Ausgabe 
28.10.1902 Zweites Blatt
 
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Darmstadt, soll ebenfalls Lmdidierea. Vmt sioziallstischer Seite ist Friedrich-Darmstadt ausgestellt, diese Partei bat aber nur tn wenigen, aber größeren Orten (Gries­heim, Weiterstadt rc.) Aussicht, ihre Wahlmänner durch­zubringen. Von einigen Seiten ist nun auch der keiner politischen Partei angehörige, im Wahlkreise geborene und ourch sein seitheriges Eintreten für eine Bahn Darmstadt- Oppenheim in den Riedorten wohlbekannte Stadtverordnete Schupp-Darmstadt als Kandit«t nominiert worden, und es scheint daher, daß sich demnächst noch ein lebhafter Wahlkamps im 13. Wahlkreise entwickeln wird- Die Vor­stände der deutsch-sozialen (antisemitischen) Re- formpartei und der christlich-sozialen Partei ui Darmstadt fordern in einer gemeinsamen, näher moti­vierten öffentlichen Erklärung chre Parteiangehürigen und Gesinnungsgenossen auf, bei der Landtagswahl in Darm­stadt für die Wahlmännerliste der Kandidatur Oberbürger­meister Morneweg und Landgerichtsrat Tr. Buff zu stimmen. Aus Mainz wird gemeldet: Im Saale des Lath. Männervereins sand gestern eine Versammlung statt, in der Landtagsabg. Molt Han das sozialdemokratische Programm behandelte. Tas Programm enthalte eine An­zahl Versprechungen, die als utopiftisch bezeichnet werden mußten. Sodann sprachen Landtagsabg. v. Brentano und Pfarrer Forschner. In Oppenheim ist seitens des Bundes der Landwirte der Gutsbesitzer Josef Sen ft er in Gabsheim als Kandidat aufgestellt worden. In Lampertheim hat der hessische Bauernbund den Pfarrer Mauer in Fehlheim als Kandidaten aus­gestellt.

** Der Allerseelentag fällt dieses Jahr bekannt­lich auf den 3. November, well er nach den Bestimmungen der katholischen Kirche auf den 2., als einen Sonntag nicht fallen darf.

Bieber, 27. Okt. Durch die Umsicht und Entschlossen­hell des Zugpersonals wurde am Freitag morgen der um 5 Uhr 23 Minuten von Bieber nach Offenbach abgehende Frühzug Nr. 663 von einer Katastrophe bewahrt. Zwischen Offenbach und Bieber führt der Bahnkörper durch einen in den Bieberer Berg tief einschneidenden Schacht, dessen Sellen­wände mit gewaltigen Felsbläcken bedeckt sind. Infolge der Witterung hatte sich nun in der Nacht ein großer Fels- block losgelöst und quer über den Bahnkörper gelegt. Vom Maschinenführer Kramer wurde er trotz der Dunkel­hell noch rechtzeitig entdeckt; er vermochte den Zug vor dem Hindernis zum Stehen zu bringen und machte sich im Verein mit Anderen sofort an die Beseitigung desselben. Nach mehr als halbstündiger Verspätung konnte die Weller­fahrt angetreten werden.

-h- Burkhards, 27. Ott. Dem gemeldeten Unfall der fünf Maurer ist noch anzufügen, daß zuerst eine Backsteinmauer, die 12 Zentimeter übermauert war, zusam­menstürzte und das Gerüst mittiß; die Handwerker stürzten aus einer Höhe von zwölf Meter herab. Ein Mann hat außerdem noch einen Bruch des Beckens davongetragen. Die Verunglückten besinden sich verhältnismäßig wohl.

(:) Darmsta dt, 27. Okt. Die Jahresversammlung des Hessischen Zweiges der Südwe st deutschen Kon­ferenz begann heute morgen im Saale des ,Feierabends für Lehrlinge" in der Stiststraße mit einer unter dem Vorsitz des Professors Weimer tagenden Sitzung des Vorstandes und der Synodalvertreter, in der Pfarrer Schlosser aus Gießen ein Referat überba§ Amt der Synodaloertreter* erstattete. Die Versammlung beschloß: 1. die Synodalvertreter sollen von der Dekanatssynode gewähtt und ihr Amt als ein Synodalamt auch dadurch anerkannt werden, daß künftig ihre Auslagen für ihre amtliche Thätigkell nicht mehr aus der Vereinskasse, sondern, wie in Oberhessen, aus der Dekanats- fasse vergütet werden, 2) es sollen Mittel aus der Kasse der Konferenz bereit gestellt werden, um alljährlich einen oder mehrere Synodalvertreter zu ihrer Ausbildung an Anstalten der inneren Mission zu schicken. Tie eigentliche Jahresver­sammlung lellete Oberkonsistoriälrat Walz mit einer tief in die biblischen Gedanken einführende Andacht über 1. Petr. 4, 10 und 11 ein, in der er Pflicht, Arb und Maß des christlichen Dienens, auch deS Dienens mll dem Wort in neuer Art und auf neuen Wegen besprach. Ter von dem «Vorsitzenden erstattete Jahresbericht erinnerte il a. an den Rücktrllt des bisherigen verdienten Vorsitzenden^ Pfarrer Widmann, und an den Ersatz des bisherigen Sekretärs, Pfarrer Waldeck, jetzt in Beerfelden, durch Pfarrer Braeß, an die Begründung des christl. Vereins lunger Männer in Darmstadt, an den erfreulich-euAuf.schwung unserer Epileptischenanstalt in Nied er-Rarn- st a d t, die jetzt schon erweitert werden muß, an die G r ü n - düng einer Trinkerheilanstalt aufdem Burg­bergerhof bei Gelnhausen, dessen Vorstand aus unserem Lande Lbcrmedizinalrat Tr. v. Neidhardt, Tr. Collitz aus Tarmstadt und Dr. Pullmann aus Offenbach zugehören, mrd an das fröhliche Gedeihen der Anstalten und Vereine für innere Mission im ganzen Land, an die Fortführung der Verhandlungen zur Regelung des Kvllekten- wesens, die jedoch z. B. noch nicht die dringend nötige Zu­sammenlegung der Kollekte für alle Rettungshäuser im Lande zu erreichen vermochte. Alsdann referierte Pfarrer Korell aus Königstädten über ,-Vor träge in Stadt undLand überreligiös-sittlich »Gegenstände von Geistlichen und Laien der Landeskirche"'. Er konnte auf die kräftigen Anregungen, die das Wies­badener Konsistorium amtlich in dieser Richtung gegeben hat, und auf das Bedürfnis relegiös-slltlicher Aufklärungs­arbeit, bei der die Presse vielfach noch versagt, die aber nötig ist, um die Glieder unseres Volkes zu selbständigem Urteilen und Tenken zu erziehen und sie von der Bevor­mundung durch Schlagworte und durch die Phrasen einer unterchristlichen mechanischen Wett- und Lebensauffassung ru befreien, Hinweisen. Tazu ist der freie Vortrag ein be­sonders wirksames und durchaus ausfichtsvollcs Mittel. Es sei nicht überall möglich und werde sich durch den inneren Wert des Targebotenen vielfach erst unter der Menge ähn­licher Veranstalwngen Raum schassen müssen. Für das Land gehe da vielfach der Verein für Wohlfahrtspflege auf dem Lande mit gutem Beispiel voran. Nur müsse die sittlich-religiöse Charatterblldung und die Bedeutung der kirchlichen Gemeinschaft im Vordergrund stehen. In ein­facher Weies müsse aus der Geschichte der Wert des Glaubens uni) christlicher Gottesfurcht für das Leben nachgewiesen, alle Verhältnisse des O^emeindelebens ins einzelne in das rechte Licht gestellt werden. In der Diskussion wurde ganz besonders die Frage der dafür nötige« Organisation. Ter Landesausschuß wurde beauftragt, einen Ausschuß für Ver­anstaltung solcher Vorträge zu bilden, der dann die Organi­sation in Stadt und Land betreiben solle.

sd. Darmstadt, 28. Ott. krig. Trahrbericbt Die Evangelische Landes syuode wurde heute v nag

9.45 Uhr vom Vicepräsidenten Professor Stamm-Gießen eröffnet Prof. Stamm widmete ehrende Worte den ver­storbenen Mitgliedern: Landgerichtsrat Schneider, Konsisto- rialrat Puhlmann, Präsidenten Weber, Prälaten Habicht uiid Teran Anthes. Oberkonsistoriälrat Buchner stellt hierauf den Regierungskommissar Ministerialrat Tr. Best und den Oberkonsistoriälrat und Gießener Superintendenten Tr. Petersen vor. Es folgt die Verpflichtung der neuen Mitglieder: Oberlehrer Backes, Oberstleutnant v. Frey- a n d, Tekan Stamm- Gießen, Pfarrer Schlosser- Gießen, Oberpfarrer Bogt, Tekan Wagner, Prälat Tekan Walz, Pfarrer Köhler, Los, Scheerer und Weidner. Zum ersten Präsidenten wurde Tekan Stamm-Gießen, zum zwellen Präsidenten Direktor Brand-Mainz gewählt

Mainz, 27. Okt Als gestern nachmittag im sechsten Bezirk der Schutzmann Groß einen Bettler anhielt und dessen Papiere verlangte, griff dieser mit einer furchtbaren Wut den Groß au, wobei Beide zur Erde stürzten. Der Bettler, der Sckiffer Heinrich Bauer aus Wörth, biß bei dieser Gelegenyett dem Schutzmann so furchtbar in die Hand, daß dieser schwere Verletzungen davontrug. Ter Bissige kam in Untersuchungshaft.

Wetzlar, 27. Okt Während allenthalben in der In­dustrie über Mangel an Beschäftigung geklagt wird und mehr oder minder große Arbeitsbeschränkungen oder Arbeiter- entlasiungen vorgenommen werden, ist die Zahl der Ar­beiter un Handelskammerbezirk Wetzlar (Kreis Wetzlar) gestiegen. Nach einem Bericht der hiesigen Handelskammer waren in den zwölf hauptsächlichsten Industriebetrieben am 1. Oktober 1902 beschäftigt 3899 Personen gegen 3702 am 31. Dezember 1900 und gegen 3687 am 31. Dezember 1901. Diese Zunahme ist in der Hauptsache auf die Neueinrichtung einer großen Röhrengießerei durch die Buderus'schen Eisen­werke zurückzuführen, in welcher allein 423 Mann beschäftigt werden. Zugenommen hat die Arbeiterzahl ferner in der optischen Industrie der Stadt Wetzlar, welche gegenwärtig 460 Arbeitskräfte in Anspruch nimmt, ebenso in der Hand- schuh - Industrie, während Zementfabrikation und Woll­spinnerei eine nicht unbeträchtliche dtbnahme zu verzeichnen haben.

Frankfurt a. M., 26. Ott. Tie Freunde des Acht­uhr-Ladenschlusses sind mit ihren Bestrebungen in der Herrenkonfettiousbranche hierselbst durchgedrungen. Ter Regierungspräsident hat, nachdem ein Antrag aus den betreffenden kreisen gestellt und dieser Antrag eine Zwei­drittelmajorität gefunden hat, bestimmt, daß sämtliche offenen Verkaufsstellen der Herrentonfektionsbranche in Frankfurt a. M- abens 8 Uhr für den geschäftlichen Ver­kehr zu schließen sind. Ausgenommen sind die Sams­tage und die nach § 139 e, G.-O., für eine verlängerte Be­schäftigungszeit gesetzlich zugelassenen Tage. Zu den am 12. November stattfinüenden Stadtverordneten­wahlen ein Tritte! der Stadtverordneten scheidet turnusgemäß aus haben die N a t i o n a l l i b e r a l e n mit dem Zentrum einen Bund geflochten, in dem die Handwerkerpartei des Stadtverordneten Hettler der Tritte ist. Freisinnige und Demokraten stellen einen gemeinsamen Zettel auf, während die S o z i a l d e m o- kraten den Sturm aufs Rathaus allein unternehmen wollen; sie stellen in allen Bezirken eigene Kandidaten aus. Eine im Roten Kreuz-Krankenhause unter getarnt) te 35- jährige Frau stürzte sich aus dem Fenster des oberen Stockwerks auf den Hof und war alsbald eine Leiche. Sie sollte wegen einer Unterleibskrankheit operiert werden.

Wiesbaden, 27. Okt. Gestern entstand in einer Wirtschaft ein Streit, in dessen Verlauf der 60 Jahre alte Bäcker Horn von dem Taglöhner Ficht, der dort aushilfs­weise Kellnerdienste verrichtete, auf die Straße geworfen wurde. Horn schlug so unglücklich zu Boden, daß er einen Schädelbruch erlllt. Er wurde besinnungslos zum städti­schen Krankenhause gebracht, wo er noch gestern abend an den erlittenen Verletzungen gestorben ist. Der Thäter wurde in der vergangenen Nacht verhaftet.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die Leiche des durch Selbstmord ums Leben gekommenen Mainzer cand. med. Karl David - fon ist im Heidelberger Krematorium verbrannt worden.

Vermischtes.

B e r Ti n, 27. Okt. Gegenüber einer Meldung desBerl. Tagebl.", nach der am 19. Oktober in Staßfurt eine wettere Verhaftung von Falschmünzern und Brief mar keu- fäl schein erfolgt ist, welche gestanden hatten, feit zwei Jahren Falsifikate von 80 000 Mk. in mehr als 40 Städten Teutschlauds nntergebracht zu haben, führt dttBerl. Jtorr." aus, diese Nachricht sei in allen Stücken sals ch. Tie Brief­markenfälscher wurden gleich bei den ersten Versuchen, die Briefmarken unterzubringen, abgefaßt. Tie Zahl der an Zahlungsstatt ins Publikum gelangten Briefmarken beträgt etwa 1500. Tie meisten dieser Marken wurden bei den In­habern beschlagnahmt.

* Paris, 27. Okt- DemSoir" zufolge wurde der Bankier Boulaine, welcher den ihn begleitenden Schutz­leuten entwischt war, heute abend ui einem Pariser Vor­orte wieder verhaftet.

* Cattaro, 27. Okt. Gestern abend wurde hier ein starkes, 5 Sekunden dauerndes Erdbeben verspürt. Tie Richtung war Südost.

* Die Frauen als Einjährig-Freiwillige. Professor Zimmer weist tti denBl. für Volksgesundheits­pflege" auf die große Bedeutung einer körperlichen Er- ziehung der Frauen hin, die mit der militärischen Dienst­zeit der jungen Männer zu vergleichen wäre. Tas ge­eignete Gebiet, auf dem die Frauen eine solche Stählung ihres Körpers mit gleichzeitig wvhlthätiger Einwirkung auf die geistige Richtung durchmachen könnten, wäre die Krankenpflege. Ter evangelische Diakonieverein hat sett über acht Jahren ein Freiwilligenjahrinderkranke n- pflege für Mädchen und Frau^en von höherer all­gemeiner Bildung eingeführt. Tie Schülerinnen werden, nachdem sie, ähnlich wie es bei den Männern vor (Eintritt in das Heer geschieht, durch den Arzt auf chre Tienstsäbig- feit geprüft worden sind, in größeren städtischen Kranken­häusern in der Krankenpflege theoretisch und praktisch aus- gebiwet und ein Jahr lang beschäftigt. Solche Kurse sind vorläufig in Elberfeld, Zerü, Erfurt, Magdeburg, Stettin und Tanzig eingerichtet. Ter Ein- und Austrttt ist völlig freiwillig, nur daß eine Kündigungsfrist von vier Wochen verlangt werden kann. Professor Zimmer weist besonders auf die gesundhettliche Bedeutung dieses Freüvilligcnjabrs für das weibliche Geschlecht hin. Tie jungen Mädchen der wohlhabenden Stände haben selten Gelegenheit zu körper­licher Bewegung und gröberer Arbeit. Bei der Kranken­

pflege aber tst es rmerQMcy, datz die chr ergebenen Per­sonen keine Arbeit als erniedrigend scheuen, wenn auch ungewöhnliche körperliche Leistungen von den freiwilligen Pflegerinnen nicht verlangt werden. In den ersten Wochen wird die Thättgkett mit ihren Ansprüchen an die Körper­kräfte vielleicht recht anstrengend sein, aber der Lohn zeigt sich schon in der wohlthätigen Müdigkeit, in dem erquicken­den Schlafe und der gesunden Eßlust, die sich bei chnen stetsj als Folge der kräftigen Mus kett Hörigkeit bemerkbar machen. Bei geeigneter Leitung kommt jedes junge Mädchen, dessen körperliche Anlage nicht von vornherein ungenügend ist, über die erste Zeit gut hinweg und gewöhnt sich bald an die Leistung der gestellten Anforderungen. Der Segen einer derartigen Beschäftigung reicht aber noch wett über die Kräftigung der Gesundheit hinaus. Tie jungen Mädchen und Frauen lernen, daß gewisse Verrichtungen, die sie sich sonst nicht zumuten würden, in der Krankenpflege nickt nur notwendig, sondern auch hochgeachtet sind. Sie sammeln eine Fülle von Erfahrungen, die ihnen als Gattinnen und Mütter von unermeßlichem Werte sein werden und sich bei ihrer Umgebung segensreich bemerkbar machen dürften. Vorläufig sei noch erwähnt, daß die freiwilligen Kranken­pflegerinnen nach den bisherigen Feststellungen innerhalb des Tienstjahres nicht abzumagern, sondern 1520 Pfund zuzunehmen pflegen. Tie Bestrebungen, die hier gekenn­zeichnet worden sind, haben eine so große Bedeutung, daß sie dem allgemeinen Interesse nicht warm genug empfohlen werden können.

* Morgans Verdienst. Die Kleinigkett von zirka 170 Millionen Mark Nutzen haben nach einer Aufstellung derNewyork-NewS" Mr. Pierpont Siorgan und seine Kom­pagnons für 1902 von folgenden Unternehmungen gehabt: Von derSteel Corporation" 20 340 000 Dollars, von der Northern Securities" 4 500 000 Dollars, von der Tampf- schiffenreinigung 2 500 000 Dollars, von derHarvesters Merger"" 5 500 000 Dollars, von derLouisvttle and 9tash- ville Railroad" 6 000 000 Dollars, von derRealty Eom- panh" 3 000 000 Dollars, macht zusammen 41S4000Q Dollars.

AtteraMr.

Im Kampf um Südafrika, das abschließende Werk übet den Burenkrieg, an dem die ersten Staatsmänner und die Generale der Buren muwitten, beginnt soeben in I. F. Lehmanns Verlag, "München zu erscheinen. Ter Kamps der Transvaater wird von General Ben Viljoen, einem der schneidigsten Buren, ge­schildert. Er führt Schwert und Feder gleich jchars und schonungs­los deckt er auch die pehler aus, an denen die Bnrenrepublckeu gelitten haben. Mit diesem hochinteressanten Band beginnt die Lieferungsausgabe zu erscheinen. Tas Gejamtiverk soll All. 28., die einzelnen Bande, elegant getnuiöen, All. 6 und Alk. 8 kosten. Im ganzen werden vier Bände erscheinen, von denen wir z. Zt. unjern Lesern nähere Mitteilungen zu machen gedenken.

Gisenlmhli-Zeitung.

Wien, 27. Okt. Eijenbahnminliter Wittel richtete an die ihm unterstellten Verwaltungen der Privateisenbahnen einen Zirkular­erlaß, in dem er unter Hinweis daraus, daß die Fabriken der Maschinenbranche, insbesondere der Lokomotiv- und Waggonsabrrken infolge der fehlenden Aufträge der traurigen Zwangslage entgegen­sehen, den bereits wesentlich herabgemmderien Betrieb weiter em- zuschränken, wenn nicht ganz emstellen zu müssen, die brmgenbe Aufforderung ausspricht, durch möglichst rasche Erteilung von Auf­trägen auf die für 19031904 in Aussicht genommenen Lokomotiv- und Waggonlieferungen den betrefsenden Fabriken die ungestörte Aufrechterhaltung dcs Betriebes zu ermöglichen.

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Gerichlssnal.

München, 27. Okt. Wegen Zweikampfes hatte sich bet cand. mea vet. Peter Kö11isch von Nürnberg zu verantworte»!. Gelegentlich einer Schläger mensur im Juni d. Js. erhielt er zwei Kopfverletzungen, die infolge Vernachlässigung feine Ver­bringung ins Krankenhaus notwendig machten, wodurch die Sache aufkam. Kollisch ist geständig, verweigert jedoch nähere An­gaben. Tas Urteil lautete auf das Minimum: brei Atonale Festungshaft.

Landwickschast.

Der Flächeninhalt der mit Tabak bepflanzten Grundstücke im Deutschen Reick)e hat sich int laufenden Jahre gegenüber dem Vorjahre nur unwesenllich geändert. Er hat fick um 394L ha erweitert. An der Erweiterung sind hauptsächlich Bayern und Elsaß-Lothnngen beteiligt. Im Uebrigen entfallen von der Gesamtfläche die weitesten Bezirke auf die schon immer als Tabakbaugebiete geltenden Staaten ober Staatsteile. Von den 17 357.2 ha Gesamtfläche des Jahres 1902 nehmen Baben 7059.6 ha, Bayern 2622.9 ha, Provinz Brandenburg 2358.0 ha, Elsaß- Lothringen 1361.4 ha und Provinz Pommern 1215J ha in Anspruch.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenbea Arlttel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Zum Theaterneuban tu Gießen.

Obgleich es etwas Bestechendes hat, in Gießen ein neitef Theatergebäude zu errichten, so sollte doch in Erwäguna gezogen werden, ob es nicht zweckmäßiger ist, ein, jetzt sehr bald freiwer­dendes älteres Gebäude zu einem Theater umzubauen. Tie alte Zeughauskaserne wird demnächst frei, und roenn ein Umbau der­selben auch nicht gerade billig sein dürste, so ist doch anzunehmen, daß er etwas billiger sein würde, als ein ganz neues Gebäude. Wenn es auch keine Frage ist, daß wir Gießener für Kunstzwecke, speziell auch im vorliegenden Falle, die durchaus notwendigen Summen auftreiben werden, so ist doch nicht einzusehen, warum nicht zu sparen versucht werden soll, wo es geht. Aeußerlich ist ja die Zeughauskaserne jetzt ein alter, langweiliger Kasten, aber bei einigem guten Willen läßt sich doch noch eine einigermaßen passable Fassade schaffen. Und es kommt noch hinzu, was sollte ivohl sonst mit der alten Kaferne geschehen, roenn das Militär auSgezogen fern wird? Billige Wohnimgen kann man doch nicht daraus Herstellen, für Schiiten eignet es sich auch nicht, ein Museum haben wir, und die Behörden ziehen auch lieber in Helle, lustige, neue Hauser ein. Bleibt also allem der Umbau zu einem Theater. Und eignet es sich dazu nid)t vortrefflich? 'Ulan muß sich nur mit dem Gedanken befreunden, dann wird man sehen, daß er sehr praktisch ist. vt.

.Paßt eine Fuhrmannskneipe in die unmittelbare Nähe des UniversitätSgebäudesk* Diese Frage wird jeber unbefangene Beurteiler, jeder wahre Freund unserer Hochsihule verneinen. Verneinen wird sie wohl auch der akademische Senat und auch unsere fürsorgliche Stadwerordnetenversammlung. Es fei deshalb hier darauf hmgewiesen, daß schon mehrere male diese Eventualität einer Fuhrmannskneipe in nächster Nähe deS Kollegien- hauses gedroht hat. Speziell scheint die einzige direkte Zufuhrstraße aus dem Stadtilmern, die Goethestraße, dieser Gefahr auSgefetzt zu sein. Wenigstens wißen wir positiv, daß erst vor einigen Wochen wieder, allerdings ohne Erfolg, versucht wurde, einem Hauseigen­tümer der Goethestraße sein Haus (zirka 40 Schritte südwestlich von dem UntDerfitatsgebaube) zu diesem Zweck abzujchwätzen. Es sollte auch noch eine Backerei daselbst err ichtet werden. Ta wir fast das ganze Jahr hier Südwestwind haben, so würde das chemische La­boratorium und das Kollegienhauc-, falls das .Gcschäftche^ zu Stande gekommen wäre, fast beständig dem Backerrauch ausgesetzt gewesen fein. Tie Goethestraße wirb ja voraussichtlich, roenn |ie