Nr. 281
Erscheint tügltch anbei Sonntag».
Dein «Lietzenei Anzeiger weiden tm Wechlet mit den» KeMIchrn Landwirt die Siebener Kamillen, blätter uiermal In der ÜJodje beigelegt.
RotallonSdrvck u. Verlaß de» Brüh l'Ichen Un»vr»1.-Bach- u.Steln» biudeiett Victld)liib«rt) fitOufnot», Itgixbuwi unb Ttudeiei.
Gchulftrahe 7.
vd»ebe lüx Depeichen: Anzeiger Bietzen.
FklnipirlbautNitubAr 51
Drittes Blatt.
152. Jahrgang
Samstag 29. November 1N4VT
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger v ***
vezagdpretOr monuihd)75’ö1., oteriel» |ät)»hd) Mk. 2.20 du.ch Abhole- u. ‘tiDelgfiellen inonallid) 65 SKL; durch die Post Dik.2.— vierlel- jährt auvichl. BesleUg, Annahme von Anzeige« für die Tageonunliner bi6 ooimiuagfl 10 Uhr, Zeitenpre»« lokal ISP^ o«*4roärlt 20 Pig.
verant wörtlich: für den oolii u. öligem, teil: V. Witiko: für ,Cladi und Land'' und ,toerid)l6jaale Tart Plato, füi den An- ^elqenieil. £>an» Beck.
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Volilische Tagesschau.
einen Schlag ins Waffer
gennt Me „Köln. Zig." die Bewegung innerhalb der Studentenschaft, die darauf hinzielt, bei Ehrenhändeln »wischen Offizieren und Studenten an Stelle der Pistole die b l a n ke W a ff e zu setzen. Tie Ein- berufer und Teilnehmer an diesen Versammlungen schienen sich nicht red# darüber klar zu sein, was ihre Forderungen eigentlich bedeuteten. Zunächst wende man sich an einen Minister mit der Aufforderung, einem vom Gesetz verbotenen und mit Strafe bedrohten Handeln durch ein amtliche- Eingreifen eine amtliche Genehmigung zu erteilen. Tiefe- Ansinnen an einen Minister enthalte die Aufforderung zu einer Verletzung seiner Amtspflicht. Auch das Wesen der Wrengerichte der Offizierkorps verkenne der Antrag. Tie Ehrengerichte seien eine durch Kabinettsordre geschaffene und in ihrer Bildung genau bestimmte Einrichtung, die nur für das Offizierkorps und sein inneres Leben Geltung habe. Eine Zulassung von Personen, die außerhalb des Offizierkorps stehen, sei also von vornherein ein Ting der Unmöglichkeit. Tie Beschlüsse der Studentenversammlungen seien daher, wie vortrefflich die Beweg- aründe, denen sie entspringen, auch sein mögen, Schläge ins Wasser, und es wäre zu wünschen, daß diese Bewegung in eine Bahn zuriilkgelenkt würde, die ihr Erfolg verspricht.
Gewiß hat die ,Löln. Ztg." formell recht, und auch die Studenten, welche jene Bewegung gegen das Pistolenduell hervorgerufen, werden sich gesagt haben, daß das Pistolenduell keine gesetzliche Handlung, sondern durch das Gesetz verboten ist. Ebenso sicher ist aber der von den Ehrengerichten gar oft ausgeübte Zwang, zur Pistole zu greifen auch daun, wenn die Beteiligten nie daran gedacht hatten. Teshalb liegt es wohl im Bereich der Möglichkeit, daß durch die Einwirkung der Kriegsminister eine Aenderung der Instruktion der Ehrengerichte dahin erfolgt, daß Pksdolenduelle ganz aufgehoben oder wenigstens nur auf die allerschwersten Falle beschränkt werden. Wir sind der Meinung,-daß die Bewegung unter den Studenten nicht nachlassen sollte'und daß ihr der beste Erfolg zu wünschen ist.
Nodenuuhung und Oetreideprsduktiou der kauer- lirüen Metrieve.
Nachrichten vom deutschen Landw'rtschaftsrat ans Ostelbien, West- elbicn und Süddeutschland.
Schluß.
Tie Getreideproduktion in Ostelbien, West- elbien und Süddeutschland ohne Unterscheidung nach Größenklassen 1894—1898.
Nachdem im Vorstehenden die Bodennutzung der drei Hauptgebiete dargestellt und auch versucht ist, die Bodennutzung und den Getreideanbau des bäuerlichen Betriebes und des Großbetriebes wenigstens annähernd festzustellen, soll nun die Getreideproduktion, die Getreidemengen besonders berücksichtigt werden. — Es werden angebaut und geerntet:
m Ostelbien 5 973 417 Hektar Getreide eingebaut,
geerntet 6 637 466 Tonnen, pr. Hektar 1111 Kilogramm, fn Westelbien 4 876 217 Hektar Getreide angebaut,
geerntet 7 444 232 Tonnen, pr. Hektar 1 527 Kilogramm m Süddeutschland 3 043 406 Hektar Getreide angebaut,
geerntet 3 980 518 Tonnen, pr. Hektar 1 308 Kilogramm, im Deutschen Reich 13 893 040 Hektar Getreide eingebaut,
geerntet 18 062 216 Tonnen: pr. Hektar 1 300 Kilogramm.
Von allen Getreidearten liefert Westelbien absolut die größte Menge, auch von Roggen, obschon seine Roggenfläche 1 200 000 Hektar weniger betragt, als die von Ostelbien. Nur an Spelz und an Gerste liefert Süddeutschland von den drei Hauptgebieten absolut die größte Menge, von Gerste über ein Tritte! der gesamten Ernte Deutschlands.
Faßt man das Brotgetreide Waizen, Spelz und Roggen zusammen, so verteilt sich die Gesamternte an Brotgetreide in folgender Weise auf die drei Hauptgebrete: Ostelbien 4 046 860 Tonnen oder 38.69 Prozent
Westelbien 4 353 718 „ , 41.62
Süddeutschland 2 059 403 „ „ 19.69 „
Deutsches Reich 10 459 981 , „ 100 „
Danach liefert Ostelbien fast 39 Prozent, Westelbien 41 Prozent, Süddeutschland dagegen nur 20 Prozent oder kaum ein Fünftel der gesamten Brotgetreideernte.
Tie Getreidernte der sechs östlichen preußischen Provinzen, Ostelbien genannt, in 1894 bis 1898 betrug in Tonnen auf den Gemarkungen
Weizen Roggen Gerste
Tonnen Tonnen Tonnen der Städte 31 790 190 694 40 794
Landgemeinden 419 148 1 873 658 433 637
Gutsbezirke 457 917 902 992 253 561
Hafer (Betreibe rc.
Tonnen Tonnen 99 313 362 591
1 102 668 3 829111
582 211 2196 681
zusammen 908 855 2 967 344 727 992 1784192 6 388 383
Hiernach liefern also die Gutsbezirke (Großgrundbesitzer) in Ostelbien von der gesamten Getreideproduktion dieses (Gebietes n ur 34 Prozent, die Landgemeinden dagegen fast 60 Prozent, während etwa 6 Prozent auf die Stadtgemarkungen entfallen.
Berücksichtigt man nur das Brotgetreide, Weizen und Roygen, so entfallen auf die verschiedenen Gemeinde- bezirke folgende Erntemengen:
in den Stadtgemarkungen 222 484 Tonnen — 5.74 Prozent
in den Landgemeinden 2 292 806 „ — 59.16 „
in den Gulsbezirken 1360 909 „ — 35.10 „
Auch hier tritt die erheblich stärkere Getreideproduk- tion der Landgemeinden gegenüber den Gutsbezirken deutlich hervor.
Welcher landwirtschaftliche Betrieb, der Groß-, Mittel-oder Kleinbetrieb liefert dem deutschen Volke die größte Menge Brotgetreide?
Auf die drei Hauptgebiete verteilt sich die Brot- getreideproduktwn der Betriebe unter und über 100 Hektar wie folgt:
unter 100 Hektar über 100 Hektar
Ostelbien 2 138 226 Hektar 1 658 360 Hektar
Westelbien 2 414 708 , 343 627
Süddeutschland 1 601 191 , 55 562
Deutsches Reich 6 154 125 , 2 057 549
Tie Brotgetreidefläche der Betriebe:
unter 100 Hektar über 100 Hektar
Ostelbien 2 893 211 Tonnen 2 252 001 Tonnen
Westelbien 4 158 015 „ 616108 „
Süddeutschland 2 366 125 , 83 551 ,
Deutsches Reich 9 417 351 „ 2 951660
Tie Betriebe unter 100 Hektar erzeugen also dreimal so viel Brotgetreide in Teutsch- l a n d v.ls die Großbetriebe über 100 Hektar. Ter Anteil der Betriebe unter 100 Hektar an der Brotgetreide- Produktion in den drei Hauptgebieten ist folgender:
Von je 100 Donnen der Brotgetreideernte wurden er- | zeugt in den Betrieben:
unter 100 Hektar über 100 Hektar Ostelbien 56 Prozent 44 Prozent
Westelbien 87 „ 13 „
Süddeuschland 97 3
Angesichts dieser thatsächlichen Verhältnisse giebt es für die fortgesetzte Behauptung der Vertretung des Freihandels, der Sozialdemokratie und der nationalsozialen Partei, daß der bäuerliche Betrieb in Deutschland an dem Getreideverkauf und an den Getreidezöllen nicht oder nur wenig interessiert sei, nur die eine Erklärung, daß dies auf die Unkenntnis der Wähler berechnete Agitationsmittel der Ausdruck des politischen Hasses gegen den Großgrundbesitz ist. Weil der Großgrundbesitz an den etwaigen Vorteilen einer agrarischen Zollpolitik teilnehmen könnte, soll lieber nach Ansicht jener Parteien der gesamte bäuerliche Besitz leiden unter einer antiagrarischen Zollpolitik. Taß dabei auch die landwirtschaftlichen Arbeiter leiden würden, wird im blinden Parteieifer übersehen. Nur um den 26 000 Großgrundbesitzern keinen Vorteil zuzuweisen, verweigert man denselben Vorteil auch den 2 296 889 bäuerlichen Besitzern, die 2 bis 100 Hektar bewirtschaften, wenn mich die thatsächlichen Verhältnisse ergeben-, daß diese bäuerlichen Betriebe unter 100 Hektar dreimal soviel Brotgetreide auf den deutschen Markt liefern, als die Großbetriebe über 100 Hektar.
Tie vor geführten Zahlen zeigen dem aufmerksamen Leser auch noch anderes. Der Turchlschnittsertrag in den Hauptgetreidearten beträgt:
in Ostelbien p. Hektar 1111 Kilogr. = 5.55 Ztr. p. Morgen
in Westelbien p. „ 1527 „ — 7.63 „ p. *
in Süddeutschland p. „ 1308 „ — 6.54 „ p. ,
Eine Steigerung dieser Turchschnittserträge um nux I1/4 Zentner pro Morgen würde die jetzt bestehende Einfuhr von 2 000 000 Tonnen aufwiegen. Ob diese Einfuhr unter den jetzt bestehenden Vcrhälltnissen überhaupt nötig war, soll hier nicht untersucht, sondern nur wiederholt die That- sache festgestellt werden, daß die niedrigen Getreidepreise in Deutschland dahin führten, daß besonders von der bäuerlichen Bevölkerung große Massen an Brotgetreide unwirtschaftlich an die landwirtschaftlichen Nutztiere verfüttert wurden. Tas ausländische Getreide drängt sich aus unseren Markt, da es an der Produktionsstelle überflüssig ist, und wird sich immer mehr auf unseren Markt drängen, je mehr infolge extensiverer Wirtschaftsweise, wegen unlohncnder Preise, der Turchschnittsertrag pro Morgen nicht in die Höhe, sondern herunteracht. Um das zu verhindern, bedarf die deutsche Landwirtschaft des Schutzes durch entsprechend hohe Getreidezölle. Auch eine stärkere Viehhaltung würde nur dazu angethan sein, die Turchschrrittserträge der Getreidearten zu steigern.
Aus diesem Grunde ist die Verhinderung der fortgesetzten Einschleppung von Viehseuchen durch die schärfste Kontrolle der Vieheinfuhr auf den Grenzen geboten. — Mr sind auf dem Wege, über die Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse immer mehr Licht zu sschaffen. Tas kann die Einsicht, daß diese Produktion des Schutzes absolut bedarf, nur fördern.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 29. November 1902.
** Tie Zeit der Weibnachtseinkäufe naht. Klug ist, wer überhaupt zeitig über die Wahl einig ist. Tenn das Wort „Wahl macht Qual" empfindet man nirgends so unangenehm, wie bei den Weihnachtsgeschenken. Ueber dem ließ erlegen verfliegt die kostbare Zeit, und das Hetzen, Jagen, Trängen und Ueberarbeiten verbittert dann
Maudcrelen aus der Kaiserstadt.
(Nachdruck verboten.)
Krupp und die Berliner. — Schaufensterstudien.
Selten hat ein Ereignis so viel Erregung, so scharfe Debatten in den zahlreichen kleinen Bierpolitiker-Kreisen, aber auch unter ernsthafter zu nehmenden Mannern, hervorgerufen, als der plötzliche Tod Krups^, der für bte große Welt der „Kanonenkönig" hieß, auf dreien -ittel aber durchaus nicht eingebildet war. Ter Mann hatte eine vornehm feinfühlige Seele, die nicht nur, der überkommenen Tradition gemäß, für die Erhöhung der Knegs- schrecken arbeiten wollte, der auch für die Aufgaben friedlicher Kultur offene Augen hatte, und im Maschmen-uno Eisenbahnbau große Erfolge aujtoenen konnte. Tre Wohlfahrtseinrichtungen der Kruppschen Werke, die der „Vorwärts" ironisch als gute Geschäfte inr die <yinna glostrert, sind weltbekannte, wie das Etabltfsement selbst, und der Berliner, der in seiner Riesenstadt afle Sar eu von Elend in allen Gestaltungen und Ge^chaftsschichten kennt und zu mildern sucht, tzat durchweg Respekt vor diesen Einrich- tungen, vielmehr als den Herren vom „Vorwärts" lieb ist. Tie Stimmung ist denn auch im großen und ganzen heftig gegen das führende Blatt der Sozialisten, und die Leitungshäudlcr, die dem Pasianten auf den großen Ver- ehrsadern geheimnisvoll zuflüstern, daß die „heilige Num- ter morgen spätstens Widder kon.iszrert lDl^'
nur mäßige Geschäfte. Es ist zu belann_, was Krupp alles gethan hat, gerade nach dieser Richtung. existiert auf seinem Gebiet neben den modern eingerichteten Krankenhäusern ä. B. auch eme zahnärztliche Klinik, die mit einem Kostcnaufwande von 100 000 Mark eingerichtet wurde. Und auf Krupps Kosten reisten die dafür bestimmten Operateure ein paar Jahre von Kapazität zu Kapazität, um sich auf ihrem Gebiete alle die Kenntnisse und Fertigkeiten aneignen zu lönnen, bte überhaupt zu „werben waren. Tiefe und ähnliche Fakten horte ich
in den letzten Tagen unterwegs in der Straßenbahn, beim kurzen Imbiß im Volksrestaurant von Aschinger usw. erzählen. Auch die Teilnahme des Kaisers an dem Begräbnis, der imponierende Entschluß, dem Sarge eines Bürgerlichen, der Krupp trotz aller Orden usw. geblieben war, zur Gruft zu folgen, übte seine Wirkung aus. Die rote Linke wird lange zu thun haben, ehe fte diese sich selbst versetzte Schlappe ehrlich überwunden hat! — Daß es auch in Berlin noch Leute giebt, bie keine Mnung von Krupp und seiner Bedeutung haben, konstatierte ich vor einem Schaufenster bei Wertheim, wo ein Berliner Handwerksmann seinem zugereisten Vetter angesichts der in der Auslage aufgefahrenen Spielzeug-Kanonen einen Vortrag über Essen und seine Werke hielt, wobei der Vetter erstaunt die Bemerkung äußerte, daß er geglaubt habe, der Staat schaffe sich das alles selbst! Und nun nicht gerade unklug, meinte er, es sei dann wohl jetzt Zeit, diesen wichtigen Zweig der Industrie in die eigene Hand zu bekommen. Aber um das Testament wird man wohl nicht herurnkommen! Tie Schlacht, die bei Wertheim aufaebaut ist, nebst all den anderen Herrlichkeiten großen Stils für Knaben und Mädchen bilden wie immer einen kolossalen Anziehungspunkt für aroße, und natürlich auch kleinere Kinder. Tie Störung der Passage ist dort wie bei Tietz in Permanenz erklärt. Glücklicherweise ift in diesem Jahre wenigstens die andere Seite an der im Vorjahre noch der weit ausladende Bauzaun vor dem neuen Herrenhause stand, frei. Wohl dem, der an diesen Riesen- Äusstellungen vorüber ist, die allerdings das eine Gute haben, daß sie unfern Theaterdekorationsmalern einen hübschen Verdienst abwerfen, da überall ein gemalter Hintergrund von mächtigen Dimensionen erforderlich ist. Mehr Freude machten mir die Auslagen der Spezialgeschäfte. Ich traf das Schaufenster eines Blumenhändlers in der Charlottenstraße, der sich die Pflege der Kakteen zur Spezialaufgabe gemacht hat! Von oben bis unten, auf quergeführten Brettchen nichts als die stachlichten Gäste der Tropenwelt hinter der großen Spiegelscheibe! Mächtige
Exemplare mit flachen handartigen oder keulenförmigen Blättern und weißen, gelten und brennend roten Blüten, und darüber die winzig kleinen, sauber gewachsenen Pflänzchen, die aussehen, als wären sie für das Fensterbrett eines Puppenstübchens bestimmt! In einer der Seitenstraßen findet sich ein Spezialist für Aquarien und verwandte Sachen. Im Mittelpunkt des Schaufensters steht eine kleine Burg, die an die Feldruinen des „Regenstein" im Harz erinnern. Es ist die Herberge von ein paar Dutzend weißen Mäusen, die in äugenverwirrender Hast eine tolle Jagd immer rundum aus einer, Höhlung in die andere ausfübren. Alle möglichen Froscharten, Eidechsen, lebende Schildkröten, auch Schlangen, Krebse usw. füllen den übrigen Teil der Auslage, vor dem Laufburschen, Schusterjungen, höhere Schüler und auch älteres Publikum ein gutes Teil seiner Zeit vertröbell. Noch ein paar Schritte weiter — und der Laden eines Antiquitätenhändlers lockt mich an. Was findet sich hinter dessen Scheiben für bunter Kram! Urväterhausrat, alte Pen- dulcn, Großmutters Kaffeetassen, Weingläser, aus denen laut Attest berühmte Leute getrunken haben, stark nach- aedunkckte Oelgemälde, Geschmeide, das längst aus der Mode kam, aber übermorgen vielleicht wieder modern sein kann, Vosen in seltsamen Formen, die einst wohl auch einmal blühende Blumen getragen! Wo sind sie hin, die Blumen — und jene, ach, denen sie einst geblüht? Und noch ein Haus weiter: da lachen aus dem Fenster die runden Goldstücke aller Nationen und Kassenscheine in allen Farben. Hier wohnt ein Bankier und zeigt den Fremden, die alltäglich in Berlin eintrrffen, wie er ihnen dienen kann. Aber er zieht auch die Blicke jener Unholde auf sich, die böse Gedanken zur Reife kommen lassen, wenn ihnen so viel Geld cntgegenblickt. Ter jüngste Raubmordversuch bei Schwerdtfeger in der Friedrichstraße ist sicher auch nur durch solche Auslage ins Leben gerufen! A.R.


