Nr. 74 Drittes Blatt. 158. Jahrgang
Samstag 39. März LAOS
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Zn den Getreidezöllen.
Die Handelskammer in der Großb. Residenzstadt Oldenburg hat im Anschluß an die Annahme des Schwerin-Heroldschen Kompromißantrages soeben eine umfangreiche Eingabe an den Reichstag gerichtet, die uns druck- schriftlich von der Verlagsbuchhandlung Gerhard Stalling in Oldenburg zugestellt worden ist.
Ter Kompromißantrag fixiert bekanntlich den Mintz e st z o l l für G e r st e aus 5,50 Mark, während der bisherige Vertragszoll 2 Mark betrug. Tie Oldenburger Han- delskammer behauptet nun, daß ein derartiger Gersten- zoll Rußland und Amerika gegenüber eine für Deutschland sehr unbequeme Wirkung aus üben müßte.
Mais und Futtergerste, so wird in dieser Druckschrift ausgeführt, sind Konkurrenten. Das eine Futtermittel kann das andere zum größten Teil ersetzen. In der Begründung des Zolltarifs wird allerdings von der Regierung Mais lediglich als Konkurrent von Hafer angeführt. Rußland ist für Deutschland der Hauptlieferant für Futtergerste, Nordamerika für Mais. Und zwar ist die russische Gersteeinfuhr von 1894 bis 1900 nur von 38 Mill. Mark aus 39 gestiegen, die Maiseinfuhr aus den Bereinigten Staaten dagegen, in derselben Zeit von 24 aus 104 Millionen. Nordamerika hat also schon heute einen, durch die Maismißernte von 1901 nur vorübergehend unterbrochenen, gewaltigen Vorsprung vor Rußland in der Versorgung des deutschen Futtermittelmarktes.
Tie Beschlüsse der Zollkommission — wir folgen hier den Ausführungen der genannten Druckschrift — drohen, dies Verhältnis zu Ungunsten Rußlands noch weiter zu verschlechtern. Denn wenn der Maiszoll, der heute vertragsmäßig 1,60 Mark ausmacht, auch aus 5 Mark heraufgefetzt worden ist, so handelt es sich doch dabei nur um einen Maximalzoll, der beliebig erniedrigt werden kann. Tie 5,50 Mark des Gerstenzolls sind dagegen Minimal- zoU. Tie deutschen Unterhändler kommen also zu den Russen mit gebundenen Händen. Sie können nichts dazu thun, um die für Rußland so wichtige Gerstenausfuhr irgendwie zu erleichtern. Zu den Nordamerikanern kommen sie dagegen als freie Leute und sind stets in der Lage, über die Herabsetzung des Maiszolles zu paktieren.
Rußland kommt dadurch in eine ganz besonders schlechte Lage. Ihm steht nicht nur die mit jeder Zollerhöhung verbundene Gefahr der Minderung des Konsums des Bezugslandes in Aussicht, sondern die weit größere, daß ihm die Versorgung des deutschen Futtergetreidemarktes überhaupt entzogen wird. Hinzu kommt, daß der Rückgang des russischen Gerstenexports auch die Verschiffungsgelegenheit für Roggen sehr beeinträchtigen würde. Ter Nachteil, in dem sich Rußland mit seinen Transportverhältnissen gegenüber den Vereinigten Staaten befindet, würde noch zunehmen. Für den bremischen und olden- burgischen Getreideverkehr mit Rußland bildet V. der Gerstehandel das eigentliche Rückgrat. Bei Fortfall des Gerstehandels würde auch der Handel mit russischem Roggen und Hafer so erschwert werden, daß sich die Händler lieber dem Import von nordamerikanischen Produkten zuwenden würden.
Tie Oldenburger Handelskammer kommt zu dem Schluß: Ter 5,50 Mark-Minimalzoll für Gerste bedeute einerseits einen schweren Schlag für unseren Vertragsstaat Rußland, zudem die Unmöglichkeit, mit ihm überhaupt wieder einen Handelsvertrag abzuschließeu, bedeute andererseits eine Liebesgabe für die Vereinigten Staaten, die sich durch ihre Zollpolitik keinen Anspruch auf solche
Bevorzugung erworben haben. Eine verständige deutsche Zollpolitik würde in erster Ltnie auf inisere Vertragsstaaten Rücksicht nehmen, Ländern wie den Vereinigten Staaten gegenüber dagegen sich solange unzugänglich erweisen, bis sie zu einem für »uns wirklich brauchbaren Gegenseitigkeitsvertrag bereit geworden sink. Die Politik der Mehrheit der Zollkommission sei dagegen in der Praxis Rußland und auch Oesterreich-Ungarn schädlich, Nordamerika nützlich.
Nolitische Tagesschau. __
Der Braunschweiger Laudgcrichtspräsident
Wie vor einigen Tagen telegraphisch gemeldet wurde, ist jetzt gegen den Landgerichtspräsidenten Dr. Dedekind in Braunschweig das Disziplinarverfahren wegen seiner Veröffentlichung über die Denkschrift der Regierung betreffend die staatsrechtliche Stellung der Regentschaft eröffnet worden. Anlaß zu dem Verfahren hat namentlich eine Stelle der Veröffentlichung gegeben, die indirekt dem Verfasser der Denkschrift und damit der Regierung den Vorwurf des Hochverrats macht. Es heißt nämlich in der „Erklärung" Dedekinds: „In jedem Falle ist aber ein um so strengerer Beweis für den behaupteten Ausschluß des allgemein giltigen Thronfolge-Grundsatzes zu fordern, als ein solcher Ausschluß, der die Verwirklichung der Thronfolge dem berechtigten Hause auf unabsehbare Zeit entziehen würde, dann, wenn er wider den Willen des Thronfolgers thatsächlich dnrchgcführt wird, in bedenklicher Meise, dem Verfasser der Denkschrift vielleicht unbewußt, dem im § 81 Zisf. 2 des Strafgesetzbuches bedrohten Verbrechen der gewaltsamen Aenderung der in einem Bundesstaate be st eh en den Thronfolge (Hochverrat) sich nähert. Aua) unterliegt nach der herrschenden Meinung der Versuch einer solchen Aenderung der Thronfolge, auf sog. gesetzlichem Wege, ebenfalls dieser Strafbestimmung,, sofern er gegen den Willen des Bevech- tigten durchgeführt würde". Und am Schluffe sagt Dedekind: „Nach allem diesem dürfte die Denkschrift als ein rechtlich vergeblicher Versuche eine haltlofe Position zu sichern, angesehen werden müssen. Mag ihr Inhalt vielleicht Laien imponieren, es muß für unmöglich gehalten werden, daß juristisch Gebildete, die sich mit der braunschweigischen Frage beschäftigt haben, selbst wenn sie preußisch gesinnt sind, durch die Ausführungen der Denkschrift überzeugt werden." Es ist allerdings recht eigenartig, wenn einer der höchsten juristischen Beamten des Herzogtums gegen eine amtliche Kundgebung der Regierung eine mit seinem Namen unterzeichnete „Erklärung" in derartiger Form veröffentlicht.
Der Tabakkrieg in England
nimmt seinen lustigen Fortgang. Tie britische „Jmperial- Tabacco Company", die 50 000 Psd. Stl. unter ihren Kunden verteilen wollte, wenn sie nicht von den amerikanischen Firmen kaufen, ist nun von den amerikanischen Firmen boykottiert worden. Wie viel damit das Angebot von Ogden & Co. zu thun hat (Verteilung von 250 000 Pfund Sterling jährlich unb freie Hand bezüglich des Bezugs der Ware), mag dahingestellt bleiben. Die Kleinverschleißer geben aber als ihren Beweggrund an, daß sie nur die Au,rechterhal- tung des Prinzips des Freihandels vor Augen haben und gegen jeden Verfuch der Monopolisierung Stellung nehmen. So erklärten sie wenigstens unter Absingung von Rule Britannia bis zu Britons never, never shall be slaves, auf einer von ihnen abgehaltenen Versammlung. Ter Imperial Company wurde dieser Kundgebung gegenüber bange, und
sie erließ alsbald ein neues Zirkular, in dem es hieß, daß sie nichts dagegen einwenden würde, wenn die Verschleißer auch Ware von anderen Firmen beziehen; wenn sie aber an dem 50 000 Pfund Sterling Bonus Teil nehmen wollten, so müßten sie sich verpflichten, in ihren Schaufenstern nur die Waren der Imperial Company auszustellen. Ogden- u. Co. blieben die Antwort nicht lange schuldig. Es heißt, daß sie nach Bekanntwerden des neuen Zirkulars ihrer Gegner an 30 000 Verschleißer (die Gesamtzahl im Vereinigten Königreich beträgt an 50 000) Telegramme versandte, in denen die Firma davor warnte, aus den neuen Vorschlag einzugehen, da jeder Verschleißer, der den Vertrag mit der Imperial Company eingehe und sich verpflichte, nur ihre Maren im Schaufenster auszustellen, von jedem Anteil an dem Ogdenschen Bonus ausgeschlossen sein werde. Am' Montag führte nun die Firma weiter ans, daß sie, ebenso wenig, wie beim Bezüge der Ware, auch bezüglich der Schaufenster keine Sonderansprüche erhebe. Der amerikanische Trust bietet nun das sonderbare Schauspiel, daß er als Verfechter der Handelsfreiheit auftritt!" Von beit Tabakverschleißern haben einige Hundert den Vertrag mit der Imperial Company und einige Tausend jenen mit Ogden & Co. unterzeichnet. Der Sieg gehört demnach bisher den Amerikanern. Die Hauptmacht der Verschleißer verfolgt aber bisher nach dem Muster der Großmächte, und wahrscheinlich mit gleicher Ehrlichkeit der Absichten, die Politik der offenen Thür, hält fich die Hände frei und wartet die weitere Entwickelung ab, ehe sie sich für die eine oder andere Seite entscheidet. Die „Times" fragt in einem Leitartikel, wo die Garantie für die Zahlung der Bonusse liege? Und diese Frage scheint auch die Verschleißer zu beschäftigen, die keine Lust haben, sich die .Hände zu binden, um schließlich leer auszugehen.___________________________________________
Vermischtes.
* Altona, 26. März. Leurnant Spieß von der zweiten Abteilung des Feldartillerie-Regiments Nr. 45 versuchte gestern nachmittag feinem Leben dadurch ein Ende zu bereiten, daß er sich auf der Augusta-Höhe im Vorort Bahrenfeld eine Revolverkugel durch die Brust jagte. Der Schwerverletzte wurde ins Garnisonlazarett gebracht. Das Motiv der verzweifelten That ist nicht bekannt.
* Ein e Duellgeschichte mit komischem Beigeschmack macht im thüringischen Städtchen Kranichfelds jetzt von sich reden. Ein angesehener Bürger wurde vow einem anderen int Restaurant nach einem Wortwechsel auf Pistolen gefordert. Ersterer sandte darauf dem' Tuelllustigen zwei verrostete Steinschloßpistolen, welche bereits zur Zeit des dreißigjährigen Krieges in Gebrauch gewesen sein mochte^ und ließ den Erzürnten! bitten, dieselben zu reinigen, blank zu putzen, recht fleißig Schießübungen abzuhalten, und dann gefälligst wieder vorzusprechen, um die Ehre rein zu waschen.
* Tie patriotisch-dynastische Poesie wird in keinem Lande und in keiner Zeitung so andauernd und liebevoll mißbraucht, wie in Greiz (Reuß ä. L.) und in dem Regierungsorgan dieses Fürstentümchens. Kein Geburtstag der zahlreichen Greizer Prinzessinnen vergeht, ohne daß diese freudige Begebenheit durch mindestens drei Dichtungen verherrlicht wird. Ist somit die Zahl der patriotisch dynastischen Gesänge im Laufe der Jahre sehr beträchtlich geworden, so muß der wahrheitsliebende Chronist doch bekennen, daß die Beschaffenheit der spezifisch reußischen Poesien trotzdem auch bescheidenen Ansprüchen leider nicht genügt. Diese Beobachtung kann jetzt aufs neue gemacht werden. Anläßlich der Rückkehr des Fürsten
Ulandereien aus der Kaiserstadt.
(Nachdruck verboten^
Umzugsfreuden. — Berlin wird kleiner. — Die Mietpreise. — Bon Brettern und Brettl'n.
Tas liebe Osterfest, das diesmal so kurz vor den Quartals-Anfang fällt, der für den Berliner der lebhafteste Umzugstermin ist, bringt für alle die großstädtischen Nomaden, die wegen störender Nachbarn, automatischer Klaviere oder steigerungswütiger Hauswirte die alten Zelte wieder einmal abbrechen müssen, um sie ein paar Straßen weiter wieder aufzubauen und aus dem Regen in die Traufe zu kommen, viel Hast und Unbehagen mit sich. Vielfach wird die schreckliche Umquartierung allerdings schon vor dem Feste bewerkstelligt, sämtliche Möbelwagen sind daher mobil, und die Möbelträger haben eine reichliche Ernte. Wohl denen, die zum Feste noch die gewohnte Gemütlichkeit in den neuen „vier Pfählen" herzu stellen vermögen, und nicht ohne Fenstervorhänge in den Ostersonntag hineingeraten. Nicht allen wird es so gut. Wer das Pech hat, die alte Behausung mit Sack und Pack zu verlassen und die neue festgemietete Klause baupolizeilich gesperrt zu finden, weil die Räume in sanitärer Beziehung noch zu wünschen übrig lassen, der hal's getroffen! In meiner Nachbarschaft passierte ein solcher Fall. Und- da es bereits zu dämmern begann, als die ungeahnte Katastrophe hereinbrach, so war guter Rat teuer. Tie kinderreiche Familie wurde für die kommende Nacht plötzlich in alle Winde zerstreut. Freunde und Verwandte boten, soweit es möglich war, Obdach an; und am andern Morgen begann die Jagd nach einer anderen Wohnung. Nun ist jaaugenblicklich kein Mangel an Quartieren in Berlin. Im Gegenteil, es stehen in allen Straßen ganze und halbe Etagen leer; denn Berlin ist, was seine Kopfzahl anbelangt, kleiner geworden. Anno 1900 hatten wir noch ein Plus an Zuzügen von 28000, während 1901 die Fortzüge von Berlin den
Zuzug um etwa 3500 übertreffen. Tie Stockungen im Geschäftsleben, der Arbeitsmangel auf allen Gebieten der Berliner Industrie reden in diesen Zahlen eine deutliche Sprache. Wer nun freilich glaubt, daß aus diesen Gründen die Mieten etwa heruntergehen, befindet sich in einem schweren Irrtum. Nur die großen Wohnungen von fünf und mehr Zimmern sind etwas billiger geworden; die kleinen von zwei und drei Räumen nebst Küche sind noch immer im Steigen. Viele Hauswirte erzielen daher aus ihren Hinterhäusern eine durchschnittlich höhere Einnahme, als «aus dem Vorderhause. Tie Erleichterung trifft, wie so oft im Leben, wieder einmal die Unrechten, und der kleine Mann, der unter den wirtschaftlichen Zuständen der Gegenwart doppelt schwer zu leiden hat, muß die Differenz für die Hauspaschas decken. Wann die Verhältnisse sich bessern, ist nicht abzusehen. Die gemeinnützigen Bestrebungen etlicher Baugesellschaften, tote „Freie Scholle" rc., die ihren Mitgliedern Familienhäuser für eine vernünftig bemessene Jahresrate Herstellen, haben noch wenig Anklang gefunden. Ihre Bedeutung für die Millionenbevölkerung Berlins ist vorläufig noch verschwindend.
Interessant sind die Experimente, die demitächst von einer dieser Vereinigungen gemacht werden sollen. Man will nämlich nach amerikanischem Muster versuchen, für etliche Familien gemeinsam Haushalt zu führen, vor allem also die Mahlzeiten zusammen her- zustellen, und in einem großen Speisezimmer für alle aufzutragen. Billiger wird die Sache nach diesem System ganz zweifellos; ob sie trotzdem Bestand hat, bleibt abzuwarten. Skeptiker fürchten sowohl die Nörgeleien der auf „Leibgerichte" erpichten Herren der Schöpfung, als auch die Zungenfertigkeit ihrer kritischen befjeren Hälften, von denen jede ihre eigenen Rezepte besitzt, die sie einer alten menschlichen Schwäche zufolge immer für die besten hält. Jedenfalls ist der Versuch $an& lobenswert.
Weniger erfreulich berühren die Experimente, die sich unsere Theater in den letzten Wochen geleistet haben.
Im Königl. Schauspielhause erlebte ein Oster- märchen von dem Hamburger Dichter Marx Möller „Frau Anne", einen sanften Abfall. Tie an und für sich ganz hübsche Idee, eine Mutter aus dem Gram um ihr gestorbenes Kind zu führen, und sie zu einer Wohltäterin aller derer zu bilden, die mütterliche Liebe entbehren müssen, reicht nicht aus für vier Akte. Im „Berliner Theater" versuchte Paul Lindau, der alle Nationen zum Worte kommen läßt, Gabriel d'Annun- z i o's „G i o e o n d a" in deutscher Uebersetzung zu einem Erfolge zu verhelfen, nachdem die Düse das Stuck tm Idiom ihres Heimatlandes den Berlinern unter heller Begeisterung vorgesetzt hatte. Auch er erstritt nur einen Pyrrhussieg. Das Gekünstelte, Gequälte und Unwahrscheinliche dieser Bildhauergeschichte, in bet der Kampf zwischen Gattin und Modell zu wortreich zum Austrag kommt, wird in dem kühlen Deutsch viel deutlicher wie im lebhaften wohlklingenden Italienisch. Auf den , UeberbretHn" wird langsam zum Rückzug geblasen. Tie Programme bringen entweder richtige Brettl-Nummern, in denen von einer „neuen Kunst" nichts mehr zu spüren ist, ober sie zeigen das alte solide Gesicht des vormals verlästerten Thea.iers. „Schall und Rauch" hat durch die letztere Wandlung entschieden gewonnen. Frei nach Goethe hat jüngst einer meiner Freunde der Ueberkunst" ein Abendlied gesungen, das ich Ihnen mit fröhlichen Ostergrüßen an den Schluß meines heutige« Briefes setze. Es lautet:
„Allen Ueberbrettln winkt Ruh!
Langsam aus den Sätteln siehst gleiten Du Recken von Schall und Rauch!
Tot Bierbaums „Lebende Lieder", Auch Lilieneron will nicht wieder; Nur Straus, von Wolzog-ens Skalde, Schreibt fix noch 'nen Walzer zu: Balde Ruhest Tu auch!" A. R.


