Ausgabe 
27.8.1902 Zweites Blatt
 
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Der Proorns Sachsen in® Iwzenr <m der DnverfttD eure mufangreiche THLtigkeü enttokMte, Heinrichs ix Mendels Stmnfäs war 1849 gebvren.

Wie dieSßofr7 von unterrichteter Seite e^ährt, ist an bei aus dem Haag verbreiteten Nachricht über Verhand- lvngen zwischen dem niederländischen Ministerpräsidenten Dr. Kuyper und dem deurschen Staatssekretär v .Richt- h«<xfeu über einen Anschluß der Niederlande an den Dreibund kein wahres Wort. Auch die Mel­dung über deutsche Absichten auf die Riomo-- Jnsel ist unrichtig.

Der gestern gemeldete deutsch-russische Zwi­schenfall in Nicolaj ew schrumpft nach den an maß- gebender Stelle eingezogenen Erkundigungen dahin zu­sammen, daß zwei deutsche Unteroffiziere von Bord der Loreley in Nieolajew sestgenommen worden sind, weit sie einen Teil der dortigen Anlagen besucht hatten, deren Betreten ihnen verboten gewesen sein soll. Sie wur­den verhaftet, jedoch am andern Morgen wieder frei­gelassen, worauf der Gouverneur sein Bedauern über den Vorfall aussprach Hiermit ist der ganze vomStan­dard77 aufgebauschte Zwischenfall erledigt.

Breslau, 26. Aug. Den gestrigen Verhandlungen des deutschen Gartenkünstler-Vereins wohnte der Landeshauptmann der Provinz Schlesien, Frhr. v. Richt- Hofen, bei. Stadt-Obergärtner Engel sprach über den obli­gatorischen Fortbildungsunterricht für Gärtner­lehrlinge, dessen Zweckmäßigkeit in einer Resolution an­erkannt wurde. Ferner wurde ein Antrag des Garten- lu^hiteklen Pietzner-Breslau angenommen, der Vorstand aülchte der Frage des Schußes des gärtnerischen Urheberrechtes näher treten. Als Ort der nächst­jährigen Versammlung wurde München gewühlt. Tie Aus­schüsse und der Vorstand wurden wiedergewählt. Neu trat in denselben ein der Königl. Obergartendirettor Bouchö- Tresden an Stelle des verstorbenen Direktors Kawalzek- Köln.

Der hiesige sozialdemokratische Verein beschloß in seiner gestrigen Generalversammlung, folgenden Antrag dem Parteitag in München zu empfehlen, der sich gegen die Aufstellung national-polnischer Reichstags- tanbibaten in Oberschlesien wendet. Der Parteitag er- tlärt den von der Barzdorfer Konferenz der ob er schlesischen Genossen ausgestellten Reichstagsiändidaten für den recht­mäßigen föanbibaten der sozialdemokratischen Partei und ersucht den Parteivorstand, diese Kandidatur durch finan- zielle Mittel zu unterstützen.

Ausland.

London 26. Aug. Der Schah hat bei seiner Ankunft in Calais folgendes Telegramm an König Eduard gesandt: Es drängt mich, nochmals meinen aufrichtigen Dank für den wohlwollenden und sympathischen Empfang auszudrücken, der mir während meines Aufenthaltes in London von Ew. Ma­jestät rote von der Königin und dem Prinzen von Wales bereitet wurde. Ew. Majestät kann überzeugt sein, daß ich von meiner Reise in England eine angenehme und unaus­löschliche Erinnerung bewahren werde.

London, 26. Aug. Daily Telegraph läßt sich aus Brüssel melden: Die Konferenz zwischen den Burengeneralen und Krüger in Utrecht haben zu einem Verzicht Krügers auf seine Stelle als Haupt des Burenvolkes geführt. Bei einer späteren Zusammenkunft hätten sie ein­stimmig Louis Botha als zukünftigen Führer der Buren bezeichnet.

London, 26. Aug. DasReutersche Bureau" meldet aus Curacao: Bei der zweitägigen Beschießung von Ciudad Bolivar wurden viele Personen getötet und verwundet. Viele Grausamkeiten werden von den Regierungstruppen und den Revolutionären begangen. 3000 (?) britische Einwohner verlangten die Sendung eines Kriegs­schiffes.

Paris, 26. Aug. Der frühere Staatssekretär Paite erklärte in einem Interview über seine Projekte, er müsse sich darauf beschränken, seinen Unterhalt so gut es gehe zu ver­dienen. Er sei ruiniert und müße mit allen Mitteln für seine Familie sorgen. Sein Vorhaben sei, Vorträge in den Vereinigten Staaten zu halten. Was die Burengeneräle betreffe, so sei er mit diesen über die meisten Fragen einig, er habe sich aber Aktionsfreiheit in allen Fragen ausbedungen. Jeder habe noch die Kraft für das Wohl des Vaterlandes zu arbeiten.

Senator Trarieux, der Präsident der Liga der Menschenrechte, sandte an seine Kollegen em Schreiben, worin er denselben über die Anwendung des Vereinsgesetzes Aufklärung giebt. Der Senator verteidigt die Regierung, indem er erklärt, daß die von derselben verfügten Maßregeln durch fanatische Klerikalen veranlaßt worden seien, welche die Ordensschwestern gezwungen hätten, gegen ihren eigenen Willen sich in ben Schulen zu ver­schanzen, um ihnen so Gelegenheit zu geben, antirepu­blikanische Kundgebungen zu veranstalten.

Johannesburg, 28. August. Wie derLeader" mclbet, begiebt sich eine starke Str eitma cht bestehend aus Infanterie lind Kavallerie, berittener Infanterie und Artillerie von Krügersdorp nach Rustenburg und von dort nach der ivestlichen Grenze. Die Expedition soll Unruhen unter den Eingeborenen verhindern. In amtlichen Kreisen wird angegeben, daß die Truppen in jener Richtung abgegangen sind. Dies sei aber nur geschehen, um nach Indien beorderte Gruppen zu ersetzen.

(Sap Haitien, 26. Aug. Die Stadt Lim de wurde -on den Truppen des Generals Nord in Brand geschossen und wiedergenommen. Die Verluste auf beiden Seiten sind groß. Der Kreuzer Cincinnati ist heute früh hier ein» getroffen.

Po »Aland (Maine), 26. August. Präsident Roose­velt ist auf seiner Rundreise heute Nachmittag hier einge- iroffen. Der Präsident hielt eine Ansprache, in der er sich hauptsächlich für gesetzliche Regelung der nationalen Körper­schaften, Abschluß von Gegenseitlgleitsoerträgen mit Kuba und die 'Notwendigkeit einer starken Flotte aussprach, welche die beste Gewähr für die Erhaltung des Friedens bilde.

Aus Ktadt unü Land.

Gießen, 27. August 1902.

- Personalien. Bürgermeister Mecum hat gestern -inen Utägigcn Urlaub angetreten. Um die hiesige Stadt-BauratSstelle sind mehr als 70 Bewerbungen eingegangen.

MürkarSt^nfl^rachr-ichren. Oaeserer, ODerli. in den Stammkonrpagnien für das 3. See--Bat., scheidet am 31. August d. I. aus der Marine aus und wird mit deni 1. September d. I. im Heer und zwar im 6. Bad. Jnf.-Regt. Kaiser Friedrich III.* Nr. 114 angestellt. F i r rn e n i ch, Lt. un Inf.-Regt.Kaiser Wilhelm" (2. Großh. Hesi.) Nr. 116, Gräff, Lt. im Niederrhein. Ms.-Regt. Nr. 39, scheiden am 31. August d. I. aus dem Heer aus und werden mit dem 1. September d. I. in der Marine-Inf. angestellt.

Entlassung der Reservisten. Der späteste Ent- lasiungstag der Reservisten ist der 30. September. Bei den- jenigen Truppenteilen, die an den Herbstübungen teilnehmen, findet die Entlastung der zur Reserve beurlaubten Mann­schaften unter Berücksichtigung des spätesten Entlastungstages in der Regel am zweiten, ausnahmsweise am ersten oder dritten Tage nach Beendigung der Manöver bezw. nach dem Wiedereintreffen in den Standorten statt. Abweichungen sind zulässig. Die Trainmannschasten, Oekonorniehandwerker und Militärkrankenwärter werden sämtlich am 30. September ent­lasten. Tie Zeit einer Freiheitsstrafe von mehr als 6 Wochen ist nachzudienen, desgleichen die Zeit einer Fahnenflucht, un­erlaubter Entfernung ober Urlaubsüberschreitung, sofern dieser- halb gerichtliche Bestrafung erfolgt ist. Mannschaften, die früher schon einmal zum Militärdienst eingezogen, jedoch als dienstunbrauchbar, invalid oder auf Reklamation wieder ent­lassen worden sind, werden um so viele Tage früher entlasten, als sie früher gedient haben.

** Die Wahlbewegung aus Anlaß der bevor­stehenden Landtagswahlen hat nun ailch in Oberhessen be­gonnen. Für den Wahlkreis Schotten wird als neuer Kandidat der Bürgermeister und Müller Karl Viehl aus Rainrod genannt. Die Antisemiten in dem Bezirk Grün­berg sollen beabsichtigen, den Redakteur Hirschel in Osten­bach a. M. als Kandidaten vorzuschlagen. Von den anderen Parteien soll dort der Kaufmann Louis Moll in Grünberg in Vorschlag gebracht worden sein.

** 5. Hessische Landeslotterie. 6. Klasse. Aus Darmstadt erhalten wir telegraphisch folgende Gewinn­liste: Es fielen Gewinne zu je

10 000 Mk. auf Nr. 22157 (nach Mainz), 25337 (nach Langeü);

5000 Mk. auf Nr. 6481 (nach Offenbach), 7837 (nach Mainz), 22189 (nach Mainz);

3000 Mk. auf Nr. 3974 11476 15797 16185 19866 28699 32788 34589 35820 36763 39448 40148 46065 50140 50847;

2000 Mk. auf Nr. 808 1846 4648 5682 7093 7920 10438 14374 19905 20611 21048 21283 22984 31527 31543 33301 36804 36825 37347 38030 41188 42827 44232 47270 48379 49681 50656 51386;

1000 Mark auf 2450 3453 3476 4733 8697 9046 9613 11882 14672 15652 919 16710 917 17241 20172 624 23900 24476 913 28317 29696 31360 425 477 32696 34971 36417 39804 41635 42264 43920 44137 676 898 45342 664 49175 454 52263 54754. (Ohne Gewähr.)

* Kommers im (Safe Ebel. Uns wird geschrieben: Nach der Lokalnotiz in der letzten Munrner desAnzeigers" könnte angenommen werden, daß zu Ehren des Herrn Stadt- baurats Schrnandt am nächsten Donnerstag imCafe Ebel" ein allgemeiner Festkommers stattfinde. Dies ist jedoch nicht der Fall. Es findet nur eine Abschiedsfeier der Be­amten der städtischen Verwaltung zu Ehren des Herrn Schmandt statt."

i. Nie der-Seemen. Zuin ersten Male fand in un­serer Filialgemeinde das Missionsfest des Dekanats Schotten statt. Wie erfreut man hierüber war, beweist der Umstand, daß das Dorf aufs schönste geschmückt war mit Ehrenpforte, Kränzen und Fahnen. In dem neu hergestellten Gotteshause predigte Missionar Flad und begeisterte die Herzen für die Heidcnmission. Nach einer Pause fand noch eine stark besuchte Versammlung im Freien statt. Es sprach zunächst der Vorsitzende des Vereins, Pfarrer Volp von Laubach. Sodann erzählte Missionar Flad noch von Volks­sitten in China, der Ortsgeistliche, Pfarrer Repp, sprach das Dankes- und Schlußwort.

Ober-Hambach, 24. Aug. Schon lange hat man sich mit der Aufgabe befaßt, eine Lungenheilanstalt für weibliche Personen in Hessen zu errichten, Der Heil- stätten-Verein f. d. G. H. hat in dieser Angelegenheit Suche nach einem geeigneten Platze gehalten und wäre-, Winter- kasten und Ober-Hambach au-crsehcn. Diese Woche ist nun lt.St, B." der Platz in Ober-Hambach, ca. 40 Morgen Gelände, angekauft worden. Der Preis stellt sich pro Mor­gen durchschnittlich auf 800 Mk. Wie man hört, soll die Jnvaliden-Versicherungsanstalt ein bedeutendes Kapital zu- schießen und sich für ihre Kranken 50 Betten vorbehalten haben. Die Anstalt soll zu 120 Betten gebaut werden.

Darmstadt, 26. Aug. Wie dieN. H. 93." Horen, hat der Großherzog das Programm für die bevorstehende Enthüllung des Alicedenkmals genehmigt. An den Frauen­chören bei der Feier beteiligen sich 270 Damen und 250 Schulmädchen.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Bei Ankunft des D-Zuges 76 Frank­furtBasel am Sonntagvormittag im Bahnhof Mainz löste sich ein Luftschlauch, sodaß der Zug zum plötzlichen Stillstand kam und eine nachfahrende Maschine leicht auf denselben stieß. Ein Passagier wurde hierbei von einem herunter- fallendcn Handgepäckstück getroffen und ebenso em Post­beamter leicht verletzt. Der D-Zug fuhr ohne größere 93er» spätung weiter.

Vermischtes.

* 3um KapitelDuell und Begnadigung77, das zur Zeit aktuell ist, findet sich in denLebenserinne- rungen" von Werner v. Siemens ein heiterer Beitrag. Siemens erzählt:Im Herbst des Fayres 1840 wurde ich nach Wittenberg versetzt, wo ich ein Jahr lang die zweifel­haften Freuden des Lebens in einer kleinen Garnisonstadt genießen mußte. Um so eifriger fetzte ich meine wissen- sckjaftlickjen Studien fort. Merne Studien wurden durch ein Ereignis unterbrochen, welches durch seine Folgen die Richtung meines Lebensganges wesentlich änderte. Die in kleineren Garnisonstädten so häufigen Zwistigkeiten zwischen Angehörigen verschiedener Watzfen hchtvn einem Duell

zwilchen einem Zupanrerreossizier uno entern mir r>efreun­deten Artillerieoffizier geführt. Ich mußte dem letzteren als Sekundant dienen. Obgleich das Duell mit einer nur unbedeutenden Verwundung des Jnfanterieoffiziers endete, kam es doch aus besonderen Gründen zur Anzeige und zur kriegsgerick llichen Verhandlung. Tie gesetzlichen Strafen des Duellierens waren damals in Preußen von einer dra­konischen Strenge, wurden aber gerade aus diesem Grunde fast immer durch bald erfolgende Begnadigung gemildert. In der That wurden durch das in Magdeburg über Duel­lanten und Sekundanten abgehaltene Kriegsgericht diese zu fünf, jene zu zehn Jahren Festungshaft verurteilt. Ich sollte meine Hast in der Zitadelle von Magdeburg absitzen und mußte mich nach der eingetroffenen Bestätigung des kriegsgerichtlichen Urteils daselbst melden. Um die Zeit zu meinen Studien benutzen zu lönnen, suchte ich auf dem Wege zur Zitadelle eine Chemikalienhandlung auf und ver­sah mich mit den nötigen Mitteln, um meine elektrolytischen Versuche sortzusetzen . Ein freundlicher junger Mann in dem Geschäfte oc. prach mir, nicht nur diese Gegenstände in die Zitadelle einzuschmuggeln, sondern auch spätere Requi­sitionen prompt auszuführen, und hat fein Versprechen gewissenhaft gehalten. So ricytete ich mir denn in meiner vergitterten aber geräumigen Zelle ein kleines Laborä- torium ein und war ganz zufrieden mit meiner Sage. Das Glück begünstigte mich bei meiner Arbeit. Ich glaube, es war eine der größten Freuden meines Lebens, als ein neu- filbcrner Theelöfsel ,den ich mir dem Zinkpole eines Daniell- schen Elements verbunden in einen mit unterschweslichsauer Goldlösung gefüllten Becher tauchte, während der ttupfcrpol mit einem Louisdor als Anode verbunden war, sich schon in wenigen Minuten in einen goldenen Löffel vom schönsten reinsten Gologlanz verwandelte. Ich schloß gleich daraus mit einem 9jiagbeburger Juwelier, der das Wunder ver- nommen und mich in der Zitadelle aufsuchte, einen Ver­trag ab, durch den ich ihm das Recht der Anwendung meines Verfahrens für 40 Louisdor verkaufte, die mir die erwünschten Mittel für weitere Versuche gaben. Inzwischen war ein Monat meinet Haft abgelaufen und ich dachte wenigstens noch einige weitere Monate ruhig fortarbeiten zu tonnen. Da erschien unerwartet der Offizier der Wache und überreichte mir zu meinem großen Schrecken,wie ich bekennen muß, eine königliche Kabinettsordre, die meine Begnadigung aussprach. Es war wirklich hart für mich, meiner erfolgreichen Thätigkeit so plötzlich entrissen zu werden. Nach dem Reglement mußte ich noch an demselben Tage die Zitadelle verlassen . Ich schrieb deshalb an den Festungskommandanten ein Gesuch, in dem ich bat, mir zu gestatten, meine Zelle noch einige Tage benutzen zu dürfen, damit ich meine Angelegenheiten ordnen und meine Versuche beendigen könnte. Da kam ich aber schlecht an! Gegen Mitternacht wurde ick durch den Eintritt des Offi­ziers der Wache geweckt, der mir mitteüte, daß er Ordre erhalten habe, mich sofort aus der Zitadelle zu entfernen. Der Kommandant hatte es als einen Mangel an Dankbarkeit für die mir erwiesene königliche Gnade angesehen, daß ich um Verlängerung meiner Hast gebeten. So wurde ich beim um Mitternacht mit meinen Effekten aus der Zitadelle geleitet und mußte mir in der Stadt ein Unterkommen suchen."

* Die Wahlkinder der Zukunft. Prof.Leopold Schenk, der jüngst dahingeschiedene Gelehrte und Phantast, der das Geheimnis derG e s ch l e ch t s b e ft i m m u n g" ge­funden haben wollte, soll, nicht zufrieden mit feiner ver­meintlichen Entdeckung, die Hoffnung ausgesprochen haben, es werde eine Zeit kommen, in der es möglich sein werde, den Wunsch der Eltern, ihr zukünftiger Sohn möge ein Musiker ober Schriftsteller oder 'Mathematiker werben, zu erfüllen. Im Wege einer hygienisch-therapeutisch-gastrono- mlschen Behandlung ber 'Mutter werde die Möglichkeit ge­boten werben, das Fundament zu ganz bestimmten Anlagen des künftigen Menschen zu legen. Ein Mitarbeiter des N. W. Xgbl." macht dazu folgende launige Bemerkungen. Was die Cmbryologen, die Physiologen, die Psychologen und alle anderen Gelehrten auf ,flogen" zu dieser Hypo­these sagen, gehört auf ein anderes Blatt, dem Dichter aber, dem Phantasten und Märchenerzähler wird dadurch jedenfalls eine Perspektive eröffnet, geeignet, alle bisher gütigen und eingelebten menschlichen Verhältnisse auf ben Stopf zu stellen. ^Paul und Virginie haben vor Längerem geheiratet; nichts fehlt zu ihrem Glucke, als daß ber zu erwartende Sprößling dereinst der Verfasser einer neuen Logarithmentafel, ber Entdecker einer neuen Methode, Kar­toffeln vor Fäulnis zu bewahren, oder auch ber Dichter einer Epopöe weroe. Nichts einfacher als das- Die junge Mutter wirb entweder mit Quadratwurzeln ober mit Stärkemehl ober auch mit Versfüßen genährt. Nach zwanzig Jahren ist der künftige Euklid ober Homer fertiggestellt. Bei solcher Art Züchtung unb Zuchtwahl würbe über kurz ober lang die Welt von lauter Genies bevölkert; dagegen wäre an Menschenkinbern, die gewissen nützlichen Berufsarten angeboren, betrübender Mangel. Welche Mutter ließe sich aus die zukünftigen Hilfsschreiber und Straßenkehrer hin ernähren ober sonst hygienisch beeinflussen? Der Ueberfluß an erleuchteten Elementen müßte zu einem staatlichen Pro­hibitivsystem führen, etwa derart, daß nur ein gewisser Prozentsatz dieser neu-faustischen Mütter im Sinne eines zukünftigen Ideals genährt uno beeinflußt werben bürsten, indes ben übrigen im Wege ärztlicher Behandlung ber nach­malige Schuster, Schneiber, Rechnungsrat, Tapezierer unb Buchhalter suggeriert werden mußte. Man sieht, die Wahl­kinder würden nur eine Verschärfung des sozialen Problems heraufbeschwören.

Alters- und Znvalideu-Verficherung.

Wie aus dem neuesten Ausweise des Versicherungs- amtes über die Entwickelung ber aus Grund bes Jnva- libenversicherungsges-etzes gezahlten Ren­ten hervorgeht, liefen von biefen Renten am 1. Juli d- I. nicht weniger als 718370. Davon waren 534 000 Inva­lidenrenten. Diese Rentenart erfährt noch immer ganz beträchtliche Steigerungen. Im letzten Vierteljahr betrug ihre Zunahme nicht weniger als rund 25 000. Es ist selbst verständlich, baß bei einer solchen Zunahme auch ber vom Reiche zu leistende Zuschuß eine entsprechende Er- Höhung im Etat erfahren muß Die Alte rsrenten, von denen am 1. Juli d- I. rund 174000 liefen, nehmen an Zahl noch immer etwas ab, jedoch läßt ber jetzige Umfang ber Abnahme barauf schließen, baß das Behar- rungsstabium nicht mehr lange auf sich wirb warten lassen. Jedenfalls ist nicht daran zu denken, baß die ?ldnahmc in ber Altersrentenzahl auch nur einen in Betracht kommenben Teil ber Zunahme bei ben Invalid^ iatSrenten ausgleichen wird. Die neueste Rentenart, die seit dem 1. Januar 1900 bewilligt wirb, ist die ber Kran­ken renten. Bon ihnen liefen am L Juli b. I. runb 10400. Sie steigen an Zahl recht langsam, weil ber Weg­fall infolge Tod oder Wiedererlangung der Erwerbs-