Ausgabe 
29.3.1902 Zweites Blatt
 
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in Anbetracht der Ramnverhültnisse nicht unbeschränkt sein. Nur Abordnungen hätten Zutritt.

Neuwied, 27. März. Die Beisetzung der verewigten Fürstin-Mutter zu Wied erfolgte heute nachmittag 4 Uhr auf dem fürstlichen Friedhöfe in Monrepos. Als Vertreter des Kaisers war Prinz Friedrich Karl von Hessen erschienen. Auch Königin Wilhelm in a hatte einen Vertreter entsandt.

Essen a. d. R., 29. März. Geh. Finanzrat Jencke, bis vor kurzem 'ber Vorsteher des Direktoriums der Firma Kruvp, scheidet am 1. April aus Krupps Diensten. Sein Nachfolger ist der Landrat a. D Roetger.

Ausland.

London, 28. März. DieTimes" meldet aus Shanghai: Die chinesische Regierung hat den Vizekönig von C a n t o n angewiesen, alle Verhandlungen mit dem französischen Syndikate wegen Baues der Bahn­linie Canton-Futschau abzubrechen, da man der Mein­ung ist, daß durch dieses Prospekt die Rechte des ameri­kanischen Syndikats, mit dem im Jahre 1898 ein Kon­trakt in Washington abgeschlossen wurde, beeinträch­tigt würden.

Haag, 28. März.Dagblad" will wissen, die Königin Wilhelmina befinde sich in gesegneten Umstän­den. Die Entbindung werde im September erwartet. Eine amtliche Bestätigung liegt bisher nicht vor.

Paris, 28. März. Hier wird die Nachricht dementiert, daß infolge der franko-russiscyen Note Japan die in Frank­reich anwesenden japanischen Marine-Offiziere zurück- berufen werde.

Paris, 28. März. Die Kammer nahm mit 422 gegen 10 Stimmen Auen Antrag aui gesetzliche Festlegung der den Handlungsgehilfen, im Staats- und Kom­munaldienst angestellten Beamten, sowie den in Fabriken, Merkstätten usw. beschäftigten Arbeitern zu gewährenden wöchentlichen Ruhezeit an.

Washington, 27. Mürz. Infolge der Angaben des dänischen Staatsbürgers Malter Christmas, daß die dänische Regierung ihm eine halbe Million Dollars ver­sprochen habe, wenn er durch Bestechungen der Presse und der Kongreßmitglieder die Annahme des Ver­trags über Dänisch-Westindien herbeiführe, setzte das Repräsentantenhaus ein Komitee zur Untersuchung dieser Angelegenheit ein. W. T. B. meldet dazu, das Staats­departement werde den Behauptungen Christmas keine Be­achtung schenken. Dieselben enthielten augenfällige Irr­tümer. Das Staatsdepartement wisse, daß Dänemark in keinem Falle gewillt sei, auch nur einen Centime der von Christmas geforderten Provision zu zahlen.

New York, 27. März. Der Sheriff von Barbaslow (Winseonsin) erklärt, daß ein zur Verbüßung einer Zucht­hausstrafe dort eingelieferter Mann, Namens Stein- m ann , von Newjersey gestanden habe, daß er Czol- gosz beim Attentat auf den Präsidenten Mae Kinley behilflich gewesen sei, und mit zwei geladenen Re- tiöfOern bereit war, selbst zu schießen, falls Jener etwa Mae Kinley verfehlt hätte. Die Thal sei von den Anar­chisten beschlossen gewesen.

Csuraeao, 27. März. Die Engländer haben dem Dampfer Libertador (früherBanrigh") befohlen, sofort Port-of-Spain zu verlassen, ohne Kohlen einzunehmen. Drei venezolanische Kanonenboote erwarten ihn hier außer­halb der britischen Gewässer, um ihn in ein Gefecht zu verwickeln. Die venezolaniscye Regierung teilt mit, daß die Aufständischen unter Riera bei Coro völlig ge- schla gen worden sind.

Aus Stadt und Saud.

Gießen, den 29. März 1902.

Gsr. £ st ein.Christ ist erstanden!" so geht am Oster­fest wieder die Siegesbotschaft durch alle Lande. Nicht immer lind Siege Anlaß zur Freude. In der Welt der Unvoll­kommenheit siegt auch das Unrecht über das Recht, das> Böse über das Gute, die Lüge über die Wahrheit. Und wenn das auch nur kurze Siege sind, denen leine Dauer beschießen ist im Augenblick des Sieges erfüllet Wehmut das Herz der Guten und der Gerechten. Siegt aber Wahrheit und Recht, so geht durch die Gemüter der Rechtschaffnen ein Aufleuchten der Freude, jubelndes Entzücken. Christi Auf­erstehung ist ein Sieg der Wahrheit und Gerechtigkeit. Er das Leben rang mit dem Tode, Er Die leibhaftige Wahrheit rang mit dec Lüge, Er die heilige Liebe rang mit der Selbstsucht und dem Haß in Der Welt. Als sie ihn an das Kreuz gebracht, da schien der Tod, die Lüge, der Haß zu triumphieren. Aber mit ihm sind auch Wahrheit, Liebe und Leben siegreich an das Licht gebracht. Er führt sie auch weiter zum Siege bei denen und durch die, die sich gläubig ihm vertrauen. So lebt Christus in der christlichen Gemeinde. Und so lange er in ihr lebt, werden Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe als Früchte des Lebens Dmi ihr ausgehen. Darum bekennt sich die Christen­gemeinde zum Auserstandenen, weil in diesem Bekenntnis ihre Kraft und ihr endlicher Sieg liegt. Die Osterglocken läuten hinaus ins Land, hinein in die Häuser und Herzen. Darum auf zum fröhlichen, einmütigen Bekenntnis: Jesus lebt. Er ist wahrhaftig auserstanden, Wahrheit und Gerechtig­keit behält leien Sieg!

* * Auszeichnung. Metzgermeister Fritz Schreiner hier erhielt für Cervelatwurst und Frankfurter Würstchen auf der Ausstellung der Hausfrau in Wien, veranstaltet von der Ge­sellschaft vom blauen Kreuz, den ersten Preis, bestehend in einer goldenen Medaille und einem Ehrendiplom. Unsere Hausfrauen tu er Den also in Zukunft nicht mehr nötig haben, ihre Frankfurter Würstchen aus Frankfurt zu beziehen, da sie nun ja die Gewähr dafür haben, daß sie die Würstchen ebenso gut oder noch besser hier bekommen können.

* * Eisenbahndienstnachricht. Der früher in Gießen thätigr Vorstand der Maschineninspektion, Regierungs- und Baurat Richter, z. Z. Vorstand der Werkstätteninspektion in Spel­dorf, ist nach Schneidemühl als Vorstand der dortigen Maschineninspektion versetzt worden.

* * Kaufmännische Fachschule. Nachdem die hiesige, der Oberaufsicht und Leitung der Großherzoglichen Handelskammer und wie seither der Verwaltung des kaufm. Vereins unterstellte kaufm. Fachschule, die für Gewährung von Staats­zuschuß seitens der Großherzoglichen Regierung gestellten Be­dingungen erfüllt hat, wurde sie laut Verfügung des Großh. Ministeriums, Abteilung für Schulangelegenheiten, als staatlich anerkannte Unterrichts-Anstalt erklärt. Da^ nun seitens der Gr. Regierung neben anderen auch die hiesige Fachschule im vergangenen Wintersemester mit einem namhaften Betrag unterstützt worden ist, so verlangt die Regierung nunmehr, daß der Unterricht das ganze Jahr

in der Regel 40 Schulwochen in drei Klaffen und zwar bei Tage unter entsprechender Verteilung des Lehrstoffs auf die 3 Schuljahre erfolgen muß; im obligatorischen Unter­richte sind in jeder Klasse 6 Stunden pro Woche zu erteilen; doch können Schüler durch Vorlage genügender Zeugniffe oder Ablegung einer Prüfung von einzelnen Fächern bezw. Stunden dispensiert werden. Das Schulgeld, welches seither im Wintersemester 15 Mk., im Sommersemester 5 Mk. und für doppelte Buchführung 5 Mk. betrug, ist, wie aus dem Inse­rat in der heutigen Nummer ersichtlich ist, nicht erhöht worden. Der Eintritt kann nach dem 10. April also etwa im Ok­tober nicht mehr erfolgen. Weil nunmehr der Staat die ganze Einrichtung und Leitung der kaufm. Unterrichtsanstalten Hessens in die Hand genommen und zur Unterstützung dieser Anstalten 12 000 Mk. in seinen Voranschlag eingestellt hat, hofft man bestimmt, daß alle Prinzipale, unter richtiger Würdigung der Vorteile, welche die Schule den Handlungs­gehilfen und durch diese ihnen selbst bietet, ihre Lehrlinge regelmäßig und pünktlich zu den Unterrichtsstunden schicken werden, damit die Anwendung des § 120 u. 154 D. G.--O. und § 76 des H.-G.-B. vermieden wird.

** Pferdemarkt. Pferdebesitzer, welche bei der Prämiirung mitkonkurrieren wollen, seien nochmals darauf aufmerksam ge­macht, daß mit der Prämiirung präcis 8% Uhr begonnen wird, die Pferde also rechtzeitig zur Stelle sein müssen. Die Preisoerteilung findet sofort nach Schluß der Prämiirung statt. Pferdebesitzer, welche nicht um Geldpreise konkurrieren, brauchen erst um 11 Uhr zur Stelle zu sein und können durch den Eingang zwischen dem Schlachthaus und der Krück'schen Besitzung (nach Heuchelheim zu) aufgetticben werdest.

Lönberg, 30. März. Die GesellschaftSelterssprudel Auguste Viktoria" in Selters a. d. Lahn hat vorgestern ihren zweiten Sprudel erbohrt, und ist also jetzt in der Lage, für den Tag 400 Flaschen Kohlensäure ä 10 Kilogramm zu liefern.

k. W lecker sh eim, 26. März. Auf dem Butzbacher Faselmarkte wurde der hiesige Bürgermeister von -einem Faselochsen dermaßen gedrückt, daß er schwere innere Ver­letzungen erlitt, denen er erlag. Heute ist er unter großer Beteiligung von hier und auswärts zu Grabe getragen worden.

S. Darmstadt, 27. März. Prinz Heinrich von Preußen sieht außerordentlich frisch und gesund aus, Die Haut ist gebräunt und man merkt keine Spur von den über­standenen Strapazen der Amerikareise. Er trug bei der Ankunft Seemannsuniform. Nachmittags 3 Uhr wohnten die Herrschaften der Predigt Des HofpreDigers Ehr Hard in der Schloßkirche bei und nahmen nach Beendigung Der­selben .das Abendmahl. Abends erfolgte Besuch Des vom Musikoerein in der Stadtkirche veranstalteten Kon­zertes. Tie Abreise der landgräfl. Herrschaften erfolgte abends. Nach hierher gelangten Nachrichten ist heute Nacht dm Laudenbach bei Heppenheim a. d. Bergstr. auf -den Stationsassistenten M e r f e n e r ein frecher lieber-« fall erfolgt, indem eine mit einem Taschentuch vermummte Persönlichkeit drei P i st o l e n s ch ü s s e auf ihn abgab, dann aber flüchtig ging; M. soll ziemlich schwer am Hals, der Hand und dem Arm verletzt sein. In Derselben Nacht hat ein Meinheimer Gendarm einen Burschen verhaftet, dessen Personalien aluf Äie Beschreibung, die Der Ueberfallene von Dem Thäter gab, passen. Man fand bei ihm eine Pistole und noch nahezu 100 scharfe Patronen. Wie jetzt bekannt wird, ist bezüglich des Umbaues des Großh. Hoftheaters von Seiten der Regierung eine neue Vorlage an Die Kammer erfolgt, nach' welcher Der Um­bau allerdings für ca. 600 000 Mark projektiert ist, aber beabsichtigt wird, das sog. alte Theater im Herrngarten für ca. 300 000 Mark an Die Stadt abzutreten, sodaß Die Ausgaben für den Staat nicht mehr so groß würden; an das jetzige Theater soll ein großer Anbau nach der nörd­lichen (Bühnen-) Seite in dem Herrngarten vorgesehen fein, sodaß dieser wieder um ein Stück gekürzt würoe.

Mainz, 27. März. Gestern Abend beschloß der hiesige Verein für Feuer-Bestattung Die Errichtung eines Krema­toriums. Hierzu stehen bereits 70 000Mk. zur Verfügung. Die Arbeiten sollen sofort in Angriff genommen werden, so­daß das Krematorium schon im November d. I. in Betrieb gesetzt werden kann.

w. Bingen, 28. VUirz. Durch Ablösung beträchtlicher Steinmassen auf der Baynstrecke Bacharach Ober- wesel wurde in der Nacht zum Donnerstag ein Bahn­geleise gesperrt. Durch einen weiteren heute früh er­folgten Erdrutsch wurde auch das zweite Geleise un­passierbar. Der Verkehr wird durch Umsteigen an der Unfallstelle bewerkstelligt. Es ist unbestimmt, wann die Verkehrsstörung behoben sein wird.

* * Kleine Mitteilungen aus Hoffen und den Nachbarstaaten. Ter Gastwirt Friedrich Kellmann in F r a n kfurt a. M. wurde in seinem Keller erhängt aufgefunden. Tie Haus­bewohner schnitten ihn ab, und stellten Wiederbelebungs­versuche an, Die auch Don Erfolg waren. Der Lebensmüde wurde in eine Irrenanstalt befördert. Der verheiratete Müller Heinrich Roßmann aus Pfeddersheim fiel in 'die Portland-Zementmühle in Weisenau und wurde voll­ständig zermalmt. Der erst vor vierzehn Tagen in das chemische Farbwerk vorm. A. Leonhardt u. Co. in Mühlheim am Main eingetretene Arbeiter Jbseph Klausner wurde im Baderaum in bewußtlosem Zustande aufgefunden. Er ist vermutlich an Ver­giftung durch Einatmen gefährlicher Gase gestorben.

Vermischtes.

Berlin, 29. März. Gegen Den Grafen Pückler- Ktein-Tschirne, der bekannllich am 20. ds. zu einer Ver­handlung vor die Strafkammer zu Glogau vorgeführt werden sollte, um sich wegen Zerstörung einer Feldbahn zu verant­worten, hat nunmehr der Erste Staatsanwalt in Glogau einen Steckbrief erlassen.

* Wreschen, 29. März. Bei der Versetzung und Ent­lassung in der hiesigen katholischen Schule wurden 40 Kinder wegen ihrer hartnäckigen Weigerung bis zur letzten Stunde, im Religionsunterricht deutsch zu antworten, nicht entlassen.

* H a g e n i. W., 28. März. Heute früh ist das Maschinen­haus der elektrischen Zentrale von Hugo Lanz, einzige elektrische Licht- und Kraftstation für viele hiesige Geschäfts- und Privathäuser, sowie für einen großen Teil der industriellen Betriebe, gänzlich 'n i e D e r g e b r a n n t. Der materielle Schaden dürfte mehrere 100 000 Mark be­tragen, da sämtliche Maschinen zerstört sind. Ueber die Entstehung des Feuers ist nichts bekannt.

Frankenberg, 28. Marz. Einen raffinierten Schwindel hat ein gewißer Büchsenschütz aus Duisburg betrieben. Er spielte sich als der Buchhalter einer dortigen Aktiengesellschaft auf und kaufte namens dieser fingierten Ge­sellschaft die Papierfabrik in Thalitter zum Preise von 50 000 Mk. Schon wurden an diesen Verkauf und den Neu­betrieb die größten Hoffnungen geknüpft, da stellte es sich heraus, daß die Aktiengesellschaft gar nicht existiert. Büchsen­schütz hat dieselbe erfunden, um sich als Buchhalter derselben Darlehen zu erschwindeln und dann zu verduften.

* Leipzig, 27. März. DasLetpz. Tagebl." meldet aus Colditz, daß die im Colditzer Staatsforstreoier gefundene Leiche als die des Justizrats Dr. Barth festgestellt worden ist.

* Würzb urg, 28. März. Der von hier nach Nürn­berg abgegangene Güterzug 1982 überfuhr heute früh nach 1 Uhr im Bahnhof Kitz in gen das Einfahrtssignal und kam dem ausfahrenden Güterzug 1967 in Die Flanke. Ein Spritfaß explodierte, wöbe: ein Bremser schwer und ein Wagenwärtergehilfe leicht verletzt wurde. Zehn Wagen wurden zertrümmert und weitere fünf mehr ober minder beschädigt. Der Verkehr war längere Zeit gestört.

* Paris, 28. März. In Angers fand ein schweres Unglück statt. In der dortigen Schiefergrube loste sich plötzlich ein großer Schieferblock von 3000 Ko. Schwere und begrub unter sich sechs Arbeiter. Drei waren sofort tot, die drei anderen erlitten schwere Verletzungen.

* Paris, 28. März. In Rathel raurben mehrere Ar­beiter, welche an dem Bau eines Gewölbes beschäftigt waren, durch dessen Einsturz verschüttet. Zwei derselben wurden als Leiche hervorgezogen, drei andere erlitten schwere Ber- letzungen.

Kunst und Wissenschaft.

Breslau, 28. März. Wie derBresl.Ztg." aus Berlin mit- geteilt wird, steht nunmehr fest, daß der General-Intendant der Könrgl. Schauspiele, Graf H o ch b e r g, in seiner Stellung ver­bleibt. Von einer Neubesetzung des vom verstorbenen Geh.- Rat Pierson iimegehabten Postens ist endgiltig abgesehen worden.

Verloren geglaubter Schatz Mozarts. Für musikalische Kreise dürste es von hohem Interesse sein, zu erfahren, daß der Weingittsbesitzer Jakob Diefenthäler zu Eltville a. Rh. einen seltenen, bisher verloren geglaubten Schatz Mozarts in Händen hat. Es ist dies ddr S ch l u ß f a tz zu O p u s 4 4,Krönungs-Konzert zu Ehren Kaiser Leopolds zu Frankfurt a. M." Der verloren ge­glaubte Schlußsatz ist als Nachscbift von Mozarts eigener Hand geschrieben. Diese Mitteilung dürfte gewiß viele Verehrer des genialen Komponisten und Sammler wertvoller seltener Manu­skripte interessieren.

München, 28. März. Der Prinz-Regent hat den Direktor der Akademie der Künste Ferdinand v. Miller, Bildhauer und Erzgießer, zum lebenslänglichen ReichSrat der Krone Bayern ernannt.

Gerichlssaal.

Frankfurt a. M., 26. März. Der Konditor Heinrich Meyer annonzierte, daß erStadtreifenden hohen Lohn" verschaffen wolle, hat indeß die Stellesuckenden nach bekanntem Muster des Kautions­schwindels um ihr Geld gebracht. Im ganzen hat er 1500 Mk. er­beutet. Er wird zu 1V2 Jahren Gefängnis verurteilt. Baron von Brakel unO der Ingenieur, Kühn, Die sich im hiesigen Untersuchungsgefängnis befinden, wurden von der Zivilkammer I verurteilt, einen Wechsel über 11500 Mk., den sie unter­schlagen haben sollen, an Herrn St. Goar herauszugeben. Seit Jahresfrist fchwebt bei den hiesigen Gerichten ein Struwel­peter-Prozeß. Das bekannte Hoffmann'fche Bilderbuch er­scheint im Verlag von R ü t t e n u. Löning hier. Die Neu­ruppiner Firma Kühn stellt^ nun gleichfalls ein Bllderbuch unter dem TitelDer Struwelpeter" her; sie überließ es der hiesigen Firma S ch m o l l e r u. Eie. in Der Weihnachtszeit 1900 zum Weiterverkauf. Die Firma R. u. L., der 1843 von Dr. Hoffmann das alleinige Verlagsrecht übertragen wurde, klagte gegen Schm, u. Eie. auf Verbot oes Weiterverkaufs des Kühn'schen Buches. Das Landgericht erkannte nach dem Antrag, da das Neuruppiner Bllderbuch nut dem Hoffmann'schen durch ähnlichen Text und durch seine Illustrationen leicht vom Publikum verwechselt werden könne. Die gegen dieses Urteil eingelegte Berufung, die hauptsächlich damit gerechtfertigt ward, daß das Hoffmann'fche Buch überhaupt kein Original, und daß von der Firma Kühn schon im Anfang der 1840er Jahre ein ähnliches Bilderbuch hergestellt worden sei, wurde vom Oberlandesgericht kostenfällig zurückgewiesen.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

4proz. Russische Staatsanleihe. Der Prospekt über die Emission von 300 Mill. Mark russische Staatsanleihe von 1902 ist nunmehr veröffentlicht worden. Die Subskription findet am Donnerstag den 3. April statt. Der Emissionskurs in Deutschland ist 97 Va pEt., muß also als außergewöhnlich billig bezeichnet werden. Eine Konvertierung ist bis zum Jahre 1915 ausgeschlossen. Das Bankhaus Josef Herz hier nimmt Zeichnungen auf die Anleihe entgegen.

Bank für Süddeutschland in Darmstadt. Aus Aktionär- kreisen ist die Anregung gekommen, der am 21. April stattfindenden-. Generalversammlung vorzuschlagen, den Umtauschmodus in Aktien, der Darmstädter Bank dahin abzuändern, daß nicht, wie vor­geschlagen, auf 7500 Mk. Zettelbankaktien 6000 Mk. Darmstädter,, sondern vielmehr auf 1200 Mk. Zettelbankaktien 100 Mk. Darm­städter entfallen.

Frankfurt a. M., 27. März. Die Frankfurter Lebens" Versicherungsgesellschaft beantragt 14 Prozent Dividende,, ivie im Vorjahr. Die Generalversammlung der Deutschen Effekten- und Wechselbank genehmigte die Anträge der Ver­waltung und setzte die Dividende aus 4 Mark pro Aktie fest. Die ausgeschiedenen Auffichtsratsmitglieder wurden wieder, Justizrat de Bary-Franksurt neu in den Aufsichtsrat gewählt.

Getreide. Während der ganzen Woche herrschte im Getreidegeschäft ruhige Stimmung. Es fanden nur beschränkte Umsätze statt, weil die matte Haltnng der amerikanischen Märkte, die günstige Witterung und die Feiertage die Kauflust hemmen. Seit dem letzten Berichte haben sowohl Amerika als auch Rußland und Argentinien chre Forderungen um Mk. 12 per Tonne ermäßigt. Roggen ist unverändert. Gerste ruhig. Hafer ruhig. Mais etwas billiger erhälllich. Die heutigen Notirungen sind: Redwinter 2 138 Mk. Kansas 2 134.50135 Ntt. Südruff. Weisen 129 bis 140 Mk. Laplata Weizen feinere Qualitäten 135138 Mk. Ruff. Roggen 109110 Mk. Russische Futtergerste 101 Mk. Russischer Hafer 129140 Mk. Mixed Mais. Donau Mais 97 Mk Russischer Mais 97 Mk. .

Tabak. Im Laufe der Berichtswoche ist über eine Besserung im Pfälzer Tabakgeschäft nicht zu berichten, im Gegenteil ist es gegen den vergangenen 2 Wochen bedeutend ruhiger gewordeir. Daß die bevorstehenden Feiertage hierbei von Einfluß sein sollten, bezweifeln wir, es scheint vielmehr, daß sich der bisher herrschende schlechte Geschäftsgang noch nicht bessern follte. Verkauft wurden verschiedene kleine Posten gerippter Einlage von 7o80 Mark, ca. 300 Zentner 1899er Neckarthäler Tabak, Umblatt und Einlage und Umblatt zu 4045 Mark. In 1901er Tabak eine Partbie Neckar­thäler zu Mitte 30 Mack per sofort empfangen. In losen Pfälzer Rippen geschäftslos, lose seine 99.50 Mack, gebündelte 1111.50

ÄrastfnLtermittel. Tas Geschäft steht bereits im Zeichen der Feiertage, b. h. es ruht fast vollständig. Die Preise können sich