Ausgabe 
25.4.1902 Zweites Blatt
 
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hole- u. Zweigstellen mailich 6o PI.; durch

Nr. 96

Grscheivt tLgttch außer SomUagS.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Sietzener Kamllten- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck il Ver­lag der Brühl'schar Unwers.-Buch- u.Stem- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, ErpediÜor und Druckerei:

Schnlftratze 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße».

Fernsprrchanschkuß Nr. 51.

Zweites Blatt. 152. Jahrgang Freitag 25. April L»92

EletzenerAnMger W

w General-Anreia er v ä».

für den polu. maligem.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Die heutige Dummer umfaßt 10 Seilen. ;

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß j der Großh. Kreisveterinärarzt Neunhöffer zu Grünberg ; vom 26. bis 29. April d. beurlaubt ist und daß während < dieser Zeit der Großh. KreiSveterinärarzt Schmidt zu Gießen die Vertretung für die Geineinden des KreißeS Gießen über- i nommen hat.

Gießen, den 23. April 1902.

Großherzogliches Kreis amt Gießen v- Bechtold.

Gießen, den 24. April 1902.

Betr.: Die polizeiliche Aufsicht über die Zu- und Wegzüge. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Es ist zu unserer Kenntnis gekommen, daß die Be­stimmungen des Gesetzes vom 4. Dezember 1874 (Reg.-Bl. S. 667) betr. dre polizeiliche Aufsicht über Zuzüge und Weg­züge sowohl vom Publikum als auch von Ihnen vielfach un­beachtet bleiben.

Wir beauftragen Sic deshalb, die Durchführung der fragt. Bestimmungen sich angelegen sein zu lassen und gegen alle diejenigen Personen, welche die rechtzeitige An- und Ab­meldung Unterlasten, Polizeianzeige einzureichen.

I. V.: Dr. Wagner.

Bekanntmachung.

Betreffend: Beschaffung von Zuchtebern nut Unterstützung des landw. Provinzialoereins.

Dem landw. Verein für die Provinz Oberhesten stehen auch in diesem Jahre rote seither Mittel zur Unterstützung von Gemeinden bei Beschaffung von Zuchtebern zur Ver­fügung. Der Zuschuß beträgt für einen Eber 2040 Mk. und hängt die Gewährung davon ab, daß:

1. der Nachweis geliefert wird über Raffereinheit und Abstammung; und zwar werden nur Zuchttiere, welche der Portshire-Raste (weißes deutsches Edel­schwein) angehören, unterstützt;

L. ein Beauftragter des ProvinzialvereinS den betr. Eber nach dem Ankauf einer Besichtigung unterzieht und seine Zuchttauglichkeit bescheinigt;

3. der betr. Eber mindestens em Jahr zur Zucht in der fragt Gemeinde benutzt wird.

Ich ersuche die verehrlichen Gemeindevorstände, die Be­werbungen um den fragt Vereinszuschuß gegebenen Falles an die Geschäftsstelle nach Alsfeld einsenden zu wollen.

Hardt-Hof, den 21. April 1902.

Ter Präsident des landw. Vereins für die Provinz Oberhessen. ________________Schlenke.___________________

Verkannte Fürfteuhuld.

Die Unterhaltungen unseres Großherzogs Ernst Ludwig mit dem sozialdemokratischen Abg. Ulrich lasten gewisse Blätter nicht zu der ihnen bester anstehenden und gewöhnlich auch von ihnen geübten Ruhe kommen. Die ,93ert N. Nachr." hielten dieser Tage folgende kritische Be­merkungen für angemessen:

Herr Ulrich, der seit länger als einem Vierteljahrhundert in der sozialdemokratischen Agitation praktisch thätig ist, müßte doch ein lämmerlicher Stümper sein, wenn es ihm nicht gelingen sollte, einen chm wohlwollend eittgegenkommenden Fürsten, der im üb­rigen dem parlamentarisch-politischen Treiben sernfteht, mehr oder- weniger hinters Licht zu führen. Mag man hundertmal sagen, daß die prinzipielle Stellung des Fürsten zur Sozialdemokratie durch eine solche Begegnung nicht beeinflußt werde wer kann das ver­bürgen ? Und ledensalls muß eine solche Handlungsweise eines regierenden Fürsten, wie nur zu richtig gejagt worden ist, auf die öffentliche Meinung verwirrend wirken. Für den Verstand des ein­fachen Bürgers ist es schlechterdings unfaßbar, daß ein Monarch mit einem erklärten Gegner der Monarchie, mit einem geschworenen Feinde der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung freundschaftlich verkehren könnte. Sieht er also seinen Großherzog mit Herrn Ulrich in traulicher Unterhaltung, so kann er nicht anders annehmen, als daß der Fürst sich von der Unrichtigkeü der bisher üblich gewesenen Beurteilung der Sozialdemokratie überzeugt habe. Die Folge muß eine bedauerliche Erschlaffung der Widerstandsfähigkeit der bürger­lichen Gesellschaft gegen die revolutionäre Gefahr sein . . . Vogel Strauß-Politik, und zwar der unverantwortlichsten Art, ist es, wenn man nicht sehen will, wie der Einfluß der Sozialdemokratie in unserem öffentlichen Leben lawinenartig anschwillt, seitdem der Staat und die bürgerlichen Parteien aufgehört haben, sie als das zu brandmarken, was sie ist. Alan macht viel Aufhebens von dem Zuwachs, deii die sozialdemokratifchen Stimmen bet den letzten Ersatzwahlen zum Reichstage aufgewiefeii haben, obgleich die Wirkung des Brotwucheraeschreies ganz überwiegend dem Freisinn »u gute gekommen ist. Warum richtet man nicht lieber einmal die Aufmerksamkeit auf die erstaunlichen Erfolge, welche die Sozial­demokratie gerade in jüngster Zeit wieder auf dem Gebiete der Gemeindewahlen davonaetragcn bat? Gtebt man sich tm Burger- tum überhaupt noch genügend die Mühe, darüber nachzudenken, was kls für die Zukunft bedeutet?

Also unser Großherzog läßt sich von Herrn Ulrich hinters Licht führen! Die Naivetät des genannten Berliner Blattes fft zu lächerlich, als daß man ihr ernsthaft entgegentreten müßte. Herr Millerand, der ftanzösische Handelsminister, der bekanntlich ein waschechter Sozialdemokrat ist, _ hat mrlängst aus der Hand des Schwagers unseres Großherzogs, des Zaren, einen hohen Dabeu dankbarst angenommen. Sind

also die Sozialdemokraten heute wirklich noch jene schwarzen Männer, mit denen man kleine Kinder schrecken kann? Groß- herzog Ernst Ludwig ist nicht der Mann, der sich von einem Herrn Ulrichbeeinflussen"' läßt. ES ist knabenhafte Unart, so etwas überhaupt auszusprechen. Und eineVerwirrung der Begriffe"' wird im hessischen Volke dadurch auch nicht Platz greifen, sondern es ist vielmehr eine Klärung eingetreten, indem die starre, anderswo mit ängstlicher Vorsicht gehütete Scheidewand zwischen Fürst und Volk bei uns glücklicherweise immer mehr und mehr schwindet und alte Vorurteile auf beiden Seiten weichen. Wir in Hessen haben keinen Grund, dierevolutionäre Gefahr" der Sozialdemokratie zu fürchten.

Ziemlich gleichzeitig mit diesem Artikel derBerl. R. Nachr." machten dieLeipzgr. N. 9tachr." ihrer Sorge wegen des Umganges des Kaisers mit Herrn Bal lin und anderen Männern des deutschen Welthandels in einem langatmigen ?lrtikel Lust, indem sie schrieben:

Wie vor mehreren Monaten die linksstehende Presse mit Ge- nugthuung verkünden formte, daß die Vorbereitungen für die Reise des Prinzen Heinrich, soweit sie auf amerikanischem Boden ge­troffen wurden, in den Händen des Herrn Goldberger Jagen, wie sie jetzt weiter melden kann, daß dieser Herr demnächst aus besonderem kaiserlichem Vertrauen in das Herrenhaus berufen werden soll, so wird auch jetzt das Herz jedes Fortschrittsmannes geschwellt von dem Bewußtsein, daß in dem Gefolge des Kaisers auf der Fahrt durch die Nordsee sich auch die Geh. Kommerzien­räte Arnhold, Bleichröder und Isidor Löwe, sowie die Herren Markus aus Bremen und zahlreiche andere Hanseaten befinden, in ihrer Mitte der freisinnige Abg. Frees e. Ob auch Herr Ballin, der Vielgeehrte, sich unter den Gästen befindet, ist uns entgangen; jedenfalls klingt es ans den Spalten jener Blälter, die unter unseren Mitbürgern mosaischen Glaubens chre Leser suchen, wie heller Jubel, und ein Frühlingsahnen zieht durch Israel. Milstär uno Zivilisten, Fromme Juden, gläub'ge Christen" also schallt es in trunkenen Versen aus den Lpalten des Blattes, das der Volksmunddie jüdische Kreuzztg." taufte, und mit grim­migen Hohn fügt der Vorwärts hinzu:Das ist die neue Hof­gesellschaft, deretweaen die Junker auf chren Stammsitzen Simpli- zisfimusstimmungen äußern; während aber der Handelst)ertragsverein mit dem Kaiser gen Norden dampft, beschließt in Berlin die Zoll- kommission gemütlich einen Wucherzoll nach dem anderen." Es ist in der Thal eines der denkwürdigsten Symptome der neuen Zeit, das sich da unseren Augen bietet. Als vor Jahren der Wiener Rothschild hoffähig wurde, da erhob sich eine tiefgehe,rde und energische Opposition; man hat schließlich in Oesterreich den Zeit­läuften Rechnung getragen und seine Verbeugung vor dem Kapital gemacht. In den Zeiten Kaiser Wilhelms 1. würde weder Herr Arnhold noch Herr Ballin, weder Herr Isidor Löwe noch Herr Bleichröder m den engeren Zirkel des Monarchen aufgenommen worden sein, und schwerlich hätte Herr Ballin jemals als Minister-- kandidat gegolten. Vielleicht allerdings wäre auch die Frage nach den Gründen der deutschen Begeisterung für die Buren nicht gerade an einen freisinnigen Bankier gerichtet worden. Aber es scheint, als wenn die ungeheure Walze des modernen Lebens auch dahin- rollen soll über das, was man auf dem märkischen Landedelsitz oder dem schlesischen Gut als altpreußische Tradition bezeichnen mag; die anglosächsische Auffassung des Lebens, die einseitig auf jede andere Bethätigung verzichtet und nur in geschäftlichen Leistungen ihr Ziel sieht, wirft immer mehr ihre schatten auf unser Voll, und wenn das Wort über Cecil Rhodes:Warum habe ich nicht solche Minister" auch nicht gefallen sein mag, so ist es doch von charakteristischer Bedeutung: Ist es nicht wahr, so ist es gut erfunden; manche Zeichen deuten darauf, daß der Kaiser selbst sein lebhaftes Interesse jener Richtung des wirtschaftspolitischen und auch des geiften Lebens schenkt, die man füglich als den Groß­kapitalismus bezeichnen kann. Es sind nicht die Häupter der kon­servativen adeligen Geschlechter, auch nicht die Repräsentaiilen des eigentlich iverkthätrgen deutschen Bürgertums, die seine Gäste wur­den, nicht Männer, die man als Hüter eines Funkens von natio­nalem Idealismus bezeichnen könnte, sondern die Herren Bleich­röder, Ballin und Isidor Löwe. Und hierin liegt eine gewisse Gefahr. Tie Vertreter der altpreußischen Tradition stehen seit Jahren abseits, sie wurden, als sie dem Kanalprojekte ihre Zu­stimmung versagten, als Rebellen behandelt, sie haben manches scharf tadelnde Wort vernommen, und alle Zeichen deuten darauf, daß auch setzt wieder, wenn nicht in letzter Stunde der Pfad der Verständigung betreten wird, aus den Verhandlungen über den Zolltarif ein Bodensatz übrig bleiben dürfte, der für die Zukunft nichts erfreuliches verheißt. Die konservativen Elemente, speziell des preußischen Staates, fühlen sich mehr und mehr in die Not­wehr gedrängt, immer lebhafter wird ihnen die Sorge, daß in dem schweren Kampse, den sie für die Traditionen der Vergangenheit und für chre eigene Existenz kämpfen, dre Sympathie des Mannes schwindet, der sich selbst als Preußens ersten Edelmann bezeichnet hat. Gewiß, es ist sicherlich wahr, daß nichts für die Ewigkeit gefestet ist und daß in der Bewegung allein die Möglichkeit der Entwickelung ruht; es mag auch sein, daß das Alte fallen muß, wenn das Neue sich gestalten soll; aber gesund ist nur eine organische Entwickelung, und das Reis des Kapitalismus, auf den deutschen Lebensbaum gepfropft, würde manches grüne Blatt zum Welken bringen und mancher kräftig strömende Saft würde versiegen.

Also die Alldeutschen, zu denen sich dieLpz. N. N." zahlen, wollen, daß die deutschen Monarchen ihren Umgang nicht nach eigenem Ermessen wählen; sie geraten in Angst nnd Entsetzen, wenn die deutschen Fürsten und der Kaiser selber Männer zu sich ziehen, durch die die Fürsten unver­hältnismäßig bester über die Stimmung weiter Beoölkerungs- kreise und über die Bedürfniste, die Gedanken und Wünsche : der Nation sich unterrichten können, als durch den einseitigen ; Verkehr mit engherzigen und in alten Standesvorurteilen zu ; verkrüppelter Welt- und Lebensauffassung ewig verdammtee Junkern. Und vollends außerm Häuschen gerät das genanntn Blatt, daß sich unter diesen Herren auch ein paar Staats- : bürger israelitischen Bekenntnisses befinden.

i Das sind Ansichten, die das 20. Jahrhundert nicht mehr i kennen dürfte. Wir haben allen Grund, ftoh darüber zu sein, : wenn sich unsere Fürsten dem Volke nähern und wenn in die t bisherigen Hofgesellschaften immer mehr und mehr auch bür- i gerliche Kreise dringen undparitätisch" neben der Geburls- aristokratie hergehen, wenn die starren Konservativen, die

jeden Fürsten lieben, solange er ihren Willen thut, nicht mehr ausschließlich die Suite der Monarchen bilden. Darum begrüßen wir jedes zu verstehende und verständige Abiveichen unserer Monarchen von alten, durch nichts anderes als eben das Alter so lange hoch gehaltenen Traditionen.

Ein Hamburger Reeder meinte einmal, wirkrankten" an der Vorstellung, daß der Offizierstand der vornehmste sei. Man könne es aber doch nur als einen vollkommenen Widersinn bezeichnen, daß e8 dievornehmste" Beschäftigung wäre, Bauernknechten den Parademarsch einzudnllen; vornehmer sei die Beschäftigung mit der Wissenschaft, aber noch vornehmer, weil ersprießlicher, durch die Mittel des Großhandels, der Reederei und der Industrie die Deutschen zu dem wirtschaftlich höchststehenden Volke der Welt zu machen. Das ist derselbe Gedanke, den Goethe schon in seinem zweiten Teile deSFaust" ausgesprochen hat......

Wir sehen nichts weniger als ein Unheil darin, wenn freiere Anschauungen in unseren Fürstenhäusern Platz greifen, und wenn immer mehr Söhne aus unseren Bürgerhäusern die deutschen Throne umgeben. Aber zunächst sind wir noch nicht besonders weit damit gediehen, denn wenn unser Groß- Herzog auch das eine oder andere mal mit einem Sozial­demokraten plaudert, und wenn bet Kaiser Wilhelms Meer­fahrt die Welt auch eine Schiffsgesellschaft sah, wie sie bis­her noch nie zusammengesetzt war, so ist daraus nur der kurze Schluß zu ziehen, daß beide Monarchen das allgemeine Menschenrecht für sich in Anspruch nehmen, zu thun, was ihnen beliebt, und nicht einigen wenigen anderen. Jede andere Folgerung, wie sie von den genannten Blättern be­liebt wird, schießt zum mindesten, vorläufig wenigstens, weit übers Ziel hinaus. Unser Kaiser wie unser Großherzog üben mit Recht gesellschaftliche Liebenswürdigkeit und lieben mit noch weit mehr Recht den verschiedenartigsten Verkehr; beide wollen jede Partei selbst hören. Wer dagegen etwas ein­wendet, erweist sich als durch Parteibefangenheit zu ob­jektivem Urteil unfähig.

Kaiser wie Großherzog werden auch durch ängstlicher Leute sorgenvolles Stimmengewirr nicht beirren lassen. Eine volle Abkehr vom Agrar- zum Industrie- und Freihandels- ftaat, zu Weltverkehr und Weltpolitik nach diesen Vorkomm- nissen an die Wand zu. malen, istRepor^erphantastik.__

Aus Stadt und Land.

Gießen, 25. April 1902.

** M a x Schüler-Ausstellung. Der bekannte Porträtist Max Schüler in Frankfurt a. M> hat im Knnst- verein eine Anzahl Porträts, in Pastell gemalt, nur für wenige Tage ausgestellt. Dem Kunstliebhaber bietet sich hier ein großer Genuß dar. Unter den^PorträtS zeichnen sich diejenigen Manteuffels, der Dufe, Sarasates, der Sa>- haret und Weingartners ganz besonders durch ihre hohe Meisterschaft aus.

* Mifsionskonserenz. M?n schreibt uns: Am 28. d. soll im Konfirmandensaal Kirchstraße dahier die kon­stituierende Versammlung zur Gründung einer Oberhessi- scheu Misfionskonferenz stattfinden. Die Missions- konferenz will die Mifsionsarbeiter und Misfionsfreunde einer Provinz oder eines Landes organisch zusammen-- schließen zur Pflege des heimischen Missionslebens, ins­besondere zur Erzeugung einer gründlichen wissenschaftlichen Missionskenntnis unter Geistlichen und Laien. Pfarrer R ö m h e l d von Pfungstadt, der Schriftführer der seit 1895 in Starkenburg bestehenden Misfionskonferenz, wird das einleitende Referat über Wesen und Zweck dieser Konfe­renzen erstatten.

** Tie deutsche Zoologische Gesellschaft hält ihre 12. Jahresversammlung vom 20. bis 22. Mai hier in Gießen ab. Den Vorstand bilden Professor Dr. Chun-Leipzig (Vorsitzender), Professor Dr. I. W. Sp e n g e l-Gießen (1. Stellvertreter-, Prof. Dr. Graff-Graz (2. Stellvertreter-, Professor Dr- H. Ludwig-Bonn (3. Stell­vertreter), Professor Dr. Korschelt (Schriftführer-.

Klein-Umstadt, 24. April. Ein furchtbares Unwetter richtete am Sonntag, namentlich in den Orten Klein-Umstadt, Ruhen, Kleestadt und Langstadt g r o ße Ver­heerungen an. Tas Wasser kam förmlich in gewaltigen Strömen hernieder und fetzte in kürzester Zeit die Höfe und Straßen der genannten Orte über einen Meter tief unter Wasser. Fast sämtliche Keller sind bis oben hin mit Wasser angefüllt. In den tiefer gelegenen Häusern wälzten sich die wilden Fluten durch die aufgerissenen Fenster in die Stuben, und in den Ställen stand das Vieh oft bis an den Bauch im Wasser. Aus den Bauernhöfen wurden Karren und Ackergeräte herausgeschwemmt und trieben auf den Straßen umher. Aus einer ^pezereihand- lung zu Kleestadt wurden zwei Fässer, die mit Petroleum gefüllt waren, forigertffen und demoliert, sodaß der ge­fährliche Brennstoff fich weithin über der gelben Wasser­fläche ausbreitete. Besonders schlimm sind die Verheerungen des entfesselten Elements in Garten und Feld. Mauern und Zäune sind umgerissen und die Beete vollständig zer­wühlt und sortgeschwemmt. Die Sämereien sind gänzlich vernichtet. Tie bei Klein-Umstadt liegenden Weinberge, sowie die Saaten in den Feldern haben sehr start gelitten. Der angerichtete Schaden ist ganz enorm.

Alsfeld, 23. April. Wie verlautet, besteht hier die Absicht, eine Aktienbrauerei zu errichten, und zwar an der Rvmröderstraße. Tie nötigen Grundstücke sollen zum größten Teil bereits erworben sein.__________________

Gegen schnupfe« Hilst KormaL