Gchu stratze 1*
Adresse irr Depeschen: Anzetzer Gießen, ^ernsprchanschluß Nr. 51.
Nr. 71
GrschetuitLgttch außer Sontags.
Dem Gießenc Anzeiger werden im wechsel mit dem kefstschi Landwirt oie Sretzene ZamUien blätter oiertol in der
Woche ligelegL Rotationsduck u. Verlag ber Nühl'schen Univers.-Bch- xuStein- druckerei (Ketsch Erben) Redaktion Expedition
Viertes Blatt. 15Ä. Jahrgang Samstag 2«. März IDOS
Bezugspreis: ä MH monatlich 75Pf., viertele
jßÄS® V Pv M V A jährlich ML 2.20; durchs
GletzenerAnzeiger-«
W General-Anzeiger w
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Heer «nd Flotte.
3er Leutnannt zur See Prinz Heinrich XXXII Reuß und B6 Fähnriche zur See bestanden in diesen Tagen die Haupprüfung für Seeoffiziere. Die Zahl der Fürstlichkeiten in der Marine mehrt sich auffallend. Vom L Arril an gehören außer dem Chef der Marine fünf deu.sche Prinzen der Marine an: Prinz Heinrich, Prirz Adalbert und Prinz Waldemar von Preußen, Prinz Reuz und Herzog Paul Friedrich von Mecklenburg.
Aus Stadt und Kund.
Gießen, 29. März 1902
** Das Reichsversicherunasamt Hut in Ausführung der in den §§ 123, 128, 173 des Jnvaliden-Ver- sicherungsgesetzes vom 13. Juli 1899 enthaltenen Vorschriften über die Auszahlung von Jnvaliden- und Altersrenten am 9. November 1901 eine neue Geschäftsanweisung für die auf Grund des Jnvaliden- Veisticherungs - Gesetzes bestehenden Versicherungs-Anstalten betr. die Auszahlungen durch die Post erlassen. In dieser Geschästsanweisung ist nun u. a. bestimmt, daß die bisher im Gebrauch befindlichen Renten- Quittungsformulare nur noch bis zum 1. Juli 1902 verwendet werden dürfen, und daß von diesem Zeitpunkte 16 die neu ein geführten Formulare benutzt werden müssen. Tu über die meisten Empfänger von Invaliden- und 'Altersrenten noch im Besitz von alten Formularen fein werden, so werden sie in ihrem eigenen Interesse gut daran thun, wenn sie schon setzt die zuständige Versicherungsanstalt um Zusendung neuer Quittungs-Formulare ersuchen. Thun dies die Rentenempfänger nicht oder nicht rechtzeitig, so laufen sie Gefahr, am 1. Juli von den mit der Auszahlung der Renten befaßten Post- anstalten zurückgewiesen zu werden; bestellen sre aber die neuen Formulare schon von jetzt ab und legen sie am 1. Juli eine auf neuem Formular vollzogene Quittung vor, so hat die Auszahlung ihrer Rente keinen Anstand. Tabei wird darauf aufmerksam gemacht, daß für die Invalidenrenten grünes, für die Altersrenten braunes und für die auf Grund des § 16 des Invaliden-Versicherungs- Gesetzes bewilligten Renten, sog. Krankenrenten, gelbes Papier eingeführt ist.
Bad-Nauheim, 26. März. Dieser Tage wurde bei einer in einem benachbarten Orte wohnenden Frau, die hier in einige Famllien zum Waschen und Putzen ging, durch die hiesige Polizei eine Haussuchung vorgenommen. Eine ganze Menge gestohlener Wäschestücke, Wein iffto. wurde ans Tageslicht gefördert. Der Polizei war es um so leichter, die Frau des Diebstahls zu überführen, als fast alle Wäschestücke gezeichnet waren. So hatte die Diebin zwei feine Tafeltücher (mit Krone gezeichnet), als Betttücher verwendet. Sie hat in den meisten Fällen gestanden, nur die nicht gezeichneten Sachen, die aber offenbar aus Diebstählen herrühren, will sie geschenkt bekommen oder gekauft haben.
ö. Grebenhain, 26. März. Bei der gestrigen Holzversteigerung der hiesigen Oberförsterei wurden wieder höhere Preise erzielt, als bei der letzten Versteigerung. Der Raummeter Buchenscheitholz L Kl. kostete durchschnittlich 5—6 ML, 2. Kl. 3—4 Mk. Buchen-Knüppel 1. Kl. 4—5 Mk., 2. Kl. 3—4 Mk., Buchenreisig 1—1,50 ML, Buchen- Stöcke 4—4,50 ML, Fichten- und Buchen-Stämme waren
verhältnismäßig nicht teuer, ebenso auch Fichtenholz in Schichthaufen. In der hiesigen Oberförsterei werden noch mehrere Versteigerungen stattfinden.
Darmstadt, 26. März. Aus dem Entwurf des Voranschlags der Stadt Darmstadt pro 1902/03 ergiebt sich, daß eine beträchtliche Steigerung der Ausgaben bei verschiedenen Rubriken eingetreten ist. Eine Steuererhöhung ist also unvermeidlich und zwar wird eine Erhöhung des diesjährigen Zuschlagprozentsatzes von 80,97 Pfennig auf 89 Pfennig nötig fein.
Darmstadt, 25. Rtärz. Wie dem „M. I." mitgeteilt wird, kam dieser Tage zu einem hiesigen Bankier ein Herr und präsentierte einen von einer hiesigen Firma ausgestellten Wechsel auf '17 000 M a r k. Der Bankier bestellte den Herrn auf eine halbe Stunde später und fragte telephonisch bei der betr. Firma an, ob es mit dem Wechsel richtig sei; die Antwort gab die Frau: „Ihr Mann sei nicht zu Haus, und sie wisse nichts von einem WechseL" Als der Herr wiederkam, gab ihm der Bankier den Bescheid, daß er den Wechsel nicht ausbezahlen könne. Daraus ging Ersterer in ein Wirtshaus und telephonierte an ein anderes Bankhaus unter dem Namen der Firma, auf die der Wechsel ausgestellt war, daß er an einen Viehhändler einen Wechsel ausgestellt hätte, derselbe sei auf dem Wege zu dem Bankhauie und der Bankier möge doch den Wechsel für ihn einlösen. „Gewiß, mit dem größten Vergnügen!" lautere die Antwort des betr. Bankiers. Ter Gauner ging darauf in das Bankhaus, erhob austands- los die 17 000 Mark und verschwand.
Sport.
— Hundesporü Der älteste hundesportliche Spezial-Klub Deutschlands, der Deutsche Doggen-Klub 1888.96 (Sitz Berlin) schreib! einen „Großen Preis" aus, um den deutsche Doggen jeden Alters, jeder Farbe und beiderlei Geschlechts konkurrieren können, im Gesamtwerte von über 2000 Mk., und zwar wird der erste Sieger dieses Großen Preises einen Geldgewinn von 500 Mk. einheimsen, der zweite Sieger 300 ML, der dritte 200 All., der vierte 100 ML, der fünfte 75 ML, der sechste 50 Mk., sodaß also die letzten Gewinns immer noch höher sind, als sonst die 1. Preise auf unseren Hundeausstellungen. Die Züchter der siegenden Hunde erhalten goldene, silberne und broncene Plaketten im Werte von je etwa 200 ML Der Große Preis des Deutschen Doggen-Klubs wird auf einer noch zu bestimmenden diesjährigen allgemeinen Hundeausstellung zum Austrag kommen. Heber die näheren Bedingungen geben P. Fueß, Steglitz-Berlin, und E. Brödler, Mahlow (Bezirk Potsdam), Auskun L
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
Gründonnerstag den 2 7. Marz.
G o t t e s o i e n sL
1. O st e r f e i e r t a g den 3 0. M ä r z.
In der Stadtkirche.
Vormittags 9»/2 Hhr: Oberkonsistorialrat a. D. Waas.
Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäus- und die Markusgemernde. Pfarrer Dr. Grein.
Abends 6 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Im Anschluß daran: Beichte und Vorbereitung zum heil. Abendmahl.
Ju der Johauuesttrche.
Vormittags 91/. Uhr: Pfarrer Euler.
Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Lukasgemeinde.
Pfarrer Güler.
Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Nachmtttags 5 Uhr: Beichte.
Pfarrer Dr. Naumann.
2. Osterseiertag den 31. März. Ju der Stadtttrche.
Vormittags 9*/2 Uhr: Konfirmation der Kinder aus der Matthäusgeme'mde.
Feier des heil. Abendmahls für die Matthausgemeinde.
Pfarrer Schlosser.
Nachmittags 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung der Kinder aus der Markus- und Militärgemeinde.
Pfarrer Dr. Grein.
Abends 6 Uhr: Professor 0. Drews.
Im Anschluß daran: Entlassung der konfirmierten Chor- schüler. Psarrer Schlosse r.
Am nächsten Sonntag den 6. April findet die Konfirmation der Kinder aus der Markus- und Militärgemeinde statt. Tie Beichte zu der mit der Konfirmation verbundenen Abendmahlsfeier findet Samstag den 5. April, nachmittags 2 Uhr, statt.
In der Johanneskirche.
Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer Dr. 91 a u m a n n.
Konfirmation der Kinder aus derJohannesgemeinde; im Anschluß daran Feier des heil. Abendmahls.
Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Euler.
Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden aus derLukas- gemeinde.
Abends 6 Uhr: Psarrassistent VogL
An diesem Tage nach allen Gottesdiensten besondere Sammlung für die Armen.
Am Sonntag den 6. April, Konfirmation der Kinder aus der K u k a s g e m e i n d e; im Altschluß daran Feier des heil. Abendmahls. Die Beichte findet am Samstag zuvor, nachmittags 2 Uhr, statt.
Katholische Gemeinde.
Sonntag den 30. März.
Ostersonntag.
Vormittags von 6 Uhr an: Gelegenhett zur heiL BeichL
„ um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion.
u „ 8 Uhr: Die zweite HeiL Messe. Militärgottesdienst mit Predigt.
„ „ 9‘/Ä Uhr: Hochamt mit Predigt.
Nachntittags um 2*/9 Uhr: Fest-Andacht mit Segen.
Nachmittags „ 4 Hhr und Abends um 8 Hhr: Gelegenheit zur heiL Beicht.
Montag den 31. März.
Ostermontag.
Vormittags von 6 Hhr an: Gelegenheit zur heiL Beicht.
„ , 7 Hhr: Die erste heil. Messe,
vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion.
, , 8 Hhr: Die zweite hell. Messe.
„ „ 9*/, Hhr: Hochamt.
Nachmittags um 27, Hhr: Fest-Andacht.
Passendes Geschenk für Schüler!
Karte m Hessen und den angrenzenden Gebietsteilen zum Preise von
1.00 dC
für unsere Abonnenten.
~~ Preis für Nichtabonnenten Mk. 5.00. . -------
Der Merhase.
Novellette von I. Jo b st.
Und wenn Ihr ganz brav seid und jetzt fein entschlaft, so wmmt heute nacht der Osterhase und legt Eier in den Garten, rote und gelbe, blaue und violette. Die sucht Ihr dann morgen", schloß die weiche Stimme des Kinderfräuleins, indessen die Augen der Zwillingsknaben voller Spannung auf ihr ruhten.
,Heute nacht?" fragte zweifelnd Hans, „aber dann kann er doch nicht sehen."
„Nein, er kann doch nicht sehen", wiederholte Bruder Fritz als treues Echo.
„Der Osterhase kann schon sehen, und der liebe Gott steckt dazu alle Himmelslichter an, den Mond und die goldenen Sterne."
„Ach ja", sagte Hans ganz aufgeregt, und die Augen, die vorhin schon fast vor Müdigkeit zugefallen waren, blick- tan jetzt merkwürdig wach aus den schneeweißen Kissen des Bettchens und verfolgten alle Bewegungen des geliebten Fräuleins, welches die Lampe löschte und ans Fenster trat, um sehnsüchtig in die Frühlingsnacht hinauszuschauen. Liebkosend strich die weiche Frauenhand über die lichtgrünen Zweige, die in großen Vasen das Fensterbrett zierten. Fräulein Rosa hatte sie vor Wochen mit den Kindern aus dem Walde geholt, sie hatte ihnen frisches Wasser, Wärme und Licht gegeben, damit sie zum Leben erwachten. Fromme Wünsche stiegen dabei im Herzen auf, frohe Hoffnung, denn wenn sie grünten, würde Er im Pfarrhause weilen, er, dem ihre Liebe gehörte in Zeit und Ewigkeit.
Lauschend neigte sie das blonde Köpfchen und ihre Hände falteten sich andächtig im Gebet, der Osterglocken helles Getön schwebte vom hohen Turm der Dorfkirche auf den Schwingen des Wendwindes über Schloß und Pfarre, über Dorf und Park. Drang er auch mit himmlischer Botschaft zu dem Liebsten hin? Weilte er schon da drüben in der trauten Heimstätte, wo der greise Vater, das liebevollste Mutterherz seiner harrten?
Sie wußte es nicht, ihre Pflicht hatte sie tagsüber serngehalten von dem Ziel ihrer Sehnsucht, doch jetzt.
Schluß folgt.
eilten Die
wenn die Knaben schliefen, war sie frei, sie mußte hinunter in den Park, hinunter zu dem Pförtchen, welches gerade gegenüber dem Pfarrhause lag, vielleicht war der Zufall ihr hold, und sie konnte ihn sehen — ihn Herzen--Wie
das süße Gesichtchen erglühte! Einen scheuen Blick warf sie auf die Änderbetten. Schliefen die Knaben? Bchut- jam schlich sie näher und stand jetzt zwischen den lleinen Schläfern, deren Augen fest geschlossen waren, so viel konnte sie sehen bei dem gedämpften Schein des Nachtlichts. Noch ein Zaudern, ein tiefes Aufatmen der erregten Brust und fort huschte sie auf leichten Sohlen dem heimlichen Glück, dem Liebsten entgegen.
Eine Weile noch blieb es still in dem Kinderzimmer, dann rief ein Helles Kinderstimmchen: „Fritz! Wach' doch auf, Fritz!"
Aber Fritz schlief süß und fest, daß ihn erst ein derbes Schütteln des Bruders weckte, der aus seinem Bettchen ge- llettert war und neben ihm stand. „Kommst Du mit, Fritz; ich gebe zum Osterhasen."
„Zum Osterhasen?" fragte noch halb im Traum der kleine Mann, indessen Hans am Fenster stand und heraus- spähte, um voller Beftiedigung zu sagen: „Die Himmels- Uchter hat der liebe Gott schon alle angesteckt."
Nun begriff auch der Bruder endlich, was Hans wollte, und sprang aus den Kissen. Ohne weiter ein Wort zu verlieren, halfen sie sich gegenseitig beim Anziehen und verließen dann auf Strümpfen das Zimmer. — Die Pantoffel trugen sie in der Hand.
Lichter Mondschein verklärte die Frühlingsnacht, silberne Schleier legten sich über die knospende Welt, ihr geheimnisvolles Werden verhüllend. Wie ein schwellender Atemzug seliger Lebensfreude zog der weiche Westwind über Garten und Park und spielte, in den blonden Locken der Zwillinge, die Hand in Hand mit brennender Neugierde einherkamen, den Osterhasen zu belauschen. Immer weiter schlichon sie durch den Garten dem Park zu, bis sie zu der Bank kanten an dem dichten Tannengebüsch — taghell lag sie vor ihren Kinderaugen — und auf der Bank stand ein Körbchen mit den schönsten Ostereiern. Die Zwillinge hielten den Atem an, als sie sich über dasselbe beugten,
viel zu lange."
Noch ein heißer Kuß, ein inniger Blick und fort sie, der eine zur Rechten, der andere zur Linken. Zwillinge rieben sich die Augen, als sei es ein Traum gewesen, dann ►: ber schossen sie, von demselben Gedanken gestrieben, dem Schlosse zu, wie nur sechsjährige, kräftige Kinderbeinchen zu lausen verstehen. Und als Fräulein Rosa das Kinderzimmer wieder betrat, lagen zu ihrer Beruhigung ein Paar rotglühender Gesichtchen mit fest geschlossenen Augen in den weißen Botten — [o war sie
ein leichter Schauer > iefelte ihnen den Rücken herunter. Der Osterhase war da, Fräulein Rosa hatte recht, und wenn sie sicy hier im dichten Gebüsch bergen, würde er auch diese Eier noch holen, um sie zu verstecken.
Kaum hockten sie enganeinandergeschmiegt im tiefsten Dunkel der Tannenzweige, da schlug ein süßes Mädchen- lachen an ihre gespitzten Ohren.
„Das ist ja Fräulein Rosa", flüsterte Fritz.
„Daß Du Dich nicht rührst, befahl Hans energisch und blickte voller Spannung dem Kommenden entgegen, welches sich dort auf dem kleinen Rund bei der Bank vor den erstaunten Augen der Zwillinge abspielte. Sie sahen, wie ein hochgewachsener Mann, den sie gut kannten, ihr Fräulein im Arm hielt, sie hörten, wie er sagte: „Vergiß die Eier nicht, Rosa, ich habe sie heimlich der Mutter stibitzL Ach, Kind, wann wirst Du mir als meine liebe, Heine Frau auch Ostereier färben?"
„Die Zeit kommt auch, Rudolph, wenn Du erst sine Pfarre hast."
„Da tonnen wir lange warten. Dazu muß man Glück haben, sonst kann es vielleicyt Jahre dauern."
„Und wenn Dein lieber Vater sich zur Ruhe setzte?"
„Aber Kind, Pfarrer von Brettenhagen würde ich bei meiner Jugend doch nie, es ist ja die beste Pfarre im ganzen Kreis."
„So müssen wir uns gedulden", seufzte Rosa, ,,doch nun muß ich nach Haus zu den Andern, ich blieb schon


