Nr. 206 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
31. August/I. September 1W
bei ein Flugzeug am Boden zerstört und zwei an* dere beschädigt wurden.
Die Flugzeuge, die an den obigen Operationen teilgenommen haben, sind alle, obwohl teilweise getroffen, zu ihren Stützpunkten zurückgekehrt. Dort ihren Besatzungen ist niemand verletzt.
Eine Abteilung Dubais hat bei Buna einen erfolgreichen Handstreich durchgeführt, wobei ein englischer Kraftwagen zerstört und dem Gegnee schwere Verluste zugefügt wurden.
Der Feind hat Mogadiscio dreimal bom* bardiert, wobei es zwei Tote und sechs Verwund bete gab. Der Sachschaden ist unbedeutend.
Sonderzuteilungen für Schutzhütten.
Um den besonderen Verpflegungsverhältnissen auf den Schutzhütten des Deutschen Alpenvereins Rech, mmg zu tragen, hat sich der Reichsernährungs, Minister damit einverstanden erklärt, daß zur Her, stellung des markenfrei abzugebenden Berg* st e i g e r e s s e n s auf Antrag Sonderzuteilungen! gewährt werden, die für je 100 nachgewiesene Besucher im Jahre 1938 betragen bis zu 5 Kilogramm Haferflocken, bis zu 10 Kilogramm Hülsenfrüchte und bis zu 20 Kilogramm Hülsenfrucht-Suppenkonserven. Auch Hütten, die nicht dem Verein angeschlossen sind sowie Berggaststätten und Bauden in besonderer Höhe oder ungünstiger Derkehrslage können diese Sonderzuteilung erhalten.
Aus dem Reich.
Oie nguen Reichsschahanweisungen.
Eine gute Woche lang waren die bisher ausgegebenen 4 - v. H.- R e i ch s s ch a tz a n w e i s u n - gen, kurz „Reichsschätze" genannt, an der Börse „gestrichen Geld", d. h. völlig ausverkauft. Das Reich bringt nun eine neue Form ebenfalls 4-v. H.-Reichsschätze auf den Markt, die aber eine Laufzeit von 20 Jahren haben. Hier stoßen wir auf eine Form der Zinsverbilligung, die dem eiligen Leser vielleicht nicht auf den ersten Anhieb in ihrer ganzen Bedeutung klar wird. Jede Zinsverbilligung muß ausgehen von dem Geld, das ganz kurzfristig ausgeliehen wird, dem sog. „täglichen Geld". Und dann setzt sich die Zinsverbilligung fort: zunächst auf die Wechselkredite und dann auf Geldanlagen von 6 bis 12 Monaten und dann wieder auf Schuldtitel, die 1 bis 5 Jahre laufen. Ist erst einmal der Geldmarkt in diesem Umfange erfaßt, so werden auch mittel- und langfristige K a • Pilotanlagen im Zinsertrag allmählich herabgesetzt. So waren die zuletzt ausgegebenen 4°v. H.° Reichsschatzanweisungen zunächst auf fünf Jahre gestellt, dann wurde ein „Typ" von zehnjähriger Laufzeit heraüsgebracht, und jetzt ist die Laufzeit gar auf 20 Jahre verlängert. Dabei hat das Reichsfinanzministerium zu überlegen, daß die Endtermine dieser Laufzeiten auch bei ihrer Fälligkeit weit genug auseinander liegen, um auch nach 5 oder 10 oder 15 Jahren plötzliche Ansprüche an den Geldmarkt zu vermeiden. Man sieht: die Zinsverbilligung ist eine sehr weitläufige Aktion, deren erste Voraussetzung ruhige Dispositionsmöglichkeit ist. Außerdem sind schließlich auch die Sparer, Versicherungsgesellschaften und Sozialinstitute zu berücksichtigen, die von den Zinseinnahmen in ihrem Leben oder in ihren Leistungen abhängig sind.
Ein Zahr Kriegsarbeit der Frauen.
Die Reichsfrauenführung berichtet in der „Inneren Front" über die Kriegs arbeit, die die Frauen feit dem 1. September 1939 vollbracht haben. Es wird geschätzt, daß mindestens drei Millionen Frauen allein 70 Millionen Stunden erfaßbare Nachbarschaftshilfe geleistet yaben. Um ungefähr ein Bild zu geben, wie groß insgesamt die Hilfsleistungen gewesen sein mögen, werden die Hilfsdienstzahlen von 30 Gauen im Monat Juni 1940 mitgeteilt. In diesem einen Monat leisteten 333 000 Frauen rund 4,8 Millionen Stunden Nachbarschaftshilfe in kinderreichen Familien, in den Haushalten werktätiger Frauen, in landwirtschaftlichen Haushalten, in ftanöel und Handwerk, bei der Kinderbetreuung und bei der Ernte. Darüber hinaus waren in den Näh ft üben des Frauenwerks 94 000 Frauen 840 000 Stunden beschäftigt. Bei der Pflege von Wöchnerinnen und Kranken wurden 20 000 Frauen für 250 000 Stunden eingesetzt. 71 000 Frauen halfen in 30 Gauen mehr als 400000 Stunden in der NSV. - Arbeit. 22 000 Frauen leisteten 142 000 Stunden Bahnhofsdienst. 10 000 Frauen arbeiteten über 400 000 Stunden bei der Rückwan. dererb etreuung. Groß war auch der Einsatz für die Wehrmacht. In dem einen Monat wurden 122 000 Teile gewaschen und fast 400 000 Teile genäht, gestopft oder geflickt. 13 000 Frauen halfen in Wehrmachrsküchen 157 000 Stunden. Neben dem Hilfsdienst erreichte die volkswirt- schastlich-hauswirtschaftliche Aufklärung große Be- oeutung. So gab die Reichsfrauenführung seit Kriegsbeginn über 20 Millionen Rezeptdienste heraus. Der Mu 11 e r d i e n st erhielt umfangreiche Schulungsaufgaben durch den Krieg. In 25 000 Lehrgängen wurden seit Kriegsbeginn etwa 450 000 Frauen und Mädchen geschult. Das Bedürfnis nach weiteren Schulungsstätten wurde so groß, daß in den letzten Monaten 85 neue Mütterschulen eröffnet wurden.
Heber 60000 Volksschulen in Großdeutschland.
1939 wurde wieder eine Erhebung über die Volksschulen durchgeführt. Sie ergab, daß die Zahl der Volksschulen in Großdeutschland ohne hie neu« eingegliederten Oft gebiete über 60 000 beträgt Im alten Reichsgebiet wurden 50952 Volksschulen mit 186 582 Schulklassen gezählt, an denen von 177 303 hauptamtlich beschäftigten «Lehrern 7 503195 Schulkinder unterrichtet wurden. Der mäßige Rückgang der Zahl der Schulkinder entspricht der Entwicklung der im volksschulpflichtigen Alter stehenden Bevölkerungsjahrgänge. Wie im Vorjahre tarnen auf eine Klasse 40,3, huf einen Lehrer 42,4 Schulkinder. Auf 10 000 Einwohner kommen 7,3 Schulen, 35,4 Lehrer und 1078 Schulkinder. 1939 bestanden 207 Privatschulen mit dem Lehrziel der Volksschule. Die Zahl der öffentlichen Hilfsschulen hat sich dadurch stark erhöht, daß die Hilfsschultlassen der Volksschulen jetzt als selbständige Hilfsschulen geführt wurden. Somit bestanden 1028 öffentliche Hilfsschulen. In der Ostmark wurden 4721 öffentliche Volksschulen gezählt, in denen rund 657 000 Schulkinder unterrichtet wurden, im Reichsgau Sudetenland 2957 Volksschulen mit rund 274000 Schulkindern.
Kinderreiche Familien und Arbeitsdienst
Auf Grund von Anfragen hat der Reichsbund Deutsche Familie eine Entscheidung des Reichsarbeitsführers über die Möglichkeiten der Befreiung vom weiblichen Arbeitsdienst herbeigeführt. Eine Befreiung ist nicht vorgesehen. In besonderen Fällen können jedoch Zurückstellungen ausgesprochen werden. Die Notlage einet kin
derreichen Familie wird in jedem Falle besonders berücksichtigt.
Ein Narvik-Schild.
Berlin, 30. Aug. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat zur Erinnerung an den heldenmütigen Kampf, den die in echter Waffenbrüderschaft bei Narvik fechtenden Verbände des Heeres, der Kriegsmarine und der Luftwaffe siegreich bestanden haben, einen „Narvik-Schild" gestiftet. Der „Narvik-Schild" enthält, von dem Hoheitsabzeichen gekrönt, Edelweiß, Anker, Propeller und die Inschrift „Narvik 1940". Er wird nur zur Uniform getragen, und zwar für Heer und Luftwaffe silberfarben, für die Kriegsmarine goldfarben.
B u d a p e ft, 31. Aug. (DNB. Funkspruch.) Budapest legte am Freitagabend ein Festkleid an, um der vom Wiener Schiedsspruch heimkehrenden ungarischen Abordnung einen feierlichen Empfang zu bereiten. Die ganze Stadt war reich beflaggt und hell erleuchtet. Als der Sonderzug der Delegation in die mit den Landesfahnen sowie den Flaggen des Großdeutschen Reiches und Italiens geschmückte Halle des Budapester Ostbahnhofs einlief, erklangen die Hymnen Ungarns und der beiden Achsenmächte. Eine große Menschenmenge begrüßte die Abordnung mit Sprechchören, in denen die Freude der Bevölkerung über die wiedergeschenkten Gebiete Siebenbürgens und die Dankbarkeit gegenüber dem Führer und dem Duce zum Ausdruck kamen. Auf dem Bahnsteig hatten sich die Mitglieder der Regierung^ zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und der deutsche und italienische Geschäftsträger eingefunden. Ministerpräsident Graf T e - l e k i wies auf die Freundschaft Ungarns zu Deutschland und Italien hin und betonte, Ungarn müsse beweisen, daß es der Hochschätzung dieser beiden Mächte wert sei. Wir stehen, so fuhr der Ministerpräsident fort, vor der Aufgabe, die mit der Führung eines viele Volksgruppen umfassenden Staates zusammenhängt. Die ganze Nation ist verantwortlich für die Arbeit, die morgen beginnt und vom Handeln jedes einzelnen hängt es ab, ob wir das jetzt Erhaltene behalten und zum Gedeihen verhelfen können. Das Land achte darauf, daß die jetzt zurückkehrenden Volksgruppen nicht durch die Brille vergangener Zeiten angesehen werden. Ungarn vertrat immer den Standpunkt, wenn möglich Ziele ohne Blutvergießen zu erreichen. Dieser Standpunkt wurde belohnt, denn ohne einen Tropfen ungarischen Blutes kamen über 40 000 Quadratkilometer geschichtlicher Scholle an Ungarn zurück.
Das Blatt „Magyarorszag" schreibt, die ungarische Klugheit habe stets einen Unterschied zwischen den großen nationalen Idealen und den realpoli = tischen Möglichkeiten gemacht. Die ungarische Außenpolitik sei stets realistisch gewesen. Ungarn habe den Achsenmächten und ihrer Politik vertraut. Die durch die gemeinsame Revisionspolitik erzielten Erfolge hätten das Vertrauen Ungarns nur erhöht, das sehr wohl wisse, daß bei der gegenwärtig erfolgenden europäischen Neuordnung jeder Schritt i n F r i e d e n vor sich gehen müsse. In Süd- osteuropa»müsse der Frieden erhalten bleiben, damit nicht unüberlegt hervorgerufene Wirren von anderen ausgenützt werden könnten.
„Sieg der Vernunft."
Die italienische Presse zu den Ergebnissen der Wiener Verhandlungen.
Rom, 30. Aug. (Europapreß.) Im halbamtlichen „Giornale d'Jtalia" schreibt Gayda, die europäische Aufbaupolitik der Achsenmächte habe in der Tätig-
Die Verleihung erfolgt an alle Wehrmachtsangehörigen, die an der Landung in Narvik ober an den Kämpfen der Gruppe Narvik ehrenvoll beteiligt waren. Im Auftrag des Führers erfolgt die Verleihung durch den Befehlshaber der Gruppe Narvik, General der Gebirgstruppen Dietl.
Oie zweite Reichsstratzensannnlung für das Deutsche Rote Kreuz.
Berlin, 30. August. (DBB.)A Die am 17. und 18. August 1940 durchgeführle zweite Reichsstrahen- fammlung für das kriegshilsswerk für das Deutsche Bote Kreuz erbrachte 26 888 016,42 RM. 3m Vergleich zur ersten Reichsstraßensammlung hat sich das Ergebnis um rund 16,7 v. h. erhöht. Der Betrag je Kopf der Bevölkerung stieg von 29 Rpf. auf 34 Rpf.
feit der beiden Außenminister zugunsten einer end- gültigen.Klörung der Beziehungen zwischen Ungarn und Rumänien durch die Berichtigung ihrer gegenwärtigen politischen Grenze eine neuerliche Bestätigung erfahren. Die beiden Achsenmächte arbeiteten für eine dauerhafte, auf die gutwillige Zusammenarbeit der Völker gegründete Ordnung hin. Ungarn und Rumänien hätten beide die Opfer bringen müssen, die die gerechte und neue Ordnung Europas ihnen auferlege, die aber durch die Beseitigung der Gefahr eines Krieges bei weitem ausgeglichen würden, der weit höhere Werte zerstört haben würde als die, die nunmehr durch die gegenseitigen Zugeständnisse verloren gingen. Diese Opfer würden auch ausgewogen durch den sofortigen Anschluß der beiden Nationen an die neue politische und wirtschaftliche Ordnung, die von den Achsenmächten aufgebaut werde. Ungarn und Rumänien gäben Europa und der ganzen Welt ein wertvolles Beispiel, vor allem den beiden imperialen Demokratien, die den Krieg, durch den sie sich selbst vernichteten, der Anerkennung der nationalen Notwendigkeiten und den zu ihrer Verwirklichung erforderlichen vernünftigen Zugeständnissen ckorgezogen hätten. In Wien sei ein ernstes und gefährliches Problem von der Karte Europas ausgetilgt worden. Das Ergebnis der Verhandlungen fei ein Sieg der Vernunft, ein Sieg der Achsenpolitik.
Lustangriff auf Matta.
Der italienische Wehrmachtsbericht.
Rom, 30.Aug. (DNB.) Der italienische wehr- machtsbericht vom Freitag hat folgenden Wortlaut:
Der Flotten st ühpunkt von Micabba (Malta) ist von unseren Luftverbänden planmäßig und treffsicher bombardiert worden. Die feindlichen Jagdflugzeuge, die sich bereits in der Luft befanden, haben den Kampf mit unseren Jagdflugzeugen nicht annehmen wollen und versuchten, sich ihrer Aktion zu entziehen. Unseren Jagdflugzeugen gelang es jedoch, drei feindliche Flugzeuge unter Maschinengewehrfeuer zu nehmen und zu beschädigen.
3n Rordafrika sind die Militärdepots und Militärlager sowie der Güterbahnhof von M a r f a Matruk von unseren Luftverbänden in aufeinanderfolgenden Wellen wiederholt und heftig mit Bomben belegt worden. Einige hundert Bomben wurden auf die Ziele abgeworfen, wobei kontrollierte Volltreffer festgestellt wurden.
3n O st a f r i k a sind von unseren Flugzeugen bei Arbo el Bahi und in der Nähe von G a r i f s a (Kenia) Truppenzusammenziehungen und Kraftwagenkolonnen bombardiert worden. Ferner wurde der Flughafen von Buna mit Bomben belegt, wo-
Agnes Miegel erhielt den Goethe-Preis.
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Am 191. Geburtstage Goethes überreichte der Frankfurter Oberbürgermeister, Staatsrat Dr. Krebs, der ostpreußischen Dichterin Agnes Miegel den Goethe-Preis. Die feierliche Uebergabe erfolgte im Geburtshaus Goethes in Frankfurt. — Unser Bild zeigt die Dichterin mit der Verleihungsurkunde und rechts neben ihr Staatsrat Dr. Krebs. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Ungarn sich feiner neuen Verpflichtungen bewußt.
Budapest begrüßt die ungarische Abordnung.
Oer lehrreiche Kurszettel.
Die Börse ist sehr mit Recht in den Hintergrund» getreten, während die Waffen das Wort haben. Im übrigen sind auch die Zeiten längst vorbei, wo an den Börsen „Große Polittk" gemacht wurde. AbeL es bleibt doch ein Tatbestand zurück, der nicht ohne Bedeutung ist: an der Börse vollzieht sich — heute! unter weitgehender Ausschaltung der Spekulation — der solide Ausgleich von Angebot und Nachfrage an Wertpapieren. Wenn wir nun nach langer Pause einmal den Börsenkurszettel wieder auf* schlagen, so sticht uns zunächst ins Auge, daß alle! Reichsanleihen über dem Nennwert no* tieren. Vor zwölf Jahren wurden 6- und 7prozen* tige Rerchsanleihen mit wesentlichen Steuerbegün^ ftigungen aufgelegt und ihre Kursgestaltung roaC katastrophal schlecht. Heute existiert nur noch eins einzige 5prozentige Deutsche Reichsanleihe aus dem Jahre 1927, wenn wir von der deutschen Ausgabe der berüchtigten Poung-Anleihe absehen. Ja, auch im Weltkrieg war die „Kriegsanleihe" mit einem nominellen Zinssatz von 5 v. H. — tatsächlich war er noch etwas höher — ausgestattet. Das alles ist vorbei. Die älteren Reichsanleihen seit 1933 trägem 4^», die neueren Reichsanleihen gar nur 4 v. H. Zinsen und siehe da: diese niedrig-verzinslichen Reichsanleihen stehen durchaus über dem Nenn* wert, während vor zwölf Jahren hochoerzinsliche und mit Sonderreizen ausgestattete Reichsanleihen Jammerkurse hatten.
Gehen wir einige Rubriken weiter, so finden wir im Kurszettel noch einige überraschende Entdeckung gen. An Stadtanleihen werden an der Ber* liner Börse 56 Ausgaben notiert; aber in dem Kurszettel, der gerade vor uns liegt, kamen vom diesen 56 Stadtanleihen nur 7 zur Notiz. In er* heblicher Fülle verzeichnet der Kurszettel ein „G"# pias „Geld" oder Nachfrage bedeutet. Mit an* deren Worten: es sind viele Käufer da, aber dis Schuldverschreibungen der Städte sind „in f e st e Händ e" übergegangen und so kommen die Käu* fer nicht zum Geschäftsabschluß. Auch die städtischen Anleihen notieren durchaus über dem Nennwert! und sind mit 4V» v. H. verzinslich. Mögen die Reichsanleihen noch zu den höheren Regionen ge* hören, so weiß doch von den Stadtanleihen jeder* mann, was es für den Bau von Wohnungen be* deutet, wenn die Gemeinden billiges Baugeld auf* nehmen können.
Bauwirtschaft ist überhaupt das große Stichwort Wenn wir uns die Kursliste der Pfandbriefe ansehen, so finden wir die stattliche Zahl von 292 Ausgaben verzeichnet; aber nur 104 kamen in unseren Kurszetteln zur Notiz ... ebenfalls weil es mehr Käufer als Verkäufer gibt. Gerade in diesem Abschnitt des Kurszettels finden mir noch die reizvollsten Erinnerungen. Gelegentlich werden die früheren Zinssätze noch angegeben. Da gibt es der Reihe nach 8-, 7^-, 6prozentige Pfandbriefe. Aber das war einmal. Auch die Pfandbriefe brin* gen heute nicht mehr als 4V» v. H. Zinsen. Hiev haben wir es ganz handgreiflich, welche Vorteile für die allgemeine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit vom „billigen" Geld kommen.
Wir sind noch nicht am Ende dieser Entwicklung, Das Reich schöpft sehr starke Bank- und Sparkassengelder zu einem Zinsfuß ab, der wesentlich unter 4 v. H. liegt. Das geschieht in einer sehr ruhigen, überlegten und pfleglichen Art, die eins Verletzung berechtigter Interessen vermeidet und die Dinge „reif"-werden läßt. Mit anderen Worten: die Zinsverbilligungen werden nicht vom grünen Tisch her dekretiert, sondern das Reich wartet ab, bis durch das Zusammenspiel aller wesentlichen Umstände ein solches Geldangebot eingetreten ist, daß der Geldbesitzer von sich aus froh ist, ein sicheres Papier zu 4Vi — und jetzt schon zu'4 v. H. zu erwerben. Die „Brechung der Zinsknechtschaft" —* jener Zinsknechtschaft, die einmal für die schaffenden Stände so gut wie für alle Erwerbstätigen ein brennendes Problem war —, hat sich ohne schädliche Aufregung vollzogen. Es bleibt nur daran zu erinnern, daß Preußen vor dem Weltkrieg dank seiner so soliden Finanzgebarung mit 3-und2^pro- zentigen „Consols" ein sehr beliebtes Anlagepapier bereits besessen hatte. Es werden nicht mehr viele Jahre ins Land geben, bis wir wieder zu einem solchen erträglichen Zinssatz für erstklassige Anlagen gekommen sind. Dr. Ho.
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