Ausgabe 
26.4.1902 Erstes Blatt
 
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ISS. Jahrgang

Erstes Blatt.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Schulstratze 7.

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Frrnsprrchanschluß Nr. 51.

Samstag 26.2lpril 1908

Veznglpret-r monalUcb7bPi., viert el-

jährlich Äk. 2.20; durch Aohole» u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post 9JIL2. viertel- lährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokall2Pf^ auswärts 20 Pfg.

Verantwortlich: für den poüt il allgem. Teil: P. Wittko; für .Stadt und 9anb* und ,Gerichtssaal^:R.Ditt» mann; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger w

Nr. 97

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessische» Landwirt die Siebener KamUien- biätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schea Univerf.-Buch» u.Slein- druckerei (Pietsch Erbens

Aer KrostgL-'Arozeß. x.

Gum binnen, 24. April.

Zeuge Unteroffizier Meißner giebt an, daß der Ritt­meister v. Krosigk den Sergeanten Bunkus heftig ausgeschimpst habe und zu ihm gesagt: Sie sind immer dabei, wenn Un­sinn gemacht wird.

Unterofsizier Kahl: Als ich mich über den Rittmetster v. Krosigk einmal wegen schlechter Behandlung beschweren wollte, hat mir der Wachtmeister Marten gesagt, ich solle es lieber nicht thun.

Der jetzige Schutzmann Eisenberg aus Berlin war zurzeit des Mordes in der Reitbahn. O.-K.-R. Scheer: Wo stand Marten bei der Aufstellung nach der Mordthat? Zeuge: Das weiß ich nicht mehr. Die dienstfreien Leute sollten vortreten und die im Dienst gewesenen eine kleine Schwenkung lnachen. Ob Marten stehen blieb, wisse er nicht mehr. O.-K.-R. Scheer: Zeigte sich Marten sehr auf­geregt oder sah er sehr aufgeregt aus? Zeuge: Beim Antreten vor der Leiche war er etwas bleich. Bert. Horn: War Zeuge als Schießunterofsizier im Besitze scharfer Pa­tronen? Zeuge: Nein, die Patronen wurden nachgezählt und die nicht verbrauchten wieder eingeschlosien. PKrteid. Horn: Giebt Zeuge zu, daß er, als er von fernem Vor­gänger Buckpesch als Schießunterofsizier das Schießgerät über­nahm, eine Kiste mit übernahm, in welcher sich Platzpatronen und scharfe Patronen für groß- und kleinkalibrige Gewehre befanden, und kann Zeuge uns sagen, wo diese Kiste ge­blieben ist? Zeuge: Ich habe keine scharfen Patronen über­nommen. Bert. Horn: Am 23. Januar nahm General v. Alten in Hickels Wohnung Haussuchung vor. Erst am 24. Januar fand durch einen Offizier eine Untersuchung der Schießkammer statt. Der Zeuge wird zugeben, daß, als er gehört hat, daß bei Hickel Haussuchung gehalten wurde, einem Unterofsizier gesagt hat: Donnerwetter; gut, daß nicht bei mir nachgesucht wird. Zeuge: Davon weiß ich nichts, bei mir konnte gesucht werden. Lert. Horn: Hat Zeuge scharfe Patronen vernichtet oder vergraben? Zeuge: Ich habe kerne scharfen Patronen gehabt.

Zeuge Dragoner Krämer: Grigat ließ sich die Taschen­knopflöcher ausbessern und wartete. Als es ihm zu lange dauerte, ging er aber dann weg. Den Mantel ließ er zu­rück. O.-K.-R. Scheer: Wann ging Grigat aus der Arbeitsstube weg? Zeuge: Kurz vor 5 Uhr; gleich darau kam Stuinbries zu uns mit der Meldung, daß der Rittmeister verunglückt sei. Ich war der Meinung, daß Stumbries dem Unterofsizier Grigat noch begegnet sein müsse. Auch der Dragoner Link weiß, daß Grigat von halb 5 bis 5 Uhr in der Handwerkerstube war. Gefreiter Hackelberg und Dragoner Ballnus geben an, daß Skoppeck ihnen erzählt habe, er hätte an der Bandenthür zwei mit steifen Mützen gesehen, an demselben Abend. O.-K.-R. Scheer: Was hat er sonst noch gesagt? Zeuge Ballnus: Eigentlich gar nichts.

Zeuge Hackelberg: Skoppek erzählte uns, er hätte zwei Leute gesehen. Diese hätten steife Mützen gehabt wie sie die Unteroffiziere tragen, und Mäntel. Ballmus: Von den Mänteln hat er nichts gesagt. O.-K.-R. Scheer: Wer

Plaudereien aus der Kaiserstadt.

(Nachdruck verboten.)

Mondstudien in Treptow. Ein Besnch beim Mondkneter. Die Bilderkunst der alten Egypter. Das Pech des städtischen

Bau-Amts.

Ter Berliner ist sonst fein Freund davon,in den Atond zu gucken", was bekanntlich so viel heißt, als bei irgend einer Verteilung der irdischen Güter nichts abzukriegen; aber am Dienstag abend, als unser alter Trabant sich wieder eine Verfinsterung leistete, war doch em gehöriges Kontingent Schaulustiger auf den Beinen. Besonders aus dem Gipfel des Kreuzbergs, dessen Sudabhang unseren hübschen, im ersten Lenzschmuck prangenden Viktoriapark bildet, war ein kleiner Heerhaufen Wissensburstiger ver­sammelt, der von diesem erhabenen Standpunkt aus das erhabene Schauspiel genießen woltten. Taß sich der^Kreuz- berg 3400 Eentimeter über die Spree erhebt, also fast die­selbe Ziffer wie die Wetterhörner in den Berner Alpen auf­weist, wobei es sich bei jenen allerdings um Meter handelt! Aber dieser kleine Unterschied betrübt unser spreeathenisches Hochgefühl, das uns auf dem Kreuzberg durchflutet, nicht im geringsten. Leute, die etwas ausgeben wollten, fuhren nach Treptow hinaus, wo, umringt von Bier gärten und sommerlichen Tanzlokalen, eine mächtige Sternwarte ett^ bliert ist, die dem Laien gegen ein mäßiges Eintrittsgeld Einblick gewährt und ihn einen Blick in. die gewaltigen Wunder des Gimmels thun läßt. Tas Riesenfernrohr war für diesen Abend im ausschließlichen Tienste. der Wissen­schaft. Es müßte zur Herstellung üon, Phobogrammen dienen, die für die Kenntnis der Mondoberfläche von großer Wichtigkeit sind. i'tber die Instrumente geringeren Kalibers standen dem Publikum zur Verfügung und genügten voll­auf, das finstere, schiefe Gesicht des alten Erdtumpan» näher zu rücken. Ter wimmel war so liebenswürdig, keiner!^ Wolken vor das interessierende Objekt zu schieben, sodaß die ganze Geschichte ohne Störung von statten gehen tonnte, was man sich scherzweise auf die Berliner Helligkeit zugute

hat den Rittmeister erschoffen? Zeuge Hackelberg: DaL weiß ich nicht.

Hickel bittet, die Zeugen zu befragen, ob sie sich er­innern, daß er am Samstag vor dem Morde nachmittags, um welche Zett schon mehrmals die Rettbahnthür aufgemachl worden fft, auf der Handwerkerstube gewesen sei, um das Flickjournal zu revidieren. Die Zeugen wissen wohl, daß Hickel einmal mehrere Stunden lang im Flickjournal ar- >eitete, besinnen sich aber nicht mehr, ob das am eamstag vor dem Mord war. Sergeant Remdres schildert btc Vorgänge in der RegimentZkammer. Er wisse nicht mehr, ob Marten den Mantel angehabt. Scheer: Nachher wurde Schnaps gehott? Zeuge: Wir ließen 5 Mann 3/< Liter Schnaps holen. O.-K.-R. Scheer: Haben Sie beobachtet, daß Marten aufgeregt ober angetrunken war? Zeuge: Das habe ich nicht bemerft. O.-K.-R. S ehe er: Sie selbst waren doch nicht angetrunken von dem bischen Schnaps? Zeuge: Nein. O.-K.-N. Meyer: Der Schluß des Kammerdienstes hängt von Ihnen ab? Zeuge: Ja. Wenn wir hätten länger arbeiten müssen, 7,hätte Marten auch länger dableiben müssen. Das hing ganz' von mir. ab. Wenn es heller ge­wesen wäre, hätte ich länger arbeiten lassen.

Zeuge Sergeant £'o.beifat war mit Marten am 21. Januar zur Regimentskammer kommandiert zur Revision der Telegraphendrähte. Marten- habe nur eine Tasche ^nachge- sehen. Die übrige Zett sah er mir' zu. .H.-K.-R. Scheer: Von wann ab waren Sie in der Regimentskammer? Zeuge: Bon 24 Uhr. Scheer: Wann haben Sie die Regiments-, fammer verlassen? Zeuge: Etwa um 4'/* Uhr. Ich ging mit Marten und Hick-l zusammen aus der Regunentskammer heraus. Draußen trennten wir uns, aber Hickel und Marten gingen nach der Wohnung des Wachtmeisters Marten und ich ging nach der Kantine. Als ich hinkam, war es 5 ober 10 Minuten vor */,5 Uhr.

Der Vorsitzenbe wünscht von Marten zu wissen, wo­her plötzlich sein Interesse für bas Telegraphenbuch kam, so- baß er nochmals nach ber Wohnung ber Eltern zurückging, um es zu holen. Marten: Ich hatte mich vorher nicht um die Taschenangelegenheit gekümmert. Durch die Revision auf ber Regimentskammer würbe mein Interesse roieber rege. Ich wollte untersuchen, ob in ben von Berlin gekommenen Ge­räten Aenberungen eingetreten sinb. Ich fanb in ber Woh­nung meiner Eltern keine Streichhölzer. Deshalb nahm ich bas Buch mit ui meine Stube, unb nachher kam ich nicht mehr dazu, bas Buch einzusehen. Dragoner Borcharbt weiß, baß es 4y4 Uhr war, als er ben Schnaps aus ber Kantine brachte.

Genbarmerieoberwachtmeister F i e 1 i tz: Er würbe jedes­mal von Rittmeister v. Krosigk in seine Wohnung gerufen, wenn in seine Wohnung geschossen wurde. Ich fragte, als das erste Mal geschossen wurde, den Rittmeister, ob er auf jemand Verdacht habe aus seiner Schwadron. Er klopfte nur auf die Schulter und erwiderte: Sei nur unbesorgt, die Leute meiner Schwabron sind das nicht, die sind mir treu ergeben, aber suche sie nach anderer Rich­tung, unb er nannte mir auch eine Person, einen ge­wissen Biallas, früheren Unteroffizier, nut bem ber Ritt­meister v. Krosigk nicht weiter kapituliert hat. Ich konnte aber feststellen, baß Biallas zu jener Zett in Marggrabowa

rechnete, lleberhaupt regnete es wieder schnöde Berlinereien. Ter Knopp looft an!" sagte jemanb, als der Erdschatten langsam über die Viondscheibe kroch, während ein anderer, wohl in Anspielung an einen etwas hochsttmigen Stamm­tischfreund, meinte:Aha, jetzt setzt Lehmann die Perrücke üff!" Ich erfuhr bei diesem Besuche, daß man mit viel Auf­wand von Mühe und Kunst an einer plastischen Wiedergabe ber Mond kugel arbeitet, soweit wir sie überhaupt zu sehen bekommen, weil die neuen Mondforfchungen verschiedene neue Kegel und Mare festgestellt haben, die auf den letzten Darstellungen gar nicht oder doch nur unbestimmt ange­beutet sind. Nach diesem Modell, das im Durchmesser etwa y4 Meter beträgt, soll dann ein Abbild von ca. 89 Meter Durchmesser geschaffen werden, das in einem eigens dazu gebauten Raume entstehen und bleiben soll. Berlin kann sich bann rühmen, das größte und getreueste Abbild vom Monde sein eigen zu nennen. Wer ist nun diesesr Jünger der Kunst, der seine Kraft dem Dienste der astro­nomischen Wissenschaft weiht und statt der irdischen Be­rühmtheit die gigantischen Gesichter der Himmelskörper nach- bilbet9 In der Bernburger Straße steht das Atelier des gewissenhaftesten aller Mondkneter und sein Name hat in ben Sterngucker-Kreisen einen guten Klang, wenn auch das große Publikum nicht viel von ihm weiß Es ist ber Bild­hauer Eduard Lehr, der neben seiner Monddarstellung augenblicklich auch an einer plastischen Wiedergabe des Mars arbeitet, an dem die Gelehrten des Sternhimmels so viele seltsame Entdeckungen machen. Dieser Mars hat einen Durchmesser von nahezu einem Meter und zeigt wie ein Erdglobus Land und Wasser. Hervorragende Höhenzüge sind reliefartig an gebeutet, die berühmten Äanallmien fehlen nicht. Auch Arbeiten zur Veranschaulichung sämtlicher Erd­boden-Formationen sieht man in diesem merkwürdigen Atelier dessen Wände zum Teil mit der zweiten Spezialität Lehrs, der Neudarstellunng .ägyptischer Wandbilder, wie sie in den Kammern der Pyramiden rc. von den Forschem ge­funden wurden, bedeckt sind. Es sind das die Früchte lang­jähriger, peinlicher Studien der mannigfaltigsten Forsch­ungsberichte rc. Aus dem Nachlaß von Brngsch-Pascha, dem

war. WachtmefflerMarten erzähtte mtt nachher, er habe in ber Schwabron nachforschen wollen, wer berThäter fei, ber Rittmeister v. Krosigk habe es ihm aber verboten. Das sei ganz ausgeschlossen. Als nachher roieber geschossen unb auch Steine nach ber Wohnung geworfen wurden, nahm ber Rittmeister v. Krosigk btc Leute seiner Schwadron in Schutz. Er sagte, sie seien ihm ergeben. Marten: Der Zeuge kennt mich genau. Hat er mich je als jähzornig kennen gelernt? Zeuge: Nein, niemals. Der Zeuge giebt Murten ein gutes Zeugnis. Der Rittmeister hatte zu mir Zutrauen, er hat niemals erwähnt, daß er mit bem Wacht­meister Marten unzufrieben sei. Nach Aeußerungen, bic der Wachtmeister Marten zu dem Zeugen gethan hat, roar sein Verhältnis zum Rittmeister vorzüglich. Später besuchte der Wachtmeister Marten öfter fernen Sohn in Gumbinnen unb erzählte, baß ber Rittmeister seinen Sohn gut behandle, be­vorzuge, ihn auch schnell befördert und nach Berlin auf die Telegraphenschulc geschickt habe.

Unterofsizier Kohlmeyer sagt aus, daß derUnteroffizier Griggt am Tage nach dem Mord in der Kantine durch sein Benehmen ausgefallen sei. Er habe ihm nicht in die Augen sehen können.

Hierauf wird um 71/ft Uhr zur nächtlichen In­augenscheinnahme geschritten. Dabei ließ sich der Ge­richtshof. von ber Arbeiterfrau (Stert zunächst nach ber Pforte an ber Dragonerstraße führen. Dieser Teil der Dragoner- slraße ist fast, unbebaut. Der Pforte gegenüber liegt eine Scheune unb dahinter dehnt sich freies Feld aus. Von ber von ber Frau bezeichneten Stelle formte man in ber Dunkel­heit aber die Pforte, nicht sehen und noch weniger^er- kennen, ob aus derselben Jemand herauskömntt. Die Frau meinte, an dem Abend habe der Mond geschienen. Am 2<1. Januar soll e§ aber sehr trübes, nebliges Wetter, teilweise sogar mit Schneegestöber gewesen sein. Zeugin gab aber dann auch zur allgemeinen Ueberraschung an, daß es ein Sonnabend war, an dem sie in der Dragonersttaße den Schuß gehört hatte. Es wurde bestätigt, daß auch am Sonnabend vor der That in ber Reitbahn geschossen worben ist. Als­dann wurden nochmals Aufstellungen an ber Bandenthür Dorgenammen. Hickel mußte sich in die Spalte derBanden- thür stellen, Baranowski mußte vorübergehen unb erklärte, baß ber Mann, ber dort stehe, schwarzen Schnurrbart habe. Der Verteidiger Horm machte plötzlich ben Thürflügel aus und Hickel nahm sich unter stürmischer Heiterkeit einen falschen braunen Vollbart ab, ben er vorher angelegt hatte. O.-K.-R. Scheer: Wer­ben weitere Versuche gewünscht? Verth. Horn: Danke, baS genügt mir.

Dann wurde nochmals in derselben Weise, wie bas vorige Mal, mtt Skoppek experimentiert. Diesmal würbe ein Schuß abgegeben. Als Skoppek im Krümperstall seinen Staub verließ, liefen zwei Leute, bic sich in bem Zwischenraum aufgestellt hatten, nach Abgabe bes Schusses gleichzeitig weg. Trotzdem man heute die Thür aus bem Krümperstall etwas geöffnet hatte, waren bie beiden doch erst knapp aus dem Zwischenraum der Thür heraus, als Skoppek aus dem Krümperstall herauskam. Darauf fanden noch Gegenüberstellungen Martens mit Baranowski auf dem Kor­ridor ber 4. Schwabron statt.

bekannten Aegypthologen, erwarb Lehr eine Anzahl von Papieren, die auf die mit Bilderwert versehenen Flächen jener Grabkammer aufgelegt waren und durch Bürstendruck ziemlich genaue Umrißbilder jener reliefartig gearbeiteten Darstellungen erhielten. Auch Farbe vier- und fünf- tausendjährige Farbe hängt hier und da an diesen selt­samen Bürsten-Abzügen, die heute übrigens nicht mehr ge­stattet werden. Nach diesen ziemlich dürftigen Resten nun hat der Bildhauer in überraschender Weise jene ägyptische Kunst wieder aufleben lassen . In. leuchtenden Farben er­zählen uns seine Tafeln von den Verdiensten eines großen ägyptischen Statthalter um die Landwirtschaft, die Jagd, die Fischkonservierung, den Weinbau rc. Auf einer anderen Tafel wird uns der Beweis dafür gegeben, daß die groteske Tierfabel, wie sie bei uns imReineke Fuchs" lebt, auch schon im alten Wunderland der Pyramiden die lustigsten Blüten getrieben hat. Ganz gefangen genommen wird man von diesen wiedererweckten Zeugen einer sagenhaften ttultur, unb schier märchenhaft berührt wird ein paar Augenblicke später Auge und Ohr von dem betriebe der modernen Welt­stadt mit der eben vorübersausenden Hochbahn und anderen Wundern neuzeitlicher Technik. Aber ein Gefühl Respekt vor jenem verschollenen Volke sowohl als auch vor der tapferen nicht um Gunst und Ruhm buhlenden Arbeit des präch­tigen Bildhauers, der Monoe und Sterne knetet, bleibt noch lange unser Begleiter.

Daß unsere modernen Bauten die Dauerhaftigkeit der alten Pyramiden stark vermissen lassen, hat die letzte Wassersnot gezeigt. Dabei handelte es sich allerdings um die Galopp-Bauten von profitfüchtigen Spekulanten und Unternehmern. Dienstag abend jedoch, gleich nach der Mond­finsternis, hat ein Mißgeschick eines der neuesten städtischen Bauwerke, den großen Saal im Neubau des städtischen Zentralarbeitsnachweu'es, in Berlin E, Gormannstraße 4, getroffen. Derselbe ist, angeblich weil eine Querwand nach- gegeben, unter fürchterlichem Getöse in sich zusammenge­stürzt, glücklicherweise, ohne Menschenopfer zu fordern. Die Querwände der alten Aegypter haben zum teil etwas besser gehalten. A. R.