanbi|d)en Propaganda gefordert wird. An der Svitze der aus sieben Senatoren bestehenden Untersuchungskommission würde wahrscheinlich Clark selbst stehen, der schon dem bekannten Senatsausschuß zur Untersuchung des Munitionsgeschäftes angehört hat, der vor einigen Jahren sensationelle Enthüllungen über die Praktiken im internationalen Waffenhan-
Der gestrige Webrmachlsbericht
Berlin, 1.April. (DBB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
3m Westen geringe Spähtrupptätigkeit und schwaches Artilleriefeuer.
Südlich Saarbrücken über französischem Boden kam es am Bachmillag des 31. März zu verschiedenen größeren Luftkämpfen zwischen deutschen und französischen Jagdflugzeugen. Trotz zahlenmäßiger Ueberlegenheil der Franzosen schossen die deutschen 3äger ohne eigene Verluste sieben Moräne-Flugzeuge ab.
Tagsüber wurde über O st frankreich und der Bordsee bis zu den Shettand-3nseln aufgeklärt. Die eingesetzten Flugzeuge kehrlen mit wertvollen Ergebnissen unversehrt zurück.
Neuyork, 2. April. (DNB.) Die Veröffentlichung des deutschen Weißbuches hat, nach den am Montag in Neuyork eingegangenen Provinzzeitungen zu urteilen, im ganzen Land außerordentlich tiefen und nachhaltigen Eindruck hervorgerufen, der durch gelegentliche Ableugnungsversuche nicht geschmälert wird. Vom Atlantik bis zum Pazifik bringen sämtliche Blätter auf den Frontseiten lange, teilweise wörtliche Auszüge aus den in den Warschauer Archiven gefundenen Urkunden, die allen aufrechten Amerikanern reichlich Stoff zum Nachdenken über dir Machenschaften geben, die nach weitverbreiteter Ansicht Amerikas ureigensten Interessen zuwider laufen.
In einem zweispaltigen Leitaufsatz schreibt die angesehene „Baltimore S u n", die Dokumente erschienen unleugbar authentisch, aber die skizzierten Aeußerungen Bullitts könnten Amerika unmöglich zum K r i e g s e i n t r i t t auf irgendeiner Seite verpflichten, weil we- der der Präsident, noch irgendeiner seiner Untergebenen gemäß der amerikanischen Verfassung dahingehende Bindungen eingehen dürfe, denn ein solches Recht besitze ausschließlich der Bundeskongreß. Die europäischen Diplomaten, die sich auf private Ansichten der Bullitt und Kennedy zugeschriebenen Art verließen, seien entweder naiv, oder völlig un-
len, daß auch dort nur eine, ebenfalls einspurige Bahn verfügbar wäre, daß es an Straßen mangele, während die Entfernungen und Schwierigkeiten außerordentlich groß seien. Pellegrini kommt dann zu der Schlußfolgerung, daß eine der wirklichen Aufgaben der Weygand-Armee der Schutz der Erdölleitungen von Kirkuk nach Tripoli und Haifa sein könne, eine Vermutung, die auch in anderen italienischen Kreisen in dem Maße geteilt wird, daß man die englisch-französischen Streitkräfte bereits vielfach als „Petroleum-Armee" zu bezeichnen pflegt
Mit der Frage nach der „Temperatur" des Mittelmeeres im. Falle kriegerischer Verwicklungen im Orient streift Pellegrini ein für die Westmächte zweifellos sehr heikles Problem, nämlich das der rückwärtigen Verbindungen des Expeditionsheeres, das hinsichtlich seines Nachschubes, seiner Verpflegung und seiner Munitionsversorgung ausschließlich auf den Seeweg — Mittelmeer und Rotes Meer — angewiesen sein würde. Die Freiheit dieser Wasserstraßen aber würde davon abhängen, ob Italien, dessen überragende Interessen auf dem Balkan und im Orient hinlänglich bekannt sind, der Entfesselung eines Krieges in diesem Raume untätig zusehen könnte und würde.
Der größte Bluff, mit dem die Westmächte auf die mit „Garantien" und „Hilfsversprechen" bedachten Völker Eindruck zu machen suchen, ist nach italienischer Auffassung die sogenannte „russische Gefahr". Denn, so meint beispielsweise der „Corriere della Sera", Rußland dürfte nicht das mindeste Interesse daran haben, sich durch einen Angriff im Orient, dessen Schwierigkeiten nach dem Urteil der italienischen Militärs ebenfalls nicht zu unterschätzen wären, einem Kriege mit England, Frankreich und der Türkei auszusetzen. Dies sollte, meinen die Italiener, auch den in Frage kommenden Ländern des Nahen und Mittleren Ostens einleuchten. Als Anzeichen dafür, daß sich diese Erkenntnis denn auch bereits Bahn bricht, wertet man in Rom die Tatsache, daß es der unermüdlichen, mit vielen Druckmitteln arbeitenden Propaganda der Westmächte bisher nicht gelungen zu fein scheint, die Umwandlung des Saadabad-Paktes, der ein Nichtangriffsvertrag ohne gegenseitige Beihilfe- Verpflichtungen ist, in einen Bündnisvertrag zu erreichen, oder die nicht unter direkter englisch-französischer Vormundschaft stehenden Länder aus ihrer neutralen Haltung gegenüber dem europäischen Konflikt herauszudrängen
Stritte Neutralität Belgrads.
Belgrad, 2. April. (DNB. Funkspruch.) In einer Ansprache vor den Senatoren der Regierungspartei betonte Ministerpräsident Z w e t k o w i t s ch die Notwendigkeit der Neutralität für Jugoslawien. In der gegenwärtigen Situation gäbe es für den Staat nur d i e Richtlinie strikter Neutralität. Einem anderen Weg könne das Land nicht folgen. Jugoslawien habe alles Interesse daran, strikte Neutralität zu wahren. Mit
del während des Weltkrieges erbrachte.
Ausländische Journalisten sahen die Originale der Dokumente.
Neuyork, 1. April. (DNB.) Mehrere Neuyor- ker Blätter veröffentlichen eine United-Preß-Mel- bung aus London, die einem direkten Eingeständnis der Echtheit der deutschen Dokumentenveröffent- lichung durch polnische Kreise in London gleichkommt. Auch wird in diesem Zusammenhang betont, daß einige Berliner Korrespondenten ausländischer Blätter die Originaldokumente im Berliner Auswärtigen Amt gesehen haben und diese Urkunden für e ch t hielten. Der Bericht beschreibt dann die zahlreichen Unterschriften und Randbemerkungen auf den Dokumenten. Alles dies beweise, daß die Dokumente im polnischen Außenamt durch viele Abteilungen gegangen seien.
England pfeift auf die Hechte der Neutralen.
Blockade der norwegischen Gewässer?
Amsterdam, 2. April (Europapreß.) Die A u s- dehnungder Blockade a u f die norwegischen Territorialgewässer zwecks Unterbindung der Eisenerzzufuhren von Narvik nach Deutschland wird von der Mehrzahl der Londoner Morgenblätter angekündigt. Die diplomatischen Korrespondenten der meisten Blätter beschäftigen sich mit dieser Frage und geben der Ansicht Ausdruck, daß Chamberlain voraussichtlich am Dienstag im Unterhaus eine entsprechende Mitteilung machen werde.
Am deutlichsten ist der Bericht des „News Chro- nicle", in dem es heißt: „Britannien wird den deutschen Eisenerzhandel durch die norwegischen lerritorialgeroälfer ab ft öppe n. Dieser Handel, der für Deutschlands Kriegsanstrengung von vitaler Bedeutung ist und bisher ungestraft unter dem Deckmantel der norwegischen Neutralität betrieben wurde, wird nicht länger geduldet werden, selbst wenn seine Unterbindung einige technische Verletzungen des internationalen Rechts mit sich bringt." Außerdem schreibt das „News Chronicle", daß man glaube, es würden Pläne vorbereitet, um die schwierigere Frage zu lösen, wie Deutschland auch über die Sommer-Route von Lulea durch die Ostsee weniger Eisenerz erhalten könne.
Der „Daily Telegraph" bezeichnet die Unterbindung der Eisenerzzufuhren als das am schnellsten wirksame Mittel zur Schließung der Lücken in der Blockade. Der zweite Schritt sei dann die Schließung von Zufuhrwegen wie beispielsweise der Transsibirischen Bahn, der dritte die Verschärfung der Bannwarenkontrolle und der Rationierung der neutralen Zufuhren. Der vierte Schritt sei schließlich die Beschränkung der deutschen Lieferungen aus Südosten. Diese Fragen würden mit den Botschaftern und Gesandten vom Balkan in dieser Woche besprochen werden,
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Bullitt und Graf polocfi wollen jetzt natürlich nichts gesagt haben.
Der ehemalige polnische Botschafter in Washington, Graf Potocki (rechts), und der amerikanische Botschafter in Paris, Bullitt (links),
vrühlsche UniversttArdruckerei H. Lange General-Anzeiger für Oberhefsen $ Sietzen^chxlftratzr 7-4
fähig.
Der auflagenreiche „Philadelphia Jnquirer" spricht von „erstaunlichen Beschuldigungen" und bedauert, daß erst kürzlich wieder ein anderer U8A-Diplomat, " " Cromwell, ein Beispiel schlimmster
Frieden im Donaudecken.
Erklärungen
des ungarischen Ministerpräsidenten.
Budapest, 2. April. (Europapreß.) Ministerpräsident Graf T e l e k i äußerte sich am Montag Vertretern der ungarischen Presse gegenüber ausführlich über seine Italien-Reise. Die Besprechungen seien außerordentlich wertvoll gewesen, besonders für ihn, denn er habe zahlreiche wichtige Aufklärungen erhalten und seine Auffassung über die Ereignisse der letzten Zeit bestärken können.
„Die italienisch-ungarische Freundschaft", so sagte der Ministerpräsident, „ist in keinerlei neue Phase getreten, wie das einzelne Blätter schrieben, weil diese Freundschaft eine natürliche Gegebenheit ist. Unsere Politik und unsere Ziele stellen ein offenes Buch dar und können sich nicht ändern. Dies weiß jedermann. Das haben wir hundert Mal gesagt. In derselben Weise betonen wir aber auch schon seit langen Jahren, daß wir unsere Ziele, wenn nur möglich, auf friedlichem Wege zu erreichen wünschen. Ebenso haben wir auch stets erklärt, daß wir uns die universellen Interessen Europas vor Augen halten. So fassen wir auch unsere Lage im Donauraum auf, und so haben wir es stets aufgefaßt: voranzugehen im Dienste dieser Interessen. So dienen wir dem Frieden des Donaubeckens. Dabei müssen wir uns zwei Dinge vor Augen halten: den augenblicklichen Frieden und jenen Frieden, der nach Beendigung des großen europäischen Konflikts Zustandekommen muß. Den augenblicklichen Frieden halten wir aufrecht, weil es aus vielerlei verschiedenen Gründen schädlich wäre, den europäischen Konflikt auszudehnen. Das liegt heute im gemeinsamen Interesse der europäischen Länder. Was aber den endgültigen Frieden betrifft, muß eine jede innerhalb der europäischen Lebensgemeinschaft ihrer Mission bewußte Nation einen Frieden anstreben, der den Ungerechtigkeiten ein Ende macht
Washington, 2. April. (DNB.) Der Auswärtige Ausschuß des Bundessenats hat einstimmig einen Entschließungsantrag des demokratischen Senators Clark gebilligt, in dem eine Untersuchung der innerhalb der Vereinigten Staaten betriebenen, auf Wegziehung der USA. aus der Neutralität abzielenden ausländischen
sichtlich bemüht, von der Behauptung des polnischen Botschafters Potocki abzurücken, daß der USA.- Botschafter Bullitt den Westmächten amerika- nische Kriegshilfe gegen Deutschland versprochen habe. Roosevelt erklärte, er habe das Weißbuch bisher nicht gesehen, wolle aber grundsätzlich sagen, daß in gegenwärtigen Kriegszeiten alle Propagandamitteilungen aus kriegführenden Ländern mit mehreren Körnern Salz genossen werden sollten. Roosevelt fügte hinzu, daß B u 11 i 11 in der nächsten Woche auf seinen Pariser Posten zurück k e h r en werde.
Zünfköpfigen Untersuchungsausschuß beantragt.
Washington, 2. April, (DNB.» Der republi- konische Abgeordnete Hamilton Fish brachte am Montag im Unterhaus eine Entschließung ein> welche Die Einsetzung eines fünfköpfigen Ausschusses innerhalb von 30 lagen zur Nachprüfung der im deutschen Weißbuch enchaltenen Korrespondenz verlangt.
Untersuchung
der Kriegspropaganda in USA.
loren habe.
Die gewaltigen Schwierigkeiten, vor denen sich Weygands „Gespenster-Armee" sehen würde, falls die Zweckmeldungen der Westmächte über ihre künftigen Verwendungsmöglichkeiten zuträfen, beleuchtet der nach dem Orient entsandte Vertreter des „Popolo d'Jtalia", Pellegrini, sehr eindrucksvoll. Die darauf bezüglichen Behauptungen der Westmächte, so schreibt er, seien geradezu staunenerregend. Weygand solle auf dem Balkan, im Kaukasus oder im Mittleren Osten kämpfen. Pellegrini weist demgegenüber auf die riesigen Entfernungen in diesem Raum hin, der sich durch fast vollständiges Fehlen von Straßen, Eisenbahnen und Transportmitteln auszeichne. Um die türkisch-russische Grenze zu erreichen, müßte Weygand einen gewaltigen „Spaziergang" durch die Türkei machen, bei dem nur eine einzige, eingleisige und des rollenden Materials ermangelnde Bahnlinie, nahezu überhaupt keine Straßen und verschwindend geringe Verpflegungs- und Nachschubmöglichkeiten vorhanden wären. Weygand solle auf dem Balkan operieren. Aber wie dorthin gelangen? Zu Lande? Dann würden sich die gleichen Schwierigkeiten wie im ersten Falle erheben, da er durch die Türkei marschieren müßte. Zur See? Aber wieviele Schiffe, wieviele ausgebaute Häfen würden für einen derartigen Transport erforderlich sein? Und welche „Temperatur" würde an dem Tage, an dem Weygand auf dem Balkan eingreifen solle, das Mittelmeer haben? Weygand solle im Mittleren Osten gegen Rußland kämpfen. Man brauche nur einen Blick auf die Karte zu werfen, um festzustel-
Rom, Anfang April 1940.
Seit der Beilegung des finnisch-russischen Konflikts verfolgt I t a l i e p mit verdoppelter Wachsamkeit die Vorgänge im Nahen und Mittleren Osten, den von Tag zu Tag mehren sich die Anzeichen, daß die W e st m ä ch t e in diesem Abschnitt die B r a n d st i f t e r r o l l e spielen möchten, die sie in Nord- und Nordosteuropa verpaßt haben. Voraussetzung ist allerdings, daß sie Hilfsvölker finden, die dumm genug wären, das Hauptgewicht etwaiger nkilitäri scher Unternehmungen auf sich zu nehmen und sich für die pluto-demokratischen Interessen zu verbluten. Die Aufmerksamkeit, mit der von Rom aus die Umtriebe der Westmächte in den Randstaaten des zum italienischen Lebensraum gehörigen östlichen Mittelmeers beobachtet werden, zeigt sich in der Entsendung von etwa einem halben Dutzend Sonderberichterstattern der großen Tageszeitungen in das von Serien bis Aegypten sich erstreckende Aufmarschgebiet der englisch-französischen Streitkräfte und in zahlreichen kritischen Untersuchungen der politischen, militärischen und strategischen Entwicklungsmöglichkeiten im Orient unter besonderer Berücksichtigung der Propaganda der Westmächte.
Allen diesen Berichten und Artikeln der italienischen Presse ist ein Grundzug gemeinsam: Man will sich nicht von den Legenden, die die geschäftige Propaganda der Westmächte in Umlauf setzt, täuschen lassen, sondern den Dingen auf ihren wahren Grund gehen. Immer wieder stellt man die Frage: Was ist an den Meldungen, die die Westmächte durch die ihnen dienstbaren Zeitungen und Nachrichtenagenturen in die Welt hinausposaunen lassen, Tatsache und Wirklichkeit, was ist Tendenz, Lüge und „Bluff"? Und es ist den aufmerksamen italienischen Beobachtern zweifellos gelungen, den Westmächten weitgehend hinter ihre Schliche zu kommen und dem Schwindel, mit dem sie die Welt beeindrucken und vor allem die Völker des Nahen und Mittleren Ostens für ihre Kriegspläne reifmachen möchten, den Boden zu entziehen.
In erster Linie gilt dies von der „M i 11 i o n e n » Arme e", die der 73jährige französische General Weygand angeblich in Syrien (unter Vergewaltigung der Mandatsverfassung) zusammengezogen haben soll. Die eifrige Reklame der Westmächte hat die phantastischsten Ziffern über die Stärke dieser Streitkräfte verbreitet: in ganz kurzer Zeit wuchs dieses Heer von 450 000 auf eine Million und — dieser Tage erst — sogar auf zwei Millionen Mann an. Demgegenüber spricht der Sonderberichterstatter des „Popolo d'Jtalia", L. Pellegrini, von dem „kolossalen Bluff eines Heeres von 150 000 Mann", und andere italienische Beobachter vertreten sogar die Ansicht, daß Weygands „Gespenster-Armee" gegenwärtig kaum über 100 000 Mann zählen dürfte. Rechnet man die englischen Truppen in Palästina und in Aegypten hinzu, die im „Ernstfälle" ebenfalls dem Oberbefehl Weygands unterstellt werden sollen, so dürften den Westmächten zur Zeit im Nahen und Mittleren Osten schwerlich mehr als 40 000 0 Mann zur Verfügung stehen. Und diese Truppen sind, wenn auch gut ausgerüstet und bewaffnet, bunt zusammengewürfelt aus ?sranzosen und Engländern, Australiern und Neu- eelänbern, Arabern, Armeniern, Drusen und sonstigen Stämmen des Orients, aus Fremdenlegionären, Marokkanern, Senegalesen und Madagassen. Ein buntes Völkergemisch also; eine solche Zusammensetzung muß die militärische Schlagkraft des Heeres, das in einem ungeheuren Raume unter den schwierigsten Umständen zu operieren haben würde, sicherlich schwer beeinträchtigen. Ueberdies, so betonen mit Recht die italienischen Berichte, sind diese 400 000 Mann nicht einmal restlos für eine etwaige Kriegführung im Orient verfügbar, denn ein nicht unbeträchtlicher Teil davon müßte als Besatzungskorps in Syrien, wo sich dem „Popolo d'Jtalia" zufolge bereits eine dumpfe Gärung unter der von Frankreich unterdrückten Bevölkerung bemerkbar macht, in Palästina und in Aegypten (Schutz des Suezkanals) Zurückbleiben. Schließlich bleibt auch die Frage offen, wie weit sich die landfremden Soldaten an die klimatischen Verhältnisse des Orients gewöhnen können; aus zuverlässigen Quellen wissen die italienischen Berichterstatter zu melden, daß die Weygand-Armee schgn jetzt mehrere tausend Tote — „Messaggero" spricht von 4000 Mann — oer-
Das deutsche Weißbuch Amerikas Sensation
Vom Atlantik bis zum Pazifik große Berichte


