Ausgabe 
27.5.1902 Zweites Blatt
 
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Marrn ermitteln, dessen Berhastnnb unabweislich fei DerTemps" meldet aus Lille, rote verlautet, habe die Staatsanwaltschaft infolge der Enthüllungen über die Humbertaffaire 'neuerdings die strafgerichtliche Unter­suchung über die 1899 erfolgte Ermordung des Fa­brikanten Schotsmans eingeleitet, der einer der Hauptgläubiger der Frau Humbert war und im Eisenbahn­wagen von bisher unaufgedeckt gebliebenen Verbrechern ermordet wurde.

Ein Universitätsrektor von einem Stu­denten gefordert! Aus Lemberg wird gemeldet: Drei Studenten, welche nach dem Erlaße des Versammlungsoer- botes eine vertrauliche Besprechung cmbcrufen harten, wurden von der hiesigen Hochschule relegiert. Wie ,Nonn Wjck" meldet, hat einer der Relegierten den Rektor Zilewski zum Duell gefordert, da er sich durch ihn persönlich be- teibigt fühlte.

Universttäts Nachrichten.

Berlin, 26. Mai. Ter Senior der Berliner theologischen Fakultät, Wirkt.Konsistorialrat Bernhard Weiß, begeht heute das oOjährigeLicentiatenjubiläum. Ter Kultusminister überreichte ihm im Auftrag des Kaisers die Brillanten zum Roten Sldlerorden 2. Kl. und feierte seine Thäligkeü in längerer Ansprache. Die Universität Königsberg sandte eine künstlerisch ausgcsührtc Adresse. Namens der Berliner Universität sprach der Rektor die Glückwünsche aus, namens der theologischen Fakultät überreichte der Dekan, Graf Baudissüi, eine Adresse.

Sport.

Hundeausstellung. Die große Hundeausstellung des Vereins zur Züchtung reiner Hunderassen in der Landwirtschaft!. Halle in Frankfurt hatte im Laufe des Sonntags und Montags Tausende von Besuchern. Reges Interesse fanden besonders die Vorführungen der Meuten. Bei der P r e i s v e r t e i l u n g erhielten u. a. erste Preise: Mettenheimer-Vilbel, Fr. Schreiner-Gießen, Hch. Jentzen-Gießen. Heute und morgen ist das Preis- schliefen auf dem Schliefplatz, Eschenheimer Landstraße 289, heute außerdem eine Vorführung der Kriegs- und Sanrtätshunde, die dort ein 5 Klm. großes Gelände abzusuchen haben und danach ausgezeichnet werden.

Handel und Verkehr. UMülvirtschast.

Anleihe der Stadt Offenbach a. M. Die Stadt Offen­bach giebt eine Anleihe von 6 Millionen Mk. zu 3'/, Proz. aus. Aus dem Prospekt ist zu ersehen, daß die Stadt stark verschuldet ist. Ihre Schuldenlast beträgt 18.9 Millionen Mk., während ihr Vermögen nur mit 18.2 Millionen angegeben ist. Ter preußische Fmanzminister hat jüngst den preußischen Städten eine Warnung zugeheir lassen, nicht zu viel Schulden zil machen; das dürste sich auch für eine Reihe anderer deutscher Städte empfehlen.

3proz. Sächsische Reute vom Jahre 1900. Der Schluß unserer gestrigen, diese Anleihe betreffenden Notiz ist so aufzufassen, daß für den diesigen Platz eine ofsizielle Zeichenstelle nur bei dem Bankhause Aron Heichelheim errichtet ist.

3proz. Sächsische Rente. Am 28. ds. Mts. werden Mk. 50 Millionen 3proz. Sächsische Rente zum Kurse von 90.60 zur Subskription gestellt. Ter Kurs ist, wie wir schon srüher bemerkten, ein recht hoher und deshalb hat sich auch ein Konsortium gebildet, um die Anleihe unterzubringen. Um die Unterbringung zu er­leichtern, hat sich auch die sächsische Regierung verpflichtet, bis Ende ds. Js. weitere 3proz. Rentenbeträge ohne Zustimmung des Kon­sortiums nicht auszugeben.

Bayerische Bank. Dieses Institut, das im Jahre 1898 mit 12 Millionen Mk. Grundkapital, ivovon 6 Millionen Alk. ein­bezahlt sind, gegründet wurde, befindet sich in Schwierigkeiten. Schon seit einiger Zeit ist bekannt, daß eine Dividende für das abgelaufene Jahr nicht verteilt iverden kann, und nun wurde der ,F. Z." mitgeteilt, daß das Institut zu Sanierungsvorschlägen ge­zwungen sei. Tie Bank hat dies zwar berichtigen lassen, aber ihre Lage soll thatsächlich eine sehr prekäre sein.

Stahlgutz-Bcrbaud. In der in Düsseldorf stattgehabten Kommijsionssitzung zur Blldung eines Stahlgiißverbandes wurde festgestellt, daß die Vorarbeiten zur Gründung eines solchen Ver­bandes soiveit gefördert sind, daß denuiächsl eine Generalversamm­lung einberufen werden fall, in der die Bildung des Verbandes bewerkstelligt iverden wird.

Bom Minenmarkt. Mit dem April-Ausweis der Transvaal- Goldminen schließt Die erste Periode von 12 Monaten der Produk­tion seit der britischen Okkupation der früheren Republik. Wie die statistische Zusammenstellung zeigt, hat mit der allmählichen Wieder- erschließung der Pochwerke auch die Ausbeute der Gruben von Atonal zu Monat zugenommen, von 74.78 Ozs. Feingold im Mai des Vorjahres bis auf 104.127 Ozs. im März d. Js. und 119.588 Ozs. im verflossenen Atonale. Tie Gesamlproduktion seit der An­nektierung des Landes beläuft sich auf 614.452 Ozs. im Werte von mehr als 2* 2 Millionen Pfund.

Jura Simplonbahn. Am 7. Juni wird der Verwaltungsrat zusammentrelen, um sich über die Rückkaufsofferte schlüssig zu machen. Tas Komitee zur Wahrung der Rechte der Genußschein­besitzer erklärt die vom Bundesrat angebotenen 12 Fr. pro Schein für ein Almosen.

Märkte.

Gießen, 27. Mai. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Psd. 0M0,95 All., Hühnereier 2 Stck. 1L12 Pfq., Gänsceier 1012 Pfg., Enteneier 60 Pf., Käse vr. Stück 57 Pf., Käsematte 2 Stck.0OPfg., Erbsen pr. Liter 19 Pfg., Linsen per Liter 32 Psg., Tauben pr. Paar 0,801,20 Mk., Hühner pr. Stuck 1,001,50 Mk., Sahnen pr. Stück 1,201,80 Mk., Enten pr. Stück 2,402,60 Mk., Gänse pr. Psd. 0000 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 6676 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6064 Pfg., Schweine- fleisch pr. Pstmd 7080 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Psg., Kalbfleisch pr. Psd. 6670 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5070 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kar. 2,803,20 All., Weißkraut per Stück 0000 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 7,508,50 All., Aiilch per Liter 18 Psg. Aepsel per Pfd. 000 Pfg., in Körben 0000 Psg. Trauben 0000 Pfg.

Tauer der Marktzeit von morgens 7 Uhr bis nachmittags 1 Uhr, während der ersten drei Stunden der Marktzeil darf nur auf den bestimmten Verkaussplätzen und nicht im Umherzichen feilgeboten werden.

Kirchliche Nachrichten.'

Katholische Gemeinde.

Mittwoch den 28. Mai.

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht.

Donnerstag, den 29. Mai,

F r o h n l e i ch n a m s f e st.

Vormittags von 61/, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.

, um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor uird in derselben Austeilung der heil. Kom­munion.

u 8 Uhr: Die zwecke heil. Messe. Militärgottesdienst mit Predigt.

9«/| Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 2'/, Uhr: Fest-Andacht.

Freitag abend um 6'/, Uhr ist Mai-Andacht.

Nene>te Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 27. Mai. Der Kultusminister ordnete das Disziplinarverfahren gegen den Kieler Univer­sitätsprofessor Lehmann-Hohenberg wegen schwerer öffentlicher Beleidigung des Kul­tusministers, des I u st iz m i n i st e r s und der deut­schen Juristen durch ein offenes Schreiben an den Reichs­kanzler in Sachen des erblindeten Hauptmanns Luthmcr an. Der Verwaltungsrat der Deutschen Kolonialgesell­schaft für Südwestafrika wählte den seitherigen Gouverneur von Neu-Guinea, v. Bennigsen, einstimmig in den Vor­stand ab 1. August.

Köln, 27. Mai. Unter großartiger Beteiligung von geistlichen und weltlichen Würdenträgern erfolgte heute morgen acht Uhr die kirchliche Einsegnung der Leiche des Erzbischofs Dr. Sim ar. Hierauf bewegte sich der Zug, an dem auch viele einheimische Korporationen mit ihren Fahnen und Standarten teilnahmen, zum Dom. Tas Domkapitel wählte den Generalvikar Dr. Kreuzwald zum Verweser des Erzbistums.

Bremen, 27. Mai. Großkaufmann Schütte schenkte dem Staate ein Landgut für ein Kindergencsungsheim, wozu der Kaufmann Walte dem Senate 300 000 Mark ver­machte.

London, 27. Mai.Daily Mail" berichtet aus Ottawa: Ernste Unruhen drohen in Canada während der Krönung König Eduards auszubrechen. Ter bedeutende .Indianer-Stamm Jroquois droht, den Krieg gegen die Weißen zu erklären wegen der Haltung der kanadisch- englischen Regierung, welche sich, geweigert hat, den In­dianern ihre Rechte zu wahren. Seit längerer Zeit haben sich die Indianer gegen das Auftreten der weißen Be­völkerung in ihren Territorien beklagt, ohne jedoch Genug-- thuung seitens der kanadischen Regierung zu erhalten. Der Häuptling der Eingeborenen war sogar nach England ge­reist, um dort vorstellig zu werden, wurde aber abge­wiesen. Seit seiner Rückkehr predigt er den Krieg gegen die Weißen, weil die Indianer sich ihre Rechte nicht nehmen lassen dürften. Aus Kingston wird gemeldet: Die Passa­giere des Dampfers Matiana berichten, daß Die Regierung der Insel Trinidad beschlossen hat, die Ansiedelung der aus Martinique geflüchteten Einwohner in Ouruma-Land unter sehr günstigen Bedingungen zu gestatten. Tie englische Verlustliste der vergangenen Woche be-- zisfert sich auf zwei Tote, 10 Verwundete und 25 an Krank­heit Verstorbene.

Brüssel, 27. Mai. Nach den endgiltigen Wahl­ergebnissen besteht die neue Kammer aus 96 Katho­liken, 34 Liberalen, 34 Sozialisten und zwei christlichen Demokraten. Die katholische Regierungsmehrheit beträgt

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26 gegen bisher 20. Ter Senat bestehl aus 62 Katholiken, 41 fortschrittlichen Liberalen und 6 Sozialisten. Re­gierungsmehrheit beträgt 15 gegen bisher 14.

Paris, 27.Mai. Die Regierung wird beim Zusammen­tritt der Kammer einen Kredit von fünf Millionen; Francs für Martinique beantragen.

Wien, 27. Mai. In der Ortschaft Pyhra in Nieder Oesterreich schlug der Blitz in eine Kapelle ein, in de» ich gerade eine große Anzahl Andächtiger befand. Neun Personen wurden mehr oder minder schwer verletzt.

Eorsu, 27. Mai. Hier wurde gestern nachmittag ein heftiger Erdstoß verspürt, der von 9iorb nach Süd, verlief.

New York, 27. Mai. Als Gegengabe für die Statue Friedrichs des Großen will man in den Vereinigten Staaten dem Kaiser eine Statue George Washingtons verehren. Hier hat sich ein Ausschrußs hervorragender Geschäftsleute gebildet, um dies in die Wege zu leiten. Offiziell wird man dem Plane erst naher treten, sobald Nachricht aus Berlin eingetroffen ist, daß die Gabe genehm ist. Tie entwendeten Photographien der kaiseri licheit Schenkungen zum germanischen Museum der lini* oersität Harvard sind wieder aufgetaucht. Es lag nur ein Studenten-Ulk vor.

Pretoria, 26. Mai. (Reuter-Meldung.) In Betreff der Friedensverh an dl un gen hegt man in Süd­afrika vorwiegend hoffnungsvolle Ansichten und es muß gesagt werden, daß diese Ansichteti eine solide Grundlage haben. Tie Verlängerung der Konferenz ist nicht notwendigerweise ein hoffnungsvolles Zeick>en. Wenn auch die Delegierten die Hoffnung ausgegeben haben, die Unabhängigkeit der Republiken zu wahren, so giebt es doch noch mancherlei andere Punkte, über die eine Eini­gung noch nicht erzielt ist. Es besteht immer noch eine hartnäckige Minderheit, die thatsächlich die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten für den besten Ausweg aus der gegen­wärtigen Lage ansieht. Jeden Augenblick können die noch nicht erledigten Streitpunkte zu einem Abbruch der Ver­handlungen führen, und es ist höchst unwahrscheinlich, daß diejenigen, welche für den Frieden sind, den Kampf auf­geben, solange die hinreichende Minderheit den Kampf fort» zufetzeu wünscht. Alle diese Punkte sind in Betracht zu ziehen, ehe man zu einem Urteil über den eventuellem Ausgang der Verhandlungen gelangen kann.

TelegsEhoneschea* Kursbericht.

.Frankfurt a. II.t 27. Mai 1902.

3*/2% Reichsanleihe . . 101.95 3% do. ... 91.80

3i/,o/o Konsole .... 101.70

S% do. .... 91.60 3*/s°/o Hessen . . . . 99.75 31/1% Oberhessen . . . 99.25 456 Oesterr. Goldretne . . 102.90 4'l2% Oesterr. Silberrente 101.80 456 Ungar. Goldrente . . 101.70 40/j Italien. Rente . . . 102.00 4'2% Portugiesen . . . 44.90 jO/" Portugiesen 28.85 1% C. Türken .... 25.70 Türkenlose 112.00

4% Oriech. Monopol.-Anl. 44.00 4*/. % äussere Argentiner

3u/o Mexikaner .... 25.60 4>/z / Chinesen .... 89.95 Electric. ScLuckert ... 106.50 Nordd. Lloyd .... 110.50 Kreditaktien .... 216.10 Diskonto-Kommandit. . . 186.1(1 Darmstädter Bank . . . 138.09 Dresdener Bank .... 145.60 Berliner Handelsgos. . . 154.90 Oesterr. Staatebahn . . . 148.50 Lombarden .... 13.40 Üottbardbahn 168.75 Laurahütte ..... 201.00 Bochum ...... 195.40 Harpener ..... 174L0

Tendenz: fest.

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