Nr. 200
erffleint täglich außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Zamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brüh lachen Urrtvers^Buch- u. Steindruckerei lPietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:
Schulstratze 7.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.
AernsprechanschlußNr.51.
Zweites Blatt.
152. Jahrgang
Mittwoch 27. August LV08
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger w
Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen
verug-preis, monatlich 7bPf., viertel» jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost Mk.2.— viertel- fährt. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für bie TageSnumiirer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Psg.
Verantwortlich: für den polit. u. allgem. teil: P. Wittko: füx .Stadt und £anb' und .Gerichtssaal': E url Plato; sür den Anzeigenteil: Han» Beck.
S
Die heutige Mummer umfaßt 10 Ketten
Die Aeise des Königs von Italien.
J. R. Berlin, 26. August.
Die kleine, idyllisch int Grünen gelegene Bahnstation Wildpark bei Potsdam wird, wie bei anderen Herrscherbesuchen, auch diesmal den Vorzug haben, den König von Italien in Empfang zu nehmen. Der Kaiser hat in Wildpark ein besonderes, im nordischen Stil errichtetes Statronsgebäude. Daß Wildpark gern als Ankunftsort von den befreundeten Herrschern gewählt wird — auch der Zar wurde dort vor einigen Jahren vom Kaiser begrüßt — hat seinen Grund nicht nur in der Nähe des 9icuen Palais. Sicherheitspolizeiliche Erwägungen kommen auch in Betracht. Die kleine Station kann auf das Zuverlässigste Tage vorher überwacht, die Absperrung mit der peinlichsten Genauigkeit vollzogen werden . Früher war es der Herscher aller Reußen, dessen Besuch die Organe der Polizei, der Bahnverwaltungen und die Militärbehörden geradezu alarmierte, sodaß ein allgemeiner Seufzer der Erleichterung zum Himmel stieg, nachdem der Zar auf der Rückfahrt wohlbehalten die Grenzen des Deutschen Reiches passiert hatte. Der Sicherheitsdienst für den König von Italien erfordert ein kaum minder gewalliges Aufgebot. Von dem Gesichtspunkte aus, daß unsere Behörden die Verantwortung sür die persönliche Sicherheit des königlichen Besuchers haben, wird man die Absperrungen — auch das Schloß, und der Park BabelÄberg, der Licblingsaufenthalt Kaiser Wilhelms I., sind von Mittwoch bis Samstag unzugänglich — immerhin verstehen. Der Kaiser ist kein Freund von Absperrungen. Als die „Brotkrawalle" in Berlin tobten, ritt er eines Nachmittags, nur von wenigen Offizieren begleitet, durch die Straße Unter den Linden.
* * *
Der „Reichsanzeiger" schreibt: König Viktor Emanuel von Italien wird während der nächsten Tage als herzlich willkommener Gast des Kaisers und Königs in Potsdam verweilen und in bie Reichshauptstadt feierlich einziehen. Es ist die erste Begegnung, die den erlauchten Herrscher nach seiner Thronbesteigung mit- unserem Kaiser zusammenführt. Ihr Verlauf wird Zeugnis dafür ablegen, daß die Gefühle treuer Freundschaft, mit denen der ritterliche König Humbert hier allezeit ausgenommen wurde, aus seinen edlen Sohn und Kronerben mit unverminderter Innigkeit übertragen werden. Diese Freundschaft der Dynastien ist der deutschen wie der italienischen Nation wertvoll als Unterpfand für die Festigkeit der beide Länder untereinander und mit Oesterreich^Ungarn verknüpfenden politischen Beziehungen. Der Dreibund beruht auf dem gemeinsamen Bedürfnis der Erhaltung des mitteleuropäischen Besitzstandes. Er bürdet keinem seiner Mitglieder eine Last auf, die nicht jeder einzelne Staat in eigenem Interesse freiwillig übernehmen müßte. Als den Staatsmann, der im Sinne seines Königs zur Erneuerung dieses bewährten Systdms territorialer Garantien mitgewirkt hat, freuen wir uns, den in Begleitung seines Souverains eintreffenden Minister Prinetti begrüßen zu können.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Am Vorabende des dem Besuche des Königs von Italien gewidmeten festlichen Tages heißen- wir den erlauchten Gast Deutschlands und seinen hohen Verbündeten mit herzlicher Freude willkommen! Nicht als Unbekannter kommt König Viktor Emanuel zu uns. Mehrmals, zuletzt als er bei der Feier der Großjährigkeit des Kronprinzen seinen edlen schmerzlich betrauerten Vater vertrat, haben wir uns seiner Gegenwart gefreut. Jetzt tritt er wieder in unsere Mitte, zum erstenmal als König des geeinten Italiens, ein ernster hochbegabter Herrscher, von dessen unbeirrtem Streben sein Land vieles erwarten darf. Dem Sohne Umbertos und Margheritas haben seit seiner frühesten Jugend, wo wir ihn als einen zarten Knaben auf dem Arme Kaiser Friedrichs sahen, unsere Sympathien gegolten. In seiner charaktervollen Eigenart sind Züge ausgeprägt, die gerade das deutsche Empfinden besonders ansprechcn: männliche Selbstbeherrschung, an Körper und Geist für seinen hohen Beruf gestählte, soldatische Tüchtigkeit, die ihn zum ersten Offizier eines tapferen Heeres macht, gewissenhafte Erfüllung feiner königlichen Pflichten, tägliche Arbeitsamkeit für das Wohl seines Volles. Ter Rückblick aus das erste Jahr feiner Regierung zeigt uns Italien im Innern wirtschaftlich erstarkt, nach Außen an Ansehen und Ernslutz unter Großmächten gewachsen. Einer thätigeren Politik, für die der Monarch an dem in seiner Begleitung gern begrüßten Minister Prinetti einen verdienten Mitarbeiter gefunden hat, ist es gelungen, neben der Neubefestigung der erprobten Bündnisse weitere Fr e un d s cha f t s b e z te h- ungen anzuknüpfen. König Viktor Ernmtuel findet bet ün/°fs°n° Söerjen Schon in der dritten Generatron raub von den Kaisern der Hohenzolleru dw ^voyern treue Freundschaft gehalten, die dem polit-schen Bundnis der Staaten das Siegel aufdrückt. Zwischen Deutschland und Italien giebt es leine Gegenstände des Nmdes. Wir freuen uns des kräftig aufstrebenden Fundes genossen, und wünschen dem italienifchen Volke, daß es'wie das deutsche aus eigener »traft auf der Grundlage der nationalen Em heit und Wohlfahrt seine Weltstellung am>bcme. Möge dereinst die Geschichte rühmen, daß die Regierung des dritten Viktor Emanuel für ^lienernela^eEpoche friedlicher Erfolge glücklichen Fortschritt» herausgeführt hat.
H^uchacc^dicser hochoffiziösen liegt
auf dem Latze, daß zwischen Deutschland '3^« fern Gegenstände des Neides existieren. Die kühle AMsaffunL die Graf Bülow über die „Extratouren Italiens tn sein
Reichstagsrede an den Tag legte, kommt in der Feststellung zum Ausdruck, es sei einer „thätigen Politik" gelungen, neben der Neubefestigung erprobter Bündnisse weitere Freundschaftsbeziehungen anzumüpfen. Für den Minister Prinetti, Lombarde von Geburt, als solcher kein Freund Oesterreichs, zudem Franzosenschwärmer, enthalten die Worte „erprobter Bündnisse" eine kleine Lektion. Die „weiteren Freundschaftsbeziehungen" haben eben noch erst den Beweis der Zuverlässigkeit zu erbringen. Erst dann wird man von einem thatsächlichien Erfolg der „thätigen Politik"' Prinettis sprechen können.
König Humbert hatte Berlin „im Sturm erobert". König Viktor Emanuel bringt für den Ruhm der Vergangenheit, der bewährten Freundestreue die verheißenden Eigenschaften der Jugend mit. In ihm verkörpert sich die Zukunft des schönen Italiens, das wir alle „mit der Seele suchen", des Landes, dem unser Träumen gehört.
* * *
Ein Freund unseres Blattes schreibt uns aus G ö s ch e n e n, 26. August, mittags 2.05 Uhr:
Ich komme von Luzern und halte im Zuge sitzend hier unmittelbar vor dem Gotthardt-Tunnel. Der Bahnbof ist festlich geschmückt. Ich sehe eine Kompagnie schwarzer Alpenjäger als Ehrenkompagnie, zahlreiche Schweizer Offiziere, den Schweizer Bundesrat im Gehrock und Cylinder. Mein Zug ladet noch Blumenarrangements aus, die mit von Luzern kommen. Der König von Italien wird hier erwartet.
Ferner liegen noch folgende Meldungen aus Gösche- n en vor:
König Viktor Emanuel ist heute nachmittag 4.45 Uhr hier eingetroffen und von einer Abordnung des Bundesrats empfangen worden. Der König tauschte bei der Begrüßung wiederholten Händedruck mit dem Bundespräsidenten Zemp aus. Nach dem Abschreiten der am Bahnhof aufgestellten Ehrenkompagnie sand die gegenseitige Vorstellung statt. Hierauf wurde das Mahl eingenommen, an welchem 35 Personen teilnahmen. Während des Mahles unterhielt sich der König lebhaft mit seinen Nachbarn, den Bundesräten Brenner und Müller. Zemp unterhielt sich längere Zeit mit Prinetti, dem italienischen Minister des Aeußeren. Bei dem Mahle entbot Bu n d e s- Präsident Zemp dem Könige den Gruß des Bundesrates und des schweizerischen Volkes. In dem Besuch erblicke er einen neuen Beweis der f r eun d s cha f t liche n Gesinnungen des Königs für die Schweiz und die Eidgenossenschaft. Der Besuch werde dazu beitragen, die von altersher zwischen der Schweiz und Italien bestehenden freund nachbarlichen Beziehungen zu befesti- gen und enger zu knüpfen. Redner trank schließlich aus das Wohl des Königs und der königlichen Familie, auf die Wohlfahrt und das Gedeihen des italienischen Volkes. Der König erwiderte italienisch mit einem Trinkspruch, in welchem er seine Sympathie sür die Schweiz ausdrückte, und trank auf das Wohl des Bundesrats und des Schweizervolkes. Der König reiste um 6.30 Uhr weiter. Die Ein- und Ausgänge des St. Gotthardttunnels, die der kgl. Sonderzug passiert, waren übrigens der Sicherheit halber durch Soldaten bewacht.
Schaffhausen, 26. Aug. Der Zug mit dem König von Italien traf um 10 Uhr abends hier ein. Der Rheinfall war bei der Vorbeifahrt prächtig beleuchtet. Am Bahnhof empfingen badische Baynbchörden den Zug, um ihn nach, Deutschland weiterzubegleiten.
Mitische Tagesschau.
Der vi^e internationale Kongreß für Handel und Industrie ist in Ost en de am gestrigen Dienstag unter dem Vorsitze des Grafen Ursel, Gouverneurs von Ostflandern, eröffnet worden. Nach dem Austausch von Begrüßungs-Ansprachen legten die Delegierten Fremouse (Paris) und Strauß (Belgien) das Programm des Kongresses dar, soweit es die Handelstarife betrifft und die Maßnahmen der Regierungen hinsichtlich der Arbeiterpensionen.
In der Teilnehmerliste bemerkt man nicht weniger als drei Rothschilde, mehrere frühere französische und italienische Minister, viele japanische Persönlichkeiten der gesetzgebenden und Handclswelt; auch fehlt nicht der frühere bulgarische Ministerpräsident Jwantschow. Die deutsche Regierung hat keinen offiziellen Vertreter bei diesem Kongreß. Wohl aber erwählte Deutschland ein Patronatskomitee, das folgende hervorragende Männer u. a. umfaßt: Geh. Regierungsrat Dr. Wagner, Dr. Soetbeer, Generalsekretär des deutschen Handelstages, sämtlich aus Berlin, Geh. Hofrat Brentano-München, Professor B i e r m e r - Gießen, Professor Dietzel-Bonn, Geh. Regierungsrat Professor Lexrs- Gottingeu, Professor Lotz-München, Geh. Kommerzienrat Stephan, Karl Michel-Mainz. Der Kongreß zählt drei Sektionen. In der ersten kommt namentlich die Frage des Für und Gegen der Handelsverträge, der Minimal- und Maximaltarife zur Sprache. (Berichterstatter: Ex- mrnifter Boes Guyot, Emile Ceulemans, Präsident der wirtschaftspolitischen Abteilung der Antwerpener Handelskammer Frederiksen, Kopenhagen, Professor an der Univerptat usw.). Die zweite Sektion bespricht: 1) die Gesetzgebung über die Handelsfonds, beten $erpfantniTtg unb Eertaue. Berichterstatter: Advokat Hubert Brunarb-Brussel Präsident ber Abteilung für Hanbelsrecht an der Brüsseler Handelskammer. 2) Die Gesetze, betreffend den Schutz des industriellen Eigentums vom mrernanonalen Gesichtspunkte. Berichterstatter: Maunowry, vom Appellattons- gerich^shof zu Paris, Pierre Grossils, Mllg ied des belgischen Hohen Rates für Handel und Jnburstte Jn^ der dritten Sektion wirb bie Frage erörtert: ^oll ber L>taat bei ber Gewährleistung ber Alterspen,ivnen Mitwirken? Die Aeltesten ber Berliner Musmannschaft find amtlich ver
treten, von beutschen Hanbelskammern die zu Dessau, Magdeburg, Metz, Straßburg.
Ein polizeilicher Mißgriff
erregt in Hamburg Aussehen. Tort wurde eine junge schwedische Künstlerin abends um kalb 7 Uhr auf einer ber belebtesten Straßen unter dem Verdacht, eine lüder- liche Person zu sein, verhaftet. Sie mußte die Nacht auf der Polizeiwache in Gemeinschaft mit Dirnen, Vagabunden usw. zubringen, wurde aber am andern Morgen um N Uhr ohne weiteres entlassen. Darauf wandte sie sich an das schwedisch-norwegische Generalkonsulat, um eine Genngthuung sür die ihr widerfahrene Unbill zu erlangen. Dort wurde sie aber wenig freundlich empfangen, man erklärte ihr, die Sache werde wohl ihre Richtigkeit haben und weigerte sich irgend welche Schnitte in ihrem Interesse zu unternehmen. Tas Mädchen behauptet sogar, man habe die Absicht gehabt, sie auf die Polizei zurück- zuschafsen, doch habe sie sich dem durch die Flucht entzogen. Ein Bekannter des Mädchens, der sich der Sache annahm, begab sich daraus zu dem Rat Tr. Hopf, dem die Sittenpolizei unterstellt ist. Tiefer sagte sofort eine eingehende Untersuchung zu, und schon nach wenigen Stunden wurde dem Mädchen von der Polizeibehörde eröffnet, daß sie das Opfer eines bedauerlichen Mißgriffs geworden sei und daß ber Beamte, der sie verhaftet habe, vorbehältlich weiterer Ahndung sofort von der Sittenpolizei entfernt worden sei. Nun teilte ber Bekannte des Mädchens dies dem schwedischen Generalkonsul mit, doch sand er dort auch jetzt nur ein mäßiges Entgegenkommen. Wie die Schweden die Rechne ihrer Landsleute im Auslande vertreten lassen wollen, ist ihre Sache. Tie Polizeibehörde hat, indem sie ihren Mißgriff eingestanden hat, ganz richtig gehandelt. Tie Hamburger Blatter, die sich mit diesem Fall befassen, fordern, daß in allen derartigen, nicht ganz tlaren Fällen die verhaftete Person sofort einem höheren Polizeibeamten vorgeführt werde. Tann wäre ohne Zweifel sofort die Entlassung des Mädchens verfügt worden.
Deutsches Keich.
Berlin, 26. Aug. Ter Kaiser hörte heute die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts, Graf Hülsen-Häseler und des stellvertretenden Chefs des Marinekabinetts Kapitän v. Müller. Heute abend sand im Neuen Palais eine Tafel statt, zu der u. a. erschienen waren: Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold, Prinz Heinrich XXX. Reuß, Generaloberst v. Hahnke, Wirkt. Geh. Rat Tr. v. Lucanus, der Kronprinz, Minister v .Wedel, Generalfeldmarschall Graf Waldersee, Kriegsminister v. Gotzler und fremdherrlichie Offiziere. Bei der Tafel erhob sich der Kaiser, der bie Uniform ber 8. Grenadiere trug, zu folgendem Trinkspruch:
„Mein Trinkspruch auf die in Waffen wohl- geübten Marter des 3. Armeekorps soll in dem Wunsche gipfeln, daß das Armeekorps im Frieden auf ber Höhe der taktischen Schulung sein möge sür die Jetztzeit, wie es einst unter dem Prinzen Friedrich Karl gewesen ist, und daß es im Ernstfälle die gleiche Haltung bewahren möge und dieselben Lorbeeren um seine Fahnen flechte, wie am glorreichen 16. unter Konstantin v. Alvensleben. Das 2. Armeekorps Hurra! Hurra! Hurra!"
— Nach einer Meldung aus London erfährt „Daily Telegr." aus angeblich bester Quelle, daß Kaiser Wilhelm zwei bis drei Tage vor dem 9. November, dem Geburtstag König Eduards, in England eintreffen wird. Ter Kreuzer „Prinz Heinrich' und das Torpedoboot „Sleip- ner" hätten Befehl erhalten, bereits am 5. November seeklar zu sein, um die „Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord nach England zu geleicen. — Außer dem Kriegsminister Brodrick, Lord Roberts und General Killy-Kenny werden Lord Lonsdale und gegen 20 britische Offiziere den Kaisermanövern in Deutschland beiwohnen.
— Ter Leiter des deutschen archäologischen Jnstttuts in Athen, Professor W. Törpfeld, ber gestern beim Kaiser zur Tafel geladen war, hat dem Kaiserpaar ein demnächst erscheinendes größeres Werk über die Ausgrabungen in Troja vorgelegt, dessen Widmung der Kaiser angenommen hat, wie ber Monarch auch zu den letzten Grabungen in der Burg des Priamos die Geldmittel selbst bewilligt hatte .
— Aus Glogau wird gemeldet, daß von der Berliner Staatsanwaltschaft gegen den Grafen Pückler-Klein- Tschirne en Verfaihren wegen Aufreizung zu Ge- waltthätigkeiten eingeleitet worden ist. Diese wird in. der Rede des Grafen über den angeblich in der Schweiz gegen ihn verübten Vergiftungsversuch gefunden. Ebenso hat die Staatsanwaltschaft gegen den Grafen PÜck- ler Anklage wegen Beleidigung des Geh. Sanitätsrats Tr. Neumann in Glogau erhoben.
— Ter Landesökonomierar v. Mendel-Stein- fels, Mitglied des prenß. Abgeordnetenhauses, ist auf einer Reise in Bayern gestorben. Tie Nachricht kommt überraschend, da Herr v. Mendel-Steinfels noch vor Monatsfrist auf einer Versammlung ber landwirtschaftlichen Genossenschaften in Kiel sehr rüstig auftrat. Ter Verstorbene war ein streilbarer Vorkämpfer des Agrariertums, ber über eine eindringende Kenntnis der Landwirtschaft verfügte; so hat er längere Zeit in Nordamerika gelebt und die landwirtschaftlichen Verhältnisse der Vereinigten Staaten gründlich studiert. Nach seinen Studienjahren wurde v. Mendel zunächst Generalsekretär der Landwirtschasts- gesellschafi in Oldenburg, bann kam er 1887 nach Halle, wo er als Generalsekretär bes landwirtschaftlichen Zentral- verbandes, Direktor der landwirtschaftlichen Genossenschaft


