Ausgabe 
29.7.1902 Erstes Blatt
 
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fdjnle besichtigten in den letzten Tagen unter Führung ihres Lehrers, Prof. Esselborn, die Brückenbaucmsralt Gustavs- burg, die Stationsanlagen in Kranich stein, sowie das Nadel­wehr, die Kammerschleuse und die verschiedenen Brücken in Frankfurt a. M. Bei dem am Samstagvormittag gegen 6Vs Ühr in Darmstadt eingetroffenen Frankfurter Personen­zug Nr. 65 wurde der Posthilfsbote Metz aus Frankfurt, der den in diesem Zug laufenden Postbeiwagen allein zu be­dienen hatte, bewußtlos unter den Paketen vor- gefuuden. Der Wagen war fast ganz beladen, sodaß dem Hilfsboten nur noch ein kleiner Raum zur Verfügung stand. Die nach allen Seiten hin aufgetürmten Pakete waren nun, lautF. Q.f infolge der Erschütterung zusammengestürzt und hatten den Metz unter sich begraben. Metz war bewußt­los, als man ihn aus seiner schrecklichen Situation befreite.

sd. Nieder-Ramstadt (Darmstadt), 28. Juli. Ver­gangene Nacht gegen 12 Uhr brach in den Räumen der Odenwälder Hartstein-Jndustrie von Leferenz u. Co. bei Nieder-Ramstadt auf bis jetzt unaufgeklärte Weise Feuer aus, welches die ganze technische Einrichtung, soweit sie nicht aus Eisen bestand, in Asche legte, sodaß der Betrieb voraussichtlich längere Zeit ruhen muß. Das Feuer fand an den ca. 6 Meter hohen Schutz- und Dach­bauten, welche ca. 9 Jahre über den Brech- und Sortier­maschinen angebracht und teilweise von außerordentlicher Stärke sind, sehr reiche Nahrung. Das ganze Gebäude war ca. 12 Meter hoch, davon sieht man heute nur noch das Eisengerippe. Zwei Bruch- und Sortiermaschinen sind total unbrauchbar. Von der Stärke der Glut kann man sich einen Begriff machen, wenn man sieht, daß sogar 5060 Centi- meter hohe Eisenträger verbogen sind. Auch auf den an­stoßenden Schmiede- und Maschinenramn sprang das Feuer durch das Dach über. Die 50pferdige Dampfmaschine ist sehr stark beschädigt, der Dynamo, der zum Betrieb der elektrischen Beleuchtungsanlage diente, unbrauchbar. Der Landesbrand­kaffe erwächst dadurch bedeutender Schaden. Auch die innere Einrichtung ist gut versichert. Behörden und Staatsanwalt­schaft waren heute schon auf der Brandstelle thätig. Es wird Prandstiftung vermuthet, doch fehlt dafür noch jeder Anhalts­punkt. Es sind ca. 40 Arbeiter in dem Betrieb beschäftigt, welche jetzt teilweise in den Steiubrüchen, teilweise mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt werden. Die Schäden an Moblliar, Maschinen und Immobilien rc. dürfte über 60000 Mark betragen.

Mainz, 28. Juli. Der Direktor Johann Wilhelm Bo em per ist gestern Mittag im Mter von 65 Jahren nach längerem Leiden verstorben. Von 18641899 bekleidete er das Amt eines Direktors der Mainzer Volksbank. Gestern ist die Z.Eskadron des Husaren-Regiments Nr. 13 zum gefechtsmäßigen Scharftchießen nach dem Gar­nisonschießplatz bei Sonnenberg ausgerückt; übermorgen be- giebt sich die 4. Schwadron zum gleichen Zwecke dorthin. Auf der großen Bleiche geriet vorgestern abend ein Rad­fahrer unter ein Fuhrwerk, wobei die Räder über ihn gingen. Die Aufregung war unter den Passanten äußerst groß. Das Fahrrao lag über dem Verunglückten und ging dabei in Trümmer, während der Ueberfahrene bewußtlos da­lag. Der Verunglückte wurde sofort zu einem benachbarten Militärarzt gebracht. Dort erklärte ein Lazarettgehilfe, der dem Bewußtlosen den Puls gefühlt, daß jede Kunst zu Ende sei, der Mann sei tot, man soll ihn ins Rochushospital ver­bringen. Zu diesem Zwecke wurde von der Polizei ein Krankenwagen herbeigeholt, doch ehe dieser angekommen, schlug der angeblich Tote die Augen auf und meinte treu­herzig in seinem österreichischen Dialekt:Ach woas, i bin schoan vier Stoackwerken arunta gefoallen un hoat mir nix geschoad, deß woar nur a kloaner Schreck. I' geh jetzt hoam!" Spruchs und ging seiner Wege. (?) Aus Kastel wird unter dem 28. Juli gemeldet: Heute morgen verun­glückte der an Epilepsie leidende 15jährige Sohn des Leiters unserer Badeanstalt. Er brachte seinem Vater den Morgen­kaffee und machte sich dann an das Reinigen der Schwimmer- abtellung. Dabei bekam er einen Anfall und stürzte ins Waffer. Der Vater konnte seinen Sohn zwar noch lebend herausziehen, mußte ihn aber nach wenigen Augenblicken sterben sehen. Ein sofort gerufener Arzt kam zu spät.

Gernsheim, 28. Juli. Wie schon kurz gemeldet, wurde auf dem diesjährigen 19. hessischen Feuerwehrtag in Bad-Nauheim beschloffen, den 2 0. Feuerwehrtag 1906 in Gernsh eim abzuhalten. Die unerwartete Nachricht hat hier vielfach große Freude heroorgerusen. Treffen günstige Umstände zusammen, so sind an diesem Tage 78000 Feuer­wehrleute unsere Gäste, also gerade doppelt so viel Gäste als Gastgeber vorhanden sind. Die Wahl unserer verhältnis­mäßig kleinen Stadt mit noch nicht ganz 4000 Einwohnern zur Abhaltung eines so großen Festes ist doch sicher unter diesen Umständen für dieselbe eine große Auszeichnung, der man sich wohl bewußt ist und der man sich freuen nmß.

H. Wetzlar, 28. Juli. Am Morgen des zweiten Festtages des ahnthalsängerKundes" sand großes Wecken durchs die Kapelle des Jnf.-Regts. 9dr. 166 statt. Später tagten im Goethschen Garten die Dirigenten des SängerLundes, und hieran schloß sich der Sängertag, der von Schneider-Marburg eröffnet wurde. Der Vor­sitzende des Vorort Wetzlar, Hensenberg, begrüßte die Bundesvereine und es wurde die Anwesenheit sämtlicher Vertreter konstatiert. Als nächster Vorort wurde einstimmig Grünberg gewählt. Der Bundeslassierer, Lehrer Slorchf- Butzbach erstattete Bericht über die Kasscnverhältnisse. Der Bundesvorsitzenbe Schneider-Marburg wurde auch für die folgende Arntsperiodc als solcher bestätigt. Mit einem Hoch aus denSängerbund" wurde der Sängertag geschlossen. Am Nachmittag zogen die Sänger in der gestrigen Ordnung unter klingendem Spiel nach dem Festplatz amTraunr." Hier konzertierte die Regimcntskapelle. Der Radfahrverein veranstaltete ein Kunst- und Reigenfahrcn, die Turner stelUen wiederum Leiterpyramidcn bei bengalischer Be- leuchtung und führten hierauf einen Fackelreigen vor. Die brillante Beleuclstnng der Burgruine Kalsmunt bildete den Schluß des allgemein aufs höchste befriedigenden Festes.

Frankfurt a. M., 28. Juli. Ein öjähriger Sohn des hiesigen städtischen Untcrbeamten Lutz hatte, wie wir mit­teilten, ein Zjähriges Aiädchen mit eigener Lebensgefahr bei Niederbessingen aus den Wellen der Wetter gezogen. Ter Großherzog von Hessen hat dem tapferen Jungen ein Anerkennungsschreiben geschickt und die K önigl. R .

zu Wiesbaden hat ihm nunmehr ein Sparbuch mit 25 Mc.

als Belohnung zugestellt. Der kleine Mann soll das Geld nebst Zinsen am Tage vor seiner Konsirmation erheben.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Am 27. Juli wurde in Pohlgöns das neuerbaute Rat­haus unter Anwesenheit des Kreisrats Fey eingeweiht. Frau Luise Dr. Löwe-Calbe ist in Bad Nauheim nach schwerem Leiden im Mter von 75 Jahren verstorben. Die Verstorbene war die Witwe des bekannten deutschen Politikers, der 1849 als letzter Präsident des deutschen Parlaments infolge seiner politischen Verurteilung nach der Schweiz flüchten muhte und sich später bis zu der im Jahre 1861 erfolgten allgemeinen Amnestie in Amerika aufhielt. Die nunmehr Verstorbene folgte ihrem Manne in die Ver­bannung und stand ihm bis zu seinem Tode im Jahre 1886 zur Seite. Dem Offenbacher Abendblatt wird ge­schrieben: Herr K a rl Sch mid t, der angeblich nach Unter­schlagung von 6000 Mk. flüchtig gegangene Verwalter der Kaiser Friedrich-Quelle hat weder seine Familie im Stich gelassen, noch einen Unterschleif von 6000 Mk. be­gangen. Einen Selbstmordversuch beging in Ludwigshafen am 28. Juli um 2 Uhr die 28 Jahre alte ledige Dienstmagd Margarethe Dressel, indem sie von der Landungsbrücke an der Kaiser Wilhelmstrahe in den Rhein sprang. Es gelang, sie zu retten. Ein Arzt ordnete ihre Ueberführung nach dem städtischen Kranken­hause an. Einen entsetzlichen S e l b st m o r d v e r s u ch beging in Fechenheim am 24. Juli früh die Ehefrau eines dortigen Einwohners Sch, Mutter von fünf Kindern. Während der Mann noch zu Bette lag, begoß sie in der Küche chre Kleider mit Petroleum und steckte s i ch d a n n in Brand, ohne einen Laut von sich zu geben. Der Mann and später die Unglückliche schwer verbrannt am Boden liegen. Es ist wenig Hoffnung vorhanden, sie am Leben zu erhalten. In Mainz verhaftete die Polizei zwei junge Leute, die verdächtig sind, in letzter Zeit be­deutende Silberdiebstähle ausgeführt zu haben. Einem Dritten gelang es, zu entkommen. Lehrer Kurt Nun, in Kesselstadt, als hessischer Dialektiker in weiteren Kreisen bekannt, hat sich wegen eines schmerzhaften, un­heilbaren Leidens erschossen. In Höchst hat ein Dienstmann sich aus Lebensüberdruß erhängt. Gr war infolge eines körperlichen Leidens, das ihm die Ausübung eines Berufes unmöglich machte, trübsinnig geworden. Der zu C a s s e l versammelte Kongreß deutscher Zahnkünstler hat beschlossen, Frauen, die eine ordnungsmäßige Lehrzeit nachweisen, aufzunehmen und ihnen gleiche Rechte wie den Verbandsmitgliedern einzuräunien. Zum nächstjährigen 'Kongreßort wurde Halle gewählt. Aus eigenartige Weise verunglückte in Cassel der dort wohnende Oberstleutnant z. D. Kolbe. Er hatte sich kürzlich eine Wunde zugezogen und trug deshalb einen Watteverband; dieser geriet nun während der Nacht plötzlich in Brand. Kolbe wachte auf und war über seinen Zustand so erschrocken, daß ein Herz- chlag den Tod herbeiführte. Der Vertrag des Emser Kurtheaters mit Direktor Karl wurde, unter wesent- iich besseren Bedingungen für die Direktion, bis zum Jahre 1913 verlängert.

Vermischtes.

' Hamburg, 28. Juli. Die Sammlungen des Ausschusses zur Unterstützung der Hinterbliebenen der bei der Schissskatastrophe am 20. Juli Verunglückten hat jetzt die Höhe von 50 000 Mk. erreicht, jedoch ist die dreifache Summe notwendig, um eine gründliche Hilfe und Unterstützung zu ermöglichen.

Danzig, 28. Juli. Gestern abend kollidierten unmittelbar vor Weichselmünde der starkbesetzte Dampfer Putzig" und der DampferBlitz" infolge Mißverstehens eines demBlitz" geltenden Signals umzukehren. Beide Schiffe mußten am Ufer anlegen, von wo sie heute morgen zur Klawitterschen Werst geschleppt wurden. Verletzt wurde niemand.

München, 28. Juli. Gestern abend richteten schwere Gewitter in Südbayern vielfach Schaden an. Die Kirche Sankt Heinrich bei Ambach am Starnbergersee wurde durch Blitzschlag entzündet. Sämtliche Holzteile wurden ein- geäschert. Das ganze Vilsthal bei Landau an der Isar wurde durch Hagelschläge verwüstet. Die Eisen­bahnzüge erlitten große Verspätungen. Im Marktflecken Langquaid, in Pasina, einem Nachbarorte von München, und in Straußdorf bei Grafing schlug der Blitz in Gebäude, die niederbrannten.

* Donaueschingen, 28. Juli. Der elfjährige Erb- prinz Karl Egon zu Fürstenberg stürzte, als er sich vor dem elterlichen Schloß mit Radfahren unterhielt, so unglücklich, daß er einen Schädelbruch erlitt. Zur Be­handlung des Kranken wurde außer Leibarzt Dr. Gilly noch der Tübinger Professor Dr. Hofmeister zugezogen.

* Schlettstadt, 28. Juli. Ein Jagdunfall mi tötlichem Aus gange hat sich gestern hier ereignet. Zwei Offiziere des 8. Jägerbataillons begaben sich früh morgens auf die Jagd. Auf unaufgeklärte Weise entlud sich ein Ge­wehr und der Schuß traf den Leutnant Erich Stuben­rauch in den Nacken. Derselbe war sofort tot.

London, 28. Juli. Eine Aussehen erregende Mit­teilung über Marconi veröffentlichst dieSaturday Re­view." Die Zeitung sagt, Marconi habe schon seit langer Zeit mit einem System drahtloser Telegraphie gearbeitet, dessen Erfinder der italienische Marine-Offizier Marquis Solari sei. In dem betreffenden Artikel heißt es dann, Marconi habe am 16. Juli an das Patentamt einen Zusatzantrag betr. die Eintragung derdurch ihn mitge­teilten" Erfindung gerichtet. Ms kürzlich ein englischer Elektrizitäts-Sachverständiger eine gleiche Behauptung auf­stellte, bezeichnete Marconi dieselbe als unwahr. Ein Tele­gramm aus Newhork meldet, daß Sachverständige für draht­lose Telegraphie des Marine- und Armee-Departements über die Mitteilung derSaturday Review" nicht überrascht seien. Ihnen sei seit langer Zeit bekannt gewesen, daß Marconi ein von jemand anderem erfundenes System ausnützte. Sie hätten nur den Namen des Erfinders nicht gekannt.

Das verheerende Sturmwetter am Sonntag hat auf dem Seddinsee bei Berlin acht Segelboote und ein Ruderboot umgeworfen. 30 Personen sind ins Wasser gestürzt, ein Mann ist ertrunken, die übrigen Personen sind gerettet. Der Sturm hat ferner auch in Rußland eine entsetzliche Katastrophe herbeigeführt. Wie aus Peters­burg depeschiert wird, zerstörte er im Dorfe Ponyri (Gou­vernement Kursk) 300 Häuser und entwurzelte zahlreiche Bäume. 28 Personen wurden hierbei erschlagen; bis­her ist es nur gelungen, neun Leichen zu bergen. Bei Trier hat das Hagelwetter, verbmrden mit einem Orkan,

im Hochwald schweren Schaden angerichtet. In De klingen, riß der Sturmwind einen Neubau um.

* Abstürze. Der Maler Sittenramer aus Imst ist gestern beim Edelweißsuchen vom Plattjoch abgestürzt und. liegt schwer verwundet auf der Alpe Malton. Von der Zindlerspitze im Wäggithal ist ein junger Mann aus Zürich abgestürzt. Die Leiche ist noch nicht gefunden. Der Schreinermeister Buholtzer aus Malters ist vom Widderfeld im Pilatusgebiet abgestürzt, seine Leiche wurde zu Thal geschafft. no

Cholera. Am 2. Juli wurden .in Karro 38 ^odes- alle an der Cholera und 35 neue Choleraerkrankungen estgestellt, in Mucha 21 Todesfälle und 10 neue Ertran- ungen. Wie aus Ch arbin gemeldet wird, sind dort 106 Russen und 276 Chinesen an der Cholera gestorben. Die Epidemie beginnt bereits nachzulassen.

Kunst und Wissenschaft.

Hamburg, 28. Juli. Zu der hier stattsindenden 6. Versamm­lung der Führer und Aerzle deutscher freiwilliger ©anitätS- folonnen vom Roten Kreuz sind eiroa 1200 Teilnehmer aus allen Gegenden Deutschlands eingetroffen. Gestern früh wurde zwischen Blankenese und Schulau eine große Hebung ausgeführt. Sie gab ein Bild der ersten Hilfeleistung auf dem Schlachtfeld. Unter Führung eines Hauptmanns stellten 9 Unteroffiziere und 120 Soldaten Verwundete dar. Nach dem vom Hauptmann Sauer entworfenen Plan wurden die Verwundeten über sehr steile Höhen zum Ufer und alsdann unter Schwierigkeiten auf die Schiffe ge- iracht und nach Hamburg überführt, wo sie in 13 Eisenbahnwagen, die, wie die Schiffe, als Lazarette eingerichtet waren, untergebracht wurden. Bei der Kritik sprach Oberstabsarzt Herhold die höchste Anerkennung für das Geleistete aus, hob aber hervor, daß die frei- willigen Kolonnen ihr Hauptaugenmerk auf den Transport und die Verhinderung von Verblutung richten sollten. In der ge- chäftlichen Sitzung wurden, nachdem die Tagesordnung erledigt war, an den Kaiser, die Kaiserin, den Hamburger Senat und den Kaiserl. Kommissar Begrüßungstelegramme abgesandt. Als Ort ür die 1904 statlfindende nächste Versammlung wurde Metz gewählt.

Bayreuth, 28. Juli. Mit der Aufführung derGötter­dämmerung^, die namentlich im Schlußakt von ergreifender Wirkung war, endete heute die erste diesjährige Aufführung der Nibelungentetralogie. Im Mittelpunkt standen Ernst Kraus als Siegfried". Ellen Gulbranson alsBrünhilde" nud Frau Schu- mann-Heint, die eineNorne" undWaltraute" sang. Hans Richter dirigierte die Aufführung. Das Publikum spendete am Schluß reichen Beifall.

Iandwirlschast.

Alsfeld, 28. Juli. Ein außerordentlich lebhafter Verkehr be­stimmte, wie dieAlsf. Oberh. Ztg." schreibt, die Signatur des heutigen Prämienmarktes (ersten Alsfelder Fohlen- uud Pferdemarktes). Ausgetrieben waren 320 Pferde und Fohlen, 180 Stück Zuchtvieh (Bullen, Kühe und Rinder), 450 Schweine (Händ- lerwaare), sowie ca. 100 Stück Zuchtschweine und Ziegen. Es herrschte ein flotter Handel, besonders auch mit Pferden und dieser erste Alsfelder Pferdemarkt eröffnet in jeder Beziehung günstige Aussichten für die folgenden. Verschiedene Firmen hatten chre landwirtschaftlichen Maschinen zur Ausstellung gebracht.

Handel und Uerkehr. UMsumlschafl.

Die Tabakfirma Oscar Rohte u. Jiskoot, Amsterdam, ist in eine Aktien-Gesellschaft unter der FirmaOscar Robte u. Jiskoots Tabakhandel" umgewandelt worden. Tas Gesellschafts- kapital beträgt 4 Mill. fl.

Märkte.

Gieße», 29. Juli. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmam kosteten: Butter pr. Pfd. 0,901,00 Mk., Hühnereier pr. St. 67 Pfg, 2 Stck. 0000 Pfg, Gänseeier 1113 Pfg., Enteneier 78Pfg., Käse pr. Stck. 57 Pf., Kasematte 2 Stck. 00 Pfg., Erbsen pr. Liter 19 Pfg, Linsen pr. Ltter 32 Pfg., Taubenpr. Paar 0,701,00All., Hühner pr. St. 1,201,50 Mk., Hahnen pr. Stück 0,551,20 Mk, Enten pr. Stück 2,302,50 Mk, Gänse pr. Pfd. 0000 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 6676 Pfg, Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6064 Pfg, Schweine­fleisch pr. Pfund 7080 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg, Kalbfleisch pr. Pfd. 6670 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5070 Pfg, Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,506,00 Mk, Weißkraut per Stück 0000 Pfg, Zwiebeln pr. Zentner 9,0010,00 Mk, Milch ver Liter 18 Pfg. Aepsel per Pfd. 000 Pfg, in Körben 0000 Pfg. Trauben 0000 Pfg. Kirschen 2030 Pfg.

Dauer der Märktzeit von morgens 7 Uhr bis nachmittags 1 Uhr, während der ersten drei Stunden der Marktzeit darf nur auf den bestimmten Verkaufsplätzen und nicht im Umherziehen fellgeboten werden.

Krirskasteu der Redaktion.

(Anonyme Anfrage» bleiben unberücksichtigt.)

M. R. in ft. Außer dem Kaiser trägt auch noch ein anderer deutscher Monarch das Band eines deutschen Korps und ist somitalter Herr" desselben. Es ist dies der König von Württemberg, Der als damaliger Prinz Wilhelm zu Ende der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts in Göttingen bei dem Korps Bremensia" aktiv wurde, nachdem kurz zuvor sem Letter, der ver­storbene Herzog Eugen von Württemberg, bei der Göttinger Saxonia" aktiv geworden war. Letzterer trat auch zweimal auf Mensur an, und zwar das eine Mal als Linksschläger. In dem einen Fall führte er ab, in dem anderen erlitt er eine Abfuhr. Da die GöttingerSaxonia" nur solchen Aktiven, die eine Charge be­kleidet haben, oder eine gewisse Anzahl von Semestern aktiv waren, das Band beläßt, konnte sie dem Herzog das Band nicht verleihen. Er erhielt aber die sehr seltene Auszeichnung der Korpsschleife und damit das Recht, dieselbe Mütze zu tragen, wie die Aktiven bezw« alten Herren.

B. T. Sie fragen: Wie hoch ist das Gehalt eineö englischen Premierministers? Antwort: Mit dem Ami ist fein Gehalt verbunden. Mr. Balfour ist aber Erster Lord des Schatzes (First Lord of the Treasury) und Geheimsiegelbewahrer (Lord Privy Seal). Mit dem letztgenannten Amte, das nur dem Namen^nach besteht, war früher eine Einnahme von jährlich 4000 Pfund Sterling verbunden. Dieses Gehalt wurde gestrichen, dann aber wieder auf 2500 Pfund Sterling jährlich festgesetzt, als Der Marquis von Salisbury die Sinekure annahm. Wahrscheinlich wirb diese Einnahme jegt wieder verschwinden, Da Mr. Balfour mit seinem Gehalt alsFirst LorD of the Treasury" auszukommeo geDenft Dieses Gehalt beträgt 5000 Pfund Sterling jährlich.

Ueneste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 29. Juli. Die Kaiserin begiebt sich ür Den nächsten Tagen nach Kiel zur Begrüßung des Kaisers. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Kaiser die Kaiserin nach Kadinen zurückbegleitet und kurze Zeit in Kadinen bleibt.

Kiel, 29. Juli. DieHohenzollern" mit dem Kaiser an Bord passierte heute nacht 2 Uhr 10 Min. die Holtenauer Schleuse. DieHohenzollern" setzte dann ihre Fahrt durch den Kaiser-Wilhelms-Kanal fort.

Osnabrück, 29. Juli. Schwere Unwetter haben im Teutoburger Walde und mehreren Teilen Westfalens und Hannover? g^oße Ps-nvÜbungen angerichtet.