Ausgabe 
24.7.1902 Erstes Blatt
 
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Nr. 171

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Zamilien- blatter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Univers.-Buch- u. Stein­druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:

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Erstes Blatt. 152. Jahrgang

Donnerstag 24. Juli 1902

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger w

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Bezugspreis: monatlich75Pf., oiettel* jährlich Mk. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2. viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilen preis: lokal 12Pf* auswärts 20 Psg.

Verantwortlich: für den polit. u. allgem« Teil: P. Wittko; für Stadt und Land" und Gerichtssaal"- Curt Plato; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Deutsches Keich

Aas Schiffsunglück auf der tzlve.

Immer größer wird die Zahl der unglücklichen Opfer bet Katastrophe aus der Elbe. Aus Hamburg wird heute gemeldet: Immerfort lausen noch Nachträge zur Liste der Vermißten bei der Eilbcct'er Zentralstelle ein. Ws vermißt wurden b; gestern nachmittag 4 Uhr noch fec9£

Bekanntmachung.

Ein dem Handelsmann Moses Simon II. von Pohl- Göns gehöriges, auf dem gestrigen Viehmarkt aufgetriebenes Rind ist der Maul-- und Klauenseuche verdächtig befunden, und deshalb unter Stallsperre gestellt worden. Dasselbe be­findet sich in dem zur Aufnahme kranker Tiere bestimmten Stall hinter dem Viehmarktplatz.

Gießen, 23. Juli 1902.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Hechler.

Ausland.

London, 23. I. ... Der Siönig stimmte der Ein­setzung einer königlil^ir Kommission zur Prüfung

ist ihr Vetter, Prinz Arthur,, Sohn des Herzogs von Connaught der Auserwählte.

Bremen, 23. Juli. Oberbaudrrektor Franzms hat im Auftrage des Bremer Senats ein Kanal- und ^fen- proiekt ausgearbeitet, das zur Verbindun g der See­schiffahrt mit der Binnenschiffahrt auf der Weser unb dem Mittellandkanal bienen soll. Der geplante Kanal soll von der Oberweser durch die Neustabt nach der llnterweser führen. Die Kosten sind auf 15 M rl- c ton en geschätzt. Der Dau des Kanals ist wdoch nur dann ins Auge zu fassen, wenn dre Aussichten des Mittel­landkanals gesichert sind. , .

Dresden, 23. Juli. König Georg rft erkrankt und muß seit gestern das Bett hüten.

der Urteilssprüche des Kriegsgerichts in Südafrika zu, die berichten soll, ob es ersprießlich sei, dieselben zu erlassen, oder zu mildern.

Der König wird am 6. August in London erwartet, wo er und die Königin noch eine Krönungsprobe abzuhalten haben, wofür der Klerus besonders honoriert wird. Außer ganz nahen Verwandten des Königs werden reine Fürstlichkeiten aus dem Auslande erscheinen. Alle Krönungs-Delorationen fallen fort. Dagegen findet abends eine große Illumination statt.

Unter den heute in Queenstown gelandeten Passa­gieren des DampfersAvondale-Castle" befand sich Oberst Schiel, der zwei Jahre als Gefangener auf St. Helena! zugebracht hat, und sich demnächst nach Deutschland begiebt.

Unterhaus. Aus eine Anfrage, ob die Regier rung die rückständigen Zinsen fiir die niederländische Eisen­bahn zahlen würde, in Anbetracht dessen, daß das Kapital und die Zinsen von der Südafrikanischen Republik garan­tiert seien, erwidert Chamberlain schriftlich, daß die Regierung auf eine sofortige Beantwortung dieser Anfrage nicht vorbereitet sei. In Beantwortung einer weiteren Anfrage erklärte Chamberlain, Dr. Leyds sei nicht auf demBavarian" nach Südafrika abgereist.Per­sonen dieser Art" werde die Erlaubnis pr Rückkehr nicht erteilt. Field fragt an, ob die Auf­merksamkeit der englischen Regierung aus die Thatsache gelenkt worden sei, daß die russische Regierung eine Einladung zu einer internationalen Konfe­renz habe ergehen lassen, um zu beraten, welche Maß? regeln getroffen werden sollten gegen die künstliche Preisherabsetzung, die durch Exportprämien, durch die zwangsweise Regelung der Produk­tion und durch Spekulation verursacht werde. Bal­four erwidert, im Anschluß an die Brüsseler Konferenz habe die russische Regierung den Vorschlag gemacht, es sollte eine internationale Konferenz zur Beratung einiger der in der Anfrage erwähnten Punkte zusammentreten. Die Antwort, welche die englische Regierung auf die Einladung geben solle, werde noch erwogen.

Die englische Regierung hat die Zensur für Briefe von und nach Südafrika und in den afri­kanischen Kolonien sowie St. Helena endgiltig aufge- hoben.

Brüssel, 23. Juli.Petit bleu" teilt mit, daß fein südafrikanischer Korrespondent, der von den Engländern auf den Bermudas-Inseln gefangen ge­halten wurde, und wegen Beteiligung an einem Komplott demnächst vor einem Kriegsgericht erscheinen sollte, entflohen und in Newyork glücklich eingetroffen ist. Der Korrespondent verspricht die Veröffentlichung sensa­tioneller Berichte über die von den Engländern gegenüber den Burengefangenen eingenommene Haltung.

Eine hier weilende Burenfrau erhielt vom (Genera! Botha ein Schreiben, demzufolge ihr Gatte unter schrecklichen Umständen umgekommen sei. Wäh­rend der Verhandlungen in Vereeimging und nachdem der Waffenstillstand bereits geschlossen worden, wurde ein Burenlager bei Vryheit nachts von Zulus überfallen, 56 Buren wurden niedergemetzelt unb die Frauen vergewaltigt.

Rom, 23. Juli. Heute nachmittag wurde die Leichs des Kardinals Ledochowski in der schwarz ausgeschla­genen Kapelle der Propaganda feierlich aufgebahrt; Kapu­ziner halten die Totenwacht. Freitag vormittag wird die Leiche des Kardinals in stillem Zuge nach der Kirche San Lorenzo in Lucina verbracht werden, deren Titular Ledo­chowski gewesen. Dort wird eine Trauermesse abgehalten und alsdann die Beisetzung in der Kapelle der Propaganda in Darano erfolgen. "Das Herz des Kardinals wird nach Gorki gebracht.

Prag, 23. Juli. Zur Angelegenheit desPrager Steckbriefes" wird gemeldet: Die Redaktion des Polizei-Anzeigers" wurde infolge des bekannten! Vorfalles einem juristisch gebildeten Beamten über­tragen. (Bisher war es ein Feldwebel a. D.)

Komische Tagesschau.

Obstruktion in Bayern.

Man meldet heute aus München:

Die Kammer der Abgeordneten lehnte durch die Stimmen des Zentrums und zweier Bauernbündler gegen das übrige Hans die in früheren Jahren stets bewilligte Forderung von 100000 Mark für d i e Erwerbung ausgezeichneter Kunstwerke, insbesondere für die Staatskunstsammlungen ab. In der Debatte hierüber empfahl Staatsrat v. Schraut die For­derung nochmals aufs Wärmste. Der Berichterstatter Dr. Schädler wiederholte im Schlußworte, das Zentrum lehne die Forderung nur in An betracht der veränderte nLage ab.

Das bayrische Zentrum zeigt also seine Macht. Die ^veränderte Lage" verändert durch den unliebsam em­pfundenen Rücktritt des Herrn Dr. Schädler nahestehenden Kultusministers bestimmt die Taktik des Zentrums, das die bayrische Regierung gerade durch Ablehnung der Kunstforderungen am empfindlichsten zu treffen glaubt und, nach Gesprächsäußerungen des bayrischen Ministerpräsi­denten, insbesondere auch den Regenten trifft. Abg. Dr. Schädler führt die feindliche Truppe mit der Energie, die wiederholt auch im Reichstag an ihm zu beobachten ge­wesen ist.Das Zentrum kann auch anders"- nämlich eine Stütze der Regierung sein: dieser Ausspruch wird wahr gemacht. Und Graf Bülow dürste nicht ohne Beklommen­heit die Vorgänge in Bayern verfolgen, ahnungsvoll erwä­gend, was da erst passieren könnte, wenn das Zentrum im Reichstag des trockenen Tones satt wird.

Die Zolltarifkommisfion

nahm am Mittwoch zunächst zu Pos. 719 Thon röhr en einen Antrag Goth ein an, nach dem upglafierte Röhren zollfrei fein sollen, unb behielt für andere Thonröhren den Zollsatz der Vorlage von 40 Pfennig bei. ' Pos. 720 würbe nach der Vorlage angenommen, ebenso die Po­sitionen bis 734, einschließlich. Damit ist auch der Aib- schnittThonwaren" erledigt. Die Kommission ging sodamr zum 15. Abschnitt, Glas und Glaswaren, über unb nahm die Pos. 735 bis 740 unüeränbert an. Zu Pos. 741 wurde ein Antrag Gothein angenommen, durch dm der Zollsatz für durchsichtiges Spiegelglas von 4 auf 3 Mark ermäßigt, für Tafelglas je 120 Zentimeter lang und breit, von 8 auf 6, bis je 200 Zentimeter, von 10 auf 8, über 200 Zentimeter von 12 auf 10 Mk. herabgesetzt wird. Die Pos. 742 und 747 werden nach der Vorlage genehmigt. Pos. 743 mit einer redaktionellen Aenderung, Pos. 744 mit der Ermäßigung des Zollsatzes für gefeldertes Glas von 30 auf 24 Mark, Position 745 wird unter Fortfall der Unterscheidung zwischen gefeldertem und ungefedertem Glas auf den Ginheitszoll von'24 Mark ermäßigt, Position 746, bemaltes, vergoldetes und versilbertes Glas wird von 36 auf 30 Mark ermäßigt, alles nach den Anträgen Goth eins.

Dr. Arendt kommt auf die letzten sensationell ge­färbten Berichte über die Kommissionsverhandlungen zurück, und stellt fest, daß diese in keiner Weise aus der Kom­mission hervorgegangen seien. Graf Posadowsky er­klärt: Alles war erstaunt über diese Mitteilungen, er habe sich so unparlamentarischer Ausdrücke, wie sie jene Kor­respondenz enthalte, nicht bedient, er habe nur vor Zoll- er Höhungen gewarnt. Die Nottz jener Korrespon­denz beruhe auf Unwahrheit. Solche Sensationsnachrichten förderten nichts, sie beruhen auf Erfindung.

Dazu schreibt uns heitte*un s er Berlin er parla­mentarisch er Mitarbeiter: .

Daß der Staatssekretär sich während feiner Aeußer- ungen in einem an ihm selten bemerklichen Zustand der Erregung befand, ist von verschiedenen Seiten mit­geteilt und halbamtlich nicht bestritten worden. In solchen Augenblicken, wo einem die Geduld ausgeht, sagt man Manches, woran man bei zurückgekehrter Ruhe kaum noch sich erinnert. Ja, es kann jemand der festen Ueberzeugung sein, Worte ober Ausdrücke überhaupt nicht gebraucht zu haben. Im Reichstag, bei der Korrektur der stenographi­schen Berichte durch die Redner ist ein solcher Fall der Selbstvergeffenheit keineswegs selten. Jeglichen Zweifel entkräftet da die übereinstimmende Niederschrift der Steno­graphen. In der Zolltarifkommission, wre m den Kom­missionen überhaupt, sind stenographische Ausnahmen der Reden nicht üblich. Man wird diesen Modus auch nicht einführen wollen, weil in den nicht der Öffentlichkeit zu­gänglichen Kommiffionssitzungen rhetorische Ausschmückung nicht beliebt ist. Weniger vielleicht im Interesse der sach­lichen Erörterung, als aus dem Grunde, weil die Reso­nanz" den Kommiffionssitzungen fehlt durch die Abwesen­heit von Publikum und einer angemessenen Vertretung der Presse. .

Die den Berliner Zeitungen privatim zugehendm Be­richte über die Kommissionssitzungen sind im allgemeinen nicht ein wandsfrei. Entweder sie sind imter Bevorzugung

Berlin, 23. Juli. Aus S o e h o l t wird gemeldet: Die ,Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord ist nach guter Fahrt vor Oerskog eingetroffen. Ob eine Fahrt nach dem Geiranger ftjorb stattfindet, wird vom Wetter abhängen. An Bord ist alles wohl.

Nach einem Telegramm aus Paris traf der fran­zösische Yachtbesitzer Trous seile in der vorigen Woche in Bergen ein. Kaiser Wilhelm stellte der havarierten Yacht einige Taucher zur Verfügung, um den Schaden zu besehen. Dies gab dem Franzosen Anlaß zu einem Dank- besuch beim Kaiser. Jrn Verlaufe des Gesprächs war von Waldeck-Rousseau nicht die Rede.

DemB. T." wirb aus Lonbon telegraphiert: Ob­wohl nichts Offizielles darüber bekannt ist, daß der deutscheKaiser nach Cowes kommt, glaubt man doch an Bord der YachtVictoria and Albert" an den bereits vor Wochen für den 3. August angekündigten Besuch des Kaisers, doch heM es, der Kaiser werde noch am selben Abend wieder abdampfen. Nach der offiziellen Ankündigung des Besuches Kaiser Wilhelms wird noch ein weiterer Kreuzer nach Cowes beordert werden.

Aus Gothae r Hofkreisen wirb geschrieben: Nach dem hiesigen Hausgesetz wird der Herzog erst mit voll­endetem 21. Lebensjahr also am 19. Juli 1905 groß­jährig; bis dahin führt sein Vormund, Erbprinz Hohen­lohe-Langenburg, die Regierung. Der junge Herzog ver­bleibt vorläufig in Groß-Lichterfelde, um unter den Augen urisers Kaisers feinen Studien obzuliegen; später wird er eine deutsche Universität besuchen, danach Dienst in der preußischen Armee thun, und am 19. Juli 1905 die Regie­rung der Herzogtümer Koburg und Gotha antreten.

Die wechselnden Gerüchte über die Verlobung bet Prinzessin Beatrice von Sachsen-Koburg- Gotha sind um eine neue Version vermehrt. Danach ist chr Vetter, Prinz Arthur, Sohn desHerzogs

Heer unb Flotte.

Gießen, 24. Juli. Militärd i en stnachr ich,terr. Morneweg, Hauptm. z. D., Bezirksoffizier beim Land­wehr-Bezirk Gießen, der Charakter als Major verliehen. Pampe, Hauptmann al. s. des Jnf.-Regts. Kaiser Wil­helm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 unb Komp.-Führer an ber Unteroff.-Schule in Biebrich, als aggregiert zum Jns.-Regt. Herzog Ferdinand von Braunschweig (8. Westsäl.) Nr. 57 versetzt, v. Kummer, Oberstleutnant a. D. und Zbomman- beur des Landw.-Bezirks I Trier, mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des Jnf.-Leib-Regts. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, und Boerner, Hauptm. z. D. in Cassel, zuletzt Komp.-Chef im 4. Großh. Hess. Jnf.-Resgt. (Prinz Karl) 9tr. 118, mit der Aussicht auf Anstellung im Zivildienst und der Erlaubnis zum ferneren Tragen ber Uniform des vorgenannten Regiments der Abschied mit ihrer Pension bewilligt. Schaaf, Unterarzt beim Inf.- Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, zum Assi- stenzart befördert. Dr. Römer (Gießen), Dir. Kroe- m e r (Gießen), 2lssiftenz-Aerzte der Res., Dr. V a u ni a ttn (I Darmstadt) Assist.-Arzt der Landwehr 1. Aufgebots zu Oberärzten befördert.

einer Parteirichtung abgefaßt, oder sie geben kein deutliches unb erschöpfendes Bild der Verhandlung. Die aus oer Feder vom offiziösen W. T. B. herrührenden sind aber so gearbeitet und bearbeitet, wie sie der Regierung ge­nehm sind. In erster Reihe kommen die Erklärungen der Regierungsvertreter in Betracht, von den pointierten Aeuße- rungen eines Oppositionsmannes schweigt zumeist des Sängers Höflichkeit. Nun ist die Zolltarifkommisfion ein Parlament im kleinen, die Beratungen und Beschlüsse dieser Kommission gehen einen gewaltigen Kreis von Interessenten recht nahe an, unb nicht nur dies, sie beschäftigen jeden, ber der Wirtschasts- und Handelspolitik Anteilnahme ent­gegenbringt. Unter diesen Umständen sind korrekte und absolut wwfektive Berichte, korrekt auch im Thatsächlichen, eine Notwendigkeit. Die Presse müßte bei der Bedeutung dieser Beratungen in größerem Umfange, als dies jetzt geschieht, Zutrttt erhalten.

Wir teilen die Meinung nicht, daß die Zolltarifkom­mission nur noch ein kurzes Dasein haben werde. Gerade )ic zweite Lesung des Tarifenttvurfs in der Kommission verspricht noch viel des Bemerkenswerten. In der zweiten Lesung kommt es bei den Abstimmungen zu den entscheiden­den Auseinandersetzungen zwischen den Befürwortern des Hochschutzzolls und der Regierung. Die Öffentlichkeit hat begründeten Anspruch darauf, über diese Ereignisse ausführ­lich und vor allem zutreffend unterrichtet zu werden und nicht auf das Raten angewiesen zu sein, welcher von den privilegierten" Berichten als genau unb zuverlässig zu betrachten ist. Der Einwanb, daß in der Kommission zu­weilen auch vertrauliche Mitteilungen gemacht werben, bie nicht für das große Publikum be­stimmt sind, hält nicht Stich für die beschränkte Zu­lassung der Presse. Die Presse wird täglich unb aller Orten zum Mitwisser von vertraulichen, sehr vertraulichen Angelegenheiten gemacht und braucht nicht erst die Probe derDiskretion zu b e ste hen. Ueberdies find in der Zolkkommission bisher nur in sehr wenigen Füllen geheim zu behandelnde Mit­teilungen seitens oer Regierung gegeben worden. Anders ist die Sache bei einer Marine- oder Militär vor läge.

DieKöln, Ztg." erkennt bas formelle Recht ber einzelnen Staaten an, eine Forderung im Reichs­tage ober in ber Kommission zu vertreten, und fährt dann fort: Es ist selbstverständlich, bah die Bundesratsbevoll­mächtigten auch bie kleinen und weniger wichtigen In­teressen Ihrer Staaten im Bundesrate nachdrücklich ver­teidigen. Wenn sie damit aber nicht durchgedrungen sind, so sollten sie aus einem Solidaritätsgefühl her­aus einen Widerstand fahren lassen, derbeineben­sächlichen Fragen sehr leicht einen llemlichen und nörgeln» den Charakter annehmen kann.