Ausgabe 
25.2.1902 Drittes Blatt
 
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* Lulea, (Schweden), 24. Febr. Hier wütete gestern eine heftige Feuersbrunst, wobei 7 Personen, darunter vier Kinder umkamen. . .

* Beim Schlittschuhlaufen ertranken in Bad- ftena (Schweden) vier Arbeiter, in Sonnenburg (Provinz Brandenburg) zwei Knaben.

* Prag, 24. Febr. Große Veruntreuungen rm Betrage von mehreren Millionen sind bei dem bürgerlichen Brauhause in Bud weis entdeckt worden. Die Unterschlagungen greifen bis aus 10 Jahre zurück. Die hohen Dividenden, die ausbezahlt wur­den, sind ans Grund falscher Buchungen herausge­rechnet worden. , _ . _ _

* Sy r atus, 24. Febr. Das russische Schiff Maria Gorianownn strandete bei fürchterlichem Sturm in der Nähe von Marzameni. 15 Personen, darunter der Schiffekapi.än und des,en Frau, konnten sich mittels Booten retten. Die übrigen 14 Personen, die sich noch auf dem Schiffe befinden, dürften heute noch durch Rettungsboote geborgen werden.

Gerichtssaal.

Mainz, 22. Febr. Ter Bäckermeister Koch war durch einen auf 6 Mark lautenden Strafbefehl überrascht worden, weil durch übermäßigesTeigschlagen" ruhestörender Latin verursacht wurde. Ter Meister indessen zahlte Nicht und so tarn die Sache zum gerichtlichen Austrag. Obgleich zwei Nachbarn die Störung der Nachtruhe von iy2 Uhr nachts bis 4 Uhr früh bestätigten, wurde er freigesprochen, n^il der Lärm nur zur Ausübungdes Gewerbes" erfolgt ser.

Berlin, 23. Febr. Gin Prozeß, der das Interesse medizinischer Kreise erregt, wird am 5. März vor der ersten Straframmer des Landgerichts I zur Verhandlung kommen. Tie Anklage richtet sich gegen einen als Operateur und Spezialist für Frauenkrankheiten angesehenen Arzt undProfessor, dessen Klientel sich vielfach aus Damen höherer Stände zusammensetzt. Ihm wird zur aLst gelegt, bei einer schwierigen Operation einen Kunst­fehler begangen zu haben und dadurch denToderner Patietin verursacht zu haben. Die Verhandlung dürfte einen großen Umfang annehmen, da außer zahlreichen Zeugen auch eine große Reihe medizinischer Kapazitäten aus Deutschland und Oesterreich, als Sachverständige ge­laden sind .

©in Strafverfahren gegen d en früheren Reichstagsabg. Freiherrn v. Münch ist dem Ver­nehmen nach beim Landgericht I Berlin anhängig gemacht worden. Es handelt sich hierbei um angebliche Belei- digungen des wür ttemb er gisch en Ministers des Innern Dr. v. Pischek, des Medizinalrats Dr. Dietz und des O. A M. Stiefenhofer in Horb. Die Klage richtet sich gegen eine jüngst von Frhrn .v. Münch ver­öffentlichte Schrift. Frhr v. Münch ist bekanntlich nach! seiner Ausweisung aus Württemberg preußischer Staats­angehöriger geworden.

Wegen Majestätsbeleidigung wurde vor längerer Zeit der Kaufmann Jakob Stock von der Elberfelder Straf­kammer zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Die Beleidigung wurde in Drohbriefen gefunden, die kurz vor dem Kaiserbesuch im Wupperthal im Oktober 1900 an den Chef des Zivilkaüinetts des Kaisers, v. Lucanus, an Krupp in Essen und an den Oberbürgermeister Dr. Lentze in Barmen gerichtet wurden. Diese Briefe sollte Stock ge­schrieben haben. Die Strafkammer hielt ihn seinerzeit, vor­nehmlich auf Grund der Gutachten Schreib sach- ve r st ä n o c g e r, für überführt und verurteilte ihn. Stock rjr aber unschuldig verurteilt worden. Bald nach seiner Inhaftnahme erhielt Oberbürgermeister Dr. Lentze abermals einen Drohbrief, und zwar augenscheinlich von derselben Hand geschrieben wie die früheren. Stock konnte ihn nicht geschrieben haben, denn er saß ja im Gefängnis, und Briefe, die er von dort aus geschrieben hätte, hätten durch die Hände der Gefängnisverwaltung gehen müssen. Diese hatte einen derartigen Brief aber nicht zu Gesicht bekommen. Uebrig blieb nur noch, daß nicht Stock, sondern ein Anderer der Verfasser war. Neue Ermittelungen blieben nicht ohne Resultat; man sand einen Mann heraus, dessen Handschrift derjenigen in den Drohbriefen aufs Haar glich, allein ehe man ihm den Prozeß machen konnte, starb er. Nunmehr wurde die Wiederauf­nahme des Verfahrens gegen Stock eingeleitet, und er wurde freigesprochen.

Urcnz Kcil.rich in Amerika.

Newyork, 24. Febr. Prinz Heinrich gab gestern abend an Bord derHohenzollern" ein Mahl. Gäste waren: die Abgesandten des Präsidenten, Botschafter v. Holleben, die Mitglieder der in Newyork wohnenden K'onsularkorps, viele hervorragende Persönlichkeiten und das Gefolge. Später wohnte der Prinz dem Empfang im Klubhause des deutschen Vereins bei, wohin er durch eine Schwadron berittener Nationalgarde eskortiert iourde. Das Gefolge des Prinzen, Graf Baudissin und die übrigen Offiziere derHohen­zollern" schlossen sich dem Zuge an. Aus des Prinzen Wunsch wurden ihm im Klubhause die Vereinsmitglieder und deren Familien vorgestellt. Täbei verneigte er sich vor

den Herren und reichte den Damen die Hand. Vom Klub- hause fuhr Prinz Heinrich nach der Pennsylvania-Erfen- bahnsähre an der 32. Straße, kam Mitternacht in Jersey- City an und bestieg dort einen Dahnzug. Um 1 Uhr setzte sich dieser in Bewegung. Der Prinz erschien alsbald aus der rückwärttgen Plattform und verbeugte sich dankend für die Sympathiekundgebungen der Bevölkerung. Das Geschwader )es Admirals Evans illuminierte gestern abend. Aus der Illinois" war der Name des Schiffes in Buchstaben, die aus elektrischen Lampen gebildet waren, 2 Fuß hoch ober­halb der Kommandobrücke angebracht. Am Hause des Steuermanns, am Mastkorb und an den Schiffswandungen befanden sich in elektrischen Lampen die Worte:Will- kommen Prinz Heinrich!" Auch Reelings, Stagen und die Gefechtsmaste waren elektrisch beleuchtet, besonders effekt­voll war auch die Illumination derCincinnati".

Ueber die Vorgänge vor der Abreise des Prinzen Heinrich vonNewyorknachWashington meldet man olgendes: Als Prinz Heinrich am Sonntagnachmtttag die Regierungswerft besuchte, schüttelte er auch dem Kapitän Cvghlan die Hand, dessen Bekanntschaft er rn Asien gemacht hatte. Bei dem Besuche auf Governors Island wurde nach der öffentlichen Begrüßung Wein gereicht. General Brooke brachte einen Trinkspruch auf den Prinzen Hein­rich aus, den dieser mit einem solchen aus die Armee be­antwortete. Die Musik spielte: ,Lch bin ein Preu^", ,Mas ist des Deutschen Vaterland",Die Wacht am Rhein", und den Präsidenten-Marsch. Prinz Heinrich sprach dem Major Duval seinen Dank für die ihm erwiesene Ehre aus und gab einer Anerkennung über das stramme militärische Aus­ehen der Küsten-Artillerie Ausdruck. Als Prinz Heinrich nach dem Besuck. der deutschen Vereine nach Jersey City auf einem Extta-Fäyrboot hinüberfuhr, stieg er zum Lotsen­haus des Bootes hinauf und unterhielt sich mit dem Lotsen. Nach der Ankunft auf dem Bahnhofe bestteg der Prinz mit dem Admiral Evans den Privatwagen des Kolumbia- Sonderzuges und stellte sich dann, Cigarette rauchend, auf die Plattform des Wagens. Der ganze Bahnhof präsen- tterte sich in seiner Sauberkeit, wje er sie noch nie aufi- gewiesen hat. Der Privatwaaen war von herrlichen Blumen angefüllt. Der Prinz und der Admiral waren in Unter­haltung. Evans füllte dann die Gläser zum Abschiedstrunk. Das Publikum auf dem Bahnhofe brachte Hurrarufe ans. Prinz Heinrich verneigte sich dankend, und als beide noch­mals die Gläser ergriffen, ertönten wiederum Hurrarufe für die nun Admiral Evans durch Verneigen seinen Dank kund gab.

Washington, 24. Febr. Der Sonderzug des Prin­zen Heinrich rst nach kurzem Aufenthalt rn Baltimore^ wo der Prinz aufs herzlichste empfangen wurde, heute vor­mittag 10 Uhr hier cm gekommen. Nach der Ankunft in Baltimore um 9 Uhr vormittags wurde Prinz Heinvich durch den Mayor von Balttmore, den hervorragende Bür­ger der Stadt begleiteten, willkommen geheißen und chm eine Adresse der Municipalität überreicht. Der Prinz ant­wortete mit einer kurzen Ansprache. Ern Chor von 200 Sängern trug deutsche Lieder vor. Nach einem Aufenthalt von 20 Minuten setzte sich der Zug wieder in Bewegung. Als der Prinz in Washington eintraf, hielt eine unabseh­bare Menschenmenge dre Depots und die zum Weißen Hause führenden Straßen besetzt. Truppen und Miliz bildeten Spalier. Der Prinz nebst Gefolge wurde von den Staats­sekretären Hay und Long, sowie von den Mitgliedern der Teutschen Botschaft und den Attaches am Bahn­hof empfangen. Tie Herren bestiegen die berettstehenden Galawagen, die von einer Kavallerie-Eskorte beglettet wurden. Während die Musik patriotische Weisen spielte, fuhr der Prinz zum Weißen Hause.

Der Präsident mußte den Prinzen der Etikette zu­folge im blauen Saale allein und ohne Einführung em­pfangen, da kein Vertreter der deutschen Union in Amerika einen genügend hohen Rang hat, um einen Prinzen könig­lichen Geblüts einzuführen. Nachdem beide Herren eine kurze Unterhaltung gepflogen, brachte der Präsident den Prinzen in den roten Salon, wo Frau und Frl. Roosevelt waren, und im grünen Salon erfolgte die Vorstellung der Kabinets- mitglieder und deren Damen.

DerPrinz verblieb eine Viertelstunde imWeißen Haus, wo er eine lebhafte Unterhaltung mit dem Präsi­denten, Frau und Fräulein Roosevelt und den Kabinettsmtt- gliedern pflog. Mütags fuhr Roosevelt zur deutschen Ge­sandtschaft zur Erwiderung des Besuches, wo er 10 Minuten verblieb. Beim heutigen Diner im Weißen Hause werden 80 Gedecke gelegt. Zur Rechten des Präsidenten wird Prinz Heinrich sitzen, zur Rechten dieses Frau Roosevelt, links von Präsidenten der Sprecher Henderson, neben diesem Fräulein Roosevelt. Sonst sind keine Damen anwesend und auch diese beiden nur, brs der Trinkspruch auf Frau Roosevelt ausgebracht wird.

Aus dem Wege nach Washington drückte der Prinz den Wunsch aus, einmal auf einer amerikanischen Lokomotive zu fahren, was später in der Woche arrangiert wird. Sen­sationsblätter bringen eine .aufregende Schilderung über einen kleinen Unfall bei der Fahrt nach dem Weißen Hause, als das Pferd einer Kutsche durchging und der Durchgänger har

an dem prinzlichen Wagen vorbeirannte, indessen war der Prinz nicht in Gefahr.

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Ter Berliner Oberbürgermeister Kirschner hät an den Bürgermeister von Newyork, Mr. Low, ein Begrüßungs- Telegramm gerichtet. Es wird darin namens der Rerchs- hauptstadt der Freude und Genugthuung Ausdruck gegeben, raß durch den Besuch des Prinzen Heinrich die freund- chaftlichen Beziehungen zwischen der fernen transatlantt- schen Republik und der deutschen Nation eine erneute Bestätigung erfahren haben.

Tie Reise des Prinzen Heinrich wird in der Illu­strierten Zeitung in Wort wie in Bild mtt Sorgfalt bedacht. An Bord desKronprinzen Wilhelm" begab sich auch der Spezialzeichner derJllustt. Ztg." E. Limmer nach Amerika, um von der Reise und dem Aufenthalt des Prinzen in Amerika die wichtigsten Momente im Bilde festzuhalten. Tie Nr. 3060 enthält das Präludium der Reise des Bruders Kaiser Wilhelms II. Den Reigen der Illustrationen eröffnen Bildnisse des Prinzen Heinrich, des Präsidenten Roosevelt und der anmutigen. Miß Alice Roosevelt, die bekanntlich auf Wünsch des Deutschen Kai­sers die Taufe von dessen neuester Rennyacht vollziehen wird. E. Limmer vergegenwärtigt die Abfahrt des Prinzen von Bremerhaven. Eine doppelseitige Zeichnung G. Marttns veranschaulicht das vom Admiral Evans befehligte amerika­nische Geschwader, das dem Prinzen zur Begrüßung ent­gegenfuhr. Prächtige Aufnahmen machen bekannt mit dem gigantischen, achtzehnstöckigen Waldorf-Astoriahotel in Newyork, in dem das Festbankett der amerikanischen Presse zu Ehren des Prinzen stattfindet, und mtt dem durch drei Stockwerke reichenden Fest- und Theatersaal dieses größten und prächtigsten Hotels der Erde. Wir werfen einen Blick in das Innere eines Pullmanwagens des Luxuszuges, mit dem Prinz Heinrich die Reise nach der Bundeshaupt­stadt am Potomac unternahm; mit Washington, der schönsten Stadt Amerikas, machen uns die Ansichten des kuppelgekrönten majestätischen Capitols und des Weißen Hauses, der Amtswohnung des Präsidenten, vertraut; be­sonders fesselt der Blick in das Arbeitszimmer Mr. Theo­dore Roosevelts. Der Marinemaler Willy Stöwer hat das DoppelblattDie neue Kaiseryacht Meteor nach ihrer Voll­endung" beigesteuert, das durch zwei Ansichten vom Bau. dieser Aacht auf der Werft von Townsend and Downey auf Shooter's Island ergänzt wird. Fünf Abbildungen betreffen die Hauptprunkstücke des kaiserlichen S-ilberschatzes, der für das Festbankett auf derHohenzollern" bestimmt ist. Interessant sind die neuesten Marrnetabellen Kaiser Wilhelms IL, die die Vereinigten Staaten betreffen.

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Washington, 25. Febr. Prinz Heinrich vonPrenßen wurde im Weißen Hause nach dem blauen Saal geleitet und dott von Roosevelt empfangen. Es fand eine formelle Unterredung statt. Der Präsident geleitete alsdann den Prinzen zu seiner Gemahlin und seiner Tochter Alice, sowie den Kabinetsmttgliedern. Danach fuhr der Prinz zu der reich geschmückten Botschaft, deren ersten Stock er bewohnt. Präsident Roosevelt stattete am Vormittag einen formellen Gegenbesuch ab. Später begrüßte der Präsident de§ Distrikts­kollegiums den Prinzen als Vertreter des Landes Friedrichs des Großen und Friedrichs des Guten, der Heimat von Wissenschaft nnd Kunst. Um 4 Uhr besuchte der Prinz das Kapitol. Beim Erscheinen im Senat wurde der Prinz nut Händeklatschen begrüßt.

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Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungeu des Gießener Anzeigers.

Kassel, 24. Febr. Gestern abend wurde auf den Speisewagen des Berlin-Frankfurter D-Zuges zwischen den Stationen Sangerhausen und Nordhausen, etwa in der Nähe von Roßla ein Schuß abgefeuert. Die Kugel zer­trümmerte die Fensterscheibe, sodaß die Glassplitter einem in der diähe des Fensters sitzenden Herrn die Hände ver­letzten. Als man aus dem Fenster schaute, gewahrte man drei Leute in englisch-ledernen Beinkleidern, die sich eilig aus der Nähe des Bahndammes entfernten.

Berlin, 25. Febr. DerBerl. Börs. Kur." hört, es sei fraglich, ob die Börsengesetznovelle dem Reichstage vor dem Herbst zugehen werde.

Oerebro, 25. Febr. Auf dem nahen Schießplatz fand gestern nachmittag während eurer Schießübung eine Explosion statt, wodurch ein Flottenkapitän und zwei andere Personen getötet, einer schwer und mehrerp leicht verletzt wurden.

Loudon, 25. Febr. Kitcheuer telegraphiert: In der letzten Woche wurden 24 Buren getötet, 12 verwundet und 379 gefangen genommen, darunter der Feldkornet Grobelaar. 104 Buren ergaben sich.

Belgrad, 24. Febr. Hier verlautet, die Mission des montenegrinischen Ministers des Aeußern stand u. a. auch mit einem Heiratsprojekte im montenegrini­schen Herrscherhause in Verbindung.

Kmyert-Uerein.

Gießen, 24. Febr.

Tas gestrige letzte Konzert dieser Saison, zu dessen Ausführung der Vorstand des Konzert-Vereins nach Pros. Joachims Absage das Künstlerpaar Frau Emma Rückbeil-Hiller (Sopran) und ihren Gemahl Herrn Hugo Rückbeil (Violine) sowie den Frankfurter Pia­nisten Herrn Chr. Gerh. Eckel gewonnen hatte, bedeutet namentlich in gesanglicher Beziehung einen Erfolg, wie er als würdiger Schluß der Saison nicht schöner gedacht werden kann.

Frau Rückbcil-Hiller, die gestern zum fünften Male als Gast des Konzertvereins in Gießen weilte, und die bei allen Musikfreunden von früher her in angenehmster Erinnerung stand, stellte sich diesmal als Liedersängcrin- vor und erbrachte damit den Beweis, daß sie auch auf diesem Gebiete der Kunst das Vorzüglichste leistet und unter ihren Kolleginnen kaum ihres Gleichen finden dürfte. Mit ihrem in allen Lagen gleich herrlich klingenden Organ, dessen Wohllaut durch ausgiebigste Verwendung aller technischen Hilfsmittel noch wesentlich erhöht wird, brachte sie die verschiedenen Lieder von Schubert, Brahms, Richard Strauß und Rubinstein in einer seltenen Vollendung zu Gehör, so daß es den Zuhörern nicht zu verdenken mar, wenn sie dieFeldeimamrett" von Brahms stürmisch da

capo verlangten und am Schluß des Konzertes der be­liebten Künstlerin noch eine weitere Zugabe,vergebliches Ständchen" von Brahms, abjubelten.

Als tüchtiger Geiger von gutem Geschmack und ge­diegenem Können führte sich Herr .Hugo Rückbeil ent. Auch die Mahl seiner Vortragsstücke ließ erkennen, daß er sich hohe Ziele gesteckt hat, und bei der Wiedergabe der einzelnen Nummern ließ er in Bezug auf Technik und Auffassung erkennen, daß er ein hervorragender Meister seines Instrumentes ist, der es früher leider ver­säumte, sich öffentlich hören zu lassen.

Ten Klavierpart zu den Violinvorträgen hatte Herr Eckel aus Frankfurt übernommen, und wir erkennen seine Leistungen um so lieber an, als es ihm gelang, trotz der sehr kurzen Vorbeüeitungszeit die nicht uner­heblichen Schwierigteiten im Klavierpart der Violinsonate von Beethoven und des Violinkonzerts von Godard zu überwinden. Tic von ihm vorgetragenen Klaviersoli von Chopin (Nocturno in F und Polonaise in As, ernteten reichlichen Beifall; auch seine deccnte und feinsinnige Begleitung der Lieder sei lobend erwähnt. Es war ein Würdiger Schluß, und der Vorstand des Konzertvereins! kann ivieder mit Stolz auf eine weitere verflossene Saison zurückblicken. Pr.

Neue K u n st l i t t e r a tu r. Tas Februar-Heft der Kunst" (München, Bruckmann, vierteljährlich 6 Mk.) wird

textlich mit einem lesenswerten AufsatzDie Freiheit der Kunst" eröffnet, in dem der Tübinger Kunstgelehrte Konrad Lange in offener und freimütiger Weise Stellung zu der viel erörterten Kaiserrede anläßlich der Vollendung der Denkmäler-Gruppen in der Siegesallee nimmt. An die erste Wiederkehr von Böcklins Todestag (16. Januar) erinnerte ein Aufsatz Hugo von TschudisDre Werke Arnold Böcklins in der Kgl. Nationalgalerie zu Berlin", der in seinem Beginn (vier Abbildungen) mitgeteilt wird.Neue Skulpturen von Max Klinger" (neun Abbildungen) reihen sich an, von Paul Schumann besprochen;Graphische Arbeiten von Käthe Kollwitz" (sechs Abbildungen) würdigt A. L. Plehn. Von aktuellem Interesse sind das von vier Abbildungen begleitete Referat von H. E Walttees über die Konkurrenz fürDas Hamburger Bismarck-Denkmal", eine in ihren Tetails pikante Bettachtung Benno Rütten­auersDarmstadt nach dem Fest" und in gewissem Sinne auch die nach Umfang und Inhalt bedeutsamste Veröffentlichung des vorliegenden Heftes, die auf 30 Seiten (Text von Erich Haenel, dazu ein Aufsatz des Künstlers selber) mit 65 Abbildungen dem jetzt an die Stuttgarter Hochschule berufenen Münchener Architekten Theodor Fischer gewidmet ist. Das zu Beginn des Heftes gegebene mehr­farbige Kunstblatt i)t dieses Mal ein weiblicher Skudien- kopf Raffael Schuster-Waldaus, weitere Sonder-Beilagen sind die Faksimile-Wiedergabe eines Briefes Arnold Böcklins und eine Original-Lithographie von Kätbe Kollwitz.