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Hechtsheim, 24. Sept. Vorgestern abend m i ß h a n- beiten die Arbeiter Sybel, Klein und Lob in Hechtsheim aus dem Lindenplatz in der Nähe der Wohnung des PolizeidienerS einen Mann. Der junge Oekorwm ^bann Anton Herberg trat mit einigen Bekannten auf die Raufbolde Ku, um ihnen zu wehren, als sich plötzlich der Sybel gegen ihn wandte und ihm unter rohen Worten das Messer in den Hals stieß. Der Gestochene ist sehr schwer verletzt. Die Drei Raufbolde wurden noch am Abend verhaftet.
O f fenbach, 24. Sept. Eine Schauergeschichte erzählt aus Offenburg i. B. die „Ossenb. Ztg.": In die Stube eines kranken Mannes hatte sich eine mächtige Ratte eingeschlichen. Nachdem drei Katzen beigebracht waren, stellte sich die Ratte und fing an zu pfeifen, worauf die Katzen an den Wänden h i n au f s p r an g en (!?). Inzwischen biß die Ratte den Patienten in ihrer Wut in eine Zehe, welche stark zu bluten begann. Als jedoch Distel- Wilhelms „Meero" das Schlachtfeld betreten hatte, war das Schicksal der Ratte entschieden. „Meero" kehrte als Sieger nach Hause.
Frankfurt, 25. Sept. Aus Rominten ist an die Frau verw. Prof. Linnemann ein vorn Grafen von Muelinen, dienstthuenden Kanimerherrn der Kaiserin, unterzeichnetes Telegramm eingelaufen. Der Kaiser und die Kaiserin sprechen darin Frau Linnemann zu dem schweren Verlust, der sie durch den Tod ihres Mannes getroffen, ihre Teilnahme aus; sie werden dem Verstorbenen, der die Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche mit so herrlichen Glasmalereien und Mosaiken geschmückt hat, ein dankbares Andenken bewahren.
Bingen, 25. Sept. Die 50000 Mk. von der Schlotz- frei he its lotter ie, die hierher fielen, kamen in gute Hände. 25 000 Mk. erhielt die aus zehn Personen bestehende Stammtischgesellschaft in der „Stadt Mainz" in Bingen, 15 000 Mk. eine Zeitungsträgerin, 5000 Mk. eine Köchin und 5000 Mk. die Kinder eines Lehrers.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und ben Nachbarstaaten. Am Dienstag wurde in Frankfurt ein Mädchen von 21 Jahren von schwerem Unwohlsein und Erbrechen befallen. Die mit Symptomen einer Vergiftung Erkrankte wurde schließlich ins städt. Krankenhaus verbracht. Dort ist sie gestorben. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wurde die gerichtliche Sektion der Leiche vorgenommen. — Dem Direktor R ö m h e l d vom Saalbautheater in Darmstadt wurde die Direktion des „Neuen Theaters" in Berlin angetragen, die er voraussichtlich schon von Juni 1903 übernehmen wird. Die Leitung des Berliner „Neuen Theaters" hatte bisher Frau Dr. Nuscha Butze-Beermann. — In Bensheim verstarb nach langen schweren Leiden der evangelische Pfarrer und vormalige Dekan Anthes im 67. Lebensjahre. — Von dem geschäftsführenden Ausschuß der Gemäldeausstellung in Worms geht uns die Mitteilung zu, daß die Ausstellung endgültig am 30. Sept., abends, geschlossen wird.
Landwirtschaft.
t. G i e ß e n, 25. Sept. Die Ob st ver st eigerungen in Gießen und Umgegend haben bereits begonnen. Die Preise für Tafel- und Kelterobst sind trotz der guten Obsternten hoch. Der Zentner bestes Tafelobst, Golbpar- mäne, Baumannsreinette, Muskat- und andere Reinettearten kamen am Baurn auf 8 und 10 Mark, was wohl oft seinen Grund darin hatte, daß zahlreiche auswärtige Händler an den Versteigerungen teilnehmen. Besonderen Aepfelsegen haben die Orte Allendorf a. d. Lahn, Heuchelheim und Rodheim. Die edlen Aepselsorten an den Kreisstraßen bei genannten Orten läßt der Kreis nächste Woche selbst brechen, im städtischen Magazin zu Gießen in zwei Sorten ausstellen und verkaufen. Im Vorjahr kostete hier der Zentner 8 bezw. 16 Mark, in diesem Jahre werden die Preise jedoch niedriger sein, man hört von 6 bezw. 12 Mark. Der Zentner Tafelbirnen kam bei den Versteigerungen auf 8—9 Mark.
Ueber das Verhältnis der Verbrennlichkeit des Tabaks zur Düngung der Tabak- Pflanze sind neuerdings auf Veranlassung der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft sehr wichtige Versuche von dem bekannten Agrikultur-Chemiker Prof. Wagner-Darmstadt ausgeführt worden. Schon früher hatte Neßler in Karlsruhe festgestellt, daß ein hoher Chlorgehalt des Düngers die Verbrennlichkeit des Tabakblattes beeinträchtigt. Dieser Umstand ist insofern von großer Bedeutung, als der Tabak eine sehr kalibedürftige Pflanze ist, die gewöhnlichen Kalidünger des Handels, die Staßfurter Kalisalze, aber sehr viel Chlor enthalten. Die Wagner- schen Untersuchungen bestätigen nicht nur jene Neßlerschen Ergebnisse, sondern geben auch genaue Grenzwerte für das Kalibedürfnis der Tabakpflanze und ihre Duldsamkeit gegen das Chlor. Wagner hat nachgewiesen, daß das Tabakblatt unter sonst gleichen Umständen am besten brennt, wenn es in 100 Teilen Trockensubstanz mindestens sechs Teile Kali, aber höchstens 0,6 Teile Chlor enthält. Die sonstigen, aus die Verbrennlichkeit einwirkenden Umstände sind im wesentlichen Strukturverhältnisse, die von dem Wachstum der Pflanze abhängen. Soweit das Wachstum durch Klima und Witterung bedingt wird, entziehen sich die betreffenden Verhältnisse der menschlichen Einwirkung; doch kann durch die Art, in der das sogenannte „Gipfeln" der Tabakpflanze ausgeführt wird, noch manches erzielt werden. Hierüber sind noch besondere Versuche im Ganae. Was die Düngung des Tabaks betrifft, so verbietet sich aus den erwähnten Gründen die Anwendung chlorhaltiger Staßfurter Salze, gewöhnlicher sowohl, wie hochprozentiger; es darf nur reines, schwefrlsaures Kali benutzt werden. Stallmist und
Drittes Blatt.
152. Jahrgang
Samstag 27. September 1903
Nr. 227
•rfftetnt täglich außer Sonntag-, Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem »eMfchen tanbwtrt die Siebener Kamillen- blätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Vertag der Vrühl'schen Untverst-Buch-u. Stein- druckeret (Pietsch Srben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnlstratzs 7.
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen s“ _________________________ W T zeigenteil: HanS Beck,
Ans Stadt und Land.
Gießen, den 27. Sept. 1902.
** Akad emischer Gesangverein. Man schreibt MtSi ES ist unS eine angenehme Aufgabe, über die bevorstehenden Veranstaltungen unseres Akademischen Gesangvereins zu berichten. Die Aufführungen des Vereins brachten im Lause der letzten Jahre eine so glänzende Steigerung, daß eS beinahe unmöglich scheinet! könnte, oaS seither Gebotene noch $u überbieten. Brachte uns doch der Verein in seinen drei letzten Aufführungen Schumanns yaustszenen, Wolfrums Weihnachtsmysterium und endlich Beethovens Missa solem- ni s. Die Ausführung dieser letzteren war eine so hohe Ausgabe, wie sie ja höher nicht gestellt werden kann und wie wurde ihr der Verein unter dieser Leitung gerecht! Cs will uns scheinen, es habe die Vereinsleitung das Rätsel gelöst und eS fertig gebracht, auch diesmal nicht hinter dem Jüngstvergangenen zurückzustehen, wenn nicht es noch zu übertreffen. Wir haben reiche Genüsse zu erwarten, abwechselungsreichere denn je. Da wird zunächst der Verein in einem eigenen Abend Johannes Brahms weihevolles. herrliches Deutsches Requiem bringen. Als Tag ber Ausführung ist der 10. Dezember bereits in Aussicht genommen; mit Rücksicht auf den hohen Geburtstag unseres Landesherrn konnte der vielleicht für ein Requiem passendere Tag in der stillen Woche leider nicht gewählt werden. Der Verein hofft, das Werk in unserer dafür ja so trefflich geeigneten Stadtkirche zu singen, wir schließen unS dieser Hoffnung gerne an. Da das Werk allein den Abend nicht füllt, so ist in Aussicht genommen, einen hervorragenden Organisten zu gewinnen, der mit einer unserer herrlichen Kirchen-Orgelwerke den Abend einleitet; von den beiden Gesangssolisten (Sopran und Bariton) hofft man dann, ein oder die andere Kirchenarie (vielleicht auch ein Duett) Hu Gehör zu bekommen, worauf dann das Requiem folgt. Zu einem so viel versprechenden Abende, dex das weihevollste neudeutsche Werk bietet, das wohl je geschrieben wurde, wünschen wir dem Verein reichen Besuch; denn er verdient sich damit den größten Dank, so sehr wir es bedauern, daß unsere Verhältnisse bisher nicht erlaubten, so reiche auserlesene Genüsse um ein Billiges wiederholl zu bieten. Denn daS Beste wäre dafür eben gut genug. Wer ermöglicht solche That? Zusammen mit dem Konzert- Verein wird dann am 1. März 1903 ein Ereignis ftatt- sinden, wie es Gießen noch nie erhört hat: Beethovens gewaltige Chorsymphonie (9. Symphonie) wird zur Ausführung gelangen und damit das einzige Werk, daS sich in einem Atem mit Beethovens Missa nennen läßt. Wie schade, daß wir zu diesem Tage noch immer den Saal nicht haben werden, den Gießen nach den Leistungen der letzten Jahre verdient. Wer Hilst, daß es bald werde? — Der Symphonie wird noch ein anderes kleineres Chorwerk vorausgehen, dessen Wahl noch, nicht endgültig feststeht; Felix Mendelssohn-Bartholdys W a l p u r g i s n a ch t ist dafür ins Auge gefaßt, gewiß eine durch Gegensatz vortrefflich wirksame Folie für den zweiten Teil des Konzertes und dazu dos Werk, welches vielleicht Mendelssohns Eigenart am besten von allen spiegelt. So wird sich auch im kommenden Winter der Konzertverein und vor allem bei diesen Konzerten der Akademische Gesangverein den Dank aller verdienen, denen an dem geistigen Gedeihen und an der Blüte unserer guten Stadt in der Kunst gelegen ist. Und wenn wir uns nun fragen, wem wir das denn schließlich zu verdanken haben, so heißt bet Name des Unermüdlichen: Gustav Trautmann!
** Statistisches aus Hessen. Die am 1. Dez. 1900 orts anweseiche Bevölkerung der Kreise des Großh. Hessen betrug Nach Konfessionen wie folgt: Oberhessen: evang. 251873, kathol. 23 038, israel. 6815, sonstig. 321; St arkenburg: evang. 329 801, kathol. 148255, israel. 9070, sonst. 2386; Rheinhessen: evang. 164 527, kath. 170 187, israel. 8601, sonstig. 5019.
♦* Die be st schießen de Kompagnie im 18. Armeekorps ist in diesem Jahre die 2. Kompagnie des in Hanau gamisonierenden Regiments Nr. 166 gewesen, der denn auch das Kaiserabzeichen verliehen worden ist.
(II) Ulfa, 25. Sept. Bei der heutigen Ob st Versteigerung löste die hiesige Gemeinde die schöne Summe von 1300 Mark, ein Preis, wie er in dieser Höhe feit einer langen Reihe von Jahren nicht erreicht worden ist, und der einzig und allein aus Aepfeln erzielt wurde, da es auch hier Zwetschen heuer gar nicht giebt. Das Obst wurde ausschließlich von Einwohnern des Ortes erstanden, da die Privat-Obstbäume diesen Herbst mit ganz wenig Ausnahmen nur außerordentlich geringen Ertrag aufzuweisen haben. Der Preis pro 100 Kg. Aepsel, die zum Teil allerdings recht wertvolles Tafelobst repräsentierten, stellte sich durchschnittlich auf 10-12 Mk.
?? Lauterbach, 25. Sept. Der Firma Wilhelm V o l l m ü l l e r hier wurde auf der Ausstellung für volks- verständliche Hygiene zu Hannover für den Likör ^Vogelsberger" das Ehrendiplom zur goldenen Medaille zuerkannt.
)—( Salzschlirf, 25. Sept. Seit einigen Wochen wird rüstig an einem neuen Stationsgebäude gearbeitet, da das alte den hiesigen Verhältnissen schon lange nicht mehr genügte. Es ist mit dem Bau so spät begonnen worden, um die Badegäste mit den damit verbundenen Unbequemlichkeiten nicht zu belästigen. Wenn im Winter die Arbeit nicyt zu lange eingestellt werden muß, hofft man das neue Gebäude bis zum Beginn der nächstjährigen Saison dem Bahnbetrieb übergeben zu können. Ein vielausgesprcchener Wunsch: die Errichtung einer Restauration Wirb damit seine Erfüllung finden. Das neue Gebäude schließt sich an das alte nach Salzschlirf zu an. Letzteres wird für Beamtenwohnungen benutzt werden.
Jauche sind ebenfalls zu reich an Chlor; dagegen verwendet man mit Nutzen Meliasfefchlemve, und das unter dem Namen Martellin in den Handel gebrachte kiefelsaure Kali. Auch Holzasche thut gute Dienste, darf aber nicht in großen Massen, sondern nur im Gemenge mit einem der genannten Düngemittel angewandt werden, weil sie zu viel Phosphorsäure enthält, gegen welchen Stoff die Tabakpflanze ziemlich empfindlich ist. Nebenbei würde sich bei den großen erforderlichen Düngemengen die ätzende Wirkung der Hotz? asche unter Umständen unangenehm bemerkbar machen.
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Vermischtes.
* Zu der Ermordung des Pariser Bankier- David in Etretat macht ein Telegramm aus Paris noch folgende nähere Mitteilungen: Die Witwe des Erschossenen wird vom Untersuchungsrichter vernommen und mit dem verhafteten Maler Syndon konfrontiert werden, um über ihre Beziehungen zu dem Mörder ihres Gatten Auskunft zu geben. Ferner steht ein Verhör der 15jährigen, kränklichen Tochter Davids bevor, die bei Syndon Unterricht genommen hallte und sich nun darüber äußern soll, wie sich der Maler bei dem Erteilen der Stunden benommen habe. Wie jetzt verlautet, hat Herr David schon vor zwe-i Jahren einen bestimmten Argwohn gegen Syndon, der freundschaftlich in seinem Hause verkehrte, gehegt. Er hatte dem Maler damals ein Freibillet nach San Fran- eiseo verschafft, um ihn völlig von seiner Familie zu entfernen. Sydon reifte auch nach Amerika, kehrte aber unerwartet schnell Zurück. Darauf sei es wiederholt zu Szenen zwischen Herrn und Frau David gekommen; man habe sogar von einer Scheidung des Ehepaares gesprochen, die aber die Eltern der Frau zu verhindern gewußt hätten.» Zweifellos hoffte Syndon stets auf die Scheidung und gedachte bann die von Haus aus sehr reiche Frau zu heiraten. Die Angehörigen des Mörders kündigen, um die Tbat in milderem Lichte erscheinen zu lassen, die Veröffentlichung eines Brieess der Frau David an den Maler an.
* Der „Rote Nasen-Wettbewerb". Ein Orb» ginal hat einen seltsamen Wettbewerb veranstaltet: den Wettbewerb der roten Nasen. Ter Mann, der diese großartige Idee hatte, ist ein reicher Gutsbesitzer in Wales", ein mächtiger Trinker vor dem Herrn, ausgestattet mit einem feuerrot schimmernden Riechorgan. Er wollte wahrscheinlich sehen, ob es noch schöner funkelnde Nafen giebt als seine eigene und trommelte daher alle Besitzer von roten Nasen zusammen. 90 Bewerber beteiligten sich an diesem neuartigen Turnier. Ob viele Nasen Preise erhielten,, wird nicht gesagt.
In der Kneipe. Studiosus Kuno: ,Lör einmal, Du trinkst ja heute ganz kannibalifch! Hat Dir Dein Aller auf Deine letzte Epistel hin Geld geschickt?" — StudiofuS! Siegfried: „Das -gerade nicht, aber die Antwort war so gesalzen, daß ich riesigen Durst darauf bekam."
Gedankensplitter. Je mehr Frauenrechte, desto weniger rechte -Frauen. — Eine volle Hand wird öfter gedrückt als eine leere. — Die lehrreichsten Beispiele find immer die, wie mans nicht machen soll. — Wenn zwei Männer sich schießen, ist oft eine Dritte schuld, die keinen Schuß Pulver wert ist. — Menn jeder auf das Recht so' erpicht wäre wie auf fein Recht, so brauchten wir weniger Rechtsgelehrte.
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Ein allgemein bekannter Arzt, Spezialist von Magen- und Darmkraukheiten, schreibt uns dieser Tage: „Ihr SüutiS Magenbitter ist vorzüglich, der Erfolg ist ein ganz außer- ordentlicher." In der That, die täglich einlaufenden Anerkennungen sind ganz überraschend. Jeder, der mit „Dr. Knechts Magenbitter"
' einen Versuch gemacht hat, bezeugt, daß die J Wirkung von .,Säntis" auf den Stoffwechsel eine ganz vorzügliche ist.
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