Ausgabe 
31.5.1902 Drittes Blatt
 
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Nr. 125

Erscheint tLgltch außer Sonntags.

Dem (Sieferner Anzeiger werden im Wechsel mit dem »elfischen Landwirt die Siebener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt.

-Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl 'schea Unrverf.-Buch- u.Slen»- dructerei (Pietsch Lrbenf Rrdaklron, Expedition und Druckerei:

Schulstratze 7.

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Samstag 31. Mai 1903

152. Jahrgang

Drittes Blatt.

vezugspretbr monalilch 7bPs-, vrerlet^ jährlich Lik. 220; durch Abhole- u. Zweigstelle»' monatlich 6o Pf.', durch diePoft Mk.2. viertel» jährt. ausfcht. Bestell-- Annahme von Anzeige« für die Tagesirummer bis vormittags 10 Uhr. ßetlenpretfl: lokal 12t$U auswärts 20 Pfg.

Verantwortlich: tut den poltt. u. allgem. Teil: P. Wtltko: für ,Stadt und ßanb* und ,Gcrichtssaal*:R.Dttt-> mann; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger w

Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 31. Mai 1902.

, ** Offene Stellen für Militäranwärter im Be reiche des 18. Armeekorps. Fulda, Königl. Polizei-Di­rektion, Schutzmann, 1200 Mk. Remuneration, nach der Anstellung 108 Mark Mohnungsgeldzuschuß. Limburg, Ortspolizei Behörde, Polizeisergeant für Tag- und Nacht­dienst, 1200 Mk., steigend alle drei Jahre bis 1500 Mk. und freie Uniform, welche bei der Pensionierung mit 100 Mark berechnet wird.

** Der Gießener Zither-Klub veranstaltet morgen auf der Schönen Aussicht sein erstes Sommerfest. Der Reinertrag der Festlichkeit ist dazu bestimmt, einer Anzahl von armen Kindern auch in diesem Jahre eine Wechnachtsfreude zu bereiten. Man kann deshalb dem Klub nur wünschen, daß sein Fest recht zahlreich besucht sein möge. Der Eintrittspreis ist so gering, daß jedem oie Teilnahme ermöglicht ist. Der Verein har weder Mühe noch Opfer gescheut, um deu Besuchern einen wirklich gemütlichen und genußreichen Nachmittag zu verschaffen.

. a. sind ein Caroussell, Schießbuden, ein Kasperle-The- ater aufgestellt. Auch Volks- und Mnderspiele werden ver­anstaltet.

**DerAllgemeineStaatseisenbahn-Ver- tin Friedbergs unternimmt am Sonntag einen Aus- Bnach der Haardt (Textors Terrasse) bei Gießen. Der ige Eisenbahnverein schließt sich an. Terrasse und Saal nachmittags für die beiden Vereine reserviert.

t Bermuthshain, 29. Mai. Der Beschluß des Kreisausschusses des Kreises Lauterbach, daß die Wahl unseres Bürgermeisters als ungesetzlich zu verwerfen sei, ist rechtskräftig geworden. Eine zweite Wahl ist auf Sams­tag, 7. Juni, anberaumt. Diesmal ist ein anderer Kan­didat aufgestellt wordeu, der Landwirt Heinrich Läufer.

)( Freiensteinau, 29. Mai. Die im GasthausZur Krone" veranstaltete Versammlung, die über den geplanten Automobilverkehr zwischen Steinau und Grebenhain be­schließen wollte, verlies ohne ein bestimmtes Ergebnis. Die Kosten des Unternehmens sind auf 15 000 Mark ver­anschlagt. Es soll eine Aktiengesellschaft gegründet wer­den, die Aktien zu 100 und 50 Mark ausgiebt, um dadurch auch dem kleinen Mann Gelegenheit zu geben, sich zu beteiligen. Es wurde beschlossen, zunächst durch eine Kom- iniffion einen Plan ausarbeiten zu lassen.

Friedberg, 28. Maß. Die aus dem Vorstände der Evangelischen Kon ferenz für das Großherzogtum Hessen hervorgeaangene Anregung, ihrem unermüdlichen und verdienten Vorsitzenden, dem Direktor des landest- tirchlichen Prediger-Seminars, Professor D. D. W e i ff f e n - bach M seinem 60jährigen Geburtstag eine Ehr­ung zu erweisen, hat im ganzen Lande erfreulichen Wider­hall gefunden. Schon am Vorabend des Festes, das mit dem Trinitatis-Sonntag zusammenfiel, traf das kostbare Geschenk der genannten Konferenz, ein geschmackvolles Album mit künstlerischer Widmung und zahlreichen Licht­bildern der Mitglieder, ein, gefolgt von schier zahllosen Glückwunschbriefen und Telegrammen, darunter auch solchen von der theologischen Fakultät zu Gießen und

Mitgliedern des Oberkonsistoriums zu Darmstadt. 9htr fehlte, wie dieD. Ztg." schreibt, am Festtage selber der Jubilar, der erst so spät am Abend von der Psingst- reise heimkehrte, daß erst am anderen Morgen, also post festum, persönliche Huldigungen ad fcstum dargebracht wer­den konnten. Den Reigen derselben eröffnete die Kan - didatenschaft des Predigerseminars beim Eintritt des überraschten Jubilars in das Kolleg durch den vierstimmigen Vortrag des 23. Psalms und die verehrungsvolle Anrede des ersten Sprechers cand. Marguth. Gegen mittag folgte das engere und weitere Kollegium der ordentlichen und außerordentlichen Lehrer des Prediger-Seminars, in deren Namen Professor Pfarrer Schuler den Gefeierten herzlich im Rückblick auf sein an Prüfungen und Segnungen reiches Leben, unter Hinweis auf das Trinitatisfest, und mit der Hoffnung noch langer Jahrzehnte rüstigen Wir­kens für das Reich Gottes beglückwünschte. Bald darauf erschien der evangelische Kirchenvorstand unter Führung des Vorsitzenden, Kirchenrats Dekan Meyer, der in ei> schöpfender Weise das vielseitige amtliche und außeramtliche Wirken des Jubilars im Dienste der Ortsgemeinde, des Dekanats und der Landeskirche feierte und namentlich seine bahnbrechenden Verdienste um die Wiederherstellung unserer Stadtkirche anerkannte. Zuletzt ließ es sich auch der hiesige Zweigvereiu des E v a n g. Bundes nicht nehmen, seinen getreuen Stifter und langjährigen Leiter durch feinen persönlich erschienenen Vorstand und durch den beredten Mund seines Schriftführers, Oberlehrer Ps. Lampas zu huldigen. Durch alle die Bekundungen freudiger Aner­kennung, persönlicher Teilnahme und herzlicher Wünsche tief bewegt, hob der Jubilar jedesmal in längerer An­sprache hervor, wie völlig unbegehrt und unerwartet ihm so viele Ehrung gekommen sei, daß er ihr aber nun nicht mehr answeichen und sie nun mit demütigem Dank gegen Gottes Gnade nird der Menschen Wohlwollen annehmen könne. Der Grundton dieses Festes und seines ganzen Lebens sei und bleibe der 23. Psalm:Der Herr ist mein Hirte"; im Vertrauen auf ihn wolle er wirken, so lange es Tag für ihn fei, Jubiläen aber in Zukunft entgehen.

Hanau, 29. Mai. Ein interessanter Fund wurde gestern früh durch den Sck)iffer Karl Becker aus Kesselstadt am rechten Main-Ufer, gegenüber Groß-Stein heim, ge­macht. Der Genannte hatte dort Anker geworfen und brachte beim Aufwinden des Ankers mit diesem einen, großen hölzernen Gegenstand ans Licht, der wohl schon viele Jahrhunderte dort im Main kies eingebettet gelegen hat. Es war ein sogen.Einbau m", ein Nachen, wie ihn unsere Vorfahren in prähistorischer Zeit aus einem ausgehöhlten Eichenstamm herzustellen pflegten. Der Einbaum" ist, obwohl durch den Anker etwas beschädigt, noch verhältnismäßig gut erhalten; die ganze Länge beträgt ca. 2,68 Meter, die Breite 0,45 Meter; im Innern ist die Länge 2,27 Meter, die Breite 0,36 Meter und die Tiefe jetzt noch 0,24 Meter.

AnwerMts-UaHruylen.

Frankfurt a. M., 29. Mai. Der preußische Kultus­minister hat den Universitäten eine Zuschrift betreffend die

neu sprachlichen Studien zugehen lassen, in der es unter anberm heißt:Die Akademie für Soziale und Handels Wissenschaft in Frankfurt a. M._ h«t die Einrichtung von Kursen zur Pflege der französi­schen Sprache für Studierende in Aussicht genommen. Tie Teilnehmer an diesen Kursen sollen auf der Akademie theoretisch und praktisch unterwiesen werden, dann eine Zeit lang in Frankreich untergebracht werden und und). Dem Aufenthalte in Frankreich noch einmal zur Akademie zurück- kehren, damit hier bei der Fortführung des Kursus die un Auslande gesammelten Kenntnisse verarbeitet, be- feftigt und zu freiem Gebrauch nutzbar gemacht werden. Außer den ausschließlich dem Studium der französischen Sprache dienenden Veranstaltungen hat die Akademie noch einige Vorlesungen allgemein bildenden Inhalts cinzu- richten sich verpflichtet, sodaß es unter Umständen möglich fein würde, die Zeit des Besuches der Akademie, sofern die den Teilnehmern an den Kursen am Schlüsse derselben ausgestellten Bescheinigungen den gewünscksten Erfolg be­zeugen, auf die für die Zulassung zur Lehramts­prüfung erforderliche Studiendauer an zu- rechnen. Ich bin bereit, dahin gehende Anträgevon Kandidaten, welche behufs Ausbildung für die Lehrbefähig­ung in den neueren Sprachen einen Akademiekursus in Frankfurt a. M. ordnungsmäßig durchgemacht haben, ebenso zu behandeln wie diejenigen Anträge, welche auf Grund der Bestimmungen in § 5, 4 der Ordnung der Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen in Preußen vom 12. Sep­tember 1898 zu stellen sind." Der Minister teilt, demB. T." zufolge, weiter mit, daß diese A-kademiekurse sonst auf ein Jahr berechnet sind und stets mit dem Sommerhalb­jahr eröffnet werden. Die Frankfurter Akademie habe aber Vorsorge getroffen, daß schon im nächsten Winter ausnahms­weise ein halbjähriger Kursus für das Studium des Fran­zösischen stattfindet. Erwähnt sei noch, daß Anfragen über Einzelheiten an den Leiter der Kurse, Professor Dir. M o r f in Tyrüiiiflirt a. M., zu richten sind.

Meralur.

Das Juniheft derDeutschen Kunst und Dekoration" (Verlag von Alex. Koch in Darmstadt, Einzelpreis Mk. 2.50) bringt u. v. a. eine Reihe von Werken der Portraitmalerin Klara Grosch in Darm­stadt, darunter ein Portrait der Großherzogin Viktoria Melitta. ,

Unerreichter Insectentödter!

Kaufe aber nur in Flaschen/wo Plakate aushüngen.

Damen-Handschnhe Preislagen A. Waag, weg:

Plaudereien aus der Kaiserstadt.

(Nachdruck verboten.)

Krrmdc Gäste in Berlin. Gabriele von Bulow. Berühmte Bäume: Die Britzer Akazie. Tie Kurfurstenpalme. Tie

Potsdamer Bittfchristenliude.

Auf denKönig der Könige", den armen, totkranken persischen Schah, den eine innere Unruhe wieder durch die Reiche des Abendlandes jagt, als könne er dadurch die sinkende Lebenskraft aufs neue entfachen, auf dieses un­glückliche Kind des Glücks scheint unser Lenz gewartet zu haben, um ihm als Herold in der Mark ooranznzieheu Denn endlich ist er da mit Sonnenschein unb Fliederduft und wohlig warmen Lüften. Gott sei Dank werden nun auch die überall geführten Debatten darüber aufhören, ob die westindischen Eruptionen die Schuld an dem ewig be­wölkten Himmel tragen ober nicht. Es war schon nicht mehr schön mit diesen Erörterungen. Jede Zeitung, jeder Stammtisch, jede Straßenbahnunterhaltung beschäftigte sich mit den ,Wärme-Entziehungen", denLuftsäulen" und den Dulkanstaubwolken" re. Heute löst das alles der Schah ab der in Potsdam weilt, und mit dem Kronprinzen von Siam, der eine kleine Schnurrbart-Anleihe bei dem Sonnenkönig" machen könnte, auch nach Berlin kommt. Gr soll ein kauflustiger und generöser Herr fein, was den Berlinern durchaus nicht unangenehm ist. Hoffentlich ent­täuscht er sie nicht so, wie weiland Se. Exzellenz von der gelben Reitjacke, Li-Hung-Tschang, der alles besehen, aber n^Auch^von anderen berühmten Gasten, do'ch nicht ans dem Osten sondern vom Gestade der Seine her, schwirren wunderliche Gerüchte durch Berlin. Mir scheint, es sind die ersten Sommerenten, die ja um bic ^auregurlenjeit aufzuflattern pflegen. Irgend wer will nämlich die geniale Familie mi in o e r t in einem Cafe am Alexanderplatz, nach Bildern, erkannt haben; ein anberer hatte ite jur -^ch^it auf der Potsdamer Straße gesehen unbmm izv die wilde Jagd nach ben bewundernswertesten Schwindlern der ©eaentoart iw Gange. Aber ich furchte, bie Leute, bie es verstanden haben, ganz Frankreich ^b ferne[ $^orten zwei Jahrzehnte lang mit einem unglaublichen Raffine­ment an ber Nase herumzuftihren, friegene^ aud) fertig, der Berliner Polizei ein Schnippchen zu sA^eii. Jeden­falls herrscht momentan eine Franzos enriecherei bei uns,

die hochkomisch ist. Wenn man auf der Leipziger Straße mit seinem Begleiter ein paar französische Brocken wechselt, kann man sicher sein, daß sich ein Dutzend Hälfe nach einem nmbrehen und ebenso viel Augenpaare einen mißtrauisch mustern. Einer zieht wohl auch schnell die Steckbriefe aus der Tasche und überfliegt die Signalements ber Humberts. Zola hat seinerzeit, als er verschwunben war, nicht mehr Staub aufgewirbelt wie diese ingenieufen Ausbeuter ber eigenen Phantasie unb fremder Dummheit, bic nun wahr­scheinlich längst auf der Fahrt nach bem ibealen Argen­tinien sind und sich königlich darüber amüsieren, daß man sie bald in Liverpool, bald in Newyork, bald in Berlin gesehen haben will. Die Trebertrocknervon Cassel sowohl wie derHerrgott von Potsdam", Herr Sanden, der bei Heringen unb grüner Seise in Lanbsberg a. d. W. dereinst seine ersten Studien im Handelssache machte, sind Stümper gegen die Humberts. Unb der Zuschauerraum im Sandenprozeß zeigt deutlich durch feine schlechte Besetzung, daß das französische Erbschaftsschwindelstück ihm das Publikum entzieht.

Es geht überhaupt in diesen, durch große Sensationen angefüllten Tagen manch ein Ereignis, und auch manch sinniger Gedenktag vorüber, ohne gebührend gewürdigt zu werden. So war z. B. am 28. Mai der 100. Geburtstag Gabriele v. Bülows, jener herrlichen Tochter Wil­helm v. Humbolds. Sie hat uns in ihren vor 10 Jahren herausgegebenen Briesen, bie burch etliche ihrer Mutter unb ihres Vaters re. ergänzt waren, nicht nur das harmonische Lebensbild einer edlen beutschen Frau hinter­lassen, sondern auch ein Kulturbild aus ber großen Zeit von Preußens Erhebung 1812 und 1813 entworfen, das mit zum besten gehört, was aus jenen gewaltigen Tagen aufgezeichnet ist. Draußen in Tegel, unter dem friede­vollen Schatten ber Ebeltannen, bie ihr großer Vater noch um bie Grabstätte seiner heißgeliebten Lebensgefährtin Karoline gepflanzt hatte, liegt auch sie neben bem be­rühmten Brüberpaar Wilhelm 'unb Alexanber, neben ihrem Gatten unb ihren Kinbem zur ewigen Ruhe gebettet. Ihr herrliches Buch wirb bafür sorgen, daß man sie nicht vergißt!

Die ernsten Tannen von Tegel zeigen uns im Geiste eine Reihe von anderen Bäumen in Berlins Umgebung, die ihre Geschichte haben. Von den Linden, dieUnter den Linden" nur sehr spärlich zu finben sind, wenden wir uns an der Akademie vorüber zumKastanienwäldchen", in dessen

Schatten die preußischen Finanzminister ihre kostspieligen Pläne ausbrüten. Die Akaziengruppe, die deralte Fritz" als Kronprinz hier gepflanzt hat, ist längst eingegangen; wohl aber steht in Britz, dem märkischenSchiras" (wegen seiner großen Rosenzucht nämlich) im alten Park des Herren­hauses noch jene Akazie, von der bie anderen in unserer Gegend alle stammen. Friedrich I. schenkte sie dem damaligen Besitzer von Britz, Herrn von Ilgen, als neues, seltenes Topfgewächs, und dieser pflanzte es 1712 mit viel Sorgfalt und Liebe im Park ein. So entstand die Stammutter der märkischen Pseudoakazien ober Robinien, bie sich über Mangel an Nachwuchs wahrlich nicht beklagen kann. Von Britz führt uns dieWüstenbahn" durch Rixdorf, an der Stelle vorbei, wo dieFriedenslinde" von 1813/14 bis 1885 gestanden, nach Schöneberg, dessen alterBotanischer Garten" eine Chamaerops humibis enthält, die zu ben berühmtesten Bäumen Groß-Berlins gehört. Diese Palme reicht bis an die Decke des riesig hohen Gewächshauses und hat ein Alter von bald 300 Jahren. Unter dem großen Kurfürsten wurde sie aus Holland nach Berlin ge­bracht und fand ihren ersten Platz imLustgarten", jenem Park, und Denkmalsplatz zwischen Ruhmeshalle unb neuen Dom, ber damals ein wirklicher Garten war. Von hier kam sie unter dem Soldatenkonig Friedrich Wilhelm I. nach Schöneberg, ihrem heutigen Standort, ben sie in absehbarer Zeit mit einem neuen, in Dahlen nämlich, wo oer neuebotanische Garten" entsteht, vertauschen wird, wenn man sich getraut, sie aus bem Erdreich, in bem sie seit 80, Jahren steht, mit all ihrem Wurzelwerk heraus- zunehmen. An bieser Palme wurde 1749 das Experiment der künstlichen Befruchtung mit Blütenstaub von einer Leipziger Palme gemacht. Es war das erste Mal, daß diese Möglichkeit wirklich nachgewiesen werden konnte, und so genießt diese Palme auch in wissenschaftlicher Beziehung eine gewisse Berühmtheit und hat deshalb in Linns's Schriften Erwähnung gefunden. Als ein Denkmal aus ber fribericianftchen Zeit steht am Stadtschloß in Pots- bam noch eine Linbe, vor ber so manch Berliner Bürger unb auch manch anberer Unterthan des großen Königs geharrt hat, eine Bittschrift in der erhobenen Rechten. Ter Blick des Königs glitt oft über den Baum unb wenn er einen Bittsteller barunter bemerkte, io ließ er biejem burch einen Flügelabjutanten sein Skriptum ab­nehmen und ihm Prüfung versprechen. Diegute alte Zert!" " A. R.