Ausgabe 
26.5.1902 Zweites Blatt
 
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deut Santo ei verabschiedete sich alsdann von dein Gefpltze! des Königs und begab sich, begleitet von dem König, dem Kronprinzen und den Prinzen, unter den Hochrufen der Menge mittels Dampsschaluppe an Bord des Kreuzers Cassini"'. .Hierauf verabschiedete sich der Präsident von dem König, worauf kurz nach 4 Uhr derCassini" unter den Salutschüssen der Forts und der Kriegsschiffe nord­wärts in See ging.

Um in Petersburg ein gutes Andenken zu hinterlassen, spendete Loubet dort für Wohlthätigkettszwecke 100 000 Fr. Kurios ist die Meldung aus Petersburg, daß bei der Ab­fahrt des französischen Geschwaders gegen fünfzig ftan- zöfische Matrosen fehlten, welche von ihren russischen Freunden offenbar verschleppt worden waren.__________

Vom südafrikanischen Kriege.

Die LondonerPall Mall Gazette" erfährt nach einer Depesche vom 24. ds. Mts.: Vor Ende der nächsten Woche dürfte alles Wesentliche über den Frieden geregelt sein. Die gestern dem Kabinetsrat vorliegende Depesche machte eine Rückfrage über verschiedene Punkte nötig; die Antwort hierauf von Südafrika sei nötig, ehe vom Käbinet eine formelle Depesche geschickt werden könne. Es handele ftch unter anderem um die Form der Uebergabe und der Waffenauslieferung. Die Antwort werde schwerlich vor Mon­tag erwartet, worauf ein weiterer Kabinetsrat stattftnden werde. Daß man in maßgebenden englischen Kreisen die Einstellung der Femdseligkeiten für wahrscheinlich hält, geht aus der Thatsache hervor, daß in Dover der Befehl vom Hauptquartier des südöstlichen Distrikts eingetroffen ist, die Verschiffung von Remonten für Südafrika bis auf weiteres zu verschieben.

In Balmoral ist ein Teil eines Kommandos eingetroffen, um sich zu ergeben. Londoner Blätter berichten ferner, daß die englischen Truppen das Burenkommando Fouche an­gegriffen haben. Foucho nimmt an der Versammlung in Vereeniging nicht teil und aus diesem Grunde wurde er nicht, wie die anderen Bnrenkommandanten, verschont.

Einem Amsterdamer Handelsblatt zufolge geht aus Er­klärungen eines englischen Offiziers hervor, daß die englischen Berichte über die Zahl der gefangenen Buren unrichtig sind. Unter den Gefangenen, über welche Kitchener wöchentlich be­richtet, befinden sich Frauen und Kinder und diese bilden die Mehrzahl der Gefangenen. Außerdem komme es häufig vor, daß eine englische Kolonne, welcher die Gefangenen zum Weitertransport übergeben werden, wiederum an Kitchener über Gefangene berichtet, sodaß also diese zum zweiten Male in den Berichten figurieren.

Deutsches Keich.

Berlin, 24. Mai. Wegen Verhinderung des Kaisers wurde die Feier der Enthüllung des Denk­mals des Großen Kurfürsten in Fehrbellin, welche am Jahrestage der Schlacht, am 18. Juni, stattfinden sollte, ^is zum 18. Oktober verschoben.

Der vom Kaiser zum Rittmeister ä. la suite des Kürassier-Regiments Graf Geßler ernannte elsässische Reichs­tagsabgeordnete Baron de Schmid hat in der deutschen Armee bisher nicht gedient, feine Ernennung ist daher ein vollständiges Novum. Dagegen hat er der französischen Armee angehört, und zwar teilt er selbst darüber derStraß­burger Post" mit, daß er in Frankreich die Ofsizierslaufbahn eingeschlagen habe und nach drei Jahren als Offizier der Reserve aus dem aktiven Dienst ausgetreten sei. Dieser Aus­tritt erfolgte im Jahre 1883.

Der Präsident des preuß. Oberverwaltungsgerichts Wirkt. Geh. Rat Dr. Snegier ist gestern abend gestorben. (Dr. K. war bekanntlich erst vor kurzem, nach dem Rücktritt des Dr. Persius, in sein neues Amt berufen worden. Er hat durch fein langjähriges Wirken als Direktor im Kultus­ministerium und Chef der preuß. Volksschuloerwaltung nament­lich in liberalen Kreisen viel Anerkennung gefunden und galt als einer der hervorragendsten preußischen Verwaltungs­beamten. D. Red. d. Gieß. Anz.)

Wie dieKreuzztg." mitteilt, beabsichtigt Graf Kanitz im Reichstage den Schifsahrtstrust vermittelst einer Interpellation zur Sprache zu bringen. Es sollen namentlich nähere Mitteilungen über die von deutschen Schiff- fahrtsgefellschasten mit diesem Trust getroffenen Vereinbar­ungen, fo weit angängig, erbeten werden. Die konservative Fraktion wird sich voraussichtlich am 3. Juni über die Ein­bringung der Interpellation schlüssig machen.

München, 25. Mai. Die Prinzessin Alfons ist heute nachmittag von einem Prinzen glücklich entbunden worden.

Ausland.

Brüssel, 26. Mai. Gestern sanden Neuwahlen für die Hälfte der Mitglieder der Repräsentantenkammer und einige neue Sitze in der Kammer und im Senat statt. Aus den bisher bekannten Ergebnissen geht hervor, daß die katholische Majorität der Regierung stärker sein wird. In Brüssel gewinnen die Katholiken für die Kammer einen neuen Sitz. 2er Abbe Daens und ein christlicher Demokrat wurden in Brüssel gelvählt und wahrscheinlich Theodor von der Unabhängigkeitspartei. Tie Sozialisten und Liberalen behalten beide fünf Sitze. In der Provinz gewann die Regierung fast alle^neuen von der Repräsentanlenkammer jüngst geschaffenen L-itze. Tie amt­lichen Ergebnisse werden erst morgen bekannt.

Neapel, 26. Mai. Ter König und die Königin trafen gestern abend hier ein, um sich nach Palermo zur Eröffnung der Ackerbauausstellung zu begeben. Während der Zug am Arsenal anhielt, schleuderte ein Mann Steine gegen den Zug. Der Thäter wurde sofort ver­haftet und verhört. Er heißt Vincenzo Guerriero und ist wegen Diebstahls vorbestraft. Im Augenblick seiner Ver­haftung bereitete die Menge den Majestäten eine stürmische Kundgebung.

Rom, 25. Mai. Ter Schah von Persien bat den Besuch beim P ap st e definitiv auf gegeben, indem er erklärte, er wolle nicht gegenüber dem König von Italien die Pflichten der Gastfreundschaft verletzen. Er ist heute nach Florenz ab gereist.

Petersburg, 25. Mai. Aus Wilna wird gemeldet, daß der Polizeikommissar Kontfchewsky von

einem Arbeiter auf der Straße Überfällen und durch einen Hieb auf den Kopf so schwerverletzt wurde, daß er besinnungslos zu Boden stürzte.

Washington, 25. Mai. Der englische Botschafter Lord Pauncefote ist nach längerer Krankheit ge- torben. In ihm verliert England einen seiner bewähr­testen Tiplomaten.

Washington, 24. Mai. In Gegenwart des Präsi­denten Roosevelt, der französischen Delegierten und deA ranzösischen Botschafters Cambon fand heute vormittag )ie Enthüllung des Denkmals des Marschalls R o ch a m b e a u auf Lafayette Square statt. Auf dem Denk­mals-Platze hatten Mannschaften desGaulois" mit der Musikkapelle sowie amerikanische Land- und Seetruppen Auf- tellung genommen. Die Gräfin Rochambeau vollzog die Enthüllung des Denkmals.

Annapolis, 24. Mai. Beim gestrigen Frühstück an Bord desGaulois" brachte der französische Bot- 'chafter Cambon einen Trinkspruch auf denPräsi­denten der ruhmreichen amerikanischen Repu^ blik" aus; er hoffe, daß die Freundschaft zwischen den beiden Nationen fortbauern werde. In seiner ©r* widerung nahm Präsident Roosevelt Bezug auf die Teil­nahme französischer Soldaten und Seeleute am nordameri­kanischen Bürgerkriege. Frankreich werde deswegen stets den Herzen der Amerikaner teuer sein .

Aus Stadt und Land.

Gießen, 26. Mai 1902.

* Der 1000. Student. Wia machen nochmals darauf aufmerksam, daß mehrere hundert Exemplare der aus Anlaß der Jmmattikulation des 1000. Studenten unserer Samstags­ausgabe beigelegten Festnummer bei Herrn Hausverwalter Stork von uns für die Herren Studierenden niedergelegt worden sind.

* Kunstverein. In der Gemälde-Ausstellung im Turm­haus am Brand wird in dieser Woche wieder ein größerer Wechsel der Gemälde vorgenommen, weshalb die Ausstellung von Mittwoch mittag an drei Tage geschloffen bleibt. Unter den Gemälden, die neu ausgestellt werden, befindet sich auch eine Kollektion von Prof. Ludwig Dettmann-Königsberg, auf die wir die Kunstfreunde in unserer Stadt besonders auf­merksam machen.

* * Fleischverbrauch in Gießen. Welche Fleischmengen im Jahre 1901/02 in Gießen verbraucht wurden, davon kann man sich einen Begriff machen, wenn man die Zahl der Schlachtungen in Gießen und des durch den Oktroi fest- gestellten eingeführten Wlldes und Fleisches kennt: Es wur­den 1901/02 im städtischen Schlachthause geschlachtet 1322 Ochsen gegen 1307 in 1899/1900 und 1341 in 1898/99, 525 Faselochsen und Kühe (431 und 493) 1324 Rinder und Stiere (1149 und 972) 8248 Kälber, Hämmel und Schafe (7732 und 7180) 10 360 Schweine (10 715 und 10069), 5 Spanferkel (19 und 41). In demselben Zeitraum wurden eingeführt 135 407 Kilogramm Fleisch und Wurst (120 988 und 111020 Kilgramm), 197 Kilogramm zerlegtes Wild 223 und 159 Kilogramm), 7 Hirsche (3 und 10), 706 Rehe 534 und 511), 2939 Hasen (3019 und 3334) sowie 1 Wild- chwein (3 und 3). Ueber den Verbrauch von Geflügel fehlt eine Statistik. Aus den Zahlen geht hervor, daß der Ver­brauch von Fleisch in Gießen zugenommen hat.

** Die staatliche Fürsorge für verwahrloste oder in Gefahr der Verwahrlosung stehender Kinder, die in Preußen und anderen deutschen Staaten erst durch das Bürgerliche Gesetz- auch zur vollen Anmendung gebracht wurde, ist im Großh. Hessen schon feit dem Jahre 1887 durch das vortreffliche Gesetz überdie staatlich überwachte Erziehung" in einer Weise geregelt, daß die Rücksicht auf das Bürger!. Gesetzbuch nur geringe Abänderungen nötig machte. Eine der ein­greifendsten und wohlthätigsten Neuerungen ist die Einführung eines Gemeindewaisenrates, dem die Oberaufsicht über die gesamte Fürsorge für alle unter Vormundschaft stehenden Kinder übertragen ist. Ob es sehr glücklich war, daß man die zu ganz andersartigen Aufgaben berufenen Ortsgerichte damit betraute, wird schon jetzt stark bezweifelt. Umsomehr ist die andere Anordnung zu begrüßen, daß zur Unterstützung des Gemeindewaisenrates Damen zu Waisenpflegerinnen bestellt werden sollen. Einem dahin zielenden Wunsch des Gr. Amtsgerichts entsprechend hat der Allgemeine Verein für Armen- und Krankenpflege eine besondere Abteilung für Waisenpflege gebildet, der bereits 20 Damen beigetreten sind, und denen vom Amtsgericht das Amt als Waisenpflegerinnen übertragen wurde. Möchte die neue Einrichtung recht zum Segen unserer Waisen ausschlagen.

Von der Lahn, 25. Mai. Schloß Schaumburg ha für diesen Sommer hohen Besuch zu erwarten. Der Fürst von Waldeck hat es seiner Verwandten, der Königin Wil- helmina von Holland, als Erholungsaufenthalt nach ihrer schweren Krankheit zur Verfügung gestellt. Der Fürst von Waldeck, der sonst schon Ende Mai das Schloß zu besuchen pflegt, wird deshalb in diesem Sommer erst einige Wochen später nach Schaumburg reifen.

o. Wißmar, 25. Mai. Gestern nachmittag erhängte sich hier der Taglöhner Georg Stroh in der Scheune seines Bruders, bei dem er in Kost war. Heute abend kam es in einer Wirtschaft hier zu einer Schlägerei zwischen jungen Burschen, wobei dem Wirt eine große Anzahl Gläser zer­schlagen wurde. Auch am 2. und 3. Psingstfeiertage fanden in einer anderen Wirtschaft hier Schlägereien statt, wobei einige der Rauflustigen erheblich verletzt wurden.

o. Lichenrod, 25. Mai. Dieser Tage wurde ein vier­jähriger, taubstummer Junge, der an einem Kreuzungspunkte die Straße überschreiten wollte, von einem schnell daher kommenden Fuhrwerk überfahren. Von den Pferden nieder- gerissen, kam der Junge zu Fall, sodaß ihm Vorder- und Hinterrad über die Brust gingen. Die alsbald zugezogenen Aerzte stellten glücklicherweise keine ernsten Verletzungen fest. Dieser Vorfall mahnt aufs neue die Eltern, solche unglück­lichen Kinder nicht ohne Aufsicht aus dem Hause zu lassen, andererseits aber kann auch nicht genug vor ein zu raschem Fahren in den engen Dorfstraßen gewarnt werden.

st. Bukbach, 25. Mai. Für das vom 5. bis 7. Juki. l. I. stattfindende Gau turn fest wurde folgendes Programm festgesetzt: Samstagnachmittag werden die ankommenden Gäste begrüßt. Abends findet in der Festhalle auf dem Marktplätze am Wetzlarer Thor Festkommers statt mit Vor­trägen des Männergesangvereins und turnerischen Vor-

Mhrungen. Am Sonntagvormittag werden die roetter em- tressenden Gäste begrüßt. Im Hessischen Hofe wrrd um 10 Uhr eine Sitzung des Kampfgerichts abgehalten. Die Nachmittagsfeierlichketten werden mit einem Feftzuge um 2 Uhr eröffnet, Nach diesem finden Stabübungen und Vereinsturnen statt. Abends wird zunächst die feierliche Preisverteilung vorgenommen, und dann wird ein Fest- )iel:Germaniens Kinder einst und jetzt", aufgeführt von Naben, Turnerinnen und Turnern. Am Montagmorgen 7 Uhr beginnt das Einzelwetturnen. Für den Nachmittag ist zunächst eine Wiederholung des Festzuges vorgesehen Dann wird von etwa 100 Schstlern ein Wettturnen veu anstältet. Ten Siegern werden abends feierlich die Preise überreicht. Tie Musik wird von der ganzen Kapelle unseres (168.) Infanterie-Regiments, unter Leitung des Kapell Meisters Pagel, ausgeführt.

§ Butzbach, 25. Mai. Gelegentlich des heutigen Nach­mittagsgottesdienstes in unserer St. Wendel- oder Hospital- irche wurde der darin befindliche historische und sehenswerte Wendelinschrein geöffnet, was alljährlich einmal, an dem Tage der jetzt nur kirchlich stattfindenden hiesigen Kirchweih­feier geschieht. Mit diesem aus dem Anfang des 16. Jahr­hunderts stammenden Schrank ist folgende Legende verknüpft: Nach dem Begräbniß Wendels, des Abtes des Klosters Tholey, fand man wiederholt die Gruft und den Sarg offen, weshalb Mönche die Gebeine auf einen mit Ochsen bespannten Wagen legten; letztere schlugen den Weg zu der Klause ein, wo St. Wendel fein wunderthätiges Leben als Einsiedler zu­gebracht haben soll. Dieser Sage gab man hier die lokale Färbung, es sei das Fuhrwerk bis nach Butzbach gelangt, wo em Rad gebrochen wäre, woraus die Mönche geschlossen hätten, daß der Heilige hier begraben fein wollte; feine Ge­beine feien deshalb an der Stelle, wo der Wagen hielt, der Erde anvertraut worden. Diese Ueberlieferung sowie Szenen aus Wendels Leben sind an dem Schrein durch Figuren und Malerei geschickt illustriert.

b. Mainz, 25. Mai. Eine hiesige aus fünf Köpfen be­stehende Familie ist gestern nach dem Genuß von Wurst- roaren an Vergiftungssymptomen erkrankt. Die Ur­sache wird auf Wurstgift zurückgeführt. Rasch angewandte ärztliche Hilfe brachte die Familie alsbald außer Gefahr. Dem Dompräbendat Hellmeister ist vom Bischof im Ein­vernehmen mit dem Domkapitel das Amt eines Bischöflichen Zeremoniars am hiesigen Dom übertragen worden. Dom­kapitular Bla nkenberger wurde zum Direktor der Bischöf­lichen Kanzlei ernannt.

Vermischtes.

X Von der vulkanischen Katastrophe. Der interimistische Gouverneur von Martinique L'Huarre, rich­tete an den französischen Kolonialminister einen zusammen- assenden Bericht über die Eruptton des Mont Prlse. In demselben heißt es: Der erste Aschenregen ging am 3. Mai über das Gebiet von Precheur und St. Philomene nieder, deren Bewohner fliehen mußten. Als am 5. Mai Ströme heißen Sehmutzwassers die Fabrik von Janard zerstörten und 30 Personen verschlangen, entstand in St. Pierre große Aufregung, man glaubte jedoch nicht, daß eine Katastrophe unmittelbar bevorstehe. Arn 6. Mai nachts steigerte sich der Sturm. Alle Bäche waren überschwemmt, die Schlamm­massen breiteten sich aus. Nun erfaßte die Bevölkerung: von St. Pierre Entsetzen; sie begann, den Ort zu verlassen. Gesindel plünderte die geräumten Häuser. Die Nacht zum 7. Mai verlief ruhig. Am 8. zwischen 6 und 8 Uhr vormittags brach die schreckliche Katastrophe herein, die die Stadt mit der Bevölkerung vernichtete. Um 8 Uhr trat ein außerordent­liches Emporschnellen des Meeres ein, sowie ein Steinregen und andere Phänome. Der Bericht schildert dieselben aus- ührlich und beziffert die Zahl der Umgekommenen auf 30 0 00. L'Huerre rühmt die von verschiedenen Setten gebrachte aufopfernde Hülfeleistung, sowie die zur Ver­proviantierung der Kolonie und Pflege der Verwundeten und Ueberlebenden getroffenen Maßnahmen. Wie aus Fort de France depeschiert wird, wurde durch einen neuerdings tarfen Schlammauswurs des Vulkans der bisher unversehrt jebUebene Teil von Basse Pointe vernichtet. Am Abhange des Vulkans sind neue Risse entstanden. Die in Paris veranstaltete Subskription für die Opfer der Katastrophe aus Martinique hat bereits die Summe von 1296 131 Frcs. ergeben. Dabei sind 250 000 Frcs. des Zaren nicht einbe­griffen. Nach einem Kabeltelegramm beträgt die Zahl der Flüchtlinge in Fort de France 7000, von denen aber nicht fünfzig leidlich untergebracht sind. Lebensrnittel sind in genügendem Maße vorhanden. Heute liegen übrigens auch Nachrichten über ein Erdbeben in Ungarn vor. In Temesvar wurden an den Signalapparaten der meteoro­logischen Station sieben Erdstöße in südlicher Richtung kon­statiert, ö'.enen ein kurzer, überaus heftiger Sturmwind vorangegangen war.

* Ein böser Scherz. Man schreibt aus Newport: Tie hiesigen Zeitungen melden übereinstimmend über ein fast unglaublich klingendes Vorkommnis in dem benach^- barten Aonkcrs, woselbst über den ernsten Aus gang eines Faschingsscherzes nicht geringe Bestürzung herrschen soll. Aus dem letzten Purimballe in Mc. Cann's Halle machte ein Spaßvogel den Vorschlag, daß icber Herr eine Dame wählen und sich aus Scherz mit ihr trauen lassen solle. Man ging in lustigster Stimmung aus diesen scherz ein, und ein angeblich als Rabbiner verkleidetesKomtteemitglied traute nicht weniger als hundert Paare, wobei alle Cere- monien strenge eingehakten wurden, und es auch nicht an dem Ringe sehlte, den der Bräutigam der Braut an den Finger steckte. Einige Tage später informierte ein New- yorker Rabbiner einige der jungen Leute, daß diese Her-, raten nach dem jüdischen Ritus vollste Giltigkeit hätten^ da der Mann, ber die Trauungen vorgenommen habe, thatsächlich ein Rabbiner gewesen fei und die Leute nicht allein Gebrauch von den Ringen gemacht hätten, sondern auch die Ehegelöbnisse nachgesprochen hätten. Fünfund­zwanzig der beteiligten Paare wollen sich mit dem Resultttt zufrieden igieben und die im Scherze geschlossene Ehe im Ernste weitersühren, aber dreiviertel der Betroffenen, na­mentlich die Männer, wollen sich nunmehr an die Gerichte wenden und die Ehen für ungiftig erklären lassen. Besonn ders verwickelt erscheint die Geschichte dadurch, daß einige der auf solche Weise Zusammen gekommenen bereits ver-, heiratet sind ob man dieselben wohl wegen Bigamie zur Verantwortung ziehen kann?!

* Eine echte Str adiv arig eig e wird aus einer am 3. Juni in Germersheim stattsindendeu Konkurs- Versteigerung zum Ausruf kommen. Von dem bekannten Konzertmeister Kalliwoda für 900 Mk. gekauft, wurden für das Instrument vor einiger Zeit 18000 Mk. geboten; heute