Nr. ISO
•rffteint täglich außer Sonntags.
Dem Dteßener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siegener FamUiew blätter viermal in der Woche beigelegt.
-Rotationsdruck u. Verlag der Brühl 'scheu Untverf^Buch- u.8teü»e druckerei (Preis ch Erdenk Redaktion, Erpedition und Druckerei:
Schnlstratze 7.
Adresse für Depesche«: Anzeiger Gieße«.
Kernsprechanschluß Nr. 51.
Montag 36. Mai 1902
ISS. Jahrgang
Erstes Matt
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger v **
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
vezugSpret-r monathcb 7bPs., mertel« jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Hwergstellen monallich 6o Pf.; durch die Post Alk. 2.— viertel- sährl. auSschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« sür die Tageonummer bis vormitlags 10 Uhr. ßeUenpreifi: lokal 12$U auswärts 20 Psg.
Derani lvortlich: sür den poltt. u. aUgem. Teil: P. Wtltko: für „Stadt und Vanb* und ,(3end)lSjoal*:9LDttt» mann; sur den Anzeigenteil: Hanö Beck.
Der Stadtvorstand von Nidda beabsichtigt, mit dem am 1. September dS. IS. stattftndenden Herbstmarkte eine Verlosung von Vieh, landwirtschaftlichen Geräten und sonstigen Gebrauchsgegenständen zu verbinden, um die Mittel zur Prämierung zu gewinnen.
Großh. Ministerium hat die nachgesuchte Erlaubnis zur Veranstaltung dieser Verlosung unter der Bedingung erteilt, daß nicht mehr als 8000 Lose zu 0,50 Mk. das Stück ausgegeben werden dürfen und mindestens 60 pEt. des Brutto- erläses aus dem Verkaufe der Lose zum Ankauf von Gewinn- gegenständen zu verwenden sind.
Zugleich ist der Vertrieb der Lose in der Provinz Ober- heffen gestattet worden.
Gießen, den 24. Mai 1902.
Großherzogliches Kreisamt Gießen- I. V.: Dr. Wagner.
Bekanntmachung.
Der Oberhessische Bienenzüchteroerem beabsichtigt, mit seiner am 13., 14. und 15. September ds. Js. zu Lauterbach stattftndenden 42. Wanderversammlung eine Verlosung von Bienenvölkern, Bienenprodukten und Bienenzuchtgeräten zu verbinden.
Großh. Ministerium hat die nachgesuchte Erlaubnis zur Veranstaltung dieser Verlosung unter der Bedingung erteilt, daß nicht mehr als 5000 Lose zu 50 Pfg. das Stück ausgegeben werden dürfen und inindestens 60 pCt. des Bruttoerlöses aus dem Verkaufe der Lose zum Ankauf von Gewinn- gegenständen zu verwenden sind.
Zugleich ist der Vertrieb der Lose in der Provinz Oberhessen gestattet worden.
Gießen, den 24. Mai 1902.
Großherzogliches Kreisarnt Gießen- I. V.: Dr. Wagner.
Politische Wochenschau.
„Wer kennt die Völker, nennt die Nomen" . . . fast möchte man"s ausrufen angesichts der Hochflut von Ko n- g r e s s e n uird Versammlungen, die diesmal zur ,Pfingstzeit über Deutschland hereingebrochen ist. Da? tagen: Die Deutsche Kolonialgesellschast in Halle a. S., der Evangelisch-soziale Kongreß in Dortmund, der Verband deutscher Gewerbcschulmänner in Karlsruhe, die deutsche Lehrerversammlung in Chemnitz, der Landesverband preußischer Volksschullehrerinnen in Halle a. S., die deutschen Neu- phttologen in Breslau, der deutsche Gymuasialverein in Bonn, der Allgemeine deutsche Schulverein zur Erhaltung des Deutschtums im Auslande in Stuttgart, der Kongreß für Schulgesundheitspflege in Weimar, der deutsche Bergarbeiterverband in Essen a. R., der Jitternationale Berg- arbeiterkongreß in Düsseldorf, der Verband deutscher Gewerbegerichte in Mainz, der Kongreß deutscher Steinarbeiter in Leipzig, der Gewerkverein der deutschen Maschinenbauarbeiter in Berlin, der Verein der deutschen Chemiker in Düsseldorf, der Bergbauliche Verein in Essen a. R., der Zoologenkongreß in Gießen und die deutsche Burschenschaft zur Einweihung ihres machtvollen Germanentempels der Erinnerung in Eisenach. Fürwahr eine bunte Reihe, in der Ideales und Reales, das Soziale, Historische, Nationale, Ethische und Pädagogische gleichermaßen zur Geltung kommt.
Tic Verhandlungen des Bergbaulichen Vereins wurden durch eine ministerielle Rede gewürzt. Preußens Handels- Minister Möller gedachte des halbvergessenen Mittel- lano kanal-Projektes. Die Macht der Verhältnisse, so prophezette der Minister, werde sich schließlich stärker erweisen, als die O P P o s i t i o n. Aber diese Macht komme nicht zur Geltung, wenn nicht die beteiligten Kreise sich in der nötigen Weise Geltung verschafften. Dazu bemerkt die agrarrsche „Dtsch Tgsztg.": „Was ist denn nun
eigentlich die Macht der Verhältnisse?" Im übrigen alauben wir nicht, daß die regste Agitation der bergbaulichen Interessenten die Kanalvorlagc zu neuem Leben erwecken wird, wenigstens nicht, solange das preußische Abgeordnetenhaus die gegenwärtige Zusammensetzung aufweist. Wie wäre es mit der Parole „Mittellandkanal" für die Neuwahl zum preußischen Parlament?
Von außerordenttichem Interesse für Universitäts- kreise ist die dieser Tage vor dem Berliner Landgericht verhandelte Frage, wieweit Veröffentlichungen aus akademisch enVorträgen statthaft sind. Wie wir mitteilten, hat der bekannte Berliner Nationalökoiwm Prof. Dr. Sch m o ller gegen einen Studenten, der einigt charak- teristtsche Aeußerungen Schmollers über den Zolltarif zu einem Zeitungsartikel verarbeitet und derart veröffentlicht, Strafantrag wegen Verletzung des Urheberrecht-Gesetzes gestellt, und zwar im EinveV- ständnisse mit den Universitätsbehörden, um die Frage des Schutzes der akademischen Freiheit einmal grundsätzlich zur Entscheidung zu bringen. Das Gericht hielt einen groben Verstoß gegen die akademische Sitte und Ordnung für vorliegend und ahndete ihn mit der Verurteilung zu *200 Mk. Geldstrafe oder 40 Tagen Gefängnis. Außerdem hat der Student, der energisch bestreitet, von ehrloser ooer gewinnsüchtiger Absicht geleitet gewesen zu sein, eine disziplinarische Bestrafung seitens der akademischen Behörden zu gewärtigen. Er hat übrigens seinen Verteidiger mit der Anmeldung der Revision gegen das Urteil beauftragt. — Soweit die Berliner Presse sich mit der Angelegenheit beschäftigt, steht sie nicht auf der Seite Schmollers. Auch die freisinnige ,^Zoss. Ztg." legt Verwahrung dagegen ein, daß die Vorträge eines Professors als Beichtgeheimnis behandelt werden. Weder Fichte noch du Bois-Reymond hätten sich dagegen gesträubt, daß ihre Vorlesungen Anlaß gaben zu öffentlichen Erörterungen.
Auf dem Gebiete der Auslandspolitik brachte die verflossene Woche den Attentatsversuch gegen den jungen Königvon Spanien, der zur Entdeckung einer Anarchistenverschwörung führte. Ein böses Vorzeichen am Krönungstage! Erfolgreicher waren die Mordgesellen leider wieder in Rußland, wo die Revolverkugel eines polttischen Verbrechers den General gouvern.eur von Wilna traf.
Währenddessen klangen in Petersburg die Champagnerkelche Nikolaus II. und Präsident Loubets aneinander, trank man auf die Größe der verbündeten Staaten, auf die beiden tapferen Heere und ruhmvollen Kriegsflotten. Mehr konnte von den Petersburger Tagen auch nicht erwartet werden. Das für die politische Welt Wesentliche aber war die Versicherung des Zaren, daß der Zweibund in der Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens seine Bestimmung hat, nrit anderen Worten, daß starke Rüstungen eine Gewähr bieten für die Fortdauer des Friedens. Einem ähnlicher! Gedanken gab fast zur selben Stunde Kaiser Wilhelm in Lothringen Ausdruck, indem er Deutschland als einen felsenfesten Hort des Friedens bezeichnete, eines Friedens selbstverständlich nur, der bedingt ist durch die dauernde Zugehörigkeit Elsaß-Loth- ringens zum Reich. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint die Rede Kaiser Wilhelms in Kürzel als ein besonders bemerkenswertes Gegenstück zu den Trinksprüchen in Petersburg. Der deutsche Kaiser jprach in diesem Zusammenhänge nicht von Elsaß-Lothringen, aber er sprach auf reichsländischem Boden; der Zar that Elsaß-Lothringens auch nicht Erwähnung, aber er ließ keinen Zweifel, daß er für die Pläne der französischen Chauvinisten niemals zu haben sein werde. Präsident Loubet schwimmt nun wieder der Heimat zu, aber schwerlich leichten Herzens. Seiner wartet ein gerüttelt Maß politischer Sorgen; gilt es doch, einen neuen Ministerpräsidenten ausfindig zu machen, ein Experiment, bei dem der innere Friede in Frankreich leicht in die Brüche gehen kann.
Vernehmlich klingt nunmehr auch die langersehnte Friedensmelodie von der Themse aus in die Welt. Die leitenden Staatsmänner Altenglands zieren sich zwar noch ein Weilchen, aber es hat wohl im Ernst kein
brttischer Minister den Mut, das mühsam geförderte Frie- denswerk in zwölfter Stunde durchkreuzen zu wollen. Wir glauben nicht fehl zu geben in der Annahme, daß vor allen König Eduard aus eine endliche Verständigung mit den Bärenführern hingedräugt hat. Gewiß, England ist ein parlamentarisch regiertes Land, Ministerium und Volksvertretung haben zu entscheiden — doch der König weiß sich in dem Wunsche, bie Feindseligketten baldigst zum Abschluß zu bringen, mit der gesamten gesitteten Welt eins, und die- Autorität dieses Faktors dürfte selbst Herr Chamberlain nicht leugnen wollen oder können. Es wird ohnehin jahrzehntelanger Arbeit bedürfen, um das wieder aufzurichten, was durch diesen unseligen törieg niedergebrochen ist.
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Krzbtschof Ar. Simar f.
Ein Telegramm unseres Samstagblattes meldete das Ableben des Erzbischofs von Köln, Dr. Hubertus Simar. Ter Verstorbene hat ein Alter von 67 Jahren erreicht; er wurde 1837 als Sohn des Kaufmanns Simar in Eupen geboren und war der Jüngste von acht Geschwistern. Nmhdem er in Türen das Gymnasium besucht und das Abituriertten- exainen bestanden, widmete er sich vom Herbst 1853 ab, in Bonn dem Studium der Philosophie und Theologie. Ostern 1858 trat er dann in das erzbischöfliche Pricstersemirurv ein Turch den verstorbenen Weihbischof Tr. Baudri empfing er 1859 die Priesterweihe. Bereits 1858 war er in Münster zum Lieeneiaten der Theologie promoviert. Als Kaplan nrurbe er zuerst an die Stiftskirche nach Bonn berufen. Zu Ostern 1860 übernahm er auf Anordnung der erzbischöflichen Behörde eine Repetentenstelle im theologischen Konvikt zu Bonn. Ende 1864 wurde er außerordentlicher Professor für systematische Theologie. 1867 hatte ihm die theologische Fakultät zu Münster hoiwris causa den thologischen Toktortitel verliehen. In dieser Zeit gab ec em Lehrbuch, der katholischen Moraltheologie heraus. In der stürmischen Zeit, welche die Verkündigung des Unfehlbarkeitsdogmas zur Folge hatte, entstanden auch für ihn unerquickliche Verhältnisse durch Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und vielen seiner Freunde und Amtsgenossen. Dadurch erwachte in ihm der Wunsch nach einer freien Wirksamkeit. Er wurde 1880 zur ordentlichen Professur dep Dogmatik und Apologetik an der theologischen Fakultät der rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universitüt ernannt.
Nach 30jähriger Universitätsthätigkeit wurde er zum Bischof von Paderborn gewählt und am 19. Februar 1900 zog Tr. Simar als Erzbischof in Köln ein. Sein Einzug gestaltete sich zu einer ra.usdrucksvollen Kundgebung der katholischen Bevölkerung Kölns und der Rhein lande. War er doch der erste Erzbischof von Köln, der in der Erzdiözese geboren war. Als ihn Oberbürgermeister Becker bei seinem Einzuge in Köln willkommen hieß, erwiderte Erzbischof T-r. Simar il a.: „Mögen die wechselseitigen Beziehungen zwischen der weltlichen und kirchlichen Macht stets so freundliche und vertrauensvolle sein, wie es die glückliche Lösung hoher Aufgaben, besonders auf dem Gebiete des Unterrichts, der Erziehung und der Charitas erheischt. Ich gebe mich der Hoffnung Yin, dem konfessionellen und sozialen Frieden starken Schütz zu bringen." Tiefem Gelöbnisse ist der Heimgegangene Oberhirt mit voller Pflichterfüllung gerecht geworden und hat sich in der ver- yältnismaßig kurzen Zeit seines dortigen Wirkens die Hoch^> achtung und Wertschätzung nicht nur der katholischen Bevölkerung, sondern auch bei den Mitgliedern der anderen Glaubensbekenntnisse zu erringen gewußt. Aber auch Kränkungen blieben ihm nicht erspart; als unlängst die Polen im Bergrevier die katholische Kirche als Vorspann für ihre politischen Zwecke benutzen wollten und dabei die Person des Heimgegangenen Erzbischofs in die Angelegenheit hineinzogen, fanden sie durch diesen eine Zurechtweisung, die aus nationalen Gründen notwendig war. Er war allem äußeren Pomp abhold und gab dies öffentlich lund; er war ein echt deutscher Mann von vornehmer Gesinnung.
Der Kaiser telegraphierte aus Uroille: Die Meldnna von dem Hinsch^eiden des Erzbischofs Dr. Simar hat mich
Kessische Bereinigung für Volkskunde.
(Originalbericht des „Gieß. Anz.")
fc. F r a n k f u r t a. M., 25. Mai.
In der „Rosenau" hier hielt gestern nachmittag die „Hessische Bereinigung für Volkskunde" unter dem Vorsitz des Provinzialdirektors Geheimrats v. Bechtold-Gießen ihre konstttuierende Versammlung ab. Sie bestand früher als Sektion des Ob er hessischen Geschichtsvereins. Als solche hat sie sich aufgelöst, um einen selbständigen Verein zu gründen. Nach den Satzungen, die einstimmig gutgeheißen wurden, ist es Aufgabe des Vereins, die volkskundlichen Ueb er Heferungen in Hessen aus Gegenwart und Vergangenheit zu sammeln und zu bearbeiten, um daraus ein Bild des hessischen Volkslebens zu gewinnen. Die Förderung der volkskundlichen Forschung nach jeder Richtung ist Zweck und Ziel des Vereins. Das Verständnis dafür will er in weitere Kreise tragen. Umfragen und Versendung von Fragebogen sollen zur Aufzeichnung der mundartlichen Eigentümlichkeiten, der Lieder, Atärchen und Sagen, der Rechtsauffassung, Sitten und Gebräuche des Volkes, zur Beschreibung von Trachten, Wohnungen, der Möbel und Gerätschaften, sowett sie volksmäßigen Ursprungs sind, und volkskundliches Interesse haben, anregen. Aus den auf diese Weise gesammelten Stoffen soll ein volkskundliches Archiv gebildet werden.
Die Zeitschrift des Vereins, die von Prof. Dr. Strack herclusgegebenen hessischen Blätter für Volkskunde", liegt
in chrer ersten Nummer bereits vor. Sie soll über die Vereinsarbeit berichten, Mttteilungen aus dem Archiv sowie umfangreichere Publikationen bringen, die sich mit der Darstellung des hessischen Volkslebens befassen. Derartige größere Publikationen sollen auch möglichst oft in der Tagespresse gebracht werden. Die Versammlungen sollen stets in Frankfurt a. M. abgehalten werden, weil man hier eine besonders thatkrästtge Unterstützung des Vereins erhofft. Dabei mag betont werden, daß der Verein seine Thätigkett keineswegs auf das Großherzogtum Hessen beschränken, sondern sie auch auf die benachbarten, namentlich kurhessischen und nassauischen Gebiete ausdehnen will.
In den Vorstand wurden gewählt: die Herren Provinzialdirektor Geh.-Rat v. Bechtold, Prof. Dr. Strack, Privatdozent Dr. Helm .Kaufmann H. Mettenheimer, Fabrikant A. Bock, Prof. Dr. Albrecht Dieterich, Prof. Dr. P. Trews, Pros. Dr. E. Jung, Kreisschulinspektor Dr. E. Lucius, sämtlich in Gießen, und Pfarrer O. Schutte in Beuern. Der Vorstand hat sich durch Zuwahl aus den anderen hessischen Provinzen zu ergänzen. Nachdem der geschäfttiche Teil erledigt war, hielt Prof. Dr. Albrecht Dieterich aus Gießen seinen angekündigten Vorttag über „Wesen und Ziele der Volkskunde", auf den wir morgen ausführlich Kurückkommen.
* Upsala, 22. Mai. Die schwedische Grad- meisungsexpeditiou geht am 26. Juli von Tromsoe
mit dem Dampfer „Laura" nach Spitzbergen ab. Der Leiter der Expedition ist Rubin. Ferner gehen mit als Astronom Dr. v. Zipcl, Kartograph Leutnant Duner. Das Ziel der Expedition sind die sieben Inseln nördlich von Spitzbergen. Die Rückkehr nach Tromsoe soll am 10. September 1902 erfolgen. Tie Lebensrnittel, welche die Expedition mitnimmt, sind für ein Jahr berechnet.
Petersburg, 24. Mai. Ter Zustand Leo Tolstois hat sich wieder verschlimmert. Tie Temperatur stieg auf 39 Grad. Tie Nächte sind unruhig. Ten Tag verbringt der Patient meist schlummernd. Ter Puls beträgt 90. Die Aerzte vermuten einen Magen-Typhus.
Dr. Karl Wessely, der verdienswolle österreichische Papyrus» forscher, hat in einem Wiener Papyrus neue Sprüche des Kynikers Diogenes aufgesunden. Die Rolle stammt etwa aus der Zeü des Pompejus, es sind von ihr noch eine Anzahl von Kolumnen, zum Teil in leidlichem Zustande erhallen, und man findet aus den vergilbten Blättern wichtige Neuigkeiten, z. B. die Geschichte von Tiogenes und den Wächtern, von Tiogenes in der Barbierstube, von Tiogenes mit beut Stock, von Tiogenes und Menandros:c. Die ganze Rolle mag ehedem etwa 300 solche Sprüche enthalten haben.
— Born Uhrmacher zum Professor! Dem Leiter der deutschen Uhrmacherschule in G l a s h u 11 e, Direktor L. Strasser, ist, wie die .Leipz. Uhrmacher-Zlg." mmeilt, vom König von Sachsen der Titel .Professor" verllehen worden. Ter also Ausgezeichnete ist 1853 geboren, trat nach Besuch der Volksschule bei einem Uhrmacher in die Lehre und war bei verschtedenen Meistern in Stellung. Nachdem er selber eine Werkstätte für Präzisionsuhren und Feinmechanik begründet hatte, mürbe er Direktor und Lehrer an der Glashütter Uhrmacherschule.


